Glarean Magazin

Internationales Programm für Übersetzerfortbildung gestartet

Posted in Literatur, Literatur-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 21. Januar 2011

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Die mehrtägigen Übersetzerwerkstätten «ViceVersa»

Ein Programm zur internationalen Fortbildung von Literaturübersetzern haben der Deutsche Übersetzerfonds und die Robert-Bosch-Stiftung ins Leben gerufen. «ViceVersa» wird zweisprachige Übersetzerwerkstätten mit Teilnehmern eines bestimmten Sprachenpaares (einer paritätisch besetzten Gruppe von 10-12 Übersetzern aus dem Deutschen ins Russische und umgekehrt zum Beispiel) ermöglichen. Die mehrtägigen Workshops schaffen einen idealen Diskussionsraum für die Feinheiten literarischer Übersetzungen. Die Teilnehmer erhalten ein qualifiziertes Echo auf die eigene Arbeit und knüpfen Arbeitsbeziehungen zu Kollegen aus den Ländern der Sprache, aus der sie übersetzen. Für das laufende Jahr sind sieben ViceVersa-Projekte in Planung, darunter eine Deutsch-Hebräische Werkstatt im Literarischen Colloquium Berlin und eine Deutsch-Russische Werkstatt in Puschkinskie Gory/Russland. Bewerbungs-Schluss ist am 15. Februar 2011, die aktuelle Ausschreibung Französisch-Werkstatt unter Beteiligung der Pro-Helvetia findet sich hier. ■

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Pro Helvetia unterstützt ambitionierte Literatur

Posted in Literatur, Literatur-Ausschreibungen, Schweizer Literatur, Schweizer Verlage by Walter Eigenmann on 22. April 2008

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Prämien für deutsch-schweizerische Verlage

Pro Helvetia Verlagspraemien 2008Die Schweizer Kultur-Stiftung Pro Helvetia will sich auch in diesem Jahr «für eine vielfältige Verlagsszene» in der Schweiz einsetzen. Dazu vergibt sie wiederum Prämien an unabhängige literarisch ambitionierte Verlage. Es gibt je eine Hauptprämie und eine Förderprämie im Gesamtwert von 100’000 Franken.
Mit der Hauptprämie honoriert Pro Helvetia das literarische Gesamtprogramm eines Verlags sowie seine Aktivitäten im Bereich Literaturvermittlung. Die Förderprämie richtet sich speziell an Nachwuchsverlage, die sich bereits durch ein profiliertes Programm ausweisen können. Die Vergabe der Verlagsprämie erfolgt alternierend nach Sprachregionen: 2007 wurden zwei Verlage aus der lateinischen Schweiz prämiert, in diesem Jahr sind die Verlage aus der deutschen Schweiz an der Reihe. Die Ausschreibung läuft noch bis zum 1. Juni 2008, die Details finden sich hier.

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Beeindruckendes 50-Nummern-Jubiläum

Posted in Literatur, Literatur-Rezensionen, Literatur-Zeitschriften, Rezensionen, Walter Eigenmann by Walter Eigenmann on 9. Juli 2007

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Die Literaturzeitschrift «Entwürfe»

Nummer 50 / 2007

Walter Eigenmann

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Wenn in unserer Wegschmeiβ-Gesellschaft solche Undinge wie eine Literatur-Zeitschrift länger als ein paar Jährchen überleben, muss man von einem unerhörten Wunder reden. Und es bleibt ein Geheimnis, wie die «Entwürfe»-Leute ihr jeweils weit über 100 Buchseiten schweres, mit ausschlieβlich moderner Literatur gefülltes Textpaket immer monothematisch auf so hohem Niveau seit über zwölf Jahren vier Mal jährlich unters kleine Schweizer Völkchen zu mischen vermögen – aber Tatsache ist: «Entwürfe» hat inzwischen das halbe Hundert voll.

entwuerfe_nr50.jpgDas kann allein nicht am (durchaus überlebenswichtigen) Sponsoring von Öffentlichkeiten wie «Pro Helvetia» oder «Migros Kulturprozent» liegen, und auch nicht an der (überdurchschnittlich) langen «Mitglieder- und Gönner-Liste» (Gönner ist man ab 200 Franken) oder an dem (ebenfalls überdurchschnittlich) hohen Einzel-Preis von fast 20 Franken.

Vielleicht liegt es aber daran, dass «Entwürfe» keine Literaturzeitschrift ist. Sondern eine «Zeitschrift für Literatur». Und auch die 50. Nummer macht da keine Ausnahme: Graphisch zurückhaltend, schier langweilig, viele Buchstaben halt - aber fulminant in der Substanz! Alle Macht und Raum dem Text, das wird auf jeder Seite deutlich. Auch der (eindrückliche, eigentlich grausige) Szenen-Abstecher von Photograph Koni Nordmann zum «Moskauer Tiermarkt» oder die illustrativen Variationen von Rémy Markowitsch über die «Option Zwiebel» ändern an dem Eindruck nichts, dass es den «Entwürfen» nicht ums Bild, sondern allein ums Wort geht. Und zwar in jeder Ausgabe um ein einziges – diesmal heiβt es «Markt».

Dass man den «Markt»-Begriff (sogar ausgerechnet in der Schweiz…) auch literarisch füllen kann, und sehr facettenreich, ja poetisch füllen kann, beweist dieses 50er Heft. Dabei offenbart sich «das Feld des Mercatus» als ein in der Tat erstaunlich «weites und buntes» (Editorial). Was beispielsweise der Österreicher Alexander Preisinger zum «Narrativen im Mythos Markt» befindet, nämlich «dass die wahren Werte nur noch Warenwerte sind», und dass inzwischen das «neoliberale Bild des homo oeconomicus als selbstleitender imaginierter Entwurf» nicht mehr als Gegensatz, sondern «vielmehr als integraler Bestandteil der conditio humana» verstanden werde, kommt belletristisch u.a. daher in Kürzestprosa wie «Markt III» der Freiburger Kinderbuch-Autorin Annette Pehnt:

«Björn hat gesagt, ich soll offen sein und mich nicht auf einen Typ versteifen, ich soll auf den freien Markt. (…) Komm, ich helf dir, hat er gesagt, Steffi und Ingrid haben auch geholfen, und am nächsten Donnerstag stand in der Zeitung auf Seite 22: Ruhier attr. Er sucht schlanke naturverbundene Sie zum Träumen und mehr. Naturverbunden, weil du gern an der frischen Luft bist, hat Steffi stolz gesagt. Sie fragten mich jeden Tag, ob schon jemand geantwortet hätte. Ich habe die Briefe nie abgeholt. Dann kam im September der Chef und und legte mir die Hand auf die Schulter und drückte sehr sanft den Knochen, der zwischen Hals und Schulter eine Schale formt, und seitdem bin ich nicht mehr im Büro. Eine Frage der Konjunktur, hat der Chef gesagt, ausschliesslich. Die Gesetze des Marktes.»

Bliebe da noch unbedingt die «Entwürfe»-Lyrik des 50. Heftes anzuführen. Denn seit je her räumt man diesem literarischen Stiefkind verdienstvollerweise gebührend Platz ein. Und auch wenn die Qualität hier schwankt bzw. die thematische Vorgabe diesmal sehr unterschiedlich eingelöst wurde – z.B. hätte auf die (mit sprachlicher Eloquenz die inhaltliche Plakativität kaschierenden) Gedichte der Zürcherin Dorothee Kohler verzichtet werden können -, so ist v.a. der traditionelle «auβerdem»-Teil hervorragend bestückt mit einer Reihe von früheren und diesjährigen Gewinner-Texten des «Heinz-Weder-Preises für Lyrik». Eindrücklich beispielsweise das Schaffen der Hauptpreisträgerin Lisa Elsässer-Arnold (Walenstadt):

das lautlose     kreisen
kein        flügelschlag

und nur        im fallen
ist        etwas von dir
mit drin             dir
brechen dabei   die arme
in        der nachahmung

Wird es weitere fünfzig «Entwürfe» geben? Die Herausgeber schlagen in ihrer neuesten Nummer unmissverständlich Alarm: «Nun sind die Reserven aufgebraucht, die Abozahlen stagnieren, ‘Entwürfe’ steht unmittelbar vor dem Abgrund, wenn es nicht gelingt, wieder ein kleines Finanzpolster anzulegen.»

Ein wahrer Jammer,  wenn eine vieljährige, quasi schweizerische literarische Institution wie «Entwürfe», in der einst heutige Berühmtheiten wie Peter Weber, Ruth Schweikert, Peter Stamm u.v.a. ihre erste Chance zur Publikation erhielten, vom «Markt» (!) verschwände…

Entwürfe Nr.50/2007, Zeitschrift für Literatur / Markt, 128 Seiten, Verein “entwürfe für literatur” Zürich, ISBN 978-3-906729-56-5, CHF 19.-