Glarean Magazin

Literatur – Musik – Schach

Veröffentlicht in Editorial / Inhalt, Glarean Magazin, Inhalt, Walter Eigenmann von Walter Eigenmann am 1. Juni 2013

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Editorial / Inhalt

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Literatur…..…………………..Musik…..…………………..Schach

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…sind drei auf den ersten Blick heterogene Kultur-Phänomene. Beim zweiten Hinsehen werden Gemeinsamkeiten offenbar, denen nachzuspüren eine der Intentionen dieses Internet-Kultur-Journals ist.
Und: Literatur, Musik, Schach – das steht auch für drei der grundlegenden menschlichen Komponenten, nämlich fürs Denken, fürs Fühlen, fürs Spielen.  -

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Walter Eigenmann / Juni 2013

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Glarean = Schweizer/Glarner Humanist und Universal-Gelehrter (1488-1563):
Musiker, Dichter, Mathematiker, Philologe, Historiker und Geograph

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Inhalte

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Herbert Jost: Ein Theater-Fragment

Veröffentlicht in Glarean Magazin, Herbert Jost, Literatur, Neue Prosa, Theater von Walter Eigenmann am 18. Juni 2012

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Hamlets Rückkehr

Dr. Herbert Jost

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Ein dunkler, leerer Raum, dessen Rückwand von
einem schweren, schwarzen Vorhang verdeckt wird.
Hamlet und Horatio von links

HAMLET

So bin ich also wieder da,
zurückgekehrt – woher? – wohin?
Nicht nach Helsingör, wie’s scheint,
das ich für alle Zeit verließ,
als meinen Leib die Erde deckte.
Und doch, es stimmt: ich bin zurück.

HORATIO

Und nun, mein Prinz?

HAMLET

Und nun, treuer Horatio,
will ich ein Weilchen bleiben.
Hier, denk ich,
ist es grad so gut,
wie an jedem andern Ort -
tausendmal besser
als unter der Linde,
wo die Familie beisammensitzt,
andere zerredet, die gleich uns
die ird’sche Welt schon lang verließen.
Ich sage dir, Horatio -
und bau dabei auf deine Freundschaft,
dass keinem du es hinterbringst -
heut weiß ich endlich, dass mein Kampf
verloren war, eh er begann.
Ich stritt einst für meinen Vater -
nein, nicht für ihn,
für seinen Geist und Seelenfrieden! -
ich schlug mich für Gerechtigkeit
und Sühne brüderlicher Untat,
für viele hehre Dinge.
Ach! Von hier besehen
war alles eitler Plunder!
Nun, da ich mit ihnen bin so viele Ewigkeiten,
kenn ich den Vater und den Oheim wohl genug,
um zu verstehn, wie sehr ich irrte:
keiner von denen, bester Freund,
ist gut oder auch schlecht genug,
dass es sich lohnt, dafür zu sterben.

HORATIO

Was grämt ihr Euch?
Ihr tatet doch nur recht,
nach bestem Wissen und Gewissen recht,
wieso Euch nun mit Zweifel plagen?

HAMLET

Verstehst du nicht, Horatio?
Mein Ende, es war ganz umsonst
und alles Leid, das ehedem geschah -
umsonst und ganz und gar vergebens.
Der Schmerz, den ich Ophelia brachte,
Ophelia, die ich liebte, und die
noch immer mich erfüllt mit unnennbarer Zärtlichkeit,
Laertes und die anderen alle,
die diese komische Tragödie fällte -
umsonst gingen sie hin,
ohne Nutzen war dies alles.

HORATIO

Ihr könnt nicht weiter trauern, Prinz.
Die Ewigkeit ist viel zu groß,
um sie in Schmerz zu baden.

HAMLET

Ja, du hast recht, Horatio.
Doch laß mich nun,
da mein Auge trocken bleibt,
noch diesen einen Augenblick
in Andacht hier verweilen.
Geh, guter Freund,
und laß mich jetzt allein.
Bald wird Ophelia hier erscheinen,
und noch bevor sie bei mir ist,
soll meine Wut verflogen sein.

HORATIO

Wie Euch beliebt, mein Prinz.

Ab nach rechts

HAMLET

Allein. – Allein?
Nein, sicher nicht.
Wohl kann man hier sehr einsam sein,
doch ganz alleine ist man nie.
Wie sehr sich doch die Sphären gleichen!
Der treue Horatio hat ja recht:
warum soll ich mich grämen?
Es liegt kein Sinn in dieser Qual,
kein Schaden zwar, doch auch kein Nutzen.
Oftmals denke ich zurück:
Wie Yoricks Schädel in der Hand ich hielt,
wie Ekel mich befiel bei dem Gedanken,
daß dies einst jener Yorick war, mein Yorick…
Nun seh ich selbst so aus da unten,
drüben – wo auch immer.
Und oft treff ich den guten Narr’n.
Er ist noch ganz der alte,
doch macht er keine Späße mehr.
In diesem weiten Paradies
ist jeder ein viel größ’rer Narr,
als Yorick jemals einer war.
Wozu dann seine Kunst verschwenden?
Bald wird Ophelia kommen.
Ophelia! Wie befreit ich war,
als ich sie endlich wiedertraf,
gesund an Geist und Seele.
Wahnsinn ist nicht für diese Welt.
So ist sie mir gerettet;
und auch, wenn sie so fleischlos ist,
wie alle anderen um uns her:
ich lieb sie mehr als je.

Ophelia erscheint von links

OPHELIA

Da bist du ja.
Doch ganz allein?
Warst du nicht mit Horatio?

HAMLET

Ich schickt’ ihn fort.
Er ist fürwahr ein guter Freund,
doch manches Mal sehr anstrengend.

OPHELIA

Anstrengend? Horatio,
der dich aus tiefster Seele liebt?
Wie soll ich das verstehen?

HAMLET

Empfindest du’s als leicht,
mit einem Freund zu reden,
der nicht versteht, wovon du sprichst?

OPHELIA

Dann also sprachst du ihm
von deinen Zweifeln, Hamlet?
du weißt, von allen, die hier sind,
wird keiner das verstehen.
Selbst ich weiß nur, was dich bewegt,
weil mein Herz mit dem deinen schlug.

HAMLET

Vielleicht muß es so sein,
dass ich zweifle, daß ich leide,
und der Tod mir bitter ist.

OPHELIA

Man könnte glauben, hört man dich,
wir wären nicht im Himmel.

HAMLET

Für euch mag es der Himmel sein,
den ich euch herzlich gönne,
für mich bleibt es ein Ort der Pein.

OPHELIA

Ein Ort der Pein?
Wär’ ich dann hier?

Hamlet schweigt

OPHELIA

Wir wollen auf die Sterne sehn
und all den Gram vergessen!

Der Vorhang im Hintergrund öffnet sich;
dahinter: ein sternenübersäter Himmel.
Kurzes Schweigen

OPHELIA

Weißt du, als ich ertrunken bin,
als mir die Sinne schwanden,
da sah ich Gott für kurze Zeit.

HAMLET

Auch ich sah ihn in dem Moment,
als, von Laertes gift’gem Streich gefällt,
ich meinen letzten Atem tat.
Er kam heran und sprach zu mir:
- Du hattest mich gerufen, Sohn,
nun sieh, ich bin gekommen. -
Ich sagte drauf: Ja, das ist wahr,
Hamlet hat Euch wohl gerufen,
als die Qual sein Herz zerriß.
Doch das ist lange her.
Und nun seid ihr gekommen.
Darauf verschwand er – einfach so.
Und nie kam er zurück.  ■

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Herbert Jost

Geb. 1960 in Frankfurt/M, Ethnologie-Studium und Promotion in Marburg; fachwissenschaftliche, belletristische und zeichnerische Publikationen in Büchern, Zeitschriften und Anthologien, seit 1980 als Autor, Zeichner, Produzent, Regisseur und Darsteller freiberuflich tätig, lebt in Alsfeld/D

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Literatur-Wettbewerb des Jandl-Festivals 2012

Veröffentlicht in Ausschreibung, Literatur, Literatur-Ausschreibungen, Literaturwettbewerbe von Walter Eigenmann am 11. Januar 2012

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Dem Themenkreis «Zeit» gewidmet

Gemeinsam mit dem Jandl-Festival «tohuwabohu – jazz me, if you can!» schreibt das Literaturbüro NRW einen Literaturwettbewerb aus: «Auf den Spuren Ernst Jandls» wird nach Texten gesucht von Autorinnen und Autoren, die «zu einer eigenen Ausdrucksweise gefunden haben». Das einzureichende Werk sollte sich formal und/oder thematisch dem Themenkreis «Zeit» widmen und als Fortschreibung der Poetik und Poesie Ernst Jandls erkennbar sein. Der Preis ist mit 1’000 Euro dotiert. Einsende-Schluss ist am 29. Februar 2012, die weiteren Details finden sich hier. ■

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Weitere Literaturausschreibungen im Glarean Magazin

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Franz Trachsel: Marsch-Impressionen im Parkhaus

Veröffentlicht in Franz Trachsel, Humor, Humoreske, Literatur, Musik, Neue Prosa von Walter Eigenmann am 27. November 2011

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Semper fidelis !

Franz Trachsel

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Shopping-Center-Parkhäuser dürfen für sich beanspruchen, nach aussen umgebungskonform-freundlich aufzutreten, nach innen angesichts ihres grossen Parkplatzangebots aber die nüchtern-zweckmässige Wucht selber zu sein. Und dann erst die ausserhalb der Shopping-Zeiten darin herrschende Stille – empfunden heute, eines vorsommerlich frühen Montagvormittags, und angesichts des nur sehr spärlichen Eintreffens der Kundschaft.
Doch urplötzlich sieht sich, wer schon hier, vom Hauptzugang her von einem vollorchestrierten marschmusikkalischen Auftakt vereinnahmt! Und wer ausserdem auf dem schmalen Weg im Zweiradbereich abgestiegen, der kommt sich in eine kasernenhaft grosse, höchst belebte Blasmusikhalle hineingeraten vor.
Das alles aber keineswegs als aufdringliches Unterhaltungsgezeter dahertönend. Nein, was sich da vollentfaltet sehr wohl hören lässt, ist nichts Geringeres als eine amerikanische Marsch-Legende, nämlich John Philipp Sousas enorm beschwingter «Semper Fidelis». In voller Korpsstärke notabene – ein wirklich frappanter Tages- und Wochen-Start!

Die US-Marines - ohne Sousaphone...

Und dann ist da die Erinnerung, diesen Marsch nicht nur in Konzerten, sondern in quasi welthistorischer Entfaltung miterlebt zu haben. Und zwar live anlässlich der Jubiläumsparade «200 Jahre USA» am 4. Juli 1976 auf der Pennsylvania-Avenue in Washington. Dieses Erlebnis dabei umso eindrücklicher, als Sousas «Semper Fidelis» nichts Geringeres ist als das stolz vertonte Siegel der US-Marine. Ja, und wem sonst, wenn nicht der Marine-Band wäre damals die Ehre zugekommen – vom Millionenpublikum besonders stürmisch applaudiert -, dem historischen Tag diesen unverkennbaren Stempel aufzudrücken! Das blendend weiss uniformierte Korps, ein makelloses Neunerkolonnen-Erscheinungs­bild, der mitreissende Marschmusik-Takt: ein nationalhistorisches Aufkreuzen wie aus einem Guss!

John Philipp Sousa

Hier im Parking des örtlichen Shopping-Centers hingegen, 35 Jahre später: Sein Klang eine wahre Entschuldigung dafür im Gegensatz zu Washington, auch ohne das geringste Aufblitzen hochglänzend polierter Blasinstrumente festzustellen. Aber warum sollte denn den etagentragenden Parkhaus-Betonsäulen, den Auf- und Abfahrtsrampen, den Parkplatzschranken und dem massig alle sieben Etagen untereinander verbindenden Liftschacht nicht ausnahmsweise mal eine echte Klangreflektoren-Rolle zukommen! Aussergewöhnlich dabei halt dieser «Immer-Treu»-Marschauftritt vor allem deswegen, weil er ohne augenfällige Formation auskam. Nahm sich die Freiheit, statt sich mühsam um all die Begrenzungen, Kurven, Auf- und Abstiege herumzuwinden und sich in seine einzelnen Register aufzulösen und ganz eigene Weg ezu gehen. Ja selbst der Dirigent dürfte sich unter dem wuchtigen Etagenmauerwerk marschtrunken mit schwingendem Taktstock auf die sonnige Center-Dachterrasse verirrt haben. Und wenn dabei schrittsicher von jemandem begleitet, dann am ehesten noch vom Tambouren- und Flötenregister, derweil sich das Klarinetten-, das Saxaphon-, Trompeten-, Posaunen-, Pauken- und Bassregister (weil für den vom Dirigenten irgendwo mit seinem Stock in die Luft geschmetterten Takt hellhörig geworden), auf das übrige halbe Dutzend Etagen aufgeteilt haben mochten.
Und weil nun einmal John Philipp Sousas Klassiker des Tages die Aufwartung machte, dann gewiss nicht ohne sein – das Korps bekanntlich hinten dekorativ abschliessendes – Sousaphon-Register! Nicht auszudenken, dieses könnte – weil den Auftritt auch hier hinten abschliessend – im Zuge einer akuten Klangtrunkenheit etwa im Parterre-Zugang, also im Wagenwaschanlagen-Bereich in die gewaltig rotierenden Waschbürsten geraten sein. Deren schonungslos nässetrunkener Umlauf wäre vermutlich der kältesten Dusche ihres Musikerlebens gleichgekommen. Hätte man sich also den völlig aussergewöhnlichen Marsch-Auftritt durchaus im Beisein seines berühmten Komponisten vorstellen können, so doch keineswegs den Untergang einer ganzen Sousaphon-Equipe. So gesehen vielleicht nicht ganz unglücklich für ihn, diese Welt schon vor 80 Jahren verlassen zu haben.

Nun denn, plötzlich erwiesen sich auch meine Marschmusik-Minuten hier als gezählt. Augenblicke später benimmt sich in die eingetretene Stille hinein irgendwo im Parking eine forsch zuschlagende Autotür taktgenau wie ein Schlusssignal. Eine Soundanlage der Zehntausenderklasse in einem Coupé der Mittelklasse hatte wohl Raum- und Klangqualität bewiesen. Hier also ein hochkarätiges Bravourstück, was sich anderswo unter anderen Vorzeichen als polizeilich verbotene Belästigung erwiesen hätte. ■

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Franz Trachsel
Geb. 1933, langjähriger Lokal- und Kulturjournalist bei verschiedenen Printmedien, Kurzprosa in Zeitungen und Zeitschriften, lebt in Emmenbrücke/CH

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Internationaler MDR-Literatur-Wettbewerb 2012

Veröffentlicht in Ausschreibung, Literatur, Literatur-Ausschreibungen, Literaturwettbewerbe von Walter Eigenmann am 22. November 2011

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Kurzgeschichten / Short Storys für den MDR

Alle deutschsprachigen Autoren, die bereits literarische Veröffentlichungen vorweisen können, sind vom Mitteldeutschen Rundfunk zur Teilnahme am internationalen Kurzgeschichten-Wettbewerb 2012 eingeladen. Die Länge des einzureichenden Manuskripts – nur unveröffentlichte Arbeiten – soll ca. 11’000 Zeichen nicht überschreiten. Der Hauptpreis wird vom MDR ausgerichtet und beträgt 5’000 Euro, der Zweitplatzierte erhält 2’000 Euro, der Dritte 1’500 Euro; ein weiterer Preis von 1’000 Euro wird vom Publikum vergeben. Alle Teilnehmer, die es in die Endrunde schaffen, erhalten ein Honorar. Einsende-Schluss ist am 31. Januar 2012, die weiteren Einzelheiten sind hier zu finden. ■

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Anthologie-Ausschreibung für Fantasy-Storys

Veröffentlicht in Ausschreibung, Literatur, Literatur-Ausschreibungen, Literaturwettbewerbe von Walter Eigenmann am 18. Juli 2011

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Gesucht: Hexen-Geschichten

.Für eine Buch-Anthologie mit Märchen und Fantasy-Geschichten sucht der Sperling Verlag noch Beiträge zum Thema Hexen. Es soll dabei nicht um die mittelalterliche Hexenverfolgung gehen, sondern erwünscht sind Geschichten über «die Hexe als real angesehenes Wesen (Fantasy)». Einsende-Schluss ist am 30. Dezember 2011, die weiteren Einzelheiten finden sich hier. ▀

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Erster Deutscher E-Book-Preis 2011

Veröffentlicht in Ausschreibung, Literatur, Literatur-Ausschreibungen, Literaturwettbewerbe von Walter Eigenmann am 14. Juli 2011

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Literaturwettbewerb für Online-Kurzgeschichten

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Den ersten 1. Deutschen E-Book-Preis schreiben die Portale Satzweis.com und Chichili Agency aus. Eingesandt werden können deutschsprachige Kurzgeschichten/ShortStorys, die bis zum 31. August 2011 elektronisch bei einem Verlag oder Online-Portal publiziert worden sind und der Leserschaft in voller Länge zur Verfügung stehen. (Die Veröffentlichung muss zuerst elektronisch erfolgt sein, also noch vor Print oder Audio. Privates Ins-Netz-Stellen im Blog, auf der Homepage, auf Foren u. Ä. gelten nicht als Ebook-Veröffentlichung.) Thema und Genre sind nicht vorgegeben, und es gibt keinerlei Altersbeschränkungen für die teilnehmenden Autorinnen und Autoren. Der Preis ist insgesamt dotiert mit 1’500 Euro sowie einem Sachpreis, die weiteren Details finden sich hier. ▀

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Kultur-Ausschreibung der Zeitschrift «Sterz»

Veröffentlicht in Ausschreibung, Literatur, Literatur-Ausschreibungen, Literatur-Zeitschriften von Walter Eigenmann am 29. Juni 2011

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Beiträge gesucht zum Thema «Herzblut»

«Sterz», die Wiener Zeitschrift «für Literatur, Kunst und Kulturpolitik», lädt unterm Motto «Herzblut» zur Einsendung von Lyrik-, Prosa-, Essay-, Wissenschafts-, Comic- oder Foto-/Grafik-Beiträgen und anderen abdruckbaren Techniken ein. Einsende-Schluss ist Mitte September 2011, weitere Einzelheiten finden sich hier. ▀

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Internationaler Wiener Literatur-Wettbewerb 2012

Veröffentlicht in Ausschreibung, Literatur, Literatur-Ausschreibungen, Literaturwettbewerbe von Walter Eigenmann am 13. Juni 2011

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Werkstattpreis zum Thema «Innenwelt-Außenwelt»

Der traditionelle «Wiener Werkstattpreis» um Peter Schaden in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur richtet auch für 2012 einen internationalen Wettbewerb für Lyrik und Kurzprosa aus. Das diesjährige Thema lautet «Innenwelt-Außenwelt», eingesandt werden können max. zehn Gedichte, die Kurzgeschichten sollen max. 10’000 Zeichen umfassen. Die Texte müssen noch unveröffentlicht sein. Einsende-Schluss ist am 30. November 2011, die weiteren Einzelheiten finden sich hier. ▀

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Weitere Literaturausschreibungen im Glarean Magazin

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Literatur-Wettbewerb des Wiener Frauenreferats

Veröffentlicht in Ausschreibung, Literatur, Literatur-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 31. Mai 2011

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Prosa-Texte zu technologischen «Gefahren und Visionen»

Das Frauenreferat der Wiener HT-Universität organisiert zum achten Male seinen internationalen Lise Meitner-Literaturpreis. Der Name der österreichischen Physikerin Lise Meitner «steht als Symbol für eine Frau, die ihren Weg im nach wie vor männlich dominierten Wissenschaftsbetrieb erfolgreich gegangen ist und insbesondere heutigen Studentinnen der Technik ein Vorbild sein kann.» Erwartet werden Texte, die sich erzählend mit der Geschichte der Technik und Naturwissenschaft, mit dem Studium an einer Technischen Universität, mit Gefahren, Alternativen und Visionen auseinandersetzen. Teilnahmeberechtigt sind deutsch schreibende Frauen mit unveröffentlichten, höchstens 30-seitigen Prosatexten (experimentelles einschließlich). Pro Autorin dürfen bis zu drei Texte eingereicht werden. Einsende-Schluss ist am 26. August 2011, die weiteren Details finden sich hier. ▀

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Der 19. «Open-Mike»-Schreibwettbewerb

Veröffentlicht in Ausschreibung, Literatur, Literatur-Ausschreibungen, Literaturwettbewerbe von Walter Eigenmann am 18. März 2011

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Förderung junger Schriftsteller

Bereits zum 19. Mal schreiben die Crespo Foundation und die Literaturwerkstatt Berlin ihren internationalen Schreibwettbewerb «open mike» aus für deutschsprachige Autor/inn/en, die höchstens 35 Jahre alt sind und noch keine eigenständige Buchpublikation vorweisen können. Eingereicht werden kann entweder kurze Prosa, ein in sich geschlossener Auszug aus einem Großtext oder Lyrik. Der Umfang der eingereichten Texte muss in etwa einer 15-minütigen Lesezeit entsprechen; deutlich zu lange oder zu kurze Einsendungen kommen nicht in die Auswahlrunde. Einsende-Schluss ist am 15. Juli 2011, die weiteren Bestimmungen sind hier zu nachzulesen. ■

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Der «Torso»-Literaturpreis 2011

Veröffentlicht in Ausschreibung, Literatur, Literatur-Ausschreibungen, Literaturwettbewerbe von Walter Eigenmann am 10. Februar 2011

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Gesucht: «Lust»-Texte

Die deutsche Literaturzeitschrift «Torso» sucht alljährlich Lyrik-, Prosa- und essayistische Texte. In diesem Jahr wird der Wettbewerb zum Thema «Lust» ausgeschrieben. Die Beiträge dürfen fünf DIN-A-4 Seiten (1,5 Zeilenabstand) bzw. die Anzahl von fünf Gedichten nicht überschreiten und sollen anderweitig noch nicht veröffentlicht worden sein. Einsende-Schluss ist am 15. Juli 2011, die weiteren Einzelheiten finden sich hier. ■

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Walter-Kempowski-Literaturpreis 2011

Veröffentlicht in Ausschreibung, Literatur, Literatur-Ausschreibungen, Literaturwettbewerbe von Walter Eigenmann am 23. November 2010

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Kurzgeschichten zum Thema «Familie»

Erneut wird von der Hamburger Autorenvereinigung der Walter-Kempowski-Literaturpreis ausgeschrieben. Eingesandt werden können unveröffentlichte Kurzgeschichten in deutscher Sprache zum Thema «Familie». Der Umfang der Texte soll maximal fünf Normseiten (1’800 Zeichen inklusive Leerzeichen) betragen, wobei es sich um eine geschlossene literarische Erzählung handeln muss. Der Wettbewerb ist mit insgesamt 10’000 Euro dotiert. Einsende-Schluss ist am 28. Februar 2011, die weiteren Einzelheiten finden sich hier.

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Innerschweizer Literatur-Wettbewerb 2011

Veröffentlicht in Innerschweizer Literatur, Literatur, Literatur-Ausschreibungen, Literaturwettbewerbe, Schweizer Literatur von Walter Eigenmann am 11. November 2010

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Gesucht: Kurze Berggeschichten

Einen Literaturwettbewerb für Kurzprosa schreibt der Innerschweizer Schriftstellerinnen- und Schriftstellerverein ISSV aus. Gesucht werden Berggeschichten, die eines der beiden folgenden Zitate im Zentrum haben: A) «An einem nebelgrauen, herbstlich kühlen Oktobertag sassen in einem abgelegenen Walde, wo kaum mehr ein Wanderer anzutreffen war, stattlich gewachsene, wohlhabende und angesehene Männer um ein Feuer herum.» (aus Meinrad Inglin: Das Riedauer Paradies); B) «Der graue, alte Berg spielt die Hauptrolle in seinem Leben. Er war sein Freund und Feind…» (aus Heinrich Federer: Pilatus). Einsende-Schluss ist am 28. Februar 2011, die weiteren Einzelheiten finden sich hier. ■

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Erotik-Literatur-Wettbewerb «Erophil»

Veröffentlicht in Erotik, Literatur, Literatur-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 4. November 2010

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Gesucht: Erotische Prosa

Im Rahmen der Bestrebungen, «das Genre der Erotischen Literatur aus seiner Nische zu befreien und einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen», organisiert der deutsche Verein «Freunde der erotischen Literatur» Lesungen, Filmvorführungen und Diskussionsveranstaltungen sowie sein jährlich stattfindendes Festival «Erophil». Unter den Aktivitäten ist auch ein Literatur-Wettbewerb, zu dem unveröffentlichte erotische Prosa in deutscher Sprache eingereicht werden. Einsende-Schluss ist am 31. März 2011, die weiteren Details finden sich hier. ■

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Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher

Veröffentlicht in Ausschreibung, Literatur, Literatur-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 27. Oktober 2010

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Kinder zur Toleranz und Gewaltfreiheit ermutigen

Die nordrhein-westfälische Landeszentrale für politische Bildung schreibt auch für 2011 ihren jährlichen Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher aus. Damit sollen Bücher ausgezeichnet werden, «die Kinder und Jugendliche ermutigen, sich für Zivilcourage und Toleranz, für Menschenrechte und für gewaltfreie Formen der Konfliktlösung einzusetzen.» Der Preis ist mit 7’500 Euro dotiert und wird in den Literatur-Sparten Kinderbücher, Jugendbücher, Kindersachbücher, Jugendsachbücher und Bilderbücher vergeben. Zum Wettbewerb zugelassen sind Bücher, die in der Zeit vom 01. Januar 2010 bis zum 31. Dezember 2010 erstmalig in deutscher Sprache erschienen sind. Vorschlagsberechtigt sind Verlage, Autoren und Autorinnen sowie deren Verbände. Einsende-Schluss ist am 31. Dezember 2010, die weiteren Einzelheiten finden sich hier. ■

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Literatur-Wettbewerb «Nordost» 2010

Veröffentlicht in Ausschreibung, Literatur, Literatur-Ausschreibungen, Literaturwettbewerbe von Walter Eigenmann am 21. Oktober 2010

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Texte aller Gattungen zum Thema «Zwischen den Stühlen»

Unter dem Motto «Zwischen den Stühlen» laden die «Freien Lektoren Obst&Ohlerich» sowie das Berliner Lektoratsbüro «Wortliebe» zu ihrem 4. Literatur-Wettbewerb «Nordost» ein. Gesucht werden unveröffentlichte Texte aller Gattungen mit einer maximalen Länge von 15’000 Zeichen. Die besten Arbeiten werden prämiert und online publik gemacht. Einsende-Schluss ist am 15. November 2010, die weiteren Details finden sich hier. ■

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Wiener Werkstattpreis für Literatur 2010

Veröffentlicht in Literatur, Literatur-Ausschreibungen, Literaturwettbewerbe von Walter Eigenmann am 5. Oktober 2010

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Neue Lyrik und Prosa zum Thema «Über:Gänge»

Das Österreichische Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, das Kulturamt der Stadt Wien sowie der FZA Verlag schreiben einen Wiener Werkstattpreis für Literatur 2010 aus. Eingesandt werden können Kurzgeschichten und Gedichte zum «Über:Gänge». Hinsichtlich Alter und Nationalität bestehen keine Teilnahme-Einschränkungen, jedoch ist die deutsche Sprache Voraussetzung. Der Preis gliedert sich in einen Hauptpreis (fza werkstattpreis), der von einer dreiköpfigen Jury unter dem Vorsitz von Peter Schaden bestimmt wird, sowie einen Publikumspreis (Wordshop – Werkstattpreis); das Preisgeld beläuft sich auf insgesamt 1’900 Euro. Einsende-Schluss ist am 30. November 2010, die weiteren Einzelheiten finden sich hier. ■

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Peter Reutterer: «Siesta mit Magdalena»

Veröffentlicht in Alexander Peer, Buch-Rezension, Literatur, Peter Reutterer, Rezensionen von Walter Eigenmann am 7. September 2010

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«In Wirklichkeit ist alles nur ein Traum»

Alexander Peer

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«Magdalenas Mann verabschiedet sich in den Nebenraum», heißt es im ersten Satz von Peter Reutterers als Novelle gekennzeichnetem Text «Siesta mit Magdalena». Nicht nur in den Nebenraum scheint dieser Mann zu verschwinden, sondern gleichsam aus dem Text und damit aus der Perspektive des Erzählers Beno, der hier in einer Art lyrischem Monolog die Beziehung zu Magdalena besingt, beklagt, bekundet.
Schon die Titelgebung folgt einem programmatischen Ansatz. Die Siesta als Zeit der Muße, des Zuruhekommens und als Zäsur des Tages steht metaphorisch für einen Erzählduktus, der zwischen Wiedergabe von Ereignissen und imaginierten Begegnungen steht. Gewissermaßen schafft die Erzählhaltung ein Bewusstsein, das als semipermeabel erscheint, als halbdurchlässig. Glaubt man in einem Absatz noch einem Bericht zu folgen, steigert sich im nächsten in oft elegisch gehaltenem Ton der Erzähler in einen Rausch.

Peter Reutterer

Es fällt schwer, nicht Maria Magdalena zu assoziieren. Nicht allein um des Namens willen, sondern weil diese Beziehung, die sich bloß in einzelnen Brennpunkten zu manifestieren scheint und gewissermaßen als geheim vermittelt wird, etwas Unbeständiges ist. An einer Stelle ist der Bezug zur evangelischen Magdalena jedoch evident, wenn es heißt «Magdalena sei die Heiligste in der Gefolgschaft des Gottessohnes und gleichzeitig die Leibfrohste, Telefonsex würde dem lauteren Wesen Magdalenas widerstreben.» Bevor dem Text allerdings ein Etikett verabreicht wird, das ihm nicht gerecht wird, gilt es die Erzählanordnung zu loben.

Sünderin und Büßerin: Maria Magdalena bei Tizian

Hier wird keine Kritik der christlichen Religion im rationalen Sinn unternommen, vielmehr entsteht aus der Notwendigkeit die Sehnsucht nach etwas über die weltliche Existenz Hinausweisenden jenseits abgegriffener Dogmatik artikuliert. Diese Notwendigkeit heißt Tod. «Kompromisslos still bleiben die Toten, auch wenn sie uns anwesen», heißt es einmal.
Bis zur Seite zwölf des Bandes sterben der Erzählung ihre praktisch noch gar nicht zu Gestalt gekommenen Protagonisten weg. Karlchen, Melisse, Onkel Ernst, dem «eben noch aus dem Mantel geholfen wird» und auf welchen schon das Leichentuch wartet, und schließlich vor allem der Bruder Karl, der Suizid begeht. Dieser Freitod schwebt über dem Geschehen, weil er einen Konflikt zwischen Erzähler und dem Vater festmacht. Ein Konflikt der nicht chronologisch aufgeschlüsselt wird, ja gar nicht aufgeschlüsselt werden darf, will das Motiv der Siesta, diesem pendelnden Zustand von Erinnerungsmomenten, akuten Befindlichkeiten und Verweisen auf Künftiges, konsequent umgesetzt werden. Es genügt, wenn der Erzähler den Vater skizziert, ihn als einen in der Zeit der Nationalsozialisten gesellschaftsfähig gemachten Mannes darstellt, dessen persönliche Wirklichkeit für alle zu gelten hat und der dem Sohn, dem Musiker und Tagträumer, «der sich im Bett gerne in Phantasmen verliegt», nur als fremd erscheinen kann, vor allem jedoch als unnahbar. Fast erleichternd ist eine ab und an auftretende Nüchternheit, wenn Beno bekennt: «Was wir auf Erden tun können: miteinander schlafen gehen.»

Ebenfalls konkret, jedoch meist abwesend ist die Beziehung des Erzählers zu seiner Frau Kathrin und seinen Söhnen. Sie gehören einem Alltag an, den der Erzähler eher absolviert als lebt, sich lassen und sich loslassen scheint ihm nur mit Magdalena möglich, eine Jugendliebe, die bis ins Seniorenheim zu währen hofft.

Tod und Liebe bestimmen die Brennpunkte von Peter Reutterers Novelle «Siesta mit Magdalena». Wo die körperliche Vereinigung über die Egozentrik der Bedürfnisbefriedigung hinausweist, scheint sie in einem höheren Sinn zu gelingen. Diese Bezugnahme auf eine befreiende Sexualität ist angenehm einfach und provoziert gleichzeitig.

An manchen Stellen muss gerechterweise festgehalten werden, ist der Pathos etwas dick aufgetragen und manche rhetorische Kniffe sind zu gesucht, vor allem eine Formulierung wie «ich lasse mich von einer Rolltreppe abtreiben» halte ich für missglückt.
Das soll aber die Leseempfehlung nicht schmälern: Peter Reutterer erzeugt eine stimmige Collage von verpassten Momenten, Vereinigungen und fast schon beklemmender Lust. Der Erzähler reichert seine Ausführungen mit einigen zitablen Befunden an, etwa wenn es wiederum programmatisch heißt, «wenn wir das Leben nicht wahrnehmen, nehmen wir uns das Leben». Während an anderer Stelle die Vernichtung des Lebens durch den Alltag kommentiert wird: «Später werde ich zwischen Leuten sitzen, die ihr eingerichtetes Haus als ihr Leben ansehen.» Weise fast eine Erkenntnis, dass eine Scheidung nach 25jähriger Ehe fast nur dazu führen könne, «die Lebenslage nur noch behandeln und nicht mehr gestalten zu können».

Gerade diese ernsten, jedem Menschen mit gravierendem Beziehungsverlust nachvollziehbaren Erfahrungen erzeugen in Kombination mit den Passagen von Klage und Erfüllung ein stimmiges Ganzes. Eine Erwartung jedoch muss der Rezensent enttäuschen: Dieses Buch liefert keine Wichsvorlage. Peter Reutterer ist es zu ernst mit der Allmacht der Sexualität, die über den Tod hinauszuweisen scheint. Er degradiert seine komplexen Protagonisten nicht zu hechelnden Statisten.
Denn Tod und Liebe bestimmen die Brennpunkte von Peter Reutterers Novelle. Wo die körperliche Vereinigung über die Egozentrik der Bedürfnisbefriedigung hinausweist, scheint sie in einem höheren Sinn zu gelingen. Diese Bezugnahme auf eine befreiende Sexualität ist angenehm einfach – und provoziert gleichzeitig. ■

Peter Reutterer, Siesta mit Magdalena, Novelle, Arovell Verlag, Seiten, ISBN 9783902547149

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Alexander Peer

Geb. 1971 in Salzburg/A, Studien der Germanistik, Philosophie und Publizistik, lebt als freier Autor und Journalist in Wien

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Kurzprosa von Heidemarie Markhardt

Veröffentlicht in Heidemarie Markhardt, Literatur, Neue Prosa von Walter Eigenmann am 10. August 2010

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Amerika ist weit weg

Heidemarie Markhardt

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Mit dem Zug wollte ich 1982 nach Italien und dort bleiben, für immer die Sehnsucht nach Süden stillen. Noch vor Villach wird meiner Freundin die Handtasche geraubt. Das ganze Geld ist weg, der Pass wird im Klo gefunden. Wir ahnen, wer der Räuber war. Lange stand er vor unserem Abteil, bevor wir einschliefen. In Udine steigen wir aus, und er mit uns. Er nähert sich uns freundlich auf dem Bahnsteig und lädt uns zum Essen in der Bahnhofstrattoria ein. Da wir ab jetzt nur mehr von meinem Geld zehren werden, nehmen wir dankend an. Er erzählt uns von seiner komplizierten Existenz in Jugoslawien. Auch eine Art der Entschuldigung.
In Venedig laufen wir in schmalen Gassen den Katzen hinterher und kaufen gestreifte T-Shirts mit der Aufschrift «Venezia». In einer verträumt-verschrobenen Buchhandlung auf einer namenlosen Piazza finde ich ein von einer venezianischen Contessa im Selbstverlag herausgegebenes Buch mit Texten und Aquarellen über in den Kanälen lebenden Nixen. Am Abend, als die Stadt sich in rosa Dunst hüllt, flüstert mir ein Mann zu, dass überall der Teufel lauert.
Wir nehmen den Nachtzug nach Rom. Irgendwo auf der Strecke bleiben wir mit einem Ruck stehen. Sciopero! Es wird immer heißer im Abteil, in das acht Personen und jede Menge Koffer und Bündel gepfercht wurden. Jemand beginnt, ein Lied von Lucio Dalla zu singen. Ein anderer Mitreisender schneidet uns mit dem Taschenmesser Scheiben vom mitgebrachten Brot. Mortadella und Käse. Wein und Wasser. Der Zug fährt wieder ein Stück, bleibt wieder stehen. Reden, essen, singen – und manche schlafen. Dazwischen regt man sich lautstark und wort- und gestenreich über den leidigen Streik auf.

Dann, endlich in Rom, werfe ich Münzen in den berühmten Brunnen und wünsche mir ein Appartement mit Dachgarten auf der Piazza Navona – der heißgeliebten Piazza Navona – oder dass zumindest das Geld bis Sizilien reicht. In unseren Venezia-T-Shirts schlendern wir die Via Condotti entlang und tun so, als wären wir reich. Schön sind wir sowieso. Cerrutti, Armani und Versace. Guarda le scarpe! Cappucino im Café Greco, eine gute Investition. Schöne dekadente Menschen, und einer, der uns fragt: Mögt Ihr Caravaggio? Eine unscheinbare Kirche in einem Gässchen wird eigens für uns aufgesperrt. Ein dunkles Bild in einer dunklen Kirche. Die Augen des Gekreuzigten sind offen und folgen uns, bis wir wieder draußen sind.

In Wien gab uns ein sardinischer Busfahrer eine Adresse einer römischen Jobvermittlungsagentur. Sie führt uns in einen noblen Stadtpalast. Nachdem wir die edle Messingklingel bei der angegebenen Nummer gedrückt haben, öffnet sich Tür für Tür. Türschilder gibt es keine. Gelackte Menschen empfangen uns, freuen sich, dass uns der Sarde schickt. Sie rufen ihn auch gleich an, ob er uns wirklich kennt. Er scheint das am Telefon zu bestätigen. Sie taxieren uns, wirken interessiert. Kein Lebenslauf, kein Zeugnis ist von Interesse. Es genüge ja, dass wir uns auf Italienisch unterhalten können. Wir sollen am nächsten Tag wiederkommen, man würde uns eine Adresse einer Pension in Amalfi geben, wo wir dann sofort anfangen können. Wir bedanken uns und kehren nie wieder – wohl wissend, dass auch in Italien Jobvermittlungsagenturen nicht in barock möblierten Palazzi residieren.

Nach ein paar Tagen treibt es uns schon wieder weiter südlich. Die Waggone sind alt, vergammelt und noch viel unbequemer als nördlich von Rom. Immerhin zieren vergilbte Italien-Ansichten in Blechrahmen die überquellenden Abteile. In Neapel empfangen uns die ambulanten Händler am Bahnhof mit lautem panini-giornali-panini-Geschrei. Der kleine Mann in der Touristeninformation am Bahnhof vermittelt uns ein Zimmer bei seinem Cousin Marco. Wir nehmen einen Bus, der sich durch das Verkehrsinferno an den Stadtrand quält. «Jesus beschütze uns» steht auf den Klebern an den Heckscheiben der Autos. Betonsilos, ein Barackenghetto hinter einem Zaun, wo man Erdbebenopfer untergebracht hat. Gleich daneben ein schriller Vergnügungspark. Wir fragen uns durch nach Marcos Unterkunft. Völlig übermüdet schleppen wir uns zu einem mitten im Niemandsland isoliert stehenden Häuschen. Der Mann hat eine Augenklappe, und verlangt das Geld im voraus. Vor unserem Fenster liegen vom Unkraut überwucherte Eisenbahnschienen. In der Nacht schieben wir den Kasten vor die Tür.

Am nächsten Tag stehen wir auf der Landstraße und warten, dass irgendwann der Bus ins Zentrum vorbeikommt. Wenn man Glück hat, ist er nicht voll und nimmt einem mit, sagte uns Marco. Die Altstadt Napolis gleicht einem abgewohnten Wohnzimmer. Essensgerüche, Fetzen familiärer Konversation, Babygeschrei und Opernarien, Kanarienvögel in Käfigen und Spitzendeckchen auf den Waschmaschinen. Fernseher gibt es überall. Wäsche, selbst die intimste, tropft von Balkon zu Balkon und über die Gassen. Da ist auch ein Transparent: Maradona il tuo arrivo é giá una vittoria!  Ballspielende Kinder, aufdringliche Männer, mit bunten Glühbirnen beleuchtete Madonnen in Mauernischen. An all dem ziehen wir fasziniert vorbei. Die Kirchen mit den in den Reiseführern angepriesenen Kunstschätzen sind geschlossen. Ein Japaner mit ängstlichem Blick hat sich verirrt. Wir können ihm nicht helfen. Wir wissen nur, das ist Neapel. Eine Hure sagt uns, dass wir hier lieber nicht spazieren gehen sollten. Mit einem autoritären Via di qua! verscheucht sie uns.

Ich probiere ein dünnes Kleidchen in einem Kaufhaus, als ich es wieder ausziehe, reisst der Verkäufer den Vorhang der Umkleidekabine auf und preist meinen Körper, als wäre ich ein Stück frisch gefangener Fisch auf einem Marktstand.

Das Meer lockt, und wir nehmen das Boot nach Capri, wo wir unter dramatischen Wolkenformationen und im warmen Regen spazieren gehen. Fischer laden uns zum Grappa ein. Eine neugierige Gruppe von Schülern nimmt uns ein Stück des Weges in einem blau-weißem Oldtimer mit. Ich denke, dass ich irgendwann auf dem Hauptplatz von Capri Silvester feiern will. Dann in Ischia beschließe ich, ein Bild mit einem bestimmten Meerblick zu malen.

Wieder in Neapel stolpere ich über ein mit Zeitungspapier zugedecktes Kind. In der Nacht schlafen hier viele in den Straßen, unter den Sternen. «Lenzuolo bianche per coprirci non he ho», heißt es in einem Lied. Die Armut im Mezzogiorno tut weh.

Wir wollen nach Sizilien. Als wir mit unseren Rucksäcken am Bahnhof stehen, nehmen uns zwei Männer mit den Augen in Besitz. Wir zwängen uns in den Waggon zweiter Klasse. Der Schaffner kommt und deutet uns, ihm zu folgen. Über in den Gängen sitzende und liegende Menschen steigend, geleitet er uns in den Postwaggon, wo Eisenbahner zwischen Säcken und Kartons Karten spielen. Ich habe Angst, denke, dass ich hier gefesselt und gekidnappt werde. Er führt uns weiter in den letzten Waggon des Zuges, wo plötzlich alle Abteile leer sind. Im Geisterwaggon sitzen nur die beiden Männer vom Bahnsteig. Der Schaffner verschwindet mit den Worten, dass wir es hier bequemer haben. Der alte schaut ernst und der junge flirtet. Meine Freundin spielt die Naive und beeindruckt die beiden mit ihrem Italienisch. Man darf die Männer nicht verärgern, sie scheinen gewohnt zu sein, dass man ihre Wünsche erfüllt. So zeigen wir uns freundlich, dümmlich und mit unerschöpflichem Interesse für Sizilien. Man wird uns bella Sicilia zeigen, wir werden dort leben wie Göttinnen. Wir zeigen uns erfreut, und stellen die nächste nervige Frage. Nur einschlafen dürfen wir nicht. Die Jugendstillämpchen brennen und beleuchten kitschige Landschaftsbilder über den Kopfstützen. Ohne es irgendwie abgesprochen zu haben, wissen wir was zu tun ist. In der Früh, als die Männer endlich dösen und der Zug in Cefalú hält, schnappen wir die Rucksäcke und springen hinaus. Die Männer öffnen das Fenster und schreien, dass wir zu früh ausgestiegen sind. Der Schaffner rennt uns nach und reicht uns die Adresse einer Villa in Catania.

Wir sind frei und wollen Pasta essen. Das Mädchen, das uns das Essen serviert ist schön und hat vor Drogen glänzende Augen. Wir fragen in der Touristeninformation nach einer Pension, und man vermittelt ein Appartement mit drei Zimmern in einem Haus aus Stein. Am Strand treffen wir zwei Elsässer, auf der Straße zum Hauptplatz einen arbeitslosen Maurer, den uns schon bekannten Leiter des örtlichen Tourismusamtes und einen gitarrespielenden Heimkehrer, der in Norwegen verheiratet ist. Am Abend kochen wir alle gemeinsam Nudeln mit Pilzen und unterhalten uns auf deutsch, französisch und sizilianisch. Wir entdecken, dass wir alle etwas suchen. Das Glück und Abenteuer in Sizilien und das Glück und Abenteuer in Amerika. Ma l’America è lontana.
Am nächsten Tag wollen wir nach Palermo und die mumifizierten Leichen im Kapuzinerkloster sehen. Aber in Palermo angekommen, laufen wir in unseren bequemen weißen Plastik-Badeschuhen zunächst zum Markt, wo wir die blutigen Riesenschwertfische bewundern. Ich spüre Blicke und sehe einen Mann mit Wasserkopf aus dem Fenster starren. Die Händler preisen ihre Waren im Singsang an, doch es klingt nach in die Welt geschrieenen Klagen. Den Stimmen, Augen, Händen und Gerüchen entkommen, stehe ich auf der Kreuzung vor dem großen Dom. Zu Boden fallend, begreife ich, dass mir die Handtasche gestohlen wurde. Ich springe auf und renne dem Motorrad mit zwei Jünglingen hinterher. Aber natürlich ist das sinnlos. Die Leute rundherum tun so als wäre gar nichts passiert. Niemand hält sie auf, hat etwas gesehen oder gar einen Räuber erkannt. Auf der Questura werde ich über die Umstände des Raubes und die Gründe meines Italienaufenthalts verhört. Ein ganz normaler strappo della borsa also. Ich erhalte ein «Bahnticket für Mittellose zur Rückführung in die Heimat». ■

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Heidemarie Markhardt

Geb. 1961 in Wien, Übersetzerstudium in den Sprachen Englisch und Spanisch, Sprachwissenschaftliches Studium, Promotion, seit 1994 freiberufliche Übersetzerin (Deutsch, Englisch, Spanisch) sowie Forschungs- und Vortragstätigkeit, daneben kontinuierliche Beschäftigung mit verschiedenen Formen künstlerischen Ausdrucks (literarische Texte, Malerei, Tonskulptur)

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