Glarean Magazin

Josquin Desprez: Missa Ave maris stella & Marienmotetten

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«Josquin ist der Noten Meister»

Wolfgang-Armin Rittmeier

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Es war kein geringerer als Reformator Martin Luther, der die Worte schrieb, die hier als Überschrift verwendet werden. Es sind Worte der Bewunderung des einen, der auch Musiker ist, für den anderen, der nur Musiker ist. Diese Bewunderung fußt auf einer einfachen, aber dennoch vollkommen zutreffenden Begründung, die Luther seinem Leser natürlich nicht vorenthält: «Josquin ist der noten meister, die habens müssen machen, wie er wolt; die anderen Sangmeister müssens machen, wie es die noten haben wollen.» Während die anderen Sangmeister Luthers Ansicht nach bloße Tonsetzer sind, die sich den komplexen Regeln der Kompositionskunst unterwerfen müssen – der Wittenberger Doktor mag hier sowohl an die Vorgänger Josquins, also an Dufay und Ockeghem, als auch an seine Zeitgenossen Isaac, Obrecht oder de La Rue denken -, so ist Josquin hingegen der Herr der Kompositionskunst, die ihm lediglich als Werkzeug dient, um seine musikalischen Ideen umzusetzen.

Josquin Desprez (1440-1521)

Die Ideen, die Josquin umtrieben, waren revolutionär, besonders was das Verhältnis von Musik und Text betrifft. Hatte der Text zuvor kaum Einfluss auf die musikalische Gestalt der Komposition, so rückt er bei ihm deutlich ins Zentrum des Interesses und wird zunehmend zu dem Element, an dem sich die musikalische Gestalt orientiert, dem sie dient. Auf diese Weise tritt das «kühl Errechnete» (Werner Oehlmann) in den Hintergrund und es tritt dem Hörer eine überwältigend melodische, warme, fließende und unmittelbare Musik entgegen, deren hochartifizielle Struktur kaum wahrnehmbar ist, sodass der unbefangene Hörer zunächst glaubt, es mit ganz einfacher, ja natürlicher Musik zu tun zu haben. In Theun de Vries’ Josquin-Roman «Die Kardinalsmotette» (1960) wird das Erleben, das durch die Begegnung mit der Musik Josquins ausgelöst werden kann, trefflich beschrieben: «Im Chor vernahm ich viele Stimmen, von denen jede für sich zu singen schien, sie stiegen auf und nieder auf unsichtbaren Leitern über- und nacheinander, manchmal paarweise, manchmal kreuzten sie einander auf ihren Bahnen gleich wie Kometen und schleppeten einen langen Schweif aus Harmonien hinter sich her, schwebend hielten sie einander im Gleichgewicht und trotz der kunstvollen Verschlingungen war alles stark und durchsichtig wie ein Silbergerüst im Raum. [...] Dass die Macht der Musik unbegrenzt ist, hatte ich stets mehr geahnt als gewusst; jetzt erfuhr ich es durch eigenes Erleben, ein für allemal.»

Manfred Cordes und das Ensemble Weser-Renaissance legen mit ihrer Einspielung von Marienmotetten und der «Missa Ave maris stella» aus der Feder Josquin Desprez' sowohl eine gut klingende als auch eine durchweg stimmig interpretierte Aufnahme vor, die Josquins Ausnahmestellung unter den Musikern seiner Epoche überzeugend unterstreicht.

Besonders deutlich werden die Qualitäten seines kompositorischen Idioms in den 25 Marienmotetten Josquins, von denen das Bremer Ensemble «Weser-Renaissance» unter der Leitung von Manfred Cordes, seines Zeichens Musiktheoretiker und Rektor der Hochschule für Künste Bremen, sieben Stück bei cpo eingespielt hat. Hinzu tritt die «Missa Ave maris stella». Das Ensemble «Weser-Renaissance» ist in der Alte-Musik-Szene nicht unbekannt, hat es in der Vergangenheit doch unter anderem sehr beachtliche Schütz-, Praetorius-, Lassus- und Hassler-Einspielungen vorgelegt. Doch das sich in dieser Einspielung aus acht Sängern zusammensetzende Ensemble füllt mit dieser CD keine Marktlücke und muss sich entsprechend an berühmten Ensembles messen, beispielsweise am Orlando Consort, an den Tallis Scholars, der Chapelle Royale oder am Hilliard Ensemble.
Und obgleich das keine leichte Aufgabe ist, so gelingt sie doch erfreulich gut. Zum einen gefällt der Klang der Aufnahme. Im leichten Hall der Bassumer Stiftskirche entwickeln die Sänger einen warmen, tragenden und körpervollen Ton, nicht zu scharf in den hohen Lagen des Diskants, weich in den Unterstimmen, wenngleich aus diesem Grund nicht immer konsequent durchsichtig. Doch gerade das Weiche ist es, was den spezifisch menschlichen Ton dieser Musik, die ja in keinem Fall unnahbar klingen darf, unterstreicht. Hinzu treten die hohe gestalterische Sicherheit und die interpretatorische Solidität von Cordes und seinem Ensemble, die dafür sorgen, dass der Hörer keinen Moment daran zweifelt, dass diese Kompositionen den Anspruch haben, den vertonten Text auszuloten. Ganz herrlich gelingt das dem Ensemble beispielsweise im berühmten «Ave Maria, gratia plena» à 4, das man bei keinem der anderen oben angeführten Ensembles inniger zu hören bekommt. Gleiches gilt für die tadellos gestaltete Kombinationsmotette «Virgo salutiferi», deren himmlischer Cantus firmus («Ave maria, gratia plena») hier eben jene silbrige Qualität besitzt, von der de Vries spricht. Lediglich Manfred Cordes’ Entscheidung, die «Miss Ave maris stella» nicht am Stück, sondern satzweise von den anderen Marienmotetten unterbrochen musizieren zu lassen, befremdet. Sicher, so erhält die CD einen imaginären Rahmen, die Motetten werden mehr oder minder zum Oridinarium in Bezug gesetzt, aber überzeugend und vor allem nötig war das nicht. ●

Josquin Desprez: Missa Ave maris stella / Marienmotetten, Weser-Renaissance / Manfred Cordes, Audio CD, CPO 2011

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Steve Reich: «WTC 9/11» (Kronos Quartet)

Posted in CD-Rezension, Glarean Magazin, Musik, Musik-Rezensionen, Rezensionen, Steve Reich, Wolfgang-Armin Rittmeier by Walter Eigenmann on 29. Dezember 2011

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«One of the towers just in flames»

Wolfgang-Armin Rittmeier

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Das Attentat auf das New Yorker World Trade Center am 11. September 2001 war die Initialkatastrophe des neuen Jahrtausends. Es ist kaum möglich, die Bilder der beiden brennenden und zerstörten Türme aus dem Gedächtnis zu verbannen, die Bilder der Männer und Frauen, die Hand in Hand aus den brennenden Gebäuden sprangen, der Feuerwehrleute, die staubbedeckt bis zur Erschöpfung nach Überlebenden suchten. Kann man dem mit einem Kunstwerk, einem Stück Musik begegnen?
Der amerikanische Komponist Steve Reich hat es versucht – und es ist ein kurzes, aber höchst intensives Werk dabei herausgekommen, das «WTC 9/11» heißt und nun beim Label Nonesuch auf CD erschienen ist. Bei dem Werk handelt es sich um eine Auftragsarbeit für das Kronos-Quartet, das auch die Einspielung übernommen hat. «WTC 9/11» ist ein Opus für drei Streichquartette, von denen zwei im Vorfeld aufgezeichnet wurden und eines live spielt. Hinzu treten im Vorfeld aufgezeichnete Stimmen. Das Werk ist kurz, knapp 16 Minuten dauernd.
Die Sätze haben unterschiedliche Bezüge zum Anschlag. So bringt der erste Satz («9/11») Tonaufzeichnungen des NORAD (North American Aerospace Defense Command) und des FDNY (New York Fire Department), die während des Attentats mitgeschnitten wurden. Der zweite Satz («2010») bringt Tonaufzeichnungen aus Gesprächen mit Augenzeugen, die sich im Jahre 2010 an die Katastrophe erinnern. Der dritte («WTC») kombiniert Erinnerungen von jüdischen Frauen, die monatelang im Medical Examiner’s Office in New York saßen, um dort – der jüdischen Tradition folgend – während der Shmira Psalmen und Passagen aus der Bibel zu sprechen, mit Gesängen eines Kantors aus einer der großen Synagogen New Yorks.

Komponist Reich in einem Interview über seine WT-9/11-Streichquartett-Stücke (Youtube)

Die Musik selbst nutzt durchweg erkennbare Stilmittel. So verlängert Reich die Vokale des gesprochenen Textes, was einen gewissen Verfremdungseffekt hat, eines der Quartette spielt ununterbrochen Tonwiederholungen, die wie ein ständiges Warnsignal die ersten beiden Sätze durchziehen. Eines der anderen Quartette orientiert sich an der Sprachmelodie der aufgezeichneten Stimmen, stützt diese und zieht Material daraus. Das ist sehr intensive Musik, die die Anspannung und die Angst derjenigen Menschen, deren Stimmen der Hörer begegnet, eindringlich transportiert.
Der zweite Satz beginnt zunächst mit Stimmen vor einem rauschend-brummenden Cluster, bevor die Tonwiederholungen wieder einsetzen, und zwar gerade in jenem Moment, da bei den sprechenden Personen die übermächtige Erinnerung an die Ereignisse wieder einsetzt («the first plane went straight into the building»). Das ist schon eindruckvoll, wie Reich durch die stilistischen Verbindungen des ersten und zweiten Satzes zeigt, wie der Moment des Erinnerns das Geschehen in seiner gänzlichen Gefühlsintensität augenblicklich aktualisiert. Bei Reich – das wird ganz deutlich – ist auch im Jahre 2010 immer noch 9/11.
Erst im letzten Satz wandelt sich das musikalische Geschehen. Die nervösen Tonwiederholungen enden und das Werk nimmt den Charakter eines altertümlichen Klageliedes an, in das sich die biblischen Gesänge des Kantors wie von selbst hineinfinden: «Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!», und: «Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege und bringe dich an den Ort, den ich bereitet habe.»
WTC – das bedeutet für Reich auch «World To Come», und so scheint der Satz und mit ihm das Werk zunächst noch einen tröstlichen Ausgang zu finden. Und doch: die letzten Minuten gehören einem Sprecher, der auf etwas anders hinweist: «The world to come, I don’t really know what that means, and there’s the world right here.» In dieser Montage zeigt sich nicht nur die Unbegreiflichkeit der «world to come», deren Tröstlichkeit nicht mehr unbedingt für jeden valide ist, sondern auch die Tatsache, dass wir täglich mit den Geschehnissen der «world right here», mit Ereignissen wie dem Anschlag vom 11. September konfrontiert werden und in dieser gegenwärtigen Welt mit der Gefahr solcher Katastrophen weiterleben müssen. Konsequenterweise kehrt Reich dann auch musikalisch zum Anfang des Werkes zurück und lässt in den letzten Sekunden erneut den Warnton erklingen – leiser ist er wohl, aber er ist immer noch da.

Steve Reichs kompositorische Auseinandersetzung mit den New Yorker Terroranschlägen vom 11. September 2001 ist durchweg gelungen: «WTC 9/11» ist ein höchst intensives Musikstück, das gedanklich wie musikalisch dicht ist und die Intensität der Ereignisse für die Augenzeugen ausgesprochen plastisch präsentiert. Lediglich die Kopplung mit den «Dance Patterns» und dem «Mallett Quartet» wirkt unangemessen.

Wenig passend hingegen scheint mit die Kombination dieses durchweg außergewöhnlichen Werkes mit dem «Mallet Quartet» (2009) für Vibraphone und Marimbas, glänzend gespielt vom Ensemble Sō Percussion, und dem kurzen Stück «Dance Patterns» aus dem Jahre 2002. Nichts gegen die Stücke an sich: das ist sehr rhythmusbetonte, gut klingende, schnelle, spielerische, nicht selten jazzige Musik, die fraglos ins Ohr geht. Was sie hier aber soll, wird nicht deutlich. Nach der Intensität von «WTC 9/11» ist diese Musik an dieser Stelle überflüssig; man hat den Eindruck, die CD sei einfach noch auf eine Gesamtspielzeit von ohnehin schmalen 36 Minuten gestreckt worden. Dabei hätten die rund 16 Minuten Spielzeit des «WTC 9/11» vollkommen gereicht… ■

Steve Reich, WTC 9/11 – Kronos Quartet, Audio CD, Nonesuch 2011

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Kroatischer Kompositions-Wettbewerb «New Note»

Posted in Ausschreibung, Kompositionswettbewerbe, Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 10. November 2011

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Kammermusik für Bläser-Quintett

Anlässlich des Samobor Music Festival 2012 wird erstmals der internationale Kompositionswettbewerb «New Note» ausgeschrieben. Eingesandt werden können Stücke für Bläserquintett (Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott) mit einer Dauer von maximal 15 Minuten. Der Preis ist mit insgesamt 5’000 Euro dotiert, die Teilnahme ist offen für Komponisten aller Nationalitäten und Lebensalter. Einsende-Schluss ist am 10 März 2012, die weiteren Details sind hier zu lesen (engl.). ■

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Der internationale Sorodha-Kompositionswettbewerb

Posted in Ausschreibung, Kompositionswettbewerbe, Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 21. Oktober 2011

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Neue Kammermusik für Violine solo

In Zusammenarbeit mit dem Royal Conservatory of Antwerpen und der International Academy of Arts lanciert die belgische Konzert-Organisation Sorodha in diesem Jahr ihren ersten internationalen Kompositions-Wettbewerb. Er widmet sich der Solo-Violine, gesucht werden moderne Werke mit einer maximalen Länge von jeweils zehn Minuten, wobei die Kompositionen vorzugsweise einen langsamen und einen schnellen Satz aufweisen sollten. Einsende-Schluss ist am 17. Februar 2012, die weiteren Einzelheiten finden sich hier (engl.). ■

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Finnischer Kompositions-Wettbewerb für Kammermusik

Posted in Kammermusik, Kompositionswettbewerbe, Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 18. November 2010

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Musikalische Inspiration: «Life sets a different trend»

Im Rahmen des dritten Kammermusik-Festivals im finnischen Seinäjoki wird ein internationaler Kompositionswettbewerb ausgeschrieben. Der Contest ist offen für Komponisten jeden Alters und jeder Nationalität. Eingereicht werden kann ein unveröffentlichtes Kammermusik-Werk, das zwischen 8 bis 18 Minuten dauern sollte. Als «Inspirationsquelle» wurde ein Lyrik-Text des Dichters Arto Melleri zugrunde gelegt: «Rhythm emerges when the end / turns around again to the beginning, / in writing. Life sets a different trend. // Melody has always been in compliance / with the hearing ear, /on the other side of silence.» Einsende-Schluss ist am 31. März 2011, die weiteren Details finden sich hier (engl.) ■

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Internationaler Kompositions-Wettbewerb ZEITklang 2011

Posted in Ausschreibung, Kompositionswettbewerbe, Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 19. Oktober 2010

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«Auseinandersetzung mit Klang und Raum»

Für europäische Komponistinnen und Komponisten mit Jahrgang 1971 und jünger wird ein Kompositionswettbewerb «ZEITklang» ausgeschrieben. Eingereicht werden können unveröffentlichte klassische Streichquartette. Die Werke sollen sich «mit den veränderten künstlerischen und gesellschaftlichen Bedingungen des 21. Jahrhunderts auseinandersetzen und diese in eigenständiger Weise kompositorisch reflektieren, unabhängig von ästhetischen und stilistischen Kategorien. Erwartet wird ein avancierter Umgang mit dem zur Verfügung stehenden Instrumentarium und eine entsprechende Auseinandersetzung mit den Phänomenen Klang und Raum.» Der Wettbewerb ist mit insgesamt 14’000 Euro sowie einem Publikumspreis dotiert. Einsende-Schluss ist am 1. Dezember 2010, die weiteren Details finden sich hier. ■

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Franz Schubert / Jörg Widmann: Oktette

Posted in CD-Rezension, Christian Schütte, Musik, Musik-Rezensionen, Rezensionen by Walter Eigenmann on 15. Oktober 2010

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Qualitätsvolle Interpretation «exotischer» Kammermusik

Christian Schütte

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Das Oktett ist eine exotische Form innerhalb der Kammermusik: Nur wenige Komponisten haben überhaupt für diese Besetzung geschrieben, und eine einheitliche Besetzungsform gibt es auch nicht.
Franz Schubert hat zwei Oktette geschrieben, eines nur für Holzblasinstrumente und Horn, und eben jenes Oktett in F-Dur für Klarinette, Fagott, Horn, Streichquartett und Kontrabass. Er knüpft damit an ein Vorbild an, nämlich Ludwig van Beethovens Septett op. 20, das bis auf die zweite Violinstimme genau so besetzt ist wie Schuberts Oktett. Bei aller Referenz an dieses Werk ist Schuberts Komposition doch ein höchst individuelles Stück, das vor allem Hinweise darauf gibt, was er mit dem Werk beabsichtigte. Form und Dimension des Oktetts sind in mehrfacher Hinsicht groß. Nicht nur, dass mit einer Gesamtlänge von etwas über einer Stunde das Oktett den zur Entstehungszeit üblichen Rahmen der Dauer von Kammermusik sprengt, auch in der formalen Anlage wollte Schubert offenbar hoch hinaus. Einerseits erklärte er selbst, sich mit dem Oktett den «Weg zur großen Sinfonie» bahnen zu wollen – was er kurze Zeit später auch tat –, andererseits ist die Anlage in sechs Sätzen gar nicht sinfonisch, lässt äußerlich vielmehr Anknüpfungspunkte an mehrsätzige Formen wie Suite oder Divertimento vermuten. Man kann darin genauso gut ein Experimentieren mit verschiedenen Satzformen erkennen, um auf diese Weise ein wenig für die «große Sinfonie» zu üben. Wie dem auch sei, das Oktett ist somit in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswertes Stück, das kompositorisch durchweg mit hoher Raffinesse der Satzgestaltung, farbenreichem Ausloten der Instrumente, kraftvoller rhythmischer und filigraner melodischer Gestaltung für sich einnimmt. Auch mit dem Gegenüber von konzertanten und sinfonischen Formen spielt Schubert hier ausgiebig, scheint etwa der Beginn des zweiten Satzes Adagio ein Klarinettenkonzert en miniature zu sein.

«Raffinierter Satz, kraftvolle Rhythmik, filigrane Melodik»: Autograph des 1. Satzes von Schuberts Oktett in F-Dur, D 803

Jörg Widmann hat sich in seinem recht umfangreichen kammermusikalischen Schaffen immer wieder unmittelbar auf Franz Schubert bezogen. Für das Artemis-Quartett etwa, das einige seiner Streichquartette zur Uraufführung brachte, ist es schon eine kleine Tradition geworden, Widmanns und Schuberts Streichquartette in ihren Programmen miteinander zu verbinden – ganz im Sinne des Komponisten.
Jörg Widmanns Oktett aus dem Jahr 2004 ist auf der Doppel-CD nun erstmalig eingespielt. Im direkten Vergleich zu seinen Streichquartetten etwa fällt beim Oktett sofort auf, dass Widmann sich hier wesentlich stärker an der musikalischen Welt Schuberts orientiert. Zwar lassen gleich in den ersten Takten bestimmte Harmonien erkennen, dass hier ein zeitgenössischer Komponist am Werk war, der diese wenigen Harmonien in ein Klangbild mit Reminiszenzen sowohl an Schubert als auch an nachromantische Strömungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts einflechtet. Was beim ersten Hinhören noch verwundert, entfaltet sich im Verlauf immer mehr zu einem Eindruck gekonnter und klug kalkulierter Referenz an Schubert. Nicht um bloßes Nachempfinden geht es hier, das würde dem Komponisten Widmann auch in keiner Weise entsprechen. Im Lauf des Stücks bewegt sich Widmann vielmehr immer weiter von Schubert weg, ein Ausgangspunkt zu Beginn stößt gleichsam eine Entwicklung an, das kompositorische Vorbild immer freier zu behandeln. Dabei erreicht Widmann freilich auch nicht die Schubert’schen Dimensionen. Gut 25 Minuten brauchen die fünf Sätze, deren Titel erkennen lassen, dass Widmann eine sehr viel intimere, zurückgezogenere Auffassung von seinem Stück hat. Intrada, Menuetto, Lied ohne Worte, Intermezzo, Finale – das klingt alles sehr viel spielerischer, auch einfacher als bei Schubert –, was jedoch keineswegs simpler oder schlichter bedeutet.

Der Klarinettist und Komponist Jörg Widmann

Die musikalische Ausführung beider Werke verdient größtes Lob. Schließlich ist das Instrumentalisten-Oktett auch mit vorzüglichen Musikern besetzt. Jörg Widmann selbst spielt Klarinette, Dag Jensen Fagott, und Sibylla Mahni Horn. Das Streicher-Quintett ist beim Widmann-Oktett zusammengesetzt aus Widmanns Schwester Caroline und Florian Donderer, Violinen, Hanna Weinmeister, Viola, Gustav Rivinius, Cello, sowie Yasunori Kawahara, Kontrabass. Das Schubert-Oktett spielen Isabelle van Keulen und Veronika Eberle, Violinen, Rachel Roberts, Viola, Tanja Tetzlaff, Cello, und Yasunori Kawahara, Kontrabass.
Bei Schubert legen die Musiker in ihrer Interpretation großen Wert darauf, das orchestrale, sinfonische Moment des Werkes zu betonen, ohne dabei in einen zu groben, dickflüssigen Klang zu fallen – alles bleibt leicht, transparent und durchhörbar, macht in den komplexer instrumentierten Passagen dabei gleichwohl fast vergessen, dass doch nur acht Instrumente beteiligt sind.

Sowohl das Oktett von Schubert als auch jenes von Jörg Widmann wird von den ausführenden Kammermusikern auf dieser CD-Novität aus dem Hause Avi-Music sehr transparent, sehr durchhörbar interpretiert. Eine interessante Gegenüberstellung - insgesamt eine deutliche Empfehlung für Freunde der - auch etwas spezielleren - Kammermusik.

Diese Interpretationsweise setzt sich in Widmanns Stück fort, wobei die Musiker hier einen wesentlich breitwandigeren Klang anstreben, der Widmanns eher horizontal angelegte Kompositionsstruktur nachempfindet. Dabei klingen die Farben der verschiedenen Instrumente ganz ähnlich wie bei Schubert. Das verlangt Widmanns Stück an den Stellen, an denen er sich gezielt auf Schubert bezieht; andere Passagen verlangen demgegenüber ganz andere Farben, solche der Musik des 21. Jahrhunderts. Die Musiker verstehen es, diesen Spagat kongenial umzusetzen.
Die Einspielung ist insgesamt eine unbedingte Empfehlung für Freunde der – auch etwas spezielleren – Kammermusik. ■

Franz Schubert / Jörg Widmann: Oktette; Avi-Service for music, Doppel-CD, Produktion im Auftrag von Deutschlandradio, (Live-Aufnahme vom Kammermusik-Festival Spannungen – Konzert im Wasserkraftwerk Heimbach / Juni 2009), LC 15080, Stereo, DDD

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Hörproben

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Kompositionspreis des «Concours de Genève» 2011

Posted in Kompositionswettbewerbe, Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 20. September 2010

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Moderne Kammermusik für Streichquartett

Für alle Komponistinnen und Komponisten, die frühestens am 1. Februar 1971 geboren sind, schreibt der «Concours de Genève» einen internationalen Kompositions-Wettbewerb aus. Der Preis wird im Rahmen des 66. «Geneva Music Competition» ausgelobt und verlangt originale Kammermusik-Werke für die klassische Streichquartett-Besetzung. Einsende-Schluss ist am 15. Januar 2011, die weiteren Details finden sich hier (engl.) ■

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Premio-Germi-Kompositions-Wettbewerb 2010

Posted in Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 16. September 2010

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Gesucht: Neue Stücke für Kammermusik

Zum Premio-Germi-Kompositionspreis 2010 sind KomponistInnen jeder Nationalität und jeden Alters eingeladen. Ein Wettbewerbsteilnehmer kann mehrere Werke einsenden. Die Stücke sollten für 1-4 Ausführende/n konzipiert sein. Der Wettbewerb ist mit 1’000 Euro für das Sieger-Stück dotiert. Einsende-Schluss ist am 4. Oktober 2010, die weiteren Details sind hier nachzulesen (engl.) ■

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Camillo-Togni-Kompositions-Wettbewerb 2011

Posted in Camillo Togni, Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 9. August 2010

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Neue Kammermusik gesucht

Camillo Togni (1922-1993)

Das italienische «Dèdalo Ensemble» schreibt zum sechsten Mal seinen internationalen Kompositionswettbewerb «Camillo Togni» aus. Teilnehmen können Komponistinnen und Komponisten aus allen Ländern, unbesehen ihres Alters. Zugelassen sind Werke für maximal acht MusikerInnen. Der Preis ist mit 5’000 Euro dotiert. Einsende-Schluss ist am 31. Dezember 2010, die Einzelheiten der Ausschreibung finden sich hier.

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M: Weinberg: «Sonaten für Viola solo / Sonate für Viola & Klavier»

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Die Grenzen der Viola musikalisch ausgelotet

Christian Schütte

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Mieczyslaw Weinberg, russischer Komponist polnischer Abstammung, erlebt in diesem Sommer durchaus einen kleinen Boom. Die Bregenzer Festspiele (21. Juli bis 22. August) widmen ihm einen programmatischen Schwerpunkt: mit einem Symposium mit Vorträgen und Diskussionen zu Weinbergs kompositorischem Schaffen, vor allem aber mit der Aufführung einer Reihe von Werken: seine Opern «Die Passagierin» und «Das Porträt», Konzerte mit Orchesterwerken, Kammermusik u.v.m.
Weinberg wurde 1919 in Warschau geboren und studierte dort zunächst Klavier, bevor er 1939 in die damalige Sowjetunion übersiedelte. Er studierte bis 1941 weiter am Konservatorium in Minsk, wirkte ab 1943 als freischaffender Komponist und Pianist. Er lebte in Moskau und gehörte zu den engen Freunden Dmitri Schostakowitschs.

Auszug aus M. Weinbergs Sonate für Klarinette (Viola) und Klavier op.28

1953 wurde Weinberg, der Jude war, beschuldigt, auf der Halbinsel Krim die Gründung einer jüdischen Republik propagiert zu haben. Die Beschuldigung war jedoch vollkommen unberechtigt, Schostakowitsch setzte sich erfolgreich für Weinbergs Freilassung aus der Haft ein. Das ist nur ein Beispiel für ein insgesamt von schweren Belastungen geprägtes Leben, dem Weinberg gleichwohl eine Fülle von Werken abrang. Über 20 Symphonien, sechs Opern, eine Reihe von kammermusikalischen Werken für die verschiedensten Genres, Filmmusik u.v.m. schuf er.

Mieczyslaw Weinberg (1919-1996)

Dem Kammermusiker Weinberg widmet sich die Bratschistin Julia Rebekka Adler mit ihrer jüngsten Doppel-CD. In deren Zentrum stehen die vier Sonaten für Viola solo, daneben die Bearbeitung einer Sonate für Klarinette und Klavier sowie eine weitere Solosonate aus der Feder Fyodor Druzhinins.

Den Anfang macht die Sonate op. 28. Sie stammt aus dem Jahr 1945 und ist im Original für Klarinette und Klavier geschrieben. Der erste Satz erinnert unweigerlich an den musikalischen Stil der großen russischen Komponisten der Zeit – Weinbergs enge private Verbindung zu Schostakowitsch dürfte hier auch ihre musikalischen Spuren hinterlassen haben. Ebenso sind in den folgenden Sätzen aber Anklänge an russische und jüdische Folklore zu vernehmen, die in einer ebenso dichten persönlichen Beziehung zum Komponisten stehen. Somit ist die Sonate sicher ein probates Beispiel für Weinbergs individuellen Stil, den Julia Rebekka Adler durch einen vollen, warmen, manchmal auch schweren und schwermütigen Viola-Ton mit großer Klarheit zum Ausdruck bringt, Jascha Nemtsow begleitet sie dabei ebenso dezent wie kongenial am Klavier.

Julia Rebekka Adler mit dem Pianisten Jascha Nemtsow (Foto: Susanne Kraus, München)

Die Solosonaten für Viola geben Adler beste Möglichkeiten, das so oft im Schatten der Violine stehende und missbilligte Instrument von ganz neuen Seiten zu zeigen. Die erste, op. 107, stammt aus dem Jahr 1971 und ist Fyodor Druzhinin gewidmet.
Diese Sonate ist die einzige bislang veröffentlichte. Die Sonate Nr. 2 (op. 123) von 1978 ist dem damaligen Bratscher des Borodin-Quartetts zugedacht, die dritte (op. 135) und vierte (op. 136) von 1985 bzw. 1986 dem zu der Zeit amtierenden Solobratscher des sowjetischen Staatsorchesters. Diese sehr persönlichen Widmungen erklären einerseits die Wahl der Solosonate – so war kein Begleiter nötig – andererseits aber auch die ausgebliebene Verbreitung dieser ohnehin sehr speziellen Musik.

Alle vier Sonaten vereint ein ebenso unterschiedlicher wie Extreme einfordernder Anspruch an die spieltechnischen Fertigkeiten des Bratschers. Auch wenn Weinbergs mitunter sehr düstere und melancholische Tonsprache einen solchen Begriff fast zu verbieten scheint, sind die Sonaten in ihrem Anspruch wahre Virtuosenmusik. Keine äußere Virtuosität wird hier ausgestellt, sondern eine ganz verinnerlichte, konzentriert auf ein perfektes Beherrschen des Instruments. Auch und gerade in dieser Hinsicht beglaubigt Julia Rebekka Adler ihr ambitioniertes Projekt, sich diesen nahezu in Vergessenheit geratenen Werken anzunehmen.

Komponist und bedeutender Bratschist: Fyodor Druzhinin (1932-2007)

Ebenfalls auf der Doppel-CD eingespielt ist die Sonate für Viola solo des russischen Komponisten und Bratschisten Fyodor Druzhinin (Hörbeispiel auf Youtube), geboren 1932 in Moskau. Ab 1944 studierte er Viola an der Musikschule des Moskauer Konservatoriums, ab 1950 am Konservatorium bei Wadim Borissowski, dessen Platz im Beethoven-Streichquartett er 1964 einnahm. Später unterrichtete er selbst am Moskauer Konservatorium, dessen Viola-Abteilung er ab 1980 leitete.
Druzhinin ist Widmungsträger bedeutender Werke für Viola, u.a. Alfred Schnittkes, Grigori Frids und der Sonate für Viola Op. 147 von Dmitri Schostakowitsch, dessen letzte Komposition, die Druzhinin auch uraufgeführt hat. Neben seiner eigenen pädagogischen Tätigkeit komponierte er mehrere Werke für Viola.
Wahrscheinlich hat Weinberg Druzhinins Sonate für Viola solo gekannt, sie stammt aus dem Jahr 1959 und ist somit einige Jahre vor der Sonate entstanden, die Weinberg dem Bratscher und Komponisten widmete. Was jedenfalls den Grad an Komplexität und Anspruch an den Musiker angeht, steht Druzhinins Sonate den Werken Weinberg in nichts nach, der leidenschaftliche und versierte Bratscher, der Druzhinin Zeit seines Lebens war, klingt da mit jeder Note durch – und wird ebenso von Julia Rebekka Adler umgesetzt.

Die Einspielung dieser Weinbergschen Viola-Werke durch Julia Rebekka Adler ist eine warme Empfehlung für ausgesprochen interessierte Freunde der Bratsche, die hier durch eine vorzügliche Interpretation ein Dokument an die Hand bekommen, wie weit die Grenzen dieses Instruments verlaufen können.

Die Aufnahme ist genau zum richtigen Zeitpunkt entstanden, rückt Weinberg derzeit nicht zuletzt durch Veranstaltungen an so prominenten Orten wie Bregenz verstärkt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Gleichwohl bleibt die Einspielung vor allem eine warme Empfehlung für ausgesprochen interessierte Freunde der Viola, die hier durch eine vorzügliche Interpretation ein eindrucksvolles Dokument an die Hand bekommen, wie weit die Grenzen dieses Instruments verlaufen können. ■

Mieczyslaw Weinberg: Sonaten für Viola solo – Sonate op. 28 für Klarinette und Klavier (Version für Viola und Klavier); Fyodor Druzhinin: Sonate für Viola solo, Julia Rebekka Adler (Viola), Jascha Nemtsow (Klavier), Doppel-Audio-CD, Neos Music & Bayerischer Rundfunk

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.Hörproben

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David Gorton: «Trajectories»

Posted in CD-Rezension, David Gorton, Michael Magercord, Musik, Musik-Rezensionen, Neue Musik, Rezensionen by Walter Eigenmann on 23. Juli 2010

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«Neue Musik» in alten Bahnen

Michael Magercord

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Die Neue Musik gibt es nun schon so lange, dass man durchaus von alter und neuester Neuer Musik sprechen kann. Doch wo verläuft die Grenze zwischen Neuer und Neuester Musik? Wie in allen Künsten sind die Schnittlinien zwischen alt und neu fließend, es lassen sich jedoch Trends und Tendenzen heraushören, die einen kommenden Umschwung andeuten. Und in jüngster Zeit scheinen vor allem die jüngeren Komponisten wieder eine erleichterte Hörbarkeit ihrer Werke anzustreben, oder anders gesagt: Es entkrampft sich einiges in der Szene der Neuen Musik.

Doch es gibt daneben natürlich noch die Exponenten der «guten alten» Neuen Musik, jene nämlich, die sich dem Experiment und der Herausforderung von Hörern und Musikern verschrieben haben, und die sich die kompositorische Freiheit nehmen, sich gänzlich dem Zwang der künstlerischen Innovation zu ergeben.
Ein Zeugnis dieser fast drei Jahrzehnte lang die Szenen bestimmenden Kompositionen legt noch einmal die CD «Trajectories» (Youtube-Video) ab – zu deutsch «Flugbahnen» -, auf der Werke der Kammermusik des britischen Komponisten David Gorton (geb. 1978) versammelt sind. Die erst jetzt veröffentlichten Aufnahmen stammen aus den Jahren 2005 und 2006, haben also nach den Maßstäben des Genres einige Zeit auf dem Buckel. Es sind Beispiele einer hochinnovativen Musik, in der alles ausprobiert wird, was klassische Musikinstrumente hergeben.

«Sphärischer Klangbrei mit Hilfe von Drittelston-Stimmung»: Partitur-Auszug von David Gortons Streichquartett «Trajectories»

Was also ist das bestimmende Element dieses ältlichen Neuen? Es ist das Detail. Jedes einzelne Werk ist eine Reihung von Kleinstkompositionen, Note für Note sind gleich wichtig. Und manches Mal werden durch eine Anhäufung von Details gerade die Details zum Verschwinden gebracht: David Gorton nutzt dazu so genannte Mikrostimmungen, läßt also die Stimmung der Instumente um einen Drittelton verschieben, woraus oftmals lediglich ein sphärischer Klangbrei wird, etwas, das man heutzutage «Soundscape» nennt. Will man als Hörer in diesen Tonlandschaften nicht völlig orientierungslos umherwandeln, ist Konzentration gefordert, um sich selbst eine hierachische Abfolge zu erstellen, die daraus schließlich ein gesamtes Stück entstehen lässt.

Neue Musik an der «Grenze des Spielbaren»: Der englische Komponist David Gorton

Der deutsche Komponist Bernd Franke hatte einmal bei einer Veranstaltung im Prager Goethe-Institut die Frage: «Wozu braucht man Neue Musik?» beantwortet mit der Gegenfrage: «Wozu braucht man Musik?» Laut Booklet der CD von David Gorton soll dessen Musik an der Grenze des Spielbaren (Hörbeispiel) gehen, hinter der sich dann ein neuer Horizont auftue. Doch stellt sich die Frage, was dahinter liegen mag: das Unspielbare, das Unhörbare, die sinnfreie Innovation also? Diese Grenze allerdings hat auch die Musik von David Gorton (Video-Hörbeispiel aus «Erinnerungsspiel») nicht überschritten, und der für den Hörer vielleicht größte Gewinn liegt darin, dass diese CD auf musikalische Weise die Möglichkeit gibt, etwas zu erfahren von der Moderne und ihrer Fähigkeit, die Konzentration und Innovation auf etwas zu verlegen, was im Grunde keine Sinnfrage zuläßt: auf Elemente, Atome, Quanten – kurz: auf Details.

«Trajetories» von David Gorton ist eine Abfolge von sehr ähnlichen Stücken der sogenannten Neuen Musik, die sich aber in den bereits alten Bahnen dieses Genres bewegt: Absolute Innovation und konzentrationsfordernde Detailfreude. Das alles gereicht - auch dank der ausführenden Musiker - zumindest phasenweise durchaus zum «Hörgenuss».

Aber es ist eben doch Musik auf dieser CD, und es sind eben doch noch Musiker, die mit herkömmlichen Instrumenten für Hörbarkeit sorgen. Ein wunderbarer Einfall ist auch die Gegenüberstellung ein und desselben Stückes, der Sonate für Cello-Solo, in zwei Varianten: einer Studioaufnahme und einem Live-Mitschnitt. Es offenbaren sich gewaltige Abweichungen der zeitlichen Betonung unterschiedlicher Passagen. Und es zeigt sich die Überlegenheit der spontanen Fassung, der gegenwärtigen Konzentration und Unwiederholbarkeit der Live-Darbietung. Auch im weichen Geigenspiel von Peter Sheppard Skaerved im Titelstück, dem Streichquartett «Trajectories», wird deutlich, dass selbst derartige Musik eben doch Musik ist. Überhaupt sind es die Ausführenden, denen wohl zu danken ist, dass die Reihung von Bruchstücken als Stücke hörbar werden. Und der Dank kommt dabei sicher nicht nur vom Hörer, sondern vom Komponisten – sollte er jedenfalls. ■

David Gorton, Trajectories: Sonate für Cello solo (Studioaufnahme), Streichquartett Trajectories, Sonate für Cello solo (Live-Mitschnitt) – Neil Heyde (Cello), Peter Sheppard Skaerved (Violine), Roderick Chadwick (Klavier), Kreutzer Quartett, Label Divine Art / Metier

Hörproben

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Internationaler Gitarren-Kompositionswettbewerb

Posted in Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 22. Juli 2010

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Gesucht: Hochwertige Stücke für Gitarren-Ensemble

«Wegen des Bedarfs an hochwertigen Kompositionen für Kinder-Gitarrenensembles» wird im Rahmen der «Dritten Gitarrentage für Kinder und Jugendliche im Saarland» ein Internationaler Gitarren-Kompositions-Wettbewerb ausgerichtet. Eingereicht werden kann eine Komposition für dreistimmiges Gitarrenensemble im freien Stil für Kinder, «die sich in der Anfangsphase des Erlernens des Instrumentes befinden. Mindestens zwei der Stimmen müssen monodisch sein, und die dritte kann einige Akkorde und/oder einfache Arpeggien beinhalten. Wenn möglich sollte jede Stimme einen eigenen musikalischen Sinn haben. Die Komposition kann zudem eine fakultative vierte Stimme haben, die sich für Schüler eignen soll, die unter dem allgemeinen Niveau der Gruppe sind.» Die Komposition muss eine Dauer von mindestens drei und maximal sechs Minuten haben und noch unveröffentlicht sein. Einsende-Schluss ist am 15. Dezember 2010, die weiteren Details sind hier zu entnehmen. ■

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Grazer Kompositions-Wettbewerb 2011

Posted in Ausschreibung, Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 4. Juli 2010

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Neue Stücke für Klavier-Trio

Die Grazer Universität für Musik und Darstellende Kunst KUG schreibt für das Jahr 2011 einen internationalen Kammermusik-Kompositionspreis aus. Verlangt wird ein Werk in der Trio-Besetzung Klavier, Violine und Violoncello. Das Stück sollte eine Spieldauer von 12 bis 20 Minuten aufweisen, teilnehmen können Komponistinnen/Komponisten, die nach dem 1. Mai 1972 geboren wurden. Der Wettbewerb ist mit 5’000 Euro dotiert. Einsende-Schluss ist am 30. April 2011, die weiteren Details finden sich hier.

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Pavel-Haas-Quartett: Prokofiew – Streichquartette Nr. 1 & 2

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Seltene gehörte Kammermusik – mit Verve gespielt

Michael Magercord

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Nun sind es schon drei CDs, die das Prager Pavel-Haas-Quartett eingespielt hat, und das innerhalb von nur vier Jahren. Benannt haben die vier jungen Musiker Veronika Jaruskova (Violine), Eva Karova (Violine), Pavel Nikl (Bratsche) und Peter Jarusek (Cello) ihre Künstlergemeinschaft nach dem tschechisch-jüdischen Komponisten Pavel Haas, der in den 20er Jahren der begabteste Schüler von Leos Janacek war, und der im Alter von nur fünfundvierzig Jahren 1944 in Auschwitz ermordet wurde.
Auf den beiden ersten, hochgelobten Einspielungen des Pavel-Haas-Quartetts befanden sich ausschließlich Streichquartette des Namensgebers und seines Meisters, allerdings waren mit diesen fünf Werken sämtliche Kompositionen der beiden für diese Instrumenten-Formation erschöpft. Was nun? Ihre Wahl für die dritte CD fiel auf Sergej Prokofiew, und es war eine gute. Allerdings hat der russische Tonsetzer nur zwei Streichquartette geschrieben, so dass sein Duo für zwei Violinen die Einspielung komplettieren konnte, womit das Kammermusik-Reportoire dieses Komponisten für diese Instrumente ebenfalls ausgeschöpft ist.

Als ungewollter Protagonist der «Sowjet-Musik» im Schatten von Schostakowitsch stehend: Sergej Prokofiew (1891-1953)

Prokofiew steht immer ein wenig im Schatten des fünfzehn Jahre jüngeren Dimitri Schostakowitsch, und das zu Recht und Unrecht zugleich. Beide galten als ungewollte Protagonisten der sowjetischen Musik, beide hatten unter dem starken kulturpolitischen Interesse Stalins zu leiden, der der klassischen Musik – durchaus als ihr Kenner – eine ungeheure Wirkung zumaß. Es mag heutezutage seltsam anmuten, dass Diktatoren glauben konnten, eine Symphonie oder gar ein Streichquartett könnte ihre Macht gefährden. Jede aufs Papier gesetzte Note war immer auch eine politische Tat, womit beide Komponisten auf ihre Weise umzugehen versuchten.

Prokofiew als Ideenspender für andere Sowjet-Komponisten: Manuskript-Anfang der 7. Sinfonie

Schostakowitsch entwickelte unter dem Zwang der politischen Überhöhung kulturellen Ausdrucks die Überlebenstechnik der Ummäntelung seiner innerlicher Zerrissenheit zu einer bislang unerreichten Meisterschaft. Durch die Schaffung von beständig aufstrebenden Sequenzen riss sich jedem, der es hören wollte, der Abgrund um so tiefer auf. Der eher schlichte und – wie etwa der Cellist Mstislav Rostropowitsch sagt – offene und naive Mensch Prokofiew verbarg seine Befindlichkeiten gar nicht erst und verschaffte sich auf diese Weise seine Freiräume. Seine dadurch etwas unverfrorene Herangehensweise ließ Werke entstehen, die anderen – nicht zuletzt auch Schostakowitsch – als Ideenspender große Dienste leisten sollten, und das selbst in der von ihm nur gelegentlich geübten Kammermusik.

Zwischen Donald Duck und Sergei Prokofjew: CD-Promotion des jungen Pavel-Haas-Streichquartettes bei Youtube

Der junge Prokofiew verbrachte 18 Jahre zunächst in Amerika und dann in Frankreich, bevor er 1936 in die Sowjetunion zurückkehrte. Sein erstes Streichquartett entstand 1930 noch in den USA, das Violinen-Duo zwei Jahre später in Paris, das zweite und letzte Streichquartett schließlich im Herbst 1941 in einer Künstlerkolonie fern der Front im Nordkaukasus, wohin Stalin alle maßgeblichen Komponisten beordert hatte und Werke zur Erbauung der vom «Großen Vaterländischen Krieg» geschundenen Bevölkerung schreiben ließ. Das erste Streichquarettt war eine Auftragsarbeit für die Library of Congress in Washington, und hätte dort durchaus in die Lehrbuch-Abteilung eingereiht werden können, entspricht ihre Form doch ganz und gar den klassischen beethovenschen Vorgaben für das Genre. Das Violinen-Duo sollte der Herausforderung trotzen, ein Werk für diese Besetzung zu schaffen, das zehn bis fünfzehn Minuten dauert und – wie der Meister betonte – trotzdem nicht langweilt. Und schließlich steht das Kabardinische Streichquartett für die moderne Umsetzung der stalinschen Kriegs-Kultur-Direktive: Macht echte Volksmusik! Jedem der drei Sätze liegt ein Lied des Kaukasusvölkchens zugrunde, das in der unmittelbaren Umgebung der Komponisten-Kolonie lebte, entsprechend rauh, doch hochdynamisch und ebenso lyrisch ist die Musik.

Das Pavel-Haas-Quartett hat mit der Auswahl dieser leider nur selten gespielten Prokofiew-Stücke seine bislang interessanteste CD vorgelegt. Die vier jungen Musiker gehen sehr engagiert zu Werke, bei aller Verve bleiben sie aber immer exakt und pointiert.

Das Pavel-Haas-Quartett hat mit der Auswahl dieser leider nur selten gespielten Stücke seine bislang interessanteste CD vorgelegt. Die vier jungen Musiker gehen ja immer sehr engagiert zu Werke. Manche Kritiker meinen gar die Funken sprühen oder die Fetzen fliegen zu sehen, und das selbst auf CD-Einspielungen. Bei aller Verve bleiben sie immer exakt und pointiert, und alles kommt schnörkellos und direkt vom Studio ins Wohnzimmer. Manches Mal wünschte man sich vielleicht vor allem im zweiten Streichquartett, dass der ein oder andere Höhepunkt des an Höhepunkten reichen Werkes nicht bis zum letzten ausgespielt und durch eine bloße Andeutung in noch höhere, nämlich unhörbare Höhen getrieben worden wäre. Doch dann würde es nicht mehr unbedingt Musik von Sergej Prokofiew sein, sondern schon fast welche – wenn auch im umgekehrten Sinne – von Dimitri Schostakowitsch… ■

Sergej Prokofiew, Streichquartette Nr. 1&2 / Sonate für 2 Violinen, Pavel-Haas-Quartett, Supraphon SU 3957-2

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Hörproben

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Der «eighth-blackbird»-Kompositions-Wettbewerb

Posted in Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 14. Februar 2010

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Gesucht: Neue Sextett-Musik

Das amerikanische Kammersextett «eighth blackbird» lädt zu seinem ersten internationalen Kompositionswettbewerb ein. Der Preis ist mit 1’000 US-Dollars dotiert, teilnehmen können Komponist(inn)en ungeachtet ihres Alters und ihrer Nationalität. Die eingesandten Werke sollen für die Besetzung des Sextetts geschrieben sein: Flöte, Klarinette, Violine/Viola, Cello, Perkussion und Klavier, wobei eine Dauer von 5 bis 15 Minuten gewünscht ist. Einsende-Schluss ist am 1. Mai 2010, weitere Details finden sich hier.

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Das 50-Euro-Musik-Preisrätsel

Posted in 50-Euro-Preisrätsel, Musik, Musik-Rätsel, Wer bin ich?, Women Power by Walter Eigenmann on 7. Februar 2010

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«Die hochgestochenen Ansprüche des
Avantgarde-Hörers zurückschrauben»

Eine Kennerin sowohl meiner Person als auch meiner Kompositionen hat einmal geschrieben, mein Konzept der strengen Materialbeschränkung laufe darauf hinaus, «aus kleinsten, immer wieder anders kombinierten Motiven ein überschaubares Ganzes zu gestalten und die hochgestochenen Ansprüche des Avantgarde-Hörers soweit zurückzuschrauben, dass auch einfachste musikalische Vorgänge wie die Verdichtung einzelner Töne zu einem Dominantseptakkord und dessen allmähliches Wiederzerbröckeln als Erlebnis wahrgenommen» werde. Und in der Tat: Vokabeln wie «Kleinstmotivik» oder «Verdichtung» treffen meine Musik recht genau, wie überhaupt die klangliche und strukturbildende «Sensation des Mikrokosmosmischen» und die «Beschränkung aufs Wesentliche» als quasi ein Leitmotiv mein Komponieren seit den frühesten Stücken in der seriell strengen Tradition meiner damals hochverehrten Vorbilder Berg und Webern durchziehen.

Auch später, in meiner Schaffensphase der freien, doch gleichzeitig detailliert durchdachten Atonalität bilden planvolles Vorgehen, formale Geschlossenheit und manchmal fast mathematische Abstraktion wesentliche Pfeiler meiner Musik. In einer nächsten Periode der Beeinflussung stand mir die amerikanische Minimal-Music um Steve Reich sehr nahe. Mein aktuelles Komponieren schließlich hat sich erweitert zu einer eigenwilligen kompositorischen Überlagerungstechnik: Unterschiedlichste Geschwindigkeiten, Metren und Taktarten werden eigenständig instrumentalgruppiert und in Simultaneität übereinander «geschichtet» – es entstehen Rhythmus-Strukturen, deren Komplexität nur noch «im Ganzen» wahrgenommen werden können, und die auch herkömmliche Unterscheidungen in Orchester- und Kammermusik oft überflüssig machen.

Solche Konzeption hat dazu geführt, dass mein textbezogenes Komponieren bis heute nicht allzu umfangreich ist.  Dazu trug aber sicher auch bei, dass mir das Instrumentale gegenüber dem Vokalen schon immer etwas näher stand, was sich bereits in meiner Jugend zeigte, da ich als frühe Violinistin und Pianistin begann. Immerhin zählen u.a. Orchester- und Klavier-Lieder, Geistliche Konzerte und Balladen zu meinem bisherigen Gesangs-Oeuvre, wobei der Dichterin M.L. Kaschnitz meine ganz besondere Aufmerksamkeit gilt.

Wie viele meiner Berufskolleginnen und -kollegen widme ich mich neben dem Komponieren noch der akademischen Lehre; den Umgang mit meiner Studentenschaft erfahre ich als «fruchtbar und anregend». Und schließlich freut es mich besonders, dass meiner Musik in Form zahlreicher öffentlicher Ehrungen immer stärkere Anerkennung zuteil wird, nicht nur in meiner nördlich gelegenen Geburtsstadt. (we)

Also: Wer bin ich?

(Einsende-Schluss ist am 10. Februar 2010, den Preis von 50 EUR in bar erhält, wer als erste(r) via untenstehende Kommentar-Funktion den richtigen Namen der gesuchten Komponistin nennt)

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8. Internationaler Udine-Kompositions-Wettbewerb

Posted in Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 30. Januar 2010

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Gesucht: Kammer- oder elektroakustische Musik

Die italienische Stadt Udine schreibt zum achten Male ihren internationalen Kompositionswettbewerb aus. Der Wettbewerb ist in zwei Sektionen unterteilt: A) Instrumentalkompositionen für Kammerorchester, und B) Elektro-akustische Musik. Die eingereichten Werke sollten unveröffentlicht sein und eine Dauer von acht bzw. höchstens zehn Minuten nicht übersteigen. Die Teilnahme ist offen für Komponisten jeder Nationalität und jeden Alters. Einsende-Schluss ist am 30. April 2010, die weiteren Details (engl.) finden sich hier.

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«International Alliance for Women in Music» 2010

Posted in Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 6. Januar 2010

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Gesucht: Musikwerke von Frauen

Die «International Alliance for Women in Music» mit Domizil in Florence (South Carolina/USA) schreibt erneut ihren jährlichen internationalen Wettbewerb für Kompositionen von Frauen aus. Der Preis ist in insgesamt 10 kompositorische Kategorien gesplittet, eingesandt werden könnnen Werke u.a. für die Besetzungen «Solo-Gesang mit 1-5 Begleitinstrumente», «Elektro-akkustische Installationen», «Klavier-Trio oder -Quartett» und «Orchester- oder Kammermusik-Formationen», wobei das eingereichte Werk unveröffentlicht sein soll. Einsende-Schluss ist am 15. März 2010, die weiteren Einzelheiten (englisch) finden sich hier. ■

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Wer bin ich?

Posted in Musik, Musik-Rätsel, Rätsel, Wer bin ich?, Women Power by Walter Eigenmann on 11. Dezember 2009

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Leidenschaft und Engagement für die moderne Musik

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Es ist kein Zufall, dass ich als erste Dirigentin meines Heimatlandes Verdis «La Traviata» dirigieren «durfte». Denn führende Musik-Kenner und Könner attestieren mir eine wichtige Rolle nicht nur in der internationalen Dirigentinnen-, sondern auch in der Komponistinnen-«Szene».
Ich begann (schon früh) als Pianistin, doch bald nahmen das Orchesterdirigieren und das Komponieren neuzeitlicher Musik den breitesten Raum in meinem Schaffen ein, wobei meine Lehrerschaft sich aus so herausragenden Persönlichkeiten wie Hans Werner Henze, Bernhard Haitink, Karlheinz Stockhausen und Günter Wand zusammensetzte. Prägend wirkte sich außerdem meine Assistenz bei Claudio Abbado und dessen Berliner Philharmonikern aus.
Seit meinen frühesten Jahren als professionelle Musikerin gilt meine größte Leidenschaft und mein umfangreichstes Engagement nicht nur der Vermittlung, sondern auch der Kreation avantgardistischer Musik. Verschiedene vielbeachtete CD-Produktionen mit Werken von Arnold Schönberg über Luciano Berio und Steve Reich bis hin zu meinen eigenen Stücken weisen mich als ebenso originale Schöpferin wie einfühlsame Nachschöpferin neuzeitlicher Kompositionen aus. Ein Schwergewicht meines kompositorischen Schaffens liegt dabei in der Kammermusik.
Als vielseitig interessierte Förderin der modernen Musik beschränke ich mich allerdings keineswegs auf den «klassischen» Konzertbetrieb: Mein gesamtkünstlerisches Engagement bezieht die Schul- und Jugendmusik ebenso mit ein wie die Grenzgebiete Bildende Kunst, Theater oder Film. Das Aufbrechen herkömmlicher Standorte und die Erschließung neuer musikalischer Erfahrungsebenen sind dabei treibende Motive meiner künstlerischen Arbeit. Diese Zielsetzung, dokumentiert in einer großen Anzahl von Konzerten, medialen Events und internationalen Workshops, erfährt schon seit Jahren immer wieder bedeutende öffentliche Aufmerksamkeit und Auszeichnung, zumal in Deutschland. (we)
Also: Wer bin ich?

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Pindakaas-Quartett: CD «Ballads of Good Life»

Posted in CD-Rezension, Musik, Musik für Saxophon, Musik-Rezensionen, Pindakaas Quartett, Rezensionen by Walter Eigenmann on 8. November 2009

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Saxophon-Glanzstücke von Kurt Weill bis Bastian Fiebig

Walter Eigenmann

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Pindakaas_Ballads of Good Life_Glarean MagazinVor knapp zwanzig Jahren begann das Münsterer Saxophon-Quartett Pindakaas (=niederländisch: «Erdnuss-Butter») seine Konzert- bzw. Bühnentätigkeit, heute zählt die Musiker-Gruppe Marcin Langer (Sopran- & Altsaxophon, Flöte), Guido Grospietsch (Alt- & Tenorsaxophon, Flöte), Anja Heix (Tenorsaxophon, Oboe, Flöte) und Matthias Schröder (Baritonsaxophon, Klarinette) zu den führenden Formationen dieser Besetzung in Deutschland. Entsprechend dem musikalischen Schwerpunkt ihrer neuesten CD-Produktion, nämlich Kurt Weill, nennt Pindakaas die frisch publizierte Platte «Ballads of Good Life», nach Weills «Ballade vom angenehmen Leben» (aus der berühmten «Dreigroschenoper»).

Die Musik des genialen Dessauer Ironikers und Verfremders Kurt Weill mit ausschließlich saxophonen Instrumenten zu verfolgen ist ein überraschendes, erst durchaus irritierendes, schließlich überzeugendes Hörerlebnis. Gewiss, den insgesamt zwölf Weill-Einspielungen (Teile aus «Dreigroschenoper», «Mahagonny» und «Lost in the Stars») fehlt grundsätzlich die Text-Komponente und damit eine wichtige Dimension Weillschen Komponierens. Doch die Raffinesse der Arrangements (von Marcin Langer), deren farbiger, das klangliche Spektrum der Saxophon-Familie weit auffächernder, dabei immer «nobler», schlanker Satz bringen das Weillsche Augenzwinkern, das Parodistische hinter aller vordergründigen Volkstümlichkeit hervorragend rüber. Wenn schon Weill ganz ohne Gesang, dann durchaus an erster Stelle mit Saxophon!

Pindakaas Quartett Muenster_Glarean MagazinDass Weill-Musik in dieser Besetzung so authentisch wirkt, ist weiters das Verdienst eines klanglich sehr homogen-abgestimmten und rhythmisch akkurat musizierenden Quartetts, das trotz der bei Weill immer durchklingenden melodischen und harmonischen «Melancholie» hörbaren Spaß bei und an seiner Arbeit hatte und diese Spielfreude nicht nur mit schwungvollem Zugriff, sondern, wo nötig, auch mit Ausdrucksfülle und mit sensibel durchgehörter Dynamik zu dokumentierten weiß.

Kurt Weill

Kurt Weill (1900-1950)

Folklore mit Jazz- und «E-Musik»-Elementen mischt auch der argentinische Bandoneonist und Tango-Nuevo-Komponist Astor Piazzolla in seinen beiden von Pindakaas interpretierten Stücken «Café 1930» (aus «Histoire du Tango») und «Libertango» (komponiert 1973 und v.a. berühmt geworden durch den entspr. Song von Grace Jones). Piazzolla verglich sich einmal selber mit Gerschwin: Wie dieser habe er «Werke für den Konzertsaal komponiert, deren Musiksprache in der Popularmusik gründet». Reizvoll also, sein «Café 1930» – als ein melodiezentriertes, dennoch dezidiert nichtgetanztes Konzert-Tango-Stück – mal quartett-kammermusikalisch interpretiert zu hören. Pindakaas’ Gespür für Durchhörbarkeit des Melos auch in den Mittelstimmen fällt hier besonders positiv auf – eine aufregende Variante, die neben den Einspielungen anderer Duette und Ensembles durchaus bestehen kann.

Eine buchstäblich besondere Note erhält die neue Pindakaas-CD durch die Ersteinspielung von Bastian Fiebigs «Totentanz». Ein großes Verdienst der vier Musiker ist es, mit diesem Werk des Frankfurter Saxophonisten ein interessantes Stück neuerer originaler Saxophon-Quartettmusik in eine größere Öffentlichkeit zu tragen.  Das durch einerseits eindringliche, ostinate Bass-Grundierung mit figurativen und polyphonen Oberstimmen charakterisierte, andererseits den morbiden Tanz mit fast-fröhlicher Fünfviertel-Bewegtheit unterstreichende Stück kontrastiert übrigens effektvoll zu dem quasi-volkstümlich gesetzten, homophon-schlichten «Persischen Markt» von Albert Ketelbey. (Dessen berühmtes «In a Persian market» existiert inzwischen in den unterschiedlichsten Aufnahmen).

Bastian-Fiebig_Totentanz_Saxophon

Partitur-Auszug des «Totentanzes» für Saxophon-Quartett von Bastian Fiebig

Abgerundet wird diese CD «Ballads of Good Life» – die mit ihrer knapp siebzigminütigen Spieldauer großzügig dimensioniert ist, aber aufgrund der Co-Produktion durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe gleichwohl mit ca. 15 Euro preiswert daherkommt – durch vier kürzere jüdische «Traditionals» (u.a. «Play the Klezmer»). Pindakaas spielt auch hier wieder mit in langjähriger Zusammenarbeit gewachsener Präzision des Kammermusizierens, mit einem abgerundeten Ensemble-Klang und mit immer transparenter, schlanker Registerarbeit. Eine sehr niveauvolle siebte CD-Produktion dieses deutschen, mittlerweile international konzertierenden Saxophon-Quartetts. ■

Pindakaas (Saxophon Quartett), Ballads of Good Life – Werke von Weill, Piazzolla, Ketèlbey, Klezmer, Audio-CD, CC ClassicClips 2009, CLCL904

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Titel-Inhalt

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Kurt Weill

Kleine Dreigroschenmusik für Blasorchester
[01] Ouvertüre
[02] Die Moritat von Mackie Messer
[03] Anstatt-dass-Song
[04] Die Ballade vom angenehmen Leben
[05]PollysLied
[06] Tango-Ballade
[07] Kanonen-Song
[08] Dreigroschen-Finale
[09] Choral

Kurt Weill
[10] Alabama Song, aus „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“
[11] Youkali – Tango habañera, aus „Marie Galante“

Astor Piazzolla
[12] Café 1930, aus „Histoire du Tango“
[13] Libertango

Bastian Fiebig
[14] Totentanz

Albert Ketèlbey
[15] In a Persian market

Jewish Traditionals
[16] Schpil-Sche mir a Lidele
[17] Long live the Nigun
[18] Shver und Shviger
[19] Play the Klezmer

Kurt Weill
[20] Lost in the Stars

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Internationaler Kompositionswettbewerb der ISB

Posted in Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 28. Oktober 2009

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Solo- und Kammerstücke für Kontrabass

ISBDie International Society of Bassists ISB (Dallas/USA) schreibt zum Andenken an ihr langjähriges verdientes Mitglied David Walter einen Kompositionswettbewerb aus. Die Teilnahme steht offen für KomponistInnen jeden Alters und jeder Nationalität. Die Werke können in drei Sparten eingereicht werden, sollten unveröffentlicht sein und sechs bis fünfzehn Minuten dauern. Der Wettbewerb ist mit insgesamt 3’000 Dollar dotiert. Einsende-Schluss ist am 1. Juni 2010, die weiteren Einzelheiten (engl.) sind hier zu nachzulesen. ■

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Wettbewerb für junge österreichische Komponisten

Posted in Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 17. Oktober 2009

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Quartett-Musik für «Jugend komponiert»

Jugend komponiert OesterreichIn Zusammenarbeit mit dem Salzburger Festival «Aspekte» führt der Österreichische Komponistenbund zum dritten Mal seinen Österreich-weiten Kompositionswettbewerb «Jugend komponiert» durch. 2010 widmet sich der Wettbewerb dem Bereich der E-Musik und schreibt Kompositionen für die Besetzungen Streichquartett und Klarinettenquartett aus. Teilnahmeberechtigt sind Jugendliche im Alter zwischen 14 und 19 Jahren, die die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen oder in Österreich in musikalischer Ausbildung sind (ohne sonstige Einschränkung). Gesucht werden Musikstücke mit einer Dauer von 7 bis 15 Minuten, die für Streichquartett (klassische Besetzung) oder Klarinettenquartett konzipiert sind. Einsende-Schluss ist am 30. November 2009, die weiteren Details finden sich hier. ■

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1. Kompositionswettbewerb «Luciano Berio»

Posted in Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 17. Oktober 2009

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Gesucht: Unveröffentlichte Kammermusik-Werke

Luciano BerioDas amerikanische Musik-Netzwerk IAMIC («International Association of Music Information Centres») weist auf einen neuen internationalen Kompositionswettbewerb hin, der dem italienischen Komponisten Luciano Berio gewidmet ist. Eingesandt werden können unveröffentlichte Werke in den vier Kategorien: A) Flöte solo; B) Orgel, Klavier oder Harfe solo; C) Flöte und Tasteninstrument; D) Flöte, Sopran und Tasteninstrument. Die drei Sieger-Stücke sollen im nächsten Jahr in Italien uraufgeführt werden. Einsende-Schluss ist am 15. März 2010, die weiteren Details (engl.) finden sich hier. ■

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Wer bin ich?

Posted in Musik, Musik-Rätsel, Rätsel, Wer bin ich?, Women Power by Walter Eigenmann on 20. September 2009

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Women Power (VI)

Wer bin ich_Glarean Magazin_September 2009Aus einem hochmusikalischen Elternhaus stammend, kam ich mit meinem Lieblingsinstrument schon früh in Berührung, und später wurde ich zu einer gefeierten Solistin in meinem Heimatland. Danach konzentrierte ich mich allerdings ganz auf die Komposition und die Literatur, und auch in diesen beiden Welten galt ich bald als eine sehr erfolgreiche Künstlerin. Aus meiner Feder stammen Romane und Erzählungen, einen internationalen Namen machte ich mir aber v.a. als einflussreiche Komponistin zahlreicher Orchesterstücke, Instrumentalkonzerte und Kammermusikwerke sowie eines umfangreichen Oeuvres von Sologesangs- und Chormusiken.

Wer bin ich_September 2009_Notenbeispiel1Leider geriet ich in den folgenden Jahrzehnten nach und nach in Vergessenheit, und heute steht mein ebenso qualitätsvolles wie thematisch sehr breites schöpferisches Schaffen in keinem Verhältnis mehr zu meinem geringen Bekanntheitsgrad, obwohl mein Kompositionsstil keineswegs als avantgardistisch zu beschreiben, sondern vielmehr dezidiert tonal, teils gar folkloristisch, wenngleich sehr strukturiert, fast «anti-expressionistisch» gehalten ist, und obwohl sich Kenner und Könner immer mal wieder in Konzerten und auf Schallplatten meiner Kompositionen annahmen.
Das obenstehende Notenbeispiel zeigt den Anfang einer Transkription meiner mehrsätzigen Kammersonate für Cello und Klavier. – Also: Wer bin ich?

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Wettbewerb der Shakuhachi Chamber Music International

Posted in Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 15. September 2009

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Neue Musik für die Shakuhachi-Flöte

Shakuhachi_BambusflöteDie Shakuhachi Chamber Music International ruft für das kommende Jahr zu ihrem gleichnamigen Kompositionswettbewerb auf. Eingereicht werden kann ein Werk für die Shakuhachi-Flöte mit Piano, Violine oder Violoncello. Die Dauer des Stücks sollte zwischen zehn bis fünfzehn Minuten betragen. Einsende-Schluss ist am 26. Februar 2010, die weiteren Details sind hier (engl.) zu erfahren.

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Internationaler Kompositions-Wettbewerb der I.C.A.

Posted in Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 11. September 2009

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Gesucht: Werk für Klarinette und Klavier

Klarinette und KlavierDie amerikanische International Clarinet Association (ICA) schreibt für 2010 einen internationalen Kompositionswettbewerb aus für zeitgenössische Werke mit Klarinette und Klavier. Das einzureichende Stück soll zwischen acht und fünfundzwanzig Minuten dauern, der Preis ist mit 1’000 Dollars dotiert. Einsende-Schluss ist am 15. Oktober 2009, die weiteren Details (engl.) finden sich hier.

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Internationaler Mahler-Kompositionswettbewerb 2010

Posted in Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 6. September 2009

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Gesucht: Klavierlieder, Klavierquartette oder Orchesterstücke

Gustav Mahler GesellschaftIn Zusammenarbeit mit der Internationalen Gustav Mahler Gesellschaft, dem ORF-Radio-Symphonieorchester Wien und dem Wiener Konzerthaus schreibt der Österreichische Komponistenbund aus Anlass der Mahlerjahre 2010/11 (150. Geburtstag, 100. Todestag) einen internationalen Kompositions-Wettbewerb aus, der Komponistinnen und Komponisten des 21. Jahrhunderts ohne Altersbegrenzung einlädt, Werke in jenen drei Kategorien einzureichen, für die Gustav Mahler Kompositionen geschaffen hat: a) Klavierlied b) Klavierquartett c) Orchester.
Es ist kein konkreter Mahler-Bezug gefordert, allerdings sollten die ausgewählten Werke «in Anlehnung an Mahlers Modernität und seinen weitreichenden Einfluss auf die Musikentwicklung des 20. Jahrhunderts im besten Sinne innovativ und in die Zukunft blickend» gestaltet sein.
Die Dauer des Werkes soll maximal 15 Minuten betragen; die max. Besetzung: 3-3-3-3, 4-4-3-1, 1 Pauker, 3 Schlagzeuger, 1 Harfe, 14-12-10-8-6 (Holzbläser inkl. Nebeninstrumente). Einsende-Schluss ist am  30. September 2010, die weiteren Details finden sich hier. ♦

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Marcel Haag: «Enthüllung» (Erstveröffentlichung)

Posted in Enthüllung, Erstveröffentlichung, Gratis Download, Gratis-Noten, Marcel Haag, Musik, Neue Musik by Walter Eigenmann on 21. August 2009

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Enthüllung

Polarbleich beranken die fasrigen Wolken
die Ränder des Morgens
Es tosen schwarze Tannen
in der Bise her und hin:
ein Zauberturm

Und der Ruf der Kirchenglocken
flutet durch den Mauerwald
wie ein oranges Lied

Wie könnt es anders sein?
Die Tauben fahren durch die Luft
zerfetzt ihr Flug zu Einzelheit

Die Sonne bäumt sich ganz diffus
aus ihrem Horst und sprengt
das laue Tuch des Raumes in die Weite
denn es log die Gleichheit allen Seins
im Dunkel

Aber ach
wie scharf ist bei Tag
ein Berg von einem Haus
und ein Saurier von einer Maus
getrennt

Marcel Haag, 1996

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Vertonung «Enthüllung»

für Bariton, Fagott, Violine, Kontrabass und DrumSet

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Download Partitur (pdf)

Download Audio-Datei (mp3)

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Marcel HaagMarcel Haag
Geb. 1969 in Arbon am Bodensee, Ausbildung zum Primarlehrer in Kreuzlingen, autodidaktische Weiterbildung zum Lyriker, Musiker, Maler und Fotograf, zwischenzeitlich Journalist bei der Basler Zeitung und beim «Nebelspalter», lebt in Basel

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Pierrot-Lunaire-Kompositionswettbewerb 2010

Posted in Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 16. Juli 2009

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Gesucht: Werke für Kammerquintett

Pierrot Lunaire EnsembleKomponisten aus aller Welt und jeglichen Alters sind zur Teilnahme am dritten Internationalen Kompositionswettbewerb des bekannten Wiener Kammerensembles Pierrot Lunaire eingeladen. Eingesandt werden kann Quintett-Musik für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier. Der Wettbewerb ist mit 5’000 Euro dotiert. Einsende-Schluss ist am 31. Januar 2010, die weiteren Details (engl.) finden sich hier.

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Die Kompositions-Ausschreibungen im «Glarean» abonnieren RSS-Feed

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Kammermusik von Fauré, Saint-Saens, Satie, Pierné u.a.

Posted in Albrecht Mayer, CD-Rezension, Christian Schütte, Musik, Musik-Rezensionen, Rezensionen by Walter Eigenmann on 7. Juli 2009

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Wunderbar aussingende Oboe

Christian Schütte

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Albrecht_Mayer_OboeAlbrecht Mayer zählt seit vielen Jahren zu den international führenden Solisten auf der Oboe, kommt nach wie vor aber seinen Verpflichtungen als Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker nach. Zusammen mit der Pianistin Karina Wisniewska hat Mayer schon vor längerem französische Kammermusik eingespielt. Die Aufnahme ist jetzt beim Schweizer Label Tudor neu herausgekommen.
Auf der CD sind sowohl Originalkompositionen für Oboe und Klavier als auch Bearbeitungen versammelt. Die Komponisten der Werke lebten alle zwischen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Booklet kommentiert die Auswahl der Werke mit der Überschrift «Der Charme der Belle Epoque». In dieser Zeit existierten in Frankreich zwei große musikalische Strömungen parallel. Auf der einen Seite gab es da die von Komponisten wie Debussy und Ravel zu ihrer Blüte geführte impressionistische Richtung, auf der anderen Seite die neoklassizistischen Bewegungen mit Igor Strawinsky im Zentrum.

Albrecht Mayer

Oboist Albrecht Mayer in Venedig

Neben diesen beiden Stilrichtungen dokumentiert die Einspielung auch die Entwicklungen über zwei Generationen von Komponisten zu dieser Zeit. Camille Saint-Saens etwa hat starke Einflüsse auf ihm nachfolgende französische Komponisten genommen. Seine Sonate für Oboe und Klavier op. 166 aus seinem letzten Lebensjahr 1921 ist das ganz elegische, pastorale Testament des Komponisten an die musikalische Welt. Diesen klanglichen Charakter greift Eugène Bozza in seiner Fantaisie pastorale auf, verbindet sie dabei mit beinahe archaischen Harmonien. Albrecht Mayer spielt beide Werke mit wunderbar warmen, großem Ton, der weit weg ist von allem näselnden – wie es der Oboe ja immer wieder zugewiesen wird.
Erik Satie ist wesentlich für seine Klavierkompositionen berühmt geworden. Die Trois Gymnopédies aus dem Jahr 1888 gehen auf ein Thema aus der griechischen Antike zurück. Es geht in den Klavierstücken um Gymnastikübungen der Spartaner. Die Bearbeitung für Oboe und Klavier stellt die Oboe in den Vordergrund, das Klavier hat wesentlich stützende Akkorde zu spielen, die in ihrem rhythmischen Muster immer gleich bleiben. Darüber schweben sehr kantable Linien in der Oboe, die durchaus liedhaften Charakter haben – drei kurze, intime, fast schon zurückhaltende Stücke.
Die großen gesanglichen Qualitäten der Oboe kommen besonders gut in den Bearbeitungen von Liedern Gabriel Faurés zum Ausdruck. Albrecht Mayer spielt hier eine Oboe d’amore, die in der Tiefe mehr Tonumfang und insgesamt einen weicheren, runderen Klang hat. Auch wenn natürlich ein Instrument die Ebene des Textes nicht ersetzen kann, so singt die Oboe Faurés Melodiebögen wunderbar aus. Gerade auch an diesen Stücken stellt Karina Wisniewska ihre Qualitäten als sensible Begleiterin unter Beweis.
Eine ganz andere Klangfarbe bringen etwa die beiden Stücke von Gabriel Pierné, Sérénade op. 7 und Pièce op. 5 in die Sammlung. Federnde, tänzerische Rhythmen, die den Musikern eine große Spielfreude entlocken.
Liebhaber der Oboe bekommen mit dieser CD eine unbedingt hörenswerte Ergänzung ihrer Discographie mit einem Repertoire, das in dieser Zusammenstellung sonst nicht zu hören ist. Albrecht Mayer zeigt sich der französischen Musik in ihrer Leichtigkeit und Eleganz, aber auch in ihrer Melancholie und Nachdenklichkeit voll und ganz gewachsen. ■

Albrecht Mayer, Oboe, und Karina Wisniewska, Klavier: Französische Kammermusik, Tudor CD 7067

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Hörproben

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Christian SchuetteChristian Schütte
Geb. 1978 in Hannover, Studium der Musikwissenschaft und der Germanistik in Marburg, Umfangreiche Vortragstätigkeit zur Einführung in Konzerte sowie zu verschiedenen Themen der Musik- und Kulturgeschichte, Autor zahlreicher Programmheft-Beiträge, seit 2008 freiberufliche kulturjournalistische Tätigkeit, lebt in Hannover

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Die klassische Musik-Novität

Posted in Joseph Haydn, Musik, Musik für Streicher, Musiknoten, Neuheiten by Walter Eigenmann on 5. März 2009

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Joseph Haydns «Apponyi-Quartette»

haydn_streichquartette_apponyiDie Serie seiner Streichquartette op. 71 und 74 widmete Haydn dem ungarischen Grafen Apponyi, einem Wiener Musikmäzen und Freimaurerbruder Haydns. Sie entstanden zu der Zeit, als Haydn in England mit seinen «Londoner Symphonien» Triumphe feierte. Mit gewichtigen langsamen Einleitungen und dichtem, klangbetontem Satz tragen sie ebenfalls symphonische Züge. Besonders das g-moll-Quartett op. 74,3 fällt durch Expressivität und Originalität auf; wegen des rhythmischen Schwungs seiner Ecksätze wurde es unter dem Beinamen «Reiterquartett» bekannt. Diese Studien-Edition ergänzt das bereits im Henle-Urtext vorliegende Stimmenmaterial der «Apponyi-Quartette». (Verlagsinfo)

Aus dem Vorwort von Christin Heitmann:
«Diese Stimmenausgabe der 1793 entstandenen Streichquartette Opus 71 und 74 – der sogenannten ‘Appony Quartette’ – enthält den authentischen Notentext, wie er  erstmals in der Haydn-Gesamtausgabe (Joseph Haydn Werke, herausgegeben vom Joseph Haydn-Institut, Köln, Reihe XII, Band 5) im gleichen Verlag in Partitur vorgelegt worden ist.
Die Originalpartituren dieser sechs Quartette sind vollständig und zusammen erhalten geblieben. Neben dieser grundlegenden Quelle waren die Londoner und, vor allem bei Opus 74, auch die Wiener Erstausgaben zu berücksichtigen. Bei den beiden letzten Quartetten konnten wir uns außerdem auf Stimmenabschriften aus der Esterházy-Sammlung stützen; die Abschrift des F-dur-Quartetts ist großenteils, die des ‘Reiterquartetts’ ganz von Haydns Kopisten Johann Elßler geschrieben.
Die Reihenfolge der sechs Quartette ist in den Autographen nicht angegeben. Sie richtet sich nach dem übereinstimmenden Befund aller Frühausgaben. Die Opus-Nummern, die sich seit der Ausgabe von Pleyel eingebürgert haben, stammen nicht von Haydn. Das beliebte g-moll-Quartett erhielt den Beinamen ‘Reiterquartett’, der ebenfalls nicht auf Haydn zurückgeht.»

Joseph Haydn, Streichquartette op. 71 und 74 (Heft IX – Apponyi-Quartette), Henle Musikverlag 2009

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Das Kagel-Schubert-Projekt von «Sax Allemande»

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Symbiose zweier Musik-Sphären

Walter Eigenmann

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kagel-schubert-projektWen originelle (und «klassische») Saxophon-Musik (auf höchstem technischem Niveau) interessiert, der dürfte längst auf «Sax Allemande» gestoßen sein, ein vor rund 10 Jahren gegründetes Trio, das sich aus den Solo-Saxophonisten Frank Schüssler, Arend Hastedt und Markus Maier zusammensetzt, und das neben seinen Live-Konzerten bis jetzt mit zwei exquisiten, ja exotischen Einspielungen aufmerksam (oder betroffen?) machte: Bachs «Goldberg-Variationen» und Opern-Nummern… Stilistische bzw. ästhetische Berührungsängste haben die drei Blasvirtuosen also keine, dafür offensichtlich eine unverhohlene Lust an solchen Experimenten, die sie weitaus höher musikalisch denn monetär befriedigen dürften  – was sie nun auch mit ihrer jüngsten und sicher ambitioniertesten CD-Aufnahme unter Beweis stellen: einem «Kagel-Schubert-Projekt».

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Maurizio Kagel (1931-2008)

Denn im Frühling 2003 trat man, wie das CD-Booklet über die Entstehung dieser Disc zu berichten weiß, an einen der renommiertesten Komponisten neuer Musik heran, an Mauricio Kagel, der bitte prüfen möge, ob er ein Stück für Saxophontrio komponieren könne… Nach anfänglichem Zögern hätte dann Kagel reagiert und eines seiner früheren, nur im Klavierauszug bestehenden szenischen Werke («La Tradition orale» / später: «Der mündliche Verrat») zur Grundlage einer Suite mit verschiedenen kurzen «Charakterstücken» gemacht. Diese seine je abgeschlossenen kleinen «Musiknummern» – «literarisch» liegen der Sammlung Legenden und Fabeln über Gott und den Teufel zugrunde, und sie wurden ursprünglich für drei Schauspieler und sieben Musiker geschrieben – nun von drei Saxophonen gespielt zu sehen hatte Kagel dabei keinerlei Bedenken, wie er schreibt: «Eine der wesentlichsten Lehren, die wir aus der Romantik ziehen können, ist das Primat der musikalischen Substanz über eine spezifische Klangfarbe: Wenn die Vorstellungskraft einprägsam genug ist, dann kann sie mit austauschbaren Klangmitteln einen ihr gerechten Ausdruck finden.»

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Franz Schubert (1797-1828)

Soweit die eine Seite dieser Disc; die andere liegt um stilistische Welten zurück und heißt Franz Schubert. Wie bitte? Doch eher Kagel gegen denn Kagel mit Schubert, oder? Mitnichten. Meister Kagel selbst schlug den genialen Romantiker vor als «Gegenüber» für diese Produktion, denn von «Sax Allemande» gefragt, mit welcher Musik sein Werk im Konzert kombiniert werden könnte, habe Kagel geantwortet: «… Gesualdo wäre möglich oder auch etwa Schumanns ‘Gesänge der Frühe’… oder Schubert. Vielleicht eine Abfolge von Kagel-Schubert-Kagel-Schubert…» Wonach Schüssler, Hastedt und Maier die beiden Schubertschen Streichtrios D471 und D581 integrierten.
«Sax Allemande» selber über ihre Erfahrungen beim Erarbeiten dieser beiden Komponisten: «Im Zuge unserer Annäherung an das ‘Kagel-Schubert-Projekt’ war es beinahe unheimlich zu erleben, wie sich die beiden musikalischen Sphären aufeinander zu bewegten. Übergänge und Schnittstellen erzeugten eine gegenseitige Durchdringung des Materials, ließen Schubert in Kagel, Kagel durch Schubert hörbar werden.»

sax-allemande

Sax Allemande

Inwieweit dies doch eher Konzeption als Hörrealität, eher Idee als Resultat blieb, muss jeder Hörer subjektiv entscheiden. Objektiv hingegen ist, dass «Sax Allemande» diese insgesamt 21 Titel mit technischer Perfektion, mit eindrücklicher Spannweite in Dynamik und Emotionalität, immer doch gekoppelt mit sensibler kammermusikalischer Intimität musizieren. Hier eine in Duktus und Struktur ganz und gar «unaufgeregte», auch unerwartet problemlos nachvollziehbare Modernität, und da Schuberts empfindsames, zuweilen klassizistisches Romantik-Melos – daraus resultiert teils der abrupte Kontrast, teils tatsächlich ein fließendes Verschmelzen – als diesbezüglich nur ein besonders frappantes Bespiel sei der Übergang von Stück 14 zu 15 erwähnt – zweier eigentlich inkompatibler Stilwelten.
Kurzum: Für Saxophon-Gourmets ist dies «Kagel-Schubert-Projekt» von «Sax Allemande» ein Muss im CD-Regal, für jeden Musikfreund aber eine herausfordernde – im besten Sinne provokante – Bereicherung seines «Stil-Horizontes». Und die Schubert-Liebhaber? Sie werden erfahren, in welch aufregendem musikalischem Spektrum sich das «klassische» Saxophon bewegen kann – und darob den Streicherklang nicht mehr ganz so sehr vermissen…
Allerdings ist jenseits dieser spezifischen CD-Produktion (aber an eine ihrer Voraussetzungen anknüpfend) eine kritische Befragung an Maurizio Kagels Diktum selber zu richten, dass nämlich ausgerechnet in der Romantik «das Primat der musikalischen Substanz über eine spezifische Klangfarbe» herrsche. In Renaissance und Barock, meinetwegen auch noch in der (Spät-)Klassik: ja, mit Vorbehalten – aber ausgerechnet im Musik-Zeitalter der filigransten Orchestrierungen bzw. des klanglich differenziertesten Ausdrucks? Hier hätte ein neuer Diskurs anzuheben – und eigentlich auch diese spannende Denkanimierung ein willkommenes Verdienst des Projekts der drei «Sax-Allemande»-Bläser. ■

Sax Allemande: Ein Kagel-Schubert-Projekt, Werke für Saxophontrio, Farao Classics, ASIN B001MWWSB4

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Hörproben

Karol Kurpinski / Franciszek Lessel: Quartett-Musik

Posted in CD-Rezension, Markus Gärtner, Musik, Musik-Rezensionen, Rezensionen by Walter Eigenmann on 18. März 2008

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Unbekanntes Musikland Polen

Dr. Markus Gärtner

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kurpinskilessel_acte-prealable.jpgDas in Warschau ansäßige Label Acte Prealable hat eine sehr interessante CD herausgebracht, die, gestützt auf den zupackenden Vortrag des Wilanów-Quartetts, die Möglichkeit eröffnet, einen auditiven Blick auf polnische Komponisten zu werfen, welche in anderen Teilen der Welt bisher wenig bis keine Beachtung fanden. Denn während Karol Kurpinski dem einen oder anderen vielleicht noch vage als Lehrer Chopins in Erinnerung sein könnte, wird Franciszek Lessel wohl nur absoluten Kennern der polnischen Musik etwas sagen. In ihrem Schaffen gehen die Komponisten, obschon beide noch im 18. Jahrhundert – und dabei nur fünf Jahre auseinander – geboren sind, recht unterschiedliche Wege.

Karol Kurpinski

Kurpinski experimentiert mit seinerzeit fortschrittlichen harmonischen Zusammenstellungen; Lessel dagegen bleibt insgesamt konservativer ausgerichtet. Dabei entwickelt Letzterer aus volksmusikalischem Material mitunter höchst mitreißende Stücke.
Beleg dafür ist das hier leider nur mit dem ersten Satz vertretene Streichquartett Nr. 1. Das vollständig eingespielte Trio op. 5 fällt dagegen wieder etwas ab, da hier mit eher vorindividuellen Mustern gearbeitet wird. Allein das Adagio liefert mitunter griffigere Prägungen. Kurpinskis Fantasie für Streichquartett, welche vorliegende Produktion eröffnet, darf hier sicherlich als interessanteste Entdeckung gelten. Nach sehr langer tastender Einleitung, die das eigentliche Gewicht dieser Komposition ausmacht, entspannt sich der Satz in bewegtere Gestik, die mit einem dezent barocken Anstrich spielt. Entsprechend dem Titel «Fantasie» wartet das Stück in seinem Verlauf mit mehreren unterschiedlichen Charakteren auf. Es macht zweifellos Appetit auf Kurpinski und wirft die Frage nach dessen Einfluss auf seinen berühmtesten Schüler neu auf. ■

Wilanów Quartett, Pawel Perlinski (Klavier): Karol Kurpinski, Frantiszek Lessel, Acte Prealable AP 0143 (2006)

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