Interview mit dem Schach-Autor R. Ripperger («Gegenspiel»)
.
Reinhold Ripperger: «Gegenspiel»
Thomas Binder
.
Repertoirebücher nehmen im Spektrum der Eröffnungsliteratur einen breiter werdenden Raum ein. Sie haben den unbestreitbaren Vorteil einer hohen Praxistauglichkeit. Autor und Leser können sich auf die für sie wirklich relevanten Systeme beschränken und in diese vertiefen. Während bei den reinen Eröffnungs-Nachschlagewerken inzwischen wohl elektronische Medien und Datenbanken konkurrenzlos sind, ist hier dem gedruckten Buch ein Platz weiterhin sicher. Der saarländische Schachtrainer Reinhold Ripperger hat nach «Anzugsvorteil» – einem Weißrepertoire für den e4-Spieler – nun mit «Gegenspiel» das Pendant für den Nachziehenden vorgelegt. Ein Repertoire für Weißspieler, die den Damenbauern bevorzugen, ist in Vorbereitung.

Reinhold Ripperger (Dipl. Sozialarbeiter) wurde 1954 in St. Ingbert/D geboren, wo er auch heute noch mit Ehefrau und Tochter lebt. Seit seinem 18. Lebensjahr ist er aktiver Schachspieler. Er durchlief die Ausbildung des Deutschen Schachbundes und erhielt 1985 die Trainerlizenz.
Rippergers Schwarz-Vorschlag klingt auf den ersten Blick banal und schmalspurig: «Ziehen Sie 1… e6, egal was der Gegner eröffnet haben mag.» Dieses Vorgehen (wahlweise auch mit c6, d6, g6 oder anderen Zügen zelebriert) ist so selten gar nicht anzutreffen. Aber nicht immer ist es von Verständnis für die entstehenden Stellungen getragen. Man muss also bei der Repertoireplanung einen Schritt weiter gehen – und das tut Reinhold Ripperger.
Gegen 1. e4 landet man im Franzosen, wobei Ripperger auch in der Folge eine sinnvolle Auswahl anbietet – immer dort, wo Schwarz Gelegenheit hat, das Spiel zu bestimmen. Gegen 1. d4 fokussiert er sich streng auf den modernen Stonewall, bei dem Schwarz seine weiteren Bauern auf c6, d5 und f5 platziert, den Königsläufer aber im Gegensatz zum klassischen Stonewall auf d6. Die somit abgegrenzte Eröffnungswahl ist nicht nur von Ripperger selbst, sondern von mehreren namhaften Großmeistern erprobt und hat sich bewährt. Insbesondere verweist der Autor darauf, dass sich in beiden Eröffnungen ähnliche Motive ergeben und dem Spieler die Orientierung erleichtern. Bei der weiteren Variantenauswahl entscheidet sich Ripperger immer für offensive Abspiele, verspricht seinem Leser ein «Spiel auf Gewinn». Mit Schwarz wird also nicht ängstlich geklammert, sondern getreu dem Titel des Buches aktives Gegenspiel gesucht.
Angenehm fällt dabei auf, dass der Leser nicht mit ellenlangen und vielfach untergliederten Zugfolgen allein gelassen wird. In angemessenem Umfang werden der Sinn der einzelnen Züge und der dahinter stehende strategische Plan erläutert. Zwei bis drei Diagramme pro Seite lockern den Text auf und lassen es zu, die Ausführungen auch «vom Blatt» zu verfolgen. Nun hatte der Rezensent natürlich weder das Wissen noch die Zeit, jede einzelne Variante auf ihren schachlichen Gehalt zu prüfen. Stichproben haben aber das Vertrauen in Rippergers fundierte Analysen gestärkt. Dabei ist der Autor ein unabhängiger Geist, der vor der Autorität von Großmeistergenerationen und rechenstarken Computern nicht erschrickt, wenn es eigene Ideen zu vertreten gilt. Mit Blick auf das eigene Repertoire habe ich exemplarisch eine Variante geprüft: Nach 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Lb4 verfügt Weiß über die interessante Gambitfortsetzung 4. Ld2. Sie hat einen gewissen schachhistorischen Wert, stand u.a. 1950 im Kandidatenwettkampf zwischen Bronstein und Boleslawski auf der Tagesordnung. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man damit selbst gestandene Französisch-Spieler aus dem Gleis ihrer Vorlieben werfen kann. Ripperger nun lässt seine Leser nicht im Regen stehen: Er empfiehlt sehr deutlich die Antwort 4… Sc6! Der Blick auf die Schach-Software «Fritz» bzw. in die «Mega Database» enthüllt dies als einen echten Geheimtipp: Die Datenbankstatistik zeigt, dass er gerade mal mit einer Häufigkeit von 4% in dieser Stellung gespielt wird und auch nach längerer Rechenzeit, weist «Fritz 13» den Zug erst als Nr. 4 oder 5 seiner Kandidatenzüge aus. Mit solchen Empfehlungen kann Reinhold Ripperger also auch dem gestandenen Spieler noch viele neue Ideen vermitteln.

Schach-Autor und -Trainer Reinhold Ripperger legt mit «Gegenspiel» ein praxistaugliches Schwarz-Repertoire mit Schwerpunkt «Französisch» vor. Die Stärke des Buches liegt in der Eigenständigkeit seiner Analysen und den angemessenen Erläuterungen zum strategischen Gehalt der empfohlenen Züge.
Gelungene Gestaltung und Typographie sorgen dafür, dass man das Buch jederzeit gern zur Hand nimmt. Der auf den ersten Blick vielleicht etwas hohe Preis ist durch den enormen Arbeits- und Analyseaufwand gerechtfertigt. Hier wird eine eigene Leistung des Autors verkauft, der wohl zu jeder Aussage des Buches stehen kann – keine schnell dahin geschriebene Computeranalyse. Einziger Kritikpunkt: ca. 35 Seiten mit insgesamt 100 Testaufgaben einschließlich Lösungen und Punktbewertung scheinen mir in einem Repertoirebuch entbehrlich. Abgefragt wird hier nicht schachliches Können, sondern «nur» das Erinnern der vorgestellten Varianten.
Alles in allem: Basierend auf der Empfehlung «Spiele immer 1… e6» legt Reinhold Ripperger ein praxistaugliches Schwarz-Repertoire vor. Neben einer gezielten Auswahl von Französisch-Varianten konzentriert er sich auf den Modernen Stonewall. Die Stärke des Buches liegt in der Eigenständigkeit seiner Analysen und den angemessenen Erläuterungen zum strategischen Gehalt der empfohlenen Züge. ■
Reinhold Ripperger: Gegenspiel – Ein dynamisches Repertoire für den Schwarzspieler, ChessCoach-Verlag, 272 Seiten, ISBN 3-981190-57-0
.
.
.
.
Interview mit dem Schach-Autor Reinhold Ripperger
«Eröffnungstheorie ist ein lebendiger Prozess»
.
Glarean Magazin: Herr Ripperger, in den letzten 2-3 Jahren steht Ihr Name immer wieder für interessante Neuveröffentlichungen auf dem Schachbuch-Markt. Den Menschen dahinter kennen sicher nur wenige. Möchten Sie sich bitte kurz den Glarean-Lesern vorstellen?
Reinhold Ripperger: Ich bin 57 Jahre alt, verheiratet, habe eine erwachsene Tochter, bin von Beruf Sozialarbeiter und lebe im Saarland.
GM: Als sehr aktiven Turnierspieler weist Sie schon die DWZ-Datenbank des deutschen Schachverbandes aus. Ihre Bücher lassen vermuten, dass Sie auch als Trainer Erfahrungen gesammelt haben?
RR: Ich bin seit über 30 Jahren Trainer und im Besitz der B-Lizenz. Als Spieler des SC Anderssen St. Ingbert und des SC Caissa Schwarzenbach habe ich in der Oberliga Südwest und in der 2. Bundesliga gespielt.
GM: Der Blick auf Ihre Homepage offenbart, dass es neben dem Schachspieler Ripperger noch einen auf ganz andere Art interessanten Menschen gibt – den Liedermacher. Erzählen Sie doch bitte ein wenig über diese Seite.
RR: Ich liebe gute Musik und bin ein glühender Fan von Reinhard Mey. Ich schreibe selbst hin und wieder ein Lied und veranstalte Liederabende, bei denen ich Keyboard spiele und neben eigenen Liedern auch Stücke von Hannes Wader, Reinhard Mey oder den Wise Guys singe. Im übrigen bin ich der Ansicht, dass Schach und Musik eng miteinander verwandt sind.
GM: Zurück zum Schachautor: Wenn ich nichts übersehen habe, liegen aus Ihrer Feder – zum Teil mit Co-Autoren – knapp 10 Bücher vor. Das Spektrum ist breit, der Schwerpunkt liegt aber bisher im Eröffnungsbereich. Wie schreibt man eigentlich heute in der Zeit der Datenbanken ein Eröffnungsbuch, das sich vom Durchschnitt abhebt? Wie ist das Verhältnis von eigener Erfahrung zur Vorgefassten Meinung anderer Autoren bzw. der Einschätzung der Computerprogramme?
RR: Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich versuche in meinen Büchern, wie auch im Training, die Denkweise meiner Leser zu verändern. Ich lege großen Wert auf die Stellungsbeurteilung und das Schmieden eines sinnvollen Planes. Ich gehe auf die Feinheiten der Position ein und will so die strategischen und taktischen Fertigkeiten meiner Leser ausbilden. Die Computerprogramme sind wahnsinnig stark geworden, können aber einem Spieler keinen Plan erklären. Oft „sehen“ sie auch selbst keinen Plan. Selbstverständlich greife ich bei der Analyse einer Variante manchmal auch die Idee eines anderen Autors auf und versuche diese in meine Überlegungen einzubeziehen.
GM: Was muss heute ein gutes Eröffnungsbuch bieten, um einen Mehrwert gegenüber computergestützten Medien zu erreichen?
RR: Ich versuche dem Lernenden zu vermitteln, wie er sich ein vernünftiges Eröffnungsrepertoire zusammenstellt, seine ihm zur Verfügung stehende Zeit optimal nutzt. Ich versuche ihm wertvolle Ratschläge zu geben, welche psychologischen Einflüsse in einer Schachpartie zum Tragen kommen. Ein Fehler auf dem Brett entspringt einem Defizit im schachlichen Denken. Das versuche ich meinen Schülern klar zu machen.
GM: Einige Ihrer Bücher, darunter das aktuelle «Gegenspiel» verstehen sich als Repertoire-Empfehlung. Der Markt scheint gerade in diesem Bereich zu boomen. Ist das ein Trend «weg vom allgemeinen Eröffnungslexikon» hin zum «individuellen Rundum-Sorglos-Paket»?
RR: Wie ich schon sagte, kann ein Computer kein Eröffnungsrepertoire zusammenstellen. Außerdem ist die Eröffnungstheorie im modernen Schach ein lebendiger Prozess, der ständig im Fluss ist und von ehrgeizigen Spielern stetig beobachtet und weiterentwickelt wird.
GM: Leben Sie eigentlich das Konzept «… im ersten Zug immer e7-e6» auch selbst vor und wenn ja, mit welchen Erfahrungen?
RR: Ja, oft spiele ich selbst so. Das hat mir zum Beispiel in der Französischen Verteidigung eine Menge Erfahrung eingebracht. Natürlich muss ich hin und wieder von diesem meinen Gegnern bekannten Repertoire abweichen, um Vorbereitungen aus dem Weg zu gehen und mit der einen oder anderen Überraschung aufzuwarten.
GM: An «Gegenspiel» gefällt mir besonders, dass Sie den Leser nicht mit langen Varianten allein lassen, sondern die Idee einzelner Züge in kurzen und verständlichen Erklärungen erläutern.
RR: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich selbst sehr ungern endlos lange Varianten mit eingeschobenen Untervarianten nachspiele. Dann ist es doch selbstverständlich, dass ich das meinen Lesern ersparen möchte. Das soll aber nicht heißen, dass ich in meinen Büchern den Königsweg gefunden habe. Es gibt andere Konzepte, die bei anderen Schachspielern auf große Zustimmung stoßen und das ist auch in Ordnung.
GM: In den Katalogen finde ich ein Buch, das – nicht nur in Ihrem bisherigen Schaffen – aus dem Rahmen fällt. «Die große Schachparade 1», angekündigt als Streifzug durch die Turnierwelt vor 100 und mehr Jahren. Die Ziffer «1» weckt in mir die Erwartung, dass wir es hier mit einem auf Fortsetzung angelegten Projekt zu tun haben. Erzählen Sie uns bitte, worauf wir uns hier freuen dürfen.
RR: Die Schachparade ist kein klassisches Lehrbuch sondern mehr ein Lesebuch zum Thema Schach in unterschiedlichen Epochen und Ländern. Wir wollen den Lesern die Menschen hinter den Schachspielern näher bringen und interessante Details über Zeitgeist, politische und gesellschaftliche Hintergründe vermitteln. Das Buch ist sehr aufwendig gestaltet mit vielen Fotos und in Hardcover produziert ein echter Hingucker. Es werden nach und nach weitere Bände folgen.
GM: Sie veröffentlichen im Eigenverlag „ChessCoach“. Was hat Sie und Ihren Partner bewogen, einen eigenen Verlag aufzubauen?
RR: Ein eigener Verlag hat natürlich den Vorteil, dass man seine Vorstellungen eins zu eins umsetzen kann. Natürlich bringt es deutlich mehr Arbeit mit sich, das Buch nicht nur zu konzipieren, sondern auch am Markt zu platzieren, ein Vertriebsnetz aufzubauen und mit dem Buchhandel Geschäftsbeziehungen zu pflegen. Dennoch stellt es auch eine interessante Erfahrung dar, auf diesem Sektor tätig zu sein. Der Verlag ChessCoach ist ständig auf der Suche nach neuen Autoren und interessanten Konzepten. Da ich auf Grund meiner Schwerbehinderung nicht mehr im Berufsleben stehe, kann ich für den Verlag mehr Zeit aufwenden und habe gleichzeitig eine interessante und sinnvolle Beschäftigung. Dennoch muss man es als Liebhaberei ansehen, da angesichts der geringen Auflage eines Schachbuchs die Kosten-Nutzen-Rechnung in den Hintergrund tritt und kaufmännischen Anforderungen nicht genügt.
GM: Welche aktuellen Projekte hat der ChessCoach-Verlag denn in der Pipeline?
RR: Im Verlag ChessCoach wird in Kürze das Buch «Anzugsvorteil II» erscheinen, ein Weißrepertoire für d4-Spieler. Außerdem stehen die Arbeiten an zwei schachhistorischen Werken kurz vor dem Abschluss: «Die Säulen des Schachs» sowie «London 1851». Zudem wird es ein Lehr- und Arbeitsbuch geben, «Die goldenen Regeln des Schachspiels». Besonders innovativ ist ein Projekt zum Thema Entscheidungen am Schachbrett. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Unterschied zwischen Fernschach und Nahschach. Hierzu konnten wir zwei international renommierte Großmeister gewinnen. ■
.
Weitere Schach-Rezensionen im Glarean Magazin
.
.
.
Interview mit Rebecca Gablé («Der dunkle Thron»)
.
«Ich erzähle euch, wie es gewesen sein könnte»
Günter Nawe
.
Vor einigen Tagen veröffentlichte die deutsche Bestseller-Autorin Rebecca Gablé (Bürgerlicher Name: Ingrid Krane-Müschen) mit «Der dunkle Thron» ihren 13. «historischen Roman». Für das Glarean Magazin fragte Günter Nawe die erfolgreiche Schriftstellerin nach ihren literarischen Motivationen und nach den Gründen des Booms von Mittelalter und Renaissance in der modernen Literatur.
.
Glarean Magazin: Frau Gablé, vom berühmten Leopold Ranke stammt das Diktum, dass der Historiker aufzuzeigen habe, «wie es eigentlich gewesen» sei. Hat sich die Mediävistin und Schriftstellerin Rebecca Gablé diesen Satz zueigen gemacht?
Rebecca Gablé: Nein, denn dieser Anspruch ist unerfüllbar und überholt. Ganz gleich, wie gründlich wir schriftliche Quellen und archäologische Funde auswerten, kann das, was wir daraus ableiten, doch immer nur eine Rekonstruktion von Vergangenheit sein. Ein educated guess, wie die Briten sagen: eine Vermutung auf Grundlage der bekannten Indizien. Wie es «eigentlich gewesen» ist, können wir nicht erforschen und darum niemals wissen. So betrachtet, haben wir Schriftsteller es einfacher als die armen Wissenschaftler, denn wir sagen lediglich: «Ich erzähle euch, wie es gewesen sein könnte.» Nichts anderes hat übrigens auch Leopold Rankes Urgroßneffe Robert Graves getan: Er hat mit Kaiser Claudius einen Ich-Erzähler von scheinbar großer Zuverlässigkeit erdacht, der behauptet, er werde die Geschichte nun so erzählen, wie sie «eigentlich gewesen» sei, um dann ein abenteuerliches Konstrukt aus Intrigen und Mord zu spinnen, das zwar möglich, aber keinesfalls nachweisbar ist. Es kommt einem vor, als habe er mit einem Augenzwinkern in Richtung seines berühmten Vorfahren geschrieben.
GM: Sie haben sich vorwiegend und äußerst erfolgreich am englischen Mittelalter «abgearbeitet». In einem Interview haben Sie einmal gesagt: «Mein Herz gehört dem historischen Roman und dem englischen Mittelalter». Warum gerade diesem?
RG: Meine Vorliebe für das englische Mittelalter geht auf mein Literaturstudium zurück. Dort bin ich zum ersten Mal der englischen Dichtung des 8. bis 14. Jahrhunderts begegnet, die mich seither fasziniert und meine Fantasie anregt, weil sie so farbenprächtig, ausdrucksstark und in vieler Hinsicht auch sonderbar ist. All diese Werke – auch wenn sie religiöse oder sagenhafte Motive behandeln – erzählen etwas über ihre Verfasser und deren Zeit. Darum erschien es mir immer naheliegend, diese Literatur als Ausgangspunkt zu nehmen und mir die Lebenswelt der Dichter und ihrer Zeitgenossen vorzustellen. Von da war der Schritt nicht mehr weit, mich an einem historischen Roman zu versuchen, der, wie sich herausstellte, eine Literaturform ist, die mir besonders liegt.
GM: Mit dem neuen Roman «Der dunkle Thron» haben Sie allerdings das Mittelalter verlassen. Der vierte Teil der berühmten Waringham-Saga spielt bereits in der Renaissance, im 16. Jahrhundert. War das dem Interesse Ihrer Leserschaft geschuldet, die nach «Das Lächeln der Fortuna», «Die Hüter der Rose» und «Das Spiel der Könige» einfach wissen wollte, wie es weitergeht mit den Waringhams?
RG: Dem Interesse meiner Leserschaft und meinem. Ich wäre nicht in der Lage, mich zwei Jahre lang einem Thema zu widmen, das nicht in allererster Linie meine eigene Neugier weckt. Ich selber wollte wissen, wie es den Waringham – diesen wertekonservativen Spinnern, die immer noch Ritter sein wollen – in einer Epoche ergehen würde, die sich in vielerlei Hinsicht radikal vom Mittelalter unterscheidet.
GM: Im Mittelpunkt der Tetralogie steht das Geschlecht derer von Waringham. Mit dem Roman «Der dunkle Thron» haben Sie dieses Geschlecht in der mittlerweile sechsten Generation durch eine fast 200-jährige Geschichte begleitet und damit einen relativ langen Zeitraum der Geschichte abgeschritten. Wie hält das die Autorin durch, ohne den roten Faden zu verlieren?
RG: Mit Stammbäumen, sehr vielen Notizen und einem halbwegs zuverlässigen Gedächtnis.
GM: Die «Waringhams» sind ein fiktive Größe in Ihrem Roman. Sie erleben Abenteuer, Liebesgeschichten, Aufstieg und Fall. Dies alles eingebunden in den Fluß realer Geschichte. Wie viel in Ihren Romanen ist Fakt, wie viel Fiktion?
RG: Das ist schwierig zu bemessen, und wir sprachen ja eingangs schon über die Problematik historischer «Fakten». Dem historisch verbrieften Personal meiner Romane (das ja meist in der Überzahl ist), dichte ich keine Taten an, die sie nicht tatsächlich vollbracht haben, aber in dem Moment, da ich sie zu Romanfiguren mache, werden sie fiktionalisiert. Ich bemühe mich, ihre Charaktere so zu beschreiben, wie sie nach meiner Deutung wahrscheinlich waren, aber dessen ungeachtet werden sie zu Geschöpfen meiner Fantasie mit einer eigenen Ausdrucksweise und Körpersprache, mit Dialogen und Emotionen. Das gilt natürlich erst recht für die erfundenen Figuren, also zum Beispiel alle Waringham, obwohl ich auch dort immer mein Augenmerk darauf richte, ihre Lebensgeschichte so zu zeichnen, wie sie sich in der jeweiligen Epoche hätte zutragen können.
GM: Mit Nicholas Waringham, dem Protagonisten des neuen Romans, haben sie eine starke, eine faszinierende Figur geschaffen. Hat es eine vergleichbare Persönlichkeit in dieser Zeit gegeben – oder anders: Hätte es diesen Nicholas Waringham geben können?
RG: Es hätte Nicholas of Waringham in dem oben beschriebenen Sinne geben können, aber er hat kein historisches Vorbild.
GM: Historische Hauptfiguren in Ihrem Roman sind König Heinrich VIII., Anne Boleyn und seine anderen Frauen. Uns ist aufgefallen, dass Sie Heinrich VIII. nicht unbedingt mögen, die Frauen – vor allem Mary, seiner Tochter und späteren Königin, dafür Ihre – sagen wir einmal so – besondere Sympathie genießen. Haben wir richtig gelesen?
RG: Ich muss widersprechen: Die historische Hauptfigur dieses Romans ist allein die besagte Tochter, die spätere Königin Mary I. Ihr Vater Heinrich VIII. (den ich in der Tat fürchterlich finde), ihre Mutter und ihre fünf Stiefmütter sind natürlich wichtige Figuren, aber im Grunde nur in ihrer Beziehung zu Mary oder dem Protagonisten Nicholas of Waringham. Ich glaube, ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass ich «besondere Sympathie» für Mary hege, dafür waren die Gräuel ihrer Regentschaft vielleicht einfach zu schrecklich. Aber es war mein Anliegen, diese in den Geschichtsbüchern so oft vernachlässigte Königin einmal zu entstauben, genauer zu betrachten und zu ergründen, warum sie wurde, wie sie war. Das ist es auch, was dieser Roman erzählt. Und je besser ich Mary kennen lernte, desto größer wurde meine Toleranz ihr gegenüber.
GM: Das ganze Romangeschehen spielt vor dem Hintergrund der geistigen, religiösen und politischen Umbrüche im 16. Jahrhundert. Und das nicht nur in England, das neben seinen Königen auch Persönlichkeiten wie Thomas Morus aufzuweisen hatte. Wir sprechen von der Reformation, die auch England erreicht, von der Loslösung Englands von dem Papst, von Heiratspolitik mit politischen Folgen. Hat die lange und intensive Beschäftigung mit dieser Zeit auch die Sichtweise der Autorin beeinflusst?
RG: Natürlich habe ich bei meiner Recherche viel Neues gelernt und bin Personen, Gedanken und Ereignisketten begegnet, von denen ich zuvor nur nebulöse Vorstellungen hatte. Aber meine Sichtweise hat sich nicht geändert. Ich wusste vorher schon, dass Religionen und Absolutheitsansprüche in Glaubensfragen das gefährlichste Konfliktpotenzial sind, das die Menschheit je ersonnen hat.
GM: Sie haben einmal gesagt, Ihr vordringliches Ziel sei zu unterhalten. Kann das gerade der historische Roman mit seiner Mischung aus Fakten und Fiktion leisten? Und ist darin das große Interesse Ihrer ständig wachsenden Leserschaft begründet? Auch weil – wir kommen noch einmal auf den Satz von Leopold Ranke zurück – es Ihnen so gelingt, am besten zu zeigen, «wie es eigentlich gewesen» ist?
RG: Ich glaube nicht, dass der historische Roman einen höheren Unterhaltungswert hat als andere Genres. Der anhaltende Erfolg ist eher der Mischung aus Unterhaltung und Wissensvermittlung geschuldet – «Infotainment», um mal ein besonders abscheuliches Wort zu bemühen, ist ja sehr in Mode. Viele Menschen interessieren sich für Geschichte und wollen wissen, wie die Welt früher war oder wie wir zu der Gesellschaft wurden, die wir heute sind, aber längst nicht alle haben die nötige Zeit oder Motivation, sich zur Beantwortung ihrer Fragen durch historische Fachliteratur zu quälen. Sie greifen lieber zu einem historischen Roman.
GM: Wie wir sehen, ist Ihnen das bestens gelungen zu unterhalten. «Der dunkle Thron» ist mittlerweile Ihr 13. Roman. Sie sind Bestseller-Autorin, gelten als «Königin des historischen Romans», sind in in Bücher-Charts prominent vertreten. Was kann jetzt noch kommen? Eine Fortsetzung der «Waringham-Saga» – oder etwas ganz anderes?
RG: Auf jeden Fall eine Rückkehr in mein geliebtes Mittelalter. Aber mehr wird noch nicht verraten… ■
.
.
.
.
.
.
Die Schachzeitschrift KARL feiert ihr 10-jähriges Bestehen
.
Vom Vereinsblatt zum internationalen Schachfeuilleton
Interview mit dem KARL-Herausgeber Harry Schaack
Thomas Binder
.
Mit KARL feiert heuer eines der profiliertesten Schach-Printmedien sein zehnjähriges Jubiläum. Ursprünglich nur für den lokalen Bereich konzipiert, mauserte sich dieses «Kulturelle Schachmagazin» während des vergangenen Dezenniums unter der Ägide seines Gründers, Herausgebers und Chefredakteurs Harry Schaack zu einer qualitätsvollen und vielbeachteten Schachzeitschrift weit über die BRD-Grenzen hinaus. KARL will nach eigenem Bekunden «in Berichten, Analysen, Essays und Porträts einen Blick werfen auf die kulturellen, historischen und gesellschaftlichen Aspekte des Schachs». Weniger die modernsten Eröffnungsvarianten als vielmehr die unübersehbar vielfältigen «außerschachlichen» Aspekte des Königlichen Spiels stehen also im Fokus der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift. «Glarean»-Mitarbeiter Thomas Binder hat dem KARL-Herausgeber einige Fragen zur Vergangenheit und Zukunft seines interessanten Magazins gestellt.
Glarean Magazin: Glückwunsch Ihnen und dem KARL-Team zum zehnjährigen Jubiläum, Herr Schaack! Wie kam es seinerzeit zur Gründung einer Schachzeitung mit einem solch klaren Profil auf «Schach und Kultur»?
Harry Schaack: KARL war ursprünglich die Vereinszeitung meines Klubs «Schachfreunde Schöneck», die ich seit den späten Neunzigern verantwortlich betreute. 2001 entschloss ich mich zusammen mit Johannes Fischer und Stefan Löffler die Zeitschrift unter gleichem Namen mit völlig neuem Konzept bundesweit zu vertreiben, die ersten Jahre noch mit einem Vereinsteil für Mitglieder. Nun erschien KARL in hoher Qualität mit Schwerpunkt-Konzept. Gründe für die Ausrichtung unseres Heftes waren zum einen natürlich unser generelles Interesse an Kultur, zum anderen war uns schon damals klar, dass im Zeitalter des Internets ein Printprodukt, das vorrangig über Turniere berichtet, stets der Aktualität hinterher hechelt.
Die erste Ausgabe «Tempo» erschien im Sommer 2001. Nach drei Heften schied Stefan Löffler aus, Johannes Fischer ist dagegen bis heute eng mit KARL verbunden und betreut mehrere Rubriken. Zunächst gab es einige Skepsis, ob das Schwerpunkt-Konzept dauerhaft tragen würde. Doch wir hatten schon zu Beginn eine lange Liste möglicher Themen erstellt, die nach nunmehr 41 Ausgaben noch nicht ausgereizt ist. Daher sehen wir optimistisch in die Zukunft.
GM: Können Sie sich – als der «Macher» des KARL – unseren Lesern kurz vorstellen? Sie haben ja im Schach sicher auch außerhalb der KARL-Redaktion Ihre Spuren hinterlassen?
HS: Ich habe Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte studiert. Nach meinem Abschluss arbeitete ich einige Zeit als Grafiker in einer Werbeagentur, was mir aber offen gestanden nicht sehr zusagte. Ich suchte eher eine Tätigkeit im kulturellen Bereich. Dann ergab sich dank einer Anstoßfinanzierung die Chance, KARL zu machen. Heute bin ich selbstständig und – neben der KARL-Herausgabe – als Grafiker und Journalist tätig. Zudem war ich für die Chess Classics drei Jahre lang als Pressesprecher tätig.
Schach spiele ich seit über 20 Jahren bei den bereits erwähnten «Schachfreunden Schöneck» in der Nähe von Frankfurt, wo ich lange Zeit in der 2. Bundesliga gespielt habe. Ich bin FIDE-Meister, spiele aber in den letzten Jahren aus Zeitmangel nur noch selten (was ich bedaure).
GM: Und der Name KARL?
HS: Bundesweit gibt es unser Heft seit 2001, doch eigentlich gibt es KARL – wie bereits erwähnt – schon viel länger. Die Geburtsstunde geht auf das Jahr 1984 zurück, als mein Schach-Klub seine Mitglieder aufforderte, einen Namen für die neu gegründete Vereinszeitung zu finden. Die dritte Ausgabe trug dann den bis heute erhaltenen Namen – übrigens lange vor «Fritz». «Karl» verwies auf ein «typisches» Vereinsmitglied, wollte den «Brigittes» und «Emmas» ein männliches Pendant an die Seite stellen und ist auch als Akronym zu verstehen, abgeleitet aus Begriffen, mit denen sich der progressive Verein identifizierte. So war anfangs noch auf dem Cover zu lesen: «Zeitschrift für Kommunikation, Ansichten/Amazonen, Realitäten und Lorbeerkränze». Der Name ohne direkten Schachbezug sollte ein Hinweis darauf sein, dass die Redaktion kein «Durchschnittsblättchen» machen wollte und «durchaus auch für Nichtschachspieler» interessant sein sollte. Ein Credo, das bis heute Gültigkeit hat.
GM: Wir haben in den letzten Jahren manche Schachzeitungen kommen, aber auch gehen sehen. Vor allem jene, die sich auf die aktuelle Berichterstattung konzentrieren, konnten im Wettstreit mit den vielfältigen und tagesaktuellen Quellen im Internet nicht mithalten. Wie sehen Sie allgemein den Markt für Schachzeitungen, und wo positioniert sich Ihr Magazin?
HS: Das Internet ist der natürliche Feind aller Zeitschriften, die sich auf Aktualität konzentrieren. Wenn man eine Nachricht einen Monat später bringt als irgendeine Website, muss man dem Leser Zusatzleistungen bieten, Hintergrundinfos, Vorortberichte, aber das ist nicht immer einfach. In Deutschland gab es bis vor kurzem fast zehn regelmäßig erscheinende Zeitschriften. Dass nicht alle überleben würden, ist nicht verwunderlich, weil der Markt übersättigt war.
Der Trend geht – auch wenn mir das nicht gefällt – immer mehr in Richtung digitaler Zeitung. Das hat natürlich einige Vorteile für die User. Über ein IPad (oder ein ähnliches Gerät) kann man von überall auf der Welt bequem auf sein Archiv zugreifen, ohne kiloweise Papier mitzuschleppen. Jüngere Generationen sind mit diesen neuen Medien aufgewachsen, und das physische Buch wird unweigerlich immer mehr an Boden verlieren. In diesen neuen Medien liegen große Chancen, und in diesem Bereich wird sich auch KARL in Zukunft positionieren müssen.
GM: Wie entwickelt sich die Auflage der Zeitschrift? Sind Sie optimistisch, die «kritische Masse» für einen wirtschaftlich vertretbaren Betrieb des KARL halten zu können?
HS: Unsere Auflage ist seit einiger Zeit recht konstant. Die Abonnentenzahl steigt stetig leicht an, aber nicht mehr signifikant. Wirtschaftlich wichtig ist für uns der Verkauf älterer Hefte. Von Beginn an war dies ein Teil unseres Konzeptes. Da die Beiträge zu Schwerpunkten nicht der Aktualität geschuldet sind, sind sie auch noch Jahre später lesbar. Sie sind in dieser Hinsicht eher mit Fachbüchern als mit Zeitschriften vergleichbar.
Ich denke, dass unsere kulturelle Fokussierung ein Publikum anspricht, das sich dem Buch bzw. dem Papier verpflichtet fühlt. Deshalb habe ich im Moment keine Sorge und bin zuversichtlich, dass sich das Heft weiterhin «trägt». Zum anderen stand für mich nie der finanzielle Aspekt im Vordergrund. Es ist eher meine Leidenschaft, die das Heft stützt. Denn eigentlich ist mein Honorar angesichts des betriebenen Aufwandes nicht adäquat.
GM: KARL hat zu allen Themen immer außerordentlich kompetente Autoren aufzubieten. Sicher ist das mittlerweile ein Selbstläufer, weil man sich geehrt fühlt, für den KARL schreiben zu dürfen, oder?
HS: Das ist nicht ganz richtig. In Deutschland haben wir vielleicht einen ganz guten Ruf und können auf einen Autorenpool zurückgreifen. Doch wir arbeiten auch mit vielen nichtdeutschen Autoren zusammen. KARL erscheint in Deutsch und ist deshalb im Ausland vor allem durch meine Präsenz bekannt. Kontakte entstehen nicht selten durch meine zahlreichen Turnierbesuche im Ausland. Zudem weiß man oft nicht, wie zuverlässig ein Autor ist, wenn man das erste Mal mit ihm arbeitet. Ein Wagnis, das uns z.B. bei unserem Fischer-Heft sehr in Verlegenheit gebracht hat. Ein deutscher Autor, dessen Namen ich nicht nennen möchte, sagte uns kurz vor Redaktionsschluss einen zentralen Beitrag ab. Aber aus diesem Desaster haben wir gelernt.
GM: Auf Ihrer Homepage listen Sie ca. 160 «Mitarbeiter» auf (darunter auch einige leider bereits verstorbene). Wie ist diese Liste zu verstehen?
HS: Die Liste ist eine Gesamtdarstellung all unserer Mitarbeiter seit unserer ersten bundesweiten Ausgabe. Die große Menge ist auch ein Spiegelbild unseres Heft-Konzeptes, das immer wieder nach neuen Experten verlangt.
GM: Möchten Sie einige Autoren hervorheben, mit denen Sie besonders intensiv und produktiv zusammenarbeiten?
HS: Seit 2004 arbeite ich im schachhistorischen Bereich sehr intensiv mit Dr. Michael Negele zusammen, der mich auch in dankenswerter Weise immer wieder mit seiner Sammlung unterstützt. Er ist vermutlich unser fleißigster Autor. Eng arbeite ich auch mit Prof. Dr. Ernst Strouhal und Michael Ehn zusammen, die neben ihrer KARL-Kolumne zahlreiche weitere Artikel beigesteuert haben. In letzter Zeit ist Großmeister Mihail Marin öfter mit längeren schachspezifischen Beiträgen vertreten. Johannes Fischer ist freilich als Mann der ersten Stunde von Beginn an im Boot. Er betreut u.a. unsere Reihe «Porträts» und hat das Bild der Zeitschrift über die Jahre erheblich mitgeprägt. Schließlich sind natürlich unsere langjährigen Kolumnisten Prof. Dr. Christian Hesse und Wolfram Runkel zu nennen.
GM: Wie lange arbeiten Sie an einer KARL-Nummer von der Themenidee bis zu dem Tag, da es bei mir im Briefkasten liegt? Wer außer den Autoren ist daran noch beteiligt?
HS: Das ist schwer zu sagen, weil dies stark themenabhängig ist. Die Idee entsteht meist schon viele Monate vorher. Dann frage ich frühzeitig Autoren und Interviewpartner an, doch nicht alle können oder wollen tatsächlich einen Artikel schreiben, d.h. ich muss das Themenkonzept peu à peu anpassen. Mein eigener Aufwand richtet sich danach, wie viele Artikel ich selbst schreibe, und wie viele Reisen ich dafür unternehmen muss. Bei einem Schwerpunkt wie der WM in Bonn 2008 war ich z.B. der einzige Journalist, der die gesamte Spielzeit vor Ort war. Insofern kostet teilweise alleine die Recherche enorm viel Zeit.
Die heiße Schlussphase bis zur Fertigstellung eines Heftes beträgt etwa drei bis vier Wochen. Für die graphische Umsetzung des Heftes und die Auswahl der Beiträge bin ich alleine verantwortlich, wenngleich ich mich z.B. mit Johannes Fischer oft bespreche und auch seine Ideen einfließen. Außerdem gibt es noch zwei, drei Korrekturleser.
GM: Ich habe immer diejenigen Ausgaben als besonders interessant empfunden, in denen Sie ein Thema umfassend und aus sehr verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Stellvertretend seien Ausgaben wie «Schach und Politik», «Rivalen», «Zufall», «Schach und Musik» oder «Schönheit» genannt. In letzter Zeit verschiebt sich Ihr Schwerpunkt etwas zu Heften über eine einzelne Region oder ein Traditionsturnier. Zufall oder bewusste Themenverschiebung?
HS: Eine Themenverschiebung kann ich nicht erkennen. Die beiden Hefte, die sich mit einer Region beschäftigten, lagen nur dadurch direkt hintereinander, weil der Schachbund NRW sein Jubiläum feierte, das Heft 4/2010 über die Niederlande aber schon über ein Jahr im Voraus geplant war. Auch in der Vergangenheit gehörten Hefte über Regionen, Städte und Turniere zu unserer Themenpalette. Wenn wir die Möglichkeit haben, uns an aktuelle Ereignisse wie Jubiläen oder Ausstellungen anzuhängen, machen wir das. So ist unser letztes Heft über die Chess Classic deshalb entstanden, weil dieses nicht nur für Deutschland wichtige Traditionsturnier plötzlich zu Ende ging und ich als ehemaliger Pressesprecher mit dem Event verbunden war. Und da muss man schon einmal kurzfristige Themenänderungen vornehmen.
GM: Wie weit in die Zukunft reicht denn Ihr aktueller Themenkatalog? Können Sie uns mit ein paar Stichworten neugierig machen?
HS: Wir planen meist vier Hefte im Voraus. Für das Heft 1/2012 habe ich z.B. bereits einiges in die Wege geleitet und auch schon Interviews geführt. Bis zum Heft 2/2012 gibt es bereits konkrete Absprachen. Titel möchte ich nicht nennen, denn es wäre ungünstig, wenn andere Zeitschriften die gleichen Themen aufgreifen würden. So war ursprünglich für das Heft 3/2011 ein Kortschnoi-Schwerpunkt vorgesehen. Doch weil ihm auch die Zeitschrift SCHACH fast ein ganzes Heft gewidmet hat, haben wir davon abgesehen und uns stattdessen für seinen Antipoden Karpow entschieden, der ebenfalls einen runden Geburtstag hat.
GM: Unter den aktuell in der Schachszene diskutierten Problemen stehen (leider) die Betrugsmöglichkeiten mit elektronischen Hilfsmitteln im Blickpunkt. Aus meiner Sicht wäre dies ein ideales Feld für KARL, das Thema mit allen Aspekten (geschichtlich, technisch, rechtlich, Folgen und Lösungsansätze usw.) auszuleuchten. Sind Sie in der Spur?
HS: Sie haben vollkommen recht, Betrug ist ein reizvolles Thema und im Moment auch leider ein aktuelles Problem. Ich hatte Gelegenheit, mich in Bonn bei der Deutschen Meisterschaft als Augenzeuge direkt vor Ort über den «Fall Natsidis» zu informieren und mit Teilnehmern darüber zu sprechen. Der technische Fortschritt hat Möglichkeiten geschaffen, die Manipulation immer leichter machen. Gelingt es in Zukunft nicht, dies zu unterbinden, wird das Schach stark leiden.
«Betrug» war eines der Themen, die wir zu Beginn auf unserer Ideenliste für KARL-Schwerpunkte notiert hatten – das war 2001. Natürlich habe ich in Anbetracht der aktuellen Ereignisse über dieses Thema nachgedacht. Da wir aber einige Hefte im Voraus planen, müssen sich die Leser noch ein wenig gedulden. Doch ich bin sicher, dass uns das Thema noch eine ganze Weile begleiten wird.
GM: Im Vergleich zum hochwertigen Anspruch Ihrer Zeitschrift fällt das begleitende Internet-Angebot eher nüchtern und spartanisch aus. Damit sind Sie in der Schachzeitungs-Branche allerdings keineswegs allein. Reicht die Kraft nicht für eine umfassende Online-Präsenz oder spielt da auch die Angst mit, sich quasi eine Konkurrenz im eigenen Haus zu schaffen?
HS: Unsere Internet-Seite bedarf dringend einer Überarbeitung, das ist richtig. Dieses Problem haben wir leider allzu lange hinausgeschoben. Im Moment sind wir dabei, die Seite komplett neu zu gestalten. Dies dauert allerdings noch einige Zeit, weil mittlerweile doch schon ein enormer «Content» vorhanden ist. Wir bieten auf unserer Homepage zu jedem unserer Hefte gleich mehrere Leseproben. Mittlerweile sind in unserer «Kolumne», wo verschiedene Autoren aktuelle Publikationen rezensieren, über hundert Beiträge zu finden.
Wir hoffen, in naher Zukunft eine ansprechende Website präsentieren zu können. Angst vor Konkurrenz im eigenen Haus haben wir dagegen nicht. Unsere dort veröffentlichten Beiträge dienen unserer Eigenwerbung. Eine tägliche Berichterstattung über aktuelle Ereignisse streben wir dagegen nicht an.
GM: Was sind aus Ihrer Sicht die Highlights von zehn Jahren KARL-Geschichte? Denken Sie an ein besonders gelungenes Heft, einen sehr interessanten – vielleicht auch kontroversen – Artikel?

KARL-Macher H. Schaack (Hintergrund) in erlauchtem Kreise anlässlich des Keres-Festes 2006 in Tallin/Estland
HS: Ein ganz besonderes Highlight ist zweifellos bis heute das Keres-Heft (KARL 2/2004). Dabei wurden wir – Johannes Fischer und ich – vom Estnischen Fremdenverkehrsamt unglaublich unterstützt. Die besorgten uns nicht nur den Flug, sondern auch eine mehrtägige Estland-Rundreise in Begleitung. Wir hatten dadurch Kontakt zu allen wichtigen Gesprächspartnern, u.a. auch mit der Familie von Keres. Das war wundervoll und ist auch dem Engagement von Johannes Fischer zu verdanken, der im Vorfeld zahlreiche Institutionen anfragte. Zudem haben alle von uns angestrebten Artikel und Interviews geklappt, darunter die mit Spasski und Smyslow.
Aufgrund dieses Heftes lud man mich 2006 anlässlich des 90. Geburtstages des estnischen Nationalhelden zur großen Keres-Feier nach Tallinn ein. Ein unvergessliches Erlebnis, denn alle großen Spieler der Ära Keres waren versammelt: Karpow, Kortschnoi, Spasski, Awerbach, Taimanow, Gligoric, Unzicker, Schmid, Olafsson, u.v.m. Die Einladung enthielt auch Empfänge beim Präsidenten und ein Mittagessen mit dem Premierminister. Das war großartig. Ein anderes schönes Erlebnis war die Zusammenarbeit mit der Familie Unzicker für KARL 2/2007. Mit seiner Frau und den beiden Söhnen traf ich mich mehrfach in München zu mehrstündigen Interviews, die letztlich zu einer sehr persönlichen Biographie führten.
Auch zahlreiche Atelierbesuche bei diversen Künstlern, die sich mit Schach beschäftigten, sind mir in guter Erinnerung geblieben. Unter den vielen Ausgaben sind mir schachhistorisch vor allem die Lasker- und Nimzowitsch-Ausgaben (KARL 1/2008 + 4/2006) sowie die Hefte über den DSB und über Wien (1/2002 + 2/2009) in Erinnerung geblieben. Aber ich mag auch das Musik-Heft (KARL 4/2007), wo ich u.a. mit Portisch sprechen konnte, der in seiner Karriere nur ganz selten Interviews gegeben hat. Gleich zwei kuriose Artikel gibt es im Zufalls-Heft (KARL 2/2006): Einen von Strouhal über «Schach&Religion» und einen von Donninger über «Zufall&Computer». Das originellste Titelbild ist vermutlich jenes des Taktik-Heftes – ein Kugelfisch, den ich einer Anregung meiner Lebensgefährtin verdanke. Schließlich haben wir im aktuellen Heft (KARL 2/2011) mit unserem Preisrätsel, dass es meines Wissens so im Schachbereich noch nie gab, einen großen Erfolg gelandet, denn die Rückmeldung unserer Leser ist so groß wie nie.
GM: Herr Schaack, besten Dank für Ihre Ausführungen und weiterhin viel Erfolg mit KARL! ■
.
Leseprobe 1 (pdf) (Chrilly Donninger: Computerschach)
Leseprobe 2 (pdf) (Feuilleton: Café de la Régence)
Leseprobe 3 (pdf) (Wandler zwischen den Welten: Wolfgang Unzicker)
.
.
.
.
.
.
Interview mit der Claudius-Biographin Annelen Kranefuss
.
«Vorrang der Realität vor aller Kunst»
Günter Nawe
.
Unlängst würdigte unser Magazin die kürzlich bei Hoffmann&Campe erschienene Claudius-Biographie der Kölner Germanistin Dr. Annelen Kranefuss: «Originell und unverwechselbar» – übrigens die erste Biographie seit über siebzig Jahren, die sich dieses Mannes (der als Journalist, als Dichter, als homme de lettres und als Redakteur des «Wandsbecker Bothen» Literaturgeschichte geschrieben hat) wieder umfassend annimmt. Günter Nawe unterhielt sich mit der Autorin über den Dichter Claudius, dessen wissenschaftliche Erforschung noch längst nicht am Ende sei. -
Glarean Magazin: Frau Kranefuss, es gibt das berühmte Diktum Goethes über die Hauptaufgabe einer Biographie. War es auch für Sie Maßstab ihrer Arbeit?
Annelen Kranefuss: Ja. «Den Menschen in seinen Zeitverhältnissen darzustellen» – das ist in der älteren Claudius-Biographik oft vernachlässigt worden. Damit hat man wesentliche Aspekte seines Schreibens und Lebens ausgeblendet. Die historischen Bedingungen (also auch die sozialen Besonderheiten des jeweiligen Lebensraums) waren nicht nur für sein Leben bestimmend, Claudius hat auch als Literat, als homme des lettres, wie er sich nannte, auf das Zeitgeschehen reagiert. Er hat ja als Journalist angefangen und auch nach dem Ende seiner Zeitungsarbeit in seinen Texten immer wieder auf Zeitereignisse und kulturelle Debatten reagiert, sehr oft indirekt, so dass es für die Nachwelt nicht ohne Weiteres erkennbar ist. Er hat allerdings auch als Journalist versucht, die Dimensionen von Zeit und Zeitlosigkeit in Beziehung zu setzen und seinen Lesern zu vermitteln, dass es noch etwas anderes gibt als die Tagesaktualität.
GM: Seit der letzten größeren Claudius-Biographie sind rund 70 Jahre vergangen. Woher das Desinteresse der Germanistik an diesem «originellen und unverwechselbaren» Dichter?

Germanistin Kranefuss: «Mich spricht bei Claudius das Lakonische, seine Nüchternheit an, die gleichzeitige Herzlichkeit und Empathie, die Verbindung von Humor und Tiefgang, seine Mitmenschlichkeit und Weltbejahung ohne jede Verharmlosung.»
AK: Das Desinteresse ist nicht so groß, wie es scheint: In den letzten Jahrzehnten hat sich eine Reihe von Germanisten immer wieder intensiv mit dem Werk von Matthias Claudius befasst. Zugegeben: das ist nur eine Handvoll gemessen an der Fülle von populären und oft betulichen Claudius-Darstellungen und im Vergleich zu den kaum noch zu übersehenden Forschungen über andere Autoren, etwa Goethe oder Kafka. Hier geht es Claudius nicht anders als anderen «kleineren Poeten» der Literaturgeschichte. Es interessieren sich für ihn aber auch andere Disziplinen. Es gibt ausgezeichnete theologische Arbeiten über ihn; er hat einen Platz in der Geschichte von Theologie und Frömmigkeit – das heißt, man kann sich ihm im Grunde nur fächerübergreifend annähern. Was in der Forschung bis auf wenige Ausnahmen bisher zu kurz kam, ist ein seriöser biographischer Zugang, der über die älteren erbaulichen Schriften hinausgeht. Biographien galten in der Literaturwissenschaft ja lange als unseriös. Möglicherweise stand im Fall von Claudius auch das überlieferte Klischeebild des frommen Idyllikers und Familienvaters einem größeren Interesse im Wege.
GM: Was hat Sie letztlich bewogen, sich dieses Autors anzunehmen?
AK: Claudius hat mich seit meinem Studium immer wieder begleitet und beschäftigt. In seinen gelungenen Stücken (daneben gibt es durchaus auch Schwächeres) ist er einer der großen Meister unserer Sprache und der kleinen Form. Mich hat auch der dahinter zu spürende Mensch angesprochen, das Lakonische, seine Nüchternheit, die gleichzeitige Herzlichkeit und Empathie, die Verbindung von Humor und Tiefgang, seine Mitmenschlichkeit und Weltbejahung ohne jede Verharmlosung. Er hat unsere Hilflosigkeit angesichts des Todes erfahren und dargestellt. Und es hat mich gereizt, seiner «Mischung von Schöngeisterei und Religion», so beschreibt er die «Idiosynkrasie des Boten», nachzugehen. Das ist nicht zu verwechseln mit der Vorstellung von der ästhetischen Autonomie des Kunstwerks, wie sie die Klassiker zur gleichen Zeit entwickelten. Claudius beharrt auf dem Vorrang der Realität vor aller Kunst, was vielleicht erst heute, nach dem Ende des Zeitalters der Kunstreligion, wieder als künstlerische Möglichkeit neu gesehen werden kann.
GM: An einer Stelle schreiben Sie, dass in der «Verflechtung mit seinem Zeitalter … Claudius’ Eigenart sichtbar» wird. Welches war die «Eigenart» von Matthias Claudius?
AK: Ich habe sie u.a. mit dem Begriffspaar «Eigensinn und Geselligkeit» zu fassen gesucht. Er war weder im Leben noch im Schreiben der isolierte Außenseiter, als den ihn die Literaturwissenschaft lange geführt hat, er hatte Freunde, war gut vernetzt, aber er hat auch – im Dialog mit den Zeitgenossen – immer eine eigene Position zu behaupten gesucht und dem Zeitgeist auch widersprochen. Das wird deutlich, wenn man die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts nicht nur als Goethezeit betrachtet, sondern den jeweils lokalen Besonderheiten nachgeht.
GM: Sie haben in diesem Buch einerseits mit Legenden aufgeräumt, andererseits von «Leerstellen» in der Claudius-Biographie gesprochen. Ist die Forschung über Claudius noch nicht am Ende?
AK: Mit Sicherheit nicht. Es lässt sich bestimmt noch eine Menge entdecken. Einerseits ganz positivistisch faktenbezogen. Ich denke, dass mit der wissenschaftlichen Edition der Briefe von und an Matthias Claudius, an der unter der Leitung von Professor Jörg-Ulrich Fechner in Bochum gearbeitet wird, noch das eine oder andere ans Licht kommen dürfte, manches wird mögicherweise auch in anderem Licht erscheinen. Ich musste mich noch weitgehend mit der unzulänglichen Briefausgabe von 1938 behelfen. Andererseits geht es ohnehin nicht in erster Linie darum, Lücken in der biographischen Überlieferung zu schließen, manche «weiße Flecken» werden bleiben. Vielmehr sind die Claudius-Texte selbst immer noch einmal genau zu lesen, genauer zu entziffern und im Kontext der Zeit zu deuten. Das habe ich versucht, aber damit kommt man nicht so schnell ans Ende. Das Genre Biographie eignet sich auch nicht als Container für alle Forschungsfragen und -ergebnisse. Schließlich sollte mein Buch nicht allzu dick werden. Und dann wird auch jeder Forscher, jede Epoche wieder andere Fragen an den Autor stellen und einen neuen Zugang finden.
GM: Mit der Ausgabe der «Sämtlichen Werke des Wandsbecker Bothen» hat Matthias Claudius ein einzigartiges Werk geschrieben. Wie ist dieses Werk zu klassifizieren, wo hat es seinen Platz in der Literaturgeschichte?
AK: Ich denke, das müsste aus meinen bisherigen Antworten schon hervorgehen.
GM: In Zusammenhang mit Claudius ist auch einmal von einem «sokratischen Schriftsteller» die Rede. Ist das eine weitere der vielen Facetten, die diese Autor hat?
AK: Das 18. Jahrhundert ist das «sokratische Jahrhundert» genannt worden. Die kirchliche Orthodoxie verdammte Sokrates als Heiden und sprach ihm jede Tugend ab, für die Aufklärer war er eine Symbolfigur im Kampf um Toleranz. In diesem Sinn ergreift auch Claudius Partei für Sokrates. Der Philosoph mit seinem «Ich weiß, dass ich nichts weiß» war auch für ihn ein Gewährsmann in seiner Wendung gegen Pedanterie und abstrakte Gelehrsamkeit. Seine Verehrung geht aber darüber hinaus. Der Sokrates, der in Athen vor Gericht stand und zum Tode verurteilt wurde, war ihm ein Vorbild innerer, religiös verstandener Freiheit.
GM: Was kann Matthias Claudius dem Leser von heute sagen? Kann er dem Leser von heute überhaupt noch etwas sagen?
AK: In vielem sind uns Claudius’ politische Ansichten, seine Lebensform heute fremd, gerade in dem, was z.B. das Bürgertum des 19. Jahrhunderts an ihm schätzte. Wir können die restaurativen Tendenzen seines Spätwerks nicht mehr nachvollziehen. Er ist weder der Dichter zeitloser Wahrheiten noch lässt er sich krampfhaft aktualisieren. Das ist aber auch gar nicht nötig – es gibt viele Züge, in denen wir uns zu diesem Menschen und Schriftsteller in Beziehung setzen, uns ihm annähern können, ohne uns identifizieren zu müssen. Er spricht auf anrührende und einfache Weise von den elementaren Gegebenheiten des Menschenlebens, von den Schönheiten der Natur, von der Vergänglichkeit und den ungelösten Fragen des Daseins und kann uns ermutigen, das zu suchen, was auch ihm wichtig war: «etwas Eigenes», das standhält.
GM: Einige wenige Menschen kennen bestenfalls die erste Strophe des berühmten «Der Mond ist aufgegangen…» und vielleicht noch den Schlussvers. Oder aber den Vers, von dem kaum einer weiß, dass «’s ist leider Krieg – und ich begehre / Nicht schuld daran zu sein!» von Claudius ist. Sollte dieser Dichter nicht wieder im Deutschunterricht von heute seinen Platz finden?
AK: Ich weiß nicht, ob er wirklich so ganz aus dem Deutschunterricht verschwunden ist. Das «Kriegslied» kommt, wie ich höre, durchaus vor. Und gerade hat mir jemand von einer Schulveranstaltung erzählt, bei der Claudius’ Gedicht «Die Sternseherin Lise» rezitiert wurde. Wichtig finde ich, dass die Schule beides vermittelt: die wunderbaren Texte und das Gefühl für die Zeit und die Person des Dichters. ■
.
.
.













leave a comment