Das Glarean-Schach-Kreuzworträtsel Juli 2009
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Schach-Kreuzworträtsel Juli 2009
Copyright 2009 by Walter Eigenmann / Glarean Magazin
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Interview mit dem Schach-Programmierer Stefan Meyer-Kahlen
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Computerschach: «Wir stehen erst am Anfang des Weges»
Peter Martan
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Viermaliger Weltmeister bei den Mikro-Schachcomputern, zwei Mal Sieger einer Computerschach-Weltmeisterschaft, fünf Mal Gewinner der Computer-Blitzschach-WM, und Erster bei der Chess960-WM in Mainz – dies der eindrückliche Palmarès des deutschen Schachprogrammes Shredder seit dem Jahre 1996. Vater dieser erfolgreichen Schach-Engine, welche im Kreise der Computerschach-Experten einen seit langem hervorragenden Ruf genießt, ist der Düsseldorfer Software-Entwickler Stefan Meyer-Kahlen.

Stefan Meyer-Kahlen wurde 1968 in Düsseldorf geboren, studierte Informatik in Passau und ist seit 1996 hauptberuflich Programmierer. Er ist verheiratet und hat drei Töchter.
In einigen Wochen will der bekannte Profi-Programmierer, der seit 1993 an Shredder arbeitet, die zwölfte Version seines Programmes veröffentlichen. Aus diesem Anlass stellte ihm der Wiener Computerschach-Kenner Dr. Peter Martan im Auftrag des «Glarean Magazins» einige Fragen zum Stand der aktuellen Shredder-Dinge, aber auch zur Zukunft überhaupt der Schachprogrammierung.
Glarean Magazin: An der kürzlich beendeten Computer-Schach-Weltmeisterschaft in Pamplona hat Ihr Shredder-12-Prototyp den Titel zwar in allen drei Bewerben knapp verfehlt, aber nur die seit längerem absolute Nummer Eins im Computerschach, die Engine Rybka, war noch erfolgreicher. Wann darf man Shredder 12 erwarten, und wird er auch in den einschlägigen Ranglisten wieder härtester Konkurrent von Rybka werden?
Stefan Meyer-Kahlen: Shredder-12 erscheint Ende Juli. Die neue Engine ist deutlich verbessert und wird in den diversen Ranglisten sicher einen großen Sprung nach vorne machen. Meines Erachtens aber mindestens genauso wichtig am neuen Shredder 12 sind die Elostufen, bei denen man die Spielstärke in Elo einstellen kann, mit der Shredder spielen soll. Das hat im alten Shredder schon ganz gut geklappt, aber ich habe hier sehr viel Arbeit investiert und denke, dass es nun noch viel besser funktioniert. Shredder macht nun auch die typischen Fehler, die ein menschlicher Spieler mit der eingestellten Spielstärke macht. Shredder berechnet nun auch die Spielstärke des Benutzers besser und passt sich auf Wunsch automatisch an diese Spielstärke an. Das ist für den normalen Nutzer sicher sehr viel wichtiger als die letzten paar Elos.
Pamplona lief für Shredder wirklich nicht so schlecht, aber ich würde natürlich gerne auch mal wieder eine WM gewinnen. Ich gebe nicht auf und werde es beim nächsten Mal wieder probieren. Mit den Partien von Shredder in Pamplona bin ich aber sehr zufrieden.
GM: In den Anfangszeiten des Computerschachs war es unmöglich, Schach-Engines unterschiedlichster Plattformen automatisiert gegeneinander spielen zu lassen – bis Sie damals das sog. UCI-Protokoll vorstellten, welches inzwischen von fast jedem namhaften Schachprogramm unterstützt wird und damit zum Standard avancierte. Wie sehen Sie in der Erinnerung und in der Zukunft die UCI-Geschichte?

Wird der neue Shredder dem amtierenden Weltmeister Rybka (links: Programmierer Vas Rajlich) die Stirn bieten können?- Hier eine Partie von der WM 2009 (Weiß: Rybka - Schwarz: Shredder-X): 1. d4 d5 2. c4 e6 3. Nf3 Nf6 4. Nc3 Bb4 5. Bg5 Nbd7 6. cxd5 exd5 7. e3 c5 8. Bd3 Qa5 9. Qc2 c4 10. Bf5 O-O 11. O-O Re8 12. Nd2 g6 13. Bh3 Bxc3 14. Qxc3 Qxc3 15. bxc3 Kg7 16. Rfb1 b6 17. g3 h6 18. Bf4 g5 19. Bd6 Nf8 20. Bg2 Ng6 21. a4 Bd7 22. Bb4 Bf5 23. Rb2 h5 24. a5 b5 25. a6 h4 26. Nb1 Bd7 27. Ra5 h3 28. Bf3 Ne7 29. Bd6 Rac8 30. Kf1 Kg6 31. Na3 Nc6 32. Raxb5 Re6 33. Bc5 Nd8 34. Rb8 Rxa6 35. Rxc8 Bxc8 36. Rb8 Bg4 37. Bxg4 Nc6 38. Rh8 Nxg4 39. Rxh3 Nd8 40. Be7 Ne6 41. Rh8 Nf6 42. Rb8 Ne4 43. f3 Nxc3 44. Ke1 f5 45. Kd2 Na4 46. Nc2 Rb6 47. Rxb6 Nxb6 48. Bc5 Kf6 49. Bxb6 axb6 50. Kc3 Ke7 51. e4 fxe4 52. fxe4 dxe4 53. d5 Ng7 54. Kxc4 Nf5 55. g4 Nh4 56. Kd4 Nf3+ 57. Kxe4 Nxh2 unentschieden
MK: Die erste Version für Chessbase war 5.32, ein Mittelding zwischen 5 und 6, welche Version die erste mit UCI war, weiß ich gar nicht mehr so genau, ich denke 4 oder 5. Ohne Rudolf Huber, mit dem ich UCI ja zusammen «erfunden» habe, und mich hier zu sehr selbst zu loben, denke ich schon, dass UCI eine sinnvolle Sache war, die das Computerschach weiter gebracht hat. Wir hatten damals allerdings keine Visionen oder langfristige Pläne für UCI, wir waren nur mit dem existierenden Standard Winboard sehr unzufrieden und waren der Meinung, dass es Zeit für etwas Neues, viel Besseres sei. Da ich in Shredder ja die GUI und die Engine selber programmiere, hab ich es dann direkt in beides eingebaut und so eine Art Referenz-Implementierung geschaffen.
Dass sich UCI durchgesetzt hat und so erfolgreich ist, freut mich natürlich schon. Die Entwicklung von UCI ist noch nicht am Ende. Wir haben es ja damals extra so angelegt, dass man es ohne Probleme erweitern kann und dabei immer noch kompatibel zu älteren Engines oder GUIs ist.
GM: Prof. Ingo Althöfers Idee vom «Dreihirn» hat Shredder als eines der interessantesten Features seiner GUI aufgegriffen. Ist eine Art Triple Brain ein Ansatz, die alte Frage nach Strategie und Taktik zu beantworten? Eine Engine, die hochselektiv in die Tiefe und eine zweite, die an der Basis des Suchbaumes sozusagen mehr in die Breite rechnet, von einer «Master Engine» oder wahlweise auch dem Bediener kontrolliert in der Entscheidung, was in der entsprechenden Stellung wesentlicher für die Bewertung ist?
MK: In der Schachprogrammierung gibt es wie in fast allen Bereichen Trends. Zurzeit ist der Trend, dass man sehr selektiv rechnet und aggressiv pruned. Das wird auch in der parallelen Version so gemacht. Sicher gibt es aber einige, die diesem Trend mehr und andere, die diesem Trend weniger folgen.
Cluster kommen so langsam in Mode und es ist richtig, dass man da andere Sachen machen kann, als in der normalen Version. Ob man dort aber weniger selektiv rechnen soll oder nicht ist unklar. Eine Möglichkeit, auf einem Cluster zu rechnen, ist sicher eine Art 3-Hirn oder aber ein Mehrhirn. Man kann auch mehrere Programme oder ein Programm mit unterschiedlichen Einstellungen an verschiedenen Stellungen rechnen lassen. Wenn man viele Prozessoren hat ist es schwer, ein klassisches Schachprogramm darauf effektiv laufen zu lassen. Irgendwann kommt der Punkt, an dem sich mehrere Prozessoren nicht mehr lohnen, dann muss man nach anderen Wegen suchen, die vorhandene Rechenpower zu nutzen. Hier ist sicher viel möglich und wir stehen erst am Anfang des Weges.

Aufgrund seiner teils exklusiven Features sowie seiner Stabilität sehr geschätzt: Das Interface von Shredder 11
GM: Eine weitere Neuerung kam ab Shredder 10 mit den «Shredder-Bases». Darin werden zu den gespeicherten Endspielstellungen nicht wie in den «Nalimov- Datenbanken» Zugzahlen zum Gewinn oder Remis gespeichert, sondern nur Bewertungen. Das macht den Zugriff während der Partie schneller und bei kurzen Bedenkzeiten besser nutzbar. Wird es die kompletten 6- Steiner, die es von Nalimov gibt, als Shredderbases geben und was kann man sich davon für den Partie-Erfolg erwarten?
MK: Ja, es wird die kompletten 6-Steiner als Shredderbases geben. Wir haben eine Beta-Version sogar schon fertig, die für alle 6-Steiner ca. 40 GB braucht. Leider gab es noch kleinere Probleme, und anderer Projekte hatten Priorität, so dass wir die 6-Steiner etwas zurückgestellt haben, sie werden aber bald definitiv kommen.
Was das alles an Spielstärke bringt, ist eine gute Frage. Ehrlich gesagt hatte ich schon erwartet, dass die 5-Steiner als Shredderbases mehr bringen. Man hat dort schließlich sehr schnellen Zugriff auf den perfekten Wert für alle Stellungen mit 5 oder weniger Figuren.
Meine Einstellung zurzeit ist, dass die Endspiel-Datenbanken für das praktische Spiel sicher nicht schaden, und irgendwann wird es sicher was bringen. Wenn die 6-Steiner nicht helfen, dann vielleicht die 7-Steiner. Wenn die nicht, dann die 8-Steiner… Spätestens bei 32 ist Schluss, und die bringen garantiert was…
GM: Wie weit wird die Computertechnik und die Wissenschaft in nächster Zeit fortschreiten bezüglich der Berechenbarkeit des Schachspiels?

Im Mai 1997 schlug die Super-Machine Deep Blue den amtierenden Weltmeister, das russische Schach-Genie Garry Kasparow, in einem Match mit 3,5:2,5. Seitdem ist der Computer in ständigem Vormarsch, und inzwischen haben (auch gegen simple PC-Software) nur noch wenige Spitzen-Großmeister eine Chance.
MK: Das Schachspiel wird in absehbarer Zeit sicher nicht gelöst werden, dafür ist es einfach zu komplex. Es wurde schon oft vorhergesagt, dass die Engines irgend wann nicht mehr weiter kommen, oder dass dem Schachspiel der Remistod droht. Wenn man sich die letzten zwei, drei Jahre anschaut, dann geht es so schnell voran wie schon lange nicht mehr. Dabei wurden die Programme nicht nur besser, weil die Rechner viel schneller und massiver parallel wurden, sondern auch die Algorithmen wurden ganz eindeutig verbessert. Wenn man sich die auch noch vorhandenen klaren Schwächen der Programme ansieht, dann wird auch klar, dass es noch sehr viel Raum für weitere Verbesserungen gibt.
Ich bin also sehr zuversichtlich, dass es mit dem Computerschach noch eine ganze Weile voran geht.
GM: Wohin geht die «Artificial Intelligence» Ihrer Meinung nach überhaupt, was sind die Speerspitzen heute, nachdem im Schach kaum ein menschlicher Spieler unter üblichen Turnierbedingungen gegen die Maschine mehr echte Gewinnchancen hat? Und wird Shredder sprachgesteuert werden (wie z.B. beim IBM-Projekt Jeopardy), völlig ohne Brettansicht, ohne Tastatur und Maus bedienbar?
MK: Mit KI oder künstlicher Intelligenz ist es so eine Sache. Wenn man sich anschaut, auf welche Art Programme Schach und Dame spielen, dann ist das sicher nicht intelligent. Wenn man sich nur das Ergebnis anschaut, also dass z.B. ein Schachprogramm stärker als alle Menschen Schach spielen kann, dann hat das sicher etwas von Intelligenz. Es ist also eine Frage der Definition.
Bei Ankündigungen von großen Firmen muss man immer aufpassen, nicht auf Marketing-Aktionen reinzufallen. Gerade bei IBM hab ich noch gut im Kopf, was Deep Blue alles Gutes für die Menschheit tun sollte, nachdem er das Schach drangegeben hat. Eine Maschine, die Jeopardy spielt, wäre aber sicher nicht schlecht.
Ein Shredder, der nur mit Sprachsteuerung gesteuert wird, ist heute schon möglich. Für ein Schachprogramm gibt es ja nicht so viele Sachen, die es verstehen muss. ■
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Woman Power (V)
Hineingeboren in eine Mathematiker-Familie, brachte man mir das Schachspiel schon im vierten Lebensjahr bei. Und folgerichtig startete ich meine Karriere als sog. «Wunderkind», welches im Alter von 9 Jahren mit 9 Punkten aus 9 Partien seinen ersten überregionalen Sieg in einem ansonsten nur von Jungs bestrittenen Turnier erzielte. Meine weiteren Lorbeeren: (Ex-)jugoslawische Meisterin, Belgrader Meisterin, danach IM- und anschließend Frauen-GM-Titel, und schlussendlich Vorstoß in die absolute Weltspitze als zweimalige Drittplatzierte der FIDE-Weltrangliste.
Aber ehrgeizig wie ich schon von Kindheit an bin, genügte und genügt mir das Schach allein nicht, auch beruflich strebte ich stets nach Höherem. Also musste noch ein Doktor-Titel her – aber damit nicht genug: seit September letzten Jahres bin ich sogar Professorin an einer Universität meines Heimatlandes in der «Faculty of Culture and Media».
Besonders stolz bin ich darauf, dass auf der Liste meiner Schach-Opfer auch eine ganze Menge sehr prominenter Namen stehen: Die Klinge kreuzte ich mit solchen berühmten Großmeistern wie Anand, Miles oder Nisipeaunu, oder wie Chiburdanidze, Cramling, Zhu Chen, und Z. Polgar bei den Frauen – und sie alle zogen schon mal den Kürzeren gegen mich. Ein taktisch spannendes Exempel meiner Spielkunst findet sich nachstehend.
Also: Wer bin ich?
1.d4 d5 2.c4 c6 3.e3 Sf6 4.Sc3 a6 5.Dc2 g6 6.Sf3 Lg7 7.Ld3 0-0 8.0-0 Lg4 9.Se5 Le6 10.Ld2 Sfd7 11.Sxd7 Sxd7 12.c5 b5 13.Se2 Te8 14.a4 Sf6 15.Ta3 Db8 16.Tfa1 Db7 17.b4 Ld7 18.f4 Tab8 19.axb5 axb5 20.Ta7 Dc8 21.Sg3 Tb7 22.T7a6 Dc7 23.T1a3 Lc8 24.Sf1 Tb8 25.Ta7 Lb7 26.Da2 Dc8 27.Le1 De6 28.f5 gxf5 29.Lg3 Sg4 30.Lxb8 Txb8
31.Txb7! Txb7 32.Ta8+ Lf8 33.Txf8+ Kxf8 34.Da8+ Kg7 35.Dxb7 Sxe3 36.Dc7 Sg4 37.Df4 Df6 38.Sg3 1-0
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Der brillante Schachzug (40)
3r2k1/p6p/b2r2p1/2qPQp2/2P2P2/8/6BP/R4R1K w
Auflösung und Download 1-40 (PGN/EPD/CBH – ZIP-File)
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Die Reihe «Der brillante Zug» veröffentlicht wöchentlich ein neues Beispiel faszinierender menschlicher Höchstleistung auf dem Gebiete des Turnierschachs und der Problemkunst. Die einzelnen Stellungen bzw. Lösungen wurden von der Redaktion persönlich recherchiert und dürften als Schachaufgaben hiermit zum ersten Male einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Es handelt sich dabei um extreme Herausforderungen – für Maschinen wie für Menschen. – Viel Spaß beim Knobeln! (W.E.)
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Jon Speelman: «Buch der Schachaufgaben»
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Praktische Schule der Taktik
Walter Eigenmann
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Als der englische GM Jonathan Speelman vor einem Jahr seinen «Gambit-Book»-Erstling «Jon Speelman’s Chess Puzzle Book» präsentierte, waren Presse und Leser des Lobes voll über diese Aufgaben-Sammlung in Sachen Schach-Taktik. Denn nicht nur, dass der große Endspiel-Techniker und am Brett äußerst kreative Taktiker Speelman gemeinsam mit John Nunn und Tony Miles jahrelang das berühmte britische Schach-«Triumvirat» bildete. Auch als Autor hatte sich der studierte Mathematiker und WM-Halbfinalist längst einen hervorragenden Namen geschaffen. Umso erfreulicher ist nun, dass er mit seinen Taktik-Puzzles auch die große deutschsprachige Leserschaft bedient.
Gemäß seiner Grundbotschaft, dass Taktik «eine Kombination von Sehvermögen und Berechnung» bilde, betont Autor Speelman im eben erschienen «Buch der Schachaufgaben», dass die Verbesserung der taktischen Fähigkeiten «keineswegs dunkle Magie», sondern durch Übung erreichbar sei. Und wie andere Untersuchungen geht auch Speelmans Exerzitium von der großen Bedeutung der «Mustererkennung» aus: «Das Sehvermögen ergibt such aus der Mustererkennung, aus der man dann Kandidatenzüge ableiten kann. Diesem im Unterbewusstsein ablaufenden Prozess liegt zweifellos eine tiefgründige wissenschaftliche Theorie zugrunde, aber der praktische Effekt für Schachspieler besteht darin, dass man durch Übung eher Züge sieht, die funktionieren könnten, wobei die Betonung auf ‘könnten’ liegt. – Im Berechnungsteil prüft man dann, ob diese Züge auch wirklich klappen.»
Didaktisch setzt Speelman dieses sein zweiteiliges Unterrichtskonzept in bekannter Manier um, indem es vom Elementaren zum Komplizierten geht: «In meiner Jugend habe ich hunderte von kleinen Taktikaufgaben aus Büchern und Zeitschriften gelöst und bin immer der Meinung gewesen, dass der beste Weg zur Erzielung von Fortschritten darin besteht, blindlings gegen eine Mauer anzurennen, sondern eine Reihe niedrigerer Hindernisse zu überwinden und sich dadurch kleine, aber angenehme Erfolgserlebnisse zu verschaffen.»
Dementsprechend beginnt der 53-jährige Londoner Großmeister sein Buch mit den taktisch (ein-)gängigsten Manövern wie «Springergabel» oder «Fesselung», um sodann die höheren Weihen des Kombinierens mittels komplexerer Bereiche wie «Überlastung» oder «Bauernumwandlung» zu spenden. Jede Aufgabe, die eine Art Paradigma ihres Themas darstellt, geht dabei von einem Diagramm aus, dem ein kurzer Umschrieb des Puzzles folgt. Im «Lösungen»-Abteil werden dann die detaillierten Varianten besprochen. Das «Sehvermögen» nochmals eingehender trainiert wird dann im Abschnitt «Taktik in der Praxis», aber nun nicht mehr systematisch, sondern bunt gewürfelt – wie das im Partien-Turnieralltag ja auch der Fall ist. «Fingerübungen» nennt Speelman diese 48 Stellungen, welche die vorausgegangenen Kapitel resümieren.
«Jon Speelmans Buch der Schachaufgaben» ist eine Taktik-Unterweisung, die für jeden aufstrebenden Caissa-Jünger mit Gewinn studiert werden dürfte. Denn die Kombinatorik-Puzzles sind so geschickt, will heißen so beispielhaft gewählt, dass sie als eigentliche Lerninhalte bei jedem Amateur in die Partien-Praxis durchschlagen sollten. Wobei bei solchen Büchern ja grundsätzlich nicht nur systematisch mit dem Brett vor dem Kopf gebüffelt, sondern alternativ durchaus auch «Just-for-Fun» genossen werden kann: Man liest ein paar Seiten im Zug, die nächsten in der Kaffeepause, weitere vor dem Einschlafen – wann und wo halt man Lust auf ein bisschen Schachtaktik hat. Hauptsache: Nicht schummeln…
Jonathan Speelman, Jon Speelmans Buch der Schachaufgaben, Gambit Books Verlag, 160 Seiten, ISBN 978-1-906454-02-9
Inhalt
Einführung 5 Teil 1: Die Elemente Springergabeln 7 Ungedeckte Figuren 12 Linienöffnung und -schließung 17 Fesselungen 22 Spieße 27 Überlastete Figuren und Ablenkungen 31 Mattangriffe 36 Die Grundreihe 44 Patt 48 Bauernumwandlung 52 Teil 2: Taktik in der Praxis Fingerübungen 57 Bunter Strauß 70 Schwierigere Beispiele 83 Lösungen 94
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Probeseiten
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Der brillante Schachzug (39)
7k/1Q2K3/4p1pP/7q/7p/1p6/1pb5/2B5 w
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Die Reihe «Der brillante Zug» veröffentlicht wöchentlich ein neues Beispiel faszinierender menschlicher Höchstleistung auf dem Gebiete des Turnierschachs und der Problemkunst. Die einzelnen Stellungen bzw. Lösungen wurden von der Redaktion persönlich recherchiert und dürften als Schachaufgaben hiermit zum ersten Male einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Es handelt sich dabei um extreme Herausforderungen – für Maschinen wie für Menschen. – Viel Spaß beim Knobeln! (W.E.)
Wer bin ich?
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Women Power IV
Meine Gegner(innen) meinen oft, ich hätte einen besonders «sanften Blick», und sie denken, so ein zierliches Persönchen wie ich könne kein Wässerchen trüben. Aber wie so oft trügt der äußere Schein: Mut und Angriffsfreude waren mir schon seit Kindertagen eigen – anders hätte ich nicht mehrere «U-Turniere» gewinnen können -, meine Nervenstärke ist in der Szene bekannt, und später gesellte sich noch ein kleiner Hang zum Exquisiten hinzu, was sich – trotz meiner theoretischen Beschlagenheit (siehe Bild) – zeigte in weißen Eröffnungszügen wie 1.Sf3 2.b3 mit oft späterem g3 und ähnlich Unorthodoxem.
Mein Land vertrat ich in jüngster Vergangenheit an einer besonders Prestige-trächtigen Veranstaltung derart erfolgreich, dass unsere Mannschaft gar die Bronze-Medaille holte. Eine amüsante Kostprobe meiner Kombinationsfertigkeit findet sich in nachstehender Stellung, wo es für mich (Schwarz) heißt: ich ziehe und gewinne. -
Also: Wer bin ich?
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1… Lxd4! 2. Sf3 [2.Sb3 Lf6 -+; 2.cxd4 Se4 3.Sxe4 Txc1 4.Taxc1 dxe4 5.Lc7 Dxb2 6.Lxd8 Dxe2 -+] 2… Lg7 3. Le5 [3. Sd4 Lh7 -+] 3… Se4 4. Tf1 [4.De3 Dxe3 5.fxe3 Lxe5 6.Sxe5 e6 -+; 4.Ld4 Lxd4 5.Sxd4 Lg6 6.Lf3 e5 -+] 4… d4 5. Lxg7 Kxg7 6. c4 [6.Db1 Sg3 -+] 6… d3 7. Ld1 d2 8. Dc2 Sg3 -+
Der brillante Schachzug (38)
rnq1r2k/pp2bp2/4b1BB/3pP1pP/3N4/2P5/P1Q2PP1/R3K2R w
Auflösung und Download 1-38 (PGN/EPD/CBH – ZIP-File)
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Die Reihe «Der brillante Zug» veröffentlicht wöchentlich ein neues Beispiel faszinierender menschlicher Höchstleistung auf dem Gebiete des Turnierschachs und der Problemkunst. Die einzelnen Stellungen bzw. Lösungen wurden von der Redaktion persönlich recherchiert und dürften als Schachaufgaben hiermit zum ersten Male einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Es handelt sich dabei um extreme Herausforderungen – für Maschinen wie für Menschen. – Viel Spaß beim Knobeln! (W.E.)
Rudolf Teschner: «Schach in 40 Stunden»
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Der Lehrkurs für Anfänger und Aufsteiger
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Jedem einigermaßen seriösen, nicht ohne Theoriekenntnisse durch die Turnier-Sääle wandelnden Schachadepten ist der Name des Berliner Meisters Rudolf Teschner ein Begriff. Dutzende von Theoriebüchern aus seiner Feder, von der Eröffnungslehre bis zur Spieler-Biographie, von der Partien-Sammlung bis zur Kombinationsschule füllen die Regale der Schach-Bibliotheken; Teschner dürfte der meistgelesene Schachautor deutscher Sprache sein.
Einer der gar in mehrere Sprachen übersetzten Klassiker des vor drei Jahren verstorbenen «FIDE-Großmeisters ehrenhalber» ist auch im Jahre 2009 sein «Schach in 40 Stunden». 1993 erstmals erschienen, legt jetzt Raymund Stolze in der Schweizer Edition Olms eine neue, mithin bereits die 6. aktualisierte Ausgabe des Bestsellers vor.
Die Zielsetzung dieser auch im Schul- bzw. Schülerschach der Vereine gern benutzten 40 Lektionen legte Teschner zuletzt im Vorwort seiner vorausgegangenen Auflage aus dem Jahre 2004 dar: «Dieses Lehrbuch will den Leser nicht nur mit den Grundregeln des ‘Königlichen Spiels’ vertraut machen, sondern ihm auch den ganzen Ideenreichtum nahebringen, dem es seine Anziehungskraft verdankt. [...] Das Buch ist zum Selbststudium geeignet und hat sich auch in Lehrkursen vielfach bewährt.»
Der Internationale Meister Teschner – seine beste historische Elo-Zahl betrug 2633 – geht dabei didaktisch sehr geschickt vor (siehe auch das untenstehende Inhaltsverzeichnis) und deckt dem Schach-Novizen wie dem -Aufsteiger alle unverzichtbaren Ingredienzien eines erfolgreichen Turnierspiels (bis schätzungsweise 2000 Elo / natürlich inklusive regelmäßige Spielpraxis) auf. Teschners «Schach in 40 Stunden» gehört auch Jahre nach seiner Erstauflage zu den schachpädagogisch wirkungsvollsten Publikationen im deutschsprachigen Schach-Blätterwald. Der Olms Verlag darf es sich als besonderen Verdienst anrechnen, gerade dieses Kompendium des fruchtbaren Berliner Schachschriftstellers in der gewohnt professionell-schönen Aufmachung Buch-Reihe «PraxisSchach» in kontinuierlicher Aktualisierung zu begleiten. (gm)
Rudolf Teschner, Schach in 40 Stunden (6. aktualisierte Auflage), Edition Olms, 160 Seiten, ISBN 978-3-283-01011-9
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Manfred Herbold: «Der Schachtherapeut»
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Die Schachspieler auf der Psycho-Couch
Walter Eigenmann
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Spinnen die Schachspieler? Manfred Herbold, 42-jähriger Realschullehrer im deutschen Stauf und mit einer internationalen FIDE-Ratingzahl von 2157 Elo selber ein spielstarker Turnier-Kämpfer, ist davon – augenzwinkernd – überzeugt. Und so setzte er sich schon vor Jahren an den Computer und kreierte die (meines Wissens erste und einzige) deutschsprachige Web-Site für «Schachtherapie» – der in der Online-Szene inszwischen berühmte «Schachtherapeut» war geboren.
In den virtuellen «Praxisräumen» des Schach-Docs tummeln sich seitdem die besonders schwierigen Fälle unter der seltenen, im Volksmund als besonders intelligent, um nicht zu sagen: besonders verrückt bekannten Spezies «Schachspieler». Des «Schachtherapeuten» Sprechzimmer sind denn auch überfüllt mit skurrilen Typen, die Niederlagen partout nicht hinnehmen können, oder mit Spielern, die sich auch im Leben das Schachbrett vor den Kopf schnallen, und des «Therapeuten» Behandlungsprotokolle strotzen von unerklärlichen Läufer- oder Springer-«Opfern», von mysteriösen Vorfällen auf oder neben dem Schachbrett, von absurden menschlichen Moströsitäten aus der Schach-Geschichte und -Gegenwart – kurzum: von alledem, was das Königliche Spiel so faszinierend für Schachspieler, so abscheulich für normale Menschen macht.
Nun ist der fabulierfreudige, seinerseits schachbesessene, dabei mit viel Sinn für Humor, Sprachwitz und Selbstironie ausgestattete Schach-Psychiater dazu übergegangen, seine «Praxisräume» zu erweitern: Unlängst publizierte er (im Selbstverlag) den ersten Teil einer geplanten Buch-Trilogie: «Der Schachtherapeut». Auf 172 Seiten mit 40 Klein- oder Großkapiteln werden dabei schier sämtliche Bereiche des Brettes, das für manche die Welt bedeutet, durchschritten, durchleuchtet, durchlitten.
Ob Schachblindheit oder Kaffeehausschach, ob Großmeister- oder Frauenschach, ob Computer- oder Patzerpartien, ob Schach-Elo oder Schach-Ego, ob Schach-Aleatorisches (alias «Chess960») oder «Handy-Betrugsschach», ob Psychopathisches aus den längst versunkenen Zeiten der Aljechins&Nimzowitschs oder Spinnertes aus unseren Turnier-Tagen, ob Geniales auf oder Wahnsinniges neben den 64 Feldern: «Der Schachtherapeut» kredenzt ein gleichermaßen breites wie amüsantes Sammelsurium. Vorwort-Schreiber Georgios Souleidis, seines Zeichens Internationaler Meister, bringt es auf den süffisanten Punkt: «Nach vielen Jahren in den Tiefen des Netzes und unzähligen Therapiesitzungen, insbesondere mit seinem Dauerpatienten Lobrehd, hat er [Der Schachtherapeut] seine Protokolle über die verwirrten Schachkrieger endlich geordnet und präsentiert sie in gedruckter Form. Mit dieser bahnbrechenden Ausrüstung gewappnet ist jeder Schachkämpfer, egal ob Rekrut oder Frontsau, psychologisch lückenlos gerüstet, um auf jedem Sch(l)ach(t)feld dieses Erdballs zu bestehen.»
Doch der Band wäre nur halb so köstlich, hätte der Oberarzt nicht noch einen besonderen Assistenten in seine Praxis geholt, nämlich den bekannten Schach-Cartoonisten Frank Stiefel. Dessen virtuoser Zeichenstift kam unnachahmlich auch in praktisch jedem Kapitel des «Schachtherapeuten» zum Einsatz, so dass Text und Bild einen gebündelten Angriff auf beiden Flügeln der menschlichen Schmunzelmuskulatur entfachen können. Gemeinsam brennen die beiden Docs ein wahres Kuriositäten-Feuerwerk ab, dem man – inmitten des alljährlichen Heeres von eher trockenen, Theorie-lastigen Schachbuch-Novitäten – einen möglichst großen, mit dem nötigen Quantum an Sinn für Schachwitz und -Entertainment ausgestatteten Leserkreis wünscht.
Zwei Wermutstropfen betr. dieses gepflegte Hardcover-Buch seien hier nicht verschwiegen, nämlich die fehlende ISBN-Nummer sowie der recht hohe Verkaufspreis von 15 Euro (immerhin inkl. Versand). Beide Probleme – als Resultate der bekannten Tatsache, dass Schachbücher stets für nur ein relativ winziges, wenngleich «emsig-treues» Leser-Segment produziert werden – ließen sich möglicherweise bei den zwei nächsten, bereits konzipierten Folgeprojekten (Der Schachtherapeut Band 2 – «Reloaded» und Der Schachtherapeut Band 3 – «Revolutions») umgehen, indem man über eine modernere Vertriebsform, z.B. das «Book-on-Demand»-Verfahren nachdenkt?
Alles in allem: «Der Schachtherapeut» ist ein buch- wie drucktechnisch sehr schön, ja liebevoll gestaltetes, mit Schach-Kabinettstückchen jeder Couleur vollgespicktes Psycho-Schmunzel-Opus für alle Schach- und Couch-Lagen – abseits staubtrockener Eröffnungs- oder Endspieltheorie, und gleichwohl mit einer Unmenge an Schach-Tipps und -Tricks versehen. Schach-Entertainment erster Sahne – unbedingt ins private Schachregal stellen!
Manfred Herbold, Der Schachtherapeut, 172 Seiten, Selbstverlag 2009; erhältlich bei Schach-Händlern oder direkt beim Autor: Glockenstraße 1, D-67304 Eisenberg-Stauf
Inhalt
Vorwörter Teil 1: Der Schachtherapeut 1) Die psychopathische Plaudertasche 2) Keine Angst vor Großmeistern! 3) Berlin 1920 4) Frauenschach 5) Der Exote 6) Zeitnot 7) Musterpatient Dr. M 8) Remis unter Freunden 9) Schachblindheit 10) Kombinationssucht 11) Die genialsten Schachaufgaben 12) Regelverletzung 13) Betrügerschach 14) Silvesterschach 15) Chess960 16) Hall-of-Fame 17) Hall-of-Shame 18) Hall-of-Luck 19) Patientenbucheinträge 20) Der Dawsonsche Revolverschuss Teil 2: Gastbeiträge 21) Schachimedes (Dr. Martin Stichlberger) 22) Schachnotizen (Walter Eigenmann) 23) Der Schachneurotiker (Karl Gross) 24) Hömma (Franz Jittenmeier) 25) Vorsicht! (Gerhard Wetzel) 26) ziemlich kraus (Hans-Peter Kraus) 27) Dr. Bullmover's (Christoph Klamp) 28) Der Schachflüsterer (Günter Groß-Winter) 29) Wenn man die "Theorie" nicht kennt (Rainer Schlenker) 30) Das lustige Schachlexikon von Att bis Matt (Hartmut Metz) Teil 3: Extras 31) Ey Alder (Steffen Walther) 32) Iwantschuk - Kasparow 33) Kasparow - Radschabov 34) Sämisch - Capablanca 35) Paulsen - Dr. Tarrasch 36) Tschigorin - Steinitz 37) Partienverzeichnis 38) Literarurverzeichnis 39) Webseitenverzeichnis 40) Lösungen
Leseproben
Frauen-Schach (Bild-Klick)
Der brillante Schachzug (37)
4r1k1/pp5p/2p1bR2/2P5/2B1n3/2B2K2/PP5P/8 w
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Die Reihe «Der brillante Zug» veröffentlicht wöchentlich ein neues Beispiel faszinierender menschlicher Höchstleistung auf dem Gebiete des Turnierschachs und der Problemkunst. Die einzelnen Stellungen bzw. Lösungen wurden von der Redaktion persönlich recherchiert und dürften als Schachaufgaben hiermit zum ersten Male einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Es handelt sich dabei um extreme Herausforderungen – für Maschinen wie für Menschen. – Viel Spaß beim Knobeln! (W.E.)
Helmut Pflegers neue ZEIT-Schachspalten
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Vergnüglicher Schach-Tratsch-Klatsch
Walter Eigenmann
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Der deutschsprachigen Schachwelt den Münchner Großmeister Helmut Pfleger vorstellen zu wollen hieße Bauern in die Grundstellung setzen: Seit Jahrzehnten ist der Name dieses bayrischen Internisten ein Synonym für hemdsärmelige Schachanalyse und schachpsychologisches Infotainment. Während er in den 80er&90er Jahren als witzig plaudernder «Talkmaster» vieler TV-Schach-Sendungen (oft gemeinsam mit dem tschechischen Spitzen-GM Vlastimil Hort) einer weiten Schachamateur-Gemeinde die komplizierten Geheimnisse des Königlichen Spiels «übersetzte», verlegte er sich in den folgenden Jahren vermehrt auf das Schreiben von Schach-Kolumnen, deren amüsanter Ton, verbunden mit dem Flair fürs Vereinfachen schwieriger Zusammenhänge und mit gleichzeitig weitem thematischem Spektrum, sich schon bald eine riesige Anhängerschaft schufen. Inzwischen ist der typische «Pfleger-Stil» ein internationales Markenzeichen in der Welt der Schachkommentierung geworden – und eine Lektüre, deren Charme, wortreiche Eloquenz und muntere Leichtigkeit vergessen lässt, dass Schach doch recht eigentlich eine todernste Sache ist, die außerdem durchaus extremsportlich psychische und körperliche Kräfte zehren kann. (Letzteren Befund hat übrigens derselbe Arzt Dr. Pfleger in diversen Berichten dokumentiert…)
«ZEIT-Schachspalten» nennt sich nun eine neueste (insgesamt bereits die fünfte bei der Edition Olms erschienene) Sammlung von Kolumnen aus der quirligen Feder des nimmermüden Schach-Enthusiasten Helmut Pfleger, dem wohl so mancher vom Schach (noch) unbeleckter Zeitungsleser seine erste Begegnung mit dem Spiel der Könige verdankt. Und erneut beeindrucken in diesen 120 ein-seitigen Glossen neben der Vielfalt des ganzen bunten Schach-«Drumherums» die vergnügliche Eleganz, mit der Pfleger den menschlich-allzumenschlichen Klatsch&Tratsch übers Schach als jeweiligen Aufhänger für die schachtechnischen Analysen seiner zahllosen Großmeister-Partien nimmt.
Das enorme schach-psychologische, -historische, -biographische und theoretische, ja gar -politische Wissen des Autors schlägt sich dabei in jeder seiner Glossen nieder, so dass man ob all den vielen Details zu Person und Leben und Umfeld des jeweiligen Protagonisten fast vergisst, dass da noch seitenweise knifflige, immer aber tatsächlich höchst «amüsante» Schach-Aufgaben zu lösen bzw. überraschende Gewinnzüge zu finden sind. Bezeichnend für das Spektrum des Pflegerschen Schach-Kosmos sind etwa Kapitel-Überschriften wie: «Wenn Blondinen kombinieren»; «Blechbüchsen-Schach»; «Als Einstein die Fäden zog»; «Mehr Stellungen als beim Sex»; «Lockruf der Smarties»; «Vishy mit Krone und Zepter» oder «Ernst Jüngers Bombenzug». Und so erfährt der Leser z.B., was Max Frisch beim Schach am meisten zusagte, nämlich dass man dabei nicht reden muss; dass Ludwig Thoma als schwacher Spieler um 10 Pfennige pro Partie spielte; dass Ephraim Kishon seinen Schachcomputer zu bescheißen pflegte; dass Bobby Fischer den vieljährigen WM Lasker als Kaffeehausspieler beschimpfte; dass Jean Paul einst befand, Schach zusammen mit Kaffee seien ein «gutes Treibmittel des Gehirns»; dass Kramnik seinen Weltmeister-Titel als «tonnenschwere Last» empfand – oder dass die Frau des Surrealisten Duchamp schon auf der Hochzeitsreise genug von ihrem Mann hatte, weil der sich mehr dem Schach als ihr zuwandte.
Das eigentliche Salz des Pflegerschen Sammelsuriums – es wurde von Raymund Stolze lektoriert und zusammengestellt – sind aber natürlich seine 120 Kniffeleien, mit denen er seine Geschichten und Geschichtchen garniert. Vorwiegend kombinatorisch kommen die meisten Schachaufgaben daher: ein taktischer Überraschungscoup ist jeweils die Lösung. Und auch hier ist das thematische Feld ein weites: Vom Eröffnungsreinfall bis zum Endspiel-Filigran, von der Fesselung bis zur Sperrung, vom Abzugsschach bis zum Qualitätsopfer reicht die Spannweite, wobei jedesmal ein Diagramm der Ausgangspunkt der Detektivarbeit ist. Die Beiträge stammen aus den Jahren 2005 bis 2008.
Alles in allem also ein neuer «Pfleger», wie ihn die große Fan-Gemeinde kennt: Witzig, frappant, informativ. Zurecht schreibt der deutsche Bundespräsident A.D. Weizsäcker in seinem «Geleitwort», dass Großmeister Pfleger ein ebenso hervorragender Schachspieler wie Pädagoge sei. Ungetrübtes Schach-Lesevergnügen.
Helmut Pfleger, ZEIT-Schachspalten, 120 amüsante Aufgaben und überraschende Lösungen aus DIE ZEIT, 136 Seiten, Edition Olms, ISBN 9783283010126
Der brillante Schachzug (36)
8/7p/5P1k/1p5P/5p2/2p1p3/P1P1P1P1/1K3Nb1 w
Auflösung und Download 1-36 (PGN/EPD/CBH – ZIP-File)
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Die Reihe «Der brillante Zug» veröffentlicht wöchentlich ein neues Beispiel faszinierender menschlicher Höchstleistung auf dem Gebiete des Turnierschachs und der Problemkunst. Die einzelnen Stellungen bzw. Lösungen wurden von der Redaktion persönlich recherchiert und dürften als Schachaufgaben hiermit zum ersten Male einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Es handelt sich dabei um extreme Herausforderungen – für Maschinen wie für Menschen. – Viel Spaß beim Knobeln! (W.E.)
Der brillante Schachzug (35)
4Q3/4n1r1/6Pp/1B6/8/8/6r1/5K1k w
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Die Reihe «Der brillante Zug» veröffentlicht wöchentlich ein neues Beispiel faszinierender menschlicher Höchstleistung auf dem Gebiete des Turnierschachs und der Problemkunst. Die einzelnen Stellungen bzw. Lösungen wurden von der Redaktion persönlich recherchiert und dürften als Schachaufgaben hiermit zum ersten Male einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Es handelt sich dabei um extreme Herausforderungen – für Maschinen wie für Menschen. – Viel Spaß beim Knobeln! (W.E.)
Der brillante Schachzug (34)
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Die Reihe «Der brillante Zug» veröffentlicht wöchentlich ein neues Beispiel faszinierender menschlicher Höchstleistung auf dem Gebiete des Turnierschachs und der Problemkunst. Die einzelnen Stellungen bzw. Lösungen wurden von der Redaktion persönlich recherchiert und dürften als Schachaufgaben hiermit zum ersten Male einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Es handelt sich dabei um extreme Herausforderungen – für Maschinen wie für Menschen. – Viel Spaß beim Knobeln! (W.E.)
Der internationale Schachkongress St. Petersburg 1909
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Bedeutende Kommentierung eines bedeutenden Turniers
Walter Eigenmann
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Die Historie der Schach-Literatur hat, wie jede künstlerische oder zumindest kulturelle Ausprägung, ihre zahlreichen unverzichtbaren Glanzpunkte – Eckpfeiler einer jahrhundertelangen geistesgeschichtlichen Entwicklung. Dazu gehören u.v.a. die Schach-Monographien der ganz Großen, aber auch deren Tunier- bzw. Partien-Bücher – von Steinitz’ «The book of the Sixth American Chess Congress» (1891) bis zu Aljechins «New York 1924», von Botwinniks «Half a century of chess» (1984) bis zu Fischers «Meine 60 denkwürdigen Partien», und von Euwes «Amateur-Meister»-Bänden bis zu Kasparows «Meine großen Vorkämpfer». Ein weiterer (vieljähriger) Schach-Weltmeister mit produktiver Feder war der Deutsche Emanuel Lasker; sein berühmtes Turnierbuch «Der internationale Schachkongress zu St. Petersburg 1909» wird nun in der «Tschaturanga»-Reihe der Schweizer Edition Olms als Reprint der vor 100 Jahren in Berlin erschienen Originalausgabe neu aufgelegt.
Das «Petersburger» 1909 zählt in der weltweiten Turnier-Geschichte zu den bedeutendsten Schach-Anlässen überhaupt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Am Start war (bis auf Tarrasch und Marshall) praktisch die gesamte Crème de la Crème des damaligen Spitzenschachs: Neben Lasker kreuzten u.a. Akiba Rubinstein, Rudolf Spielmann, Oldrich Duras, Richard Teichmann, Ossip Bernstein, Carl Schlechter, Savielly Tartakower, Milan Vidmar, Amos Burn und Jacques Mieses ihre Klingen. (Der damals 16 Jahre junge Aljechin war noch nicht reif fürs internationale Meister-Podium, gewann aber sensationell das zeitgleiche «Allrussische Nationalturnier». Sein Antipode Capablanca hatte 1911 in San Sebastian seinen großen Durchbruch).

Nicht nur das Turnier – Lasker und Rubinstein teilten sich den Ersten Preis -, sondern auch Laskers Turnierbuch ist ein Edelstein der Schachgeschichte. Zurecht schreibt Isaak Linder in seiner amüsant und und detailreich geschriebenen «Einführung» über Laskers Kommentierstil, für Lasker sei das Bestreben charakteristisch, in seinen Kommentaren einen besonderen Akzent auf die taktischen und kombinatorischen Momente des Kampfes zu legen. Was nicht zufällig sei: «Diese Herangehensweise ergibt sich aus der gesamten Laskerschen Konzeption der gewaltigen Rolle der ästhetischen Wirkung des Schachs sowohl auf den Spielenden selbst als auch auf den Betrachter der Partie.» Linder weiter: «Die Anmerkungen Laskers zu den Partien dieser Veranstaltung tragen einen konkreten Charakter. Manchmal sind sie lakonisch, mitunter aber analytisch umfangreich. In einer Reihe von Fällen verweist er auf Fehler oder auf die Möglichkeit besserer Fortsetzungen. Obwohl Lasker dem Eröffnungsstadium größtenteils keine Aufmerksamkeit widmet, weil er um die Unbeständigkeit der Bewertung dieser oder jener Züge und Varianten weiß, zeigt er bisweisen dennoch seiner Meinung nach aussichtsreiche Wege auf.»
Die ideellen Grundsätze des genialen Weltmeisters und bedeutenden Philosophen Emanuel Lasker nicht nur für dieses Buch, sondern überhaupt im Leben und Stil schimmern sehr aufschlussreich auch in Laskers Buch-Vorwort selbst durch, wo er diese seine Sammlung aller 175 Petersburger Turnier-Partien aus dem Jahre 1909 folgendermaßen einleitet:
Wie die Meister des Jahres 1909 bei einer Zeitbeschränkung von 15 Zügen die Stunde Schach gespielt haben, und wie einer von ihnen in weniger als sechs Monaten die so entstandenen Partien mit Glossen versehen hat, berichtet dies Buch. Es ist eine Fundgrube für den, der Charakter und Denken erforschen will. Sodann ist es von Nutzen für den, der den verwickelten Kombinationen einer modernen Meisterpartie zu folgen gelernt und diesen ebenso leichten wie angenehmen und lehrhaften Zeitvertreib liebgewonnen hat.
Wer diese Partien aufmerksam daraufhin untersucht, wird die Charaktere der zwanzig Meister entdecken können, grundverschieden durch nationale Begabung und persönliche Eigenart, im Temperament, in der Art zu hoffen und zu fürchten, Angriff zu ertragen oder zu machen, genau oder unbestimmt zu denken und zu handeln, und in vielen kleineren Zügen. Welch eine reiche Ernte wird der Erforscher menschlicher Natur hier sammeln können!
Für die Schachfreunde, denen das Denken des Schachmeisters noch ein verschlossenes Buch ist, sind hier die Siegel erbrochen. Seine Methoden werden dargelegt, wo sie von Erfolg gekrönt sind und auch, wo sie versagen. Und es ist eine Tatsache, die uns für die Zukunft noch viel des Bedeutenden erhoffen läßt, daß trotz der zweifellosen Errungenschaften einer tausendjährigen Evolution noch manches Problem sich stellt und mancher Irrtum begangen wird.
Ich habe mich bemüht, der Zeit den Spiegel vorzuhalten. Was jetzt als wertvolle und gesicherte Wahrheit vorhanden ist, wird man in den Glossen finden. Was jetzt noch zweifelhaft erscheint, ist hier als Problem gekennzeichnet; die Lösung ist vorgeschlagen, doch nicht dogmatisch.
Den Nachspielenden, der zu seinem Vergnügen und zu leichter Unterhaltung Partie und Noten benutzen will, habe ich nach jeder Richtung hin unterstützen wollen; und wenn einem solchen irgendeine Partie schwer verständlich geblieben ist, so habe ich gegen meine Absicht gefehlt. Denn dies Buch ist geschrieben worden zur Belehrung und Erheiterung aller Schachfreunde!
Emanuel Lasker, Der internationale Schachkongress zu St. Petersburg 1909, Reprint der Originalausgabe 1909, 252 Seiten, Edition Olms/Tschaturanga, ISBN 9783283010102
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Probeseite

Der brillante Schachzug (33)
3k4/8/3N4/P7/6pb/8/6P1/2K1n3 w
Auflösung und Download 1-33 (PGN/EPD/CBH – ZIP-File)
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Die Reihe «Der brillante Zug» veröffentlicht wöchentlich ein neues Beispiel faszinierender menschlicher Höchstleistung auf dem Gebiete des Turnierschachs und der Problemkunst. Die einzelnen Stellungen bzw. Lösungen wurden von der Redaktion persönlich recherchiert und dürften als Schachaufgaben hiermit zum ersten Male einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Es handelt sich dabei um extreme Herausforderungen – für Maschinen wie für Menschen. – Viel Spaß beim Knobeln! (W.E.)
Der brillante Schachzug (32)
r4r1k/p1p3bp/2pp2p1/4nb2/N1P4q/1P5P/PBNQ1PP1/R4RK1 b
Auflösung und Download 1-32 (PGN/EPD/CBH – ZIP-File)
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Die Reihe «Der brillante Zug» veröffentlicht wöchentlich ein neues Beispiel faszinierender menschlicher Höchstleistung auf dem Gebiete des Turnierschachs und der Problemkunst. Die einzelnen Stellungen bzw. Lösungen wurden von der Redaktion persönlich recherchiert und dürften als Schachaufgaben hiermit zum ersten Male einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Es handelt sich dabei um extreme Herausforderungen – für Maschinen wie für Menschen. – Viel Spaß beim Knobeln! (W.E.)



















Monika Bargmann












