Kein Applaus für das Royal Philharmonic Orchestra
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Mozart-Sinfonik für Pflanzen?
Walter Eigenmann
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Die chronische Finanzknappheit heutiger Sinfonieorchester, auch berühmtester Ensembles treibt buchstäblich immer seltsamere Blüten. Einen Marketing-Gag der schrägsten Art ließen sich unlängst die englische Shopping-Kette QVC und das renommierte Royal Philharmonic Orchestra einfallen. Geschlagene drei Stunden lang konzertierte das Londoner Spitzenorchester unter der Leitung von Benjamin Pope vor einem stattlichen Auditorium von – Pflanzen! Denn QVC-Garden-Chief Richard Jackson und seine Werbeleute wollten gemäß einer Meldung von «NewsLite» prüfen, ob klassische Musik bzw. die Nachhallzeit von Schallwellen eventuell «die Protein-Produktion in Pflanzen stimulieren und dadurch das Wachstum verstärken» könnte. Und so kam eine über 100 Arten zählende Riesensammlung unterschiedlichsten Grünzeugs im altehrwürdigen RPO-Stammhaus «Cadogan Hall» in den Genuss zahlreicher Klassik-Hits, darunter viel Mozart-Sinfonik.
QVC-«Garten-Experte» Jackson im PR-Video (siehe via Bild-Mausklick) allen Ernstes (wenngleich nicht ohne Schmunzeln): «Wir wollten herausfinden, ob Pflanzen mit Klassik glücklicher sind und besser wachsen». Dirigent Pope seinerseits zu dem botanischen Konzert-Gag: «Bestimmt das duftigste Publikum, vor dem wir jemals gespielt haben. Es war allerdings leicht zermürbend, statt applaudierender Menschen nur viele Reihen gesenkter Köpfe zu sehen…»
Wie hoch des Orchesters Honorar für das Rezital ausgefallen ist, entzieht sich der Kenntnis des Berichterstatters; außerdem steht zu befürchten, dass keinerlei exakte naturwissenschaftliche Messwerte dieses «Experimentes» publik werden… ●
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111 Chess Tacticals (7)
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Schwarz am Zuge gewinnt
Unsere Serie «111 Chess Tacticals» wendet sich an die Rätselfreunde unter den Schachspielern. Die faszinierende Welt der Schach-Taktik, wie sie sich in diesen 111 Miniaturen spiegelt, beinhaltet herrliche, meist frappante Kombinationen aus der Praxis des jüngsten Amateur- und Profischachs. Der Schwierigkeitsgrad variiert von Aufgabe zu Aufgabe, doch im allgemeinen kann ein Puzzle innerhalb von fünf Minuten von durchschnittlichen Vereinsamateuren gelöst werden. – Die Lösung erhalten Sie jeweils nach einem Mausklick auf das Diagramm, und die Varianten können dann online nachgespielt werden. Ausserdem lassen sich alle Varianten als PGN-Datei downloaden. -
Viel Vergnügen beim Knobeln unserer «111 Chess Tacticals»! ■
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Arne Dahl: «Opferzahl»
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Ein Krimi, so komplex wie spannend
Marita Robker-Rahe
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Jan Arnald, dem Krimileser besser unter dem Pseudonym Arne Dahl bekannt, ist nicht nur Autor einer Reihe herausragender schwedischer Krimis, sondern auch Redakteur zweier Literaturzeitschriften und Literaturkritiker. Die Freunde dieses Autors kennen seinen unverwechselbaren Schreibstil, der sich durch sprachliche Vielschichtigkeit auszeichnet, so auch in seinem neuen Werk «Opferzahl».
Nach Amerika und Europa hält der Terrorismus auch in Schweden Einzug. Ein Bombenattentat auf einen Einsatzwagen der grünen U-Bahnlinie fordert zehn Opfer. Der erste Gedanke läßt sofort einen Angriff von islamistischen Terroristen vor den Augen der Leser entstehen. Als sich dann eine islamistische Vereinigung namens «Siffins heilige Ritter» zu diesem Anschlag bekennt, scheint der Gedanke sich in Realität zu verwandeln. Die (dem regelmäßigen Dahl-Leser schon bekannte) «A-Gruppe» versucht, in mühevoller Kleinarbeit die einzelnen Mitglieder dieser Vereinigung aufzuspüren, um dann festzustellen, dass letztere nach und nach liquidiert wird. Wer also steckt hinter dem Anschlag?
Der neue Krimi von Arne Dahl beginnt recht undurchsichtig. Viele Personen werden vorgestellt, Kompetenzrangeleien bestimmen neben der Beschreibung des blutigen Attentats die ersten Seiten. Wer sich davon aber nicht abschrecken läßt, wird mit einer ausgeklügelten Geschichte und einer enorm spannenden Ermittlung belohnt, die mit einem überraschenden Finale endet. Bei Arne Dahl hat man immer das Gefühl, dass er aus einer unerschöpflichen Anzahl an Töpfen, die bereitstehen, seine Ideen schöpft und sie wie ein Bilderpuzzle Teil für Teil zu einem Ganzen zusammenlegt. Die Spannung, die dabei entsteht, hält den Leser bei der Stange.

Arne Dahls Krimi-Protagonisten werden von Buch zu Buch reifer, vielschichtiger. Außerdem erhält der Leser Einblick in die Kleinarbeit der Ermittlungen, darf teilhaben an den manchmal sogar philosophischen Gedankengängen der einzelnen Ermittler. - Einer der besten Dahl-Romane bisher, und einer, den man Seite für Seite genießen sollte.
Dabei legt Dahl bei seinen Romanen stets sehr großen Wert auf die Beschreibung seiner Ermittler, ihrer Probleme, persönlichen Befindlichkeiten und ihrer Entwicklungen. So erscheinen seine Protagonisten nicht eindimensional, sondern werden von Buch zu Buch reifer, vielschichtiger, bleiben aber mit ihren kleinen Macken doch immer menschlich. Außerdem erhält der Leser Einblick in die anstrengende Kleinarbeit der Ermittlungen, darf teilhaben an den manchmal sogar philosophischen Gedankengängen der einzelnen Ermittler.
Einer der besten Dahl-Romane bisher – und einer, den man Seite für Seite genießen sollte. ●
Arne Dahl, Opferzahl, Kriminalroman, 448 Seiten, Piper Verlag, ISBN 978-3492049689
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Geb. 1958 in Osnabrück/D, im medizinischen Bereich berufstätig, Stadtführerin in Osnabrück, zahlreiche Belletristik-Rezensionen auf Online-Portalen, lebt in Belm/D
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Das «Glarean»-Streichholzrätsel
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Fügen Sie fünf Streichhölzer so hinzu, dass vier
gleich große Trapeze entstehen
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Lösung: —>(weiterlesen…)
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Das Zitat der Woche
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Über die verschiedenen Arten der Stille
Ödön von Horváth
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Unlängst traf ich einen Bekannten in der Zimmerstraße. »Ich verstehe Sie«, begrüßte er mich, »aber was ich nicht verstehe, ist einfach dies: warum haben Sie eigentlich Ihrem herrlich idyllischen Dorfleben den Rücken gekehrt und sind hierher nach Berlin gezogen? Sie sind doch sogenannter Schriftsteller und wenn ich mich in Sie hineinlebe, so stelle ich mir das so vor, daß Sie draußen auf dem Lande viel mehr Ruhe zum Dichten haben, außerdem haben Sie dort auch würzige Luft.«
»Also was die würzige Luft betrifft«, sagte ich, »da haben Sie relativ recht, aber bekanntlich kann man von der Luft nicht leben, selbst wenn sie würzig ist. Ich muß doch unbedingt nach Berlin, und zwar erstens: um unbedingt Geld zu verdienen. Vergessen Sie doch bitte nicht, daß man nicht nur zum Denken, sondern auch zum Dichten unbedingt Papier, Tinte oder Bleistift braucht, vom Essen, Schlafen und der Garderobe will ich jetzt gar nicht reden!« »Also das hat sich allmählich herumgesprochen«, beruhigte er mich, »aber hören Sie mal: wenn ich Sie wäre, würde ich nur dann nach Berlin ziehen, wenn mir die Tinte, Papier oder drgl. gerade mal ausgegangen ist, wie ich dann aber die Sachen habe, würde ich mich sofort wieder von Berlin empfehlen, hinaus in den ländlichen Frieden, um dort meine Belletristik zu schreiben. Sie können sich doch draußen in der himmlischen Stille und an dem Busen der Natur bedeutend konsequenter konzentrieren, als wie im Trubel der Weltstadt. Hier wird man doch nur zu leicht von seiner Intuition abgelenkt.«»Das glaube ich weniger«, sagte ich, »von der sogenannten wahren Intuition kann man nicht so mirnix-dirnix abgelenkt werden, aber abgesehen hiervon: ich kann, wenn ich will, hier in Berlin genau so still leben, wie an dem Busen der Natur. Wenn man gerade eine Intuition hat, kann man hier leicht ein Eremitendasein führen, allerdings gibt es hier mehr Versuchungen, als wie draußen im Dorf, jedoch meist nur nach sieben Uhr abends. Aber ich hätte ja gar keinen Willen, wenn ich diesen Versuchungen nicht standhalten könnte! Es gibt natürlich auch unbewußte Versuchungen und Ablenkungen, man wird natürlich oft abgelenkt, ohne daß man es merkt. Aber in dieser Weise kann ich auch auf dem Lande abgelenkt werden, zum Beispiel durch einen Wald, durch eine Lichtung, und in der Stadt durch eine Fabrik, eine Straßenbahn – aber das hat ja auch natürlich alles seine Vorteile, es wirkt in mir weiter, und springt auf einmal heraus in irgendeiner Szene eines Buches, oder nur einer Kapitelüberschrift. So würde dann auf dem Lande ein Kapitel heißen ›Abendsonnenschein im Hochwald‹ und in der Stadt ›Die Arbeitslosenunterstützung wird gekürzt.‹ Verstehen Sie mich?«
»Nein.«
»Dann hab ich das vielleicht zu kompliziert formuliert, aber ich kann es nicht einfacher. Sie haben mich ja überhaupt erst auf den Gedanken gebracht. Kehren wir lieber zur Stille zurück, zu diesem Begriff. Die Stille, lieber Herr, ist etwas sehr schönes, sie ist ja auch nicht umsonst schon oft besungen worden, von allen Völkern, den schwarzen, den weißen, roten, gelben, und zwar nach allen Regeln der Reimerei. Und zu allen Zeiten, sicherlich bereits knapp nach der Ermordung des Urpapas. Es ist aber natürlich ein großer Unterschied zwischen der Stille der Stadt und des Landes. Erstere ist selbstgewählt mit einem bestimmten Zweck, nämlich zur dichterischen Arbeit, letztere ist ein ›Muß‹, eine Mußstille. Und die Stille verführt zum Träumen und logischerweise zur Romantik, während die städtische Stille nur der Arbeit gewidmet ist, arbeit ich aber mal nicht, so kann ich in der Stadt keine Stille verspüren, es entsteht also statt des Phantasierens das Sehenmüssen, ob mir das nun ganz bewußt wird oder nicht, spielt natürlich keine Rolle.«
»Jetzt versteh ich Sie überhaupt nicht mehr«, sagte mein Bekannter und sah mich mitleidig an. »Reden wir doch wieder deutsch«, bat er mich freundlich und fuhr sogleich fort: »Es ist mir bekannt, daß die Stadt das Zentrum ist, daß die Stadt den Ton angibt und die ländliche Einfalt zwingt, ihren Ton nachzuahmen, wenn sie überhaupt einen Ton haben will. Das Land ist heute kaum entwicklungsfähig, die lebendige Kultur gibt es nur in der Stadt, darüber sind wir uns doch im klaren. Das Schwergewicht verschiebt sich immer mehr zur Industrie. Die künftigen Kulturzentren sind sicherlich die Industrieorte. Das wissen wir doch alle. Das können Sie vor allem genau so auf dem Lande wissen, wie hier in Berlin, Sie können ein Buch darüber lesen, Zeitungen, Radio, Zeitschriften abonnieren, usw. Bei Ihnen kommt es doch nicht so sehr darauf an, ob Sie nun die neueste Nachricht einige Stunden später erfahren, wo Sie doch ewige Werte schaffen wollen.«
»Hm«, sagte ich nachdenklich, »es ist für mich als jungen Dichter, der ewige Werte schaffen will, natürlich gleichgültig, ob ich es drei Stunden früher oder später erfahre, daß sich wieder mal einige Personen infolge wirtschaftlicher Not das Leben genommen haben. Das ist klar, das hat mit dem Schaffen ewiger Werte nichts zu tun. Aber es kommt doch beim Dichten nicht darauf an, daß ich das erfahre, sondern daß ich das selbst sehe. Es kommt doch auf die Nuancen an. So einen Selbstmord sieht doch ein jeder anders, durch ein anderes Temperament. Aber wichtiger als dies, scheint mir folgendes zu sein: es bildet sich ein neues gesellschaftliches Bewußtsein, es ist alles im Werden begriffen, auch die bisher bekannten Typen der Menschen bilden sich um, es entstehen gewissermaßen ganz neue Mischungen – – sehen Sie: und das können Sie heute auf dem Lande weder fühlen noch sehen, das Land läßt der Stadt den Vortritt, und für mich als jungen Dichter ist dies natürlich kolossal wichtig, die persönlichen Eindrücke von diesem Wandel des Bewußtseins. Sie werden das vielleicht gar nicht so verspüren?«
»Also da haben Sie schon sehr recht! Leben Sie wohl!«
»Auf Wiedersehen!« ■Aus Ödön von Horváth, Autobiographisches und Theoretisches, Suhrkamp 1988
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Das neue 50-Euro-Literatur-Preisrätsel
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Wer bin ich?
Im Glarean Magazin findet sich regelmäßig ein neues 50-Euro-Preisrätsel.
Die neueste Aufgabe richtet sich an die Literatur-Kenner unter den Lesern.
Wer zuerst die komplette Lösung des Rätsels präsentiert, erhält wie immer 50 Euro.
Einsende-Schluss für das nachstehende Preisrätsel ist am 29. März 2011 (24 Uhr).
Für die Einsendung der Lösung ist die «Kommentar»-Funktion zu benützen.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. - Viel Spaß und Erfolg! – -
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Für mein Gesamt-Oeuvre, das nicht nur zahlreiche epische und lyrische, sondern auch viele Werke der Malerei, ja sogar der Musik umfasst, hat mich die Kulturwelt mannigfach geehrt. Bereits während meiner Studentenzeit in England reifte in mir ein Leitgedanke heran, der später zum zentralen Thema meines ganzen Schaffens wurde: jener der intellektuellen Toleranz und des geistigen Brückenschlages zwischen politisch heterogenen Systemen. Mein philosophischer Idealismus, meine ebenso sehnsüchtige wie tröstliche Gottessuche, aber auch meine literarisch intensiv bewältigte Trauer über die menschliche Unvollkommenheit verbunden mit einem bilderreichen poetischen Mystizismus fanden dabei nicht nur international größte Beachtung, sondern führte in meiner Heimat fast zu einem Kultstatus meiner Person. – Also: Wer bin ich? ■
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Viktor Kortschnoi: «Meine besten Kämpfe» (Jubiläumsausgabe)
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Zum 80. Geburtstag eines charismatischen Schachspielers
Thomas Binder
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Man kann diese Rezension nicht ohne ein paar würdigende Worte zu Viktor Kortschnoi beginnen, der in diesen Tagen seinen 80. Geburtstag feiert. Mehr als ein halbes Jahrhundert hat der charismatische Meister die Schachwelt geprägt.
Schon 1956 Großmeister geworden – damals gab es weltweit gerade 50 Titelträger –, gehörte er mehr als 30 Jahre lang zur absoluten Weltspitze. Viermal gewann er die Meisterschaft der Sowjetunion; sechsmal siegte der Jubilar mit der Nationalmannschaft bei der Schach-Olympiade; ab den 1970er-Jahren nahm Viktor Kortschnoi mehrmals Anlauf auf die Weltmeisterschaft, 1978 und 1981 unterlag er erst im WM-Kampf gegen seinen ewigen Rivalen Anatoli Karpow. Auch das Duell der beiden 1974 war praktisch schon ein WM-Kampf, der Sieger würde Weltmeister werden, da Bobby Fischers Rückzug vom Turnierschach absehbar war. Noch 1983 drang Kortschnoi in das Kandidaten-Halbfinale vor, wo er Kasparow unterlag – eine neue Schachgeneration hatte das Zepter übernommen.
Ist seine Bedeutung für das Weltschach kaum hoch genug einzuschätzen, so scheint dem Rezensenten die politische Bedeutung seiner Kämpfe am Schachbrett und außerhalb des Turniersaals noch wichtiger. Die Umstände der WM-Kämpfe sind in vielen Büchern geschildert worden, zuletzt in «Der KGB setzt matt», wozu Kortschnoi selbst ein aufschlussreiches Nachwort verfasste.
Kortschnois Emigration aus der Sowjetunion machte die Repressalien offenbar, unter denen unangepasste Persönlichkeiten wie er in der Diktatur zu leiden hatten.
Für Insider stehen in diesem Zusammenhang viele Namen im Raum: Sosonko, Gulko, Lein, Spasski… Für die Schach-Öffentlichkeit ist die «lebende Legende» Viktor Kortschnoi eine Gallionsfigur für menschliche Stärke und Charakterfestigkeit.
Viktor Kortschnoi hat sich seine geistige Frische und enorme Spielstärke bis ins hohe Alter bewahrt. 2006 wurde er Senioren-Weltmeister, und sitzt bis zum heutigen Tage regelmäßig in den höchsten Ligen am Brett. Was er für das Schach in seiner Wahlheimat Schweiz getan und bewirkt hat, kann man wohl von «außen» nur schwer ermessen.
In der dortigen Nationalliga ereignete sich auch jene amüsante Geschichte, als er seinem Gegner mit den Worten «Ich bin Schachgroßmeister» (Video auf Youtube) die Aufgabe nahelegte. Jedem anderen Spieler hätte man dies als Unsportlichkeit vorgehalten. Einer Persönlichkeit vom Range Kortschnois wird es als nette Anekdote toleriert – auch ein Zeichen von Hochachtung der gesamten Schachwelt vor dem Achtzigährigen.
Wie würdigt man Kortschnoi zu diesem Jubiläum? Der Verlag «Edition Olms» hat sich für eine Neuauflage der Partiensammlung «Meine besten Kämpfe» entschieden. Gut zehn Jahre nach der Erstausgabe wurden die beiden Bände zu einem Gesamtwerk von 430 Seiten vereint. Diesem Ursprung ist übrigens die merkwürdige Aufteilung in «Partien mit Weiß» und «Partien mit Schwarz» geschuldet. Innerhalb der beiden Teile sind die je 55 Partien chronologisch sortiert. Das Cover verspricht eine «aktualisierte und erweiterte Jubiläumsausgabe». Die Erweiterung beschränkt sich allerdings auf zehn Partien und endet auch bereits 2003, nicht wirklich eine Aktualisierung also.
So werden uns nun 110 Partien präsentiert – ein kleiner Ausschnitt aus den fast 5’000 Kortschnoi-Partien in der marktbeherrschenden Datenbank, mit denen er laut «Wikipedia» den Rekord der meisten dokumentierten Schachpartien hält. Immerhin zwei Partien des Buches hat der Rezensent nicht in jener Datenbank gefunden: die Weißpartien von 1953 gegen Suetin und von 1955 gegen Tschechower.
Alle Partien sind vom Meister selbst kommentiert. Oft stellt er einige Bemerkungen zum Anlass des Spiels und Gedanken zum jeweiligen Gegner voran. Auch in den Kommentaren lässt er uns an seinem Denken Anteil nehmen, reflektiert seine Überlegungen und Berechnungen. Die rein schachlichen Kommentare konzentrieren sich auf das Wesentliche. Dort, wo Kortschnoi ausführlicher wird, hat er uns Wichtiges zu sagen, ergibt sich auch ein Lerneffekt, obwohl wir ja gewiss kein Lehrbuch vor uns haben. Der Leser wird ge- aber nicht überfordert. Angegebene Varianten haben immer das richtige Maß. Man spürt – bzw. erklärt es Kortschnoi an einer Stelle selbst –, dass die Varianten mit Computerhilfe geprüft sind. Dennoch kommt nie der Eindruck auf, der Autor habe sich vom Schachprogramm treiben lassen. Er setzt es souverän als Kontrollinstanz ein – nicht mehr und nicht weniger. Schmunzeln muss der Leser freilich über die Bemerkung zu einer Alternativ-Variante: «Mit einer solchen Stellung müsste man Deep Blue füttern, damit uns die Maschine sagt, wer besser steht.» – Selbstironie eines Genies und zugleich ein Zeitdokument; heute würde uns der Laptop die ersehnte Antwort geben.

Anlässlich des 80. Geburtstag von Viktor Kortschnoi legt die «Edition Olms» zu einem günstigen Preis eine Sammlung von 110 Gewinnpartien des Jubilars vor. Kortschnois Kommentare sind auch im Abstand von Jahrzehnten noch lesenswert und lehrreich. Text und Varianten finden genau das richtige Maß zum Verständnis der 110 Meisterwerke.
Das Buch ist – wie immer bei Olms – typographisch angenehm gelungen. Übersichtliches Schriftbild und sinnvoll eingesetzte Diagramme machen es sehr gut lesbar. Das Geleitwort von Kortschnois Freund und Weggefährten Gennadi Sosonko gehört zu den weiteren Stärken des Buches.
«Wie würdigt man Kortschnoi zu diesem Jubiläum?» hatte ich weiter oben gefragt. Die Herausgabe seiner Partiensammlung war gewiss eine gute Idee – genau genommen wohl die zweitbeste… Noch besser wäre seiner charismatischen Persönlichkeit eine (erweiterte) Neuauflage der Autobiographie «Mein Leben für das Schach» gerecht geworden. Aber das ist eben der Wunsch des Rezensenten. Vielleicht kann man ihn ja schon mal für Viktors nächsten runden Geburtstag notieren… ■
Viktor Kortschnoi, Meine besten Kämpfe, Edition Olms Zürich, 430 Seiten, ISBN 978-3283010188
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Chess-international – Tipps-und-Tricks-mit-Ebooks – SCV.Schulschach-Bayern
DerWesten – Ich bin Schach-Grossmeister
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Kompositionswettbewerb für Blasorchester
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Konzertante Bläsermusik gesucht
Im Rahmen der Sepp-Thaler-Musiktage 2011 schreibt der Verband Südtiroler Musikkapellen einen internationalen Kompositionswettbewerb für originale konzertante Blasmusikwerke aus. Dabei ist die besondere Berücksichtigung des Volksliedes ein Anliegen, diverse vorgegebene Melodien sollen thematisch verarbeitet werden. Die Musikrichtung steht grundsätzlich frei, die Aufführungsdauer soll zwischen sechs bis acht Minuten betragen. Einsende-Schluss ist am 31. Mai 2011, die weiteren Bestimmungen finden sich hier. ■
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Das neue Schach-Kreuzworträtsel
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Der Glarean-Schach-Rätsel-Spaß
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Das Rätsel zum Ausdrucken (pdf)
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Lösung: —>(weiterlesen…)
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Boris Kálnoky: «Ahnenland»
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«Wir stehen auf den Schultern unserer Ahnen»
Günter Nawe
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«Vielleicht ist es meine Aufgabe, Hugós Geschichte zu erzählen… Hugó, ich verspreche Dir, mein Bestes zu geben… Es müsste, wenn es Dir recht ist, zugleich die Geschichte des Paradieses auf Erden sein… und die Geschichte Deiner Familie, auch jener, die vor Dir waren und nach Dir kamen.»
Wer dies sagt und schreibt, ist der Autor eines großartigen Epos’ über eine 800-jährige Familiengeschichte; eine europäische Geschichte, die sich im Gebiet des früheren Österreich-Ungarn-Siebenbürgen abgespielt hat und noch abspielt. Boris Kálnoky ist Nachfahre des legendären Urahn Bencenc, der 1252 vom ungarischen König, als Belohnung für den Kampf gegen die Tartaren, ein Stück Land geschenkt bekam. Und damit gehörten die Kálnokys zu den Széklern, den ungarischen Grenzwächtern. Sie spielten – oft auf verschiedenen Seiten – wichtige Rollen in den großen Glaubenskämpfen des Mittelalters, in den politischen Verwicklungen der Zeit. Sie werden irgendwann einmal Grafen. Einer von ihnen wird später, am Ende des 19.Jahrhunderts, k.u.k.-Außenminister der österreich-ungarischen Doppelmonarchie. Eine höchst bewegte Geschichte in immer wieder sehr bewegten Zeiten.
Davon also erzählt Boris Kálnoky, der 1961 in München geboren wurde. Aufgewachsen ist er in Deutschland, in den Niederlanden, in Frankreich. Er lebte in Ungarn und lebt heute in der Türkei, wo er als Nahost-Korrespondent für die «Welt» arbeitet. Weltläufig geschult und mit journalistischem Spürsinn ausgestattet hat er sich nicht nur auf die Suche seiner «Heimat», seiner Familie gemacht, sondern auch nach deren Seele. «Früher war Heimat dort, wo man lebte. Heute in einer globalisierten Welt, in der man nur noch wohnt, aber nicht mehr zu Hause ist, da ist sie vielleicht eher ein innerer Ort: Nicht nur wohin man gehören, sondern wer man sein will. Wem es gegeben ist, an einen Gott zu glauben, der wird die Heimat der Seele finden – eine Heimat, die man auch dann nicht verlässt, wen man durch die Welt zieht wie einst die alten Székler durch die Steppe.» So der etwas pathetische Schluss des Buches.
Bis zu dieser Kálnoky-Erkenntnis ist es ein weiter Weg durch dieses abenteuerliche Geschichts- und Geschichtenbuch über Familienereignisse und Weltgeschehen, durch Kriege und Kämpfe und Verluste. Der Leser findet witzige bis aberwitzige Ereignisse, trifft auf Hasadeure und Rebellen, begegnet Literaten und Richtern. Und fühlt sich wohl in diesem Panaroma aufregender Erzählungen. Denn der Autor versteht es auf ausgezeichnete Weise, historische Fakten, private Ereignisse, belegt durch eine Vielzahl sehr interessanter Briefe, essayistische Passagen und persönliche Einschätzungen und Wertungen miteinander zu verbinden. Daraus ergibt sich ein geschlossenes Bild einer bestimmten Epoche in einem definierten geografischen Raum, in der und in dem europäische Geschichte geschrieben wurde – mit Nachwirkungen bis in unsere Zeit.

Der Journalist Boris Kálnoky hat sich in «Ahnenland» auf die «Suche nach der Seele» seiner Familie begeben. Die Spurensuche ist ihm zu einem faszinierenden Geschichts- und Geschichtenbuch geraten.
Das «Salz in der Suppe» dieser historischen Erzählung ist natürlich die Familiengeschichte. Aus ihr resultiert überhaupt erst das Interesse des Autors, der eigentlich eine Biografie seines Großvaters Húgo Kálnoky schreiben wollte. Denn «wir stehen auf den Schultern unserer Ahnen». Dieser Großvater, Journalist wie der Enkel, der ebenfalls auf der Suche nach der Heimat war, war sozusagen ein Seelenverwandter. Ihm folgte Enkel Boris durch das Land seiner Vorfahren. Genius loci und literarischer Topos ist das Dorf Köröspatak am Fuße der Karpaten, wo einst auch Graf Dracula residierte. Dieser Húgo ist eine wahrhaft faszinierende Figur: ein Weltsucher, der bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit einem Flugzeug unterwegs sein wollte. Einer, der eine Romanze erlebte. Dessen Artikel für den Poster Lloyd ihn bei den Nazis in Ungnade fallen ließ. Und so weiter – man lese selbst. Vor allem die wunderbaren Briefe, die Enkel Boris hier veröffentlicht, sind nicht nur Zeitzeugenschaft, sondern geben Zeugnis von persönlichem und familiärem Erleben.
Boris Kálnoky hat seine Heimat gesucht und die Seele seiner Familie gefunden. An der persönlichen Freude darüber lässt er den Leser teilhaben, in dem er von acht Jahrhunderten europäischer Geschichte erzählt, spannend, kompetent und sehr unterhaltsam. «Húgo, ich verspeche Dir, mein Bestes zu geben…». Er hat es getan. ■
Boris Kálnoky: Ahnenland oder die Suche nach der Seele meiner Familie, 490 Seiten, Droemer Verlag, ISBN 978-3-426-27465-1
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Neue Ergebnisse der Gehörsforschung
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Laute Kopfhörer-Musik ist schädlich
Die Feinabstimmung seines Gehörs beeinträchtigt erheblich, wer regelmäßig laute Musik via Kopfhörer hört. Denn das führt dazu, dass er wichtige Laute schlechter von Hintergrund-Geräuschen zu unterscheiden vermag; zu laute Musik aus dem Kopfhörer hinterlässt quasi ein «ungenaues» Gehör. Zu diesem Forschungsergebnis kommt ein japanisch-deutsches Team um Dr. Hidehiko Okamoto von der Universität Münster.
Die Forscher haben Hörtests und Messungen der Hirnaktivität junger Erwachsener durchgeführt, wobei die eine Hälfte der Probanden regelmäßig Kopfhörer nutzte, die andere nicht. Keinen Unterschied ergaben die Untersuchungen zwar bei klassischen Hörtests, hingegen zeigten sich negative Folgen bei der Wahrnehmungsfähigkeit in Situationen mit einer starken Geräuschkulisse oder lauten Hintergrundgeräuschen. Zu dieser Minderung der Hörgenauigkeit im Geräuschgewirr führten spezielle Nervenschäden im Hörsystem, wie Okamato und seine Forscher vermuten. Der negative Effekt bleibe allerdings häufig lange unbemerkt, da diese Auswirkung vergleichsweise subtil sei. Das Wissenschaftsteam warnt gleichwohl vor lautem Musikhören über Kopfhörer, wenngleich nicht der totale Verzicht auf diese Geräte nötig sei, um sich vor Schäden zu schützen: «Das Wichtigste ist, das man die Lautstärke nicht zu sehr aufdreht. Darüber hinaus sind heute moderne Kopf- und Ohrhörer mit Antischall-Technologie auf dem Markt. Störende Hintergrund-Geräusche werden durch gegenpolige Frequenzen, die dem Audio-Signal automatisch beigemischt werden, ausgelöscht», wie Dr. Henning Teismann vom Institut für Biomagnetismus und Biosignalanalyse der Medizinischen Fakultät Münster ausführt. ■
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Das Zitat der Woche
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Von der Befreiung der arbeitenden Frau
Clara Zetkin
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Ehemals hatte der Verdienst des Mannes unter gleichzeitiger produktiver Tätigkeit der Frau im Hause ausgereicht, um die Existenz der Familie zu sichern; jetzt reicht er kaum hin, um den unverheirateten Arbeiter durchzubringen. Der verheiratete Arbeiter muß notwendigerweise mit auf die bezahlte Arbeit der Frau rechnen.
Durch diese Tatsache wurde die Frau von der ökonomischen Abhängigkeit vorn Manne befreit. Die in der Industrie tätige Frau, die unmöglicherweise ausschließlich in der Familie sein kann als ein bloßes wirtschaftliches Anhängsel des Mannes — sie lernte als ökonomische Kraft, die vom Manne unabhängig ist, sich selbst genügen. Wenn aber die Frau wirtschaftlich nicht mehr vom Manne abhängt, so gibt es keinen vernünftigen Grund für ihre soziale Abhängigkeit von ihm. Gleichwohl kommt diese wirtschaftliche Unabhängigkeit allerdings im Augenblick nicht der Frau selbst zugute, sondern dem Kapitalisten. Kraft seines Monopols der Produktionsmittel bemächtigte sich der Kapitalist des neuen ökonomischen Faktors und ließ ihn zu seinem ausschließlichen Vorteil in Tätigkeit treten. Die von ihrer ökonomischen Abhängigkeit dem Manne gegenüber befreite Frau ward der ökonomischen Herrschaft des Kapitalisten unterworfen; aus einer Sklavin des Mannes ward sie die des Arbeitgebers: Sie hatte nur den Herrn gewechselt. Immerhin gewann sie bei diesem Wechsel; sie ist nicht länger mehr dem Mann gegenüber wirtschaftlich minderwertig und ihm untergeordnet, sondern seinesgleichen. Der Kapitalist aber begnügt sich nicht damit, die Frau selbst auszubeuten, er macht sich dieselbe außerdem noch dadurch nutzbar, daß er die männlichen Arbeiter mit ihrer Hilfe noch gründlicher ausbeutet. Die Frauenarbeit war von vornherein billiger als die männliche Arbeit. Der Lohn des Mannes war ursprünglich darauf berechnet, den Unterhalt einer ganzen Familie zu decken; der Lohn der Frau stellte von Anfang an nur die Kosten für den Unterhalt einer einzigen Person dar, und selbst diese nur zum Teil, weil man darauf rechnete, daß die Frau auch zu Hause weiterarbeitet außer ihrer Arbeit in der Fabrik. Ferner entsprachen die von der Frau im Hause mit primitiven Arbeitsinstrumenten hergestellten Produkte, verglichen mit den Produkten der Großindustrie, nur einem kleinen Quantum mittlerer gesellschaftlicher Arbeit. Man ward also darauf geführt, eine geringere Arbeitsfähigkeit bei der Frau zu folgern, und diese Erwägung ließ der Frau eine geringere Bezahlung zuteil werden für ihre Arbeitskraft. Zu diesen Gründen für billige Bezahlung kam noch der Umstand, daß im ganzen die Frau weniger Bedürfnisse hat als der Mann.Was aber dem Kapitalisten die weibliche Arbeitskraft ganz besonders wertvoll machte, das war nicht nur der geringe Preis, sondern auch die größere Unterwürfigkeit der Frau. Der Kapitalist spekulierte auf diese beiden Momente: die Arbeiterin so schlecht wie möglich zu entlohnen und den Lohn der Männer durch diese Konkurrenz so stark wie möglich herabzudrücken. In gleicher Weise machte er sich die Kinderarbeit zunutze, um die Löhne der Frauen herabzudrücken; und die Arbeit der Maschinen, um die menschliche Arbeitskraft überhaupt herabzudrücken. Das kapitalistische System allein ist die Ursache, daß die Frauenarbeit die ihrer natürlichen Tendenz gerade entgegengesetzten Resultate hat; daß sie zu einer längeren Dauer des Arbeitstages führt, anstatt eine wesentliche Verkürzung zu bewirken; daß sie nicht gleichbedeutend ist mit einer Vermehrung der Reichtümer der Gesellschaft, das heißt mit einem größeren Wohlstand jedes einzelnen Mitgliedes der Gesellschaft, sondern nur mit einer Erhöhung des Profites einer Handvoll Kapitalisten und zugleich mit einer immer größeren Massenverarmung. Die unheilvollen Folgen der Frauenarbeit, die sich heute so schmerzlich bemerkbar machen, werden erst mit dem kapitalistischen Produktionssystem verschwinden.
Der Kapitalist muß, um der Konkurrenz nicht zu unterliegen, sich bemühen, die Differenz zwischen Einkaufs-(Herstellungs-)preis und Verkaufspreis seiner Waren so groß wie möglich zu machen; et sucht also so billig wie möglich zu produzieren und so teuer wie möglich zu verkaufen. Der Kapitalist hat folglich alles Interesse daran, den Arbeitstag ins Endlose zu verlängern und die Arbeiter mit so lächerlich geringfügigem Lohn abzuspeisen wie nur irgend möglich. Dieses Bestreben steht in geradem Gegensatz zu den Interessen der Arbeiterinnen, ebenso wie zu denen der männlichen Arbeiter. Es gibt also einen wirklichen Gegensatz zwischen den Interessen der Arbeiter und der Arbeiterinnen nicht; sehr wohl aber existiert ein unversöhnlicher Gegensatz zwischen den Interessen des Kapitals und denen der Arbeit. ■Aus Clara Zetkin, Für die Befreiung der Frau, Paris 1889
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Mihai Neghina: Schach-Studie «Die Widerspenstige» (Urdruck)
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Mihai Neghina:
Schach-Studie «Die Widerspenstige»
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Weiß am Zuge hält remis
© Mihai Neghina, Studie 2011/3, Urdruck Glarean Magazin
Lösung / Varianten / Kommentare
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Der 19. «Open-Mike»-Schreibwettbewerb
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Förderung junger Schriftsteller
Bereits zum 19. Mal schreiben die Crespo Foundation und die Literaturwerkstatt Berlin ihren internationalen Schreibwettbewerb «open mike» aus für deutschsprachige Autor/inn/en, die höchstens 35 Jahre alt sind und noch keine eigenständige Buchpublikation vorweisen können. Eingereicht werden kann entweder kurze Prosa, ein in sich geschlossener Auszug aus einem Großtext oder Lyrik. Der Umfang der eingereichten Texte muss in etwa einer 15-minütigen Lesezeit entsprechen; deutlich zu lange oder zu kurze Einsendungen kommen nicht in die Auswahlrunde. Einsende-Schluss ist am 15. Juli 2011, die weiteren Bestimmungen sind hier zu nachzulesen. ■
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Frank Martin: «Messe für Doppelchor» u.a.
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Chormusizieren von beeindruckender Gestaltungskraft
Walter Eigenmann
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Mit dem Genfer Frank Martin, dem Pariser Francis Poulenc und dem Kecskeméter Zoltán Kodály gruppieren Dirigent Peter Dijkstra und sein Bayerischer Elitechor auf ihrer ersten gemeinsamen Disk sprituell inspirierte Chorwerke dreier sowohl stilistisch und klangästhetisch wie kompositionstechnisch sehr unterschiedlicher Zeitgenossen des frühen 20. Jahrhunderts. Gemeinsam wiederum ist diesem Komponisten-Trio ihre längst «klassische» Modernität – und eben ihre biographisch verbürgte ursprüngliche (wenngleich unterschiedlich ausgeprägte) Religiösität. Diese ist bei Martin gerade durch seine berühmte Doppelchor-A-capella-Messe (innerhalb eines reichen liturgischen bzw. geistlichen Vokal-Oeuvres) referentiell dokumentiert; auch Poulencs Schaffen verzeichnet gewichtige religiös motivierte Chorkompositionen, während Kodálys Gesamtwerk nur wenige, aber interessante (allerdings seltener aufgeführte) liturgisch intendierte Werke aufweist.

Gesangsensemble von europäischem Spitzenformat: Der Chor des Bayerischen Rundfunks bei Radioaufnahmen
Poulencs 14 Litaneien «à la Vierge Noire» für dreistimmigen Frauenchor (hier in der Originalfassung mit Orgel eingesungen), mehr noch die achtteilige «Missa brevis» Kodálys garnieren diese Chor-CD mit teils üppiger Klangsinnlichkeit, teils entrückter Sphärik, dann wieder mit jubilierender Hymnik oder (kontrastierend) mit inbrünstig deklamierendem Meditieren. Massgeblich untermalend hier bei beiden Werken das registersichere, differenziert eingehörte Spiel des Organisten Max Hanft (an der «romantisch» disponierten Wöhl-Orgel der Münchner Herz-Jesu-Kirche).

Musikalische Spiritualität von höchster Authentizität: Anfang des Credo aus der Messe für Doppelchor von Frank Martin
Den Schwerpunkt dieser Disk bildet jedoch Frank Martins halbstündige Doppelchor-Messe, vom BR-Chor bereits im Frühling 2007 mit dem erst 29-jährigen Dijkstra im 1’500 Plätze großen Orlando-Saal der Germeringer Stadthalle für das damals extra neu gegründete Label «BR-Klassik» eingesungen. Martins A-capella-Messe, vom Komponisten fast sieben Jahre lang buchstäblich erarbeitet – Martin: «Diese Messe ist eine Sache zwischen Gott und mir» – und erst 40 Jahre nach ihrer Entstehung uraufgeführt – Martin: «Ich kannte damals nicht einen Chorleiter, der sich für dieses Werk hätte interessieren können» -, stellt in ihrer rhythmischen Differenziertheit, ihrer klanglichen Expressivität in allen vier Stimmlagen, ihrer Weite der Phrasierung und Atmung, ihrer satztechnischen Durchhörbarkeit, ihres weiten emotionalen Spektrums vom quasi-gregorianischen Unisono über fugative Strukturen bis hin zu clusterartigen Klangschichtungen höchste sprach- und interpretationstechnische Anforderungen auch an Berufsensembles.

Eine gültige, auch liturgisch «unbefleckte» Zuhörerschaft in ihren Bann ziehende, über weite Strecken gar maßgebliche Produktion.
Der Chor sang eine nicht nur stets lupenrein intonierte und mit enormem dynamischem Spektrum aufwartende, auch Martins eng am Wort orientierte Chormusik expressiv formende, dabei sehr stimmpräzis agierende CD ein, sondern transponierte adäquat den hohen spirituellen, urpersönlich empfundenen Gehalt in Martins Werk. Letzteres natürlich v.a. Verdienst des Dirigenten, dem offenbar gleichsam ein Instinkt für diese gestenreiche, buchstäblich wortreiche liturgische Vokalmusik zur Verfügung zu stehen scheint. Dabei haben sich Dijkstra und sein Chor durchaus gegen hochstehende Interpretationen anderer Formationen durchzusetzen, etwa des «Sixteen»-Ensembles unter Christopher (2005) oder des «Westminster Cathedral Choir» (O’Donnell/1998). – Eine gültige, auch liturgisch «unbefleckte» Zuhörerschaft in ihren Bann ziehende, über weite Strecken gar maßgebliche Produktion. ■
Martin: Messe für Doppelchor / Kodály: Missa brevis / Poulenc: Litanies à la Vierge Noire; Chor des Bayerischen Rundfunks / Peter Dijkstra; Label BR-Klassik
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Das 50-Euro-Schach-Preisrätsel
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Der Glarean-Rätsel-Schachspaß im März 2011
Das neue 50-Euro-«Glarean»-Preisrätsel richtet sich diesmal erneut an die Schach-Freunde
unter unseren Lesern. Es beinhaltet sowohl einfache wie knifflige Fragen (die allerdings
in unserem Google-Zeitalter auch keine Schrecken mehr verbreiten…)
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Wer zuerst die komplette Lösung des Rätsels präsentiert, erhält wie immer 50 Euro.
Einsende-Schluss ist am 18. März 2011 (24 Uhr). Für die Einsendung
ist die untenstehende «Kommentar»-Funktion zu benützen
(Link auf eine entspr. Grafik-Datei inkl. Namensangabe). -
Viel Spaß und Erfolg!
Rätsel zum Ausdrucken (pdf)
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Anthologie-Ausschreibung des Candela-Verlages
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Gesucht: Groteske Kurzgeschichten
Für eine neue Anthologie mit Kurzgeschichten, die «von grotesken Situationen und Figuren bestimmt» werden, schreibt der deutsche Verlag Candela einen Literaturwettbewerb aus. Eingesandt werden können max. drei Kurzprosa-Texte mit einer Länge von je höchstens 40’000 Zeichen. «Ziel der Ausschreibung ist es, eine abwechslungsreiche, inhaltlich und sprachlich anspruchsvolle Anthologie mit neuen Geschichten zu diesem traditionsreichen Genre herauszubringen.» Einsende-Schluss ist am 31 Mai 2011, die weiteren Einzelheiten finden sich hier. ■
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Das neue Glarean-Sudoku
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Der Sudoku-Spaß im März 2011
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Sudoku als PDF-Datei zum Ausdrucken
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Lösung: —>(weiterlesen…)
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Das Zitat der Woche
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Über die Philosophie
Rudolf Christoph Eucken
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Daß die Philosophie nicht nur voller Probleme, daß sie auch als Ganzes ein Problem ist und ein Problem bleibt, das zeigt schon die verschiedene Schätzung und die umstrittene Stellung, die ihr das menschliche Leben gibt. Einerseits heißt sie die Königin der Wissenschaften, und ein ihr geweihtes Leben dünkt die Höhe des menschlichen Daseins, Geister allerersten Ranges bemühten sich, ihr zu dienen, und in den Gesamtstand der Menschheit griff sie oft mit mächtiger Wirkung ein. Dabei zeigte dies Wirken mannigfachste Verzweigung. Bald entrang die Philosophie, wie bei Plato, dem trüben Gemenge des Alltags hohe Ideale und hielt sie dem Streben als feste Richtsterne vor, bald suchte sie, nach Aristoteles’ Art, allen Reichtum der Wirklichkeit in ein Ganzes zu fassen und das Leben gleichmäßig zu durchgliedern, bald auch war sie ein sicherer Halt und schließlich ein Trost gegen alle Sorgen und Nöte, so im späteren Altertum, dann wieder wirkte sie, wie in der Neuzeit, zur Befreiung der Geister und als eine Leuchte aufsteigender Kultur, zugleich vollzog sie eine gründliche Prüfung des überkommenen Lebensstandes und suchte sie die Menschheit über die Grenzen ihres Vermögens gewissenhaft aufzuklären. Alles Große bedurfte ihrer Hilfe und Mitarbeit; wo immer sie fehlte, da verlor das Leben an Ursprünglichkeit, an Freiheit, an Tiefe. In diesem Gedankengange erscheint die Philosophie als ein unentbehrliches Hauptstück des geistigen Besitzes der Menschheit.
Aber zugleich zeigt jeder Überblick der Erfahrung, daß ihr zu allen Zeiten zahlreiche Gegner erwuchsen, die sie für überflüssig erklärten, ja als schädlich verwarfen. So der Spezialforscher, der mit seiner Verteilung der Welt in einzelne Gebiete sein Werk abschließt, so der Praktiker, dem ihr Mühen und Grübeln eine Hemmung frischen und freudigen Handelns dünkt, so auch manche Anhänger der Religion, die von ihr eine Erschütterung des Glaubens und ein Übermaß menschlichen Selbstvertrauens befürchten. Gefährlicher aber als alle Bekämpfung von außenher ist die Unsicherheit der Philosophie bei sich selbst, das Auseinandergehen ihrer Arbeit, ihre Spaltung in verschiedene Sekten, deren jede, um sich selbst zu behaupten, alle übrigen glaubt vernichten zu müssen. Dieser Streit droht ohne Abschluß und ohne Ergebnis zu bleiben, er scheint im Laufe der Jahrhunderte eher zu wachsen als abzunehmen. Denn ob die Sophisten mit ihrem Subjektivismus oder Sokrates mit seiner Begriffslehre im Rechte waren, ob das höchste Gut auf dem Wege der Stoa oder auf dem Epikurs zu suchen sei, das steht noch immer in Frage. Wohl verließen die handelnden Personen selbst den Schauplatz, aber ihre Ideale blieben und setzten den Kampf mit unverminderter Leidenschaft fort, wie die Geister auf den katalaunischen Feldern. Von hier aus bleibt unverständlich, wie die Philosophie einen tiefen Einfluß auf das Denken und Leben zu gewinnen vermochte; liegt ein solcher Einfluß als eine unbestreitbare Tatsache vor, so stehen wir vor einem Rätsel, und es treibt mit Notwendigkeit dazu, uns über die Aufgabe wie die Stellung der Philosophie zu orientieren.
Jenen Widerspruch hat man wohl durch eine Fassung der Philosophie zu heben versucht, die sie allen annehmbar machen sollte; die Frage ist nur, ob sie dabei eine Selbständigkeit und einen Wert bewahren kann. Früher sowie heute wird oft der Philosophie kein anderes Ziel gesteckt als das, die Arbeit der einzelnen Wissenschaften zusammenzufügen, ihre Leistungen in ein Gesamtbild zu fassen; je weiter die Forschung sich verzweige, so heißt es, desto nötiger sei eine besondere Disziplin, welche für den Zusammenhang der Zweige sorge; indem die Philosophie als eine solche sowohl die Voraussetzungen, als die Methoden, als die Hauptergebnisse der Einzelwissenschaften überschaue und vergleiche, gewinne sie eine wichtige und unverwerfliche Aufgabe. Eine Aufgabe ist hier unverkennbar, aber jeder Versuch einer genaueren Fassung erzeugt Verwicklungen und treibt die Geister auseinander.
Wie ist jene überschauende und verbindende Tätigkeit zu denken? Bleibt sie ganz an den übermittelten Stand des Wissens gebunden, hat sie keinerlei Recht, von sich aus zu prüfen und weiterzubilden, so ist sie freilich aller Gefahr entronnen, aber mit der Gefahr hat sie auch alle eigentümliche Bedeutung eingebüßt. Denn bei solcher Beschränkung ist sie nicht mehr als ein Registrieren der Ergebnisse der Fachwissenschaften, eine bloße Enzyklopädie, die ein liberaler Sprachgebrauch Wissenschaft nennen mag, die aber damit noch nicht eine selbständige Wissenschaft wird. Auch ist nicht zu verstehen, wie von einer solchen Enzyklopädie eine so tiefe Erschütterung und eine so fruchtbare Weiterbildung des Denkens und Lebens ausgehen konnte, wie sie doch, denken wir nur an Plato und an Kant, von der Philosophie tatsächlich ausgegangen sind. Und wie soll es gehalten werden, wenn die einzelnen Wissenschaften sich nicht ohne weiteres zusammenschließen, wenn schroffe Konflikte entstehen, wenn zum Beispiel das eine Gebiet ebenso entschieden eine mechanische Kausalität verficht, wie das andere auf einer Freiheit des Handelns besteht? Soll die Philosophie einen derartigen Widerspruch ruhig ertragen und willig hinnehmen? ■Aus Rudolf Christoph Eucken, Einführung in die Hauptfragen der Philosophie (1911)
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