Glarean Magazin

Lyrik von Werner K. Bliß

Veröffentlicht in Bild-Meditation, Christoph Meckel, Literatur, Lyrik, Neue Lyrik, Werner K. Bliß von Walter Eigenmann am 3. Oktober 2012

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Drei Textminiaturen zur
Ausstellung Christoph Meckel
Zeichnungen und Grafiken,
Georg Scholz Haus Waldkirch / BRD

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am grashang
sagst du
mitten im winter
sagst du
kommt keine
flocke zu uns
denn das hornvieh
sagst du
am horizont
sehnt den sommer
während
der maulwurf
zimmertüren
in kindheiten
öffnet
eiszapfen wärmt

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Christoph Meckel: Clarisse, Ausstellung 2012 im Georg-Scholz-Haus Waldkirch/D (Foto: Roland Krieg)

dein gesicht
clarisse
dein lächeln
clarisse
schaukelt durch
dein haar

öffnet
bilder
augenherzen
zähmen elefantenzähne

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zurückschaukeln
in kindheitstage
ungefragt
halten
engel
hände
über sie

seitenblicke
handzarte
wärme
inmitten
verspäteter winter

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Werner K. Bliß

Geb. 1950, Pädagoge, zahlreiche Lyrik-Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften, Online-Portalen und Anthologien, lebt in Hausach/D

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Kurzprosa von Oliver Gassner

Veröffentlicht in Glarean Magazin, Literatur, Neue deutsche Literatur, Neue Lyrik, Oliver Gassner von Walter Eigenmann am 29. Juni 2012

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Freudiana I & II

Oliver Gassner

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FREUDIANA I

Er holt mit der machete aus und schlägt in die grünen pflanzenleiber.
So bahnt er sich seinen weg.
Mit leisem zischen gibt die luft ihm raum.

Das knacken des schlags das feuchte geräusch wenn die klinge sich
wieder vom stengelfleisch löst klingen wie gebete in seinen
gottesohren.

Als er die augen öffnet klebt an der machete blut.

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FREUDIANA II

Das erste was man an ihm bemerkt ist die rechte hand im schwarzen
handschuh zur faust geballt. Im sessel sitzend hat er den ellenbogen
auf die lehne das kinn seitlich in die lederfaust gestützt. Scheinbar
teilnahmslos die lider halb geschlossen formen die lippen lautlos worte
einer vergessenen sprache, die ergrauten haare wollen nicht recht zur
jugendlich muskulösen Statur des fremden passen. Nur in den
hellgrauen augen des schmalen gesichts finden sich spuren von
schrecken schmerz leid. Er wird warten. Bis der junge mann zu ihm tritt
und ihn nach seinem leiden fragt. Und antworten. Unsterblichkeit.

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Oliver Gassner

Geb. 1964 in Hegau/BRD, langjähriger Mitherausgeber der eingestellten Literaturzeitschrift ‘Wandler’, verschiedene Veröffentlichungen in deutschsprachigen Literaturzeitschriften, schreibt nach Ausflügen in Copy Art und experimentelle und digitale Literatur und nach einer Kreativpause wieder Gedichte.

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Drei Poesien von Magdalena Jagelke

Veröffentlicht in Glarean Magazin, Literatur, Magdalena Jagelke, Neue deutsche Literatur, Neue Lyrik von Walter Eigenmann am 14. Oktober 2011

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Zu lieben

Ich stand am Fenster ich warf Blumen. Traf eine Blume dort unten jemanden, ein Wunsch, ich flüsterte Herz antworte.

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Mär

es ist stets dieselbe Mär das fromme wildgewordene Volk treibt ihn durch das Dorf und es greift ihn das Volk schubst ihn in ein Feuer er jedoch fleht das fromme Volk an: ich will leben! lasst mich leben! das fromme Volk ist unbarmherzig es antwortet nein Bestie stirb! an dieser Stelle der stets selben Mär wird er wach und er schreit

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Herz

Das Herz ist umschlossen von Pöbeleien.
Es schimpft, lässt die Landschaft welken.
Es grölt schmerzt, ich spuck’s in die Aussicht.
Es folgt dem Zug. Ich bin auf der Flucht.

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 Magdalena Jagelke

Geb. 1974 in Polen, 1986 Auswanderung nach Norddeutschland, Studium der Anglistik, Publikationen in Buch-Anthologien und Literaturzeitschriften, lebt seit 2002 in Köln

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Lyrik von Johanna Klara Kuppe

Veröffentlicht in Glarean Magazin, Johanna Klara Kuppe, Literatur, Neue deutsche Literatur, Neue Lyrik von Walter Eigenmann am 13. Februar 2011

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Seiltänzerin

die blüten im

korb blühen

nicht zartrosa das

kleid den kopf

gesenkt auf dem

seil schweben die

augen abschied angst

in den füßen

gestern sie weiß es

noch blühte das

all

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vielleicht hans

hans im glück heißen

alles schwere ab

geben gehen laufen

tauschen alles gegen

luft wind wiesen

unbekümmert

viele augenblicke hans

hans im glück

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Wien

blendet gold

weiß ratlos dein

herz schunkelt im

wiener wald

rote teppiche treppen

hinauf prickelt

sekt im rücken im

kino flimmert

weiter rosa blick

über die taiga

deine hand sucht

mein bein und höher

hinauf blaut der

himmel

stand by me winken

die statuen mit

fallenden blättern

stand by me

singst du ich lache

frost atmet im park

von schönbrunn

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Johanna Klara Kuppe

Geb. 1948 in Wuppertal/D, Erzieherin, Musikalienhändlerin, Veröffentlichungen in verschiedenen Anthologien, lebt in Waiblingen/D

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Johanna Kuppe: Zwei Bild-Lyrismen

Veröffentlicht in Arnold Böcklin, Bild-Meditation, Giorgio de Chirico, Glarean Magazin, Johanna Klara Kuppe, Literatur, Lyrik, Neue Lyrik von Walter Eigenmann am 16. Dezember 2010

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im schatten insel

hafen im meer felsen

burg bruchstein

mauern schlüssel das

offene tor unter schwarz

pappeln ankert der

kahn unter schwarz

himmel vom weißen

balkon der blick:

ohne begrenzung

weite sicht

(zu Arnold Böcklin: Toteninsel – 1883 / Bild rechts)

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………………….sitzen auf der PIAZZA

………………….stehen im langen

………………….SCHATTEN  wortlos die

………………….türme der kathedrale

………………….ansonsten

………………….LEERE die steine

………………….dösen am mittag faul im

………………….folgsamen rhythmus zeit

………………….loser ZEIT schwanken

………………….KOPFLOS die KÖPFE ab

………………….gelegt im bunt

………………….gelackten gedanken

………………….kasten vertrocknen

………………….die wörter

………………….(zu Giorgio de Chirico:
…………             Die beunruhigenden Musen -
………………….1917 / Bild links)

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Johanna Klara Kuppe

Geb. 1948 in Wuppertal/D, Erzieherin, Musikalienhändlerin, Veröffentlichungen in verschiedenen Anthologien, lebt in Waiblingen/D

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Lyrik von Martin Kirchhoff

Veröffentlicht in Literatur, Lyrik, Martin Kirchhoff, Neue Lyrik von Walter Eigenmann am 12. November 2010

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Klaipeda. Rundgang

Stimmenvoll, die Klänge,
sagen, werden getragen
ins Gehör, die Fragen

Worte, Sprache, die Klänge
hier, fremd mir,
Sprache, kräftiger Stier

Tauche ein, die Klänge
schweben, Träume erleben,
Worte, tiefe Orte

Stimmenvoll, die Kultur
hören, Sprache kann betören,
Klänge, gleich Chören

Tauche ein, Sprache fremd,
bester Wein, den niemand kennt;
schöner Klang, heimisch hier
Gesänge, fremd und in mir

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Bahnhof der Lufttrinker

Halb erblindet unter der Brücke
Bahnareal, Schienen, Gräser
S-Bahnen humpeln eisern dahin
Bettler, Mensch, Arbeitsloser

rattert der Zug, rattert die Zeit, rattert die Luft
es steigen Menschen in die Vergangenheit der Leere
es geht was kommt, alle wissen was keiner weiß
rattert das Leben, rattert der Traum, rattert das Sein

Halb sehend unter der Brücke
Ruinen, Flächen, Schotter
Gestalten stolpern glaubend umher
Lieder, Morgenrot, Hoffnung

vergeht was ist, vergeht was glaubt, vergeht was vergangen ist
es kommen die Toten in die Zukunft der Gegenwart
es kommt was geht, alle wissen was keiner sagt
vergeht der Tod, vergeht das Nichts, vergeht der Schein

Schräge Vögel im Bahnhof der Lufttrinker

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Ankunft

Wellen, die Boten,
sie becircen meine Seele,
die Möwen rufen
sie zaubern mir Flügel

Ein grünes Boot legt an
Wind, der Flüsterer,
er nimmt meine Seele,
die Gedanken schweben
sie zaubern mir Farben

Ein grünes Boot legt ab
Seele, der Sucher,
nimmt an die Wellen,
die Gedanken zaubern
sie rufen die Möwen

Eine Seele kommt an
Seele wird Welle
Welle wird Bote
Bote wird Möwe
Sie rufen mich

Angekommen im Meer

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Martin KirchhoffMartin Kirchhoff

Geb. 1954 in Leonberg/D, zahlreiche Lyrik- und Prosa-Publikationen in Büchern, Zeitschriften und Anthologien, verschiedene Literaturpreise, lebt als Zeitungskorrektor in Leonberg

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Lyrik von Klaus Martens

Veröffentlicht in Klaus Martens, Literatur, Lyrik, Neue Lyrik von Walter Eigenmann am 23. September 2010

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Was Herbst heißt

Herbst heißt Enden vor dem Schluss,
Wandlung der Farben zum Ende hin,
zum Saftrückfluss, zum Fall, zum Abfall,
zunächst dekorativ auf Stein geweht
oder ausharrendem Gras,
das nicht mehr wächst, doch irgendwie grün ist,
totgrün,  nicht lebendgrün,
totrotes Laub, schwarz umrandet,
schlechte Nachrichten an die Hockenden
im Boden, in Hecken und Verstecken,
die nicht entfliehen können –
die Ausharrer übers Enden hinaus,
Gewinner, Verlierer in der Wetterlotterie,
oder wie abgeschlagene Tannen im
Januar, gefühlsbekränzte Tote
vom Leben allzubald verbrannt.

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Der Himmel ist blau

Es weht kalt vom Garten herein.
Sonne und Himmelsblau täuschen.
Das Kreuzbein sitzt fest –
Herbstschmerz. Masseure
haben Hochbetrieb.
Im Takt von zwanzig Minuten
wird das Bein gestreckt, gehoben,
werden Wirbel geknetet,
dann der nächste arme Kerl.

Dabei ist es nur Herbst. Es wird
kälter, die Natur (der Körper)
zieht sich zusammen, die Sehnen,
die Gelenke schleifen,
und es schmerzt im Herbst,
ein weiterer Abschied von Wärme
und Jugend und Gelenkigkeit,
doch der Himmel bleibt sonnig
und blau. Kälte weht herein

aus dem schon verlorenen Garten.

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Klaus Martens

Geb. 1944 in Kirchdorf/D, Studium der Anglistik und Germanistik in Göttingen, Promotion 1979, zwischen 1979 und 1989 Lehraufträge an den Universitäten Göttingen, Münster und Kassel, zahlreiche literaturwissenschatliche und übersetzerische Publikationen in Büchern und Zeitschriften, Mitglied des PEN Deutschland, diverse Lyrik-Veröffentlichungen, lebt als emer. Universitätsprofessor in Saarbrücken/D

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Lyrik von Julietta Fix

Veröffentlicht in Julietta Fix, Literatur, Lyrik, Neue Lyrik von Walter Eigenmann am 18. Juli 2010

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Ein Fest

Da steht einer den du kennst
am Rand, an den Zaun gelehnt,
die Hände in den Taschen

Da streift ein leichter Wind
über den Platz und wirbelt Sand
auf bis unter die Achseln

Da duftet es nach Früchten
gebackenem Brot und Humus
auf den Bänken sitzen Fremde

Da geht dir ein Lied durch den
Kopf von irgendwoher nach irgend
wohin rutscht es weg

Da stehst du auf und lehnst dich
an den Zaun, vergräbst die Hände
in den Taschen

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Die innere Behörde

Das Sprechen ist ein Tier
und das Ofenrohr der Bote
Gestern aß ich die Krümel
vom Tisch und morgen
fange ich mit den Stuhlbeinen
an.

Als die Tage noch 24 Stunden
bargen, schliefen die dicken
Käfer in den Kacheln.
Heute sprengt die Sonne
die Panzer, lässt Luft an die
Haut.

Schwach ist das Licht, sehnig
der Bogen über den Augen. Innen
weht eine Fahne, Zeichen aus
Zeiten in denen das Wichtigste
nicht geschah. Ein Tausendfüßler
erinnert sich.

Hoch oben auf der Straße die
den roten Staub aufwirbelt zieht
eine Karawane. Esel sind stoisch.
Die Tage werden kürzer. Der Panzer
strickt sich ein neues Kleid. Außen
nichts.

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Platz

Im Vorhaus brennt die Zugluft. Kahle
Wände die Röhren unter Putz. Das Licht
scheint unerbittlich.

Silberfische in den Fugen amüsieren sich
in  kalkigem Wasser. Feste feiern wie sie fallen.

Das Tempo zeigt Geduld. In den dunklen
Treppenhäusern segeln bunte Kissen
von oben nach unten.

Platz bedeutet nicht unbedingt Platz.

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Julietta Fix

Geb. 1957 in Würzburg/D, Prosa- und Lyrik-Veröffentlichungen in Buch-Anthologien und Zeitschriften, lebt als freie Autorin und Herausgeberin von FixPoetry in Hamburg

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Berndeutsche Aphorismen von Barbara Warmbrodt

Veröffentlicht in Aphorismen, Barbara Warmbrodt, Literatur, Lyrik, Neue Lyrik, Schweizer Literatur von Walter Eigenmann am 26. Juni 2010

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Mä cha nid so schnäu lüge wie ehrlech si.

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Mängisch brucht mä d’Lüt au nur, umnä chönne uswäg zgoh.

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Mä gschpürt meh aus mä dänkt.

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Gärn ha isch keis Müesse oder äbe grad.

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Komisch, wie eim öpper ungereinisch sympathisch isch, wenn mä vonem äs Komplimänt brchunnt.

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Villicht sett mä die usgloffene Schueh noni wägschmeisse, solang eim die neue no weh mache.

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Dr schönscht Bluemeschtruss isch dr unpflückt.

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Däheim si isch ke Ort, sondern äs Gfüehl.

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Sorry isch ä Phrase, wos eim äbe überhaupt nid leid tuet, im Gägeteil.

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Bi dä Pflanze muess mä die näh wo chöme.

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Mä verzöuht nur dene vo New York, wo au scho in New York gsi si.

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Ungfrogti Antworte si ehrlech.

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Barbara Warmbrodt

Geb. 1959 in Grenchen/CH, literarische Publikationen in Anthologien, lebt als Verwaltungsangestellte, Kunstmalerin und Schriftstellerin in Lengnau/CH

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Drei Worte-Gedichte von Wolfgang Luley

Veröffentlicht in Literatur, Lyrik, Neue Lyrik, Wolfgang Luley von Walter Eigenmann am 12. Juni 2010

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Zufall

gedichte
schreiben ein zufall
ein zu fall bringen
von ballast
ein sich ballen ein sich aus
balancieren und ein
stimmen mit worten
ein brückenschlagen beiderseits
ohne beschwörungen und schwurbezeugungen
einander begegnen

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Am Puls der Wörter

Ich lebe
über Moden gehend
abseits
aber ich höre stets
den Puls der Wörter
und werde verstimmt
vom Rauschen der Laute

Ich: richtend gerichtet
von den bleibenden
den wahren Worten
wie eine
verstimmte Laute

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Sprache

Die Sprache ist mein Feld
und das Wort mein Pflug.

Die Sprache ist mein Gefälle
und das Wort mein Seil.

Die Sprache ist meine Fülle
und das Wort mein Plan.

Die Sprache ist mein Feld
und das Wort mein Stein.

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wolfgang-luleyWolfgang Luley

Geb. 1975 in Mannheim; Japanische Lyrik; Ernste und heitere Kurzprosa; Mitglied des Bundesverbandes junger Autorinnen und Autoren

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Lyrik von Klaus Martens

Veröffentlicht in Klaus Martens, Literatur, Lyrik, Neue Lyrik von Walter Eigenmann am 8. Mai 2010

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Mondgedicht

Ein wenig eingedellt, unten links,
Altersschatten über den Backen,
unter den Augen, auf jeden Fall:
Bald prall, voll, Cortison-Mond –

Mondgesicht, wie man sich’s vorstellt,
alterslos-alt, ausgefüllt, eingefüllt
wie ein Formular, Antrag auf Ope –
ration, einmal im Mond, Botox –

Mondverzicht bei tiefer Wolke,
doch Mond ist Pflicht, ich liebe dich,
wenn Mondlicht ist, so hell und rund,
ich: blind und dumm, mondsüchtig.

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Treibholz

Dieses fast enthäutete Stück Holz von einem vergessenen Strand
kann nicht mit einer in Bewegung erstarrten Schlange
verwechselt werden, die kieferartige Spreizung an einem Ende ist
kein zahnlos aufgerissenes Maul.

Hier und da sind braun gefleckte Fetzen Rinde fest geblieben
über dem hell und glatt gespülten Leib des gewundenen Holzes.
In den Gabelungen der zwei abgesplitterten Äste nisten –
ja, was? – ein fast versenktes, flaches, graues Steinchen

und, am Kopfende des leicht gewordenen Körpers, ein wohl runder
Stein, die auf dem Holzweg mitgenommen worden sind
und nun, nachdem sie beinah Teil geworden waren,
Kugellager fehlender Gelenke, Ruhe haben.

Ich hab verstohlen an dem Fund geschnuppert, ob nach Jahren noch
Geruch von Meer und Tang und Salz als feiner Hauch
vorhanden wären, ausgelöst aus brauner Haut durch meinen warmen Atem,
doch war da nichts zu spüren; der Rest blieb Ansichtssache.

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Fernweh

Alles drängt sich
in Bella Coola,
in Ashtabula
in Ganz-weit-weg.

Such den Nachbarn
in Owajema,
in Iwo Jima –
schon vor dir da.

Ach, bleib Zuhause
in Posemuckel,
in Huckelriede,
wenn du dich traust.

Erzähl von Bären
in deinem Zimmer
oder auch immer,
wohin du schaust.

Alles drängt sich
in deinem Kopfe,
unter dem Schopfe,
es ist ganz nah.

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Klaus Martens

Geb. 1944 in Kirchdorf/D, Studium der Anglistik und Germanistik in Göttingen, Promotion 1979, zwischen 1979 und 1989 Lehraufträge an den Universitäten Göttingen, Münster und Kassel, zahlreiche literaturwissenschatliche und übersetzerische Publikationen in Büchern und Zeitschriften, Mitglied des PEN Deutschland, diverse Lyrik-Veröffentlichungen, lebt als emer. Universitätsprofessor in Saarbrücken/D

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Steffen M. Diebold: 4 Jahreszeiten-Gedichte

Veröffentlicht in Literatur, Lyrik, Neue Lyrik, Steffen M. Diebold von Walter Eigenmann am 20. Januar 2010

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Pflegeheim

Was bleibt vom Tage
Stopfei und Nadel,
ein Fingerhut?
Aus dem Nähkästchen
geplaudert ein Leben
lang viel Lärm
um nichts.

Die Stehlampe der Zimmerecke,
ein paar vergilbter Fotos Alben
ein Stein, ein Epitaph -
ist es denn rechtens,
dass die Kinder vor den Eltern gehen?

Radio, Sessel, Stuhl und Bett
das Zimmer ist geräumt
noch vor die Asche
sich im Wind zerstreut.

Das Türschild abmontiert,
entsorgt die angebrochenen
«Korega-Tabs» unter den Briefen
das Grußwort der Stadt.

Was bleibt -
ein Leibfell aus Katzenhaar, das Brillenetui,
und an der Wand
«Jesus als Hirte».

Was bleibt -
an jenem Märzmorgen, der
Eiswind in den Haaren
der Kondolenten im Gegenwert
von Sperlingstränen.

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Terrassensommer

An langen Spießen spreizen
oleanderrote Kelche
instruieren zur Landung
ansetzende Paarflügler.

Lauer Wind
schüttelt die Falter
vom Flieder, und im Teich
schlendert ein toter
Fisch unter den Stein.

Am gallischen Tontopf
schwillt dekorativ
der Holzhahn, überhaupt viel
Terracotta und mediterranes
Art Deco, stilvoll drapiert,

die weniger geistvolle Amsel
stillt ihren Durst am
«Baseng» während ein dreister
Spatz über die Steingutkübel
scheißt, was für ein blendender
Sommer!

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Dienstfahrt ins Wochenende

Durch die Schatten der Frühe
fällt der Schweif des Septembers,
die Nebel lichten über
Ostrach und Upflamör.

Vom Weißdorn bewacht
steht ein Feldkreuz,
und Schneemarbeln lauschen
dem Lachen der Vögel.

Gegen weitläufige Himmel
ziehen die Wiesen,
dort schimmert rotäugig
das Obst im Gebälk.

Lichtfäden zittern
am Fachwerk.

Aus den Augen keil
mir den glimmenden Span,
wärmende Heimat
halt Hof
wieder.

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Hotelpool im Winter

Tauwassergesättigt, ihre
Bobbies an den Pool geräkelt,
sie zwitschern einen,
den andern legen sie
flach mann
und Sekt, schmeckt
frau herrlich.

Whirlperlen im Delta,
während draußen Frau Holle
die Flauschhemdchen schüttelt,
dralle Mädchen, alle
in zu engen
Eisbärkostümchen, Zuckerrüben
mit weißen
Kapuzen.

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Steffen M. Diebold

Geb. 1967, Studium der Rechtswissenschaften, der historischen Hilfswissenschaften und der Pharmazie in Tübingen, Frankfurt und Göteborg, verheiratet, zwei Töchter; Kompositionen von Klavierliedern und für gemischten Chor (a capella), zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, verschiedene Auszeichnungen, lebt, arbeitet und dichtet am Fuß der Schwäbischen Alb.

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Lyrik von René Oberholzer

Veröffentlicht in Literatur, Lyrik, Neue Lyrik, Rene Oberholzer, Schweizer Literatur von Walter Eigenmann am 9. Januar 2010

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Punta Scario

Die Gedichte pfeifen ums Haus
Peitschen an die Fensterscheiben

Ich lasse sie hinein
Sie rasen durch mich hindurch

Wenn sie verschwunden sind
Schreibe ich sie an die Wände

Dann ist es fast unendlich ruhig
Ich schaue mich lange im Spiegel an

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Dämmerung

Die Mittagsgedichte sitzen tief im Sofa
Sind breit und schwer
Würden sich gerne mitteilen
Doch die Sonne steht hoch

Erst wenn sie untergeht
Gehen die Gedichte nach draussen
Beginnen zu schreien
Und immer schneller zu laufen

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Einseitig

Der Himmel hängt
Voller Gedichte

Ich habe sie
Für dich aufgehängt

Du wartest nur
Auf den nächsten Regen

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Rene OberholzerRené Oberholzer
Geb. 1963 in St. Gallen/Schweiz, schreibt seit 1986 Lyrik, seit 1991 auch Prosa, lebt und arbeitet als Sekundarlehrer, Autor und Performer in Wil/Schweiz

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Lyrik von Charlotte Ueckert

Veröffentlicht in Charlotte Ueckert, Literatur, Lyrik, Neue Lyrik von Walter Eigenmann am 24. November 2009

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Beim Hindernislauf

Ist die Liebe ganz vorn
In die Weite geworfen
Die Beine und immer kurz
Vor einem Sturz
Sie will siegen
Und zieht mich

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Ein Spruch

Nach all dem Hunger
Auf unverschämtes Glück
Gewöhnt
An die Wiederholungen
Der Jahreszeiten

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Die Ratten sind weg

es gab eine Zeit
da nagten sie unter den Bohlen
im Haus
da liefen sie
über Terrasse und Gras
und tanzten in der Garage

Die Ratten sind weg
seit einiger Zeit singen
wieder die Vögel
und der Apfelbaum
blüht auch noch einmal
und für alle sieben mageren
Jahre siebenmal üppig

Die Ratten sind weg
ich werde auf den Kompost
Kartoffelschalen werfen
und die Tür kann ich öffnen
Scherenschleifern und Zeugen Jehovas
und die Bäume wiegen
das Gewicht heruntergefallener Träume

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Wie Sprache funktioniert

Abends kommen die Bienenfresser
Mit spitzen Schreien
Segeln sie scharf unter Wolkengeball
Bis in die Gassen fast
In die Fenster und mir um die Ohren
So klein flattrig
In liebenswürdigem Schnitt
Spielende Kinder die ein Lächeln wollen
Und mich aus dem Verstummen
In Worte zwingen

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Charlotte Ueckert

Geb. 1944 in Oldenburg/D, Studium der Literaturwissenschaft, Psychologie und Kunstgeschichte, wissenschaftliche Mitarbeit an der Universität Hamburg in den Bereichen Exilliteratur und Nachkriegsliteratur, verschiedene Buchpublikationen, Herausgeberin von Anthologien, Mitglied des PEN, lebt als freie Autorin in Hamburg

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Drei Zeit-Gedichte von Matthias Berger

Veröffentlicht in Literatur, Lyrik, Matthias Berger, Neue Lyrik von Walter Eigenmann am 16. August 2009

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Wochenbett

Ich sah
wie sich
ein Härchen
vom Lid
des Säuglings
löste

Alles
eine Frage
der
Zeit

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noch nicht

in der wehmut
des
noch nicht

fällt
jeder
kiesel
dir
zu

auch der
stundenschlag
wirft
gegenwart
in die
stille

in ihr
werden
deine augen
kelche
für farben

noch
verkrustet
dein blick
nicht

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ekstase – gravitation

heraustreten
aus dem brachland -
einen lerchenjubel lang

im himmel
aber
finden
lungenflügel
keinen
halt

pflugversuche wagen
erdling -
trittsicher
werden

und wieder
heraustreten -
nur
einen lerchenjubel lang

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Matthias Berger

Geb. 1961, aufgewachsen bei Bern, Studium der evang.-ref. Theologie in Bern und Nairobi, acht Jahre Gemeinde-Pfarramt, 4 Jahre Psychiatrieseelsorge, seit 2002 Gefängnis- und Spitalseelsorger im Kanton Zürich, lebt in Zürich

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Lyrik von Bruno Schlatter

Veröffentlicht in Bruno Schlatter, Literatur, Lyrik, Neue Lyrik, Schweizer Literatur von Walter Eigenmann am 8. August 2009

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Höhenwegkoller
angesichts des Schweißes
keine Überraschung
Schritt um Schritt
den Beizen zu
Hummeln ficken Rotklee
Erdgrillen schnurren
im Gebüsch klapperts
wie Schlangen
Meckernde Ziegen
abseits der Gemsställe
plötzlich riecht es nach Walderdbeeren
Kurze Halte
hoch über dem Tal
Blick auf Alpen
und Bahn
Donnernde Bäche
stieben über Felsen
aus verkarsteten Höhen
Baumlosigkeit
öffnet die Erde schutzlos
der Erosion
Trampelpfade
bieten Anrissstellen
Sommervogelballett
umschwirrt kalkweiße Beine
setzt sich wieder zu gemeinsamem Tratsch
bereit zu neuen Aufführungen
für nächste Wanderer
Glühende Sonne
brennt die Köpfe leer
hochrote Glatzen
leuchten im Schweißmeer

Da und dort
rutscht der Berg
centimeterweise pro Tag
bis der letzte Geduldsfaden
in einem Gewitter reißt
und alles gleitet
Haus und Schober
Wald und Weide
ineinanderkeilt
sich überschlägt am steilen Hang
purzelt über die Klippe
und fällt in die Schlucht

Die Berggeister
tanzen ihren Siegestaumel
gegen übermütige Zivilisation

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Bruno SchlatterBruno Schlatter

Geb. 1964 in Schöftland/CH, Pädagogik-Studium zum Sekundarlehrer, umfangreiche Tätigkeit als Musiker, bildender Künstler und Literat, lebt in Rombach/CH

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Erich Schirhuber: Zwei Lyrismen

Veröffentlicht in Erich Schirhuber, Literatur, Lyrik, Neue Lyrik von Walter Eigenmann am 5. August 2009

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Glück hinter Sonnenbrillen

an der Wand vor
dem Wind
geschützt die langsam sinkende
Sonne im Gesicht
hinter den Sonnenbrillen sie
wärmt durch das Hemd sie
macht die Straßenlaternen zu
Schattenrissen
Tauben picken die Reste der
Kekse und der Chips von
den Tischen
vor ein paar Stunden noch
gab es einen Wolkenbruch und
was für einen die paar Lachen
sind noch zu sehen
und man denkt
das Leben könnte doch schön sein

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Hafenrundgang

hier legten früher die Galeeren
an die Galeeren aus
Leptis Magna aus Appolonia
aus Paphos und Caesarea
der Kanal ist voll mir grünem
Schlamm sodass man das Wasser
kaum vermutet
an den Pinien wachsen
Pflanzen empor
parasitäre Gewächse die
üppig gedeihen und hinter
dem Zaun beginnt
das Nachmittagstrainung
von Aquileia Calcio
auf dem grünen Rasen wie man
sagt

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Erich SchirhuberErich Schirhuber
Geb.1955 in Vöslau/A, Studium der Germanistik, Dr. phil, Lyrik- und Prosa-Veröffentlichungen in Büchern und Zeitschriften und in ORF und RAI, etliche Preise, lebt als Bibliothekar und Autor in Wien

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Lyrik von Martin Kirchhoff

Veröffentlicht in Literatur, Lyrik, Martin Kirchhoff, Neue Lyrik von Walter Eigenmann am 3. August 2009

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Die Veranda war überflüssig
Holzhaus im Hügeltal
Qualm manchmal
Weißrauch vom Kamin
wie schnell, dann schwarz

Käutzchenrufe einer Nacht
sonnenblumenhell
schon und verflogen

Dann ging die Veranda
Bei den Sternen
sah ich sie nicht

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Halbleergetrunken der Wein
rote Pfütze auf dem Parkett
Scherben zerborstener Römer
wie Diamanten im Lichtschein
Tinte geschrieben auf der Wand
Linien, Silben zum Wort
Atemluft, die dünngeworden
auf dem Boden liegt und stirbt

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Engel
von der Grauwand
springe nicht gen Himmel
Rosen blühen zum Westen
am Portal
in jeder Wüste
ein rotes Blatt
für dich
Engel der Mauer
Rosenöl und Regentropfen
benetzen dein Gesicht
fürchte dich nicht
springe
in die Herzen
Engel der Zeit!

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Martin KirchhoffMartin Kirchhoff

Geb. 1954 in Leonberg/D, 1984 erste Text-Veröffentlichungen, seither zahlreiche Lyrik- und Prosa-Publikationen in Büchern und Anthologien, verschiedene Literaturpreise, lebt als Zeitungskorrektor in Leonberg

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Lyrik von Ueli Schenker

Veröffentlicht in Literatur, Lyrik, Neue Lyrik, Schweizer Literatur, Ueli Schenker von Walter Eigenmann am 28. Juli 2009

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Besuchszeit

Sie schweigen so freundlich
spielen Karten vergessen was
sie hätten werden können
ruf dich her wie einen Hund
auf knappe Zeichen reagierst du
prompt ich spende eine Runde
da du mit strammen Schritten
schon das Weite suchst erst auf
der Brücke wartest Blätter fallen
lässt in den Kanal wir kehren
am anderen Ufer zurück weil
der Nebel durch die Köpfe zieht

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Cafè Santé

Eine weitere Behandlung erübrigt sich
sagt der Spezialist vor lauter Freude
gönne ich mir ein Stück Torte Zeit genug

mich von Osteuropäerinnen entspannt
bedienen zu lassen nachzudenken
über Treppensteigen Probealarm

eine Operation wäre das grössere Übel
morgen hole ich Stöcke fange von vorn an
man hat nie ausgelernt überhaupt haben

Sirenen die längeren Beine als Lügen

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Falschmünzer

Bitte einen Franken für zwei
wärest du mir schon früher
begegnet hätte ich dich
nicht beim Beutel genommen
danke für die Aufmerksamkeit
bin in Eile mein Zug fährt
gleich denk ruhig weiter sag
keinem was ich werde er-
wischt bevor dir ein Licht auf-
geht lies morgen die Zeitung

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Galerie

Leihgaben fallen aus
dem Rahmen Lust auf
gemeinsame Sache mit
weiblicher Aufsicht Flucht-
gedanken kein Durchgang
zur Toilette wegen Umbaus
wir danken für Ihr Verständnis
kommen Sie gut nach Hause

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Ueli SchenkerUeli Schenker

Geb. 1937 in Zürich, war Gymnasiallehrer für Englisch und Deutsch, zahlreiche Lyrik- und Theater-Publikationen, verschiedene Literaturauszeichnungen, lebt in Meggen/CH

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Drei «Schweizer Texte» von Hans Gysi

Veröffentlicht in Hans Gysi, Literatur, Neue Lyrik, Schweizer Literatur von Walter Eigenmann am 22. Juli 2009

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Direkte Demokratie

die ehrenrettung
flankierender
maßnahmen wird
ins auge gefasst

die zustimmung
zur brechung von
höchstwerten wird
beschlossen und
zur ausführung
empfohlen

dem leitenden
ausschuss des
in kraft gesetzten
souveräns respektive
der vom volk
gewählten
vertreter des
selben
provisorisch
weitergegeben

bis die experten-
kommission
zuhanden des
leitenden ausschusses
verbindliche
empfehlungen
weitergibt.

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700 Jahre Schweiz

tage der konsolen und
schirmständer
tage der raumfahrt:

auch astronauten
mit ch-pass
können jetzt
in den weltraum

einfach hinten
anstehen bitte
die krawatte brauchen
sie nicht mehr
wenn sie erst einmal
in der rakete sitzen

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Aktion Fichen, CH 1990

mann auf straße
verteilt coupons
von closett-papier
sagt:

sie sind ein unbeschriebenes
blatt
&
spülen bitte
&
fichez-moi la paix

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Hans GysiHans Gysi

Geb. 1953 in Arosa/CH, Studium phil I zum Sekundarlehrer, Ausbildung zum Theaterpädagogen an der Schauspielakademie Zürich, Lyrik- und Prosa-Veröffentlichungen in Büchern und Zeitschriften; lebt als Regisseur, Schauspieler, Schriftsteller und Theaterpädagoge in Märstetten/CH

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