Glarean Magazin

Der Erostepost-Literaturpreis 2011

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Geschichten vom Reisen

Die österreichische Literaturzeitschrift «erostepost» schreibt erneut einen mit 1’500 Euro dotierten Preis für literarische Texte aus. Diesmal soll das Thema «Reisen» im Zentrum stehen: «Reiseutopien, Beiträge zu imaginären wie tatsächlichen Reisen, Aufzeichnungen über Begegnungen mit der nahen Ferne wie mit der fernen Nähe vielleicht, mit dem Fremden und dem Bekannten, mit letzten weißen Flecken wie mit touristischen Trampelpfaden». Einsende-Schluss ist am 31. Dezember 2010, die weiteren Details sind hier zu lesen. ■

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Schreibwettbewerb für Kurzprosa und Lyrik

Posted in Literatur, Literatur-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 10. September 2010

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«Sei jemand, der du nicht bist»

Zum fünften Mal schreibt das deutsche Reise-Portal «Literarisch-Reisen» seinen Literatur-Wettbewerb aus. Diesmal lautet das Thema «Sei jemand, der du nicht bist». Eingereicht werden können eine Kurzgeschichte bzw. ein Gedicht pro AutorIn. Die zwei «literarisch interessantesten» Beiträge werden mit je 100 Euro prämiert. Einsende-Schluss ist am 31. Oktober 2010, die weiteren Details hier. ■

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Kurzprosa von Heidemarie Markhardt

Posted in Heidemarie Markhardt, Literatur, Neue Prosa by Walter Eigenmann on 10. August 2010

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Amerika ist weit weg

Heidemarie Markhardt

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Mit dem Zug wollte ich 1982 nach Italien und dort bleiben, für immer die Sehnsucht nach Süden stillen. Noch vor Villach wird meiner Freundin die Handtasche geraubt. Das ganze Geld ist weg, der Pass wird im Klo gefunden. Wir ahnen, wer der Räuber war. Lange stand er vor unserem Abteil, bevor wir einschliefen. In Udine steigen wir aus, und er mit uns. Er nähert sich uns freundlich auf dem Bahnsteig und lädt uns zum Essen in der Bahnhofstrattoria ein. Da wir ab jetzt nur mehr von meinem Geld zehren werden, nehmen wir dankend an. Er erzählt uns von seiner komplizierten Existenz in Jugoslawien. Auch eine Art der Entschuldigung.
In Venedig laufen wir in schmalen Gassen den Katzen hinterher und kaufen gestreifte T-Shirts mit der Aufschrift «Venezia». In einer verträumt-verschrobenen Buchhandlung auf einer namenlosen Piazza finde ich ein von einer venezianischen Contessa im Selbstverlag herausgegebenes Buch mit Texten und Aquarellen über in den Kanälen lebenden Nixen. Am Abend, als die Stadt sich in rosa Dunst hüllt, flüstert mir ein Mann zu, dass überall der Teufel lauert.
Wir nehmen den Nachtzug nach Rom. Irgendwo auf der Strecke bleiben wir mit einem Ruck stehen. Sciopero! Es wird immer heißer im Abteil, in das acht Personen und jede Menge Koffer und Bündel gepfercht wurden. Jemand beginnt, ein Lied von Lucio Dalla zu singen. Ein anderer Mitreisender schneidet uns mit dem Taschenmesser Scheiben vom mitgebrachten Brot. Mortadella und Käse. Wein und Wasser. Der Zug fährt wieder ein Stück, bleibt wieder stehen. Reden, essen, singen – und manche schlafen. Dazwischen regt man sich lautstark und wort- und gestenreich über den leidigen Streik auf.

Dann, endlich in Rom, werfe ich Münzen in den berühmten Brunnen und wünsche mir ein Appartement mit Dachgarten auf der Piazza Navona – der heißgeliebten Piazza Navona – oder dass zumindest das Geld bis Sizilien reicht. In unseren Venezia-T-Shirts schlendern wir die Via Condotti entlang und tun so, als wären wir reich. Schön sind wir sowieso. Cerrutti, Armani und Versace. Guarda le scarpe! Cappucino im Café Greco, eine gute Investition. Schöne dekadente Menschen, und einer, der uns fragt: Mögt Ihr Caravaggio? Eine unscheinbare Kirche in einem Gässchen wird eigens für uns aufgesperrt. Ein dunkles Bild in einer dunklen Kirche. Die Augen des Gekreuzigten sind offen und folgen uns, bis wir wieder draußen sind.

In Wien gab uns ein sardinischer Busfahrer eine Adresse einer römischen Jobvermittlungsagentur. Sie führt uns in einen noblen Stadtpalast. Nachdem wir die edle Messingklingel bei der angegebenen Nummer gedrückt haben, öffnet sich Tür für Tür. Türschilder gibt es keine. Gelackte Menschen empfangen uns, freuen sich, dass uns der Sarde schickt. Sie rufen ihn auch gleich an, ob er uns wirklich kennt. Er scheint das am Telefon zu bestätigen. Sie taxieren uns, wirken interessiert. Kein Lebenslauf, kein Zeugnis ist von Interesse. Es genüge ja, dass wir uns auf Italienisch unterhalten können. Wir sollen am nächsten Tag wiederkommen, man würde uns eine Adresse einer Pension in Amalfi geben, wo wir dann sofort anfangen können. Wir bedanken uns und kehren nie wieder – wohl wissend, dass auch in Italien Jobvermittlungsagenturen nicht in barock möblierten Palazzi residieren.

Nach ein paar Tagen treibt es uns schon wieder weiter südlich. Die Waggone sind alt, vergammelt und noch viel unbequemer als nördlich von Rom. Immerhin zieren vergilbte Italien-Ansichten in Blechrahmen die überquellenden Abteile. In Neapel empfangen uns die ambulanten Händler am Bahnhof mit lautem panini-giornali-panini-Geschrei. Der kleine Mann in der Touristeninformation am Bahnhof vermittelt uns ein Zimmer bei seinem Cousin Marco. Wir nehmen einen Bus, der sich durch das Verkehrsinferno an den Stadtrand quält. «Jesus beschütze uns» steht auf den Klebern an den Heckscheiben der Autos. Betonsilos, ein Barackenghetto hinter einem Zaun, wo man Erdbebenopfer untergebracht hat. Gleich daneben ein schriller Vergnügungspark. Wir fragen uns durch nach Marcos Unterkunft. Völlig übermüdet schleppen wir uns zu einem mitten im Niemandsland isoliert stehenden Häuschen. Der Mann hat eine Augenklappe, und verlangt das Geld im voraus. Vor unserem Fenster liegen vom Unkraut überwucherte Eisenbahnschienen. In der Nacht schieben wir den Kasten vor die Tür.

Am nächsten Tag stehen wir auf der Landstraße und warten, dass irgendwann der Bus ins Zentrum vorbeikommt. Wenn man Glück hat, ist er nicht voll und nimmt einem mit, sagte uns Marco. Die Altstadt Napolis gleicht einem abgewohnten Wohnzimmer. Essensgerüche, Fetzen familiärer Konversation, Babygeschrei und Opernarien, Kanarienvögel in Käfigen und Spitzendeckchen auf den Waschmaschinen. Fernseher gibt es überall. Wäsche, selbst die intimste, tropft von Balkon zu Balkon und über die Gassen. Da ist auch ein Transparent: Maradona il tuo arrivo é giá una vittoria!  Ballspielende Kinder, aufdringliche Männer, mit bunten Glühbirnen beleuchtete Madonnen in Mauernischen. An all dem ziehen wir fasziniert vorbei. Die Kirchen mit den in den Reiseführern angepriesenen Kunstschätzen sind geschlossen. Ein Japaner mit ängstlichem Blick hat sich verirrt. Wir können ihm nicht helfen. Wir wissen nur, das ist Neapel. Eine Hure sagt uns, dass wir hier lieber nicht spazieren gehen sollten. Mit einem autoritären Via di qua! verscheucht sie uns.

Ich probiere ein dünnes Kleidchen in einem Kaufhaus, als ich es wieder ausziehe, reisst der Verkäufer den Vorhang der Umkleidekabine auf und preist meinen Körper, als wäre ich ein Stück frisch gefangener Fisch auf einem Marktstand.

Das Meer lockt, und wir nehmen das Boot nach Capri, wo wir unter dramatischen Wolkenformationen und im warmen Regen spazieren gehen. Fischer laden uns zum Grappa ein. Eine neugierige Gruppe von Schülern nimmt uns ein Stück des Weges in einem blau-weißem Oldtimer mit. Ich denke, dass ich irgendwann auf dem Hauptplatz von Capri Silvester feiern will. Dann in Ischia beschließe ich, ein Bild mit einem bestimmten Meerblick zu malen.

Wieder in Neapel stolpere ich über ein mit Zeitungspapier zugedecktes Kind. In der Nacht schlafen hier viele in den Straßen, unter den Sternen. «Lenzuolo bianche per coprirci non he ho», heißt es in einem Lied. Die Armut im Mezzogiorno tut weh.

Wir wollen nach Sizilien. Als wir mit unseren Rucksäcken am Bahnhof stehen, nehmen uns zwei Männer mit den Augen in Besitz. Wir zwängen uns in den Waggon zweiter Klasse. Der Schaffner kommt und deutet uns, ihm zu folgen. Über in den Gängen sitzende und liegende Menschen steigend, geleitet er uns in den Postwaggon, wo Eisenbahner zwischen Säcken und Kartons Karten spielen. Ich habe Angst, denke, dass ich hier gefesselt und gekidnappt werde. Er führt uns weiter in den letzten Waggon des Zuges, wo plötzlich alle Abteile leer sind. Im Geisterwaggon sitzen nur die beiden Männer vom Bahnsteig. Der Schaffner verschwindet mit den Worten, dass wir es hier bequemer haben. Der alte schaut ernst und der junge flirtet. Meine Freundin spielt die Naive und beeindruckt die beiden mit ihrem Italienisch. Man darf die Männer nicht verärgern, sie scheinen gewohnt zu sein, dass man ihre Wünsche erfüllt. So zeigen wir uns freundlich, dümmlich und mit unerschöpflichem Interesse für Sizilien. Man wird uns bella Sicilia zeigen, wir werden dort leben wie Göttinnen. Wir zeigen uns erfreut, und stellen die nächste nervige Frage. Nur einschlafen dürfen wir nicht. Die Jugendstillämpchen brennen und beleuchten kitschige Landschaftsbilder über den Kopfstützen. Ohne es irgendwie abgesprochen zu haben, wissen wir was zu tun ist. In der Früh, als die Männer endlich dösen und der Zug in Cefalú hält, schnappen wir die Rucksäcke und springen hinaus. Die Männer öffnen das Fenster und schreien, dass wir zu früh ausgestiegen sind. Der Schaffner rennt uns nach und reicht uns die Adresse einer Villa in Catania.

Wir sind frei und wollen Pasta essen. Das Mädchen, das uns das Essen serviert ist schön und hat vor Drogen glänzende Augen. Wir fragen in der Touristeninformation nach einer Pension, und man vermittelt ein Appartement mit drei Zimmern in einem Haus aus Stein. Am Strand treffen wir zwei Elsässer, auf der Straße zum Hauptplatz einen arbeitslosen Maurer, den uns schon bekannten Leiter des örtlichen Tourismusamtes und einen gitarrespielenden Heimkehrer, der in Norwegen verheiratet ist. Am Abend kochen wir alle gemeinsam Nudeln mit Pilzen und unterhalten uns auf deutsch, französisch und sizilianisch. Wir entdecken, dass wir alle etwas suchen. Das Glück und Abenteuer in Sizilien und das Glück und Abenteuer in Amerika. Ma l’America è lontana.
Am nächsten Tag wollen wir nach Palermo und die mumifizierten Leichen im Kapuzinerkloster sehen. Aber in Palermo angekommen, laufen wir in unseren bequemen weißen Plastik-Badeschuhen zunächst zum Markt, wo wir die blutigen Riesenschwertfische bewundern. Ich spüre Blicke und sehe einen Mann mit Wasserkopf aus dem Fenster starren. Die Händler preisen ihre Waren im Singsang an, doch es klingt nach in die Welt geschrieenen Klagen. Den Stimmen, Augen, Händen und Gerüchen entkommen, stehe ich auf der Kreuzung vor dem großen Dom. Zu Boden fallend, begreife ich, dass mir die Handtasche gestohlen wurde. Ich springe auf und renne dem Motorrad mit zwei Jünglingen hinterher. Aber natürlich ist das sinnlos. Die Leute rundherum tun so als wäre gar nichts passiert. Niemand hält sie auf, hat etwas gesehen oder gar einen Räuber erkannt. Auf der Questura werde ich über die Umstände des Raubes und die Gründe meines Italienaufenthalts verhört. Ein ganz normaler strappo della borsa also. Ich erhalte ein «Bahnticket für Mittellose zur Rückführung in die Heimat». ■

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Heidemarie Markhardt

Geb. 1961 in Wien, Übersetzerstudium in den Sprachen Englisch und Spanisch, Sprachwissenschaftliches Studium, Promotion, seit 1994 freiberufliche Übersetzerin (Deutsch, Englisch, Spanisch) sowie Forschungs- und Vortragstätigkeit, daneben kontinuierliche Beschäftigung mit verschiedenen Formen künstlerischen Ausdrucks (literarische Texte, Malerei, Tonskulptur)

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L. Sternes «A Sentimental Journey…» in neuer Übersetzung

Posted in Buch-Rezension, Günter Nawe, Laurence Sterne, Literatur, Rezensionen by Walter Eigenmann on 1. Juni 2010

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«Einen Lidschlag lang herschte Schweigen»

Günter Nawe

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Ein einfacher Reisender war er nicht, dieser Mr. Yorick, den uns Laurence Sterne in seiner wunderbaren Reisebeschreibung «Eine empfindsame Reise durch Frankreich und Italien. Von Mr. Yorick» vorgestellt hat. Dennoch hat er sich als solcher empfunden und seine Reiseeindrücke der Nachwelt hinterlassen: «Empfindsame Reisende (worunter ich meine Wenigkeit verstehe) als welcher gereiset ist, worüber Rechenschaft abzulegen ich mich nunmehr niedersetze – ebenso sehr aus Notwendigkeit und Besoin de Voyager wie jeder andere dieser Klasse.»

Diese «Rechenschaft» also lesen wir jetzt in einer herrlichen Neuübersetzung von Michael Walter in dem ebenso herrlich aufgemachten Band aus dem Galiani Verlag mit höchstem Vergnügen. Geschrieben hat dieses Reisetagebuch Laurence Sterne 1768. Da war der Autor längst eine literarische Größe, der mit dem «Tristram Shandy» einen Welt-Bestseller veröffentlicht hatte. Und nun – kurz vor seinem Tod – also der zweite literarische Streich, ein Hauptwerk «A Sentimental Journey through France and Italy. By Mr. Yorick». Und was für einer!

Unser Ich-Erzähler Mr. Yorick reiste von England nach Frankreich; Hier, in Calais, beginnen die Abenteuer. Eine Dame, die ihm absichtlich oder versehentlich die Hand reichte (zweifellos für die damalige Zeit eine höchst erotische Geste), ist der Auslöser unendlich vieler, oft widerstreitender Gefühle. «Niedrige Leidenschaft! Sagte ich…. Gott behüte! Sagte sie und hob die Hand an die Stirne, denn ich hatte justament Fronte vor der Dame gemacht… Gott behüte, fürwahr, sagte ich, und bot ihre meine – Sie trug ein paar schwarze Seidenhandschuhe, offen nur an Daumen und zwei Vorderfingern, und so nahm sie meine Hand ohne Vorbehalt – und ich führte sie vor das Tor der Remise.»

Das Sentimental Journey von Laurence Sterne in einer englischen Ausgabe von 1803 (Zeichnung: William Craig)

Diese Szene wird brillant ironisierend fortgeführt, denn die «pochenden Pulse in meinen Fingern, die ihre drückten, vermittelten ihr, was in meinem Innern geschah; sie senkte den Blick – einen Lidschlag lang herrschte Schweigen….». Eine kleine Dose spielt auch hier mit erotischer Annotation eine entscheidene, zu vielen Weltbetrachtungen Anlass gebende Rolle. Alles und jedes ist ein weiterer Grund für den empfindsamen Reisenden – so auch die Begegnung mit einem Zwerg – zu moralischen und philosophischen Betrachtungen, an denen er uns teilhaben lässt: «In meinem Innern regen sich gewisse kleine Prinzipien, die mich bestimmen, mitleidvoll zu sein gegen diesen armen versehrten Teil meiner Mitmenschen… Ich ertrag’ es nicht mit anzusehen, wenn man einen wie mit Füßen tritt.»

Übersetzer Michael Walter

Und weiter also nach Paris. Passangelegenheiten sind zu regeln. Eine Begegnung «mit der jungen fille de chambre» gibt zu Vermutungen Anlass. Und immer wieder Beobachtungen vielfältigster Art auch auf der weiteren Reise nach Italien. Hier wird’s noch einmal heftig, als er in einer überbelegten Herberge mit einer dreißigjährigen Dame in einem Zimmer, fast in einem Bette schlafen muss, nicht ohne dass man sich unfreiwilligerweise (?) nahe kommt. Im rechten Augenblick tritt eine Kammerjungfer «dazwischen» – und jetzt Yorick: «Wie ich also die Hand ausstreckte, erhaschte ich der Kammerjungfer – ». Was wohl – Sterne lässt uns alles und jedes vermuten.

Laurence Sterne (1713-1768)

Sterne hatte sich nicht nur den Ruf eines exzellenten Literaten erworben, er galt (zumindest nach dem «Tristram Shandy») als ausgemachter «obszöner Lüstling», – ein Ruf, der ihn störte, und den er mit der «Sentimentalen Reise» widerlegen wollte; nicht, weil er nicht unmoralisch sein wollte, weit gefehlt, er war es immer mit listigem Augenzwinkern; aber er wollte (so der Nachwort-Autor Wolfgang Hörner) nicht dafür gelten. Ganz ist es ihm kaum gelungen.

So vielfältig wie die Ansichten des Mr. Yorick sind auch die Aussichten, die der Leser auf der literarischen Reise mit Mr. Yorick genießt. Sterne ist auf diese Weise eine völlig neue Art der Reiseliteratur gelungen, die weit über die reine Deskription von Gesehenem und Erlebtem hinausgeht. Und so hatte sein Werk immense Auswirkungen auf eine ganze literarische Epoche, wie Hörner in seinem kenntnisreichen und sehr informativen Nachwort nachweist.
Uns, den Nachgeborenen, bleibt bis heute und darüber hinaus das uneingeschränkte Vergnügen an der Lektüre dieses Buches, die ihren besonderen Reiz durch die glänzende Übersetzung von Michael Walter bekommt. ■

Laurence Sterne, Eine empfindsame Reise durch Frankreich und Italien – Von Mr. Yorick; Neu übersetzt von Michael Walter, Galiani Verlag Berlin, 357 Seiten, ISBN 978-3-86971-014-3

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Jörg Dauscher: «Nach Albanien»

Posted in Albanien, Jörg Dauscher, Kultur&Gesellschaft, Literatur, Neuheiten, Reisen by Walter Eigenmann on 15. Januar 2009

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Poetischer Albanien-Bilderbogen

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joerg-dauscher_nach-albanien_coverAlbanien hat schon alles hinter sich: Zusammenbruch der Industrie, des Finanzsystems, der Märkte. Jörg Dauschers Taschenbuch «Nach Albanien» berichtet vom Leben nach der Krise.
Mit viel Sympathie für Land und Leute schildert er den Alltag in einem nord-albanischen Dorf. Improvisation, Subsistenzwirtschaft und Knappheit bestimmen das Alltagsleben. Dauscher beleuchtet sowohl die schwierigen als auch die reizvollen Seiten eines postindustriellen Zustandes. Dabei ergeben einzelne kurzen Szenen, Beobachtungen und Reflexionen einen poetischen Bilderbogen eines Landes im Umbruch.
Vor zwei Jahren war Dauscher bei einer albanischen Familie zu Gast und wohnte einige Zeit in Nordalbanien. Anschließend bereiste er das gesamte Land bis hinunter zur Südküste. Die gesammelten Eindrücke und Erfahrungen hat er auf knapp 80 Seiten zu einem aufschlussreichen Reisebericht verwoben.
«Nach Albanien» ist die erste literarische Veröffentlichung des 1975 geborenen Berliners. (gm)

Jörg Dauscher, Nach Albanien, Bericht einer Reise, 76 Seiten, BoD/Norderstedt, ISBN 978-3-837-08134-3

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