Lyrik von Martin Kirchhoff
.
.
Klaipeda. Rundgang
Stimmenvoll, die Klänge,
sagen, werden getragen
ins Gehör, die Fragen
Worte, Sprache, die Klänge
hier, fremd mir,
Sprache, kräftiger Stier
Tauche ein, die Klänge
schweben, Träume erleben,
Worte, tiefe Orte
Stimmenvoll, die Kultur
hören, Sprache kann betören,
Klänge, gleich Chören
Tauche ein, Sprache fremd,
bester Wein, den niemand kennt;
schöner Klang, heimisch hier
Gesänge, fremd und in mir
.
.
.
Bahnhof der Lufttrinker
Halb erblindet unter der Brücke
Bahnareal, Schienen, Gräser
S-Bahnen humpeln eisern dahin
Bettler, Mensch, Arbeitsloser
rattert der Zug, rattert die Zeit, rattert die Luft
es steigen Menschen in die Vergangenheit der Leere
es geht was kommt, alle wissen was keiner weiß
rattert das Leben, rattert der Traum, rattert das Sein
Halb sehend unter der Brücke
Ruinen, Flächen, Schotter
Gestalten stolpern glaubend umher
Lieder, Morgenrot, Hoffnung
vergeht was ist, vergeht was glaubt, vergeht was vergangen ist
es kommen die Toten in die Zukunft der Gegenwart
es kommt was geht, alle wissen was keiner sagt
vergeht der Tod, vergeht das Nichts, vergeht der Schein
Schräge Vögel im Bahnhof der Lufttrinker
.
.
.
Ankunft
Wellen, die Boten,
sie becircen meine Seele,
die Möwen rufen
sie zaubern mir Flügel
Ein grünes Boot legt an
Wind, der Flüsterer,
er nimmt meine Seele,
die Gedanken schweben
sie zaubern mir Farben
Ein grünes Boot legt ab
Seele, der Sucher,
nimmt an die Wellen,
die Gedanken zaubern
sie rufen die Möwen
Eine Seele kommt an
Seele wird Welle
Welle wird Bote
Bote wird Möwe
Sie rufen mich
Angekommen im Meer
.
.
.
.
__________________________
Geb. 1954 in Leonberg/D, zahlreiche Lyrik- und Prosa-Publikationen in Büchern, Zeitschriften und Anthologien, verschiedene Literaturpreise, lebt als Zeitungskorrektor in Leonberg
.
.
Hiromi Kawakami: «Am Meer ist es wärmer»
.
Eine Hauch von Melancholie
Günter Nawe
.
Selbst dreizehn Jahre später hat Kei das Verschwinden ihres Ehemanns Rei noch nicht verwunden. Seit dreizehn Jahren lebt sie mit ihrer (und Reis) Tochter sowie ihrer Mutter zusammen. Mit Seiji ist sie eine neue Bindung eingegangen. Das Verhältnis zu ihrer pubertierenden Tochter ist nicht einfach. Und das Leben ohne Rei ohnehin nicht.
«Auch nachdem er mich verlassen hatte, liebte ich ihn noch. Ich konnte nicht aufhören, ihn zu lieben. Es war schwierig, jemanden zu lieben, der nicht da war». «Aber eigentlich wusste ich immer noch nicht, was das Wort Liebe bedeutet». – So Kei über ihre Empfindungen.
Eine seltsame Geschichte von Liebe und Sehnsucht also. Von körperlicher Distanz und emotionaler Nähe. Und von der Suche nach dem Geliebten. Der «Sehnsuchtsort» heißt Manazuru und liegt am Meer. Er ist auf einer der letzten Tagebuchseiten von Rei notiert. Diesen Ort sucht Kei in regelmäßigen Abständen auf. Hier erlebt Kei Hoffnung auf Wahrheit und die Angst vor der Erinnerung. Hier – am Meer, das zugleich eine großartige Metapher in diesem Buch ist – muss sie um den Verlust ihrer Sinne bangen. Vorstellung und Realität klaffen auseinander. Und «was wirklich ist, weiß sowieso kein Mensch».
Mit großer Meisterschaft beschreibt Hiromi Kawakami diese Liebesgeschichte, die gleichzeitig eine Geschichte auf der Suche nach sich selbst ist. Mit äußerster Genauigkeit, mit großartiger Zurückhaltung und vielleicht gerade deshalb mit großer Intensität lässt sie den Leser teilhaben an dieser seltsamen Geschichte. Und über allem liegt ein Hauch von Melancholie. Der Roman hat etwas Schwebendes, etwas Unwirkliches und ist doch eine sehr reale Geschichte. Der Leser erinnert sich an frühere, erfolgreiche Bücher diese Autorin («Herr Nakano und die Frauen», «Der Himmel ist blau») und an die Bücher von Murakami – obwohl Hiromi Kawakami einen ganz eigenen Ton hat. Und so ist der Autorin ein besonderes, fantastisches Buch gelungen, eine wunderbare Liebesgeschichte, sinnlich und warm und voll tiefer Symbolik. Eine der schönsten Liebesgeschichten, die wir in den letzten Jahren lesen konnten.
Seltsam ist die Geschichte auch, weil Kei auf der Suche nach Rei einer Frau aus einer anderen Welt begegnet. Erst als ein Hauch, ein Schatten, dann immer näher und körperlicher wird diese Frau zu ihrer ständigen Begleiterin. Woher kommt sie? Aus der Welt, in der auch Rei ist? Was weiß die Frau, die anfangs so etwas wie eine Bedrohung für Kei darstellt? Findet Kei bei ihr die Lösung?

Hiromi Kawakami erzählt eine Liebesgeschichte der besonderen Art; eine Geschichte von Nähe und Ferne. Der Autorin ist ein wunderbares, ein beeindruckendes Buch gelungen; eine der schönsten Liebesgeschichten, die wir in den letzten Jahren lesen konnten.
Resignation und Hoffnung also erlebt die etwa 40-jährige Kei, die an einem Roman schreibt. Ist es die Geschichte von Hiromi Kawakami? Ein Roman, in dem Kei auch von ihrer Vergangenheit mit Rei erzählt und von ihrem Leben mit Momo, Reis Tochter. Auch mit ihr, die sie liebt, kämpft sie um Nähe. Eine Nähe, die ihr Momo verweigert. Was wiederum mit dem Verschwinden des Vaters zusammenhängt…
Was also ist mit Rei? Wo ist Rei? «Ob mein Mann sterben wollte? Oder war er verschwunden, weil er leben wollte?» Auch die unbekannte Frau will es nicht wissen. Und so bleibt am Ende für Kei nur, ihren Mann für tot erklären zu lassen. Die Hoffnung aber bleibt. «Rei, irgendwann in ferner Zukunft können auch wir uns wiedersehen… Aus dem Nichts kommen wir, und ins Nichts kehren wir zurück.» ■
Hiromi Kawakami, Am Meer ist es wärmer, Roman, 208 Seiten, Hanser Verlag, ISBN 978-3-446-23553-3
.
.
.
Kurzprosa von Heidemarie Markhardt
.
Amerika ist weit weg
Heidemarie Markhardt
.
Mit dem Zug wollte ich 1982 nach Italien und dort bleiben, für immer die Sehnsucht nach Süden stillen. Noch vor Villach wird meiner Freundin die Handtasche geraubt. Das ganze Geld ist weg, der Pass wird im Klo gefunden. Wir ahnen, wer der Räuber war. Lange stand er vor unserem Abteil, bevor wir einschliefen. In Udine steigen wir aus, und er mit uns. Er nähert sich uns freundlich auf dem Bahnsteig und lädt uns zum Essen in der Bahnhofstrattoria ein. Da wir ab jetzt nur mehr von meinem Geld zehren werden, nehmen wir dankend an. Er erzählt uns von seiner komplizierten Existenz in Jugoslawien. Auch eine Art der Entschuldigung.
In Venedig laufen wir in schmalen Gassen den Katzen hinterher und kaufen gestreifte T-Shirts mit der Aufschrift «Venezia». In einer verträumt-verschrobenen Buchhandlung auf einer namenlosen Piazza finde ich ein von einer venezianischen Contessa im Selbstverlag herausgegebenes Buch mit Texten und Aquarellen über in den Kanälen lebenden Nixen. Am Abend, als die Stadt sich in rosa Dunst hüllt, flüstert mir ein Mann zu, dass überall der Teufel lauert.
Wir nehmen den Nachtzug nach Rom. Irgendwo auf der Strecke bleiben wir mit einem Ruck stehen. Sciopero! Es wird immer heißer im Abteil, in das acht Personen und jede Menge Koffer und Bündel gepfercht wurden. Jemand beginnt, ein Lied von Lucio Dalla zu singen. Ein anderer Mitreisender schneidet uns mit dem Taschenmesser Scheiben vom mitgebrachten Brot. Mortadella und Käse. Wein und Wasser. Der Zug fährt wieder ein Stück, bleibt wieder stehen. Reden, essen, singen – und manche schlafen. Dazwischen regt man sich lautstark und wort- und gestenreich über den leidigen Streik auf.
Dann, endlich in Rom, werfe ich Münzen in den berühmten Brunnen und wünsche mir ein Appartement mit Dachgarten auf der Piazza Navona – der heißgeliebten Piazza Navona – oder dass zumindest das Geld bis Sizilien reicht. In unseren Venezia-T-Shirts schlendern wir die Via Condotti entlang und tun so, als wären wir reich. Schön sind wir sowieso. Cerrutti, Armani und Versace. Guarda le scarpe! Cappucino im Café Greco, eine gute Investition. Schöne dekadente Menschen, und einer, der uns fragt: Mögt Ihr Caravaggio? Eine unscheinbare Kirche in einem Gässchen wird eigens für uns aufgesperrt. Ein dunkles Bild in einer dunklen Kirche. Die Augen des Gekreuzigten sind offen und folgen uns, bis wir wieder draußen sind.
In Wien gab uns ein sardinischer Busfahrer eine Adresse einer römischen Jobvermittlungsagentur. Sie führt uns in einen noblen Stadtpalast. Nachdem wir die edle Messingklingel bei der angegebenen Nummer gedrückt haben, öffnet sich Tür für Tür. Türschilder gibt es keine. Gelackte Menschen empfangen uns, freuen sich, dass uns der Sarde schickt. Sie rufen ihn auch gleich an, ob er uns wirklich kennt. Er scheint das am Telefon zu bestätigen. Sie taxieren uns, wirken interessiert. Kein Lebenslauf, kein Zeugnis ist von Interesse. Es genüge ja, dass wir uns auf Italienisch unterhalten können. Wir sollen am nächsten Tag wiederkommen, man würde uns eine Adresse einer Pension in Amalfi geben, wo wir dann sofort anfangen können. Wir bedanken uns und kehren nie wieder – wohl wissend, dass auch in Italien Jobvermittlungsagenturen nicht in barock möblierten Palazzi residieren.
Nach ein paar Tagen treibt es uns schon wieder weiter südlich. Die Waggone sind alt, vergammelt und noch viel unbequemer als nördlich von Rom. Immerhin zieren vergilbte Italien-Ansichten in Blechrahmen die überquellenden Abteile. In Neapel empfangen uns die ambulanten Händler am Bahnhof mit lautem panini-giornali-panini-Geschrei. Der kleine Mann in der Touristeninformation am Bahnhof vermittelt uns ein Zimmer bei seinem Cousin Marco. Wir nehmen einen Bus, der sich durch das Verkehrsinferno an den Stadtrand quält. «Jesus beschütze uns» steht auf den Klebern an den Heckscheiben der Autos. Betonsilos, ein Barackenghetto hinter einem Zaun, wo man Erdbebenopfer untergebracht hat. Gleich daneben ein schriller Vergnügungspark. Wir fragen uns durch nach Marcos Unterkunft. Völlig übermüdet schleppen wir uns zu einem mitten im Niemandsland isoliert stehenden Häuschen. Der Mann hat eine Augenklappe, und verlangt das Geld im voraus. Vor unserem Fenster liegen vom Unkraut überwucherte Eisenbahnschienen. In der Nacht schieben wir den Kasten vor die Tür.
Am nächsten Tag stehen wir auf der Landstraße und warten, dass irgendwann der Bus ins Zentrum vorbeikommt. Wenn man Glück hat, ist er nicht voll und nimmt einem mit, sagte uns Marco. Die Altstadt Napolis gleicht einem abgewohnten Wohnzimmer. Essensgerüche, Fetzen familiärer Konversation, Babygeschrei und Opernarien, Kanarienvögel in Käfigen und Spitzendeckchen auf den Waschmaschinen. Fernseher gibt es überall. Wäsche, selbst die intimste, tropft von Balkon zu Balkon und über die Gassen. Da ist auch ein Transparent: Maradona il tuo arrivo é giá una vittoria! Ballspielende Kinder, aufdringliche Männer, mit bunten Glühbirnen beleuchtete Madonnen in Mauernischen. An all dem ziehen wir fasziniert vorbei. Die Kirchen mit den in den Reiseführern angepriesenen Kunstschätzen sind geschlossen. Ein Japaner mit ängstlichem Blick hat sich verirrt. Wir können ihm nicht helfen. Wir wissen nur, das ist Neapel. Eine Hure sagt uns, dass wir hier lieber nicht spazieren gehen sollten. Mit einem autoritären Via di qua! verscheucht sie uns.
Ich probiere ein dünnes Kleidchen in einem Kaufhaus, als ich es wieder ausziehe, reisst der Verkäufer den Vorhang der Umkleidekabine auf und preist meinen Körper, als wäre ich ein Stück frisch gefangener Fisch auf einem Marktstand.
Das Meer lockt, und wir nehmen das Boot nach Capri, wo wir unter dramatischen Wolkenformationen und im warmen Regen spazieren gehen. Fischer laden uns zum Grappa ein. Eine neugierige Gruppe von Schülern nimmt uns ein Stück des Weges in einem blau-weißem Oldtimer mit. Ich denke, dass ich irgendwann auf dem Hauptplatz von Capri Silvester feiern will. Dann in Ischia beschließe ich, ein Bild mit einem bestimmten Meerblick zu malen.
Wieder in Neapel stolpere ich über ein mit Zeitungspapier zugedecktes Kind. In der Nacht schlafen hier viele in den Straßen, unter den Sternen. «Lenzuolo bianche per coprirci non he ho», heißt es in einem Lied. Die Armut im Mezzogiorno tut weh.
Wir wollen nach Sizilien. Als wir mit unseren Rucksäcken am Bahnhof stehen, nehmen uns zwei Männer mit den Augen in Besitz. Wir zwängen uns in den Waggon zweiter Klasse. Der Schaffner kommt und deutet uns, ihm zu folgen. Über in den Gängen sitzende und liegende Menschen steigend, geleitet er uns in den Postwaggon, wo Eisenbahner zwischen Säcken und Kartons Karten spielen. Ich habe Angst, denke, dass ich hier gefesselt und gekidnappt werde. Er führt uns weiter in den letzten Waggon des Zuges, wo plötzlich alle Abteile leer sind. Im Geisterwaggon sitzen nur die beiden Männer vom Bahnsteig. Der Schaffner verschwindet mit den Worten, dass wir es hier bequemer haben. Der alte schaut ernst und der junge flirtet. Meine Freundin spielt die Naive und beeindruckt die beiden mit ihrem Italienisch. Man darf die Männer nicht verärgern, sie scheinen gewohnt zu sein, dass man ihre Wünsche erfüllt. So zeigen wir uns freundlich, dümmlich und mit unerschöpflichem Interesse für Sizilien. Man wird uns bella Sicilia zeigen, wir werden dort leben wie Göttinnen. Wir zeigen uns erfreut, und stellen die nächste nervige Frage. Nur einschlafen dürfen wir nicht. Die Jugendstillämpchen brennen und beleuchten kitschige Landschaftsbilder über den Kopfstützen. Ohne es irgendwie abgesprochen zu haben, wissen wir was zu tun ist. In der Früh, als die Männer endlich dösen und der Zug in Cefalú hält, schnappen wir die Rucksäcke und springen hinaus. Die Männer öffnen das Fenster und schreien, dass wir zu früh ausgestiegen sind. Der Schaffner rennt uns nach und reicht uns die Adresse einer Villa in Catania.
Wir sind frei und wollen Pasta essen. Das Mädchen, das uns das Essen serviert ist schön und hat vor Drogen glänzende Augen. Wir fragen in der Touristeninformation nach einer Pension, und man vermittelt ein Appartement mit drei Zimmern in einem Haus aus Stein. Am Strand treffen wir zwei Elsässer, auf der Straße zum Hauptplatz einen arbeitslosen Maurer, den uns schon bekannten Leiter des örtlichen Tourismusamtes und einen gitarrespielenden Heimkehrer, der in Norwegen verheiratet ist. Am Abend kochen wir alle gemeinsam Nudeln mit Pilzen und unterhalten uns auf deutsch, französisch und sizilianisch. Wir entdecken, dass wir alle etwas suchen. Das Glück und Abenteuer in Sizilien und das Glück und Abenteuer in Amerika. Ma l’America è lontana.
Am nächsten Tag wollen wir nach Palermo und die mumifizierten Leichen im Kapuzinerkloster sehen. Aber in Palermo angekommen, laufen wir in unseren bequemen weißen Plastik-Badeschuhen zunächst zum Markt, wo wir die blutigen Riesenschwertfische bewundern. Ich spüre Blicke und sehe einen Mann mit Wasserkopf aus dem Fenster starren. Die Händler preisen ihre Waren im Singsang an, doch es klingt nach in die Welt geschrieenen Klagen. Den Stimmen, Augen, Händen und Gerüchen entkommen, stehe ich auf der Kreuzung vor dem großen Dom. Zu Boden fallend, begreife ich, dass mir die Handtasche gestohlen wurde. Ich springe auf und renne dem Motorrad mit zwei Jünglingen hinterher. Aber natürlich ist das sinnlos. Die Leute rundherum tun so als wäre gar nichts passiert. Niemand hält sie auf, hat etwas gesehen oder gar einen Räuber erkannt. Auf der Questura werde ich über die Umstände des Raubes und die Gründe meines Italienaufenthalts verhört. Ein ganz normaler strappo della borsa also. Ich erhalte ein «Bahnticket für Mittellose zur Rückführung in die Heimat». ■
.
_______________________________
Geb. 1961 in Wien, Übersetzerstudium in den Sprachen Englisch und Spanisch, Sprachwissenschaftliches Studium, Promotion, seit 1994 freiberufliche Übersetzerin (Deutsch, Englisch, Spanisch) sowie Forschungs- und Vortragstätigkeit, daneben kontinuierliche Beschäftigung mit verschiedenen Formen künstlerischen Ausdrucks (literarische Texte, Malerei, Tonskulptur)
.
.
Sommer-Tanka (1)
.
O wie wunderbar
spannt der blaue Himmel sich
über Land und Meer -
Ach, ich wollt’, es wär mein Herz
auch so groß und weit und rein!
.
Kaiser Meiji (1852-1912)
.
.
.
Lyrik von Klaus Martens
.
Mondgedicht
Ein wenig eingedellt, unten links,
Altersschatten über den Backen,
unter den Augen, auf jeden Fall:
Bald prall, voll, Cortison-Mond –
Mondgesicht, wie man sich’s vorstellt,
alterslos-alt, ausgefüllt, eingefüllt
wie ein Formular, Antrag auf Ope –
ration, einmal im Mond, Botox –
Mondverzicht bei tiefer Wolke,
doch Mond ist Pflicht, ich liebe dich,
wenn Mondlicht ist, so hell und rund,
ich: blind und dumm, mondsüchtig.
.
.
.
Treibholz
Dieses fast enthäutete Stück Holz von einem vergessenen Strand
kann nicht mit einer in Bewegung erstarrten Schlange
verwechselt werden, die kieferartige Spreizung an einem Ende ist
kein zahnlos aufgerissenes Maul.
Hier und da sind braun gefleckte Fetzen Rinde fest geblieben
über dem hell und glatt gespülten Leib des gewundenen Holzes.
In den Gabelungen der zwei abgesplitterten Äste nisten –
ja, was? – ein fast versenktes, flaches, graues Steinchen
und, am Kopfende des leicht gewordenen Körpers, ein wohl runder
Stein, die auf dem Holzweg mitgenommen worden sind
und nun, nachdem sie beinah Teil geworden waren,
Kugellager fehlender Gelenke, Ruhe haben.
Ich hab verstohlen an dem Fund geschnuppert, ob nach Jahren noch
Geruch von Meer und Tang und Salz als feiner Hauch
vorhanden wären, ausgelöst aus brauner Haut durch meinen warmen Atem,
doch war da nichts zu spüren; der Rest blieb Ansichtssache.
.
.
.
Fernweh
Alles drängt sich
in Bella Coola,
in Ashtabula
in Ganz-weit-weg.
Such den Nachbarn
in Owajema,
in Iwo Jima –
schon vor dir da.
Ach, bleib Zuhause
in Posemuckel,
in Huckelriede,
wenn du dich traust.
Erzähl von Bären
in deinem Zimmer
oder auch immer,
wohin du schaust.
Alles drängt sich
in deinem Kopfe,
unter dem Schopfe,
es ist ganz nah.
.
.
.
_______________________________________
Geb. 1944 in Kirchdorf/D, Studium der Anglistik und Germanistik in Göttingen, Promotion 1979, zwischen 1979 und 1989 Lehraufträge an den Universitäten Göttingen, Münster und Kassel, zahlreiche literaturwissenschatliche und übersetzerische Publikationen in Büchern und Zeitschriften, Mitglied des PEN Deutschland, diverse Lyrik-Veröffentlichungen, lebt als emer. Universitätsprofessor in Saarbrücken/D
.
.
Tania Schlie: «Frauen am Meer»
.
Sinnlich-fröhlich-nüchtern-düster-verträumte Impressionen
Sigrid Grün
.
Das Umschlagsbild (Frank Weston Bensons «Sommer» von 1909) und der Entstehungszeitraum der meisten Bilder in Tania Schlies «Frauen am Meer» legen es nahe: Dieser schöne Bildband enthält vor allem Werke des Impressionismus. Die Farben sind das primäre Gestaltungsmittel, die Künstler malten <pleinair> – unter freiem Himmel –, das natürliche Licht spielte eine wichtige Rolle. Neben Werken von bekannten Impressionisten wie Auguste Renoir und natürlich auch Claude Monet findet man allerdings auch unbekanntere Künstler, wie z.B. Benson. Aber auch andere Stile und Epochen spielen eine Rolle. Picasso, Munch und Beckmann sind ebenso vertreten wie Salvador Dali, Frida Kahlo oder Henri Matisse. Unbekanntere Maler, wie z.B. der US-amerikanische Realist Winslow Homer oder William Henry Margetson werden entsprechend gewürdigt. Die Autorin Tania Schlie hat eine abwechslungsreiche und ausgesprochen gelungene Mischung zusammengestellt, die das Thema in sämtlichen Facetten ausleuchtet.
Die Bilder sind sinnlich, fröhlich, nüchtern, düster oder verträumt. Darin spiegeln sich auch die vielfältigen Betrachtungsweisen des Meeres. Im Mittelpunkt steht hier stets die besondere Beziehung zwischen Frauen und dem Meer. Dieses Verhältnis ist nämlich ein gänzlich anderes, als das zwischen Männern und dem Meer. Während das Meer bei Männern eher mit Macht und Kampf assoziiert wird, schätzen Frauen die Stille und die Weite. Sie halten sich gerne alleine oder gemeinsam mit anderen Frauen am Meeressaum auf, während Männer eher auf hoher See zu finden sind. Diese besondere Beziehung wird bereits im Vorwort von Elke Heidenreich aufgegriffen.
«Frauen am Meer» ist auch ein sehr persönliches Buch. Die Autorin ist selbst eine große Liebhaberin des Meeres – und das spürt man als Leser und Betrachter auch. Elke Heidenreich erläutert im Vorwort ebenfalls ihre persönliche Beziehung zum Meer. Bei beiden Frauen, Schlie und Heidenreich, spielen Kindheitserinnerungen ans Meer eine entscheidende Rolle.
Die Autorin gliedert das Buch in verschiedene Kapitel, in denen die unterschiedlichen Facetten des Meeres zum Ausdruck kommen. So geht es zum Beispiel um den «Meeressaum als Ort der Besinnung» oder um die «Verheißungen des Meeres». Es geht um die «heilende Kraft des Meeres» und um die Wehmut, um das «Meer als Beruf» (auch für Frauen!) und um das Meer als «Ort der Mythologie. Bald wird klar, dass mit dem Meer die unterschiedlichsten Emotionen verknüpft sind. Dies wird auch durch die Texte betont. Tania Schlies Band enthält nämlich nicht nur Bildbeschreibungen, sondern auch zahlreiche Zitate. In Gedichten, Romanen, Briefen u.v.m. spielt das Thema «Frauen am Meer» eine wichtige Rolle.
Die sorgfältig ausgewählten Zitate und die herrlich unverkopften, eher intuitiven Bildbeschreibungen ergänzen die zahlreichen Abbildungen hervorragend. Auch die Druckqualität und Aufmachung des Buches lassen keine Wünsche offen.
Das Buch richtet sich nicht an den vornehmlich kunsthistorisch Interessierten, sondern eher an den passionierten Laien, der in der Betrachtung inspirierender Bilder schwelgen und poetische Texte lesen möchte. Es ist ein klassischer Geschenkband, der die Sehnsucht nach dem Meer vorübergehend stillen oder auch erst recht entfachen kann. Auf alle Fälle vermag es dem/r lesenden Betrachter/in viele schöne Stunden zu schenken. ■
Tania Schlie, Frauen am Meer, Bildband (Mit einem Vorwort von Elke Heidenreich), Thiele Verlag, 160 Seiten, ISBN 978-3851790986
.
.
Kurzprosa von Christa Degen
.
Isla de Los Lobos
Christa Degen
.
Ein bleigrauer Morgen. Ich suche einen Parkplatz auf dem riesigen Bürogelände, stelle meinen Firmenwagen ab, eile an all den Menschen vorbei, die pflichtbewußt zur Arbeit schreiten, grüße aus der Ferne bekannte Gesichter und verliere für Sekundenbruchteile das Bewußtsein.
Wo bin ich? Ach so, ja. Auf dem Weg zum Flughafen, in den Urlaub. Und das hier ist meine Firma. Nein, Ex-Firma - und das meine Ex-Kollegen, die ich gerade gegrüßt habe. Alles wirkt so unwirklich wie ein Film, den ich nur noch aus den Augenwinkeln wahrnehme, während ich mich schon etwas anderem zuwende. Die Verbindung zu diesen Bürogebäuden, der Firma, den Menschen, mit denen ich fünf Jahre zusammengearbeitet habe, ist nicht mehr. Auf einen Schlag, mit meiner Unterschrift unter die Kündigung, sind alle Fäden durchgeschnitten. Schwerelos und ohne Verankerung eile ich zur U-Bahn.
Am Flughafen Tegel herrscht morgens um halb zehn Hochbetrieb. In der Mitte der langen Schlange vor Schalter 12 wartet Eva schon, begrüßt mich mit ihrem warmen Lächeln. Sie sieht müde aus. Ihr linkes Auge hinter der Brille ist entzündet, ihre Haare erscheinen mir grauer als sonst. Wahrscheinlich sehe ich so ähnlich aus.
Sie lächelt tapfer in mein sorgenvolles Gesicht: «Das wird schon wieder. Einfach mal zwei Tage durchschlafen, dann bin ich wieder fit».
«Nur Sonne und Nichtstun. Das wird uns gut tun», kalauere ich.
Der Rest der Schlange ist schnell abgefertigt. Wir geben unser Gepäck ab, bekommen unsere Bordkarten und laufen durch den langen, kreisförmigen Gang. Rauchend und Kaffee trinkend sitzen wir an einem der Bistro-Tischchen in der Vorhalle. Ich erzähle, daß ich seit einer Woche arbeitslos bin.
«Ja, das kam überraschend. Ich habe die Kündigung akzeptiert, weil ich die Zusage für einen neuen Job hatte. Aber dann wurde sie plötzlich zurückgenommen… Mal sehen, was jetzt kommt. Vielleicht habe ich es so gewollt. Ein Sabbatjahr, eine Auszeit, die Karten neu mischen.»
Eva sieht mich mitleidig an, nicht überzeugt von meinem Optimismus. Das wird mir jetzt noch öfter so gehen. Ich werde mir Worte, glaubhafte Sätze für meine Situation zurechtlegen müssen, damit ich Fragen wie: «Was treibst du so? Was machen Sie beruflich?» schnell und problemlos beantworten kann.
Im Flugzeug überlässt mir Eva großzügig den Fensterplatz. Wir bekommen zu essen, trinken Sekt und stoßen auf unseren Urlaub an, während der Flugkapitän die Route auf Sächsisch erläutert: «Zürich – Lyon – die Pyrenäen – Gibraltar – Cassablanca – Agadir…» Ich lehne mich zurück. Endlich alles hinter mir lassen. Das ganze letzte Jahr, den Terror in der Firma, das «Stahlbad kollektiven Männermobbings», wie es eine «Spiegel»-Redakteurin nennt, die rigiden Verhaltensregeln im Vertrieb. Von Ferne höre ich die Sicherheitserläuterungen der Stewardess: «Sauerstoffmaske über Ihnen, Schwimmweste unter Ihrem Sitz.»
Als ich die Augen wieder öffne, sehe ich durch die Fensterluke die Meerenge von Gibraltar. Tiefblaues Meer, steif wie ein Brett, Schiffchen, die im Zeitlupentempo ihre zarten Spuren ziehen. Dann die riesigen, khakibraunen Gebirgsketten des Hohen Atlas, und wieder Meer, endloses Meer…
Plötzlich redet jemand aufgeregt auf mich ein: «Sauerstoffmaske, Schwimmweste!» Eva zieht heftig an den Schnüren ihrer orangeroten Plastikweste.
«Was ist denn los?»
«Keine Ahnung. Sie sagen, nur eine Vorsichtsmaßnahme.»
Ein Knall betäubt mein Trommelfell, ein ungeheurer Druck schleudert mich gegen etwas Hartes, ich sehe Flammen, und falle in ein schwarzes Loch. Dann ist es kalt, eiskalt. -
Als ich wieder zu mir komme, treibe ich allein in einer blauen Weite. Ich sehe mich um. Das Meer. Ich scheine zu leben. Meine Glieder hängen wie leblos im Wasser. Ich hebe den rechten Arm. Er lässt sich trotz des schweren, naßen Kostümstoffes bewegen. Auch der andere Arm rührt sich. Meine Zähne klappern. Die aufgeblasene Schwimmweste ist fest um meine Brust gezurrt. Ich muss die schweren Kleiderfetzen loswerden, sonst kann ich nicht schwimmen. Der linke, zerissene Ärmel hängt nur noch an ein paar Fäden und lässt sich leicht lösen. Oh, mein Gott! Was mache ich eigentlich? Wohin will ich denn schwimmen? Weit und breit ist nichts zu sehen. Ich treibe wie ein winziger Kork im Ozean.
Werde ich je irgendwo landen, bevor ich vor Kälte, Durst, Hunger…? Ich schließe die Augen. Es hat keinen Zweck. Ich kann auch gleich auf das Ende warten. Meine Tochter fällt mir ein, mein Ex-Mann, den ich immer noch liebe.
Da bewegt sich ein braunes Etwas am Rand meiner Netzhaut. Eine Fata Morgana? Ein großer Fisch? Es wird größer, scheint auf mich zuzusteuern. Ein Boot? Mein Herz hämmert in meinem erstarrten Körper. Ich erkenne Ruder. Rettung? Kann man mich denn sehen?
Ich reiße den anderen Ärmelfetzen ab und versuche das triefende Ding in die Höhe zu halten. Aber mein Arm sinkt kraftlos ins Wasser zurück. Ich will rufen. Aber aus meiner Kehle kommt nur ein Keuchen, meine Stimme gehorcht mir nicht mehr. Ich kann nur abwarten. Noch nie bin ich dem Schicksalsengel so direkt gegenübergestanden. Was hat er oder sie mit mir vor? Ich spüre nur noch einen Wunsch: Dieser unendlichen Verlassenheit, diesem vernichtenden Gefühl von Winzigkeit zu entkommen.
Das Boot wird größer. Jetzt erkenne ich eine Gestalt, die mit kräftigen Schlägen in meine Richtung rudert.
«Hola?»
Eine Männerstimme schallt über das Meer. Wo bin ich? Ist das Spanisch oder Arabisch?
«Hola, hola!» Meine Stimme funktioniert wieder. Ich schreie vor Freude, kann gar nicht mehr aufhören:
«Hola, Ola, Ola…»
Ein Lachen quillt aus meiner vereisten Brust. Habe ich den Verstand verloren? Das Boot ist jetzt fast in Reichweite. Ich paddle darauf zu.
«Venga, venga!»
Ein dunkelhäutiger Mann beugt sich über den Bootsrand und streckt mir die Hand entgegen. Als ich sie ergreifen will, fühle ich mich schwer wie ein Mühlstein.
«Dé me una mano!»
Er deutet mit dem Kinn auf meine andere Hand und zerrt mich aller Kraft über den Bootsrand. Ich plumpse auf den Holzboden und bleibe liegen wie ein Fisch, der aus seinem Element gezogen wurde und in seinen letzten Zuckungen liegt. Der Mann legt eine Art Burnus um mich, kramt eine Flasche hervor und hält sie mir an den Mund.
«Beba!»
Mein Gehirn gibt mir den Befehl zuzugreifen. Aber mein Arm bewegt sich nicht. Hilflos blicke ihn an. In seinen dunklen Augen blitzt es auf. Er schiebt einen Arm unter meinen Nacken, richtet mich auf und hält mir die Flasche an die Lippen. Frisches, klares, salzloses Wasser rinnt in meine Kehle. Als die Flasche leer ist, schenke ich ihm mit meinen rissigen Lippen ein mühsames Lächeln und sinke zurück auf den Boden. Beim Wegdämmern spüre ich, wie er mir die naßkalten Kleiderreste vom Leib schält. Die Berührung seiner Hände verwandelt meine körnige Fischhaut wieder in glattes Fleisch. Ich atme, lebe, habe überlebt. Eingehüllt in seinen Umhang aus Ziegenhaar schlafe ich ein.
Als ich wieder aufwache, sehe ich einen Oberschenkel. Meine Augen folgen seinen muskulösen Linien, den in der Sonne schimmernden Härchen auf der braunen Haut. Der Mann spürt meinen Blick, dreht sich um, sieht meine vergrößerten Pupillen und lächelt. Ich lasse den Umhang von meinen Schultern gleiten. Er legt die Ruder auf die Bootsplanken und streckt mir die Arme entgegen. Boot und Meer schaukeln in einem gleichmäßigem Rhythmus. Wind über unseren Körpern. Wir sind Teil der Elemente, Sonne, Wasser und… Ist Liebe ein Element?
Wieder eingehüllt in den Ziegenumhang sehe ich Guancho (ich habe ihm einen Namen gegeben) zu, der jetzt ein Ziel ansteuert.
«Isla de Los Lobos.»
Er zeigt nach vorn.
.

«Die Insel sieht aus wie eine Mondlandschaft. Schwarzbraune Berge, deren gezackte Hänge nur aus Steinen bestehen. Das Licht auf dem Geröll wirkt überklar wie unter Wasser. Davor goldgelbe Dünen, die in hellgrüne Wellen übergehen.»
.
Die Insel sieht aus wie eine Mondlandschaft. Schwarzbraune Berge, deren gezackte Hänge nur aus Steinen bestehen. Das Licht auf dem Geröll wirkt überklar wie unter Wasser. Davor goldgelbe Dünen, die in hellgrüne Wellen übergehen. Im Innern der Insel Palmen und ein paar weiße Würfel, deren Mauern vor dem tiefblauen Himmel vibrieren, als schwebten sie im milchigen Licht.
Guancho steuert das Boot an den Strand. Wir waten durch kniehohes Wasser in Richtung Oase. Ich ziehe den Umhang fester um mich, als wir das kühle Dunkel eines Hauses betreten, erkenne Holztische, Männer, die herumsitzen. Guancho schiebt mich in den hinteren Teil des Raumes und bedeutet mir, Platz zu nehmen. Er streift flüchtig mit der Hand meine Wange und verschwindet hinter einer Tür. Die Männer starren mich an.
Nach einer Weile kommt eine Frau mit einem Teller und einem Glas Wasser.
«Sopa de Marisco. Coma!»
Gierig löffle ich die dampfende Fischsuppe, schlürfe das Muschelfleisch, nage an den Krabbenbeinen. Meine letzte Mahlzeit war in einem andern Zeitalter.
Als ich das Glas Wasser hinunterkippe, setzt sie sich zu mir:
«El barco a Fuerteventura viene dentro de poco.»
Ich verstehe. Das Schiff nach Fuerteventura. Ich sehe mich um. Der niedrige Raum ist leer geworden. Guancho ist verschwunden und die Männer sind zur Arbeit gegangen. Die Frau nickt mir aufmunternd zu und geht hinter einem bunten Tuch ins Freie. Ich folge ihr. Blind von dem strahlenden Licht lehne ich mich an die Hauswand, schließe die Augen.
Als ich sie wieder öffne, ist kein Mensch mehr zu sehen. Ich laufe in Richtung Strand. Zu meiner Rechten und Linken die Wüste, vor mir das grüne Meer, das am Horizont mit dem Blau des Himmel verschmilzt. Durchsichtige Wellen umspielen meine nackten Füße.
Nein, nein, nein. Ich will nicht mit dem Schiff zurück in die Zivilisation! Das Meer hat mich geschluckt und wieder ausgespuckt, Wind und Liebe mich gewärmt und getrocknet. Meine Fußspuren verlieren sich im Sand.
«Puerto del Rosario!»
Eva lächelt mich an: «Wir sind da.» ■
.
_________________________
Geb. 1951 in Karlsruhe, Studium der Germanistik und des Creative Writing; langjährige Tätigkeit als Lehrerin und im EDV-Vertrieb, Kurzprosa in Zeitungen und Anthologien, arbeitet heute als freie Autorin und Anleiterin literarischer Schreibwerkstätten in Tübingen, Berlin und Italien
.
.
.
.
Lyrik von Petra Ganglbauer
.
Kreta-Gedicht
Der Hund verbellt die Wellen,
Vornüber,
Den eigenen Schatten
Zu verlieren:
So spricht das Meer.
Nicht alles was spricht, wacht.
(Im Wort der Brandung schlafe ich und schweige)
.
.
_________________________________
Geb. 1958 in Graz, Lyrik, Prosa, Theorie, Hörstücke, Projektkonzeptionen; lebt als freiberufliche Autorin und Radiokünstlerin in Wien
.
.
Martin Kirchhoff











Einen Kommentar schreiben