Glarean Magazin

Nico Bleutge: «Verdecktes Gelände» (Gedichte)

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Moderne Lyrik – mit Voraussetzungen

Bernd Giehl

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Nico Bleutge_Verdecktes Gelände_CoverWer schreibt heute eigentlich noch Naturgedichte? Ich muss gestehen: Ich bin nicht auf dem Laufenden. Jedes Jahr erscheinen so viele Lyrikbände, da kann man schon mal den Überblick verlieren – Sarah Kirsch fällt mir ein oder Wulf Kirsten, aber sonst? Gibt es auch noch jüngere Autoren, die die Natur zu ihrem Gegenstand wählen? Ich habe ein wenig im 25. Jahrbuch der Lyrik (S. Fischer 2007) geblättert. Ein paar habe ich im Teil von 1998 gefunden (Jürgen Becker, Friederike Mayröcker). Sonst: nicht viel. Naturlyrik scheint gerade nicht «in» zu sein. Dabei vereint dieser Band doch die Gedichte unterschiedlichster Autoren aus den Jahren 1979-2006.

Viele Gedichte Nico Bleutges handeln vom Erleben der Natur. Aber es ist keine idyllische Natur, sondern eine eher fremdartige, vom Menschen unter seine Herrschaft gezwungene, die Bleutge beschreibt:
«am ufer ankommen, wach/ unter dem schwelgeruch der flure, ruß-/ wasser, wandernder austritt, der sog/ lief langsam in sich zurück. keller / die nachhallten, gänge, einfach überwölbt, / von feuchte durchzogen, sie zeigte sich vorne, / bewegte sich im hintergrund, kaltluft drang nach, / infiltrierte die stufen, moos, die rohe verflechtung/ löste sich aus dem raum, löste sich auf im gehen/das schon innen war, wände verschwammen, zellen/ wuchsen in die gänge ein, porig, vertraut/ mit den fugen, ließen sie, ringsum verlängert / pflanzen austreiben, wuchernde blattformen/ führten tiefer ins ufer hinab.»

Nico Bleutge

Nico Bleutge (geb. 1972)

Bleutges Technik ist die der Überblendung. Bilder schieben sich ineinander. Da ist zum einen das Bild eines Bach- oder Seeufers und zum anderen das Bild eines alten bemoosten Kellergewölbes oder Kellergangs, und beide werden bis zur Ununterscheidbarkeit vermischt. An anderen Stellen beschreibt Bleutge nur Natur, aber er geht so nah heran, dass das Bild verschwimmt:
«wasser im sinn haben, steine, / das rundumlaufende licht/ auf den schichten des piers// meeresbeweglichkeit, kurzes/ sprühen, austausch von wärme/ und gewicht, denken an//
Witterung, kiemen, brüchiges/, holz, das sich ablöst, gleich/ wieder angesaugt wird//
von den pfosten am pier./ fischsilber, mölekulares/ glänzen, rohglas, zersplittert//
und doch aufgenommen, vermischt/ mit der entfernung zum hafen/ die masse durchdringt sich,  wasser//
in wasser, ein drängen so eins/ in sich, so unterschieden/ wie die steine, die gleiten, leicht//
ihre schuppen verlieren, sinken/ versenken zinkweiße strömung/ aus spannung und klang//
die nicht nachläßt/ sich formt/ im gedanken an flutwechsel, / dämmerungsdichte am hafen.»
Natur wie fotografiert vom Makroobjektiv. Der Pointillismus fällt mir ein, eine Strömung, die sich Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Impressionismus entwickelte, und dessen Bilder man nur erkennen kann, wenn man Abstand nimmt.
Aber keine Regel ohne Ausnahme. Es gibt auch andere Gedichte, die fast schon verständlich sind beim ersten Lesen. Gedichte, von denen man den Eindruck hat, man könne ihren Inhalt in eigenen Worten wiedergeben.(«die augen meiner Mutter waren hinter glas», S.36, «und manchmal nachts da geht der atem leise, S.40) Das sind dann keine Gedichte über die Natur, sondern über das eigene Bewusstsein.

Fazit-Rezensionen_Glarean Magazin

Die Gedichte Nico Bleutges handeln vom Erleben der Natur. Aber es ist keine idyllische Natur, sondern eine eher fremdartige, vom Menschen unter seine Herrschaft gezwungene, die Bleutge beschreibt. Komplexe Sprachgebilde, die gewisse Kenntnisse der modernen Literatur voraussetzen.

Gedichte, so habe ich es schon mehrfach behauptet, sagen nicht unmittelbar, was sie meinen, sondern sie sprechen in Bildern, und manchmal stellen sie ihre Leser auch vor Rätsel. So betrachtet sind diese Gedichte durchaus lesenswert. Allerdings sollte man schon eine Ahnung von moderner Lyrik haben, ehe man sich mit ihnen befasst… ▀

Nico Bleutge: Verdecktes Gelände, Lyrik, C.H. Beck Verlag, 68 Seiten, ISBN 978-3406646782

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K.-H. Wollscheid: «Theorie und Praxis der Interpretation ausgewählter Gedichte»

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Gute Lyrik-Einführung – mit einem Schuss Pedanterie

Bernd Giehl

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In einer älteren Buchbesprechung für dieses Magazin («Die Lyrik des Abendlands») habe ich mir eine Einführung in die Lyrik gewünscht, «in der (nicht nur jungen Lesern) erklärt wird, wie man lernt, Gedichte zu lesen, und was man (an Lebensqualität) damit gewinnt». Und nun liegt also ein Buch auf meinem Nachttisch, das diesen Wunsch einzulösen verspricht. «Theorie und Praxis der Interpretation ausgewählter Gedichte» heißt es und stammt von dem pensionierten Gymnasiallehrer Karl-Heinz Wollscheid.
Bleibt die Frage: Ist dies das Buch, das ich mir gewünscht habe? Gleich zu Anfang erklärt Wollscheid, er wolle jenes Wissen, das er in seiner Zeit als Deutschlehrer am Gymnasium erworben habe, an künftige Schüler weitergeben. Schüler der Oberstufe, die sich für Gedichte interessieren, sind also vor allem die Zielgruppe, für die dieses Buch geschrieben ist. Wollscheids Ziel ist es, Schüler und vermutlich auch andere Leser in die Lage zu versetzen, Gedichte sachgemäß zu interpretieren. Den Einwand, alle Interpretationen seien gleich gültig, den manche Postmodernen machen, will er dabei nicht gelten lassen. Nach seiner Auffassung gibt es so etwas wie die Intention eines Dichters, mit der er ein bestimmtes Gedicht schrieb, und der gilt es möglichst nahezukommen. Ganz lässt sich dieses Ziel nicht erreichen; das gibt auch Wollscheid zu, aber er glaubt, man könne dem Gemeinten durchaus nahekommen. Dazu müsse man zum einen Form und Inhalt eines Gedichts möglichst genau analysieren und zum anderen – vor allem bei älteren Gedichten – auch die Zeit, in der ein Gedicht entstanden ist, berücksichtigen.  Zur Form eine Gedichts rechnet Wollscheid das Versmaß (Jambus, Daktylus, Alexandriner usw.) den Rhythmus und den Reim.

Sachkundig, mit einem Hauch Pedanterie: Lyrik-Experte Wollscheid

Was mir zumindest im ersten Teil fehlt, das ist die Frage nach der Symbolik. Schon in der älteren, ganz bestimmt aber in der neueren Lyrik, die ohne Versmaß und Reim auskommt,  spielt die Bildsprache eine große Rolle. Für Wollscheid, der sich in diesem Buch fast ausschließlich mit älterer Lyrik (bis zum 19. Jahrhundert) beschäftigt und auch fast ausschließlich gereimte Gedichte bespricht, mag sie nicht so wichtig sein. Aber damit vergibt er sich auch eine wichtige Chance.  Womöglich möchte ein Schüler, der in der Schule oft nicht über Gedichte von Goethe und Schiller hinauskommt, auch einmal einen moderneren Autor kennenlernen. Moderne Gedichte leben nun einmal weniger von Reim und Versmaß (die meisten sind nicht gereimt), sondern sie sind geprägt vom Spiel mit den Worten, von Symbol und Metapher. Sie verweisen auf eine andere Ebene als das, was im Gedicht unmittelbar gesagt wird. Sicher ist das weniger gut zu fassen als Metrum und Reim, aber zumindest sollte man darauf aufmerksam machen. Und Anleitung geben, wie man von der wörtlichen Bedeutung eines Gedichts auf die darunter verborgen liegende Ebene kommt.

Karl-Heinz Wollscheids Buch «Theorie und Praxis der Interpretation ausgewählter Gedichte» ist eine gute Lyrik-Einführung - allerdings mit einem Schuss Pedanterie, die oft allzu stark Formales wie Reim, Versmaß oder Alliteration in den interpretatorischen Fokus hebt.

Im Praxis Teil, also in der Einzelinterpretation ausgesuchter Gedichte, tut Wollscheid das auch. Da erklärt er uns beispielsweise Gottfried August Bürgers Gedicht «Der Bauer», das im Untertitel die Widmung «An seinen Durchlauchtigen Tyrannen»trägt, als eine Anklage eines einfachen Mannes gegen seinen Fürsten, der in seinen Lebensgewohnheiten keine Rücksicht nimmt auf seinen Untertan, sondern dessen Lebensgrundlage rücksichtslos zerstört. Dazu zieht Wollscheid auch die Lebensumstände der Zeit des Absolutismus heran. Oder er schafft es, den Fluch-Charakter des Gedichts «Die schlesischen Weber» herauszuarbeiten, eines Gedichts, das zur Zeit der Industriellen Revolution entstanden ist. Auch hier ist der geschichtliche Hintergrund wichtig, obwohl man aus dem Gedicht selbst schon einiges über die extreme Armut der schlesischen Weber erfahren kann, die 1844 schließlich zum Aufstand gegen die Obrigkeit führte und blutig niedergeschlagen wurde.
Insgesamt sind Wollscheids Interpretationen gute Erklärungen der besprochenen Gedichte, und sie zeigen durchaus, wie man Gedichte interpretieren kann. Allerdings kann einem Wollscheids Pedanterie, sein ausführliches Eingehen auf das Versmaß, aber auch seine Behauptung, diese oder jene Alliteration – also die Häufung bestimmter Vokale in einer Zeile oder einer Strophe -, die er praktisch in jedem der besprochenen Gedichte findet, beweise das, was er vorher schon herausgefunden hat, gewaltig auf den Geist gehen. Sätze dieser Art findet man praktisch in jeder Gedichtinterpretation, und ich bezweifle stark ob der «betroffene» Autor das auch so sehen würde.
Wäre ich Deutschlehrer, machte ich gern ein Experiment: Ich würde meinen Schülern die eine oder andere Gedichtinterpretation von Wollscheid geben und sie dann fragen, ob sie damit etwas anfangen können. Ich vermute, dass sie ähnlich gespalten wären, wie ich es bin. Ich glaube jedenfalls, dass Wollscheids Buch vor allem denen etwas nützt, die sowieso schon ein starkes Interesse an Lyrik haben… ▀

Karl Heinz Wollscheid, Theorie und Praxis der Interpretation ausgewählter Gedichte, 246 Seiten, Rhombos Verlag, ISBN 978-3-941216-49-5

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Leseprobe

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Tobias Wolff: «Unsere Geschichte beginnt»

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«Alles wird gut…»

Bernd Giehl

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Keine Sorge, meine sehr verehrten Damen und Herren, die Atomkraft ist sicher. Vielleicht nicht in Japan, aber in Deutschland und ganz besonders in der Schweiz. Griechenland wird nicht bankrottgehen – und wenn doch, wird sich die Spekulation ganz bestimmt nicht gegen Irland oder Spanien richten, und wenn der Euro wider Erwarten doch die Flügel streckt, werden wir eben den Schweizer Franken als europäische Währung einführen. Ansonsten werden wir das Klima retten und die Wale natürlich auch. Sie sehen, es ist alles in bester Ordnung und nur noch eine Frage der Zeit, bis Libyen und Syrien Mitglieder der EU werden.

Nein, so schrill und wie Pfeifen im dunklen Wald klingen die Geschichten nicht, die Tobias Wolff erzählt. Auch ist die Lüge und der Selbstbetrug nicht so deutlich sichtbar wie in den Behauptungen, die ich eingangs aufgestellt habe. Aber in vielen Erzählungen von «Unsere Geschichte beginnt» geht es genau darum: Wie Menschen einer Gefahr ins Auge sehen und sie dann doch verdrängen. Wie sie in einem Moment der Hellsichtigkeit selbsterkennen und dann doch weiterleben, als wäre nichts geschehen. Sie machen sich etwas vor. Und darin gleichen sie uns.
Nur ist das alles sehr viel diskreter, als ich es gerade getan habe. Und wenn man sich von der ersten Geschichte dieses Bandes «Im Garten der nordamerikanischen Märtyrer» aufs Glatteis führen lässt, dann wird mancher sogar vehement bestreiten, dass es hier um Illusionen und Selbstbetrug geht. Denn Mary, die «Heldin» dieser Geschichte, eine abgehalfterte College Professorin, die auf der Suche nach einem neuen Job ist, verzichtet ja gerade auf die Lüge und erzählt dem Ausschuss, der sie einstellen soll, was dieser keinesfalls hören will. Aber sie weiß eben auch, dass sie sowieso keine Chance hat, sondern nur als Zählkandidatin fungiert.

Tobias Wolff

In den allermeisten anderen Geschichten des Bandes verhält es sich jedoch anders. In «Nebenan» werden Eheleute Zeugen häuslicher Gewalt in der Nachbarwohnung, ohne etwas dagegen zu tun. Stattdessen flüchtet zumindest der Mann sich in Tagträume – alles besser als die Realität, in der er lebt.  In der Geschichte «Im Zweifel für den Angeklagten» erlebt ein Amerikaner in Rom die extreme Armut im Auswanderer-Ghetto, wird ausgeraubt – und dennoch wird schon alles gut werden. Die Gesellschaft, für die er arbeitet und die er eigentlich verachtet, weil sie eigentlich nur schönen Schein produziert, wird ihm schon das Geld überweisen, das er braucht, um sein Hotel zu bezahlen. Es ist zwar alles nur Lüge und Illusion, aber es funktioniert, und das ist die Hauptsache. Ein Vater, der seinen verweichlichten Sohn zu einer Militärakademie bringt, damit endlich ein Mann aus ihm werde, spürt bei der Rückfahrt, dass es die falsche Entscheidung war, aber dann beruhigt er sich doch mit der Erkenntnis, dass das Leben ein Kampf sei und sein Sohn das eben lernen müsse («Nachtigall»).

Tobias Wolff ist in dem Erzählband «Unsere Geschichte beginnt» nicht nur ein guter Beobachter, sondern auch ein diskreter Erzähler. Jedenfalls erzählt er nicht mit erhobenem Zeigefinger. Seine Figuren sind nicht nur schwarz oder weiß. Und bei allem Selbstbetrug haben sie auch ihre guten Seiten...

Tobias Wolff ist nicht nur ein guter Beobachter, sondern auch ein diskreter Erzähler. Jedenfalls erzählt er nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Seine Figuren sind nicht nur schwarz oder weiß. Und bei allem Selbstbetrug haben sie auch ihre guten Seiten. Sie sind bestimmt gute Nachbarn und hilfsbereite Menschen. Sie passen sich an, haben Allerweltsgesichter, und sicher sind sie auch gute Staatsbürger, die pünktlich ihre Steuern zahlen. Und weil sie so sind, wie sie sind, geht eben alles seinen wohlgeordneten Gang. Sie sehen, meine Damen und Herren: Alles wird gut… ▀

Tobias Wolff, Unsere Geschichte beginnt, Erzählungen, 208 Seiten, Berlin Verlag, ISBN-13 9783827008527

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Vergessene Bücher (1): «Liebe Mutter…» von Margaret Millar

Posted in Bernd Giehl, Essays & Aufsätze, Literatur, Margaret Millar, Vergessene Bücher by Walter Eigenmann on 12. Juni 2011

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Der kalte Blick auf die Welt

Bernd Giehl

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«Sieh mal, Edith, unser Kopf ist doch wie ein Dschungel, ein dunkler, dichter Dschungel mit Millionen kleinen Pfaden, zu denen das Licht nie dringt. Man ahnt nichts von diesen Pfaden, bis auf einem von ihnen plötzlich etwas auftaucht. Und dann, Edith, versucht man, dieses Etwas zurückzuverfolgen, man verfolgt die Spuren und Fährten, man geht weit, sehr weit, und stellt am Ende doch wieder fest, daß der Pfad zu verschlungen ist, zu lichtlos, lautlos, zeitlos…» (Margaret Millar in «Das eiserne Tor», 1983, S. 67f.)

Originalausgabe erschienen 1955 unter dem Titel «Beast in View», deutsche Ausgabe erstmals 1967 bei Diogenes

Stellen Sie sich den Autor dieses Beitrags ruhig als alten Mann vor. Mit Baskenmütze auf dem Kopf und in abgewetzter Cordhose, die schon vor zehn Jahren unmodern war. Dazu vielleicht ein Jackett in Hahnentrittmuster. Und einer Krawatte natürlich, Krawatte muss sein. Und jetzt stellen Sie sich diesen Autor vor, wie er durch eines dieser modernen Buchkaufhäuser geht und an dem Tisch stehenbleibt, auf dem die Ratgeberliteratur inklusive der Kochbücher liegen und sich vorstellt, worüber er sein nächstes Buch schreiben wird («Durch indisches Kochen zum besseren Selbst»), wie er dann am Tisch mit den Bestsellerautoren vorbeigeht, schließlich am Belletristik-Regal stehenbleibt und nach dem einen oder anderen Buch Ausschau hält, das leider noch nicht in seinem Bücherregal steht. Nach den Werken von Margaret Millar zum Beispiel. Kein Buch von ihr zu finden. Er tritt an die «Information» und fragt nach ihr. Die Buchhändlerin sieht im Netz nach und bedauert: kein Buch dieser Autorin lieferbar. «Vielleicht versuchen Sie es mal im Modernen Antiquariat», sagt sie zum Abschied. Dort kauft er dann ein Diogenes Bändchen dieser Autorin für 2 Euro. Ziemlich vergilbt, etwas zerfleddert, aber es erfüllt seinen Zweck.

Ob sich in 20 Jahren wohl noch irgend jemand an Margaret Millar erinnern kann? Das war doch… Ja, ganz richtig. 14 Romane und zwei Bände mit Erzählungen dieser Autorin stehen auf einer Liste im Anhang des Bandes «Ein Fremder liegt in meinem Grab» (Diogenes Verlag 1997). Selbst bei «Amazon» sind derzeit nur noch zwei Exemplare dieses Buches gebraucht zu bekommen.
Nun ist Margaret Millar beileibe nicht die Einzige, der dieses Schicksal widerfährt. Weil die Buchproduktion heute so rasend schnell ist, und weil jedes Jahr Hunderttausende neuer Bücher herauskommen (genaue Zahlen siehe beim Börsenverein des deutschen Buchhandels), werden die Bücher älterer Autoren auch schnell zu Altpapier verwandelt. Wer es nicht bis in den Olymp der Klassiker geschafft hat (und wer schafft das schon?), der ist bald nicht mehr dabei. Der wird aussortiert, gestrichen, verramscht. Selbst Autoren, die einmal sehr bekannt waren, trifft dieses Schicksal. Oder kennt jemand noch Hanns Henny Jahnns Riesenroman «Fluss ohne Ufer»? Oder gar seinen «Perrudja»?

Margaret Millar (1915-1994)

Nun ist es sicher sehr viel schwieriger zu erklären, warum Hanns Henny Jahnn es nicht bis auf den Olymp geschafft hat. Für Margaret Millar ist die Erklärung einfacher. Millars Romane erzählen von einer tief verstörenden Welt, aber das hat sich nicht bis in die Form ihrer Bücher durchgefressen. Und genau das werden die Snobs des deutschen Literaturbetriebs ihr vorwerfen. Falls sie sich überhaupt so viel Mühe machen und nicht vielmehr sich mit der Erklärung begnügen, Krimiautoren schrieben nun einmal Bücher, die man nicht ernst nehmen müsse. Thomas Pynchon springt in «Gegen den Tag» von einer Geschichte zur nächsten, und wer nicht ein außergewöhnlich gutes Gedächtnis hat, der wird sich irgendwann verzweifelt fragen, wer Merle Rideout oder Lew Basnight doch noch war, oder wie all diese Geschichten eigentlich zusammengehören. Roberto Bolanos Roman «2666» erzählt ebenfalls Geschichten, von denen man sich irgendwann verzweifelt fragt, was sie eigentlich zusammenhält. Im Mittelpunkt steht eine Mordserie an Hunderten von Prostituierten (und der Autor schildert sie Fall für Fall ab, als wäre er Mitglied der Sonderkommission zur Aufklärung dieser Morde). Stumpf, den Leser ermüdend und ohne jede innere Beteiligung. Mit den fast immer gleichen Worten. Vermutlich wollte er mit «2666» beweisen, dass die Welt sinnlos ist. Diese Sinnlosigkeit ist bis in die Form hinein zu spüren.
Das ist bei Millar deutlich anders. Nicht etwa, dass ihre Kriminalromane nicht auch so etwas wie einen experimentellen Charakter hätten, aber der steht nicht so im Vordergrund wie bei den genannten Autoren der Postmoderne. Man muss ihre Romane nicht einmal selbst zusammenbauen wie bei Italo Calvinos «Wenn ein Reisender in einer Winternacht…»
Erstaunlicherweise haben die hochexperimentellen Romane von Pynchon oder Bolano gerade Konjunktur. Womöglich möchte sich der intellektuelle Bohemien von den genannten Autoren ja bestätigen lassen, dass die Welt, so wie wir sie gerade erleben, sinnlos ist. Und wer nach dem Lesen von Bolanos «2666» immer noch nicht genug hat, wer also immer noch einen Funken Hoffnung oder gar Lebensfreude in sich spürt, der kann ja noch David Foster Wallace «Infinite Jest» lesen, zu Juli Zehs «Spieltrieb» greifen oder zu Helene Hegemann, diesem altklugen Kind, das mit 16 glaubt, schon mehr erlebt zu haben als andere mit 50 Jahren.

Originaltitel von Millars «Beast in View» in der TV-Serie «The Alfred Hitchcock Hour»

Die Romane von Margaret Millar funktionieren anders. Sie sind zwar tief verstörend, aber am Ende kann sich zumindest ein Gefühl von «Sinn» einstellen. So paranoid das eine oder andere ihrer Bücher auch sein mag, so gibt die Autorin doch zumindest eine Erklärung für das, was geschehen ist. Sie verweigert sich nicht wie Pynchon und sie lässt den Leser auch nicht mit seinen Fragen allein wie Bolano. Wer mag, kann das altmodisch finden und meinen, es passe nicht mehr in die Zeit. Dennoch ziehe ich persönlich ihre Romane der obengenannten Literatur vor. Vielleicht hat das ja auch damit zu tun, dass ich mir nicht die allerletzte Hoffnung rauben lassen möchte.
Parallelen? Ich denke, einige Romane von Patricia Highsmith oder Paul Auster haben eine ähnliche Thematik und arbeiten mit ähnlichen Mitteln. Alle drei experimentieren mit dem Unbewussten, dem Zufall und dem Schrecken, der aus all dem entstehen kann. Nur dass Margaret Millar (1915-1994) lange nicht so bekannt ist wie Patricia Highsmith, die im gleichen Zeitraum lebte (1921-1995), und obwohl beide doch ganz ähnliche Themen behandeln, auch ihr Stil Ähnlichkeiten aufweist. Ganz zu schweigen von Alfred Hitchcock, der zwar keine Bücher schrieb, dafür aber Filme drehte, die mit filmischen Mitteln eine ganz ähnliche Welt zeigen. Übrigens hat Hitchcock auch Romane der Highsmith verfilmt (z.B. «Zwei Fremde im Zug»), Margaret Millar dagegen ist dieses Glück nur ausnahmsweise zuteil geworden. Wer weiß, ob sie andernfalls nicht viel präsenter im kulturellen Gedächtnis wäre.

Margaret Millar war verheiratet mit Kenneth Millar, besser bekannt unter dem Pseudonym Ross Macdonald, dem Verfasser einiger «hartgesottener Kriminalromane» mit dem Privatdetektiv Lew Archer. Übrigens legte sich ihr Ehemann seinerzeit den Künstlernamen zu, weil seine Frau damals sehr viel erfolgreicher war als er selbst. Nicht immer wollen Männer im Schatten ihrer Frau stehen. Heute dagegen steht Margaret Millar in seinem Schatten.  Manchmal ist das Leben ungerecht.
Aber natürlich hat unsere Autorin das gewusst. Womöglich hätte sie sich sogar darüber amüsiert. Sie kannte die Menschen. Wahrscheinlich besser, als die meisten sich selbst kennen. Margaret Millar hatte den kalten Blick auf die Welt, den nicht gar so viele Autoren besitzen. Ich glaube nicht, dass sie die Menschen liebte. Dafür sind ihre Romane zu boshaft geschrieben. Es wäre reizvoll, eine Biographie über sie zu lesen, aber wenn es eine gibt, dann kenne ich sie nicht.

Prominente Konkurrentin und Millar-Zeitgenossin: Die 21-jährige Patricia Highsmith

Auf jeden Fall wäre es reizvoll zu wissen, welchen Unterschied es gibt zwischen ihrem Leben und ihren literarischen Ideen.
Denn die haben es in sich. Gleich mit den ersten Sätzen erzeugt sie eine Spannung, die bis zur letzten Seite anhält. «Die Stimme war sanft, beinahe lächelnd: ‚Ist dort Miss Clarvoe?‘
‚Ja.‘
‚Wissen Sie, wer da spricht?‘
‚Nein.‘
‚Eine Freundin.‘
‚Ich habe unzählige Freundinnen‘, log Miss Clarvoe…
‚Wir haben uns schon lange nicht mehr gesehen‘, sagte die Stimme. ‚Trotzdem habe ich Sie immer irgendwie im Auge behalten. Ich habe nämlich eine Kristallkugel.‘»
Mit diesen Worten beginnt der Roman «Liebe Mutter, es geht mir gut…»
Helen Clarvoe kennt die Anruferin nicht, und gerade das beunruhigt sie. Allerdings kann man bei ihrer Aussage, sie kenne Evelyn Merrick nicht, zweifeln, denn gleich auf der ersten Seite charakterisiert die (allwissende) Erzählerin Miss Clarvoe als professionelle Lügnerin.
Eine alte Jungfer von 30 Jahren als Heldin eines Romans, noch dazu eine, die schon ganz am Anfang als kalt, verschlossen und vom Leben enttäuscht geschildert wird; wem könnte das sonst noch einfallen? Unsympathischer als Helen Clarvoe kann man eigentlich nicht mehr sein. Mit wenigen Sätzen kann Millar ihre «Heldin» charakterisieren. Nicht einmal Patricia Highsmith hat so eine Person in den Mittelpunkt ihrer Romane gestellt. (Aber die hatte natürlich auch ihre Gründe.) Nachdem sie sich bei der Telefonistin, die die Anrufe im Apartmenthaus, in dem sie wohnt, nach der Anruferin erkundigt hat, wird Miss C. mit folgenden Worten beschrieben: «Miss Clarvoe hängte ab. Sie wußte, wie man mit June und ihresgleichen umzugehen hatte. Man hängte ab. Man unterbrach die Verbindung. Was Miss Clarvoe sich nicht klarmachte, war, daß sie in ihrem Leben bereits zu viele Verbindungen unterbrochen hatte. Sie hatte zu oft, zu schnell und schon bei zu vielen Menschen abgehängt. Jetzt, mit Dreißig, war sie allein.» (S. 10) Nicht nur Evelyn Merrick besitzt eine Kristallkugel, in der sie die Clarvoe beobachtet.
Wer aber nun glaubt, dass Helen Clarvoe die einzige ist, die von ihrer Schöpferin mit jenem eiskaltem Blick beobachtet wird, der täuscht sich. June, die Telefonistin, ist beschwipst, als sie zu Miss Clarvoe geht, weil die sie darum gebeten hat. Und den Sherry, den ihre Gastgeberin ihr anbietet, schlägt sie natürlich auch nicht aus. Womöglich ist das Leben nur noch betrunken zu ertragen, selbst wenn man keine Drohanrufe von einer angeblichen Freundin erhält. Mr. Blackshear, ihr Vermögensverwalter, den die Clarvoe um Hilfe angeht, ist 50 Jahre alt, und für ihn hat «der Winter der Leere eingesetzt, und dort, wo einmal etwas in seinem Inneren zerbrochen war, hatte sich Frost gebildet.» (S. 20) Eigentlich, so denkt man, kann nichts mehr passieren, was diese Herrschaften aus ihrer Erstarrung herausholen könnte.  Dass es aber dennoch passiert ist, nicht die geringste aller Künste, die Margaret Millar beherrscht.

Im Gegensatz zur Ehefrau weltberühmt geworden: Krimi-Autor Kenneth Millar alias Ross MacDonald

Doch dazu bedarf es nun eines Raums, den die Autorin schafft. Und dieser Raum, man kann es nicht anders sagen, ist klaustrophobisch. Man bekommt Luftnot, wenn man sich zu lang in ihm aufhält. Vermutlich kann man diesen Raum nicht unbedingt «realistisch» nennen, aber Autoren – Autorinnen sind selbstverständlich immer mit gemeint – schaffen nun einmal ihr eigenes Universum. Selbst wenn man sich verbarrikadiert, wie Helen Clarvoe es spätestens nach dem Anruf von Evelyn Merrick tut, gibt es immer noch das Telefon, das einen mit der Außenwelt verbindet. Oder die inneren Stimmen, die einen nicht in Ruhe lassen.
Aber selbst wenn auch die schweigen, gibt es da ja noch Evelyn Merrick, die mit ihren Anrufen und Andeutungen, die leider oft genug auf Wahrheit beruhen, einen Menschen jagen und schließlich sogar in den Tod treiben kann. Es ist nicht nur Helen Clarvoe, auf die sie es abgesehen hat. Ihr Hass reicht tiefer. Sie macht ein paar gehässige Bemerkungen über Douglas, Helens jüngeren Bruder, gegenüber Mrs. Clarvoe; enthüllt dabei der Mutter Douglas‘ Homosexualität, die er bis dahin erfolgreich verbergen konnte, und treibt den jungen Mann damit in den Tod. Was im Jahr 2011, wo zumindest in Deutschland viele sich offen zu ihrer Homosexualität bekennen, ziemlich unwahrscheinlich klingt, ist im prüden Amerika der fünfziger oder sechziger Jahre durchaus vorstellbar. Nur ein einziges Mal greift Miss Merrick selbst zur Waffe; in den anderen Fällen treibt sie ihre Opfer allein durch ihre Worte in den Tod. Und am Ende passiert das, was passieren muss: Evelyn Merrick und Helen Clarvoe verschmelzen zu einer einzigen Person, und das ist dann auch das Ende.

Es ist eine abgeschlossene Welt, in der alles seinen gnadenlosen Gang geht. Und die Hauptfiguren sind entweder hysterisch wie Helen Clarvoe oder paranoid. Das ist übrigens auch ein Kennzeichen der anderen Romane von Margaret Millar, jedenfalls, soweit ich sie kenne. Es sind nicht die normalen Menschen, an denen die Millar interessiert war. Eher schon die, die aus der Norm herausfallen. Menschen, die sich verfolgt fühlen oder die die Realität verdrängen und sich in eine Scheinwelt flüchten. Menschen also, die eher schwach sind.
Interessant ist schließlich auch, dass ihre Hauptfiguren alle weiblich sind. Jedenfalls trifft das für die Romane zu, die ich gelesen habe, also «Liebe Mutter, es geht mir gut», «Ein Fremder liegt in meinem Grab», «Von hier an wird’s gefährlich», «Die Feindin» und «Das eiserne Tor». Die Männer, denen man in ihren Romanen begegnet, sind dagegen eher sympathisch gezeichnet. Sie sind hilfsbereit wie Mr. Blackshear, der Freund von Miss Clarvoe oder wie Ralph MacPherson, der Anwalt, der Mrs. Oakley, eine der Hauptfiguren aus «Die Feindin» immer wieder in die Realität zurückholt. Sie mögen schwach sein, wie Charlie Gowen, (ebenfalls eine wichtige Figur in der «Feindin»), aber selbst ihre Weltfremdheit hat etwas seltsam Sympathisches.  Ob Margaret Millar eine Weiberhasserin war? Aus ihren Romanen könnte man es zumindest herauslesen.

Original-Cover der amerikanischen Bantam-Ausgabe von Millars «Beast in View» (1955/56)

Dennoch ist der Kosmos, den sie mit ihren Worten erschafft, anders als jene von beispielsweise Kafka, immer noch die Welt, die wir kennen. Er ist angesiedelt in der amerikanischen Mittelschicht der fünfziger und sechziger Jahre, und die Details sind liebevoll beschrieben und damit wiedererkennbar. Hin und wieder entsteht gerade aus der Schwäche der Hauptfiguren die Bedrohung. Es sind nicht die Starken, die die Welt bedrohlich machen, sondern die Schwachen. Das gilt vielleicht weniger für Helen Clarvoe, die nur noch flieht, wohl aber für Mrs. Oakley, die Hysterikerin aus «Die Feindin», und ebenso auch für Charlie Gower, der ebenfalls eine wichtige Rolle in der «Feindin» spielt.
Wer sehen möchte, mit welch unterschiedlichen Mitteln Margaret Millar eine Welt der Angst aufbauen kann, der lese nacheinander «Liebe Mutter, mir geht es gut» und «Die Feindin». In «Liebe Mutter» gibt es nur Helen Clarvoe als Fokus, und der Aufbau der Bedrohung passiert schnell. In der «Feindin» wechselt der Fokus immer wieder von Kate Oakley, die sich vor ihrem (getrennt von ihr lebenden) Mann fürchtet und deren Angst geradezu hysterisch ist, zu Jessie Brant und Mary Martha Oakley, zwei neunjährigen Kindern, die befreundet sind, zu Charlie Gower, der eine Schwäche für Kinder hat, dann zu Virginia und Howard Arlington, einem Ehepaar im beginnenden Kriegszustand, der wiederum durch Virginias Liebe zu Jessie ausgelöst wird. Die Spannung ist subtiler, und lange fragt der Leser sich, welche der Personen denn nun die Katastrophe auslösen wird, die bei Margaret Millar unweigerlich am Ende stehen wird. Und natürlich ist es wieder anders, als man es sich gedacht hat. Aber das kennt man ja aus fast jedem Krimi.
Eine solche Welt, bedrohlich, tückisch und doch zumindest halbwegs realistisch, kenne ich eigentlich nur noch aus einigen Romanen der Highsmith, aus den Krimis von Barbara Vine oder aus Paul Austers «Leviathan».

... ist eine Essay-Reihe, in der das Glarean Magazin wöchentlich Werke vorstellt, die vom kultur-medialen Mainstream links liegengelassen oder überhaupt von der «offiziellen» Literaturgeschichte ignoriert werden, aber nichtsdestoweniger von literarischer Bedeutung sind über alle modische Aktualität hinaus. Die Autoren der Reihe pflegen einen betont subjektiven Zugang zu ihrem jeweiligen Gegenstand und wollen weniger belehren als vielmehr erinnern und interessieren.

Kürzlich las ich in der «Zeit» eine Reportage über eine Reise zu den Foltergefängnissen der Roten Khmer, die von 1975-1979 Kambodscha regierten und zugrunde richteten. Der Artikel ist aus Anlass des ersten Prozesses eines internationalen Gerichtshofs über ein Mitglied der Roten Khmer geschrieben. Auch wer sich nicht mehr an diese Zeit erinnert, vielleicht weil er zu jung ist, wird aus dem Artikel von Susanne Mayer «Spuren des Schmerzes» («Die Zeit», Nr. 29 vom 15. Juli 2010, S. 46/47) das Grauen lernen können. Auf einer Tafel in einem Foltergefängnis, das Susanne Mayer besucht hat, steht der Satz: «Während der Elektroschocks ist es verboten zu schreien.»
Mag sein, dass es irgendwann einen Roman über die Herrschaft der Khmer Rouge in Kambodscha geben wird. Womöglich wird er ja ins Deutsche übersetzt. Zwar hat Adorno seinerzeit behauptet, nach Auschwitz Gedichte zu schreiben sei unmöglich, aber es gab nicht nur Gedichte nach Auschwitz; es gab sogar welche über das Unsagbare. Paul Celan hat sie geschrieben. Und Primo Levi hat einen Roman über die Vernichtungslager geschrieben; Elie Wiesel oder Wieslaw Kielar haben aus ihrer eigenen Erfahrung über die Vernichtungslager geschrieben. Womöglich gibt es kein Grauen, das nicht irgendwann einmal literarisch verarbeitet wird. Einzig die Zeit, die vergehen muss, bis ein solches Geschehen seinen Weg in die Welt des Romans findet, spielt eine gewisse Rolle. Es dauert eben, bis man die nötige Distanz hat, das Entsetzen in Worte zu fassen. Aber falls je ein Roman über die Herrschaft der Khmer Rouge erscheinen wird, glaube ich nicht, dass ich ihn lesen werde. Es gibt ein Leid, das ich mir gern ersparen möchte. Obwohl ich andererseits auch verstehe, wenn ein Betroffener dieses Leid durch das Schreiben eines Romans «verarbeiten» will.

Dennoch sind mir offensichtlich fiktive Werke wie die Romane von Margaret Millar lieber. Sie spielen mit meinen Ängsten, aber sie überschreiten die Grenze nicht. Sie respektieren den Schutzraum, den das Individuum braucht, um zu überleben.
Näher möchte ich eigentlich nicht mehr heran. Das ist der Unterschied zwischen Margaret Millar und – pars pro toto – Roberto Bolano. Womöglich kann man mit ebensolchem Recht sagen: Die Welt ist nun einmal grausam, und wir sind so abgestumpft, dass nur noch neue Formen uns aus unserer Lethargie reißen können. Außerdem entspricht das Abbild, das Bolano, Pynchon und tutti quanti von der Welt liefern, viel eher der modernen Erfahrung des Ausgeliefert-Seins an anonyme Mächte, die wir kaum noch erkennen, geschweige denn beschreiben können, als die Romane von Margaret Millar, wo die Bedrohung von einem Individuum ausgeht, dessen Namen man kennt, und dessen Motive nach und nach sichtbar werden. Und selbst wenn es die Bewohner der Kleinstadt sind, die einen wie Charlie Gowen aus der «Feindin» immer mehr einkreisen, so «kennt» man doch als Leser die Namen und Gesichter.
Man kann also sagen: die Romane von Bolano, Pynchon, Zeh oder der anderen Shooting Stars der Postmoderne entsprechen viel eher der heutigen Lebenserfahrung. Sie bilden die Wirklichkeit von heute viel besser ab als eine Margaret Millar. Ich würde dieser These nicht einmal widersprechen wollen. Dennoch ziehe ich Margaret Millar vor und verweise auf den Anfang dieses Essays:. Ein bisschen Distanz halte ich für angebracht. Selbst wenn das altmodisch klingen sollte.

Noch ein Wort zur Übersetzung: «Liebe Mutter, es geht mir gut» ist 1955 in New York auf Englisch erschienen und 1967 von Elizabeth Gilbert übersetzt worden. Die Sprache erscheint oft gestelzt. «Miss Hudsons Büro war kunstvoll der Werbung neuer Schülerinnen angepaßt.» (S. 47) Eine Telefonistin gibt keinen Anruf durch; sie stellt ihn durch. Ich wüsste auch niemanden, der «abhängt», wenn er ein Telefonat beendet; die meisten legen auf. Letzteres liefert einen Hinweis auf die Muttersprache der Übersetzerin, falls das der Vorname nicht schon getan hat. »She hung up» heißt es im Englischen, wenn eine Frau das Telefon auflegt. Elizabeth Gilberts Muttersprache ist vermutlich Englisch, aber zumindest hätte ein Lektor oder eine Lektorin noch einmal über den Text schauen können. Auch in anderen Romanen von Margaret Millar, die sie übersetzt hat, habe ich ungewöhnliche Redewendungen und Stilblüten gefunden. Falls also Margaret Millars Romane noch einmal aufgelegt werden, was ich sehr hoffe, dann sollten sie möglichst auch gleich neu übersetzt werden. ●

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Bernd Giehl

Geb. 1953 in Marienberg/D, Studium der Theologie in Marburg, zahlreiche schriftstellerische und theologische Publikationen, lebt als evang. Pfarrer in Nauheim

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Armin Mueller-Stahl: «Die Jahre werden schneller»

Posted in Armin Müller-Stahl, Bernd Giehl, Buch-Rezension, Literatur, Literatur-Rezensionen, Lyrik, Rezensionen by Walter Eigenmann on 3. Februar 2011

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Vom Nonsens bis zur Altersweisheit

Bernd Giehl

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Da könnte man ja richtig neidisch werden. Ja natürlich; Neid ist etwas für kleine Geister zu denen man sich selbstverständlich nicht zählt, bei all den Begabungen die man hat und bei all dem, was man schon geleistet hat, Bücher in Miniauflagen veröffentlicht und Rezensionen geschrieben für «Glarean» und andere berühmte Magazine, ganz abgesehen davon, dass man ja auch schon so viele Jahre im Beruf seinen Mann gestanden hat, aber dann bekommt man das neue Buch von Armin Mueller-Stahl in die Hand, das man erst einmal nicht so ganz ernst nimmt, weil man ja schließlich weiß, der Mann ist Schauspieler und jeder Schauspieler, der etwas auf sich hält, schreibt ab und an auch ein Buch – muss man ja, weil schließlich nur der bleibt, der schreibt, und schließlich ist der Mann ja gerade achtzig geworden, da muss man ja was tun für den Nachruhm und die Nachrufe, aber dann blättert man in diesem Buch, liest sich fest und denkt, nanu, der kann ja noch mehr als nur den Kommissar Brockmöller in alten «Tatort»-Filmen spielen oder meinetwegen den alten Konsul in den «Buddenbrooks» – der kann ja tatsächlich Gedichte schreiben.

Schauspieler, Musiker, Maler, Schriftsteller: Hollywood-Star und Multitalent Armin Mueller-Stahl

Doch ja, das kann er. Wobei die Gedichte manchmal ein bisschen altmodisch wirken mit ihrer (sicherlich gekonnten) Reimstruktur. Nun könnte man ja sagen, seit ein paar Jahren ist Reimen wieder in, aber wie man an den Jahreszahlen sieht, die unter den Gedichten stehen, reimt Mueller-Stahl schon seit mehr als vierzig Jahren. Womöglich tut er das, weil er auch noch Musiker ist und vermutlich viele dieser Gedichte auch noch vertont hat.
Aber gut; Was an Tiefsinn fehlt, macht Mueller-Stahl mit Frechheit und Humor wett. Wunderschön, wie er die paffende Franziska entsorgt, indem er sie nachts, als sie schläft, in einen Umschlag steckt und in den Briefkasten wirft. Und wenn ihn doch einmal der Weltschmerz überfällt, weil eine Geliebte ihn verlassen hat, dann fällt ihm garantiert irgendetwas Ironisches ein.
Und die Themen? «Herzenssachen» heißen sie, und «Auf und ab», «Krieg» auch, und schließlich noch – wie könnte es anders sein bei einem Mann, der gerade die Achtzig vollendet hat – «Letzte Dinge». Am ehesten wird man Mueller-Stahl wohl einen Moralisten nennen können. Was – bitte mich nicht misszuverstehen – zuallerletzt «Moralapostel bedeuten soll. Das ist er nicht.
Seine Gedichte haben, so scheint mir, weniger den Anspruch, vollendete Sprachkunstwerke zu sein, sondern sie wollen die Welt verbessern. Vielleicht nur ein klein wenig. Durch Einsicht in die Begrenztheit der Welt, der Menschen und nicht zuletzt des eigenen Ich. Oder manchmal – so wie im Kapitel «Letzte Dinge» – wollen sie auch nur helfen, die Welt ein bisschen besser zu ertragen. Was ihm, wie er mit einem Augenzwinkern zugibt, nicht immer gelingt. Viele Gedichte stehen in der Tradition von La Fontaines, lesen sich wie Fabeln, nur dass La Fontaine seine Fabeln nicht gereimt hat. Diesen Anspruch mag man naiv nennen oder weise; ich vermute, dass das den Autor nicht kümmert. Er will auf seine Weise zu sagen versuchen, was nicht gelungen ist.

Der große deutsche Weltstar (Schauspieler, Musiker, Maler, Schriftsteller...) Armin Mueller-Stahl legt mit seinem neuen Band ein weites Lyrik-Panorama vom Nonsens bis zur Altersweisheit vor. Eindrücklich.

Und so schreibt er über den Krieg, die Liebe, die ja auch nicht immer gelingt, und auch seine Erfahrungen mit Freunden, die ihn, den gelernten DDR-Bürger an die Stasi verraten haben, spart er nicht aus. Da gelingt ihm dann nicht mehr, was er sonst so meisterhaft beherrscht: im leichten Ton das Schwere sagen, vermutlich weil das eine der schlimmsten Enttäuschungen eines langen Lebens ist. Aber als weiser alter Mann, der er ja ist, hat er das selbst gewusst und die Gedichte trotzdem in diesen Band aufgenommen. Ich persönlich finde, dass ihn das ehrt. Auch Nonsens-Gedichte wie das von der blauen Kuh, die ihre eigene Milch trinkt, oder jenes vom Apfelbaum, der ganz oben auf der Spitze eine Pflaume trägt, oder eben dies von Franziska, die per Eilbrief «entsorgt» wird, sind dabei.
Aber was mir persönlich am besten an diesem Buch gefällt, sind die Collagen. Manchmal ist die Grundlage ein eigener oder fremder Text, den er dann mit Farben und Formen übermalt. Manchmal nehmen sie das Thema eines Gedichts noch einmal auf; ein anders Mal sind es abstrakte Gemälde.
Armin Mueller-Stahl: Schauspieler, Musiker, Maler, Schriftsteller, Multitalent. Ob das wohl alles auf eine Visitenkarte passt? Bei so vielen Begabungen könnte man schon einmal neidisch werden… ■

Armin Müller-Stahl, Die Jahre werden schneller – Lieder und Gedichte, 220 Seiten, Aufbau-Verlag, ISBN-13 978-3351033163

Hörproben

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Katharina Döbler: «Die Stille nach dem Gesang»

Posted in Bernd Giehl, Buch-Rezension, Glarean Magazin, Katharina Döbler, Literatur, Rezensionen by Walter Eigenmann on 17. Dezember 2010

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Leise, beziehungsreich, kunstvoll

Bernd Giehl

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Am Ende beschreibt dieser Roman einen Kreis. Am Ende kehrt er zu seinem Anfang zurück. Am Ende versteht man manches besser.
Allein die Frage aller Fragen, welches Leben denn nun das Richtige sei, kann man immer noch nicht beantworten.
«Die Stille nach dem Gesang» von Katharina Döbler ist ein sehr kunstvolles Buch. Und schon das habe ich genossen. Es ist aber auch ein leises Buch. Und eins, das einen vor Fragen stellt, die man nicht beantworten kann. Zum Beispiel, wie man selbst eigentlich leben möchte. Aber damit greife ich schon wieder vor.

Fangen wir erst einmal mit dem Offensichtlichen an. «Die Stille nach dem Gesang» handelt von zwei grundverschiedenen Menschen, die aber trotz allem ein Paar sind. Es handelt von Falk Margraf, Spross der berühmten Margraf Dynastie, Erbe eines großen Vermögens und zugleich – zum Missfallen seiner Familie, die die Tradition Richard Wagners hochhält – Popsänger. Und es handelt zum anderen von Alexandra Zelinski, einer ehemaligen Sängerin, die aber zugunsten von Falk Margraf ihre Karriere aufgibt. Weniger offensichtlich ist, dass nicht alles, was erzählt wird, auch der Wahrheit entspricht. Oder zumindest nicht die ganze Wahrheit ist.
Das beginnt schon auf den ersten Seiten. «Er wollte sie sehen», heißt es von Falk Margraf, «Alex, ihr Haar fallen sehen, ihren langen Hals, er wollte wissen, wie sie jetzt war, nach den fast zwei Monaten, in denen er sie nicht um sich gehabt hatte. Dass Alex ein Leben für sich allein führen sollte, war jetzt jenseits seiner Vorstellung. Er hatte nie das Gefühl gehabt, dass sie irgendetwas tat, von dem er nichts wusste.
Bevor er abgeflogen war, hatte er sie noch einmal unter seiner alten Telefonnummer angerufen. Er hatte nur gesagt, dass er heute am Nachmittag käme. Sie wartete vielleicht schon auf ihn. Sie hatte immer gewartet, auf Flughäfen und Bahnhöfen und zu Hause sowieso. Wenn er aus seinem Studio kam, war sie da, einfach da. Mit einem Buch, mit einem Kaffee, mit dem Telefon, mit Nagellack, mit einer Zigarette. So würde sie auch heute da sein.»

Katharina Döbler (Foto: K. Behling)

In diesen wenigen Sätzen ist schon in nuce das Thema des Buches entfaltet. Ein Mann, der hinausgeht ins «feindliche Leben», und eine Frau, die brav zuhause auf ihn wartet. In diesem Augenblick wissen wir weder, wer der Mann, noch wer die Frau ist. Wir stellen uns ein Wiedersehen voller Romantik vor. Eine gewisse erotische Spannung scheint in der Luft zu liegen. Möglich aber auch, dass es zum Streit kommt, zu gegenseitigen Vorwürfen. Aber auch hier gilt, ähnlich wie im Kriminalroman: Nichts ist, wie es scheint. Die Begegnung, die wir erwarten, wird nicht erzählt. Stattdessen wechselt die Perspektive im nächsten Kapitel zur Beschreibung eines Wintermorgens in Berlin, zu einem Vorhang, der sich im Klappfenster verfangen hat und hinaus weht und in dieser sehr dichten Beschreibung eine Frau mit zwei Kindern. Es ist Alex, die Geliebte von Falk Margraf.
«Kuck, Rafi, sagte Wanda in feierlichem Ton, zu ihrem kleinen Bruder, das da ist ein Gespenst.» Rafi will nach dem «Gespenst», dem weißen Vorhang greifen, aber Wanda, die größere Schwester verbietet es ihm, mit der Begründung, das sei ein «wildes Gespenst», es brauche Freiheit. Auch hier wissen wir noch nicht, dass Katharina Döbler eine Szene zwischen zwei Kindern zum Symbol verdichtet, weil wir noch nicht wissen, dass Falk Margraf seit acht Jahren tot ist – geschweige denn, dass wir ahnen, wie sehr Alexandras Leben immer noch um Falk Margraf und ihre Beziehung zu ihm kreist. Aber auch für sie ist der wehende Vorhang ein Symbol, allerdings kein romantisches. «Alexandra sah kein Gespenst, so sehr sie sich auch anstrengte. Das Einzige, was ihre erwachsene Fantasie hergab, war eine Fahne, eine weiße Fahne der Ergebenheit, die idiotisch über einem Berliner Bürgersteig wehte.»
Katharina Döbler hat ein Talent für solche verdichtete Szenen. Szenen, die viel mehr enthalten als das, was man im Moment des Lesens wahrnehmen kann. Erst nach und nach enthüllt sich das ganze Panorama. Es geht um einen Mann und eine Frau und ihre schwierige Beziehung zueinander. Immer abwechselnd wird das Geschehen (wenn man es denn so nennen will) erzählt. Zum einen geht es um einen Tag im Leben des Falk Margraf, einen Tag, an dem er aus Madrid nach Berlin kommt, an dem er später erfährt, dass die Mutter ihren Reichtum in eine Stiftung für die Förderung junger Musiker einbringen will, und an dem er schließlich stirbt – und zum anderen um Alexandra Zelinski, deren Leben immer noch um einen Abwesenden kreist.

Katharina Döblers «Die Stille nach dem Gesang» ist ein Roman, der einen Kontrapunkt setzt zu all dem modischen Gerede über Bildung und Aufstieg, über Selbstverwirklichung und Karriere, ein Roman, der eher die Frage stellt, was denn bleibe, wenn das alles wegfällt - und der im übrigen auch ein völlig anderes Frauenbild zeichnet, als wir es gewohnt sind. Ein Buch: Leise, beziehungsreich, kunstvoll.

Der Titel «Die Stille nach dem Gesang» deutet es schon an: Dies ist ein leises Buch. Die Menschen, die hier geschildert werden, sind seltsam passiv. Sie haben kein Lebensprogramm, das sie verfolgen, und wenn sie es haben, zerrinnt es ihnen zwischen den Fingern. Mehrmals wird Alexandra von ihrer Freundin Lydia gefragt, ob das denn das Leben sei, das sie sich gewünscht habe. Die Frage ist nur zu verständlich. Schließlich hat sie ihre Karriere als Sängerin für Falk aufgegeben und sie nimmt sie auch nach dessen Tod nicht wieder auf. Stattdessen kümmert sie sich um ihre Kinder. Selbst Falk Markgraf, einstmals berühmter Popsänger der Gruppe «Eckstein», ist nicht mehr der zupackende Mann, der er einst war. Zwar fliegt er noch viel in der Welt herum, aber das, was ihm wirklich wichtig ist, die Oper, an der er schreibt, kann er auch nach Jahren nicht fertigstellen. Und ansonsten sieht er dem langsamen Verfall seiner Familie zu.
Die Anklänge an Thomas Manns berühmten Roman «Buddenbrooks» sind wohl alles andere als zufällig. Einer der Markgraf-Brüder wird sogar Hanno genannt; nur dass nicht Hanno stirbt, sondern Falk. Auch zwei andere Mitglieder der Familie sind schon tot: Gerda, die älteste Tochter, sowie Veit, der zuerst die Firma des Vaters übernahm, obwohl er eher ein künstlerisch begabter Mensch war, und der dann zu weit ins Meer hinausschwamm, was zumindest die Mutter als Badeunfall tarnen will. Nachdem auch Falk an einem Herzinfarkt gestorben ist und Hanno sich davongemacht hat, ohne eine Adresse zu hinterlassen, ist nur noch Isolde übrig, die ehemalige Wagnersängerin und jetzige Intendantin, sowie die alte Mutter.
Das alles erinnert schon sehr an die «Buddenbrooks». Aber anders als in Thomas Manns berühmten Roman ist der Zerfall einer Familie eher ein Nebenthema, und auch die Erzählstruktur von «Die Stille nach dem Gesang» ist eine völlig andere. Es sind eher die Buddenbrooks nach dem Ende: Alexandra, die um die Anerkennung ihrer Tochter Wanda als Tochter von Falk Margraf kämpft, obwohl man auch da nicht sicher sein kann, ob sie wirklich Falks Tochter ist. Alexandra, die versucht, ein eigenes Leben zu finden und die doch immer wieder um ihren Fixstern «Falk» kreist.

Alles in allem ein Roman, der einen Kontrapunkt setzt zu all dem modischen Gerede über Bildung und Aufstieg, über Selbstverwirklichung und Karriere, ein Roman, der eher die Frage stellt, was denn bleibe, wenn das alles wegfällt – und der im übrigen auch ein völlig anderes Frauenbild zeichnet, als wir es gewohnt sind. Jedenfalls finde ich es bemerkenswert, das eine Frau eine «Heldin» in den Mittelpunkt ihres ersten Romans stellt, die so passiv ist und so unemanzipiert wie Alexandra. Was wohl die Feministinnen zu dieser «Heldin» sagen?
Aber wie auch immer: Ich habe «Die Stille nach dem Gesang» gerne gelesen und vermutlich werde ich es nach einiger Zeit noch einmal lesen. Schon allein deshalb, weil ich dann vermutlich noch ein paar Anspielungen entdecken werde, die ich beim ersten Mal überlesen habe. ■

Katharina Döbler: Die Stille nach dem Gesang, Roman, Galiani Verlag, 272 Seiten, ISBN 978-3-86971-021-1

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Katharina Döbler liest aus Die Stille nach dem Gesang bei Literaturport

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Lyrik-Essay von Bernd Giehl

Posted in Bernd Giehl, Essays & Aufsätze, Literatur, Literaturkritik, Lyrik, Sprache by Walter Eigenmann on 20. August 2010

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Nachdenken über Luxus

Einige Anmerkungen zum Schreiben von Gedichten

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Bernd Giehl

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Das kleine Gesicht im Wintermantel:
Trauermund, Warteaugen, Schrittklein
in den Hof, den Stall, die Viehspuren
im Straßenschmutz schon lang verwischt.
Waldmeisteressenz und Brunnenwasser
gegen den großen Durst.
Neben der Wasserbank eine Schöpfkelle.

Sigfrid Gauch: «Morgentod»

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I

32 Worte. So viel wie wir Normalsterblichen sonst für drei Sätze benötigen. 32 Worte nur, aber ein Text, an dem das Auge hängenbleibt, den man wieder und wieder liest, fast wie eine Offenbarung, den man wahrscheinlich nie mehr vergisst.
32 Worte. Gefunden in einer Spalte namens «ZEITmosaik» in der «ZEIT» vom 28. Juni 97. Eine Spalte, über die ich sonst schnell hinweglese; den Namen des Verfassers, Sigfrid Gauch, habe ich vorher noch nie gehört. Aber dieses Gedicht rührt mich an, wie nur weniges sonst. Fast möchte ich behaupten: es ist «vollkommen». Vollkommen wie eine Arie aus der «Matthäuspassion» von Bach. Oder wie ein Bild von Manet.

Und jetzt höre ich auch schon wieder das Wetzen der Messer. Darf man das, über «Schönheit» nachdenken, wenn doch allgemein eher «Hässlichkeit» angesagt ist? Seit Baudelaire seine «Fleurs du mal» schrieb, seit Rimbaud eine «Zeit in der Hölle» verbrachte, seit dem Beginn der «Moderne» also in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, lebt die Kunst – Malerei, Literatur, Musik – doch eher von der Dissonanz, der Beschreibung des Hässlichen und Abstoßenden. Die Kunst reagierte damals auf die zunehmende Hässlichkeit, hervorgerufen vor allem durch die Industrialisierung. Dass es seither aufwärts gegangen wäre mit der Welt, kann man eigentlich nicht behaupten.
Wäre also nicht statt des Nachdenkens über Gedichte ein flammender Protest gegen den Afghanistan-Krieg oder die ewigen Streitereien der schwarzgelben Regierung angesagt? Das alles sind sicher wichtige Themen. Und doch will ich hier nur eins tun: über Gedichte nachdenken. Über das, was mich und sicher auch andere an ihnen fasziniert.
Vermutlich sind Gedichte unnötig. Wahrscheinlich brauchen wir viel eher Arbeitsplätze als Gedichte. Aber wer Brot hat, möchte womöglich irgendwann auch Butter dazu. Das ist unverschämt; ich weiß. Gut möglich, dass eines Tages der Genuss verboten wird, weil er unmoralisch ist; in Amerika sind sie ja schon so weit. Solange der Genuss jedoch noch nicht verboten ist, (solang man sogar noch in der Öffentlichkeit rauchen darf), solange kann man einstweilen noch über Gedichte nachdenken. Und was es eigentlich ist, das sie (oder jedenfalls manche von ihnen) über die Banalität all dessen erhebt, was täglich geredet und geschrieben wird.

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II

Die Schönheit von Gedichten also. Und zwar nicht von Goethe- oder Eichendorff-Gedichten, sondern von moderner Lyrik. Auch ein Gedicht wie Goethes «Über allen Wipfeln ist Ruh» ist «schön», aber wer heute noch so schreiben würde, wäre ein hoffnungsloser Fall. Bilder von erhabenen Gipfeln, von rauschenden Bächen, das geht nicht mehr; an ihre Stelle muss anderes treten. Auch die Formen sind andere geworden; Hexameter und Jambus, das war einmal, obwohl es mittlerweile auch wieder Gedichte mit Endreim gibt. Überhaupt ist es schwieriger geworden, von «Form» zu sprechen, wo so viele Formen sich aufgelöst haben und neue Formen zwar entstanden, jedoch nur schwer abzugrenzen sind. Zwischen einem Rilke-Gedicht und einem Gedicht von Erich Fried stehen Welten, und wer das nicht glaubt, lege einmal Frieds «Maßnahmen» neben die «Duineser Elegien».
Und dennoch gibt es etwas, was Lyrik abgrenzt von Prosa, was sie erkennbar macht. Wo eine Geschichte oder ein Roman Zeit braucht, um sich zu entwickeln, Spannung zu erzeugen oder was immer auch den Leser daran hindert, zur Fernbedienung zu greifen, da muss das Gedicht in wenigen Zeilen das Gleiche leisten. Und das kann es nur durch seine besondere Sprache, die so schwer zu benennen ist: «leuchtend» vielleicht, oder «verdichtet». Dabei spielt der Rhythmus immer noch eine große Rolle, und auch die Bilder, die ein Gedicht verwendet, sind wichtig. Oft sind es ungewohnte, vielfach nur angedeutete Bilder, wie man an Gauchs Gedicht sehen kann. Dieses Gedicht besticht mit seiner Sprache. Ungeheuer konzentriert ist sie, fast möchte ich sagen: «sinnlich». Verkürzt gesagt: ein Roman kann notfalls auch mit einer schwächeren Form auskommen; für ein Gedicht ist das tödlich.

Fragen wir also ruhig einmal nach der Besonderheit der lyrischen Sprache. Und nehmen wir – pars pro toto – Gauchs Gedicht «Morgentod» dazu. Was wahrscheinlich als erstes bei diesem Gedicht ins Auge springt, sind die ungewöhnlichen Substantive in der zweiten Zeile: «Trauermund» – doch ja, das könnte man schon einmal gelesen haben; «Warteaugen» – schon schwieriger; aber «Schrittklein» – das sieht nun doch schon sehr nach Neuschöpfung der Sprache aus;. Was ja in der Lyrik nichts Ungewöhnliches ist, auch wenn das Überraschungsmoment sonst eher in der Zusammenstellung der Bilder liegt (unübertrefflich, auch hier, Paul Celan, z.B. in «Spät und Tief»: «Boshaft wie goldene Rede beginnt diese Nacht/ wir essen die Äpfel der Stummen …»)
Nun bringt der Vergleich mit Celan nicht allzu viel ein, denn dieses Gedicht ist eigentlich nicht «dunkel», auch wenn es sich gewiss nicht dem ersten flüchtigen Lesen erschließt. Wenn man genauer hinsieht, erkennt man, dass hier die Verben fehlen. Ein paar Adjektive und Präpositionen; ansonsten nur Substantive. Die Person, die hier «handelt» ist absichtlich im Unklaren gelassen. Beschrieben wird eigentlich nur ihr Gesicht: «Das kleine Gesicht im Wintermantel:/ Trauermund, Warteaugen, Schrittklein»; möglich dass es sich um ein Kind handelt, aber vielleicht ist es auch ein Erwachsener, der an einen Ort seiner Kindheit zurückkehrt. Dieser Ort ist ein Bauernhof. Der Brunnen, der hier (wiederum indirekt) erwähnt wird, läßt Vergangenes erahnen; möglich, dass dieser Hof schon lange nicht mehr bewirtschaftet wird. Allenfalls als Wohnung dient er noch, und doch ist er ein wichtiger Ort für den Sprecher, das «lyrische Ich». Durch das Gedicht bekommt dieser Ort eine Bedeutung, die der reale Hof nie gehabt hat. Die gewollte Unschärfe der Beschreibung – alles wird nur angedeutet – setzt die Phantasie des Lesers in Gang. Er ist es, der den Zwischenraum zwischen den Worten füllen muss mit eigenen Assoziationen. Seine Erinnerung wird gebraucht. Und das ist es wahrscheinlich, was den Leser schließlich in seinen Bann zieht.

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III

Die Sprache ist es also, die ein Gedicht ausmacht. Eine Sprache, die eher andeutet als benennt, die Zwischenräume schafft, die es nötig macht, dass man zwischen den Zeilen liest. Sie kann feierlich sein, ungewohnt, sie kann mit ungewöhnlich zusammengesetzten Bildern arbeiten, aber sie muss es nicht. Es gibt auch (scheinbar) lakonische Gedichte; dafür ein Beispiel aus dem «Jahrbuch der Lyrik 97/98», (in dem ich später auch Gauchs Gedicht gefunden habe):

Seit ich hier bin

Seit ich hier bin trage ich Taschen
voller Papiere, fahre ich Fahrstuhl
telefoniere, trinke Kaffee wie ein Mann
mit Terminen , liege ich schlaflos,
interpretiere, huste und reime, traurige
Tiere, spende dem Geiger in der Passage
einen Gedanken, was ist das Leben,
wenn nicht ein Geigen in den Passagen,
was kann er tun und was soll ich sagen:
Pflege Kontakte und streue Asche auf
deine Akte. So ist das hier.

Hans Ulrich Treischel

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Auch hier werden, wie in «Morgentod», Orte benannt. Aber im Gegensatz zu dem eingangs besprochenen Gedicht sind es Orte, die nicht viel bedeuten: ein Büro, der Fahrstuhl, eine Passage. Der Tonfall ist locker, ironisch. So ganz ernst scheint das «Ich» in diesem Gedicht sich nicht zu nehmen. Der, der hier spricht, ein Angestellter offensichtlich, schaut sich selbst über die Schulter. Natürlich muss er so tun, als ob er arbeite, aber er nimmt das alles nicht so eng; womöglich schreibt er sogar Gedichte in seiner Arbeitszeit.
Doch wenn man genauer hinschaut, ist die Lakonie, die einem förmlich entgegenspringt, nichts als eine Maske. Eine schwer greifbare Trauer spricht aus diesem Gedicht, eine Trauer über das mit Akten und Terminen vertane Leben. Das Leben ist ein «Geigen in den Passagen»; offensichtlich wird der Straßenmusikant zu einem Bild für das geschäftige Leben, das den armen Straßenmusikanten dort stehenlässt, wo er steht. Es gibt wohl kaum einen ungeeigneteren Ort für einen Musiker als die Straße. Leute bleiben kurz stehen und hören zu, aber sie haben keine Zeit, das ganze Stück anzuhören, also werfen sie eine Mark in den Geigenkasten und gehen weiter. Lieber als hier zu stehen würde man an der Met spielen oder bei den Wiener Philharmonikern, aber was will man machen, es gibt einfach zu viele Musiker, Künstler, Dichter, Menschen…
Es ist die Kunst dieses Gedichts, diese – doch eher schweren – Gedanken hinter der (scheinbaren) Leichtigkeit des Tons zu verbergen. Kunstvoll ist auch der Reim, der sich durchzieht, aber nicht als Endreim, sondern an den Zeilenanfängen, wo man ihn nicht beim ersten Lesen bemerkt. Überhaupt muss man auch dieses Gedicht mehrmals lesen, bis es sich einem erschließt. Aber davon sprachen wir schon.

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IV

Und da kommt mir nun ein Begriff in den Sinn, der für mein Verständnis von Literatur eine große Rolle spielt, den man aber auch auf Lyrik im Besonderen anwenden kann. Es ist der Begriff des Spiels. Gedichte – so denke ich – «spielen» mit ihrem Gegenstand. Woraus auch immer sie entstehen – und das ursprüngliche Material kann so banal sein wie es will -, sie verwandeln dieses Material.
Gedichte spielen mit Bildern, Rhythmen, Reimen, mit Assoziationen, Klängen, Bedeutungen, mit allem, was ihnen zwischen die Buchstaben gerät. Es ist ein Spiel, dessen Regeln sich nicht von vornherein festlegen lassen; aber natürlich gibt es Regeln, weil sonst das Spiel aufhörte, Spiel zu sein. Gedichte schreiben ist ein hoch artifizielles Spiel; man kann es erlernen, wie man das Jonglieren erlernen kann; man braucht dazu Begabung und einiges an Übung.
Vor vielen Jahren hat der Literaturwissenschaftler Mario Andreotti in der Schweizer Literaturzeitschrift «Scriptum» die assoziative Verknüpfung ansonsten disparater Wortgruppen, das Weglassen von Verben und die Verknappung als Zeichen eines guten Gedichts genannt.  («Was ist heute ein gutes Gedicht? Über einige Kriterien zeitgenössischer Lyrik», in: «Scriptum» 21/95) Dies können Kriterien für ein gutes Gedicht sein; sie haben aber keinen Ausschließlichkeitscharakter, wie man an dem Gedicht von Treischel, aber auch an vielen Gedichten von Brecht z.B. deutlich erkennen kann.

Sind Gedichte also Luxus? Für die Verleger ganz bestimmt; an einem Gedichtband verdienen sie nur in den wenigsten Fällen. Für die Leser wahrscheinlich auch: sie informieren weder über den Börsenkurs noch geben sie Hinweise, wie die politische Situation zu verändern sei. Womöglich sind sie nicht einmal unterhaltsam oder belehrend, wie ein Roman das sein kann.
Mag sein, dass sie einfach nur spielen: mit dem Klang, den Worten, den Bedeutungen, mit der Sprache. Dem «l’art pour l’art» stehen sie meist näher als ein Roman oder eine Geschichte. Romane müssen, Gedichte können Inhalte transportieren. Womöglich ist so manches Gedicht mehr dem schönen Klang geschuldet, als dass es wichtige Gedanken zu transportieren gehabt hätte, auch wenn ich natürlich nicht verrate, an welche Gedichte oder welchen Dichter ich denke. Auf die Klanggedichte z.B. eines Franz Mon, die allen Wert auf «Form» legen, denen die Worte nur Material sind und keine Botschaften transportieren, sei hier nur am Rande hingewiesen.

Aber warum soll ein Gedicht nicht einfach nur «Schönheit» vermitteln? Oder das Spiel mit der Sprache ins Extreme treiben, wie es die schon erwähnten Poeten tun? Sprache ist eben Bedeutung und Klang, und genau das ist es, was Gedichte sich zunutze machen. Oder andersherum: ohne diese Tatsache würden Gedichte gar nicht geschrieben werden können.
Doch ja, Gedichte sind Luxus. Und der Forderung nach Hässlichkeit kommen sie auch eher in seltenen Fällen nach. Man muss Luxus nicht mögen. Man kann durchaus auch auf ihn verzichten. Manchmal sprechen Gedichte – wie das eingangs zitierte von Gauch – von Dingen und Orten, die es (so) nicht mehr gibt.
Wer will, kann das für «reaktionär» halten. Ich für meinen Fall würde auf manches andere lieber verzichten wollen als auf Gedichte. ■

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Bernd Giehl

Geb. 1951 in Marienberg/D, Studium der Theologie in Marburg, verschiedene literarische und theologische Publikationen, lebt als evang. Pfarrer in Nauheim

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Roland Stark: «Tod in zwei Tonarten»

Posted in Bernd Giehl, Buch-Rezension, Literatur, Musik, Rezensionen by Walter Eigenmann on 17. August 2010

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«Kreisleriana-Mord» im Rheingau

Bernd Giehl

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Besser, ich geb’s gleich zu: Jawohl, Freunde, ich bin befangen. Seit ich vor fast dreißig Jahren mein Vikariat – also die praktische Ausbildung zum Pfarrer – in rheingauischen Walluf gemacht habe, bin ich ein Fan dieser Gegend. Und selbst auf die Gefahr hin, als Snob zu gelten, behaupte ich: Es gibt keine schönere Landschaft. Jedenfalls nicht in Deutschland. Es soll Leute geben, die die Toskana für noch schöner halten, aber von denen reden wir jetzt nicht.
Mich selbst hat das Leben mittlerweile ins hessische Ried verschlagen, aber an vielen Sonntagen pilgere ich immer noch durch die Weinberge zwischen Walluf und Rüdesheim. So, das war’s jetzt aber auch mit den Bekenntnissen. Ob ich trotzdem…? Ich denke schon. Dass ich diese Landschaft liebe, heißt ja nicht, dass ich all meine kritischen Fähigkeiten in der Schublade lasse, wenn ich einen Rheingau Krimi bespreche.

Der Anfang ist eher konventionell. Während eines Konzerts des Rheingauer Musikfestivals taucht ein Toter auf. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Plötzlich treibt die Leiche eines Jugendlichen, Patrick Schönhell, im Teich vor dem Wasserturm des Schlosses. Genau neben der Seebühne, auf der eben noch die «Last and Lost Blues Survivors» gesungen haben. Die Leiche ist schnell identifiziert: Es handelt sich um einen Jugendlichen aus dem Weinort Walluf. Kommissar Mayfeld von der Wiesbadener Kriminalpolizei, der im Nachbarort Eltville und dadurch mit den Örtlichkeiten bestens vertraut ist, leitet die Ermittlungen. Schnell findet er heraus, dass Patrick Schönhell, zusammen mit anderen Jugendlichen aus dem Rheingau im normalerweise für die Öffentlichkeit unzugänglichen Wasserturm von Schloss Vollrads eine Fete gefeiert hat. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf die Teilnehmer dieser Fete und besonders auf Johannes Flieder, der sich aber so gut wie gar nicht an die Nacht erinnern kann, in der Schönhell ums Leben kam, weil er an diesem Tag dem Alkohol zu sehr zugesprochen hatte.

Arzt und Krimi-Autor: Roland Stark

So weit, so einfach. Aber dann kommt Bewegung in die Sache, als Clara Flieder, die Mutter des Hauptverdächtigen, ihren Mann, einen reichen Unternehmensberater als vermisst meldet. Und auch formal gewinnt der Roman, indem Passagen in die Handlung eingefügt werden, in denen Clara Flieder, sowie ihre Halbschwester, Manuela, genannt Ele, zu Wort kommen. Clara ist eine eher konventionelle Frau, die alles dafür tun möchte, dass ihre heile Welt mit Ehemann, Sohn, Villa und Porsche Cayenne vor den Widrigkeiten des Lebens bewahrt bleiben. Ele dagegen hat ein Verhältnis mit ihrem Schwager, Claras Mann, ebenso wie mit ihrem Halbbruder Eduard. Sowohl Eduard als auch Manuela wohnen auf dem Grundstück der Flieders, und so ist natürlich zumindest Manuela verdächtig, mit dem Mord an Patrick Schönhell und dem Verschwinden von Phillip Flieder etwas zu tun zu haben.

Indizien-Lieferantin in Rheingau-Mordfall: Robert Schumanns Klavier-Phantasie op. 16 «Kreisleriana» (1. Takt)

Überhaupt drängt sich, je weiter man liest, desto stärker der Verdacht auf, dass mit dieser Familie etwas ganz und gar nicht stimmt, und dass der Mörder ganz bestimmt nicht der Gärtner war, den es hier allerdings auch nicht gibt. Nur nach außen ist Phillip Flieder der korrekte Unternehmensberater und verlässliche Familienmensch, der seine Radiergummis in Reih und Glied legt und seine Hüte katalogisiert. Bei näherem Einblick, den wir über Kommissar Mayfeld bekommen, stellt sich heraus, dass Phillip Flieder ein Freund sadomasochistischer Spiele ist und ganz nebenbei auch noch einen Winzer durch falsche Beratung in den Ruin getrieben hat. Genug Gründe also, den Mann mit den zwei Gesichtern verschwinden zu lassen.
Aber was hat das wiederum mit dem Tod von Patrick Schönhell zu tun? Der Kommissar verfolgt eine Menge Spuren, die sich aber am Ende allesamt als falsch erweisen. Die Lösung ist überraschend und ziemlich unkonventionell.

Roland Stark ist ein schöner und interessanter Kriminalroman gelungen, in dem viele Themen gekonnt miteinander verknüpft werden. Man muss nicht unbedingt ein Fan des Rheingaus sein, um dieses Buch mit Genuss zu lesen.

Roland Stark arbeitet in seinem «richtigen Leben» als Psychotherapeut im Rheingau und versteht somit eine Menge von der menschlichen (oder vielleicht sage ich besser: von der bürgerlichen) Psyche, die natürlich im wohlhabenden Rheingau, wo es immer noch eine Menge alten Adels und neuen Reichtums gibt, eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Auch die Landschaft mit ihren Orten kann er gut beschreiben, und als Liebhaber des Rheingaus ertappt man sich immer wieder bei der Frage, welches Vorbild er zum Beispiel für die Villa Gruber, das Wohnhaus der Familie Flieder, wohl genommen haben könnte. (Für Insider: entweder das Hotel «Zum Schwanen» oder eine der einzelnen Villen zwischen Walluf und Eltville).

Aber Stark versteht auch etwas von Musik, und die spielt eine wichtige Rolle in diesem Roman. Vor allem die «Kreisleriana» von Robert Schumann, ein schwieriges Klavierstück, das man – laut Stark – nur als exzellenter Pianist spielen kann, taucht im Roman immer wieder auf und spielt am Ende auch eine überraschende Rolle bei der Lösung des verzwickten Falls. Nun höre ich zwar selbst gern klassische Musik, (auch Robert Schumann), aber dieses Stück habe ich erst durch den Autor kennengelernt.
Roland Stark ist ein schöner und interessanter Kriminalroman gelungen, in dem viele Themen gekonnt miteinander verknüpft werden. Man muss nicht unbedingt ein Fan des Rheingaus sein, um dieses Buch mit Genuss zu lesen. ■

Roland Stark: Tod in zwei Tonarten, Rheingau Krimi, 300 Seiten, Emons Verlag, ISBN 978-3897057272

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Posted in Bernd Giehl, Buch-Rezension, Literatur, Lyrik, Rezensionen, Roland Merk, Schweizer Literatur by Walter Eigenmann on 6. August 2010

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Bernd Giehl

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Ich bin ihm schon begegnet, dem Melancholiker R.M., der seine Melancholie so gut hinter den Beschreibungen einer normannischen Landschaft verbergen kann. Der sie nur zwischen den Zeilen hervorblicken oder sie – wie in «Skizzen einer Landschaft II» im letzten Wort aufleuchten lässt. Ich bin ihm schon begegnet – nicht an einem realen Ort – sondern in der Landschaft der Gedanken. Diese Melancholie kenne ich. Sie kann sich verbergen in den Details einer Landschaft der Normandie. Sie kann auch ausdrücklich benannt werden, wie in «Auskunft»: «Nach der Verzweiflung befragt:/ Nun ja, auch ich kenne sie, irgendwo/ an einer Straßenecke fiel sie mir/ wie eine alte Bekannte um den Hals/ seither erstattet sie mir/ regelmäßig Hausbesuche.» (S. 44) Manchmal springt sie einen direkt an und man fragt sich, ob ein Autor sich wirklich so vor seinen Lesern entblößen sollte, wie in «Prosa des Lebens – Frage des Tages». (S. 46f.) Sind Gedichte nicht ein Spiel mit Verstecken und Enthüllen, darin der Erotik ähnlich, die ja auch nicht gleich alles zeigt?

Roland Merk ist ein engagierter Autor, der eine politische Botschaft hat. Viele seiner Gedichte sagen: So geht es nicht weiter. Aber eine solche Botschaft in die Form der Lyrik zu packen ist nicht leicht. So kommt es, dass manche Gedichte zu theorielastig sind und man das alles schon hundert Mal gelesen zu haben glaubt und andere einfach nur Manifeste gegen eine Gegenwart sind, die dem Autor leer vorkommt. «Curriculum Vitae» (S.51) gehört dazu, aber auch «Auftakt» (S.9) oder «Parklandschaft in Krieg und Frieden.» (S.56) Was dort gesagt wird, kann man mindestens genauso gut in einer Glosse in der Zeitung lesen.
Zwei Ausnahmen möchte ich ihm zugestehen. Zum einen «Mission vom Mars» (S.71), wo ein Besuch von Außerirdischen auf der Erde in naher Zukunft geschildert wird, die sich nicht vorstellen können, dass es hier einmal Leben gegeben hat. Und zum anderen «Robinson» (S. 78), wo hinter der Menschheitsgeschichte bedrohlich der Abgrund sichtbar wird.

Situationen, flüchtige Augenblicke beschreiben, das kann der Lyriker Roland Merk. Und manche seiner Gedichte in seinem Band «Wind ohne Namen» haben wirkliche Qualität. Doch viele seiner Texte bleiben leider zu sehr an der Oberfläche, bergen kein Geheimnis, hinterlassen keine Spuren im Leser...

Bleibt natürlich immer die Frage, was ein gutes Gedicht ausmacht. Ob man diese Frage überhaupt theoretisch beantworten kann? Vielleicht so, dass ein gutes Gedicht seine Leser überrascht, sie vor Rätsel stellt, aber ihnen auch etwas sagt. Wobei dieses «etwas sagt» nicht unbedingt wörtlich zu nehmen ist. Es kann auch die Sprache sein, die mich anspricht, oder vielleicht nur ein paar Bilder aus dem Gedicht.
Gute Gedichte hinterlassen eine Spur in mir, sie zwingen meine zerstreute Aufmerksamkeit, sich zu konzentrieren. Womöglich sogar dazu, noch einmal nach dem Band zu greifen, weil das Gedicht mir nachgeht. Weil es mir Rätsel aufgibt, die ich so schnell nicht lösen kann.

Von dieser Qualität sind nur wenige von Merks Gedichten. Viele bleiben zu sehr an der Oberfläche, beschreiben ein paar flüchtige Augenblicke, wollen vielleicht auch nichts anderes sein als Beschreibung von ein paar Augenblicken. Andere Gedichte – «Kino» zum Beispiel (S.52) – beginnen mit einer dichten Atmosphäre, aber dann glaubt Merk erläutern zu müssen, was er meint – und damit verliert das Gedicht jeden Zauber. Situationen beschreiben – das kann der Autor, aber er traut ihnen nicht. Womöglich will er einfach zu oft etwas beweisen oder seine Leser überzeugen. Doch dafür sind Gedichte nicht geschaffen.
Besser als er selbst könnte ich’s nicht sagen: «Die wiederholten Schritte/ und Wege durchs Dickicht der Worte/ diesen Markt der Märkte/ vorbei an den Kramläden des täglichen Geschäfts/ den kindisch grinsenden Händlern/ bunter Druckfrische,/ unterwegs in ein anderes Land…» (S. 93)
Bei fast jedem Buch, das ich in die Hand nehme, hoffe ich, diesen Weg zu finden. Aber die Reise ist weit… ■

Roland Merk, Wind ohne Namen, Gedichte, Edition 8, 144 Seiten, ISBN 978-3859901551

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Leseproben

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Rainer Wedler: «Die Leihfrist»

Posted in Bernd Giehl, Buch-Rezension, Literatur, Rainer Wedler, Rezensionen by Walter Eigenmann on 29. April 2010

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Weder Fisch noch Fleisch

Bernd Giehl

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Ein merkwürdiges Buch, diese «Leihfrist» von Rainer Wedler. «Roman» nennt es sich, dabei hat es gerade mal 126 Seiten. Unter einem Roman stelle ich mir normalerweise ein Buch größeren Umfangs vor, das außerdem eine ausgeprägtere Handlung besitzt. Aber wahrscheinlich ist das auch gar nicht so wichtig. Interessanter ist schon die Frage, wovon dieses Buch nun eigentlich handelt. Die Antwort heißt: Es handelt von Büchern. Genauer gesagt von einem Mann, Karl Dietrich Wilhelm Montag, von seinen Freunden Kadewe genannt, der nicht nur ein leidenschaftlicher Büchersammler ist, sondern der allmählich in ein Alter kommt, wo man mehr Vergangenheit hat als Zukunft. Hinzu kommt: Montag ist ein Intellektueller; mehr noch: er ist ein Bibliophiler. Er hat mit einem Problem zu kämpfen, das wahrscheinlich die meisten Bücherliebhaber kennen: Er hat keinen Platz mehr: Die Bücher stehen in zwei Reihen im Bücherregal; und weil alle Bücherregale bis zur Decke gefüllt sind, stapeln sie sich auch auf dem Boden, sodass Kadewe kaum noch treten kann. Am Ende bleibt nur eine Lösung: Er muss sich von einem Teil seiner Schätze trennen.
Also setzt er eine Annonce in die Zeitung. Eine junge Frau kommt, die sich aber weniger für seine Bücher als für deren Besitzer interessiert, was dazu führt, dass seine Freundin Alja, die im falschen Moment die Wohnung betritt, Kadewe eine Szene macht und sich von ihm trennt. Später kommen dann andere junge Frauen, die Montag Bücher abkaufen wollen, aber jedes Mal, wenn sie eins finden, das sie kaufen wollen, kann Montag sich gerade von diesem Buch nicht trennen, weil zu viele Erinnerungen mit ihm verbunden sind.

Rainer Wedler (*1942)

Ich gebe zu: Ich bin nicht warm geworden mit dem Buch. Vielleicht liegt es daran, dass es genauso unentschieden ist wie sein Protagonist. Immer neue Geschichten von Frauen, die Montag einmal geliebt hat, werden erzählt, aber zumindest für mich sind sie alle blass geblieben, fast ununterscheidbar. Ein Mann blickt zurück; er spürt die Vergänglichkeit seines Lebens, er denkt an die Beziehungen, die er gehabt hat – und in der letzten Besucherin, die Bücher von ihm kaufen will, erkennt er sogar eine Frau, die er früher einmal geliebt hat. Die Besucherin selbst bestreitet das.
Mag ja sein, dass Wedler sagen will, das Leben finde vorwiegend in der Lektüre bzw. in der Phantasie statt und weniger in dem, was wir wirklich erleben, – eine These, über die man durchaus diskutieren könnte -, aber selbst diese Aussage bleibt blass und unentschieden.
Dabei ist das Buch keineswegs schlecht geschrieben. Nur wird mir persönlich darin zu viel angerissen und zu wenig ausgeführt; zu vieles versickert einfach. Womöglich wäre es ein besseres Buch geworden, wenn Wedler seinen Figuren mehr Raum gestattet hätte. Wenn er einen richtigen Roman geschrieben hätte, von, sagen wir, 250 Seiten Länge. Aber er hat dieses Buch nicht geschrieben,  und so kann ich auch nur meinen eigenen, sicher sehr subjektiven Eindruck wiedergeben: Mir scheint, das Buch ist nicht Fisch und nicht Fleisch. ■

Rainer Wedler,  «Die Leihfrist», Roman, 126 Seiten, Pop Verlag, ISBN 978-3937139814

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Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des «Glarean Magazins»

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Ständige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des «Glarean Magazins»

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Thomas Binder (Schach)

Geb. 1961, Diplom-Ingenieur, aktiver Schach-Spieler und -Trainer, Co-Autor des Wikipedia-Schach-Portals, lebt als EDV-Berater in Berlin – - Thomas Binder im Glarean Magazin

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Christian Busch (Musik/Literatur)

Geb. 1968 in Düsseldorf/D, Studium der Germanistik, Romanistik und Erziehungswissenschaft an der Universität Bonn, jahrelange Musik-Erfahrung in verschiedenen Chören, arbeitete als Lehrer in Frankreich, Südafrika und Deutschland, lebt als Lehrer in Teneriffa/SP – - Christian Busch im Glarean Magazin

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Bernd Giehl (Literatur)

Geb. 1953 in Marienberg/D, Studium der Theologie in Marburg, zahlreiche schriftstellerische und theologische Publikationen, lebt als evang. Pfarrer in Nauheim – - Bernd Giehl im Glarean Magazin

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Sigrid Grün (Literatur)

Geb. 1980 in Rumänien, Schauspielausbildung in Regensburg, Studium der Deutsche Philologie, Philosophie und Vergleichenden Kulturwissenschaft, derzeit Promovierung, Sachbuch-Autorin und Betreiberin eines oberbayerischen Kulturportals – - Sigrid Grün im Glarean Magazin

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Michael Magercord (Musik/Literatur)

Geb. 1962, früher als Journalist bei der Berliner Tageszeitung taz und als «Stern»-Korrespondent in Peking tätig, verschiedene Buchpublikationen, lebt als Feature-Autor und Reporter des Hörfunks in Prag/Tschechien – - Michael Magercord im Glarean Magazin

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Günter Nawe (Literatur)

Geb. 1940 in Oppeln/D, von 1962 bis zur Pensionierung 2005 Mitarbeiter eines Kölner Zeitungsverlags, danach freischaffend u.a. als Pressesprecher eines großen Kölner Chores und Buchrezensent für Print- & Online-Medien – - Günter Nawe im Glarean Magazin

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Wolfgang-Armin Rittmeier (Musik)

Geb. 1974 in Hildesheim/D, Studium der Germanistik und Anglistik, bis 2007 Lehrauftrag an der TU Braunschweig, langjährige Erfahrung als freier Rezensent verschiedener niedersächsischer Tageszeitungen sowie als Solist und Chorist, derzeit Angestellter in der Erwachsenenbildung – - Wolfgang-Armin Rittmeier im Glarean Magazin

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Dr. Mario Ziegler (Schach)

Geb. 1974 in Neunkirchen/Saarland, Studium der Geschichte und Klassischen Philologie, 2002 Promotion in Alter Geschichte, seither als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im universitären Lehrbetrieb tätig. Langjähriger Schachtrainer sowie Autor und Herausgeber verschiedener Bücher zum Thema Schach. Mario Ziegler im Glarean Magazin

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Simone Frieling (Hrsg.): «Die Lyrik des Abendlandes»

Posted in Bernd Giehl, Buch-Rezension, Literatur, Lyrik, Rezensionen, Simone Frieling by Walter Eigenmann on 8. Januar 2010

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Guter erster Lyrik-Überblick

Bernd Giehl

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Das ist frech, das ist rotzfrech – die Lyrik des Abendlandes in einem Band versammeln zu wollen! Und der Herausgeber heißt nicht etwa Emil Staiger oder Joachim Kaiser oder wenigstens Marcel Reich-Ranicki, der Herausgeber ist eine Herausgeberin und heißt Simone Frieling. Simone wer?
Gedichte aus 2’500 Jahren von Griechenland bis Großbritannien auf 500 Seiten – mein gelehrter Freund E. schüttelt nur stumm den Kopf. In seinem Regal steht eine vierbändige Ausgabe englischer und amerikanischer Lyrik; jeder Band so dick wie die «Lyrik des Abendlandes» von Frieling. Kann das gutgehen? Nein, sagt E., das ist unmöglich.
Aber man muss ja nicht gar so hohe Maßstäbe anlegen wie mein Freund, der ein ganzes Bücherregal mit Lyrik in seinem Wohnzimmer stehen hat. Jemand, der in der Lyrik der Welt zuhause ist, wird sich wahrscheinlich kaum eine Anthologie wie die «Lyrik des Abendlandes» ins Regal stellen. Die ist wahrscheinlich eher für Normalsterbliche wie Sie und mich gedacht, die zwar Interesse an Lyrik haben, aber keine Spezialisten sind.

Für wen ist das Buch aber dann gedacht? Wahrscheinlich doch am ehesten für Leute, die sich für Gedichte interessieren und auch schon ein wenig Ahnung von ihnen haben. Für Bildungsbürger also, die wissen, dass es nicht unbedingt das Kennzeichen von Gedichten ist, dass sie sich reimen. Die also auch nicht zu jedem runden Geburtstag eines Bekannten ein Poem verfassen und vortragen. Für die ist das Buch tatsächlich eine Fundgrube. Natürlich kann man die Auswahl eines Herausgebers – oder wie in diesem Fall einer Herausgeberin – immer kritisieren. Hätte also zum Beispiel nicht auch ein Stück aus den «Metamorphosen» von Ovid in diese Anthologie hineingehört? Oder das berühmte Gedicht von John Donne, das mit den Worten beginnt: «No man is an island entire of the sea?» Darf das wirklich fehlen? Paul Celan ist auch nur mit seinem bekanntesten (und vermutlich auch verständlichsten) Gedicht, der «Todesfuge» vertreten. Hätte nicht auch «Tenebrae» in eine solche Auswahl gehört? Oder «Spät und Tief»? T.S. Eliot muss natürlich vorkommen, aber muss es wirklich ein Katzengedicht aus «Old Possum’s Book of Practical Cats» sein? (in meiner Ausgabe der «Collected Poems» von 1974 sind die nicht einmal enthalten.)  Sicher, das «Wüste Land» oder die «Vier Quartette» sind lang, aber den Werken von Friedrich Schiller, von dem die Herausgeberin selbst sagt (S. 477), er sei «kein großer Lyriker» gewesen, hat sie immerhin dreißig Seiten eingeräumt.

Simone Frieling

Das ist überhaupt der Mangel des Buches, wenn man denn bei einer so subjektiven Anthologie überhaupt von Mängeln reden will. 25 Seiten für Goethe, 30 für Schiller, das macht dann schon 55 Seiten für zwei sicher große, aber doch recht bekannte Dichter. Und das in einer Anthologie, die – ich muss es noch einmal sagen – gerade einmal 500 Seiten für 2500 Jahre Dichtung Platz hat. Und wenn man Nachwort und Inhaltsverzeichnisse abzieht, sind es gerade einmal 475 Seiten. Da fehlt dann natürlich der Platz für Gedichte, die ein anderer (in diesem Fall also der Rezensent) gern in diesem Buch läse. Besonders bei den zeitgenössischen Dichtern wird es eng.
Aber ich will nicht päpstlicher sein als Benedikt XVI. Und so gebe ich gern zu, dass mir das Buch gefällt. Zumindest für einen ersten Überblick ist es sehr gut geeignet, denn – seien wir ehrlich – wer (außer meinem schon erwähnten Freund E.) kennt sich gleichermaßen gut in der antiken wie der Lyrik der englischen Renaissance (William Shakespeare, George Herbert, Ben Johnson) oder der Lyrik des Barock (Martin Opitz, John Milton, Andreas Gryphius) aus. Von den Gedichten der Moderne einmal ganz abgesehen. Natürlich ersetzt ein solches Buch nicht die «Columbia Anthology of British Poetry» (888 Seiten) oder «Der Kanon – Die Deutsche Literatur – Gedichte» von Marcel Reich Ranicki. Aber wer mehr wissen will, der kauft sich eben diese und ähnliche Werke.
Im Übrigen besitzt die Herausgeberin genug Selbstironie, um das selbst zu wissen. Bei ihr beschließt nämlich Hans Magnus Enzensbergers Poem «Ins Lesebuch für die Oberstufe» den Band, das mit den Worten anfängt: «Lies keine Oden mein Sohn, lies die Fahrpläne: sie sind genauer.»

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann würde ich mir vom Anaconda (oder auch von einem anderen) Verlag eine Einführung in die Lyrik wünschen, in der (nicht nur) jungen Lesern erklärt wird, wie man lernt Gedichte zu lesen, und was man (an Lebensqualität) damit gewinnt.  Und im zweiten Teil dann – na, sagen wir: 100 besonders schöne Gedichte. Vielleicht könnte man ja Simone Frieling bitten, ein solches Buch zu konzipieren. Mir jedenfalls scheint, dass sie genug von Lyrik versteht, um so ein Buch zu schreiben.

Simone Frieling (Hrsg.), Die Lyrik des Abendlandes, Von den Griechen bis zur Gegenwart, 500 Seiten, Anaconda Verlag, ISBN 978-3866474284

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Leseproben



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Rolf Bauerdick: «Wie die Madonna auf den Mond kam»

Posted in Bernd Giehl, Buch-Rezension, Literatur, Rezensionen, Rolf Bauerdick by Walter Eigenmann on 26. November 2009

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Interessante Bewältigung eines komplizierten Stoffes

Bernd Giehl

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Rolf Bauerdick, Jahrgang 1957, studierte Literaturwissenschaft und Theologie, bevor er sich dem Journalismus zuwandte. Er hat Reportagereisen in rund sechzig Länder unternommen – nun legt er mit «Wie die Madonna auf den Mond kam» seinen ersten Roman vor.
Von Mal zu Mal wird die Theorie atemberaubender, die die beiden Helden des Buches, Ilja Botev und sein Freund, der Zigeuner Dimitru Gabor da zusammenspinnen. Das Buch beginnt mit dem Flug des ersten, noch unbemannten Weltraumfahrzeugs, des «Sputnik 1» der großen heldenhaften Sowjetunion am 5. November 1957. Und schon an diesem Tag wird die Verschrobenheit der beiden Freunde deutlich, die mit einem Trichter in den Weltraum horchen, um die Signale des Sputniks aufzufangen. In was für einen Wahn sich diese beiden liebenswerten Männer allerdings noch hineinsteigern werden, ahnt der Leser zu Beginn des Buches noch nicht. Denn erst einmal geht es um einen anderen Erzählfaden, nämlich das Verschwinden der versoffenen und eigentlich gar nicht so beliebten Lehrerin an der einklassigen Volksschule in Baia Luna, Angela Barbulescu, von allen nur «die Barbu» genannt. Finstere Mächte scheinen ihre Finger im Spiel zu haben, denn der Ich-Erzähler, Pavel Botev, der Enkel Iljas, hat nicht nur ein Foto gesehen, auf dem die junge, hübsche Barbu in einer Orgie mit dem (späteren) Parteibonzen Dr. Stefan Stefanescu zu sehen ist, sondern er hat auch ihr Tagebuch gefunden, das sie vor ihrem Verschwinden im Pfarrhaus des Dorfes versteckt hat. Und dann wird auch noch dem im Dorf beliebten Priester Johannes Baptiste der Hals durchgeschnitten. Später, als die Barbu auf dem Mondberg tot an einem Baum hängend gefunden wird, glaubt das Dorf, die Lehrerin habe den Pfarrer ermordet. Nur Pavel ist davon überzeugt, dass die kommunistische Partei hinter den mysteriösen Todesfällen steckt, und er beschließt, den Auftrag, den ihm die Barbu kurz vor ihrem Verschwinden gegeben hat, nämlich Stefanescu zu vernichten, in die Tat umzusetzen.

Rolf Bauerdick

Das ist der eine Strang des Romans. Der andere ergibt sich aus der Theorie, die Dimitru in die Welt setzt, und der der Großvater Ilja mehr und mehr verfällt. Dimitru und Ilja glauben nämlich, dass die Sowjetunion mit ihrem Schritt in den Weltraum nicht nur beweisen wolle, dass sie den Amerikanern überlegen sind, sondern dass sie vielmehr Amerika und dessen Währung, den Dollar, vernichten wollen. Das würde den Sowjets dann gelingen, wenn sie beweisen könnten, dass Gott nicht existiert. Schließlich steht ja auf jedem Dollarschein «In God we trust.» Der Plan, den die Russen ausgeheckt haben, ist äußerst raffiniert. Die Russen wollen nämlich auf dem Mond landen und damit der Jungfrau Maria an den Kragen. Klar ist nämlich, dass die Jungfrau Maria sich – nach ihrer leiblichen Himmelfahrt – nur auf dem Mond befinden kann. Beweis: Die Madonnen-Statue, die viele Jahre in der Kirche von Baia Luna stand, und die nun verschwunden ist, stand auf einer Sichel. Und diese Sichel kann nur der Mond sein. Also tauschen die beiden, angestachelt von Pavel, den Fernseher, den Dimitru vor Jahren dem Großvater zu seinem 55. Geburtstag geschenkt hat, in einem Geschäft der Provinzhauptstadt gegen ein Himmelsfernrohr und die Ausrüstung eines Fotolabors. Dass Pavel, der vor allem an dem Fotolabor interessiert ist, dabei seine ganz eigenen Absichten hat, verrät der natürlich nicht. Das Fotolabor braucht Pavel für seine eigenen Pläne mit Stefanescu, den er mit einem alten Foto vernichten will, was ihm aber nicht gelingt. Stattdessen bringt er seine eigenen Leute in höchste Gefahr. Dann landen die Amerikaner 1969 auf dem Mond, aber leider im falschen Krater, im «Mare Tranquilitatis» statt im «Mare Serenitatis», wo Maria ihr letztes Domizil aufgeschlagen hat, wie Dimitru es bei seinen theologischen Studien herausgefunden hat. Kurzum: die ganze Welt hat sich gegen die beiden Freunde verschworen. Sogar der Papst ist Mitglied dieser weltweiten Verschwörung, weil er im Zweiten Vatikanischen Konzil verkündet hat, das Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel sei nicht wörtlich zu nehmen. Wie das Unglück es will, wird in dieser Zeit ein neuer Pfarrer in Baia Luna eingeführt, und der erzählt den Leuten in seiner ersten Predigt davon, was Ilja Botev derart auf die Palme bringt, dass er einen Eklat in der Kirche veranstaltet. Es bleibt ihm nur noch die Möglichkeit, Präsident Richard Nixon, der gerade im Begriff ist, die Hauptstadt «Transmontaniens» («Hinter den Bergen») zu besuchen, mit einem persönlichen Brief vor den Folgen zu warnen…

Rolf Bauerdick ist ein sehr schöner und auch ziemlich schräger Roman gelungen. Natürlich soll hier nicht verraten werden, wie das Buch ausgeht. Nur so viel sei noch dazu gesagt: Es ist spannend und komisch; manchmal habe ich Tränen gelacht und andere Male das Buch nicht aus der Hand legen können, bis ich wusste, wie Pavel und die anderen sich aus der Gefahr retten konnten. Es hat auch seine Widersprüchlichkeiten – vor allem in der Person Dimitrus, der einerseits auf eine fast rührend naive Weise an die Religion glaubt und der andererseits, ohne mit der Wimper zu zucken, Reliquien wie die Muttermilch aus den Brüsten der Heiligen Jungfrau herstellen kann, die er dann gegen bares Geld an orthodoxe Klöster verkauft, um zum Beispiel seinem Freund Ilja einen Fernseher zum Geburtstag schenken zu können. Es ist ein Buch, das in einem fiktiven Land, nämlich «Transmontanien» spielt und das doch auf fast jeder Seite das reale Vorbild, Rumänien, durchscheinen lässt. Wer seine (westliche) Überlegenheit ausspielen will, der wird behaupten, dass die Menschen in diesem Buch ja wirklich «hinter den sieben Bergen wohnen», dass sie Hinterweltler sind. Aber offensichtlich hat Bauerdick begriffen, dass religiöse Menschen nicht per se Heuchler sein müssen. Hier zumindest ist es der christliche Glaube, der seine Helden formt, so biblizistisch und abergläubisch er im Übrigen auch ausgestaltet sein mag. Zumindest die wichtigsten Personen des Buchs, Pavel, sein Großvater Ilja und Dimitru, aber auch der Priester Johannes Baptiste sind Menschen mit einem großen, weiten Herzen; daran ändert alle Verschrobenheit nichts.
Mir gefällt, wie Bauerdick Leitmotive schafft, die sich durch das ganze Buch durchziehen. Die Madonna ist so ein Leitmotiv; die Freiheitsstatue in New York ein anderes. An der Sprache hätte, unter Mitwirkung eines umsichtigeren Lektorats, noch gefeilt werden können. Aber Bauerdick hat es geschafft, einen ziemlich komplizierten Stoff so darzubieten, dass das Buch nirgendwo angestrengt wirkt. ■

Rolf Bauerdick, Wie die Madonna auf den Mond kam, Roman, 516 Seiten, Deutsche Verlagsanstalt, ISBN 978-3-421-04446-4

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Leseproben


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Themenverwandte Links

Der Westen: Rolf BauerdickThrill&Chill: Bauerdick

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Siggi Liersch: «Köttelbug, ich & andere», Kurzprosa

Posted in Bernd Giehl, Buch-Rezension, Literatur, Rezensionen, Siggi Liersch by Walter Eigenmann on 30. September 2009

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Literarische Reanimation des Dadaismus

Bernd Giehl

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Siggi Liersch_Koettelbug_Book on demandEines muss man Siggi Liersch ja lassen: Mut hat er. Schon das Bild des Autors auf dem Cover wirkt eher abschreckend. (Womöglich ist es mit einem extremen Weitwinkelobjektiv aufgenommen worden, einem sogenannten „Fisheye», das den Abgebildeten dicker macht, als er wirklich ist…) Dass dieses Bild allerdings nicht zufällig ausgewählt, sondern Programm ist, merkt man bald, wenn man den einen oder anderen der «Kurzprosa» genannten Texte aufschlägt.
In den ersten beiden Teilen, «Köttelbug» und «ich», ist keiner länger als eine Seite. Die meisten Texte haben einen Umfang von einer drittel bis einer halben Seite. Es handelt sich um ins Groteske gesteigerte Beobachtungen aus dem Alltag, oder dann um Traumsequenzen. Ein Kartenspieler sitzt in einem Raum, in dem die Vorhänge zugezogen sind und gewinnt eine halbe Frau, vom Bauchnabel abwärts, die zudem aussätzig ist. Er möchte ins Freie, wo Geckos an Holzmasten sitzen und von denen einer gerade seine halbe Frau verspeist. («Spiel»). In einem anderen Text («Avantgarde») verwirklicht ein bisher unbekannter Komponist namens Molotow  («nicht zu verwechseln mit einem gleichnamigen, politisch orientierten Namensvetter») den Traum der Futuristen aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts und bringt in Bayreuth bei den Wagner-Festspielen ein Orchester auf die Bühne, das statt mit Violinen, Oboen und Blechblasinstrumenten mit Maschinengewehren, Panzerfäusten und Splitterbomben bewaffnet ist.

Offensichtlich hat da einer den Dadaismus, jene von Hugo Ball, Tristan Tzara, Hans Arp und anderen 1916 in Zürich erfundene Kunstrichtung, noch einmal für sich neu gefunden. Eine schöne Definition von «Dada» habe ich im «Funkkolleg Moderne Literatur» von 1993 gefunden. Laut Tristan Tzara und Richard Huelsenbeck  kam «Dada [...] aus dem Leib eines Pferdes als Blumenkorb.» (Studienbrief 4, 12/6) Oder anders gesagt: Dada verbindet möglichst disparate Elemente zu einem Ganzen. Dinge werden montiert, die in der Realität sonst nichts miteinander zu tun haben. In  den Texten des studierten Germanisten Siggi Liersch feiert dieses Prinzip Wiederauferstehung. Auch die über das Buch verstreuten Collagen sind im Stil des Dadaismus gehalten.
Ob man das alles ernst nehmen muss? Meiner Meinung nach sind es eher sinnfreie Texte, die mit der Realität nicht allzu viel zu tun haben. Aber über Dada und die Frage, ob es einen Sinn im Unsinn gibt,  lässt sich bekanntlich wunderbar streiten. Wobei man in einer Zeit, in der eine Partei Steuersenkungen fordert, obwohl sie weiß, dass der Staat so hoch verschuldet ist wie nie zuvor, schon einmal darüber nachdenken kann, ob das Groteske nicht langsam immer mehr zur Realität wird und man der Realität (allenfalls) noch mit Satire beikommen kann…

Siggi Liersch, Köttelbug, ich & andere, Kurzprosa und Collagen, 152 Seiten, BoD Norderstedt, ISBN 978-3-8391-2179-5

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Schweizer Literaturzeitschrift SCRIPTUM digitalisiert

Posted in Literatur, Literatur-Zeitschriften, Scriptum, Walter Eigenmann by Walter Eigenmann on 31. Juli 2009

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SCRIPTUM – Neue Blätter für Literatur (1990-98)

Walter Eigenmann

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SCRIPTUM Nr.1 / 1990

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SCRIPTUM Nr.31 / 1998

Vom Sommer 1990 bis im Frühjahr 1998 wurde vom Autor die Literaturzeitschrift SCRIPTUM herausgegeben. In insgesamt 31 vierteljährlich erschienenen A4-Heften wurden dabei auf weit über 1’000 Seiten Essays, Prosatexte, Gedichte, Theaterstücke, Reportagen, Interviews und Rezensionen von über 400 bekannten und weniger bekannten SchriftstellerInnen aus dem gesamten deutschsprachigen Europa abgedruckt.  Schon bald nach dem Start eroberten sich diese «Neuen Blätter für Literatur» (später: «Das Schweizer Literaturmagazin»), welche von Beginn weg auf sprachliche Qualität, thematische wie stilistische Breite sowie inhaltliche Originalität setzten, einen festen Platz in der internationalen literarischen Landschaft. Kaum ein Literaturbereich, eine literarische Strömung, ein vielversprechender Name im zeitgenössischen Literaturleben, der/die/der nicht auch seinen Niederschlag in den Neuen Blättern für Literatur gefunden hätte:  Vom Haiku bis zur Konkreten Poesie, vom Shakespeare-Essay bis zur pornographischen Satire, vom Polit-Report bis zum Prominenten-Interview, vom Länder-Portrait bis zum dörflichen Literaturwettbewerb war während des 8-jährigen Erscheinens des Heftes alles zu lesen.
In seinen Spitzenzeiten hatte SCRIPTUM eine für sein Genre schier unglaubliche Auflage von 3’000 Exemplaren und war in den großen Buchhandlungen ebenso präsent wie in den wichtigen Bibliotheken. Im Soge dieses Erfolges konnte sich übrigens das Magazin eine weitere, in der internationalen Szene besonderes Aufsehen erregende Rarität leisten: ab der zehnten Nummer schüttete SCRIPTUM konsequent Autorenhonorare (wenngleich auch naturgemäß bescheidene) aus,  sämtliche Abo- und Werbe-Einnahmen wurden umgehend an die SchriftstellerInnen weitergereicht.
Im Laufe der Jahre durfte der Herausgeber selbstverständlich auch zahlreiche kompetente Persönlichkeiten zu seinen ständigen redaktionellen Mitarbeitern zählen. Sie alle hier namentlich zu nennen führte zu weit; Auskunft geben die Impressum-Angaben der jeweiligen Heftausgaben. Fest steht, dass sie je die Inhalte und Präsenz von SCRIPTUM teils maßgeblich beeinflussten; Ihre langjährige Arbeit sei hier in corpore nochmals öffentlich verdankt. Nicht ohne Dank bleibe schließlich auch die zweimalige finanzielle Unterstützung durch die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia in der Anfangsphase der Zeitschrift; dies staatliche Engagement hat nicht nur mit Geld geholfen, sondern als Anerkennung die Blattmacher auch motiviert.

Scriptum_Heft_02_Seite16

SCRIPTUM Nr.2 / Seite 16

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SCRIPTUM Nr.30 / Seite 19

Im Sommer 1998 kam dann das Aus für SCRIPTUM; die Nummer 32 war zwar weitgehend konzipiert, konnte aber nicht mehr realisiert werden: Einschneidende personelle Änderungen innerhalb der Redaktion, eine ungenügend gestützte «Kapitaldecke», auch die absehbare allgemeine «Machtübernahme» so vieler Printmedien durch das Internet, vor allem aber die inzwischen massiv gestiegenen Druck- und Versandkosten zwangen nach knapp acht Jahrgängen schließlich zur Beerdigung des idealistisch-utopischen Literaturprojektes SCRIPTUM.
Dem Herausgeber wurde das Ende der Zeitschrift «erleichtert» durch die Gewissheit, unzählige interessante (auch experimentelle) literarische Strömungen begleitet, zahlreichen jungen und/oder unbekannten Schreibenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu einem ersten beachteten «Auftritt» verholfen, so manchem mittlerweile international bekannten Schriftsteller eine reputierte Publikationsplattform geboten, grenzüberschreitende Autoren-Netzwerke initiiert sowie persönlich im Laufe der Jahre viele menschlich bereichernde Kontakte in alle Welt geknüpft zu haben. Walter Eigenmann -

Eine kleine Auswahl repräsentativer Presse-Stimmen aus jener Zeit

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Luzerner Woche_1996

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Badener Tagblatt_1996 Impressum_1993 Fuldaer Zeitung_1997 Panorama_1994

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Sämtliche SCRIPTUM-Jahrgänge sind komplett ausverkauft. Doch seit kurzem liegen alle Hefte in einer bild-digitalisierten und ausdruckbaren Form (pdf-Format) auf DVD vor. Die DVD ist bei der Redaktion zu beziehen gegen Fr. 15.- (Inland) bzw. EUR 15.- (Ausland), jeweils inkl. Verpackung & Versand. (Lieferung nur gegen Vorkasse; Kein Einzelheft-Verkauf; Bitte benützen Sie für Ihre Bestellung ausschließlich den folgenden —> Bestell-Link).

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Inhalte aller 8 Jahrgänge

Heft_01_1990_Seite01Heft 01 / 1990

(«Neue Blätter für Literatur»)

Essays
Bodo Wenzlaff: Zeitgeist (4); Peter Stiegnitz: Die abgeklärten Aufklärer (16); Maria Hauck: Vom Kranksein (30)

Prosa
Jürg Hanselmann: Das Sackmesser (22); Mara Wegmann: Salve (26); Christian Urech: Es war einmal (34)

Lyrik
Marita Capol: 3 Gedichte (10); Fy Lüthi: 3 Gedichte (14); Michael Marx: 2 Gedichte (32); Weitere Lyrik von Günter Harnisch (27,31), Robert Reuling (9,13), Urs Richle (40), Oliver Thiele (17,18,19)

Satiren
Dorit Böhme: Von den Freuden des Schreckens (8); Hans Gysi: Panoptikum in Prosa (12)

Theater
Herbert Jost: Hamlets Rückkehr (35)

Illustrationen
Herbert Jost: Ich tanze im Licht, Tusche

Impressum (9)

Heft_02_1990_Seite01Heft 02 / 1990

(«Neue Blätter für Literatur»)

Editorial (2)

Essay
Günter Harnisch: Der meditative Mensch (14)

Prosa
Bernd Giehl: Höhenfeuer (20); Horst Seidler: Das Jahrhundert der Katastrophen (26), Pia Maria Brunner: 2 Prosa-Stücke (32)

Lyrik
Fry Lüthi: 3 Gedichte (25); Winfried Kretschmer: 6 Gedichte (31); Weitere Lyrik von Lothar Reese (15,16), Sibylle Luckenbach-Tenner (17,18), Roland Tixier (23)

Theater
Carlos da Costa: Schreiber (4)

Impressum (19)

Heft_03_1991_Seite01Heft 03 / 1991

(«Neue Blätter für Literatur»)

Editorial (2)

Essay
Peter Stiegnitz: Wahrheit und Wirklichkeit (4)

Prosa
Wendel Schäfer: Die Belastungsprobe (14); Norbert Schmid/Sternmut: Die Auferstehung (16); Oliver Gassner: Freudiana (19); Oliver Thiele: Der Freund (20); Manfred van Well: Nachts (28)

Lyrik
Werner Görischk: Was so wird (10); Susanna Hobi: Gedicht (15); Ruben Mullis: Gedicht (32); Weitere Lyrik von Cora Brandt (17,18), Joana Hofer (29,30), Axel Ressler (21,22), Rudolf Schmeiser (25,26), Christa Schmitt (27), Karl Seemann (5,6,7)

Satiren
Ralf Weisbecker: Positives Denken (8); Herbert Jost: Der Einzige (12);

Theater
Raphaela Schwyter: Saurer Frühlingswein (24)

Impressum (22)

Heft_04_1991_Seite01Heft 04 / 1991

(«Neue Blätter für Literatur»)

Editorial (2)

Essays
Rolf Stolz: Neue Kultur – Volkskultur? Über die kulturelle Selbstbestimmung in einem anderen Europa (4); Bodo Wenzlaff: Über Vernunft und Gefühl (28)

Prosa
Christian Urech: Der Flug (24); Karsten P. Sturm: Landscapes (27); Rita Binder: Der Schrank (32)

Lyrik
Karl-Heinz Schreiber: 2 Gedichte (22); Hannelore Furch: 3 Gedichte (26); Weitere Lyrik von Matthieß von Bonin (11,12,13), Annegret Gollin (36), Peter Würl (29,30,31)

Satire
Go Verburg: Kirchenkollekte (19)

Theater
Roland Spranger: Warum waschen? (14)

Manuskriptbörse/Marktplatz (23)

Impressum (35)

Heft_05_1991_Seite01Heft 05 / 1991

(«Neue Blätter für Literatur»)

Editorial (3)

Essays
Bodo Wenzlaff: Über das Wir und das Ich (4); Tim Krohn: Autobiographie als Selbstverwirklichung? Über die neue Innerlichkeit in der Schweizer Literatur, Teil 1 (28)

Prosa
Natalie Kuhn: Karem (10); Frank L. Ludwig: 3.10.1990 (12); Wendel Schäfer: 2 Prosastücke (14); Reinhard Hölbling: Die Kieselsteine (22); Peter Fahr: Begegnung (24); Peter Sigg: Im Park (27); Herbert Jost: Geschichte aus Amerika (32)

Satire
Kurt Tutschek: Das Höschen der Mona Lisa (18)

Lyrik
Fry Lüthi: 3 Gedichte (7); Frank L. Ludwig: 2 Gedichte (13); Hans Gysi: 3 Gedichte (26); Weitere Lyrik von Annegret Gollin (5), Kurt Konrad (19,20), Sibylle Luckenbach-Tenner (25), Peter Sigg (27), Annette Wildi (33,34,35), Christian Sczesny (23)

Ausschreibungen (8)

Manuskriptbörse (15)

Marktplatz (16)

Namen&Nachrichten (17)

Kurzrezensionen (21)
Walter Eigenmann: Züsli-Niscosi, «Dennoch», Cantina Verlag; Stiegnitz, «Lügen lohnt sich», Haag+Herchen Verlag; Wagemann, «Rauslassen, Rad ab, Ver-Einigung», Gauke Verlag

Graphik (36)

Impressum (6)

Heft_06_1991_Seite01Heft 06 / 1991

(«Neue Blätter für Literatur»)

Essays
Tim Krohn: Autobiographie als Selbstverwirklichung? Über die neue Innerlichkeit in der Schweizer Literatur, Teil 2 (4); Bodo Wenzlaff: Die Vision «Europa», Zukunft als Krisenmanagement (20)

Prosa
Georges Raillard: Besuch im Paradies (8); Ursula Noser: Sonderlings Beerdigung (16)

Satire
Knollo (Pseudonym): Treffen sich zwei Bayern (12)

Lyrik
Hannelore Furch: 3 Gedichte (11); Rainer Wedler: 3 Gedichte (14); Bruno Schlatter: 7 Gedichte (18,19); Germain Droogenbroodt: 3 Gedichte (30); Weitere Lyrik von Kurt In Albon (22,23), Wolfgang Lichtensteiger (10)

Theater
Perikles Monioudis: Herr Ott (26)

Illustrationen
Gilbert Piller: Öl auf Leinwand, 1982 (1); Harald Lux: Apokryphen I, Tuschezeichnung (31); Reinhard Hölbling: Stilleben, Photocollage (32)

Ausschreibungen (24)

Manuskriptbörse&Marktplatz (13)

Neuerscheinungen (15)
Gmellus, «Im Liebesrausch des Feuervogels»; Kunold/Lommel, «Männersuche»; Schmitt, «Vor dem Ende der Lesekultur»; Stiegnitz, «Eliten»

Impressum (17)

Heft_07_1992_Seite01Heft 07 / 1992

(«Neue Blätter für Literatur»)

Essays
Tim Krohn: Autobiographie als Selbstverwirklichung? Über die neue Innerlichkeit in der Schweizer Literatur, Teil 3 (4); Peter Fahr: Weißes Kreuz auf braunem Grund, Zum Rassismus in der Schweiz (22)

Prosa
Thomas Frisch: Skylla (16); Horst Seidler: Maigeburten (20); Michaela Seul: Eine Liebe im Herbst (25)

Satiren
Rainer Wedler: Darum ist es am Rhein so schön (12); Michael Tonfeld: Aktion «Ein Herz für Arbeitslose» (26); Manfred Wieninger: 5 Mikrodramen (30)

Lyrik
Marcel Haag: 3 Gedichte (15); Burghard Damerau: 2 Gedichte (17); Weitere Gedichte von Renald Lilge (21), Hadayatullah Hübsch (13), Günter Born (23,24)

Theater
Patrick Cotti: Kein Stück (28)

Illustrationen
Kolibri (Pseudonym): Tusche-Zeichnungen (32)

Manuskriptbörse&Marktplatz (9)

Ausschreibungen (10)

Neuerscheinungen (11)
Samwald, «Sucht nach Zärtlichkeit»; Andreotti, «Die Struktur der modernen Literatur»; Kemper/Kaptein, «Jahreszeit»

Rezensionen (18)
Siegfried Wyler: Andreotti, «Die Struktur der modernen Literatur», Haupt Verlag; Bernd Giehl: Züsli, «Dennoch», Cantina Verlag

Impressum (21)

Heft_08_1992_Seite01Heft 08 / 1992

(«Neue Blätter für Literatur»)

Essays
Tim Krohn: Autobiographie als Selbstverwirklichung? Über die neue Innerlichkeit in der Schweizer Literatur, Teil 4 (4); Mario Andreotti: Der moderne Mensch zwischen Mythos und Realität, Zu einer notwendigen Provokation der literarischen Moderne (24);

Prosa
Wolfgang Gsell: Begegnung mit einem Dichter (8); Siegfried Holzbauer: 2 Storys (14); Michaela Seul: Coitus infernale (16); Brigitte Fuchs: Gruppenaufnahme (20)

Satire
Wolfgang Reus: Begegnung im Park (22)

Lyrik
Karl-Heinz Barwasser: 4 Gedichte (7); Martin Kirchhoff: 3 Gedichte (13); Reto Baer: 3 Gedichte (15); Weitere Lyrik von Walter Haas (21), Volker Weber (23), Michael Arenz (29)

Grafik
Brigitt Filippini: 4 Variationen über «scriptare» (10,12,32)

Manuskriptbörse&Marktplatz (9)

Ausschreibungen (19)

Neuerscheinungen (11)
Widmer, «Der blaue Siphon»; Sollberger, «Lisi forever»; von Gunten, «Frauengesichter»; Wuneng, «West-östliches Kaleidoskop»; Zimmermann: «Einführung in die abendländische Geistesverwirrung»; Bezzel, Widmer, «Liebes böses Tier»; Krohn, «Surfer / Zeitalter des Esels»; Wondratschek, «Die Gedichte»

Rezensionen (18,19)
Herbert Jost: Stiegnitz, «Eliten», Edition Atelier; Tim Krohn: Widmer, «Der blaue Siphon», Diogenes Verlag

Impressum (21)

Briefe an die Redaktion (30)

Heft_09_1992_Seite01Heft 09 / 1992

(«Neue Blätter für Literatur»)

Editorial (3)

Essays
Bodo Wenzlaff: Von der Sprachlosigkeit (4); Rainer Wedler: Über das Lesen von Büchern (16); Erwin Jäger: Die Dimension des Schmerzes, Kommentare zu Francois Mauriac (24)

Ratgeber
Walter Eigenmann: Die 10 Gebote der Manuskriptgestaltung (10)

Prosa
Ulrich Raschke: Smoking (14); Jürg Moser: Ein ganz neuer Mensch (20); Marcus von Schmude: Heimweg (28); Peter Weingartner: 2 Prosastücke (29)

Lyrik
Ueli Schenker: 3 Gedichte (5,6); Willi Achten: 3 Gedichte (13); Zoran Drvenka: Gedicht (21); Erich Schirhuber: 6 Gedichte (22); Markus Bossmeyer: 2 Gedichte (26,27); Maya Hostettler: 3 Gedichte (30)

Grafiken
Frank Richter: 3 Textgrafiken (8)

Manuskriptbörse&Marktplatz (9)

Neuerscheinungen (11)
Rademacher, «Das Wesen»; Zimmermann, «Der Tod ist ein Freund»; Dominik, «Fraktale Endschaften»; Karr, «Lexikon der deutschen Krimi-Autoren»; Barwasser, «Das Ypsilon der verdrehten Achsel»; Nendza, «Glaszeit»

Ausschreibungen (18)

Rezensionen (18,19)
Bernd Giehl: Hutterli, «Stachelflieder», Edition Erpf; Harald K. Hülsmann: Literaturzeitschrift «Der Freibeuter», Wagenbach Verlag; Andreaus Goetz: Runzheimer, «Im Labyrinth der Analyse», Laakes Verlag

Impressum (21)

Heft_10_1992_Seite01Heft 10 / 1992

(«Neue Blätter für Literatur»)

Editorial (3)

Essays
Johannes Popp: Mensch ärgere dich nicht (24); Norbert Koschitz: Die Kolonialisierung des Sprechens (26); Andreas Goetz: Steht eine Hesse-Renaissance bevor? (30)

Prosa
Herbert Laschet: Für die Mabka mit (12); Conchita Herzig: Love Story (22); Daniel Mylow: Fliegen (28); Harald K. Hülsmann: Atom-Albert (32)

Satiren
Manfred Wieninger: 3 Mikrodraman (4)

Lyrik
Carlo Gianola: 3 Gedichte (5); Lyrik aus Argentinien: Virginia Rhodas, Carmen F. Lent (7); Reimer Eilers: Gedicht (23); Robert Stauffer: 2 Gedichte (25); Silke Schuemmer: Gedicht (29); Judith Rohr: 2 Gedichte (33)

Literaturszene Schweiz
Johannes Popp: «Ich möchte Erlebnisse schaffen», Interview mit Armin P. Barth (14); Johannes Popp: Berner Literaturpreis für Christoph Geiser, Zu Geisers neuem Roman «Das Gefängnis der Wünsche» (14)

Literaturszene Deutschland
Andreas Goetz: Verkaufen, verkaufen, verkaufen! Der literarische Markt in Deutschland (16)

Literaturszene Österreich
Manfred Wieninger: Literaten ins Parlament? Gespräch mit der Kulturpolitikerin Hilde Hawlicek (18)

Ausschreibungen/Veranstaltungen/Termine (10)

Manuskriptbörse&Marktplatz (11)

Rezensionen (20,21)
Johannes Popp: 2 Anthologien, Bochumer Autoren & Schriftstellerassoziation Dresden, Gasseleder; Andreas Sommer: Nendza, «Glaszeit», Atelier Verlag; Herbert Jost: Lyrismen, «Dominik’s Fraktale Endschaften», Dyade-Exil-Verlag; Konrad Weber: Bräker, «Es wird kein Friede sein», Artemis&Winkler Verlag;

Neuerscheinungen (9)
Bochumer Autoren, «Es ist alles in Ordnung»; Egner, «Als der Weihnachtsmann eine Frau war»; Kloimstein, «Stricharten»; Bräker, «Es wird kein Friede sein»; Drews, «Dichter beschimpfen Dichter II»; Frieling, «Wie schreibe ich meine Erinnerungen?»; Haffmans Magazin, «Der Rabe Nr.14»; Richter/Mitscherlich u.a., «Spuren der Verfolgung»; Lebert/Scholz, «Kinder des Windes»; Jacobi, «Tod und Teufel / Bote Nr.12»; Allemann, «Feuerlauf»; Meyer, «Durchgänge»

Briefe an die Redaktion (34)

Impressum (23)

Heft_11_1993_Seite01Heft 11 / 1993

(«Neue Blätter für Literatur»)

Editorial (3)

Essays
Herbert Jost: Kunst, Kultur, Lasagne, Notizen zum deutschen Kulturbetrieb (4); Peter Bußjäger: Aus Lust werde Schmerz, Dualistische Abschweifungen (28); Rainer Wedler: Der Keiser ist tot, es lebe der Kaiser, Anmerkungen zur Rechtschreibreform (32)

Prosa
Hadayatullah Hübsch: Revolution der Glatzköpfe (14); Stefan Melnecuk: Trauma in Grau (26); Paula Küng: Der Leser (31);

Satiren
Georg Schwikart: Dichtersorgen (34); Cla Riatsch: Fernseh-Trio, literarisch (36)

Lyrik
Freddy Allemann: 3 Gedichte (13); Anna Wünsch: 2 Gedichte (15); Tanja Dückers: 3 Gedichte (24); Liane Biberger: 2 Gedichte (29); Adi Sollberger: 2 Gedichte (33); Weitere Lyrik von Udo Wilke (28), Christiane Pabst (31)

Literaturszene Schweiz
Johannes Popp: Monte Verita, Ascona und seine Kulturgeschichte (16); Johannes Popp: Blick über die Alpen, Das andere Tessin: Alberto Nessis «Abendzug» (16)

Literaturszene Deutschland
Andreas Goetz: «Schreiben ist eine einseitige Tätigkeit», Interview mit der Lyrikerin Barbara Köhler (18)

Literaturszene Österreich
Manfred Wieninger: Der Literaturmanager, Peter Schaden und sein Wiener Art Center (20)

Ausschreibungen/Veranstaltungen (10)

Manuskriptbörse&Marktplatz (7)

Rezensionen (22,23)
Konrad Weber: Hardtmann, «Spuren der Verfolgung», Bleicher Verlag; Stefan Eggerdinger: Jacobi, «Deutschdeutsch», Maistraßen-Presse; Andreas Sommer: Gianola, «Nadelrisse», Pro Lyrica Verlag; Walter Eigenmann: Wondratschek, «Die Gedichte», Diogenes Verlag; Herbert Jost: «Der Rabe» Nr.34, Haffmans Verlag; Walter Eigenmann: Werf, «Poesie der Bretagne», Atelier Verlag

Neuerscheinungen (9)
Reus, «So was und wie»; Kägi, «Die schwarze Kuh»; Werf, «Poesie der Bretagne»; Gianola, «Nadelrisse»; Kreibaum, «Fortschritt, Fortschritt über alles?»; Jacobi, «Deutsch-Deutsch»; Stadler, «Gedichte und Sprüche»; Wünsch, «Raber-Stimmungen»; Holstein, «Alptag»; Wiedl, «Fallgruben»; Fischer-Anthologie, «Durch tausend Türen»; Pflanz, «Andreas Roman und Chris Patrick»; Anthologie «Streitbarer Materialismus»; Laube, «Le dernier crie»; Garnier, «Picard – Eine Chronik»; Literaturzeitschrift «Der entfesselte Prometheus»

Briefe an die Redaktion (38)

Impressum (27)

Heft_12_1993_Seite01Heft 12 / 1993

(«Neue Blätter für Literatur»)

Editorial (3)

Essays
Mario Andreotti: Ist Dichten lernbar? Über Sinn und Unsinn von Schreibseminarien (4); Erwin Jäger: Kosmetik und Schamgefühl, Zum 120. Geburtsjahr von Sidonie-Gabrielle Colette (26); Rosanna Müller-Brusco: Lesen aus Lust, Technik kontra Sprache (37)

Prosa
Lothar Becker: Hitler in der U-Bahn (20); Doris Schöni: Der Aschenbecher-Mann (28); Franz Züsli: Taksi! (32); Christine Wiesmüller: Die Dunkelkammer (34)

Satiren
Helmut Haberkamm: Burning love (19); Manfred Hausin: Die geflickte Hose (19)

Lyrik
Rainer Wedler: 3 Gedichte (7); Rosa Gruber: 3 Gedichte (23); Conradin Allemann: 3 Gedichte (31); Weitere Lyrik von Robert Stauffer (21), Klaus Schmidt-Macon (29), Bettina Balaka (33)

Literaturszene Schweiz
Johannes Popp: «Kleinverlage haben mehr Chancen denn je!», Interview mit dem Zürcher Buchhändler und Verleger Rico Bilger (8); Johannes Popp: Stories – und mehr, Zu E.M. Cuchulains Prosaband «Unruhig» (8)

Literaturszene Deutschland
Andreas Goetz: Texte, Dichter, Videos, Interviews mit den ostdeutschen Autoren Johannes Jansen und Norbert Bleisch (10)

Literaturszene Österreich
Manfred Wieninger: Ad multos annos, Kämpfe und Krämpfe um die neueste Urheberrechtsnovelle (12)

Rezensionen (14,15)
Johannes Popp: Holstein, «Alptag», Edition Leu; Andreas Sommer: Gisi, «Sturzwellen des Untergangs», Edition Lucrezia Borgia; Derek Meister: Laube, «Le dernie cri», Edition Sisyphos; Al’ Leu: Odemann, «Das hat gerade noch gefehlt», Bleicher Verlag; Bernd Giehl: Pixner, «Spitzbergen rückt näher», Edition L; Volker Koesling: Steinmann, «Nachtfahrt», Benziger Verlag; Walter Eigenmann: Ziegler, «Heinrich Heine», Artemis&Winkler Verlag; Rosanna Müller-Brusco: Fuchs, «Das Blaue vom Himmel», Glendyn Verlag

Neuerscheinungen (17)
Reus, «So was und wie»; Guitton, «Gott und die Wissenschaft»; Prêtre, «Mein Wahnsinn ist meine Insel»; Pixner, «Spitzbergen rückt näher»; Redmann, «Der Alltag im Kaffeesatz»; Hintze, «30 Rufe»; Pape, «Lichtzeichen»; Ramsauer, «Schweigen»; Steinmann, «Nachtfahrt»; Jürges, «Gedichte aus der Anderwelt»; Stadler, «Gedanken über das tägliche Leben»; Lyrik-Anthologie «Frühlingssonne&Herbststurm»; Gisi, «Helle Dunkelheit»; Hildebrand, «… kehr ich zurück»; Taugwalder, «Auf-Bruch»; Ziegler, «Heinrich Heine»; Röttger, «Preußischer Herbst»; Rother, «Reisen zu Dietrich Bonheffer»

Ausschreibungen (25)

Impressum (39)

Heft_13_1993_Seite01Heft 13 / 1993

(«Neue Blätter für Literatur»)

Editorial (3)

Essays
Hadayatullah Hübsch: Liebe, Drogen, Spontaneität, Die Literatur der Beat-Generation (4); Rosanna Müller-Brusco: Der Januskopf, Essay über Essays (8); Freddy Allemann: «Sind Sie das Feuer?», Protokoll einer Schul-Autorenlesung (35)

Prosa
René Oberholzer: 3 Prosastücke (11); Klaus Schmidt-Macon: Im Kreis der 6 (14); Winfriede Kohlmeigner: Anopheles (24); Konrad Vogel: Introkubus (33); Brigitte Bee (Pseudonym): 2 Prosastücke (37)

Satire
Bournic (Pseudonym): Reich-Ranicki for President! Warum M. R.-R. Bundespräsident werden muss (12)

Lyrik
Wolfgang Weigel: 2 Gedichte (7); Martin Ohrt: 2 Gedichte (11); Erich Pfefferlen: 2 Gedichte (13); Jacqueline Crevoisier: 3 Gedichte (31); Brigitte Langer: 2 Gedichte (39); Arne Rautenberg: 2 Gedichte (39); Weitere Lyrik von Sabine Neumann (9), Robert Steiner(Pseudonym) (25)

Literaturszene Schweiz
Johannes Popp: Sprache und Sprachverwirrung, Über die Romandie, ihre Literatur und das Französische in der Schweiz (18); Wen-huei Chu: Eine chinesisch-europäische Verständigung, Das 1. Sino-Euro-Literatur-Symposium in Bern (19)

Literaturszene Deutschland
Andreas Goetz: «Dienstleister für Autoren», Die Druckkostenzuschuss-Verlage in Deutschland (20); Andreas Goetz: «Auch Goethe zahlte», Fragen an den Druckkostenzuschuß-Verleger Wilhelm Frieling (21)

Literaturszene Österreich
Manfred Wieninger: Chreme d’la Chreme – Eine Provokation, Zwei junge «Subliteraten» beschreiten neue Wege (22)

Ausschreibungen (16)

Lesermarkt (17)

Neuerscheinungen (27)
Uttendorf, «Und leise singt der Mond»; Weichselbaumer, «Vertrauen gibt Licht»; Kobel, «Narben und Gestalt»; Gruppe Wand, «Der Wandler Nr.12»; Garnier, «Die andere Zeit»; Röttger, «Preussischer Herbst»; Spotti, «X-Punkte»; Böhne/Motzkau, «Die Künste und die Wissenschaften im Exil 1933-1945»; Kronabitter, «Wer spricht denn noch von Liebe»; Svatek, «Bettlerzinken»; Roßmann/Catwiesel, «Sorgenpausen»; Kuprecht, «Leise Schritte»

Rezensionen (28,29)
Herbert Jost: Pretre, «Mein Wahnsinn ist meine Insel», Benziger Verlag; Heide Ullrich: Redmann, «Der Alltag im Kaffeesatz», Gauke Verlag; Konrad Weber: Verein wissenschaftl. Weltanschauung, «Streitbarer Materialismus Nr.16»; Carla Kraus: Donnell, «Leidenschaftspassage», Pygmalion Press; Pixner: Koller-Fanconi, «Die Sandbank», Verlag Koller-Fanconi; Walter Eigenmann: Günzel, «Die Brentanos», Artemis&Winkler Verlag

Impressum (17)

Heft_14_1993_Seite01Heft 14 / 1993

(«Neue Blätter für Literatur»)

Editorial (3)

Essays
Klaas Willems: Physik und kritische Denkweise, Zum Selbstverständnis des Naturwissenschaftlers (4); Charles Stünzi: «It’s not words that shake me thus. Pish!», Das Sprachhandwerk in Shakespeares Dramen (14)

Prosa
Heribert Bauer: Auf geht’s, Schätzchen (6); Frank Festa: Im Schlachthaus (6); Dietmar Füssel: Unfall (6); Hubert Schirneck: Zu Gast (7); Aglaja Veteranyi: 3 Prosastücke (17)

Satire
Herbert Friedmann: Das Literaturhaus (6)

Lyrik
Irena Habalik: 2 Gedichte (8); Gabriele Haas-Rupp: 2 Gedichte (12); Ulrike Albert-Kucera: 2 Gedichte (12); Marlis Hillebrand: 2 Gedichte (12); Irene Baumgartner: 2 Gedichte (13); Radka Donnell: 2 Gedichte (17)

Literaturszene Schweiz
Johannes Popp: Regionen für Europa, Die Schweiz auf der Frankfurter Buchmesse (22)

Literaturszene Deutschland
Andreas Goetz: Weimar als Utopie, Gedanken bei der Besichtigung eines Denkmals (24)

Literaturszene Österreich
Manfred Wieninger: Quo vadis, Bachmann-Preis? Der Ingeborg-Bachmann-Literaturpreis im Spiegel prominenter österreichischer Autor(inn)en (26)

Rezensionen (18)
Volker Koesling: Schnaubelt, «Licht zwischen Schatten», Literaturedition Niederösterreich; Derek Meister: Hassler, «Auf dem Dach von Haus Nummer 107», Karma Verlag; Andreas Sommer: Lyrikzeitschrift «Das Gedicht Nr.1», Anton G. Leitner Verlag; Konrad Weber: Guitton/Grichka, «Gott und die Wissenschaft», Artemis&Winkler Verlag

Ausschreibungen/Termine (32)

Neuerscheinungen (33)
Luckenbach-Tenner, «Wind dann Sturm»; Simmen, «Landschaft mit Schäfer und anderen Reizen»; Reese, «Die Substanz der Seele»; Moser, «Wo Zwerge sich erheben»; Chessex, «Dreigestirn»; Hartmann, «Die Wölfe sind satt»; Himmelberger, «Der Strassenmörder»; Hösch, «Ein Gast im Haus»; Frieling, «Wie biete ich ein Manuskript an?»; Searle, «Die Wiederentdeckung des Geistes»; Feinberg, «Rose unter Dornen»; Innerschweizer Schriftsteller-Verein, «Schreiben in der Innerschweiz»; Orte, «Poesie-Angenda 1994»; Bösch, «Wortspielereien»; Marti/Weiss, «Gib allem ein bißchen Zeit», Gauke, «Lyrik-Kalender ’94»

Briefe an die Redaktion (34)

Illustrationen
Kolibri (Pseudonym), Zeichnungen (31,36)

Impressum (28)

Heft_15_1994_Seite01Heft 15 / 1994

(«Neue Blätter für Literatur»)

Editorial (3)

Essays
Bodo Wenzlaff: Ich habe nichts zu sagen, Über das Reden und das Meinen (4); Marcus Tschudin: Tanz am Abgrund, Über die amerikanische Schriftstellerin Dorothy Parker (8); Franz Schart: Philosophie als Subversion: Zum 150. Geburtsjahr von Friedrich Nietzsche (14)

Prosa
Siegfried Holzbauer: 2 Prosastücke (7); Lutz Rathenow: Töten lernen (17); Martin Bettinger: Richtfest (31); Stephan Peters: Der Ohrring, Scriptum-Kurzkrimi 1994 / 1.Teil (32)

Lyrik
Renata Spotti: 3 Gedichte (9); Dieter P. Meier-Lenz: 2 Gedichte (13); Weitere Lyrik von Thomas Gerlach (6), Mikie Hübner (6), Marianne Leppin (6), Charlotte Olszewski (6), Liza Boumerang (Pseudonym) (7)

Graphik
Jörg Petersen: 2 Cartoons; Harald Goldhahn: 2 Karikaturen (16)

Literaturszene Schweiz
Christine Jossen: «Das Wort Gottes» ist nicht immer ein Wort Gottes, Gespräch mit dem Lyriker und Katholizismus-Kritiker Hannes Taugwalder (22)

Literaturszene Deutschland
Andreas Goetz: Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust…, Gespräch mit der Jungautorin Tanja Kinkel (24)

Literaturszene Österreich
Manfred Wieninger: «Qualität ist ein subjektiver Begriff», Vier österreichische Literaturzeitschriften im Selbstportrait (Log, Quasar, Lichtungen, Freie Zeit Art)  (26)

Literaturszene International
Johannes Popp: Jung und unbekannt, Die Literatur Finnlands (28)

Rezensionen (18)
Bernd Giehl: Svatek, «Bettlerzinken», Österreichisches Literaturforum; Klaas Willems: Searle, «Die Wiederentdeckung des Geistes», Artemis&Winkler; Konrad Weber: Initiative junger Autoren, «Gegen Hass und Stumpfsinn»; Thomas Bechtold: Luckenbach-Tenner, «Wind dann Sturm», Edition L

Neuerscheinungen (19)
Goebel, «Mallarmé, Gedichte»; Brägger-Bisang, «Venussextil»; Drost, «Wie leicht wäre es…»; Literaturmagazin «Tasten Nr.6»; Literaturmagazin «Wandler Nr.13»; Literaturmagazin «Hirschstraße Nr.3»

Ausschreibungen/Termine (34)

Impressum (30)

Heft_16_1994_Seite01Heft 16 / 1994

(«Neue Blätter für Literatur»)

Editorial (3)

Essays
Peter Ahrendt: «Ich bin eine schlechte Hasserin», Über die jüdische Schriftstellerin Grete Weil (4); Ernst Umbach: Autorenverbände – ja oder nein? (16); Klaus Schmidt-Macon: Über das Absurde (21)

Prosa
Robert Dannacker: Trittst im Morgenrot daher (9); Alberigo Tuccillo: Chanel No5 (13); Sabine Prochazka: Falsche Strategie (13); Stephan Peters: Der Ohrring, Scriptum-Kurzkrimi 1994 / 2.Teil (32)

Lyrik
Bruno Sommer: Drama für eine Stimme (7); Johannes Marks: 4 Gedichte (8); Klaus-Dieter Dieterich: 2 Gedichte; Martina Wieland: Gedicht (15)

Grafik
Wendel Schäfer: Tuschezeichnung (1)

Literaturszene Schweiz
Christine A. Jossen: Dürrenmatts letzte Inszenierung, «Querfahrt» – Eine Literaturausstellung über Dürrenmatt im Schweizerischen Literaturarchiv Bern (22)

Literaturszene Deutschland
Andreas Goetz: «Freudenhäuser» des Geistes? Die Literaturhäuser in Berlin, Hamburg und Frankfurt (24)

Literaturszene International
Johannes Popp: Tristesse und Leidenschaft, Über den italienischen Schriftsteller und Filmemacher Pier Paolo Pasolini (26)

Zum Tode von Charles Bukowski: Fast ein Nachruf (29)

Rezensionen (18)
Brigitte Pixner: Brägger-Bisang, «Venussextil», Editon Leu; Andreas Sommer: «Wandler» Nr.13, Gruppe Wand Konstanz; Konrad Weber: «Zeichen&Wunder» Nr.16, Casmir/Hrsg; Volker  Koesling: Frieling, «Fremd unter Fremden», Frieling Verlag

Neue Bücher (19)
Fitz, «Heil!»; Frieling, «Fremd unter Fremden»; Le Gouic, «Aphorismen»; Stalder, «Die Schweine»; Juling, «Kulturmosaik»; Altmann, «Mittendrin die Perle»; Schmid/Sternmut, «Lichtpausen»; Hockl, «Liebtreu in Sarajewo»; Kamber, «Die Pendlerin»; Graf, «Irrungen oder der Beginn eines langen Anfangs»; Frieling, «Goldene Worte für jeden, der schreibt»; Wernli-Weilbächer, «Am anderen Ufer der Zeit»; Schweizer Schriftstellerverband, «Forum»-Jahrbuch Nr.7; Leppin, «Auf den Mann gekommen»; duPrel, «Verrücktes Paradies»; Bettinger, «Dachschaden»; Pixner, «Die Zeit hängt am Haken»

Ausschreibungen/Termine (30)

Marktplatz (31)

Briefe an die Redaktion (34)

Impressum (25)

Heft_17_1994_Seite01Heft 17 / 1994

(«Neue Blätter für Literatur»)

Essays
Marcus Tschudin: Der Held als Poet – Zum 200. Todesjahr des französischen Lyrikers André Chénier (4); Erwin Jäger: Schlachtfest am Hochofen, Zum 100. Geburtsjahr von Hans H. Jahnn (20)

Prosa
Horst Schillinger: Was Männer mögen (7); Georg Schwikart: Orangenes Schweigen (9); Heinz Wegmann: 2 Prosastücke (9); Sebastian Hirzenreuther (Pseudonym) schreibt an… eine Redaktion (10); Margarete Böhm: Erkältungen (13); Aglaja Veteranyi: 2 Prosastücke (13); Klaus Hübner: In Dixieland (16); Alf Tondern: Ein Wahlmärchen (25); Stephan Peters: Der Ohrring, Scriptum-Kurzkrimi 1994 / Schluss (31)

Polit-Glosse
Thomas Brändle: Ansichten eines Globetrottels (10)

Lyrik
Rainer Franz Teuschl: 2 Gedichte (6); Manfred Hausin: 3 Gedichte (15); Lili Keller: 3 Gedichte; Weitere Lyrik von Gerald Fiebig (6), Silke Rosenbüchler (12), Margit Huber (12), Ingeborg Raus (12), Ingrid Fichtner (12)

Grafik&Karikatur
Roland Altmann: Titel-Grafik (1); Harald Goldhahn: Goldhahns Kommentar/Karikatur (14,27)

Literaturszene Schweiz
Christine A. Jossen: Der Sparhysterie geopfert, Gespräch mit dem Ex-Stadtbeobachter Martin R. Dean über das Kulturdebakel in Zug (22)

Literaturszene Deutschland
Andreas Goetz: Let’s talk about… Literatur, Anmerkungen zu einer Münchner Poetik-Vorlesung (24)

Literaturszene Österreich
Susanna Haunold: Musenkuss und Schulabschluss, Die Wiener Schule für Dichtung auf Erfolgskurs (26)

Literaturszene International
Johannes Popp: Auf dem Weg zu sich selbst – Die Literatur in Brasilien / Eine Skizze (28)

Rezensionen (18)
Volker Koesling: Graf, «Irrungen oder der Beginn eines langen Anfangs», Basta Verlag; Bernd Giehl: Kamber, «Die Pendlerin», R.G. Fischer Verlag; Carsten Pfefferkorn: Aust/Wedler, Literaturzeitschrift «Hirschstraße»; Walter Eigenmann: Wyssling/Schmidlin, «Thomas Mann», Artemis&Winkler Verlag; Bernd Giehl: Hockl, «Liebtreu in Sarajevo», Edition L; Thomas Röthlisberger: Fitz, «Heil», Bleicher Verlag

Bücherschau (19,21)
Conrady, «Das große deutsche Gedichtbuch»; Buchinger, «Knackpunkte»; Senft, «Echoräume»; Kanz, «Die forsythiengelbe Stube»; Conrady, «Gedichte der Deutschen Romantik»; Dorner, «Zeitgeist»; FDA-Verband, «Morgenlicht»; Bacqué, «Mut zur Trauer»; Acklin, «Das Tangopaar»; R.-G.-Fischer-Anthologie, «Autoren-Werkstatt 40»; Fues, «Verletzte Systeme»; Literaturzeitschrift «Krachkultur Nr.3»; Marchi, «Soviel ihr wollt»; Burgas, «Noch mehr Pintschereien»; Margreiter, «Morgendämmerung»; Stadler, «Ein kleines stilles Leuchten»; Zumbühl, «Ziri Gidichd»; Schwikart, «Zweifle dich durch! Lust auf Religion»; Artemis, «Kleist: Sämtliche Werke»; Guéhenno, «Das Ende der Demokratie»; Kägi, «Die Pfirsiche der schönen Melba»; Klair, «Selbst Elsa Winter hört mich nicht»; Beutler, «Die Stunde, da wir fliegen lernen»

Ausschreibungen/Termine (32)

Marktplatz (33)

Briefe an die Redaktion (34)

Impressum (33)

Heft_18_1994_Seite01Heft 18 / 1994

(«Neue Blätter für Literatur»)

Statt eines Vorworts (3)

Essays
Ernst Umbach: Der Flug über alle Himmel, Zum 50. Todesjahr von Antoine de Saint-Exupéry (4); Richard Albrecht: Ohne Worte, Die Welt des Miroslav Barták (14); Michael Marx: Leben- Schreiben-Leben, Das große Abenteuer des Blaise Cendrars (20)

Prosa
Wolfgang Hermann: Namen (9); Berthold Zimmerer: Die Pinwand (11); Sebastian Hirzenreuther (Pseudonym) schreibt an… (11); Barbara Büchner: Die kleine Miss Molloy (29); Markus Rohrer: 4 Tropenbilder (30)

Polit-Glosse
Stephen Sokoloff: Die polnische Ananaskrankheit, Ein Weihnachtsmärchen (10)

Lyrik
Charles Stünzi: 2 Gedichte (12); Werner Garstenauer: 3 Gedichte (28); Weitere Lyrik von Martina Fringeli (12), Carlo Gianola (12), Eduard Rosenzopf (12)

Report
Michael Hellwig: Ach wie gut, dass jemand weiß, Das Jugendprojekt «Rumpelstilzchen» in Enger/BRD (6)

Grafik
Armin Margreiter: Titel-Zeichnung (1); Christian Born: 2 Cartoons (12); Harald Goldhahn: Godlhahns Kommentar (16); Theresa Rüegg: 2 Illustrationen (30); Lili Keller: Collage (36)

Literaturszene Schweiz
Christine A. Jossen: Und sie schreiben doch…, Zur Ausstellung «Schweizer Autorinnen 1700-1945» in Bern (22); Eintreten für ein menschenwürdigeres Leben, Zum Tode von Otto F. Walter (23)

Literaturszene Deutschland
Andreas Goetz: Maklerin im Elfenbeinturm, Gespräch mit der Literaturagentin Monika Hofko (24)

Literaturszene International
Johannes Popp: Von der Gier nach dem Leben, Zu Hannah Tillichs Memoiren «Ich allein bin» (26)

Rezensionen (18,19)
Agnes Mirtse: Samur-Kajin, «Ausgewählte Gedichte 1973-1989», Interculture Budapest; Klaus Hübner: Acklin, «Das Tangopaar», Nagel&Kimche Verlag; Herbert Jost: Schmidt, «Johanna», Lebenshilfe-Verlag Marburg; Andreas Sommer: Souto Maior, «Die parallele Katze», K. Fischer Verlag; Thomas Röthlisberger: Klair, «Selbst Elsa Winter hört mich nicht», Janus Verlag; Heide Ullrich: Marchi, «Soviel ihr wollt», Nagel&Kimche Verlag; Bernd Giehl: Schlatter, «Alltagsrevolte», Edition Sisyphos; Klaas Willems: Crick, «Was die Seele wirklich ist», Artemis&Winkler Verlag

Bücherschau (17)
Schlatter, «Alltagsrevolte»; Maior, «Die parallele Katze»; Crick, «Was die Seele wirklich ist»; Landau, «Seelenbilder»; Schnetz, «Deutsche Zustände»; Kuhn/Pitzen, «Stadt der Frauen»; Schmidt, «Wildnis mit Notausgang»; Kubli/Stump, «Viel Köpfe, viel Sinn»; Ullmann, «Eiswort Liebe»; Samur-Kajin, «Ausgewählte Gedichte»; Kulik, «Erinnerungen an morgen»; Koller-Fanconi, «Ombre», Klusen, «Lichterloh»; Segessenmann, «Der Armeleutebub»; Reichlin, «Kriegsverbrecher Wipf, Eugen»; Scharf, «Kometen und Katzen»; Balzer, Literaturzeitschrift «Tasten 7»; Schäfer, «Vögel haben keine Fenster»; Schwarzlmüller, «Der Todes des Fisches»; Vogt, «Sehn-Sucht»; Ronchetti, «Lichtfall»; Barth, «Im Netz der grünen Fledermaus»; Burmbund Innsbruck, «Texttürme Nr.2»

Ausschreibungen/Termine (32)

Briefe an die Redaktion (34)

Impressum (33)

Heft_19_1995_Seite01Heft 19 / 1995

(Das Schweizer Literaturmagazin – Titel-Thema: «Die Literatur in den USA»)

Editorial (3)

Titel-Report
Klaus Dieterich: Fiction or nonfiction, Die Literaturszene in Amerika (4); Amerika und seine Literaturpreise (5)

Essay
Erwin Jäger: Scheitern durch die Liebe, Zum 100. Todesjahr von Leopold Sacher-Masoch (8)

Interview
Christine Jossen: Ohne Frauendenken kein Wohlstandsstaat Schweiz, Gespräch mit der Dramatikerin Maja Beutler (16)

Prosa
Helmut Schrey: 7 satirische Skizzen (11); Hans F. Mayinger: Das Buch des Nachbarn (13); Sebastian Hirzenreuther (Pseudonym) schreibt… (13); Gabriele Markus: Das verlorene Gesicht (20); Simona Ryser: 2 Prosastücke (20);

Scriptum-Kurzkrimi des Jahres
Renate Müller-Piper: Das Photo-Fest (1. Teil) (32)

Lyrik (22,23)
Gedichte von Christoph Bauer, Andreas Hilfiker, Dieter P. Meier-Lenz, Hartmut Starnitzky, Sibylle Stoiser, Anita Tauss

Konkrete Poesie
Siegfried Holzbauer: 2 systemische Gedichte (15)

Karikaturen
Ralph Görtler: 2 Cartoons (28); Harald Goldhahn: Goldhahns Kommentar (12)

Rezensionen (24,25,26)
Charles Stünzi: Landau, Seelenbilder, Dohr Verlag; Bernd Giehl: Schwikart, Zweifle dich durch / Lust auf Religion, Kösel Verlag; Friedrich List: Schäfer, Vögel haben keine Fenster, Gollenstein Verlag; Rudolf Kraus: Turmbund Innsbruck, Texttürme Nr.2, Prosa-Anthologie; Andreas Urs Sommer: Barth, Im Netz der grünen Fledermaus, Janus Verlag; Thomas Röthlisberger: Literaturzeitschrift Perspektive Nr.28, Graz; Walter Eigenmann: Popp, Die Veränderung, Westkreuz-Verlag; Rudolf Kraus: Schwarzlmüller, Der Hofnarrenmonolog, Selbstverlag

Bücherschau (26)
Donnell, Das Frühlingsbuch; Literaturzeitschrift Unke Nr.16; Achten, Das Privileg von Pfeffer&Salz; Literaturzeitschrift Edit Nr.5; Sering, Qualmende Schlote; Zimmermann, Rotäugig; Gauke, Lyrik-Kalender 1995; Schwöbel, Zeit Ernten; Breuer, Der blaue Schmetterling; Schwarzlmüller, Der Hofnarrenmonolog; Literaturzeitschrift Neue Sirene Nr.2; Raillard, Hirnströme eines Stubenhockers; Svatek, Rendez-vous mit der Hoffnung; Schumann, Unsterblich bleiben Augenblicke; Frieling-Anthologie, Buchwelt ’94; Donnell, Am Walensee; Allemann, Hollywood liegt bei Ascona; Literaturzeitschrift Enblick, Special Nr.1; Monioudis, Das Passagierschiff; Baco, Die Nirwana Connection; Schamp, Den Berg hineinfressen; Steppuhn, Kein Vogel singt am Oetenbach; Bauereiß, Träume, Zufälle, Visionen

Literaturservice (28-31)
Szene International: Nachrichten, Personen, Ausschreibungen

Briefe an die Redaktion (34)

Impressum (9)

Heft_20_1995_Seite01Heft 20 / 1995

(Das Schweizer Literaturmagazin – Titel-Thema: «Das literarische Korea»)

Titel-Report
Mathias Adelhoefer: Nichts Neues im Osten? – Die Literatur in Korea: Zwischen Tradition und Emanzipation (4)

Essay
Bodo Wenzlaff: Ein Deutscher in der Schweiz, Annäherung an einen Nachbarn (8)

Portrait
Christine Jossen: Von den Texten überrannt worden, Gerhard Meier (14)

Interiew
Andreas Goetz: Erinnern im Schreiben, Gespräch mit den Ex-DDR-Autoren Margret Steckel und Johannes Popp (30)

Ratgeber
Michael Marx: Ein Gedicht entsteht, Workshop (29)

Prosa
Heini Müller: Waschen Sie sich die Hände… (11); Beatrix Maria Kramlovsky: Der Fisch (13); Adrian Sarasin: ? (16); Peter Zimmermann: Speise (16); Sebastian Hirzenreuther schreibt… (17)

Scriptum-Kurzkrimi des Jahres
Renate Müller-Piper: Das Photo-Fest (2. Teil) (32)

Lyrik (17-19)
Gedichte von Valeria Koch, Eleonora Babacek-Hübel, Gerhard Altmann, Semier Insayif, Wolfgang Weigel, Christiane Haas

Karikaturen
Harald Goldhahn: Goldhahns Kommentar (12)

Rezensionen (20,21)
Brigitte Pixner: Bettinger, Dachschaden, Gollenstein Verlag; Bernd Giehl: Ronchetti, Lichtfall, R.G. Fischer Verlag; Brigitte Pixner: Donnell, Das Frühlingsbuch, Pygmalion Press Plovdiv; Derek Meister: Zeitschrift Einblick, Social Beat, Special Nr.1; Rosemarie Schulak: Hönig-Sorg, Im Fluss der Zeit, Berger Verlag; Charles Stünzi: Klusen, lichterloh im siebten himmel, Sassafras Verlag; Carsten Pfefferkorn: Literaturzeitschrift Edit Nr.5, Leipzig

Bücherschau (23)
Glucksmann, Der Stachel der Liebe; Literaturzeitschrift Zäpfchen Nr.19; Spitzner, Zauberwort; Misalle, Der Wolkenexpreß; Hönig, Im Fluss der Zeit; White, Sterbe ist kein Tabu; Job, Die vernachlässigte Muse; Zuckmayer-Gesellschaft, Blätter Nr.1/2-1995; Helnwein, Faces; Dahlke/Shantiprem, Elemente-Rituale; Witzkewitz, Hoffnungslos optimystisch; C.G. Jung, Der Mensch und eine Symbole; Wedler, Die kaschubische Wunde; Wosniak, Sie saß in der Küche und rauchte

Literaturservice (24-28)
Szene International: Nachrichten, Personen, Ausschreibungen

Zitate
Gesagt ist gesagt (29)

Briefe an die Redaktion (34)

Marktplatz (34)

Impressum (26)

Heft_21_1995_Seite01Heft 21 / 1995

(Das Schweizer Literaturmagazin – Titel-Thema: «Die deutschsprachige Rechtschreibereform»)

Essays
Rosanna Müller-Brusco: Scriptare fuit, Vom Ursprung entfernt, suchst selber die Quelle, Zur neuen deutschen Rechtschreibung – Ein kritischer Versuch (4); Mario Andreotti: Was ist heute ein gutes Gedicht? Über einige Kriterien zeitgenössischer Lyrik (14)

Feuilleton
Horst J. Kleinmann: Trampelpfad zum Glück, Die Renaissance von Prof. Brinkmann&Co. (8);

50 Jahre Kriegsende
Beppo Beyerl: Gräber (10)

Report
Rudolf Kraus: Austrias Literaten katalogisiert, systematisiert, digitalisiert – Die Österreichische Literaturdatenbank des 20. Jahrhunderts (32)

Interview
Christine Jossen: Wir Menschen sind doch voller Geschichten, Gespräch mit Al Imfeld über die Schweiz und Afrika (16)

Prosa
Peter R. Wieninger: Joggen (12); Joachim G. Hammer: Wildes Autocamp (18); Claudia Zimmermann: Tag danach (18); Sebastian Hirzenreuther schreibt… (19); Walter Laufenberg: After eight (30)

Scriptum-Kurzkrimi
Jörn Thiel: Zahngold (1. Teil) (36)

Lyrik
Gedichte von Charlotte Ueckert (19); Anton Kürzi, Günter Ullmann, Michael Benke, Thomas Röthlisberger (34); Hadayatullah Hübsch, Judith Rohr, Renate Riethmüller (35)

Rezensionen (20,21)
Volker Koesling: Wedler, Die kaschubische Wende, Gollenstein Verlag; Bernd Giehl: Taugwalder, Gespräch mit dem Schweigen, Glendyn Verlag; Clemens Umbricht: Rathenow, Sisyphos, Berlin Verlag; Rudolf Kraus: Scharf, Kometen und Katzen, Berdel Verlag; Thomas Röthlisberger: Monioudis, Das Passagierschiff, Nagel&Kimche Verlag; Volker Koesling: Literaturzeitschrift Torso Nr.3; Bernd Giehl: Spitzner, Zauberwort, Oertel&Spärer Verlag; Volker Koesling: Allemann, Hollywood liegt bei Ascona, Edition Leu; Rosmarie Schulak: Günter, Erst als die letzte Trommel schwieg, Verlag freier Autoren

Bücherschau (23)
Schiwy, Das Teilhard-du-Chardin-Lesebuch; Lau/Schütterle, Speisen wie ein König; Sommer, Die Antwort des Löwen; Diwersy, Kultur an der Grenze; Gräber, Smaragdgrünes Land; Rückleben, Winterherz; Keel, Joseph Roth; Hirschfeld, Besiegt und befreit; Weeber, Alltag im Alten Rom; Günter, Erst als die letzte Trommel schwieg; Mattich, Hoffnung – meine Stärke; Literaturzeitschrift Torso Nr.3; Aebli, Müllers Aufbruch; Literaturzeitschrift Muschelhaufen Nr.33/34; Tomatis, Das Ohr und das Leben; Schmithausen, Abfallverwertung; Scheuer, Wege die mich begleiten; Schwarz, Eine Handvoll Menschen und mehr

Literaturservice (24-29)
Szene International: Nachrichten, Leute, Ausschreibungen, Termine

Zitate
Gesagt ist gesagt (29)

Karikatur
Harald Goldhahn: Goldhahns Kommentar (31)

Marktplatz (38)

Briefe an die Redaktion (38)

Impressum (29)

Heft_22_1995_Seite01Heft 22 / 1995

(Das Schweizer Literaturmagazin – Titel-Thema: «Moskau – Russlands Literaturmetropole zwischen Tradition und Moderne»)

Statt eines Vorworts

Report
Klaus F. Schmidt-Macon: Tage in Moskau, Impressionen über Russlands literarische Metropole (4)

Portraits
Horst J. Kleinmann: Olyas Geschichte, Verfolgt, inhaftiert, verurteilt, geflüchtet – Über die iranische Autorin Olya Roohizadegan  (9); Christine A. Jossen: Namenlos-Wehrlos, Über Mariella Mehr und ihren Roman «Daskind» (17)

Interview
Rudolf Kraus: Zwischen Politik und Fiktion, Gespräch mit dem österreichischen Autor Manfred Maurer (32)

Jubiläum
Dieter P. Meier-Lenz: 40 Jahre «Die Horen», Ein Redakteur blickt zurück (7)

Projekt
Kai Engelke: Literatur im offenen Raum, Über die Hamburger Autorengruppe PENG (10)

Frankfurter Buchmesse
Horst J. Kleinmann: Nicht nur Sauna des Geistes, Streiflichter von der 47. Frankfurter Buchmesse (15)

Prosa
Hermann Josef Schüren: Heimkehr nach Bosnien (11); Elisabeth Wandeler-Deck: Die Figur der Sara (12); Günther Kaip: Liebesgeschichten (18); Paula Küng: Warten (18); Alan Niederer: Die Geschichte vom Es (19); Jürgen Kross: Wenn schon (31)

Scriptum-Kurzkrimi
Jörn Thiel: Zahngold (2. Teil) (36)

Lyrik
Gedichte von Christoph Bauer (35); Karl Feldkamp, Robert Ihnen, Ernst Schmid, Sylvia Schopf (34); Katja V. Tavern (35); Dieter Wieland (31)

Rezensionen (20-22)
Fritz List: Wagner, Der Tote in der Tonne, Snayder Verlag; Andreas Sommer: Müller, Mehr am 15. September…, Nagel&Kimche Verlag; Clemens Umbricht: Stünzi, Mensch oh Mensch!, Verlag freier Autoren; Klaas Willems: Schick/Ostrogorksi, Kommen die Russen wieder?, Mittler Verlag; Volker Koesling: Loetscher, Saison, Diogenes Verlag; Derek Meister: Kilic/Widhalm, Dicke Luft-Irre Trickohs, Krash Verlag; Bernd Giehl: Marti, Im Sternzeichen des Esels, Nagel&Kimche Verlag; Rosemarie Schulak: Ferstl, einfach-kompliziert-einfach, Va bene Edition; Al’ Leu: Buchinger, Mathieu Puissetoutgrain, Gauke Verlag; Volker Koesling: Bucher/Gegner, Poesie-Agend 96, Orte Verlag; Charles Stünzi: Derendinger, Freiland, Habegger Verlag; Andreas Sommer: Mitterhuber, Jeinseits der Passhöhe, Buch-& Kunstverlag Oberpfalz

Bücherschau (23)
Geiser, Kahn Knaben schnelle Fahrt; Baumgartner, 6x Österreich; Wagner, Chiffre; Blunck, Über die Scham; Kakar, Intime Beziehungen; Tiffert, Anwachsender Wind; Kuroyanagi, Totto-chan; Peregrin, Unterwegs in Europa; Wiesand, Handbuch der Kulturpreise 1986-1994; FrauenUmweltNetz, Computervernetzung für Frauen; Rueb, Hexenbrände; Almanach-Edition, Buchverlage in Deutschland; Gitlin, Mord an Albert Einstein; Die Allyren, Farben; Lösto, Beneidenswert; Spiess, Faszination der Miniaturen; Detela, Hinter dem Feuerwald

Literaturservice (24-29)
Szene International: Nachrichten, Leute, Ausschreibungen, Termine

Karikatur
Harald Goldhahn, Zeichnung (33)

Zitate (29)

Briefe an die Redaktion (38)

Marktplatz (38)

Impressum (29)

Heft_23_1996_Seite01Heft 23 / 1996

(Das Schweizer Literaturmagazin – Titel-Thema: «Gottfrieds Frauen», Zum 40. Todesjahr von Gottfried Benn)

Gastkommentar
Fritz Deppert: Retour aufs Land (3)

Essays
Michael Benke: Gottfrieds Frauen, Zum 40. Todesjahr von Gottfried Benn (4); Kunibert Reinhard: Wozu Literatur? Die Sphinx vor dem Tempel der Dichtkunst (8)

Interviews
Kai Engelke: Wer es wählt, muss es tragen – Gespräch mit dem Schriftsteller Klaus Modick (12); Rudolf Kraus: Niemals aufgeben – Gespräch mit dem experimentellen Poeten Hansjörg Zauner (16)

Portraits
Evelin Scherer: Wer knackt die Punkte? Das Schweizer Kabarett-Duo Kernbeissers (15); Christine A. Jossen: Mit Sprache der Freiheit entgegen, Zum 75. Geburtstag von Kurt Marti (19)

Sprache
Horst J. Kleinmann: Wörter und Unwörter, «Multimedia»-«Eurogeld»-«Altenplage» (21)

Prosa
Jürg Moser: Der Pfeiffer (26); Edith Ruhöfer: Sie (29); Christine Wiesmüller: Ausreise (30)

Scriptum-Kurzkrimi
Jörn Thiel: Zahngold (3. Teil) (32)

Lyrik
Gedichte von Günter Bösch (5), Maria Cervenka (30), Ingeborg Reisner (7,17), Wolfgang Reus (29), Kurt Tutschek (27), Rainer Wedler (8,9), Anna Wünsch (28), Hans Jürg Zinsli (13)

Rezensionen (22-24)
Michael Kapellen: Schnetz, Operation Pamphlet – Meine Stasi-Akte, Selbstverlag; Nathalie Amstutz: Colombat/Stieg, Frühling der Seele, Haymon Verlag; Clemens Umbricht: Schirhuber, Die Pfeife geputzt, Rampenlicht Verlag; Bernd Giehl: Frauenfelder, Die Missiama, Edition Koller-Fanconi; Friederike Pommer-Jittler: Sternmut, Verfrühtes Auslösen des Zeitraffers, Edition Thaleia; Andreas Sommer: Messner, Schwarzweiße Geschichten, Drava Verlag; Rudolf A. Schmeiser: Olivennes, Adam und Adam / Zusammen verbrannt, Verlag im Wald

Bücherschau (25)
Dankl/Schrott, Dadautriche 1907-1970; Vogt, Vergessen und erinnern; Fackler-Belli, Mit neunzehn vor 66 Jahren allein nach Ägypten; Rengel, Hoffen heißt Handeln; Abramowski, die Umarmung; Storz, Burgers Kindheiten; Barwasser, Literaturzeitschrift Pcetera Nr.7; Mallet, …und rissen der schönen Jungfrau die Kleider vom Leib; Wieninger, Die Spur der Katzen; Stricker-Hofer, mit den i-punkten Deiner küsse; Leuenberger, Tarot – kurz&praktisch; Cranston, Leben und Werk der Helena Blavatsky

News (34)

Graphik
Harald Goldhahn: Karikatur (20)

Ausschreibungen (36)

Leserbriefe (38)

Kleinanzeigen (38)

Biographien der Lyriker/innen (38)

Impressum (37)

Heft_24_1996_Seite01Heft 24 / 1996

(Das Schweizer Literaturmagazin – Titel-Thema: «Geschäft mit der Eitelkeit», Die deutschen Druckzuschuss-Verlage)

Der Kommentar
Rosanna Müller-Brusco: Ferien als Flucht (3)

Report
Kai Engelke: Geschäft mit der Eitelkeit, Die deutschen Druckzuschuss-Verlage (4)

Literaturszene Österreich
Rudolf Kraus: Austrias Gegenwartsliteratur in Beispielen (8)

Interview
Christine A. Jossen: Zwischen Dur und Moll, Gespräch mit Lukas Hartmann (Schweizer Jugendbuch-Preisträger 1995) (10)

Essays
Mario Andreotti: Das unmögliche Tragische, Anmerkungen zum zeitgenössischen Drama (13); Erwin Jäger: Attentat Endzeit, Zum 100. Todesjahr von Paul Verlaine (18)

Prosa
Bernard Wallner: Peep (27); Sabrina Ortmann: Brief aus der Hölle (29); Peter Bähr: Über Franz (30)

Scriptum-Kurzkrimi
H.P. Karr & W. Wehner: Der absolute Höhepunkt (1. Teil) (24)

Lyrik
Gedichte von Irene Alice Baumgartner (9), Katja Eggenberger (5), Kathrin Fischer (24), Carlo Gianola (6), Volker Seliger (30,31)

Bücherschau (21)
Bajiyoperak, Inka Sunrise; Irmscher, Antike Fabeln; Bremer, Unter Kannibalen; Schütt, Die Erotik des Verrats; Van Doren, Geschichte des Wissens; Laschitza, Im Lebensrausch trotz alledem; Moor, Hans Jakob lügt; Ferstl, Gräser tanzen; Golla/Zeidler, In-ter-net; Edinger, Seelen-Blues; Wosniak, Pietà; Plinke, Deutsches Jahrbuch für Autoren 1996/97; Baumgartner, Der Clown; Grill/Moser, Stilles Land an der Grenze; Mell, Borderline-Lyrik; Vetere, Die ungestillten Säuger; Maples, Knochengeflüster; Tettamanti/Bernasconi, Manifest für eine liberale Gesellschaft;

Rezensionen (22)
Georges Raillard: Rost, R(h)einfälle, Edition Cologne; Bernd Giehl: Schwikart, Alle Abwege führen durch Rom, Avlos Verlag; Charles Stünzi: Turmbund-Gesellschaft Innsbruck, Fliehende Ziele, Lyrik-Anthologie; Brigitte Pixner: Uhlmann, Der Kuss der Sphinx, Edition Spektrum; Al’ Leu: De Roulet, Die blaue Linie, Limmat Verlag; Clemens Umbricht: Stricker-Hofer, mit den i-punkten Deiner küsse, Voralberger Verlagsanstalt; Brigitte Pixner: Rückleben, Winterherz, Lit Verlag; Liane Biberger: Nöske, Mein Leben mit Kittekat, Bunte Raben Verlag

Grafik
Werner Blattmann: Karikatur, Zeichnung (4); Harald Goldhahn: Karikatur, Zeichnung (14)

Literaturservice (32,33)
Nachrichten, Wettbewerbe, Adressen

Leserbriefe/Kleinanzeigen (34)

Impressum (28)

Heft_25_1996_Seite01Heft 25 / 1996

(Das Schweizer Literaturmagazin – Titel-Thema: «Terra incognita» – Jenseits von Koalas und Känguruhs, Australiens Literaturlandschaft)

Der Gastkommentar
Ines Schneider-Thorn: Von der Freiheit (3)

Titel-Thema
Mathias Adelhoefer: Terra incognita – Die Literaturlandschaft Australiens (4)

Report
Rüdiger Heins: Korruption in Lackschuhen, Der «freie» kritische Schriftsteller in Deutschland – ein Trauerspiel (18)

Sprache
Horst J. Kleinmann: Die «Ku im Flusssand», Rechtschreibreform – Ein jahrelanges Tauziehen ist zu Ende (10)

Portrait
Kai Engelke: «Uns ist nicht mehr viel Zeit gegeben», Gespräch mit dem deutschen Lyriker Günter Kunert (14)

In memoriam
Christine A. Jossen: «Ich bin immer eine Fremde», Zum Tode der Basler Schriftstellerin Adelheid Duvanel (20)

Prosa
Monika Böss: Sommerfreuden (31); Claudia Glanzmann: Wintertag (35)

Satire
Udo Dickenberger: Über die Bibliotheken (28)

Scriptum-Kurzkrimi
H.P. Karr & W. Wehner: Der absolute Höhepunkt (2. Teil) (32)

Lyrik
Gedichte von Thomas T. Beck (27), Dietrich Dosdall (27), Frederike Haberkamp (11), Bernd Jaeger (16), Alfons Jestl (5,6,7), Wilhelm Riedel (27), Wolfgang Weigel (34), Peter Würl (27)

Biographien der Lyriker/innen (9)

Rezensionen (22)
Carla Kraus: Lutz, Die Mauern sind unterwegs, Ammann Verlag; Bernd Giehl; Senft, Diskurs über den Fluss, Egloff Verlag; Liane Biberger: Edition Leu, Lyrik-Anthologie 90/94; Rosemarie Schulak: Margreiter, Die Meister des Schweigens, Freya Verlag; Georges Raillard; Karau, Buschzulage, Dietz Verlag; Volker Koesling: Zahno, Doktor Turban, Bruckner&Thünker Verlag; Rainer Wedler: Sayer, Kohlrabenweißes, Klöpfer&Meyer Verlag; Charles Stünzi: Sternmut, Gedichte, Rhön Verlag

Neuerscheinungen (25)
Thibaux, Das eisige Gold; Lösto, Bewegende Augenblicke; Holliger, Aargau; Beetz, Kurzschluss im Hirnkasten; Jehle, Ulrike; Hartmann, Stumme Zeugen; Klinghardt, Lehrbuch der Psycho-Kinesiologie; Brodinger, Wie ein dunkelgrauer Regenbogen; Perko/Pechriggl, Phänomene der Angst; Köhler, Von Mensch zu Mensch; Behrenbeck, Der Kult um die toten Helden; Matthes, Apfeluhr; Pommer, Aschengrube; Vogel, Über das Hören; Blunck, Krieg und Bereinigung; Williams, Hard Core; Decaux, Eduard VIII. und Wallis Simpson

Karikatur
Harald Goldhahn: Cartoon (26)

Literaturservice (36)
Nachrichten, Wettbewerbe, Adressen

Leserbriefe/Kleinanzeigen (38)

Impressum (24)

Heft_26_1996_Seite01Heft 26 / 1996

(Das Schweizer Literaturmagazin – Titel-Thema: «Warum noch Gedichte?» – Die Provokation der modernen Poesie)

Der Gastkommentar
Jakob Fuchs: Wozu Literatur? (3)

Titel-Thema
Johann Voss: Warum noch Gedichte? Die Provokation der modernen Poesie – Eine Meditation (4)

Szene-Report
Kai Engelke: Alles ist o.k. und wird immer okayer, Poetry Slams – was ist das? (10)

Interview
Christine A. Jossen: Schreiben als Gegenentwurf, Gespräch mit dem Schweizer Dichter und Romancier Pierre Imhasly (13)

Austria-Millenium
Beate Hiltner-Hennenberg: 1000 Jahre wie ein Tag, Von der Klosterliteratur zur Staatssubvention – Ein Millenium österreichischen Schreibens (14)

Friedenspreis
Horst J. Kleinmann: Das Leben verwandeln – Mario Vargas Llosa erhält Deutschen Friedenspreis (15)

Prosa
Alexandra Lavizzari: Nordensommer (20); Walter Landin: Flugphase (23)

Satiren
Konrad Vogel: Brieföffnen (26); Wolfgang Reus: Bascho! (31)

Scriptum-Kurzkrimi
Manfred Maurer: Orgon Welles (1. Teil) (28)

Lyrik
Gedichte Alice I. Baumgartner (30), Gabriele Markus (11,27), Frauke Ohloff (30), Lilli Ronchetti (30), Peter Schantz (5,6), Ueli Schenker (30)

Biographien der Lyriker/innen (9)

Grafik
Horst Knauf: Tuschezeichnung (25); Harald Goldhahn: Karikatur (26); Iven Fritsche: Bildgedicht (36)

Neuerscheinungen (17)
Stanischeff, Tilli-Willi und die andern; Cankar, Das Haus der Barmherzigkeit; Brunner, die liebe ist nicht was ihr denkt; Neumann, Nichts; Pfaff, Je suis comme je suis; Altmann, Sinndeutende Annäherungen; Promies, Reisen in Zellen; Hübel, Gedichte;  Pei, Annas Umweg; Baco, Literatalk; Loidl, Farnblüte; Sayer, Kohlrabenweißes; Kramlovsky, Eine unauffällige Frau; Mägerle, Augen im Kopf; Stüwe, Gartenfrieden

Rezensionen (18)
Volker Koesling: Vallaster, Die Tuchhändlerin, Benziger Verlag; Bernd Giehl: Weber, Lilla Petras Spuren führen ins Engadin, Ikos Verlag; Heinz Hafner: Andreotti, Traditionelles und modernes Drama, Haupt Verlag; Beate Hiltnier: Richter, Literaturkorrespondenz Nr.1, Magazin; Rudolf Kraus: Barwasser, Mutterkorn, A1 Verlag; Markus Schurr: Zach, Monrepos, Klöpfer&Meyer Verlag; Silvia Mathieu: Gänger, Ein Fest für Merle, Adonia Verlag; Klaus Hübner: Klair, Ich hüpfe nicht auf deinem Racket, Janus Verlag

Literaturservice (32)
Nachrichten, Ausschreibungen, Adressen

Briefe an die Redaktion (34)

Impressum (16)

Heft_27_1997_Seite01Heft 27 / 1997

(Das Schweizer Literaturmagazin – Titel-Thema: «Sprache den Sprachlosen» – Zur sozialen Aufgabe der Literatur)

Der Gastkommentar
Angela Jursitzka: Das musst Du lesen (3)

Titel-Thema
Theodor Weissenborn: Sprache den Sprachlosen, Zur sozialen Aufgabe der Literatur (4)

Portrait
Christine A. Jossen: Mit Witz und robuster Phantasie, Die Schweizer Erzählerin Helen Meier (8)

Report
Kai Engelke: Literatur ins Leben tragen, Die Literaturbüros in Deutschland (10)

Medien
Horst J. Kleinmann: Die Intrige geht zum Regenbogen, TV-Serien – nun als Magazine vermarktet (12)

Austria
Beate Hiltner-Hennenberg: Wechseljahre – Steht Wiens Kulturpolitik vor einer Wende? (15)

Prosa
Daniel Zahno: Napf (20); David Notter: Selbstmord (24)

Scriptum-Kurzkrimi
Manfred Maurer: Orgon Welles (2. Teil) (28)

Lyrik
Gedichte von Anna Arning (11), Dietrich Dosdall (6), Esther Hermann (27), Renate Irle (9), Wilhelm Riedel (5), Hendrik Rost (23), Wolfgang Weigel (21), Tullio Zanovello (31)

Biographien der Lyriker/innen (7)

Graphik
Harald Goldhahn: Karikatur (14)

Neuerscheinungen (17)
Weiß, Shalom; Pepin, Erotische Begegnungen; Brownlow, Pioniere des Films; Schröter, Sturm und Stille; Segler, Vater mein Vater…; Ruh, Dichter und Schriftsteller Deutschlands 1996; Lorenz, Literaturzeitschrift Rhabarber-A Nr.1; Vio, Dreisprachig-Trilingual-Trilingue; Suter, Der Zeitsprung; Lang, Nebel Leben; Stünzi, 50 Jahre Lyrik von Rene Marti; Sternmut, Das Zeitmesser

Rezensionen (18)
Bernd Giehl: Taugwalder, Melodie der Schöpfung, Glendyn Verlag; Liane Biberger: Pixner, Der Geist aus der Flasche trinkt Coca Cola, Heyn Verlag; Rosemarie Schulak: Baum, Agnes Stöcklin, Verlag freier Autoren; Karlheinz Schreiber: Jégou, Abtrift/Dérive, Atelier Verlag; Rudolf Kraus: Meier-Lenz, Die Schönheit einer Fledermaus, Edition Literarischer Salon; Klaas Willems: Deutsch, Die Physik der Welterkenntnis, Birkhäuser Verlag; Rainer Goldhahn: Leifert, Damit der Stein wächst, Horlemann Verlag; Carla Kraus: Konrad, Die Ration, Edition L Hockenheim;

Literaturservice (32-34)
Nachrichten, Ausschreibungen

Leserbriefe (34)

Impressum (16)

Heft_28_1997_Seite01Heft 28 / 1997

(Das Schweizer Literaturmagazin – Titel-Thema: «Crescendo im Text» – Über die Sprache als Musik und die Musik als Sprache)

Titel-Thema
Simona Ryser: Crescendo im Text, Über die Sprache als Musik und die Musik als Sprache (4)

Musik&Sprache
Christian Baier: Der Satzbau zu Babel, Zur sprachlichen Selbst-Vereinheitlichung der Musik im 20. Jahrhundert (8)

Report
Horst J. Kleinmann: Vom «Schaubusen» zum «Mord bizarr» – Erotische Literatur kontra TV-Sexfilme (12)

Szene
Kai Engelke: Puncher und Poeten, Über die Boxbegeisterung der Literaten (14)

Der neue Roman
Christine A. Jossen: Vom Glück im Unglück – Klaus Merz, «Jakob schläft» (16)

Prosa
Peter Wolter: Der Fluglotse (23); Konrad Pauli: Bajazzo (27)

Scriptum-Kurzkrimi
Gaby Zryd: 22, vlà les flics! (30)

Lyrik
Gedichte von Ulrich Bauer-Staeb (5), Peter Gerdes (6), Bruno Hain (13), Alfons Huckebrink (15), Karl Heinz Köster, Ursula Kramm Konowalow

Biographien der Lyriker/innen (7)

Graphik
Harald Goldhahn: Karikatur (25)

Neuerscheinungen (19)
Damshäuser, Am Rande des Reisfeldes; Kaufmann, Im Schloss zu Mecklenburg und anderswo; Harris, Wenn Einstein recht hat…; Schütt, Stein des Anstoßes – Gespräche mit Hrdlicka; Jovalekic, Ein Mandelbaum im Weltall; Balmer/Dolder, Susanne D. – Ein Leben als Prostituierte; Zytglogge-Werkbuch, Stadtentdeckungen

Rezensionen (20)
Rosemarie Schulak: Schröter, Sturm und Stille, Arnim Otto Verlag; Karl-Heinz Schreiber: Schmidt-Macon, Lob der Piranhas, Elfenbein Verlag; David Wachter: Beeler, Blues für Nichtschwimmer, Haymon Verlag; Carla Kraus: Mieck, Gegenlicht, Berdel Edition; Brigitte Pixner: Engelke, Surwold Blues, Rhön/Hohmann Verlag; Rainer Wedler: Gasseleder, Der Weg zurück, Selbstverlag; Irene A. Baumgartner: Schulak, Als ein Himmelsstreif, Brjag Print Varna

Literaturservice (32)
Nachrichten, Ausschreibungen

Impressum (18)

HHeft_29_1997_Seite01eft 29 / 1997

(Das Schweizer Literaturmagazin – Titel-Thema: «Das Spiel der Leser» – Literatur im Zeitalter der Virtual Reality)

Kommentar zur Zeit
Rosanna Müller-Brusco: Ein natürlicher Notausgang (3)

Titel-Essay
Günther Kirchberger: Das Spiel der Leser (4)

Report
Kai Engelke: «Die Welt ist eine Schreibe» – Ist die Schriftstellerei erlernbar? (1.Teil) (10)

Prosa
Peter Bußjäger: Versuch einer Anpassung an moderne Zeiten (16); Uwe Zabel: Der Besuch (20); Daniela Hättich: T-O-T (24); Barbara Macek: Stossgebet (27); Sebastian Hirzenreuther schreibt… (29)

Satiren
Wolfgang Bittner: Privatisierung (21); Udo Dickenberger: Dichterlesung (22)

Lyrik
Gedichte von August G. Holstein (5), Ernst Nef (19), Peter Albrecht (26), Patrick Probst (26), Matthias Burki (26), Wilfried Krien (26), Katja V. Taver (30), Cornelia Schmid (31), Christoph Bauer (30,31), Ingrid Quarshie (31)

Graphik
Angela von Moos: Textgraphik 1994 (7)

Zitate (6)

Rezensionen (12)
Peter Klusen: Aussen und innen, Basta Verlag; Bernd Giehl: Rosenzopf, Blutgeld, Edition Leu; Alfons Huckebrink: Jovalekic, Ein Mandelbaum im Weltall, Rhön Verlag; Bernd Giehl: Damm, Lichtspur im Nebel, Edition L/Czernik; Wolfgang Sinhuber: Korff, Schmäht ihr mich – ich muss es dulden, Gollenstein Verlag; Klaus Hübner: Löffler, Vom Einfluss des Fernsehens auf die Zeitungskultur, Picus Verlag; Peter G. Bräunlein: Grashof, Der Mantel des Fuhrmanns, Nagel&Kimche Verlag; Georges Raillard: Danieli, Die Ruhe der Welt am Gäbris, Otto Müller Verlag

Neuheiten (15)
Literaturzeitschrift Perspektive Nr.33; Literaturzeitschrift Hundspost Nr.7; Literaturzeitschrift Muschelhaufen Nr.36; Literaturzeitschrift Wortwahl Nr.1; CD Indonesische Lyrik; Hartge, Handbuch deutschsprachiger Literaturzeitschriften; Gemperle, Gegengift; Bussmann, Die Rückseite des Lichts; Herburger, Die Liebe; Walker, Zeichen am Himmel; Dickinson, Guten Morgen Mitternacht; Mayer-König, Verkannte Tiefe; Schaffner, Eine Reise; Schwend/Bohren, Faszination Schweiz; Dorner, Lust und Frust beim Schreiben; Schwarz, Melancholie – Figuren und Orte einer Stimmung; Kneipp, Kneipps Hausapotheke; Ammann, Ingeborg Bachmann und die Öffentlichkeit

Nachrichten (32)

Autorinnen- und Autoren-Vitae (33)

Varia (34)
Ausschreibungen, Kleinanzeigen, Termine, Wettbewerbe

Impressum (2)

Heft_30_1997_Seite01Heft 30 / 1997

(Das Schweizer Literaturmagazin – Titel-Thema: «Ibsens und Hamsuns Erben» – Norwegens Literatur im 20. Jahrhundert)

Kommentar zur Zeit
Wilhelm Busch: Der harte Winter (3)

Titel-Thema
Dirk Levsen: Ibsens und Hamsuns Erben (4)

Report
Kai Engelke: «Schreiben bereichert Ihr Leben» – Ist die Schriftstellerei erlernbar? (2.Teil) (10)

Medien
Horst J. Kleinmann: Blöde Anmache, coole Preise – Wie Werbung die Sprache verhunzt (12)

Interview
Thomas Duschlbauer: «Der gute Mensch von Österreich», Interview mit Konrad P. Liessmann (14)

Prosa
Michael Marrak: Der Geist eines wilden Gesichts (20); Tullio Zanovello: Treibhaus für Aussenseiter (23); Leo Scheyda: Bodo und das Speckmesser (26); Sebastian Hirzenreuther schreibt an… (29)

Satire
Dietmar Füssel: Der Mann mit dem Gewehr (22); Thomas Glavinic: Zeitgeist (24)

Lyrik
Gedichte von Elsbeth Maag (30), Gudrun Seidenauer (31)

Rezensionen (16)
Irene A. Baumgartner: Pridgar, irr orgel klang, Kukuruz Verlag; Klaus Hübner: Herburger, Die Liebe, A1 Verlag; Markus Schurr: Ammann, Denn ich habe zu schreiben…, Drava Verlag; Rainer Goldhahn: Supino, Die Schöne der Welt, Nagel&Kimche Verlag; Irene A. Baumgartner: Dickinson, Guten Morgen Mitternacht, Diogenes Verlag; Rosemarie Schulak: Stephan-Kühn, Ich – König von Siam, KoFa Verlag; Peter Bräunlein: von Arndt, Der 40. Tag vor Sophienlund, Segler Verlag; Al’ Leu: Himmelberger, Kaspar – Café des Pyrénées, AutorInnenverlag

Neuheiten (18,19)
Pixner, Das Kuckucksei; Brenneisen/Ruge, Böse Nachbarn; Bichsel, Schöne Schifferin; Ammann, Schöne Aussicht; Leifert, wenn wach genug wir sind; Petri-Sutermeister, Nordische Streifzüge; Verband Geistig Schaffender Österreich, Mit einem Augenzwinkern; Cankar, Aus fremdem Leben; Allner, Melanie?; Gerber, Mit Nagelschuhen durch Eiscreme; Schulze/Ssymank, Das deutsche Studententum; Hoefer, Wie das Volk spricht; Hoche, In diesem unserem Lande; Krones/Wagner, Anton Webern und die Musik des 20. Jahrhunderts; Glaser, Deutsche Literatur zwischen 1945 und 1995; Literaturkalender 1998, Aufbau Verlag; Ruiss, Literarisches Leben in Österreich ’97; Prokop, Auf den Spuren Wolfgang Harichs; Nikolic, …und dann zogen wir weiter; Pardey, Jean Tinguely und Basel; Chesi, Magie und Heilkunst Afrikas; Divery/Kuenne, Myanmar – Land der goldenen Pagoden; Eska, Schall und Klang – Wie und was wir hören; Fischer-Homberger, Hunger-Herz-Schmerz-Geschlecht; Waller, Alles ist nur Übergang; Heckel, Frei sprechen lernen; Mann/Ruge, Die ideale Frau

Nachrichten (32)

Ausschreibungen, Kleinanzeigen (34)

Autorinnen- und Autoren-Vitae (33)

Impressum (2)

Heft_31_1998_Seite01Heft 31 / 1998

(Das Schweizer Literaturmagazin – Titel-Thema: «Fantasy» – Monster und Magien in der modernen Literatur)

Kommentar zur Zeit
Giovanni G. Casanova: Vom vollkommenen Genuss (3)

Titel-Thema
Philipp Schaffner: Das Leben ist die Illusion, Monster und Magien in der modernen Literatur (4)

Interview
Philipp Schaffner: Phantasie als Sinnesorgan – Der Schweizer Fantasy-Autor Christoph Zimmer (8)

Portrait
Kai Engelke: «Schriftsteller sind keine moralischen Instanzen!», Gespräch mit Hannelies Taschau (10)

Report
Horst J. Kleinmann: Mord(s)gedanken in der Provinz, Krimi-Autoren setzen auf vertraute Landschaften (12)

Literaturszene Österreich
Thomas Duschlbauer: Artbite – Kunst mit Biss, Wiens Salonkultur ist wieder auferstanden (14)

Essays
Erwin Jäger: «Lasst mich in Ruhe!», Zum 100. Geburtsjahr von Bertold Brecht (20); Andreas U. Sommer: Zur Ideologie der Sinnlosigkeit (22)

Prosa
Guido Brozek: Der Auftrag (24); Rosemarie Zens: Mensch&Tier, Meditation (25); Gerhard Ochs: 3 Texte (26); Sebastian Hirzenreuther schreibt an… (29)

Lyrik
Gedichte von Guntram Balzer (30,31), Frank Lingnau (30), Wanda Schmid (31)

Rezensionen (16,17)
Liane Biberger: Kittelmann, Dahinter kommen, AV Verlag; Kai Engelke: von Arx, Marie Barmettler oder Der Sinn, Weltwoche-ABC Verlag; Klaus Hübner: Hövel/Hagens, Mach’s gut, Liebling, Tomus Verlag; Bernd Giehl: Zimmermann, Indonesische Albumblätter, Zytglogge Verlag; Volker Koesling: Schütt, Die Irren sind auch nicht mehr die einzig Normalen, Athena Verlag; Rosemarie Schulak: Koller-Fanconi, Wellen, KoFa Verlag; Peter Klusen: de Roulet, Mit virtuellen Grüssen, Limmat Verlag; Alfons Huckebrink: Dedovic, Von edlen Mördern und gedungenen Humanisten, Drava Verlag

Neuheiten (18,19)
Mazumdar, Foucault; Anwander, Büffelmilch und Fladenbrot; Höner, Am Abend als es kühler ward; Hoche, Das Evangelium nach Hoche; Gretzfeld, Märchen aus 1001 Nacht; Renold, Letzte Liebe; Rappers, Menschenspiele; Boesch, Der Kreis; Dettwiler-Rustici, Berner Lauffeuer; Wolfgang Weigel, Gedichte; Geist, Morgen Blaues Tier; Wisser, Weil man lieber nicht am Ende sterbert; Donnell, Die Goldberg-Variationen

Nachrichten (32)

Autorinnen- und Autoren-Vitae (33)

Ausschreibungen, Kleinanzeigen (34)

Impressum (2)

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Daniel Badraun: «Rheinfall»

Posted in Bernd Giehl, Buch-Rezension, Daniel Badraun, Literatur, Rezensionen by Walter Eigenmann on 29. Juli 2009

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Krimi mit eindimensionalen Figuren

Bernd Giehl

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Baldraun_Rheinfall_Limmat Verlag_TatortschweizMarguerite Duval ist Schriftstellerin. Oder müsste man nicht vielmehr sagen: Sie ist Enthüllungsjournalistin? Normalerweise würden die Themen, über die sie schreibt, wohl eher in Form von Artikeln in größeren Zeitungen erscheinen. Aber Daniel Badraun braucht den großen Auftritt für Marguerite Duval, und deshalb schreibt sie nicht nur Bücher, hat einen Agenten, der zugleich ihr Liebhaber ist, und verdient eine Menge Geld, sondern ihr Verlag veranstaltet auch Lesungen für seine wichtigste Autorin. Leider hat die Schriftstellerin ein Problem: sie kann nur noch schreiben, wenn sie Tabletten nimmt und Alkohol trinkt. Und weil das immer noch nicht genügt, gibt es auch noch eine Morddrohung für den Fall, dass sie ihre Ankündigung wahr macht und tatsächlich aus ihrem neuen Buch, das die Machenschaften der Telefon- und Fernsehgesellschaft Multitel aus Schaffhausen aufs Korn nimmt, liest. Also sucht ihr Agent Jean Pierre Murat eine Doppelgängerin für Marguerite Duval, die an ihrer Stelle im Stadttheater in Schaffhausen liest, und er findet sie in der arbeitslosen Schauspielerin Margrittli Durrer, die Madame Duval tatsächlich sehr ähnlich sieht. «Rheinfall» verfolgt nun die Wege von Marguerite und Margrittli, die die Rollen getauscht haben, durch Schaffhausen und die umliegenden Ortschaften, beschreibt die Verfolgungsjagden und Hindernisse, die sich den Hauptpersonen, ihren Begleitern und Verfolgern in den Weg stellen. Immer neue Intrigen werden zwischen Jean Pierre Murat, Marguerites Verlegerin Helena Brauer, Pietro Soldini, der Journalistin Linda, die über Marguerite schreiben soll, Freddy, dem Leibwächter Marguerites und vielen anderen gesponnen, und fast bis zum Schluss ist nicht klar, wer hier auf welcher Seite steht: Die Verlegerin versorgt ihre Autorin mit Medikamenten, die sie abhängig machen; Murat, der Agent, der zugleich Marguerites Geliebter ist, will sie von der Sucht wegbringen, schläft aber mit der Verlegerin; Freddy, der Leibwächter, lässt sich auf ein lukratives Angebot der anderen Seite ein, will aber zugleich Marguerite schützen; und Soldini, der kurze Zeit als der (von wem auch immer) angeheuerte Killer erscheint, ist in Wahrheit Chef der Kriminalpolizei, während Linda, die Journalistin… – kurz und gut, der Leser wird ständig auf falsche Fährten gesetzt.

Daniel Baldraun

Daniel Badraun

Eine Zeitlang mag man das ja ganz lustig finden, aber irgendwann geht es auf den Geist. Vor allem deshalb, weil die Figuren ziemlich flach bleiben. Und warum es ein Skandal sein soll, wenn eine Telefongesellschaft Funkmasten aufstellt, um Mobiltelefone vertreiben zu können, und eine Sachbuchautorin diesen Skandal öffentlich machen kann, wird wohl auch das Geheimnis von Daniel Badraun bleiben. Für Mobiltelefone braucht man eben Funkmasten, und dass ihre Strahlung schädigt, ist – momentan jedenfalls – kein Thema, selbst wenn der Autor es gerne hätte. Ein Skandal, der keiner ist; ein Mordanschlag, dessen Motivation im Grunde nicht plausibel ist; Figuren, die so eindimensional sind, dass sie wie aus der Schießbude gestohlen scheinen – daraus entsteht kein Krimi. Und um das Happy-End glaubwürdig zu finden, muss man schon ziemlich hartgesotten sein. Kurzum, ich habe schon bessere Krimis gelesen – ein Buch, welches das Geld nicht wert ist, das man dafür hinblättern muss. (Bernd Giehl)

Daniel Badraun, Rheinfall, Krimi (Reihe Tatortschweiz), Limmat Verlag Zürich, 195 Seiten, ISBN 978-3-85791-575-8

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Cees Nooteboom: «Nachts kommen die Füchse»

Posted in Bernd Giehl, Buch-Rezension, Cees Nooteboom, Literatur, Rezensionen by Walter Eigenmann on 26. Juli 2009

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Liebe – ohne große Worte

Bernd Giehl

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«Es sind die Toten, die uns lieben.
Nicht die Lebenden. Die vergessen uns.
Aber die Toten erinnern sich an uns.
Würden sie sonst Nacht für Nacht kommen
und uns heimsuchen?»
(Quelle und Autor unbekannt)

Noteboom_Nachts wenn die Fuechse kommenMan kennt das ja aus eigener Anschauung. Irgendwann kehrt man an einen Ort zurück, an dem man schon einmal war. Es muss nicht unbedingt ein Ort gewesen sein, an dem man sich gern aufhielt. Aber gleichwohl kommen die Erinnerungen: Hier hat man vor Jahren den kleinen Hund begraben, der einem so sehr ans Herz gewachsen war; Und hier ist man vor langer Zeit jener Frau begegnet, die so eine unheilvolle Rolle im eigenen Leben gespielt hat.
Es sind unwillkürliche Erinnerungen, die Nooteboom in seinem «Nachts kommen die Füchse» beschwört. Und oft kommen sie eher beiläufig. Ein Foto taucht plötzlich auf, und ob man will oder nicht: man erinnert sich. Ob die Erinnerung angenehm ist oder nicht, was spielt das für eine Rolle? Wichtig ist nur die Erinnerung selbst.
Einem Mann fällt ein Foto in die Hände. Er beschreibt die Menschen, die darauf zu sehen sind. Vor allem eine Frau hat es ihm angetan. «Paula» heißt sie. Sie ist vor Jahren bei einem Hotelbrand ums Leben gekommen.

Cees Nooteboom

Cees Nooteboom

Paula war nicht nur eine schöne Frau, sondern sie war auch eigenwillig. Der Kreis, in dem sie auftaucht, ist ein lockerer Verband von Glücksspielern, die alle dasselbe wollen: möglichst viel Geld zu gewinnen. Paula schläft mit allen. Auch mit dem Erzähler. Aber dann brennt sie mit einem anderen Mann durch. Jahre später erfährt der Mann, dass Paula bei einem Hotelbrand ums Leben gekommen ist. Jetzt sitzt er auf dem einzigen Stuhl, der ihm noch geblieben ist, in einem leeren Zimmer und erinnert sich an Paula. An ihre Schönheit und an ihre Risikobereitschaft. Er hat Paula geliebt, noch lange nachdem sie endgültig aus seinem Leben gegangen ist.
Alle Erzählungen in dem Band «Nachts kommen die Füchse» handeln von den Toten und den Erinnerungen, die die Zurückbleibenden an sie haben. Und alle handeln von der Liebe. Es sind Geschichten, die nicht mit großen Worten daherkommen, und die deshalb um so mehr unter die Haut gehen. Es sind die Erinnerungen, die uns bleiben und die das Leben lebenswert machen. Ich glaube, Nooteboom hat recht. (Bernd Giehl)

Cees Nooteboom, Nachts kommen die Füchse, Erzählungen, Suhrkamp Verlag Frankfurt, 152 Seiten, ISBN 978-3518420669

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