Aufgeschnappt
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Literatur-Nobelpreis für Bob Dylan?
Die Berliner Zeitschrift «Literaturen» meint in ihrem jüngsten Heft, der US-Pop-, Folk- und Rocksänger Bob Dylan sollte den nächsten Nobelpreis für Literatur erhalten. Denn immerhin sei er «der einflussreichste und wirkungsmächtigste Lyriker der Moderne». Das Werk des inzwischen 68-jährigen sei «lebendig und bleibt in Bewegung, nicht zuletzt durch ihn selbst und die fortgesetzte Neuinterpretation seiner alten Songs», heißt es in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift. «Bei ihm wird aus Dichtung Musik und aus Musik Poesie», schreibt das Heft weiter; «Einer wie er sollte endlich den Literaturnobelpreis bekommen.»
Alljährlich im Oktober vergibt in Stockholm das Nobelpreis-Komitee diese in verschiedenen natur- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen dotierte, hoch angesehene Auszeichnung. Die Literatur-Preisträger der letzten fünf Jahre waren Elfriede Jelinek, Harold Pinter, Orhan Pamuk, Doris Lessing und Jean-Marie Gustave Le Clézio. Pro Jahr gehen nach inoffiziellen Angaben bis zu 300 Nominierungen in Stockholm ein. Vorschläge einreichen können neben Literatur- und Linguistikprofessoren auch frühere Preisträger, Mitglieder der Schwedischen Akademie und Vertreter von Schriftstellerverbänden.
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16-Jähriger dirigiert amerikanisches Spitzenorchester
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Musik-Wunderknabe Ilyich Rivas interpretiert Tschaikowsky
Walter Eigenmann
In praktisch allen Kultur- und Sport-Bereichen scheinen die «Maestri» und «Stars» ständig jünger zu werden. Nun überraschte das amerikanische Spitzenorchester Atlanta Symphony Orchestra (ASO) seine weltweiten Anhänger mit der sensationellen Ankündigung, der erst 16 Jahre junge, in Venezuela geborene Ilyich Rivas werde ein komplettes Sinfonie-Konzert des renommierten Klangkörpers dirigieren.
Der jugendliche Conductor und Pianist, dessen Vater ebenfalls ein angesehener Orchester-Dirigent ist, fiel in einer Reihe von hochkarätigen Ausbildungsstätten – darunter auch im Verbier-Festival-Dirigentenkurs von Kurt Masur – als Extrem-Begabung auf und hat als Dirigent bereits zahlreiche Orchesterkonzerte sowohl in Amerika als auch in seinem Heimatland hinter sich. Mit neun leitete Rivas erstmals ein Bläser-Ensemble, ein Jahr später führte er in Venezuela Mozarts große G-Moll-Sinfonie Nr. 40 auf…
In Atlanta wird er also nächsten Samstag erstmals vor einem international reputierten Orchester stehen. Gegeben werden Verdis Ouvertüre zu «Les vêpres siciliennes», Mendelssohns Violinkonzert e-moll op. 64 – mit der erst 22-jährigen (!) Elena Urioste als Solistin – sowie als Höhepunkt des Abends Tschaikowskis Vierte Sinfonie.
Ungeachtet der offensichtlichen Hochbegabung dieses jungen Musikers stellen sich mit der «Verpflichtung» Rivas’ ans ASO doch kritische Fragen:
Reicht der aus «nur» 16-jähriger Denk- und Lebenserfahrung gespiesene «geistige Horizont» eines Knaben aus für eine gültige Interpretation solcher kulturgeschichtlicher Höhepunkte wie der Tschaikowski-Sinfonik? Wie gestaltet(e) sich überhaupt in einem solchen Fall die orchesterpädagogische bzw. -psychologische Arbeit, da ein relativ unerfahrener Jugendlicher hundert hochkarätig ausgebildete und oft vieljährig erfahrene Spitzenkönner führen muss? Oder ist dieses Engagement ganz einfach das Beispiel raffinierter neuer Marketing-Gags, welche in Wirtschaftskrisen-Zeiten wieder mehr (sensationslüsterne) Besucher in die Konzerthallen der finanziell überall serbelnden Spitzenorchester (nicht nur in Amerika) schwemmen sollen? Wie weit will es der globale Musik-Kommerz noch treiben mit dem grassierenden Jugend-Kult?
Tschaikowsky – 4. Symphonie (Beginn des vierten Satzes) —> Hörbeispiel (Barenboim/YouTube)
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Von «Aknestäbchen» bis «Schnecken-TÜV»:
Das Jugendwort 2009
Wissen Sie, was ein «Bankster» ist? Na logo: Ein Banker, der spekulative Geschäfte macht. Oder haben Sie eine Ahnung, was Jugendliche unter einem «Knieschoner» verstehen? Aber genau: Hängebusen. Noch etwas geschmackvoller: Was ist der «Schnecken-TÜV»? Ein Frauenarztbesuch.
Insgesamt 30 solcher respektlosen (und teils am «guten Geschmack» haarscharf vorbeischrammenden) Erfindungen aus der rotzfrechen Welt der Jugendsprache stehen gegenwärtig zur Internet-Abstimmung, welche der Münchner Langenscheidt-Verlag noch bis Ende Oktober 2009 lanciert. Das Begriffespektrum ist dabei recht weitgestreut (wenngleich naturgemäß etwas pubertätslastig), das Vokabular reicht von «Aknestäbchen» (PommesFrites) über «Don Promillo» (Betrunkener) bis hin zu «Pornflakes» (Viagra). Das Jugendwort 2008 war übrigens «Gammelfleischparty» (Feier von über 30-Jährigen). In der aktuellen Abstimmung führt zurzeit «Rudelgucken» (Public Viewing), gefolgt von «Hagelschaden» (Cellulitis). Im Rahmen einer Preisverlosung sind außerdem neue Jugendwörter zu kreieren.
Wer für das laufende Jahr noch mitvoten will, kann das hier tun.
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Belcanto für Kühe
Gesang, überhaupt Musik scheint inzwischen hilfreich für alles zu sein. So meldeten die «News» der britischen BBC unlängst, dass nun zum tenoralen Besingen von Kühen übergegangen wird. Geschehen unlängst auf einer britischen Farm, wo Bauer Bobby Gill hoffte, dass das geschulte Gesangs-Organ des italienischen Star-Tenors Marcello Bedoni die Milchproduktion seiner Vierbeiner verbessere. Eigens von der Glacé-Firma «Federici’s» eingeflogen und von der Werbeagentur «Hayley Campbell-Gibbons» bei seiner Cow-One-Man-Show gefilmt, postierte sich der Opern-Sänger vor einer Herde Lancashire-Kühen und schmetterte ihnen italienische Arien um die Ohren. Die britische Standesorganisation «National Farmers’ Union» über das Belcanto-Spektakel: «Soothing sounds or music can reduce stress and induce relaxation and a healthy, contented cow is likely to produce more milk and anything that enhances that can only be a good thing.»
Die so bezirzte Milch soll nun nach dem tierischen Musik-Event genau auf ihre geschmackliche Qualität hin untersucht werden. Inwieweit die geduldigen Rindviecher nach Bedonis Arien-Attacke von Bauer Gill ein wenig Schmerzensgeld in Form von mehr Futter erhalten haben, entzieht sich der Kenntnis des Berichterstatters… (gm)
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Kultur-Motion von Luc Recordon:
«In der Wirtschaftskrise die Kultur fördern!»
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Der bekannte Lausanner Ständerat Luc Recordon – Ende 2008 war er offizieller Bundesrats-Kandidat der Grünen Partei Schweiz – hat im Parlament eine Motion eingereicht, welche unter dem Titel «In der einsetzenden wirtschaftlichen Krise die Kultur unterstützen» die Forderung an die Landesregierung stellt, «ein umfangreiches und rasch umsetzbares Programm zur Unterstützung der verschiedenen Kultursparten in der Schweiz auf die Beine zu stellen.»
In seiner kürzlichen Reaktion auf Recordons Vorstoß winkte der Bundesrat bereits ab – mit dem etwas wirren, hilflos wirkenden Hinweis darauf, dass ja das Budget 2009 im «Bereich Heimatschutz und Denkmalpflege» um 9 Millionen Franken erhöht worden sei und diese Zusatzmittel für die Erhaltung denkmalgeschützter Objekte eingesetzt würde, wodurch «die Auftragslage der auf Denkmalpflege spezialisierten Bauunternehmen positiv beeinflusst» würde… Weitere spezifische Konjunkturmassnahmen im Kulturbereich seien jedenfalls nicht angezeigt.
Für das Schweizer Kulturleben – ob in Musik, Literatur, Film, Tanz oder Theater u.v.a. – bleibt also nur zu offen, dass diese intelligente Initiative aus dem Waadtland in den Rats- und Wandelhallen Berns auf offenere Ohren stößt als bei der zaghaften, um nicht zu sagen verzagten Exekutive des Landes…
Wir geben nachfolgend den Wortlaut der Motion wieder, um die kulturpolitisch weitsichtige Perspektive des Textes zu dokumentieren. (gm)
Eingereichter Text
Der Bundesrat wird beauftragt, ein umfangreiches und rasch umsetzbares Programm zur Unterstützung der verschiedenen Kultursparten in der Schweiz auf die Beine zu stellen.Begründung
Die Finanzkrise zieht eine Rezession nach sich. Diese kommt unweigerlich und könnte schlimmer ausfallen als befürchtet (auch deshalb, weil aus dem Finanzsektor weitere schlechte Nachrichten zu vermelden sind: Fälligkeiten von Subprime-Darlehen im Februar und im August 2009, verschärfte Unterdeckung von Kreditkarten in den USA, Platzen weiterer betrügerischer Blasen wie derjenigen von Madoff usw.). Nun zeigt die Erfahrung aber, dass Unentschlossenheit und abwartendes Verhalten in konjunkturpolitischen Fragen desaströs sind.Der Staat muss sehr rasch handeln – das sagt etwa der Wirtschafts-Nobelpreisträger 2008, Paul Krugman. Denn jede konjunkturpolitische Massnahme braucht eine gewisse Zeit, bis sie ihre Wirkung entfaltet, und jede starke Veränderung eines ökonomischen Zyklus wirkt selbstverstärkend, also prozyklisch («Schneeballeffekt»). Diesen Effekt muss man so früh wie möglich brechen. Nach Krugman müssen die Mittel, die in die Wirtschaft gepumpt werden, umfangreich sein, wenn sie wirken sollen: Es braucht 2 bis 4 Prozent des BIP, d. h. für die Schweiz zwischen 8 und 15 Milliarden Franken. Es ist ganz klar, dass die Exportwirtschaft unterstützt werden muss, aber das reicht nicht aus. Wenn es darum geht, öffentliche Gelder sinnvoll einzusetzen, wird der Kulturbereich regelmässig unterschätzt. Die gegenwärtige Situation ist deshalb günstig, um diesem Mangel abzuhelfen. Es sollen alle Mittel und Wege geprüft werden, wie die verschiedenen Sparten der Kultur gefördert werden können. Diese leisten einen beträchtlichen Beitrag zum Wohlstand unseres Landes im weitesten Sinn. Zu bedenken ist etwa, dass die Kultur nicht unerheblich den Konsum und den Tourismus ankurbeln hilft. Dabei spielen die verschiedensten Bereiche eine Rolle: Film, Theater, Literatur, Tanz, Musik, bildende Künste, Fotografie, Verlags- und Druckwesen usw. Zu erwähnen sind auch die günstigen Auswirkungen staatlicher Kulturförderung auf die oft schwierigen finanziellen Verhältnisse der Kulturschaffenden und anderer im Kulturbereich tätiger Personen. Schliesslich sollte auch der Wert der internationalen Ausstrahlung unserer Kultur in Betracht gezogen werden.
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Gefährlicher Geigen-Unterricht
Chioggia/Italien, 16. Februar 2009: Der Geigenlehrer Fabio Paggioro und sein 13-jähriger Schüler sind gerade dabei, ihre Unterrichtsstunde zu beenden. Paggioro erklärt dem Violin-Zögling noch, wie gut er ebenfalls mal werde, wenn er nur genug übe – da rastet sein Schüler aus. Aus heiterem Himmel sticht der Junge dem Lehrer ein Küchenmesser in den Rücken, dann haut er ab.
Gemäß der italienischen Nachrichtenagentur ANSA, die den Fall publizierte, sei glücklicherweise der zwar erheblich, aber nicht lebensgefährlich verletzte Geiger von einem Musiker-Kollegen, der in einem Nebenraum unterrichtete, entdeckt worden, so dass unverzüglich Polizei und Ambulanz alarmiert werden konnten.
Der Fall wirft insofern Fragen auf, als einerseits von einer vorsätzlich geplanten Tat ausgegangen werden muss: Die polizeilichen Recherchen ergaben, dass der Schüler das Messer extra aus der heimischen Küche in den Unterricht mitgenommen hatte. Andererseits sei der Junge, wie die Leiterin der betr. Regionalschule zu Protoll gab, vorher noch nie negativ aufgefallen, im Gegenteil als korrekt und respektvoll bekannt gewesen, er hätte gar beste Zeugnisse «wegen guter Führung»bekommen.
Möglicherweise, so die Spekulation, ist da ein schwelender Konflikt zwischen Lehrer und Schüler eskaliert. Oder es liegt ein neuerlicher Fall von Radikalisierung Jugendlicher durch Game-Software oder TV-Medien vor. Drittens ist natürlich auch eine schwere Persönlichkeitsstörung beim attackierenden Schüler in Betracht zu ziehen.
Die tieferen Gründe dieses Messer-Angriffs mögen (vorläufig) im Dunkeln bleiben, fest steht nur: Musikunterrichten scheint gefährlicher zu sein, als man bis jetzt annahm…
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Richard Wagner in Israel immer noch gebannt
Nach wie vor scheint die Musik des deutschen Opern-Genies Richard Wagner in Israel absolut unerwünscht zu sein. Und gemäß David Stern, dem neuen Music Director der Israeli Opera in Tel Aviv, wird sich daran auch in Zukunft nichts ändern. Denn obwohl das Oberste Gericht Israels vor einigen Jahren entschied, dass es nicht verboten sei, im Lande Wagner-Musik zu spielen, ist der geniale Romantiker und «Tristan»-Schöpfer für viele Israelis ein Sinnbild für die Kultur der deutschen Nationalsozialisten und antisemitischen Ideologien. Dirigent Stern unlängst im «Wall Street Journal» dazu: «Das ist kein großer Verlust für das israelische Publikum, es gibt vieles anderes, das es sich in Israel zu dirigieren lohnt.»
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Cello-Hoden und Gitarren-Brustwarzen?
Wie das englische Ärzte-Journal BMJ unlängst meldete, seien die berühmten «Cello-Hoden», welche mehr als dreißig Jahre lang in der medizinischen Fachpresse herumgeisterten bzw. ernsthaft diskutiert wurden, ein reines Hirngespinst.
Im Mai 1974 hatte sich nämlich die namhafte britische Ärztin Dr. Elaine Murphy einen Scherz erlaubt: Zusammen mit ihrem damaligen Ehemann John schrieb sie einen Brief an das renommierte «British Medical Journal» (BMJ), in dem es um angeblich durch Cellospielen verursachte Schmerzen im Hodenbereich ging. Zu ihrer eigenen Überraschung sei der Brief seinerzeit veröffentlicht worden, erklärten Murphy und Murphy in der jüngsten Ausgabe des BMJ.
Auf den Jux habe sie der Beitrag eines Arztes gebracht, der von den «guitar nipples» («Gitarren-Brustwarzen») dreier Patienten berichtet hatte. Bei diesen jungen Gitarrenspielern soll sich die Brustwarze angeblich durch den Druck des Instrumentes entzündet haben. Ihr Mann und sie hätten diesen Bericht dann mit einem weiteren medizinischen Phänomen überbieten wollen.
Die heutige Baronin und Angehörige des britischen Oberhauses Elaine Murphy zu ihrem damaligen Skrotum-Scherz: «Wer jemals einem Cellisten beim Spielen zugesehen hat, dem muss klar sein, dass unsere Behauptung physisch gar keinen Sinn ergeben kann…»
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Quartett spielte bei Obama-Inauguration nicht live
Beim Auftritt des neuen amerikanischen Präsidenten Barak Obama anlässlich dessen Amtseinführung – sie wurde weltweit hundert-millionenfach übertragen – kam auch ein prominentes Klassik-Quartett zum Einsatz, welches sich aus dem Geiger Itzhak Perlman, der Pianistin Gabriela Montero, dem Klarinettisten Anthony McGill sowie dem Cellisten Yo-Yo Ma zusammensetzte.
Doch wie nun die New York Times meldet, spielten die vier gar nicht live. Denn wegen der extremen Kälte, die zur Zeit der Feier herrschte, hätten die Musiker nicht wirklich spielen können. Wie eine Sprecherin des «Joint Congressional Committee on Inaugural Ceremonies» weiter mitteilte, hätte man außerdem mit reissenden Klaviersaiten und verstimmten Instrumenten rechnen müssen. Live gespielt hätten hingegen die Marine Band und der Chor, die ebenfalls bei dieser Inaugurations-Feier des populären US-Präsidenten zu hören waren.


















