Das Zitat der Woche
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Von der Philosophie und der Logik
Friedrich Waismann
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Der Philosoph macht nicht das, was der Logiker macht – nur weniger kompetent -, sondern etwas ganz und gar anderes. Ein philosophisches Argument ist keine Approximation eines logischen, noch ist das letztere ein Ideal, das der Philosoph anstrebt. Eine solche Darstellung gibt das, was wirklich vor sich geht, vollkommen falsch wieder. Philosophie ist keine Übung in formaler Logik, philosophische Argumente sind keine – wenn auch unzulängliche – Ketten logischer Folgerungen, noch können sie mit viel Mühe auf deduktive Formen gebracht werden. Hier wird das Ziel des Wissenschaftlers, neue Wahrheiten zu finden, mit dem Ziel des Philosophen, Einsicht zu gewinnen, verwechselt.
Da beides vollkommen verschieden ist, nimmt es kaum wunder, daß sich der Philosoph nicht in der Rüstung des Logikers bewegen kann. Nicht einmal dann, wenn der Logiker selbst den Kampf führt. Der Konflikt über das Gesetz vom ausgeschlossenen Dritten in der Mathematik ist ein Konflikt zwischen zwei Parteien, von denen jede im Besitz klarer und genau definierter Begriffe ist. Dennoch scheint es keine Möglichkeit zu geben, die Kontroverse durch zwingende Argumente beizulegen. Wenn es wahr ist, daß philosophische Schwierigkeiten aus der unklaren Natur unserer alltäglichen Begriffe entstehen, wie kann es dann angehen, daß solche Konflikte in der exaktesten aller Wissenschaften ausbrechen? ■
Aus Friedrich Waismann, Wie ich Philosophie sehe, in: A. Kulenkampff (Hg.), Methodologie der Philosophie, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1979
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