Isabel Willenberg: «Vertraulich»
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Ein vertontes Tagebuch
Stephan Urban
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Isabel Willenberg wurde 1982 geboren und begann bereits im Alter von 16 Jahren bei verschiedenen Coverbands zu singen. Schon bald (und selbst während ihres Medizinstudiums, das sie 2008 beendete) begann sie zu komponieren und Songtexte zu schreiben. Trotz des erfolgreich abgeschlossenen Studiums wandte sich Isabel Willenberg von der Medizin ab, um sich voll und ganz auf ihre große Leidenschaft, die Musik, zu konzentrieren, was sicherlich keine leichte Entscheidung gewesen ist.
Aber zweifellos eine gute, wie Ihr Debüt-Album «Vertraulich» beweist. Der Titel wurde wohl gewählt, weil die Songs primär sehr persönliche Texte enthalten, die teilweise einem privaten Tagebuch entnommen sein könnten. Die Tatsache, dass Isabel Willenberg mit ihrer medizinischen Ausbildung über ein zweites Standbein verfügt, trug wohl dazu bei, sich nicht unbedingt auf den Geschmack eines bestimmten Publikums konzentrieren zu müssen und konsequent die eigenen Vorstellungen umsetzen zu können. Es bleibt zu wünschen, dass dieser mutige Zugang mit dem entsprechenden Erfolg belohnt wird.
Die Tracks 1 «A plan of care and kindness» und 3 «Autumn» wurden nur mit einer Martin-Gitarre, Typ DC-1E, die Klaviertracks einerseits mit einem Yamaha C3 Flügel – Track 4 «free», Track 6 «Gedankenvögel» (der einzig deutschsprachige Text), Track 7 «Broken Flower», Track 8 «Your cry» – andererseits mit einem Galaxy II Steinway mit VST-Software – Track 2 «Memories», Track 5 «Standing still», Track 9 «My friend» – in einem professionellen Tonstudio aufgenommen. Das hört man zweifelsfrei: Eine glasklare, intime, sehr unmittelbare Aufnahme mit unkomprimierter Dynamik ist hier entstanden.
Und so kommt nach dem Starten der CD Isabel Willenberg aus Kleve mit ihrem musikalischen Begleiter Christian Spelz auf Besuch und trägt ihre zwischen Pop und Jazz schwebenden Balladen direkt im Hörraum des geneigten Zuhörers vor. Ihre Stimme verfügt über ein angenehmes Timbre und eine seltsame Art von Energie, die einen gewissen Wiedererkennungswert besitzt. Sie trägt ihre Texte sehr selbstbewusst und virtuos vor. Einige Textstellen werden von Christian Spelz mit zweiter Stimme dezent begleitet, wobei – leider, möchte ich fast sagen – die Terzenseligkeit, wie z.B. bei Simon&Garfunkel oder wie in der Volksmusik üblich, vermieden wird. Zumeist singen sie strengere Intervalle oder unisono, das hört sich ziemlich interessant an.
Schade finde ich allerdings, dass sie ihre Lieder mit Ausnahme eines einzigen Songs in englischer Sprache präsentiert – und das, obwohl das Album einen deutschsprachigen Titel trägt. Das ist ein wenig irreführend, und ich bin auch der Meinung, dass Texte in der Muttersprache des Künstlers oft emotionaler und berührender vorgetragen werden können.

«Vertraulich» ist ein überzeugendes Debüt-Album mit sehr persönlichen Texten, die mit sparsamer Begleitung in intimer Atmosphäre und in hervorragender Tonqualität vorgetragen werden
So, wie ihre Musik gemacht ist, läuft Isabel Willenberg sowieso keinesfalls Gefahr, in irgendwelche Schubladen, die nach «deutschem Schlager» riechen, gesteckt zu werden, warum also englische Texte? Sollten hier Gedanken an internationale Vermarktung dahinterstecken? Da ist die Konkurrenz auf diesem Musiksektor wohl übermächtig, im deutschsprachigen Raum hingegen sähe ich bessere Chancen, wenn diese Lyrik emotional und verständlich dargeboten würde. So ist auch nur bei dem Song «Gedankenvögel» leicht herauszuhören, dass es hier wohl nicht zuletzt um ihre Entscheidung bezüglich der Hinwendung zur Musik geht und sie ihren Zuhörern Mut machen möchte, ebenfalls den eigenen Weg zu gehen und etwaige Zweifel zu überwinden.
In «Broken flowers» geht es wohl um die Auseinandersetzung mit dem Tod eines geliebten Menschen, wohingegen der Opener «A plan of care and kindness» von ihren Erlebnissen in Kenia geprägt ist, wo sie viereinhalb Monate in einem Krankenhaus gearbeitet hat.
Das aus meiner Sicht etwas langweilig gestaltete Booklet enthält sämtliche Texte, die üblichen Danksagungen und einen als Einbegleitung gedachten Text von Rainer Maria Rilke. Weitere Werke dieser interessanten Künstlerin dürfen mit Spannung erwartet werden. ■
Isabel Willenberg, Vertraulich, Audio-CD – Hörproben
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Das klassische Glarean-Tangram (21)
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Legen Sie mit den Tangram-Elementen die folgende Figur
Lösung: —>(weiterlesen…)
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Das Tangram-Puzzle
Das Tangram (auch Siebenschlau oder Weisheitsbrett genannt) ist ein altehrwürdiges chinesisches Geometrie-Spiel: Aus nur sieben Steinen eines Quadrates, nämlich fünf Dreiecken, einem Quadrat und einem Parallelogramm lassen sich die vielfältigsten Figuren (Pflanzen, Tiere, Menschen u.v.a.) legen, wobei immer alle sieben Steine verwendet werden müssen. Sie sollen sich berühren, dürfen sich aber nicht überlappen.
Schon in der uralten Kultur Chinas bedeutete das Quadrat die reinste Form einer Fläche, in sich vollkommen, und beim Tangram wird dieses in sich ruhende Quadrat nun aufgelöst in eine endlose Bewegung, wird es durch unablässige Veränderung zum Ausgangspunkt ungeahnter Gebilde, durch das Zusammenspiel seiner festen Elemente zum Quell des Neuen.
Die ersten Tangram-Bücher wurden zur Zeit des Ch’ing-Kaisers Chia Ch’ing (1796-1820) gedruckt, die früheste uns überlieferte Tangram-Publikation dort stammt aus dem Jahre 1813, doch das Grundprinzip des Spiels dürfte im asiatischen Raum schon lange vor Christi Geburt weit verbreitet gewesen sein. Eine frühe erste Veröffentlichung in Europa datiert aus dem Jahre 1805.
Inzwischen hat das Tangram einen wahren Siegeszug durch alle Kontinente angetreten, ist Gegenstand zahlreicher Bücher und Sammlungen geworden – und lädt unvermindert anregend und spannend ein zum Nachdenken, zum Knobeln, zum Sinnieren, ja vielleicht gar zum Philosophieren über die ewige Veränderung des ewig Gleichen…
Im «Glarean Magazin» finden sich regelmäßig interessante und berühmte Tangram-Aufgaben. Dabei wird das Lege-Puzzle erleichtert, wenn man sich aus Karton die sieben Grundelemente zurechtschneidet.
Sollten unter unseren Leserinnen und Lesern vielleicht sogar Tangram-«Erfinder» sein, so sind sie freundlich eingeladen, uns ihre neuen Figuren als Grafik-Datei zu senden! (we)
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Ein Beispiel
Legen Sie mit den Tangram-Elementen die folgende Figur
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Jean-Marc Souvira: «Der Zauberer»
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Mörderische Tricks – Mistral ermittelt
Günter Nawe
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Er ist so ganz anders – der Kommissar Ludovic Mistral, Leitender Kommissar im Pariser Polizeipräsidium am Quai des Orfèvres. – kein Kriminalrambo, weder Alkoholiker; noch depressiv. Dafür ein braver Familienvater mit zwei Kindern, intelligent, musikliebend, einfach ein netter Kerl.
So erlebt der Leser ihn in dem jetzt erstmals in Deutschland veröffentlichten und in Köln Presse und Publikum vorgestellten Debüt-Roman «Der Zauberer». Der Autor Jean-Marc Souvira, geboren 1954 in Oran, war 25 Jahre Kriminalkommissar und ist jetzt Leiter der Abteilung Geldwäsche und Terrorismus in Paris. Er hatte bereits mit einer kurzen Geschichte, die Luc Besson unter dem Titel «Go fast» verfilmt hat, erste literarische Aufmerksamkeit gefunden.
Der «Gegenspieler» von Kommissar Mistral in seinem Roman ist der «Zauberer»Arnaud Lécuyer, der vor Jahren Paris in Angst und Schrecken versetzt hat. Mit Zaubertricks, mörderisches Tricks, hat er kleine Jungen angelockt, sie beinahe rituell erdrosselt, erstochen und vergewaltigt – ohne auch nur die geringste Spur zu hinterlassen. Mordwaffe ist ein umfunktionierter Schraubenzieher, mit dem Lécuyer auch andere Morde verübt hat. Nach zwölf Jahren Gefängnisaufenthalt – übrigens wegen eines anderen Delikts – beginnt sein Treiben nun von Neuem. Und weitere Opfer sind zu erwarten.
Damit beginnt auch die Jagd auf den «Zauberer». Ein Kampf gegen die Zeit und ein schwieriges Unterfangen, denn der Mann ist unscheinbar, unauffällig, aber von inneren Dämonen getrieben, mit denen er «im Gespräch» ist, und äußerst raffiniert in der Ausführung seiner schrecklichen Taten. Ein so ganz anderer Tätertyp als wir ihn aus den herkömmlichen Kriminalromanen und Thrillern kennen.
Souvira, der im Gespräch in Köln bekannte, dass «beaucoup» von ihm selbst in Kommissar steckt, hat mehrere authentische Fälle zu einer Romanhandlung komprimiert. Er kennt natürlich die Ermittlungsarbeit, er weiß aber auch um die unterschiedlichsten Täterprofile. In diesem Fall hat ihn – und letztlich auch den Leser – die Seelenlage des Täters, eines Geisteskranken, interessiert. Souvira beschreibt in einem fast lakonischen Stil, aus wechselnden Perspektiven, die Obsessionen des Täters, seine Wahrnehmungen und Ängste. Das macht diesen Roman so außergewöhnlich, auch aus literarischer Sicht, und so spannend.
Auch von der Dramaturgie her ist der Roman hochinteressant. Obwohl der Leser den Täter von Anfang an kennt, lassen die Spannung und das Interesse nicht nach. Souvira: «Der Roman hat eine Melodie. Der Rhythmus wird dem Ende zu immer schneller» – bis zum schrecklich-großartigen Showdown. Und so verfolgt der Leser das Geschehen atemlos bis zur letzten Seite. Was nicht zuletzt auch an der ausgezeichneten Übersetzung ins Deutsche von Ulrike Werner liegt.

Ein Krimi, ein Thriller mit einem interessanten Plot, spannend, gut geschrieben und mit Tiefgang: «Der Zauberer» ist ein faszinierender Roman, den man gern empfiehlt.
Im Gespräch erläuterte Jean-Marc Souvira seine Intention. Ihn hat vor allem interessiert, was hinter der Tat steht. So versucht sein Kommissar Mistral, in die Seelenwelt des Täters einzudringen. Und die so gewonnen Erkenntnisse für die Ergreifung des Täters zu nutzen.
Das gelingt ihm auf hervorragende Weise.
Kommissar Ludovic Mistral wird – so Jean-Marc Souvira – weiter ermitteln. Ein zweiter Fall wird im Roman «Die dunkle Seite des Spiegels» gelöst. Und ein dritter Roman ist in Arbeit. Zur Freude des Lesers, der diesen Autor und seinem Kommissar gern bei seinen Ermittlungen begleiten wird. ■
Jean-Marc Souvira, Der Zauberer, Kriminalroman, 491 Seiten, Bastei-Lübbe-Verlag, ISBN 978-3-404-16526-1
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Das neue Glarean-Schach-Kreuzworträtsel
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Der Schach-Rätselspaß im Februar 2011
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Das Rätsel als PDF-File zum Ausdrucken
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Lösung:—>(weiterlesen…)
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Lyrik von Andreas Wieland
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MIT AUSGREIFENDEM SCHRITT
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Als verschro-benen (bene) Eng-länder (Schweiz)
mag man mich
be-zeichnen
wollen doch
er-achte
ich
mich
eher als ein d‘ (Denker)
er Natur
ab- (!)
gewonnenes Genie un
bekannt-er Herkunft (?)
denn
was
be-deutet mir m-ein Geburts-ort
was
die Stadt m’einer Jugend
jahre, die Reisen
n’ach (!)
Indie’n Russ
land
so
ge-lang (!)
es
mir
bis zum heut-igen Tag, d
ie
von mir geschlagene Bresche
in un-sichtbare Gefilde
ge-heim zu
halten
ob allen Versuchen
dies-e in einer Sprache
wie-d-er-zugeben (?)
Ein ungewollt
es Gelingen
also
ein durch
wandern
eines
unendlich’n Gebiet-es
dass s
ich dies
nicht kartograph-iere’n lässt
muss ich mir eingestehen, so sehr
meine anfäng- lichen Versuche dieses
erwünscht’n. dies
er Grenze
ent-lang
schlendernd
folge
ich
gegeben
er
Sp-ur
als trüge ich etwas
Unab-lässiges von einer Lauterkeit
in eine weitere, verdingt
im Sein
in der Erinnerung.
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Sublimierend e
in immer weiterführenderes
Leben
dem-nach (!)
ein hin-ter un-durchdringbare-r Umzäunung
geglaubt
es, doch entdeckt
sehe (!)
ich
dieses
in schönster Blüte
steh’n geborgen
hinter wunder
barem Denken
natürlich
auch Fühlen
wie
könnte man also das Eine ohne das Andere (?)
an
zu
treffen
hoffen, viel
zu
einfach
wäre dies, ein jeder
könnte sich unbe
merkt (!)
an fremdem Feuer Glut holen.
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Und mit dem Ehre’n-wort
eines Dichters vers
ich
ere (Ehre)
ich
Ihnen
meine
heftig‘n Gedanke-n
so
wie
meine
wahr‘n Gefühl-e
und
unt
er
buschige-n Brauen
her
vor
betrachte
ich
uns
ere (Ehre)
Welt
wi-der übliche-r Gewohn-heit
So so-ll es
mein Verdienst
sein
Ihnen hier v
on berichten
zu dürfen
.
Dieser Freiheit immer bewusster
wer
d’end (?)
richte ich m-ein Leben dan
ach (!)
ein, navigieren-d
abstreifen-d
die Nostalgie
vergangene-r Tage.
Eine frische und klare Meeresflut
so
zusagen
ein rausch
ende
s Aufflattern des Herzens.
Verschroben
mag man mich (?)
demnach
bezeichnen
doch will ich
mich
nicht mehr
(auch nicht weniger)
er
tappen in eigener Härte
in Unrast und Un
geduld (!)
m-ein Streben darf
endlich (!)
eine-r Gültigkeit
angehören
einem
vorge-ebneten Weg, und all
mählich verhallt mein eigen
es
Dazutun.
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Geb. 1969 in Chur/CH, Studium an der Höheren Fachschule für Hotel- und Tourismusmanagement, anschließend als diplomierter Hotelier in den Kantonen Graubünden, Zürich und Luzern tätig, Kurzprosa- und Roman-Publikationen, lebt als freischaffender Schriftsteller in Walenstadt/CH
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Martin Weteschnik: «Schachtaktik – Jahrbuch 2011»
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Aufgabensammlung mit breitem Anwendungsgebiet
Thomas Binder
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FIDE-Meister Martin Weteschnik hat sich auf dem deutschen Schachbuch-Markt vor allem durch Trainingsbücher zur Schachtaktik einen Namen gemacht. In seinem neuesten Werk «Schachtaktik – Jahrbuch 2011» macht er den interessanten Versuch, die Kombinationssammlung mit einem Jahrbuch des weltweiten Schachgeschehens zu verbinden.
Das Buch beginnt mit einem äußerst informativen Blick um 100 Jahre zurück auf das Schachjahr 1910. Im Mittelpunkt steht dabei der WM-Kampf zwischen Lasker und Schlechter. Einige sehenswerte Kombinationen von damals runden den einführenden Beitrag ab. Unmittelbar danach widmet sich Weteschnik den wichtigsten Ereignissen des aktuellen Jahrgangs, laut Kapitelüberschrift also dem «Schachjahr 2010». Allerdings handelt es sich genau genommen um die Saison 2009/2010, weshalb man z.B. die Schach-Olympiade in Russland vermisst. Die Darstellung ist umfassend und geht auf alle wichtigen Wettkämpfe des Zeitraums ein. Auch einige Opens sowie Jugend- und Senioren-Meisterschaften werden gestreift.
Dass dabei die Schwerpunktsetzung diskutierbar ist, liegt in der Natur der Sache. Über den WM-Kampf zwischen Anand und Topalow in Sofia hätte ich – gerade mit dem Abstand eines halben Jahres – gern deutlich mehr gelesen als über einen Länderkampf zwischen Russland und China. Sehr verdienstvoll ist hingegen das Eingehen auf Themen abseits des Schachbretts, wie die Schachpolitik und Regeländerungen der FIDE. Freilich fehlt auch hier die Aktualität, wenn auf die anstehenden Wahlen der FIDE und der ECU im Vorausblick eingegangen wird.
Zwei Nachrufe auf verstorbene Meister (Edith Keller-Herrmann und Wassili Smyslow) runden den Rückblick ab. Campomanes wird noch erwähnt, mindestens Andor Lilienthal hätte eine ausführliche Würdigung verdient. Insgesamt wünscht sich der Rezensent, dass in künftigen Jahrgängen dieser Jahrbuch-Charakter noch mehr ausgeprägt wird, die Textbeiträge etwas umfangreicher werden.
Kernstück des Buches sind die Kombinationssammlungen aus den verschiedenen Wettkampfebenen, wobei jeweils ein informativer Text voran gestellt ist. Im Einzelnen sind das folgende Bereiche:
Bundesliga und ausländische Ligen (42 Aufgaben)
Deutsche Meisterschaften (18 Aufgaben)
Schach International (48 Aufgaben)
Open-Turniere (54 Aufgaben)
Deutsche Jugendmeisterschaften (42 Aufgaben)
Jugendschach International (30 Aufgaben)
Seniorenschach (36 Aufgaben)
Ergänzt werden diese Kapitel durch zwei Einschübe, bei denen die Kombinationen gleich im Kommentar vorgestellt und erläutert werden:
Ein- und Reinfälle (17 verblüffende Kombinationen)
«Schachtaktik zum Mitmachen» (ein Kombinationswettbewerb der Deutschen Schachjugend, 5 Beispiele)
Die enorme Vielfalt der Kombinationsmotive unterschiedlichster Schwierigkeit ist die große Stärke der Sammlung. Viele der gezeigten Partien wären ohne dieses Buch völlig unbeachtet geblieben.
Die Aufgaben sind jeweils als kommentarloses Diagramm gegeben. Dem Leser fehlt also zunächst jeder orientierende Hinweis. Gerade dies macht Weteschniks Taktik-Buch aber als Trainingsmittel so reizvoll.
Im Anschluss an die Aufgaben eines Kapitels folgen die Kurzlösungen (tabellarisch, jeweils nur der Schlüsselzug) und dann die kommentierten Lösungen, bei denen wir auch die Namen der Spieler erfahren. In komplexen Fällen wird hier noch ein Diagramm eingefügt.
Bei den ausführlichen Lösungen findet Weteschnik das richtige Maß an Besprechungs- und Variantentiefe, so dass man seinen Varianten in aller Regel noch «vom Blatt» folgen kann. Der Sprachstil ist flüssig und gut verständlich. Inhalt und Form der Lösungsbesprechung liegen nach meinem Empfinden deutlich über dem Durchschnitt ähnlich gelagerter Arbeiten. Hier wird offenbar praktische Trainererfahrung besonders angenehm spürbar.
Auf die Aussage, alle Kombinationen seien gewissenhaft überprüft, verlässt sich der Rezensent mal, ohne sie im Detail nachzuprüfen. Ernsthafte Zweifel kommen jedenfalls nicht auf.

Die Sammlung von nahezu 300 kombinatorischen Schachaufgaben kann Spielern und Trainern auf jeder Leistungsebene kurzweilige Unterhaltung und Lerneffekt bieten. Martin Weteschnik präsentiert ein Jahrbuch, bei dem man sich bereits auf die Fortsetzung in den Folgejahren freut.
Weteschniks Aufgabensammlung eröffnet sich ein breites Anwendungsgebiet. In der vorliegenden Form kann man sie zum schnellen «Zwischendurchlösen» im Zug ebenso gewinnbringend verwenden, wie als Trainer für den Einsatz im Kinder- und Jugendschach.
Die Fülle der Namen und Zahlen in einem solchen Buch erfordert vom Autor wie vom Lektorat besondere Sorgfalt. Leider ist hierbei doch eine ganze Reihe von Schreibfehlern durchgerutscht. Dass der Deutsche U10-Meister Raphael Lagunow als «Lagonow» vorgestellt wird, ist vielleicht nur dem Rezensenten aufgefallen, der diesen jungen Schachmeister zu seinen Schützlingen zählen darf. Fehlschreibungen wie «Chanty-Mansijks» und «Tischbiereck» sind hingegen ebenso peinlich wie ein falsches Geburtsjahr im Nachruf auf Edith Keller-Herrmann. Dem schachlichen Gebrauchswert des Buches tun sie keinen Abbruch, passen aber nicht gerade zum guten Gesamteindruck. ■
Martin Weteschnik, Schachtaktik – Jahrbuch 2011, Jugend-Schach-Verlag Dresden, 160 Seiten, ISBN 978-3000324314
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Leseproben (Scans)
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Das neue Glarean-Streichholzrätsel
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Legen Sie eines der Streichhölzer so um, dass die Gleichung stimmt
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Lösung: —>(weiterlesen…)
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Das Zitat der Woche
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Vom Wohl der Allgemeinheit
Fjodor M. Dostojewski
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Was soll denn der Sozialist anfangen, wenn im westeuropäischen Menschen die Grundlage, das Prinzip der Brüderlichkeit, nun einmal nicht liegt, sondern statt dessen, im Gegenteil, das Prinzip der Einzelheit, der Persönlichkeit, die sich unausgesetzt absondert, die mit dem Schwert in der Hand ihre Rechte fordert? Der Sozialist, der nur sieht, daß Brüderlichkeit nicht vorhanden ist, beginnt also zur Brüderlichkeit zuzureden. Da die Brüderlichkeit ihnen nicht von Natur gegeben ist, will er sie künstlich herstellen. Doch um ein Hasenragout machen zu können, muß man zuvor einen Hasen haben. Den Hasen aber gibt es dort nicht, d.h. man hat nun einmal nicht die Natur, die der Brüderlichkeit fähig ist, eine Natur, die an Brüderlichkeit glaubt, die es von selbst nach Brüderlichkeit verlangt!
In der Verzweiflung beginnt der Sozialist die zukünftige Brüderlichkeit zu konstruieren, zu definieren, nach Gewicht und Maß zu berechnen, mit Vorteilen zu locken; er erklärt, er lehrt, er erzählt, wieviel Vorteile den Menschen durch diese Brüderlichkeit erwüchsen und was ein jeder durch sie alles gewönne; er setzt auch fest, was jeder einzelne vorzustellen, was er zu tragen habe, und bestimmt auch im voraus die Zuteilung der irdischen Güter: wieviel einem jeden davon zukomme, d.h. wieviel jeder davon verdiene und wieviel ein jeder dafür freiwillig auf Kosten seiner Persönlichkeit der Genossenschaft abzutreten habe. Was aber ist denn das noch für eine Brüderlichkeit, wenn schon im voraus geteilt und festgesetzt wird, wieviel ein jeder zu bekommen verdient und was ein jeder tun muß?
Natürlich hat es etwas sehr Verlockendes, wenn auch nicht auf brüderlicher, so doch auf rein vernunftgemäßer Grundlage zu leben, d.h. es ist schön und gut, wenn alle dich sicherstellen und von dir nur Arbeit und Übereinstimmung verlangen. Aber hier stellt sich nun wieder ein Rätsel ein: man sollte meinen, der Mensch werde doch vollkommen sichergestellt, man verspricht ihm Essen und Trinken, verspricht ihm Arbeit, und dafür verlangt man von ihm nur ein winziges Körnchen seiner persönlichen Freiheit zum Wohle der Allgemeinheit, nur ein ganz, ganz kleines Körnchen. Doch nein, das paßt dem Menschen nicht, selbst dieses winzige Körnchen abzutreten fällt ihm schon zu schwer. Infolge seiner Dummheit scheint es ihm immer, daß ein solches Leben ja so gut wie ein Gefängnisleben sei und allein für sich sei es besser, denn – da bliebe ihm der ganze freie Wille. Und wenn er in dieser seiner Freiheit auch geschunden wird, keine Arbeit erhält, dabei Hungers stirbt und seinen freien Willen überhaupt nicht hervorholen kann, – es scheint dem wunderlichen Kauz dennoch, daß es mit eigenem Willen besser sei.
Natürlich bleibt dem Sozialisten somit nichts anderes übrig, als auszuspeien und ihm zu sagen, daß er ein Dummkopf, geistig zurückgeblieben und minderwertig sei, und nicht einmal seinen eigenen Vorteil zu begreifen verstehe; daß selbst irgend so eine armselige Ameise, die nicht einmal der Gabe des Wortes teilhaftig geworden ist, klüger sei als er, denn in ihrem Ameisenhaufen sei alles so gut eingerichtet, alles so genau vorliniert, alle Ameisen seien satt und glücklich, jeder Ameiserich kenne seine Aufgabe, kurz: der Mensch habe es noch lange nicht so weit gebracht, wie die Ameisen. ■Aus Fjodor M. Dostojewski, Tagebuch eines Schriftstellers, Sankt Petersburg 1873
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Lise-Meitner-Literaturwettbewerb 2011
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Gesucht: Texte von Frauen zu Technik und Geschlecht
Die österreichische Physikerin Lise Meitner sei ein Symbol «für eine Frau, die ihren Weg im nach wie vor männlich dominierten Wissenschaftsbetrieb erfolgreich gegangen ist und insbesondere heutigen Studentinnen der Technik ein Vorbild sein kann», schreiben das Frauenreferat der HTU Wien und die Kunstvereinigung Akunst. Darum offerieren sie einen Literaturpreis für Prosatexte von Frauen zum Thema Technik und Geschlecht. Einzusenden sind unveröffentlichte und höchstens 30-seitige deutschsprachige Arbeiten, die sich erzählend «mit der Geschichte der Technik und Naturwissenschaft, mit dem Studium an einer Technischen Universität, mit Gefahren, Alternativen und Visionen auseinandersetzen.» Der Preis ist mit 2’200 Euro dotiert. Einsende-Schluss ist am 26. August 2011, die weiteren Details finden sich hier. ■
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Der brillante Schachzug (88)
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Matt in 17 Zügen
4bkrb/1K2p1r1/4P2B/8/8/8/8/7R w
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Jürg Amann: «Der Kommandant»
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«Angesichts der Wirklichkeit ist alles Erfinden obszön»
Günter Nawe
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Die Erinnerungen – oder besser: das Selbstzeugnis des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß aus dem Jahre 1958 – sie sind im Gedächtnis geblieben als grausames Dokument. Nicht zuletzt war es die unglaubliche Kälte und die fast perverse Naivität und Selbstgerechtigkeit des Textes und seines Autors, die den Leser auf das Äußerste erschüttert haben.
«Das hat mich geradezu über den Haufen geworfen, dass einer sich hinstellt, einer der Haupttäter des Nazi-Regimes, und schreibt freiwillig Faktum für Faktum, wie das zustande gekommen ist, wie er den Auftrag erhalten hat, wie er den umgesetzt hat, wie er den pflichtdienstlich zur höchsten Effektivität gesteigert hat, als ob er Buchhaltung führen würde über sich selber.»

Braver Katholiken-Sohn, korrekter Verwaltungs-Beamter - und gewissenloser Gas-Massenmörder: Auschwitz' berüchtigster Kommandant Ruolf Höss (Geb. 1900, 1947 als Kriegsverbrecher hingerichtet)
So der Schweizer Autor Jürg Amann in einem Interview über die Höß’schen Aufzeichnungen und sein literarisches Projekt. Und so hat er sich – anders als seiner Zeit Jonathan Littell in «Die Wohlgesinnten» – den Originaltext vorgenommen und ihn verdichtet. Amann wollte nichts erfinden, die Fakten waren schlimm genug. «Angesichts der Wirklichkeit ist alles Erfinden obszön», so Jürg Amann.
Herausgekommen ist bei dem dramaturgischen Prozess der Verdichtung und Neustrukturierung der Erinerungen von Rudolf Höß ein Text, der noch dramatischer, noch schrecklicher ist als das Original, obwohl kein Wort hinzugefügt und kaum ein Satz verändert worden ist. Jürg Amann ist ein als «Monolog» bezeichnetes Monodram in sechzehn Stationen gelungen, in dem das gelebte Leben des Rudolf Höß noch einmal eine eigentlich kaum möglich geglaubte Zuspitzung erhält.
Es fällt schwer zu lesen, wie der spätere Lagerkommandant zuerst Priester werden wollte, dann als Soldat «eine Heimat, ein Geborgensein, in der Kameradschaft der Kameraden» gefunden hat; wie aus dem einfachen, aber fast fanatischen Soldaten der SS-Mann und später der Lagerkommandant geworden ist. Von den kalten Schilderungen des Lagerlebens und der Grausamkeiten nicht zu reden. Sätze wie: «So gab es viele erschütternde Einzelszenen, die allen Anwesenden nahegingen», oder: «Das Leben und das Sterben der Juden gab mir wahrhaft Rätsel genug auf, die ich nicht zu lösen imstande war» machen den Leser wütend, traurig – und ratlos.
Am Ende der Orignalaufzeichnungen schrieb Rudolf Höß bzw. zitiert Jürg Amann: «Mag die Öffentlichkeit ruhig weiter in mir die blutrünstige Bestie, den grausamen Sadisten, den Millionenmörder sehen – denn anders kann sich die breite Masse den Kommandanten nicht vorstellen. Sie würde doch nie verstehen, dass der auch ein Herz hat, das nicht schlecht war.»

Jürg Amann hat in seinem «Kommandanten» ein beeindruckendes Stück Literatur geliefert - Literatur, die dem ungeheuerlichen Stoff gerecht wird. Durch die Verdichtung, den dramaturgischen Prozess der Verschlankung eines Textes gelingt es ihm, ohne persönlich gefärbte Zusätze die nackte Wirklichkeit herauszustellen - und die ist grausam genug.
Jürg Amann hat versucht – und es ist ihm hervorragend gelungen -, mit der literarischen Verdichtung des Höß-Textes, mit dem distanzierten Blick des Autors eine Annäherung an das Böse zu finden, das Unfassbare begreiflich zu machen, zu erkennen, was wohl im Kopf eines Massenmörder vor sich geht. Dabei ließ er sich nicht von Emotionen, von eigenen Vorstellungen und Phantasien, von möglichen Einflüssen auf Denken und Fühlen leiten. Er läßt auf seine Weise nur das Original sprechen – und das ist schrecklich genug. Einmal mehr aber erkennt der Leser gerade dadurch, was es mit der Formulierung Hannah Arendts von der «Banalität des Bösen» auf sich hat. ■
Jürg Amann, Der Kommandant – Monolog, 108 Seiten, Arche Verlag. ISBN 978-3-7160-2639-7
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Das Zitat der Woche
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Über die Dichtung im Spiel und das Spiel in der Dichtung
Sigmund Freud
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Uns Laien hat es immer mächtig gereizt zu wissen, woher diese merkwürdige Persönlichkeit, der Dichter, seine Stoffe nimmt, und wie er es zustande bringt, uns mit ihnen so zu ergreifen, Erregungen in uns hervorzurufen, deren wir uns vielleicht nicht einmal für fähig gehalten hätten. Unser Interesse hierfür wird nur gesteigert durch den Umstand, daß der Dichter selbst, wenn wir ihn befragen, uns keine oder keine befriedigende Auskunft gibt, und wird gar nicht gestört durch unser Wissen, daß die beste Einsicht in die Bedingungen der dichterischen Stoffwahl und in das Wesen der poetischen Gestaltungskunst nichts dazu beitragen würde, uns selbst zu Dichtern zu machen. Wenn wir wenigstens bei uns oder bei unsergleichen eine dem Dichten irgendwie verwandte Tätigkeit auffinden könnten! Die Untersuchung derselben ließe uns hoffen, eine erste Aufklärung über das Schaffen des Dichters zu gewinnen. Und wirklich, dafür ist Aussicht vorhanden; – die Dichter selbst lieben es ja, den Abstand zwischen ihrer Eigenart und allgemein menschlichem Wesen zu verringern; sie versichern uns so häufig, daß in jedem Menschen ein Dichter stecke; und daß der letzte Dichter erst mit dem letzten Menschen sterben werde.
Sollten wir die ersten Spuren dichterischer Betätigung nicht schon beim Kinde suchen? Die liebste und intensivste Beschäftigung des Kindes ist das Spiel. Vielleicht dürfen wir sagen: jedes spielende Kind benimmt sich wie ein Dichter, indem es sich eine eigene Welt erschafft, oder, richtiger gesagt, die Dinge seiner Welt in eine neue, ihm gefällige Ordnung versetzt. Es wäre dann unrecht, zu meinen, es nähme diese Welt nicht ernst; im Gegenteile, es nimmt sein Spiel sehr ernst, es verwendet große Affektbeträge darauf.
Der Gegensatz zu Spiel ist nicht Ernst, sondern Wirklichkeit. Das Kind unterscheidet seine Spielwelt sehr wohl, trotz aller Affektbesetzung, von der Wirklichkeit und lehnt seine imaginierten Objekte und Verhältnisse gerne an greifbare und sichtbare Dinge der wirklichen Welt an. Nichts anderes als diese Anlehnung unterscheidet das »Spielen« des Kindes noch vom »Phantasieren«.
Der Dichter tut nun dasselbe wie das spielende Kind; er erschafft eine Phantasiewelt, die er sehr ernst nimmt, d.h. mit großen Affektbeträgen ausstattet, während er sie von der Wirklichkeit scharf sondert. Und die Sprache hat diese Verwandtschaft von Kinderspiel und poetischem Schaffen festgehalten, indem sie solche Veranstaltungen des Dichters, welche der Anlehnung an greifbare Objekte bedürfen, welche der Darstellung fähig sind, als ‘Spiele’: ‘Lustspiel’, ‘Trauerspiel’, und die Person, welche sie darstellt, als ‘Schauspieler’ bezeichnet.
Aus der Unwirklichkeit der dichterischen Welt ergeben sich aber sehr wichtige Folgen für die künstlerische Technik, denn vieles, was als real nicht Genuß bereiten könnte, kann dies doch im Spiel der Phantasie, viele an sich eigentlich peinliche Erregungen können für den Hörer und Zuschauer des Dichters zur Quelle der Lust werden. Verweilen wir einer anderen Beziehung wegen noch einen Augenblick bei dem Gegensatz von Wirklichkeit und Spiel! Wenn das Kind herangewachsen ist und aufgehört hat zu spielen, wenn es sich durch Jahrzehnte seelisch bemüht hat, die Wirklichkeiten des Lebens mit dem erforderlichen Ernst zu erfassen, so kann es eines Tages in eine seelische Disposition geraten, welche den Gegensatz zwischen Spiel und Wirklichkeit wieder aufhebt. Der Erwachsene kann sich darauf besinnen, mit welchem hohen Ernst er einst seine Kinderspiele betrieb, und indem er nun seine vorgeblich ernsten Beschäftigungen jenen Kinderspielen gleichstellt, wirft er die allzu schwere Bedrückung durch das Leben ab und erringt sich den hohen Lustgewinn des ‘Humors’. Der Heranwachsende hört also auf zu spielen, er verzichtet scheinbar auf den Lustgewinn, den er aus dem Spiele bezog. Aber wer das Seelenleben des Menschen kennt, der weiß, daß ihm kaum etwas anderes so schwer wird wie der Verzicht auf einmal gekannte Lust. Eigentlich können wir auf nichts verzichten, wir vertauschen nur eines mit dem anderen; was ein Verzicht zu sein scheint, ist in Wirklichkeit eine Ersatz- oder Surrogatbildung. So gibt auch der Heranwachsende, wenn er aufhört zu spielen, nichts anderes auf als die Anlehnung an reale Effekte; anstatt zu ‘spielen’, ‘phantasiert’ er jetzt. Er baut sich Luftschlösser, schafft das, was man Tagträume nennt. Ich glaube, daß die meisten Menschen zuzeiten ihres Lebens Phantasien bilden. Es ist das eine Tatsache, die man lange Zeit übersehen und deren Bedeutung man darum nicht genug gewürdigt hat.
Das Phantasieren der Menschen ist weniger leicht zu beobachten als das Spielen der Kinder. Das Kind spielt zwar auch allein oder es bildet mit andern Kindern ein geschlossenes psychisches System zum Zwecke des Spieles, aber wenn es auch den Erwachsenen nichts vorspielt, so verbirgt es doch sein Spielen nicht vor ihnen. Der Erwachsene aber schämt sich seiner Phantasien und versteckt sie vor anderen, er hegt sie als seine eigensten Intimitäten, er würde in der Regel lieber seine Vergehungen eingestehen als seine Phantasien mitteilen. Es mag vorkommen, daß er sich darum für den einzigen hält, der solche Phantasien bildet, und von der allgemeinen Verbreitung ganz ähnlicher Schöpfungen bei anderen nichts ahnt. Dies verschiedene Verhalten des Spielenden und des Phantasierenden findet seine gute Begründung in den Motiven der beiden einander doch fortsetzenden Tätigkeiten. Das Spielen des Kindes wurde von Wünschen dirigiert, eigentlich von dem einen Wunsche, der das Kind erziehen hilft, vom Wunsche: groß und erwachsen zu sein. Es spielt immer »groß sein«, imitiert im Spiel, was ihm vom Leben der Großen bekannt geworden ist. Es hat nun keinen Grund, diesen Wunsch zu verbergen. Anders der Erwachsene: dieser weiß einerseits, daß man von ihm erwartet, nicht mehr zu spielen oder zu phantasieren, sondern in der wirklichen Welt zu handeln, und anderseits sind unter den seine Phantasien erzeugenden Wünschen manche, die es überhaupt zu verbergen not tut; darum schämt er sich seines Phantasierens als kindisch und als unerlaubt. ■Aus Sigmund Freud, Der Dichter und das Phantasieren, Wien 1908
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Lyrik von Johanna Klara Kuppe
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Seiltänzerin
die blüten im
korb blühen
nicht zartrosa das
kleid den kopf
gesenkt auf dem
seil schweben die
augen abschied angst
in den füßen
gestern sie weiß es
noch blühte das
all
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vielleicht hans
hans im glück heißen
alles schwere ab
geben gehen laufen
tauschen alles gegen
luft wind wiesen
unbekümmert
viele augenblicke hans
hans im glück
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Wien
blendet gold
weiß ratlos dein
herz schunkelt im
wiener wald
rote teppiche treppen
hinauf prickelt
sekt im rücken im
kino flimmert
weiter rosa blick
über die taiga
deine hand sucht
mein bein und höher
hinauf blaut der
himmel
stand by me winken
die statuen mit
fallenden blättern
stand by me
singst du ich lache
frost atmet im park
von schönbrunn
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Geb. 1948 in Wuppertal/D, Erzieherin, Musikalienhändlerin, Veröffentlichungen in verschiedenen Anthologien, lebt in Waiblingen/D
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Wer bin ich?
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Starkes Schachspiel schon mit 16 Jahren (Women Power VIII)
Mein Geburtsland war und ist noch immer für seine stolze Schachtradition bekannt, und dass ich als 16-jähriges Mädchen bereits Frauen-Großmeisterin wurde, ist in meiner Heimat eine so große Sensation nicht. Immerhin bewies es mein großes Talent für das Spiel, wenngleich neben der Begabung die intensive und und für meine Karriere bedeutsame damalige Zusammenarbeit mit dem Meisterspieler Mowsesyan mindestens im gleichen Maße zum Erfolg beitrug.
Mein Schach-Palmarès kann sich sehen lassen: Top-20-Ranking bei den FIDE-Women-GM (Oktober ’96), regelmäßig Podest-Plätze bei den Europameisterschaften, Elo-Performances von über 2’600 an European Club Cups, hervorragende Ergebnisse an Olypiaden u.v.a. Dabei ist mein Kampfstil nicht unbedingt durch besondere taktische Rafinesse ausgezeichnet, sondern eher von positineller Sorgfalt und strategische Vorausschau geprägt. Allerdings lasse ich mir kombinatorische Fingerübungen nie entgehen, wenn sie mir von der Gegnerschaft auf dem Tablet serviert werden – wie beispielsweise in der untenstehenden Positon, wo ich mit den weißen Steinen am Zuge bin. – Also: Wer bin ich? ■
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Das neue Glarean-Sudoku
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Der Sudoku-Spaß im Februar 2011
Sudoku als PDF-Datei zum Ausdrucken
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Lösung: —>(weiterlesen…)
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Der «Torso»-Literaturpreis 2011
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Gesucht: «Lust»-Texte
Die deutsche Literaturzeitschrift «Torso» sucht alljährlich Lyrik-, Prosa- und essayistische Texte. In diesem Jahr wird der Wettbewerb zum Thema «Lust» ausgeschrieben. Die Beiträge dürfen fünf DIN-A-4 Seiten (1,5 Zeilenabstand) bzw. die Anzahl von fünf Gedichten nicht überschreiten und sollen anderweitig noch nicht veröffentlicht worden sein. Einsende-Schluss ist am 15. Juli 2011, die weiteren Einzelheiten finden sich hier. ■
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Das klassische Glarean-Tangram (20)
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Legen Sie mit den Tangram-Elementen die folgende Figur
Lösung: —>(weiterlesen…)
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Das Tangram-Puzzle
Das Tangram (auch Siebenschlau oder Weisheitsbrett genannt) ist ein altehrwürdiges chinesisches Geometrie-Spiel: Aus nur sieben Steinen eines Quadrates, nämlich fünf Dreiecken, einem Quadrat und einem Parallelogramm lassen sich die vielfältigsten Figuren (Pflanzen, Tiere, Menschen u.v.a.) legen, wobei immer alle sieben Steine verwendet werden müssen. Sie sollen sich berühren, dürfen sich aber nicht überlappen.
Schon in der uralten Kultur Chinas bedeutete das Quadrat die reinste Form einer Fläche, in sich vollkommen, und beim Tangram wird dieses in sich ruhende Quadrat nun aufgelöst in eine endlose Bewegung, wird es durch unablässige Veränderung zum Ausgangspunkt ungeahnter Gebilde, durch das Zusammenspiel seiner festen Elemente zum Quell des Neuen.
Die ersten Tangram-Bücher wurden zur Zeit des Ch’ing-Kaisers Chia Ch’ing (1796-1820) gedruckt, die früheste uns überlieferte Tangram-Publikation dort stammt aus dem Jahre 1813, doch das Grundprinzip des Spiels dürfte im asiatischen Raum schon lange vor Christi Geburt weit verbreitet gewesen sein. Eine frühe erste Veröffentlichung in Europa datiert aus dem Jahre 1805.
Inzwischen hat das Tangram einen wahren Siegeszug durch alle Kontinente angetreten, ist Gegenstand zahlreicher Bücher und Sammlungen geworden – und lädt unvermindert anregend und spannend ein zum Nachdenken, zum Knobeln, zum Sinnieren, ja vielleicht gar zum Philosophieren über die ewige Veränderung des ewig Gleichen…
Im «Glarean Magazin» finden sich regelmäßig interessante und berühmte Tangram-Aufgaben. Dabei wird das Lege-Puzzle erleichtert, wenn man sich aus Karton die sieben Grundelemente zurechtschneidet.
Sollten unter unseren Leserinnen und Lesern vielleicht sogar Tangram-«Erfinder» sein, so sind sie freundlich eingeladen, uns ihre neuen Figuren als Grafik-Datei zu senden! (we)
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Ein Beispiel
Legen Sie mit den Tangram-Elementen die folgende Figur
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