Glarean Magazin

Interessante Musik-Novitäten – kurz vorgestellt

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Katharina Apostolidis: «Buntes Geigenwunderland» Band 1

Musik-Rezensionen-Bosworth-Geigenwunderland1-Cover-Glarean-MagazinSelbstverständlich ist die neue Violinschule «Buntes Geigenwunderland» aus dem Hause Bosworth nicht die erste ihrer Art – Dutzende vergleichbarer, durchaus nutzbringender Anfänger-Werke sind im Handel erhältlich. Das neue «Geigenwunderland» für 5-9-jährige Schüler, dessen erster Band nun von Katharina Apostolidis präsentiert wird, besticht aber durch besonders sorgfältige und qualitätsvolle Auswahl sowohl seines musikalischen wie visuellen Materials und durch besonders kindgerechte Aufbereitung der Inhalte. Stichworte sind hier: Karten-, Gehör-, Bewegungs- und Würfelspiele, aber auch Notenrätsel, Malaufgaben, Improvisationsanregungen, Farbsaiten oder die Ton-für-Ton-Einführung der C-Skala. Dabei wird bewusst auf Bewegungsbeschreibungen und methodische Anmerkungen verzichtet; sie bleiben der Lehrperson überlassen. Weiteres Plus des sehr ästhetisch konzipierten Heftes: die beiliegende CD enthält die Stücke in einem betont langsamen Mitspiel-Tempo. Empfehlenswert. (we)

Katharina Apostolidis: Buntes Geigenwunderland / Band 1, Geigenschule für Kinder von 5-9 Jahren, 68 Seiten / mit CD, Bosworth Musikverlag, ISBN 978-3865437563 

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Contzen & Bredohl: Violin-Sonaten von Hindemith und Heucke

Musik-Rezensionen-CD-Contzen-Bredohl-Hindemith-Heucke-Cover-Glarean-MagazinImmer wieder finden sich – trotz enormem Spar- bzw. Kostendruck und schwindender Umsätze im Klassik-CD-Markt – innovative musikalische Spitzenkräfte ihres Faches, die sich unbekannter bzw. sperriger Literatur abseits des Geschmack-Mainstreams annehmen. So auch die Violinistin Mirijam Contzen und der Dortmunder Pianist Tobias Bredohl, die sich in ihrer jüngsten Einspielung den beiden Hindemith-Sonaten in Es- und E-Dur, v.a. aber zwei Violin-Sonaten des bedeutenden baden-württembergischen Komponisten Stefan Heucke (geb. 1959) widmen. Vor allem letzteres ist eine besonders verdienstvolle Anstrengung der zwei renommierten Solisten: Heuckes Oeuvre gehört unbedingt vermehrt in die CD-Regale, denn trotz editorischer Anstrengungen seines Verlegers Schott ist das bereits ebenso umfangreiche wie vielfältige Schaffen dieses innovativen zeitgenössischen Komponisten noch nicht in gebührender Präsenz eingespielt. Hörenswert.(we)

Mirijam Contzen, Tobias Bredohl: Violin-Sonaten von Paul Hindemith und Stefan Heucke, 61 Minuten, Classic Clips (Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit)

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Weitere Musik-Rezensionen im Glarean Magazin

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Eva-Maria Neumann: «Geigenschule» für Kinder

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Didaktisch interessanter Violin-Unterricht

Walter Eigenmann

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neumann-geigenschule01.jpgGeigenschulen gibt es, nach ein paar Jahrhunderten abendländischer Kunstmusik, mittlerweile wie Sand am Meer (oder Saiten auf der Welt). Und doch fällt findigen Experten (bzw. Musik-Verlagen) immer wieder Neues ein zu jenem Instrument, von dem zwar «der Himmel voll hängt», aber das auch solche «Teufel» wie z.B. Paganini virtuos «traktierten».

Zu jenen PädagogInnen, welche didaktisch unausgetretene Wege für junge Musik-Sprösslinge und deren Geigen-Wunsch bahnen, gehört offenbar die Aachener Violinistin und Orchester-Musikerin Eva-Maria Neumann. Die bekannte Musikerlehrerin (und autobiographische Schriftstellerin) Neumann legt das erste Heft ihrer «Geigenschule für Kinder im Einzel- und Gruppenunterricht» vor. Es umfasst alle thematischen Schwerpunkte des typischen Violine-Anfänger-Spiels: Musik auf leeren Saiten, Fingersatz auf einer/mehreren Saiten, Dritte Lage oder Lagen-Wechsel, Anfänger-Bogentechniken u.a.

Nun kann man, wie zuweilen ehemalige GeigenschülerInnen noch als Erwachsene zu stöhnen pflegen, die oft schwierige Materie «Geigenunterricht» dezidiert akademisch darbieten – oder aber so wie diese neue Edition. Denn auf eine abwechslungsreiche, die kindliche Spiel- und Entdecker-Lust befriedigende Unterweisung legte Neumann sichtlich Wert: Die jungen Violinkünstler können musikalische Puzzles lösen, mit Klängen experimentieren, Texte und Titel selber erfinden oder sich gar an ersten Improvisationen versuchen. Dazu die Autorin: «Mein ganz besonderes Anliegen ist es, fantasievolles kreatives Gestalten mit einer fundierten technischen Ausbildung zu verbinden.»

Für die Motivationssteigerung des wöchentlichen Unterrichts hat Neumann weitgehend auf (die einst so vielgenutzten bzw. -gehassten) «Etüden» verzichtet und stattdessen konsequent auf zwei- bzw. mehrstimmiges Spielen von melodisch ausgeprägtem Liedmaterial gesetzt. Zudem sind sämtliche Stücke im Schüler-Lehrer-Duett ausführbar, für entsprechend ausgebildete PädagogInnen oder dann auch zum Konzertieren mit Zuzüger liegt als besonderes Highligt ein eigenes Klavier-Begleitheft bei. (Hingegen fehlt dieser Geigenschule jenes Medium, auf das der neuzeitliche Instrumentalunterricht immer häufiger zurückgreift, nämlich die Compact-Disk mit ihren spezifisch Möglichkeiten des häuslichen Playback-Spielens, Memorierens und Variierens.)

Äuβerlich kommt das neue Geigenheft betont «frisch-fröhlich-farbig» daher, ohne dass allerdings der Notentext seine Dominanz verloren hätte bzw. mit allzu üppigem Bildchen-Salat zugepinselt worden wäre. Der von Pia Eisenbarth witzig illustrierte Band ist vielmehr layouterisch locker-flüssig strukturiert, mit einem groβzügigen Notensatz, der auch für Lehrer-Notizen genügend Platz hält.

Alles in allem der Erföffnungsband einer abgerundeten, um das frühkindliche Geigenspiel verdienten Edition, die im Instrumentalunterricht jener Lehrerschaft, welche neuen pädagogischen Bestrebungen gegenüber aufgeschlossen ist, gewiss ihren Weg machen wird. ■

Eva-Maria Neumann: Geigenschule / Heft 1, Breitkopf & Deutscher Verlag für Musik, 124 Seiten, ISMN 200405590 / Heft 2

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