Glarean Magazin

Der brillante Schachzug (70)

Veröffentlicht in Denksport, Der brillante Schachzug, Schach, Schach-Rätsel von Walter Eigenmann am 31. Juli 2010

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Schwarz am Zuge

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Lösung: —>(weiterlesen…)

Mehr «Brillanten».

 

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Alexandra Lavizzari: «Flucht aus dem Irisgarten»

Veröffentlicht in Alexandra Lavizzari, Buch-Rezension, Karin Afshar, Literatur, Rezensionen von Walter Eigenmann am 30. Juli 2010

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…und träumte sich die Seele wund

Karin Afshar

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Das Hardcoverbuch mit den elf Erzählungen ist in diesem Jahr erschienen, edel sieht es aus – die beiden grazilen Irisblüten am rechten Rand erwecken den Eindruck, als wollten sie sich aus dem Blickfeld stehlen, flüchtig und nicht von dieser Welt.
Alexandra Lavizzari (*1953 in Basel) ist eine Schweizer Schriftstellerin und Literaturkritikerin. Aus dem Klappentext erfährt man, dass sie in Rom lebt, verheiratet ist und drei Kinder hat; früher hat sie in Nepal, Pakistan und Thailand gelebt.
Die Erzählungen zwischen den Buchdeckeln spielen in der heutigen Zeit. Ihre Sprache ist leicht, was nicht heißt, dass die Sätze einfach aneinandergereihte Aussagesätze wären. Manche muss ich mehrmals lesen, um sie zu verstehen, denn sie sind lang, verschachtelt. Aber das tue ich gerne – sie schmecken beim zweiten Hinlesen noch besser, bekommen eine je eigene Melodie.

Lavizzari entwirft zunächst einen realistischen Hintergrund, vor dem sie dann die Geschehnisse entrollt. Es geht um Frauen, Männer, Kinder, die sich in der eigenen Haut nicht wohl fühlen, die nirgends, vor allem nicht im Familienkreis, heimisch sind. Es sind Entwurzelte in Basel oder im Tessin, in Schweden oder Süditalien: der jeweilige Ort – ganz bestimmt nicht zufällig gewählt – ist die Bühne, auf der sich die unbehagliche Entfremdung im Alltag der Figuren abspielt. Flucht ist ihr Motiv, einmal als blinde, unbewusste Sehnsucht nach dem Anderswo, ein andermal aus Angst, in einer Identität, die nicht als die eigene anerkannt wird, erstarren zu müssen. Es geht um das Loslassen alter Verletzungen, um die Weigerung, zu vergessen (weil z.B. Vergessen Verrat sein könnte), es geht um das Einfrieren in Gewesenem, weil man dem Leben nicht traut, um das Nachgeben einer Begierde gegenüber und den Preis, den man dafür bezahlen muss.
Jenseits der Schleusen ins Unterbewusste greifen die Worte und Bilder der Hier-Welt nicht mehr. Dafür braucht es «andere» Bilder – eben übernatürliche. Es gelingt Alexandra Lavizzari in jeder Geschichte, im Leser die Verbindung zu archetypischen menschlichen Geschichten herzustellen, ohne die profanen Bezeichnungen der Welt zu benutzen. Sie tut es detailreich, aber nie aufdringlich.

In der ersten Geschichte – «Schwimmen» – ist es ein Buch, in das sich die von ihrem Mann ‘Forelle’ genannte Else in ihrer Sehnsucht nach dem Meer versenkt. Der erste Satz in diesem Buch, den wir am Ende der Geschichte erfahren, setzt auch schon gleich eine erste Wegemarke durch das vorliegende Buch: Wasser.

Alexandra Lavizzari

Wasser ist das Ursymbol des Lebens und lebensspendendes Elixier. Es steht für Schöpfung, Geborgenheit, Reinheit, Heilung und stellt die Verbindung zu etwas Göttlichem dar. Ohne Wasser ist Leben auf dieser Erde nicht vorstellbar. Wasser, Meer, Schnee, Wasserfall, See – diese Bilder ziehen sich durch mehrere der Geschichten – und sie führen allesamt in die Vergangenheit der Protagonisten, in der etwas begraben und versunken liegt. Das ist schlüssig, hat Wasser doch auch mit dem Unbewussten, dem vor der Zeit und dem nicht in der Zeit Liegenden zu tun.

Die Geschichte «Flucht aus dem Irisgarten», der das Buch den Titel verdankt, hat vordergründig nichts mit «Wasser» zu tun, dafür mit einer weiteren Allegorie:  Der Garten ist die Wohnung der Seelen, der Gärtner selbst ist der Schöpfer des Lebens und in einem Garten bilden Menschen das Paradies nach. Doch lesen Sie selbst, was Alexandra Lavizzari mit den Bildern zaubert.
Sie zeigt auf diesen fünf knappen Seiten das Können einer Schriftstellerin, die mit Sprache malt und umsichtig und klug genau das ungesagt lässt, was der Leser in sich selbst finden muss. Diese Erzählung ist m.E. die bildhafteste von allen.

In der Erzählung «In ihren Armen» ist es ein Umschlag mit Samen, der der Erzählerin überreicht wird. Nun werden wir in eine Geschichte geführt, an deren Ende eine aus eben diesem Samen hervorgegangene Zimmerpflanze in rasend schnellem Wachstum ein alterndes Ehepaar umschlingt und erwürgt. Auch hier  das Bild des zur Pflanze werdenden Menschen, des von der Pflanze verschlungenen Menschen. Die Figuren der Geschichte sind auf schicksalhafte und unlösbare Art miteinander verbunden. Die Geschichte liest sich nicht ganz so flüssig, aber das mag daran liegen, dass – obwohl die gleiche Sprache – das Schweizerische Ausdrücke kennt, die dem Deutschland-Deutschen fremd sind.

Die schaurig-spannenden Erzählungen in Alexandra Lavizzaris «Flucht aus dem Irisgarten» haben mich nicht losgelassen, bis ich das Buch ausgelesen hatte. Der Versuch, es aus der Hand zu legen, scheiterte, aber als ich schließlich doch die letzte Zeile gelesen hatte, war mir, als stünde da: «Ich bin das Meer». (Dr. Karin Afshar)

In «Spiegelspiel» geht es um einen Schlüssel, von dem der Leser bald ahnt, dass er zum Zimmer des jüngeren Sohnes gehört, der acht Jahre zuvor Selbstmord begangen hat. Schlüssel wie auch Spiegel – Allegorien.
In den Metaphern und Allegorien schimmert Lavizzaris «persische Geschichte» durch. Sie hat Übersetzungen aus dem Persischen (Warqa und Gulschah von Ayyuqi, literarische Übersetzung aus dem Persischen, 1992 ) veröffentlicht und sich als Ethnologin und Islamwissenschaftlerin ganz gewiss mit den Metaphern sowohl des Koran, als auch der persischen Lyrik und Mystik auseinandergesetzt.

Beim Lesen legt sich bald eine melancholische Stimmung aufs Gemüt, denn fast alle Schicksale münden in Tragödien, oder bleiben zumindest offen, was nicht unbedingt Raum für Hoffnung lässt. «Cristallina» – letzte Erzählung des Bandes – lässt hingegen nichts offen. Ein Mann, der über eine vor 28 Jahren verschwundene Dichterin seine Dissertation geschrieben hat, kommt in das Bergdorf, in dem man die Verstorbene zuletzt gesehen hat. Er recherchiert vorsichtig, unaufdringlich, aber doch deutlich. Und die behinderte Tochter des Herbergspaares, das nicht unverdächtig ist, hilft ihm, ohne zunächst zu ahnen, dass beide dengleichen Menschen meinen. In seinem Ehrgeiz, mehr Informationen zu bekommen, legt der Fremde einen Köder aus, mit dem nun endgültig die die Beteiligten überfordernde Vergangenheit ans Licht kommt. Enden kann dies nur auf eine einzige Weise. Der Kristall ist ein periodisch geordnetes System mit Gitterstruktur – und: Leben heißt Strukturen wandeln, Sterben heißt, sich nicht mehr zu verändern.

Die schaurig-spannenden Erzählungen haben mich nicht losgelassen, bis ich das Buch ausgelesen hatte. Der Versuch, es aus der Hand zu legen, scheiterte, aber als ich schließlich doch die letzte Zeile gelesen hatte, war mir, als stünde da: «Ich bin das Meer». ■

Alexandra Lavizzari, Flucht aus dem Irisgarten, Erzählungen, 180 Seiten, Zytglogge-Verlag, ISBN 978-3-7296-0802-3

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Lauter LesenswertesCultura fara cenzura

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Leseproben

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Leopold Koželuch: «Klavier-Sonaten Bd.1»

Veröffentlicht in Leopold Kozeluch, Musik, Musik für Klavier, Musik-Rezensionen, Rezensionen, Walter Eigenmann von Walter Eigenmann am 29. Juli 2010

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Niveauvolle Unterrichtsklassik

Walter Eigenmann

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Weder bezüglich Konzertrepertoire noch hinsichtlich Unterrichtsliteratur ist in der Klavier-, ja überhaupt der Musikwelt der Name Leopold Koželuh (auch Koželuch, Kotzeluh, Kozeluch oder Kotzeluch) geläufig, und sein Schaffen war bis jetzt kaum in kompetent betreuten Gesamtausgaben zugänglich. Dementsprechend ist der 1747 in Böhmen geborene und 1818 in Wien gestorbene Komponist, wiewohl mit 50 Klavierkonzerten, 30 Sinfonien, 60 Klaviersonaten, mit diversen Solokonzerten sowie mit Opern, Kantaten, Balletts und Oratorien sehr produktiv, heute kaum mehr präsent im Musikbetrieb. (Und dementsprechend mager nimmt sich auch die aktuelle internationale Diskographie dieses Komponisten aus).
Mit der ersten kompletten Herausgabe von Koželuhs gesamten Klaviersonaten, deren Eröffnungsband jetzt vorliegt, füllen der Bärenreiter Verlag (Prag) und sein hier verantwortlicher Editor Christopher Hogwood färben also verdienstvoll einen weißen Flecken auf der musikalischen Landkarte Tschechiens.

Leopold Koželuch (1747-1818)

Herausgeber Hogwood ordnet in seinem Vorwort die musikgeschichtliche Position dieses interessanten Böhmen treffend ein: «Viele der lobenden Worte, die im 18. Jahrhundert über die Musik Koželuchs geäußert wurden – sie sei rein, natürlich, gefällig, leicht usw. – wurden bald nach seinem Tod gegen ihn gewendet, als er wie Eberl, Dussek, Wölfl und sogar Clementi zu einer Nebenfigur der Stars herabgesetzt wurde, genannt nur als Bindeglied zwischen Mozart und Beethoven (oder, für den mit der Musik dieser Zeit Vertrauten, zwischen Wagenseil und Schubert). Sogar seine Neuerungen wurden als zufällige Vorwegnahmen von Beethoven und Schubert abgetan, obwohl er im Wesentlichen sowohl ihren tragisch-pathetischen Ausdruck antizipierte (wie in den Einleitungen zu seinen Sonaten in Moll-Tonarten), als auch das international gepriesene cantabile-Idiom erschuf.»

Und Hogwood zitiert dazu weiter das britische Monthly Magazine aus dem Jahre 1800 quasi als Zeitzeugen: «Die Instrumentalmusik scheint jetzt perfekter zu sein als in allen früheren Perioden. Wenn die modernen Pianoforte-Sonaten auch nicht die Wildheit und Originalität von Domenico Scarlattis Cembalo-Musik haben, sind sie doch planvoller, melodiöser, und in einigen Adagios (besonders von Koželuch) ist die Melodie so kantabel und expressiv, dass es die Vollendung von dieser Art Musik zu sein scheint.»

Beethovens «tragisch-pathetischen Ausdruck antizipiert»: Kozeluchs Largo-Anfang der 6. Klavier-Sonate c-moll op. 2/3

Zweihundert Jahre später mag im Überblick solche stilistische Euphorie leicht relativiert werden, doch umso höher ist der klavierpädagogische Wert von Koželuchs Sonaten – gerade auch in der «Konkurrenz» zu Clementi oder Kuhlau – zu veranschlagen. Denn des Böhmen Klavierwerk ist im eigentlichen Sinne «klassisch» zu nennen, in ihrer durchdachten Konstruktion und ihrem «eingänglichen» Melos sind sie in der Tat «Modelle für Nachahmung und Studium», wie Hogwood es formuliert: «Sie zeigen präzise bis zur Perfektion die Eigenschaften, die Theoretiker für eine Sonate am Ende des 18. Jahrhunderts beschrieben haben.»

«International gepriesenes Cantabile-Idiom»: Kozeluchs Anfang des 2. Satzes der Klavier-Sonate F-Dur op. 1/1

Die gelegentliche Verwendung dieser Sonaten eines zu Unrecht vergessenen, meisterhaft komponierenden Tschechen, und sei’s vorwiegend zur «praktischen Anschauung» ausgefeilt gearbeiteter «klassischer» Formen (von der Sonaten-Hauptsatz-Form übers Rondo bis hin zur Variation), ist also zu empfehlen – nicht zuletzt auch als erfrischende Alternative zu Clementi, Kuhlau, Dussek&Co.

Wer als erfahrener Klavierspieler einmal Bekanntschaft machen will mit einem fast vergessenen Meister, der greife zu dieser mit Sonaten von Leopold Koželuch. Der Bärenreiter-Band ist sauber gefertigt und mit umfangreichem Anmerkungs-Apparat versehen. Eine rundum verdienstvolle, allerdings nicht ganz billige, aber sehr willkommene Edition.

Die spieltechnischen Anforderungen sind dabei natürlich sehr unterschiedlich, übersteigen aber nie die obere Mittelstufe, decken insofern also ein breites klavierpädagogisches Feld ab. Der neue Bärenreiter-Band ist außerdem gewohnt sauber gefertigt (inkl. handlicher Buchbindung), mit einem instruktiven Anmerkungs-Apparat versehen (Dreisprachiges Vorwort, Kritischer Editions-Kommentar, Thematischer Index), sowie garniert mit einigem Bildmaterial und zahlreichen autographischen Drucken. Insgesamt eine vorbehaltlos zu begrüßende Edition. ■

Leopold Koželuch: Klaviersonaten (Complete Sonatas for Keyboard) Bd. 1, 196 Seiten, Bärenreiter Verlag, ISMN 979-0-2601-0501-0

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Leseproben

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Das Zitat der Woche

Veröffentlicht in Heinrich Mann, Literatur, Zitat der Woche von Walter Eigenmann am 29. Juli 2010

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Über ein verlorenes Buch

Heinrich Mann

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Kinder haben alles neu zu erlernen, besonders die Gefühle ihres Herzens. Die ersten Leiden kommen über sie wie aus anderen Welten, die erste Sehnsucht ist ein unfaßliches Märchen.
Als Kind besaß ich einmal, vielleicht acht Tage lang, ein Buch mit Liedern, Bildern und Geschichten. Ich hatte es von meiner Großmutter bekommen, wollte es bei ihr auch lesen, so oft ich hinkäme, und ließ es daher in ihrem Hause, das weitläufig war. Dort konnte schon etwas verlorengehen.
Überdies hielt meine Großmutter eine Sonntagsschule. Viele Kinder verkehrten in den Gartenzimmern ihres Erdgeschosses, sangen mit ihr und hörten sie die Bibel erklären. Es waren arme Kinder, wenigstens Bücher bekamen sie kaum geschenkt, außer von meiner Großmutter. Die meisten lieh sie ihnen aus einer eigens angelegten Bibliothek. Mein Buch kann hineingeraten sein. Dann schien es den jungen Entleihern gewiß noch reizvoller als Rosa von Tannenberg> oder die Zeitschrift <Quellwasser>. Genug, ich sah es nicht wieder.

Heinrich Mann (1871-1950)

Ich hatte es gewöhnlich geliebt, ja, hatte es im Hause meiner Großmutter vielleicht aus Liebe zurückgelassen, damit ich es jedesmal wieder vorfände, wie neu geschenkt. Nachdem ich mein Buch verloren hatte, träumte ich von ihm, bereute furchtbar, es verschenkt zu haben, und weinte um seine Schönheit sogar im Schlaf. Nie aber sprach ich den Wunsch aus, es nochmals zu bekommen. Ich nannte es so wenig, als wäre es nie wirklich dagewesen.
Im Lauf der Jahre erbat und bekam ich viele andere Bücher, nicht dieses – vergaß es dabei nie, dachte nie ohne Herzklopfen an seinen Zauber, diesen, als es verlorenging, noch nicht erschöpften Zauber, der mit der Zeit geheimnisvoll ward. ■

Aus Heinrich Mann, Die Verräter, Erzählungen Bd.3, S. Fischer Verlag 1996

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Jürgen Barkhoff / Valerie Hefferman: «Schweiz schreiben»

Veröffentlicht in Buch-Rezension, Literatur, Literaturwissenschaft, Rezensionen, Schweizer Literatur, Sigrid Grün, Valerie Hefferman von Walter Eigenmann am 28. Juli 2010

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Literarische (De)Konstruktion des Mythos Schweiz

Sigrid Grün

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Die nationalen Mythen prägen bis heute das Geschichtsbewusstsein der Schweiz und tragen damit als identifikationsstiftende Gebilde zum Zusammenhalt bei, was bei einer Nation, die vier Sprachen und vier Kulturen verbindet, ein Kunststück ist. Umso interessanter ist es deshalb auch, einen Blick auf den Konstruktcharakter der zentralen Schweizer Mythen zu werfen und die zahlreichen Dekonstruktionsprozesse zu analysieren, die v.a. in der zeitgenössischen Schweizer Literatur (insbesondere nach 1945) eine außerordentlich wichtige Rolle spielen.

Im vorliegenden, von Jürgen Barkhoff und Valerie Hefferman herausgegebenen Band wird genau dies gemacht: «Schweiz schreiben» ist die Zusammenfassung der Ergebnisse einer Tagung, die im Oktober 2006 in Irland (in und um Dublin) unter dem Titel «Mythos Schweiz. Zu Konstruktion und Dekonstruktion des Schweizerischen in der Gegenwart» stattfand. An drei Tagen versuchten sich Schweizer Autoren und Auslandsgermanisten dem Thema «Die Lage der Schweiz in der Literatur, und die Lage der Literatur in der Schweiz» anzunähern.
Herausgekommen ist ein ungeheuer gehaltvolles und spannendes Buch, das identifikatorische Prozesse sichtbar macht und exakte Analysen zentraler Schweizer Mythen bietet.

«Mythen-Zertrümmerer schlechthin»: Raucher Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch

Im Mittelpunkt stehen folgende Mythen und deren (De)Konstruktion: Mythos Schweizerliteratur, Mythos Alpen, Mythos Eidgenossenschaft, Mythos Sonderfall, Mythos Multikulturalität, Mythos literarischer Gegendiskurs sowie der Mythos Irland. Beim Letztgenannten zielt die Bezugnahme auf die Gemeinsamkeiten der beiden Staaten. Sowohl die Schweiz als auch Irland sind durch ihre Randständigkeit (in Europa) gekennzeichnet. Der Inselcharakter ist einmal geographisch, einmal politisch bedingt. Beide Staaten stehen für Unabhängigkeit – während Irland seine Eigenständigkeit gegenüber Großbritannien allerdings in einem erbitterten Unabhängigkeitskampf immer wieder behaupten musste, sind die Ursprünge der «bewaffneten Neutralität» der Schweiz beim Wiener Kongress von 1815 zu suchen, auch wenn diese eher auferlegte Neutralität angesichts der Gründungsmythen Bundesbrief und Rütlischwur schon viel früher vermutet werden.

Im Bereich der Literatur werden Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt als die Mythenzertrümmerer schlechthin gehandelt. Peter von Matt erklärt, welche Motive zentral sind und schlägt einen Bogen zu früheren Werken der Schweizer Literatur. Das «schuldige Kollektiv» ist hier von großer Bedeutung – man denke nur mal an Gotthelfs «Schwarze Spinne» und an Dürrenmatts «Besuch der alten Dame».
Doch auch der «Mythos literarischer Gegendiskurs» wird an anderer Stelle thematisiert. Die Schweizer Literatur greift nämlich immer wieder die Politik des Landes auf und entwickelt einen – nicht immer fruchtbaren – Gegendiskurs, wie Elsbeth Pulver betont: «Die Vorstellung einer anderen, besseren Schweiz mit den Intellektuellen als Herolden und Sachwaltern, sie löst die Beklemmung nicht; sie droht sie zu zementieren.»

«Schweiz schreiben» ist ein facettenreicher und gehaltvoller Band, der sich auf eine äußerst interessante Weise mit der Schweiz auseinandersetzt. Hier wird das Bröckeln zentraler Schweizer Mythen aufgezeigt und ein Schweizbild entworfen, das nicht nur auf der «Heidi-Land»-Idylle basiert, sondern auch Krisen integriert. Sehr zu empfehlen!

Die jüngere Schrifstellergeneration – beispielsweise Zoe Jenny, Ruth Schweikert und Peter Stamm – scheint für eine eher «unschweizerische Schweizerliteratur» (Valerie Hefferman) zu stehen. Doch trifft dies tatsächlich zu?
Zur besonderen Beziehung Schweiz – Irland wird die Literatur der in Irland lebenden Schweizer Autorin Gabrielle Alioth aufgegriffen. Neben Alioth haben übrigens mehrere Schweizer Gegenwartsautoren auf der grünen Insel ein neues Zuhause gefunden, u.a. Rolf Lappert und Hansjörg Schertenleib.

«Schweiz schreiben» ist ein facettenreicher und gehaltvoller Band, der sich auf eine äußerst interessante Weise mit der Schweiz auseinandersetzt. Hier wird das Bröckeln zentraler Schweizer Mythen aufgezeigt und ein Schweizbild entworfen, das nicht nur auf der «Heidi-Land»-Idylle basiert, sondern auch Krisen integriert. Sehr zu empfehlen! ■

Jürgen Barkhoff / Valerie Hefferman (Hrsg.), Schweiz schreiben – Zu Konstruktion und Dekonstruktion des Mythos Schweiz in der Gegenwartsliteratur, 320 Seiten, De Gruyter Verlag, ISBN 9783484108127

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Inhalt

Leseproben

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Sandra Uschtrin: «Handbuch für Autorinnen und Autoren»

Veröffentlicht in Buch-Rezension, Literatur, Ratgeber, Rezensionen, Sandra Uschtrin, Walter Eigenmann von Walter Eigenmann am 27. Juli 2010

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Kompendium des deutschsprachigen Literaturbetriebes

Walter Eigenmann

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«Informationen und Adressen aus dem deutschen Literaturbetrieb und der Medienbranche», so lautet der Untertitel des neuen «Handbuchs für Autorinnen und Autoren», das die Münchner Verlegerin und «Federwelt»-Chefin Sandra Uschtrin in ihrem gleichnamigen  Verlag zusammen mit Co-Herausgeber Heribert Hinrichs  in diesem Frühsommer auf den Markt gebracht hat. Hinter dieser sachlichen Titelei verbirgt sich ein mächtiger Konvolut von über 700 Seiten, randvoll gefüllt mit Adresslisten, Tipps, Essays, Infos, Internet-Links, Reportagen, Autoren-Beiträgen, Abhandlungen, Musterverträgen, Schreibhilfen u.v.a. rund um den längst unüberblickbar gewordenen Themen-Komplex «Veröffentlichung von Literatur».

Sandra Uschtrin

So vielfältig wie sein Gegenstand ist denn auch das Inhaltsverzeichnis des dicken Ratgebers – um daraus nur ein paar der interessantesten Stichworte zu zitieren: «Schriftsteller-Werden und -Bleiben», «Unverlangt eingesandte Manuskripte», «Warum so viele Lyrik-Manuskripte abgelehnt werden», «Regionalkrimis», «Verlage mit historischen Romanen», «Literaturwettbewerbe», «Preise & Stipendien», «Books on demand», «Zuschuss-Verlage», «Heftromane», «Literatur-Zeitschriften», «Schreiben fürs Theater», «Hörspiel-Literatur», «Kontaktaufnahme, Anschreiben, Exposés», «Ausbildung für SchriftstellerInnen», «Geld verdienen mit Literatur», «Literatur-Marketing», «Autorenrechte», «Literarische Einrichtungen», «Übersetzungen», «Musterverträge», etc.

Sandra Uschtrins «Handbuch» geht in sein 25. Jahr - ein deutliches Indiz für das ungebrochene Interesse, das ihm inbesondere Literatur-Debütierende entgegenbringen. Doch auch erfahreneren Schreibenden hat der sowohl layouterisch wie buchbinderisch sorgfältig und ansprechend gefertigte Band mit seinem riesigen Adressen-Pool eine Menge zu bieten. Sehr nützliche Edition!

Sandra Uschtrins «Handbuch» geht mit dieser siebten und abermals deutlich ausgebauten bzw. erneuerten Auflage bereits in sein 25. Jahr – ein deutliches Indiz für das ungebrochene Interesse, das ihm inbesondere Debütierende im deutschsprachigen Literaturbetrieb entgegenbringen. Doch auch erfahreneren Schreibenden hat der dicke, sowohl layouterisch wie buchbinderisch sehr sorgfältig und ansprechend gefertigte Band mit seinem riesigen Adressen-Pool sowohl aus dem Print- wie elektronischen Bereich eine Menge zu bieten. Abgerundet wird das Kompendium durch ein umfangreiches 32-seitiges Register. Sehr zu empfehlen für alle Autorinnen und Autoren – und jene, die’s noch werden wollen. ■

Sandra Uschtrin / Heribert Hinrichs, Handbuch für Autorinnen und Autoren – Informationen und Adressen aus dem deutschen Literaturbetrieb und der Medienbranche, Uschtrin Verlag, 704 Seiten, ISBN 978-3932522147

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Inhaltsverzeichnis (pdf)

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Das komplette 32-seitige Register (pdf)

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Das klassische Glarean-Tangram (12)

Veröffentlicht in Denksport, Rätsel, Spielwiese, Tangram von Walter Eigenmann am 27. Juli 2010

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Legen Sie mit den Tangram-Elementen die folgende Figur

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Lösung: —>(weiterlesen…)

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Das Tangram-Puzzle

Das Tangram (auch Siebenschlau oder Weisheitsbrett genannt) ist ein altehrwürdiges chinesisches Geometrie-Spiel: Aus nur sieben Steinen eines Quadrates, nämlich fünf Dreiecken, einem Quadrat und einem Parallelogramm lassen sich die vielfältigsten Figuren (Pflanzen, Tiere, Menschen u.v.a.) legen, wobei immer alle sieben Steine verwendet werden müssen. Sie sollen sich berühren, dürfen sich aber nicht überlappen.

Schon in der uralten Kultur Chinas bedeutete das Quadrat die reinste Form einer Fläche, in sich vollkommen, und beim Tangram wird dieses in sich ruhende Quadrat nun aufgelöst in eine endlose Bewegung, wird es durch unablässige Veränderung zum Ausgangspunkt ungeahnter Gebilde, durch das Zusammenspiel seiner festen Elemente zum Quell des Neuen.
Die ersten Tangram-Bücher wurden zur Zeit des Ch’ing-Kaisers Chia Ch’ing (1796-1820) gedruckt, die früheste uns überlieferte Tangram-Publikation dort stammt aus dem Jahre 1813, doch das Grundprinzip des Spiels dürfte im asiatischen Raum schon lange vor  Christi Geburt weit verbreitet gewesen sein. Eine frühe erste Veröffentlichung in Europa datiert aus dem Jahre 1805.

Inzwischen hat das Tangram einen wahren Siegeszug durch alle Kontinente angetreten, ist Gegenstand zahlreicher Bücher und Sammlungen geworden – und lädt unvermindert anregend und spannend ein zum Nachdenken, zum Knobeln, zum Sinnieren,  ja vielleicht gar zum Philosophieren über die ewige Veränderung des ewig Immergleichen…

Im «Glarean Magazin» finden sich regelmäßig interessante und berühmte Tangram-Aufgaben.  Dabei wird das Lege-Puzzle erleichtert, wenn man sich aus Karton die sieben Grundelemente zurechtschneidet.
Sollten unter unseren Leserinnen und Lesern vielleicht sogar Tangram-«Erfinder» sein, so sind sie freundlich eingeladen, uns ihre neuen Figuren als Grafik-Datei zu senden!  (we)

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Ein Beispiel

Legen Sie mit den Tangram-Elementen die folgende Figur

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M: Weinberg: «Sonaten für Viola solo / Sonate für Viola & Klavier»

Veröffentlicht in CD-Rezension, Christian Schütte, Fyodor Druzhinin, Mieczyslaw Weinberg, Musik, Musik-Rezensionen, Rezensionen von Walter Eigenmann am 26. Juli 2010

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Die Grenzen der Viola musikalisch ausgelotet

Christian Schütte

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Mieczyslaw Weinberg, russischer Komponist polnischer Abstammung, erlebt in diesem Sommer durchaus einen kleinen Boom. Die Bregenzer Festspiele (21. Juli bis 22. August) widmen ihm einen programmatischen Schwerpunkt: mit einem Symposium mit Vorträgen und Diskussionen zu Weinbergs kompositorischem Schaffen, vor allem aber mit der Aufführung einer Reihe von Werken: seine Opern «Die Passagierin» und «Das Porträt», Konzerte mit Orchesterwerken, Kammermusik u.v.m.
Weinberg wurde 1919 in Warschau geboren und studierte dort zunächst Klavier, bevor er 1939 in die damalige Sowjetunion übersiedelte. Er studierte bis 1941 weiter am Konservatorium in Minsk, wirkte ab 1943 als freischaffender Komponist und Pianist. Er lebte in Moskau und gehörte zu den engen Freunden Dmitri Schostakowitschs.

Auszug aus M. Weinbergs Sonate für Klarinette (Viola) und Klavier op.28

1953 wurde Weinberg, der Jude war, beschuldigt, auf der Halbinsel Krim die Gründung einer jüdischen Republik propagiert zu haben. Die Beschuldigung war jedoch vollkommen unberechtigt, Schostakowitsch setzte sich erfolgreich für Weinbergs Freilassung aus der Haft ein. Das ist nur ein Beispiel für ein insgesamt von schweren Belastungen geprägtes Leben, dem Weinberg gleichwohl eine Fülle von Werken abrang. Über 20 Symphonien, sechs Opern, eine Reihe von kammermusikalischen Werken für die verschiedensten Genres, Filmmusik u.v.m. schuf er.

Mieczyslaw Weinberg (1919-1996)

Dem Kammermusiker Weinberg widmet sich die Bratschistin Julia Rebekka Adler mit ihrer jüngsten Doppel-CD. In deren Zentrum stehen die vier Sonaten für Viola solo, daneben die Bearbeitung einer Sonate für Klarinette und Klavier sowie eine weitere Solosonate aus der Feder Fyodor Druzhinins.

Den Anfang macht die Sonate op. 28. Sie stammt aus dem Jahr 1945 und ist im Original für Klarinette und Klavier geschrieben. Der erste Satz erinnert unweigerlich an den musikalischen Stil der großen russischen Komponisten der Zeit – Weinbergs enge private Verbindung zu Schostakowitsch dürfte hier auch ihre musikalischen Spuren hinterlassen haben. Ebenso sind in den folgenden Sätzen aber Anklänge an russische und jüdische Folklore zu vernehmen, die in einer ebenso dichten persönlichen Beziehung zum Komponisten stehen. Somit ist die Sonate sicher ein probates Beispiel für Weinbergs individuellen Stil, den Julia Rebekka Adler durch einen vollen, warmen, manchmal auch schweren und schwermütigen Viola-Ton mit großer Klarheit zum Ausdruck bringt, Jascha Nemtsow begleitet sie dabei ebenso dezent wie kongenial am Klavier.

Julia Rebekka Adler mit dem Pianisten Jascha Nemtsow (Foto: Susanne Kraus, München)

Die Solosonaten für Viola geben Adler beste Möglichkeiten, das so oft im Schatten der Violine stehende und missbilligte Instrument von ganz neuen Seiten zu zeigen. Die erste, op. 107, stammt aus dem Jahr 1971 und ist Fyodor Druzhinin gewidmet.
Diese Sonate ist die einzige bislang veröffentlichte. Die Sonate Nr. 2 (op. 123) von 1978 ist dem damaligen Bratscher des Borodin-Quartetts zugedacht, die dritte (op. 135) und vierte (op. 136) von 1985 bzw. 1986 dem zu der Zeit amtierenden Solobratscher des sowjetischen Staatsorchesters. Diese sehr persönlichen Widmungen erklären einerseits die Wahl der Solosonate – so war kein Begleiter nötig – andererseits aber auch die ausgebliebene Verbreitung dieser ohnehin sehr speziellen Musik.

Alle vier Sonaten vereint ein ebenso unterschiedlicher wie Extreme einfordernder Anspruch an die spieltechnischen Fertigkeiten des Bratschers. Auch wenn Weinbergs mitunter sehr düstere und melancholische Tonsprache einen solchen Begriff fast zu verbieten scheint, sind die Sonaten in ihrem Anspruch wahre Virtuosenmusik. Keine äußere Virtuosität wird hier ausgestellt, sondern eine ganz verinnerlichte, konzentriert auf ein perfektes Beherrschen des Instruments. Auch und gerade in dieser Hinsicht beglaubigt Julia Rebekka Adler ihr ambitioniertes Projekt, sich diesen nahezu in Vergessenheit geratenen Werken anzunehmen.

Komponist und bedeutender Bratschist: Fyodor Druzhinin (1932-2007)

Ebenfalls auf der Doppel-CD eingespielt ist die Sonate für Viola solo des russischen Komponisten und Bratschisten Fyodor Druzhinin (Hörbeispiel auf Youtube), geboren 1932 in Moskau. Ab 1944 studierte er Viola an der Musikschule des Moskauer Konservatoriums, ab 1950 am Konservatorium bei Wadim Borissowski, dessen Platz im Beethoven-Streichquartett er 1964 einnahm. Später unterrichtete er selbst am Moskauer Konservatorium, dessen Viola-Abteilung er ab 1980 leitete.
Druzhinin ist Widmungsträger bedeutender Werke für Viola, u.a. Alfred Schnittkes, Grigori Frids und der Sonate für Viola Op. 147 von Dmitri Schostakowitsch, dessen letzte Komposition, die Druzhinin auch uraufgeführt hat. Neben seiner eigenen pädagogischen Tätigkeit komponierte er mehrere Werke für Viola.
Wahrscheinlich hat Weinberg Druzhinins Sonate für Viola solo gekannt, sie stammt aus dem Jahr 1959 und ist somit einige Jahre vor der Sonate entstanden, die Weinberg dem Bratscher und Komponisten widmete. Was jedenfalls den Grad an Komplexität und Anspruch an den Musiker angeht, steht Druzhinins Sonate den Werken Weinberg in nichts nach, der leidenschaftliche und versierte Bratscher, der Druzhinin Zeit seines Lebens war, klingt da mit jeder Note durch – und wird ebenso von Julia Rebekka Adler umgesetzt.

Die Einspielung dieser Weinbergschen Viola-Werke durch Julia Rebekka Adler ist eine warme Empfehlung für ausgesprochen interessierte Freunde der Bratsche, die hier durch eine vorzügliche Interpretation ein Dokument an die Hand bekommen, wie weit die Grenzen dieses Instruments verlaufen können.

Die Aufnahme ist genau zum richtigen Zeitpunkt entstanden, rückt Weinberg derzeit nicht zuletzt durch Veranstaltungen an so prominenten Orten wie Bregenz verstärkt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Gleichwohl bleibt die Einspielung vor allem eine warme Empfehlung für ausgesprochen interessierte Freunde der Viola, die hier durch eine vorzügliche Interpretation ein eindrucksvolles Dokument an die Hand bekommen, wie weit die Grenzen dieses Instruments verlaufen können. ■

Mieczyslaw Weinberg: Sonaten für Viola solo – Sonate op. 28 für Klarinette und Klavier (Version für Viola und Klavier); Fyodor Druzhinin: Sonate für Viola solo, Julia Rebekka Adler (Viola), Jascha Nemtsow (Klavier), Doppel-Audio-CD, Neos Music & Bayerischer Rundfunk

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.Hörproben

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Themen-Links

List of violistsUlrike JaegerEcho-KlassikSulPonticello -

Das 50-Euro-Schach-Preisrätsel

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An die Schach-Freunde unter der Leserschaft richtet sich diesmal das neue «Glarean»-Preisrätsel.
Es beinhaltet sowohl einfache wie knifflige Fragen (die allerdings in unserem Google-Zeitalter
auch keine Schrecken mehr verbreiten…)

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Wer zuerst eine vollständige Lösung des Kreuzworträtsels inkl. richtiges Lösungswort präsentiert, erhält wie immer 50 Euro. Einsende-Schluss ist am 26. Juli 2010 (24 Uhr). Für die Einsendung ist die untenstehende «Kommentar»-Funktion zu benützen (Link auf eine entspr. Grafik-Datei inkl. Namensangabe). -
Viel Spaß und Erfolg!

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Rätsel zum Ausdrucken (Download pdf-Datei)

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Bis zum Einsende-Schluss ging keine korrekte Lösung ein.
(Das Rätsel wird evtl. zu einem späteren Zeitpunkt neu ausgeschrieben)

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Mehr «Brillanten».

 

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Schach-Links

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Sommer-Tanka (6)

Veröffentlicht in Japanische Lyrik, Literatur, Lyrik, Otomo no Fumimochi, Sommer-Tanka, Tanka von Walter Eigenmann am 25. Juli 2010

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Sieh, mein Garten ist

ganz in Mondenglanz getaucht -

Kuckuck, komm herbei,

wenn ein fühlend Herz du hast,

komm und singe mir ein Lied!

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Otomo no Fumimochi (8. Jh.)

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Der brillante Schachzug (69)

Veröffentlicht in Denksport, Der brillante Schachzug, Mihai Neghina, Schach, Schach-Rätsel, Schach-Studien, Schachendspiele von Walter Eigenmann am 24. Juli 2010

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Weiß zieht und gewinnt

5B1q/3N3p/p3p2p/7k/B7/5PP1/K6P/8 w

© Mihai Neghina, Studie 2010/7, Urdruck Glarean Magazin

Lösung: —>(weiterlesen…)

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Diese Studie von Mihai Neghina erscheint hier als Urdruck. Nachfolgend der originale Kommentar
des Autors als importierbares PGN-File/Chessbase —>(Copy&Paste).

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[Event "Study July 2010"]
[Site "?"]
[Date "????.??.??"]
[Round "?"]
[White "Mihai Neghina"]
[Black "White wins"]
[Result "*"]
[SetUp "1"]
[FEN "5B1q/3N3p/p3p2p/7k/B7/5PP1/K6P/8 w - - 0 1"]
[PlyCount "?"]
[TimeControl "?"]

1. Ne5 {creates the fortress around the black king, even sacrificing a piece for it.}
Qxf8 (1… Qxe5 2. Be8+ Kg5 3. f4+ Qxf4 4. gxf4+ Kxf4 5. Bxh6+ $16 {
easily winning with 2 bishops}) (1… Qf6 2. Be8+ Kg5 3. Nf7+ Kf5 (3… Kh5 4.
Nxh6+ Kg5 5. h4#) 4. Nxh6+ Ke5 5. Ng4+ $16 {fork}) 2. f4 ({Not} 2. Bc6 $2 {
letting the king escape} Kg5 3. h4+ Kf5 4. Nd7 Qb4 5. Be4+ Qxe4 6. fxe4+ Kxe4
7. Nc5+ (7. Nf6+ Kf3 8. g4 e5 9. g5 hxg5 10. hxg5 Kf4 11. Nxh7 Kf5 12. Kb3 Kg6
13. Nf8+ Kxg5 $11) 7… Kf3 8. Nxe6 Kxg3 9. h5 Kg4 10. Ng7 Kg5 11. Kb3 Kf6 12.
Ne8+ Kg5 13. Ng7 Kf6 14. Ne8+ Kg5 15. Ng7 $11 {Repetition}) 2… Qd8 {
covering both mates} 3. Bc6 {Finally, with the bishop defended and the squares
d5 and g2 covered, all White has to do is find a safe square for the king…
such as h3!!} ({Not} 3. Bd7 $2 {,as the bishop does not cover the important d5
square, nor does it control g2 (=> h3 is no longer a safe square)} Qa5+ 4. Kb3
Qd5+ 5. Kc3 (5. Kb4 Qa5+ 6. Kc4 Qd5+ $11) 5… Qc5+ 6. Kd3 Qd5+ {
draw as long as the king does not move to the 5th row and above}) ({Not} 3. Bc2
$2 Qa5+ 4. Kb2 Qb5+ 5. Kc1 Qc5 6. Kd2 Qa5+ 7. Ke3 Qc5+ {draw by perpetual,
because the king can neither abandon the bishop, nor drive it to d1}) ({Not} 3.
Kb2 $2 {Also similar for 6.Ka3 and 6.Kb3} Qb6+ 4. Kc3 Qa5+ 5. Kb3 Qd5+ 6. Ka3
Qc5+ 7. Ka2 Qd5+ {draw by perpetual check, because the king can neither
abandon the bishop, nor drive it to d1}) 3… Qd2+ (3… Qa5+ {
allows the king to reach the safety of h3 sooner} 4. Kb3 Qb6+ 5. Kc4 Qc7 6. Kd3
Qd6+ 7. Ke4 Qb4+ 8. Kf3 Qc3+ 9. Kg2 Qc2+ 10. Kh3 Qf5+ 11. g4+ Qxg4+ 12. Nxg4
$16) 4. Kb3 {the long journey starts with a single step} Qe3+ 5. Kc4 Qc1+ 6.
Kb4 Qb2+ 7. Kc5 Qa3+ 8. Kb6 Qd6 {alternative checks are just minor duals} (8…
Qa5+ 9. Kb7 (9. Kxa5 $2 {Stalemate}) 9… Qb4+ 10. Kc8 Qf8+ {
and back to mainline}) (8… Qb4+ 9. Kc7 Qe7+ 10. Kc8 {and back to mainline})
9. Kb7 ({The black a-pawn is the crucial piece that prevents a rambling queen,
and therefore should not be taken in any variation.} 9. Kxa6 $2 Qa3+ 10. Kb7
Qa7+ 11. Kc8 Qc7+ 12. Kxc7 {Stalemate}) 9… Qe7+ (9… Qb4+ 10. Kc7 Qe7+ 11.
Kc8 {and back to mainline}) 10. Kc8 Qf8+ 11. Kd7 Qg7+ 12. Kxe6 ({Minor dual}
12. Kd6 Qf8+ 13. Kxe6 {and back to mainline}) 12… Qg8+ 13. Kd6 Qd8+ 14. Kc5
Qc7 15. Kd4 Qb6+ 16. Kd3 Qb3+ 17. Ke2 Qc2+ 18. Kf3 Qd1+ 19. Kg2 Qe2+ 20. Kh3Qf1+
(20… Qxe5 21. fxe5 $16) 21. Bg2 Qe2 22. g4+ Qxg4+ 23. Nxg4 $16 {
easily winning for white} *

Mehr «Brillanten».

 

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(weiterlesen…)

Humor in der Musik (11)

Veröffentlicht in Humor, Humor in der Musik, Musik, Otto Waalkes, Video von Walter Eigenmann am 23. Juli 2010

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Otto Waalkes: Jazz-Baby

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David Gorton: «Trajectories»

Veröffentlicht in CD-Rezension, David Gorton, Michael Magercord, Musik, Musik-Rezensionen, Neue Musik, Rezensionen von Walter Eigenmann am 23. Juli 2010

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«Neue Musik» in alten Bahnen

Michael Magercord

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Die Neue Musik gibt es nun schon so lange, dass man durchaus von alter und neuester Neuer Musik sprechen kann. Doch wo verläuft die Grenze zwischen Neuer und Neuester Musik? Wie in allen Künsten sind die Schnittlinien zwischen alt und neu fließend, es lassen sich jedoch Trends und Tendenzen heraushören, die einen kommenden Umschwung andeuten. Und in jüngster Zeit scheinen vor allem die jüngeren Komponisten wieder eine erleichterte Hörbarkeit ihrer Werke anzustreben, oder anders gesagt: Es entkrampft sich einiges in der Szene der Neuen Musik.

Doch es gibt daneben natürlich noch die Exponenten der «guten alten» Neuen Musik, jene nämlich, die sich dem Experiment und der Herausforderung von Hörern und Musikern verschrieben haben, und die sich die kompositorische Freiheit nehmen, sich gänzlich dem Zwang der künstlerischen Innovation zu ergeben.
Ein Zeugnis dieser fast drei Jahrzehnte lang die Szenen bestimmenden Kompositionen legt noch einmal die CD «Trajectories» (Youtube-Video) ab – zu deutsch «Flugbahnen» -, auf der Werke der Kammermusik des britischen Komponisten David Gorton (geb. 1978) versammelt sind. Die erst jetzt veröffentlichten Aufnahmen stammen aus den Jahren 2005 und 2006, haben also nach den Maßstäben des Genres einige Zeit auf dem Buckel. Es sind Beispiele einer hochinnovativen Musik, in der alles ausprobiert wird, was klassische Musikinstrumente hergeben.

«Sphärischer Klangbrei mit Hilfe von Drittelston-Stimmung»: Partitur-Auszug von David Gortons Streichquartett «Trajectories»

Was also ist das bestimmende Element dieses ältlichen Neuen? Es ist das Detail. Jedes einzelne Werk ist eine Reihung von Kleinstkompositionen, Note für Note sind gleich wichtig. Und manches Mal werden durch eine Anhäufung von Details gerade die Details zum Verschwinden gebracht: David Gorton nutzt dazu so genannte Mikrostimmungen, läßt also die Stimmung der Instumente um einen Drittelton verschieben, woraus oftmals lediglich ein sphärischer Klangbrei wird, etwas, das man heutzutage «Soundscape» nennt. Will man als Hörer in diesen Tonlandschaften nicht völlig orientierungslos umherwandeln, ist Konzentration gefordert, um sich selbst eine hierachische Abfolge zu erstellen, die daraus schließlich ein gesamtes Stück entstehen lässt.

Neue Musik an der «Grenze des Spielbaren»: Der englische Komponist David Gorton

Der deutsche Komponist Bernd Franke hatte einmal bei einer Veranstaltung im Prager Goethe-Institut die Frage: «Wozu braucht man Neue Musik?» beantwortet mit der Gegenfrage: «Wozu braucht man Musik?» Laut Booklet der CD von David Gorton soll dessen Musik an der Grenze des Spielbaren (Hörbeispiel) gehen, hinter der sich dann ein neuer Horizont auftue. Doch stellt sich die Frage, was dahinter liegen mag: das Unspielbare, das Unhörbare, die sinnfreie Innovation also? Diese Grenze allerdings hat auch die Musik von David Gorton (Video-Hörbeispiel aus «Erinnerungsspiel») nicht überschritten, und der für den Hörer vielleicht größte Gewinn liegt darin, dass diese CD auf musikalische Weise die Möglichkeit gibt, etwas zu erfahren von der Moderne und ihrer Fähigkeit, die Konzentration und Innovation auf etwas zu verlegen, was im Grunde keine Sinnfrage zuläßt: auf Elemente, Atome, Quanten – kurz: auf Details.

«Trajetories» von David Gorton ist eine Abfolge von sehr ähnlichen Stücken der sogenannten Neuen Musik, die sich aber in den bereits alten Bahnen dieses Genres bewegt: Absolute Innovation und konzentrationsfordernde Detailfreude. Das alles gereicht - auch dank der ausführenden Musiker - zumindest phasenweise durchaus zum «Hörgenuss».

Aber es ist eben doch Musik auf dieser CD, und es sind eben doch noch Musiker, die mit herkömmlichen Instrumenten für Hörbarkeit sorgen. Ein wunderbarer Einfall ist auch die Gegenüberstellung ein und desselben Stückes, der Sonate für Cello-Solo, in zwei Varianten: einer Studioaufnahme und einem Live-Mitschnitt. Es offenbaren sich gewaltige Abweichungen der zeitlichen Betonung unterschiedlicher Passagen. Und es zeigt sich die Überlegenheit der spontanen Fassung, der gegenwärtigen Konzentration und Unwiederholbarkeit der Live-Darbietung. Auch im weichen Geigenspiel von Peter Sheppard Skaerved im Titelstück, dem Streichquartett «Trajectories», wird deutlich, dass selbst derartige Musik eben doch Musik ist. Überhaupt sind es die Ausführenden, denen wohl zu danken ist, dass die Reihung von Bruchstücken als Stücke hörbar werden. Und der Dank kommt dabei sicher nicht nur vom Hörer, sondern vom Komponisten – sollte er jedenfalls. ■

David Gorton, Trajectories: Sonate für Cello solo (Studioaufnahme), Streichquartett Trajectories, Sonate für Cello solo (Live-Mitschnitt) – Neil Heyde (Cello), Peter Sheppard Skaerved (Violine), Roderick Chadwick (Klavier), Kreutzer Quartett, Label Divine Art / Metier

Hörproben

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Internationaler Wettbewerb der Stiftung «Kreatives Alter»

Veröffentlicht in Musik, Literatur-Ausschreibungen, Literatur, Musik-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 22. Juli 2010

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Literatur, Musik und Wissenschaft von Menschen über 65

Im Turnus von zwei Jahren lanciert die Schweizer Stiftung «Kreatives Alter» ein Preis-Ausschreiben, an dem alle Menschen über 65 teilnehmen können. Von Gruppen oder Einzelpersonen eingesandt bzw. aufgeführt werden können Kultur-Werke verschiedenster Art: Romane, Kurzprosa, Theaterstücke, Lyrik, Biographien u.a. ebenso wie musikalische Kompositionen und Darbietungen, aber auch wissenschaftliche Arbeiten und Forschungsergebnisse aus sämtlichen Fachrichtungen. Einsende-Schluss ist am 30. April 2011, die weiteren Bestimmungen sind hier nachzulesen. ■

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Internationaler Gitarren-Kompositionswettbewerb

Veröffentlicht in Musik, Musik-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 22. Juli 2010

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Gesucht: Hochwertige Stücke für Gitarren-Ensemble

«Wegen des Bedarfs an hochwertigen Kompositionen für Kinder-Gitarrenensembles» wird im Rahmen der «Dritten Gitarrentage für Kinder und Jugendliche im Saarland» ein Internationaler Gitarren-Kompositions-Wettbewerb ausgerichtet. Eingereicht werden kann eine Komposition für dreistimmiges Gitarrenensemble im freien Stil für Kinder, «die sich in der Anfangsphase des Erlernens des Instrumentes befinden. Mindestens zwei der Stimmen müssen monodisch sein, und die dritte kann einige Akkorde und/oder einfache Arpeggien beinhalten. Wenn möglich sollte jede Stimme einen eigenen musikalischen Sinn haben. Die Komposition kann zudem eine fakultative vierte Stimme haben, die sich für Schüler eignen soll, die unter dem allgemeinen Niveau der Gruppe sind.» Die Komposition muss eine Dauer von mindestens drei und maximal sechs Minuten haben und noch unveröffentlicht sein. Einsende-Schluss ist am 15. Dezember 2010, die weiteren Details sind hier zu entnehmen. ■

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Lyrik-Wettbewerb der «Brentano-Gesellschaft»

Veröffentlicht in Literatur-Ausschreibungen, Literatur, Literaturwettbewerbe von Walter Eigenmann am 22. Juli 2010

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Gedichte für die «Frankfurter Bibliothek 2011»

Für ihre «Frankfurter Bibliothek 2011» sucht die deutsche «Brentano-Gesellschaft» unveröffentlichte Gedichte. Pro Autor/in kann maximal ein Gedicht von höchstens 20 Zeilen Länge online eingesandt werden in den drei Kategorien: A) Frei wählbares Thema, B) Thema «Das Brot» und C) Thema «Die Illusion». An der Ausschreibung kann sich jedermann beteiligen; die Teilnahme ist kostenfrei (exkl. Rückporto) und mit keinerlei Verpflichtung verbunden. Einsende-Schluss ist am 1. Oktober 2010, die weiteren Einzelheiten finden sich hier. ■

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Elmar Hennlein: «Die Schach-Weltmeisterschaften der Frauen»

Veröffentlicht in Buch-Rezension, Elmar Hennlein, Frauen-Schach, Rezensionen, Schach, Schach-Rezension, Thomas Binder von Walter Eigenmann am 21. Juli 2010

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Umfassende Chronik des weltmeisterlichen Frauen-Schachs

Thomas Binder

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Gleich mehrfach betritt das Buch «Die Schach-Weltmeisterschaften der Frauen» von Elmar Hennlein Neuland. Der Autor hat als Literaturwissenschaftler und Theologe bisher auf anderen Gebieten gearbeitet, verfasst nun aber als passionierter Schachspieler erstmals eine Monographie zu dieser Thematik. Zugleich ist es das erste Schachbuch aus dem Wuppertaler Damen-Verlag. Somit liegt uns nun – und das ist die dritte und bedeutendste Neuerung – erstmals eine auf Vollständigkeit abzielende Darstellung zur Geschichte der Schachweltmeisterschaften der Damen vor.

Wer selbst im zeitgemäßen Medium Internet den Versuch macht, sich einen umfassenden Überblick über die nur gut 80jährige Geschichte dieser Wettkämpfe zu verschaffen, der kann verstehen, dass Hennlein von langjähriger Recherche spricht. Es ist dem Autor gelungen, die weit verstreuten Informationen zu einer chronologischen Gesamtdarstellung zu vereinen. In gedruckter Form sucht das Buch seinesgleichen und kann sich wohl als Standardwerk zur Thematik etablieren. Der Internet-Nutzer sei ergänzend auf die Webseite von Mark Weeks zur Geschichte der Schach-WM hingewiesen sowie auf die deutschsprachige Wikipedia, wo vor allem Gerhard Hund verdienst- und liebevolle Arbeit geleistet hat.

Die erste Schach-Weltmeisterin Vera Menchik im Simultan-Kampf gegen 20 Spielerinnen und Spieler (London 1931)

Elmar Hennlein widmet sich in einzelnen Kapiteln jeder der bisher 32 Weltmeisterschaften der Damen und den Titelträgerinnen von Vera Menchik bis Alexandra Kostenjuk. Zusätzlich geht er auf das Damenturnier 1897 in London ein, den legitimen Vorgänger der Weltmeisterschaften. Zu jedem Titelkampf bekommen wir die komplette Ergebnisübersicht mit Kreuztabellen oder Partielisten geboten, einschließlich der Kandidaten-Wettkämpfe (ab 1952) und Interzonenturniere (ab 1971). Bei Turnieren im Schweizer System ergänzt der Autor mit einer Kreuztabelle der oberen Turnierhälfte – ein ungewohnter und aufschlussreicher Blick auf den Turnierverlauf.

Schön, intelligent, sexy: Die amtierende Schach-Weltmeisterin Alexandra Kosteniuk

Zu den herausragenden Spielerinnen gibt es kurze biographische Details, die sich meist aber auf die Lebensdaten und die wichtigsten Turniererfolge beschränken. Etwas umfangreichere Darstellungen finden sich nur über Vera Menchik und ihre zeitweilige Rivalin Sonja Graf. Ist der Eindruck so falsch, dass die Weltmeisterinnen späterer Jahrzehnte – kommen sie aus Russland, Georgien oder China – im Vergleich zu diesen charismatischen Persönlichkeiten irgendwie austauschbar wirken?

Neben den nüchternen Ergebnissen steht jeweils eine knappe Schilderung des Wettkampfverlaufs, die allerdings kaum über das hinaus geht, was man aus den Zahlen ablesen kann. Außerdem werden zu fast jeder WM eine bis zwei entscheidende Partien in Notation und mit Diagramm dargestellt. Die Kommentare innerhalb der Partien sind knapp gehalten, können und wollen eine schachliche Analyse nicht ersetzen. Insgesamt zwölf Spielerinnen werden mit ganzseitigen, sehr gelungenen Porträt-Zeichnungen aus der Feder von Axel Hennlein «ins Bild gesetzt».
Im Anhang finden wir einige Statistiken sowie zusammengefasste biographische Daten zu knapp 100 Spielerinnen. Gewissenhaft sind an allen Stellen die verwendeten Quellen dokumentiert.


Antoaneta Stefanowa in einer Zeichnung von Alex Henlein

 

Die bisherigen Frauen-Weltmeisterinnen
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Name                   Zeitraum      Land
Vera Menchik           1927–1944     Tschechoslowakei&GB
keine Weltmeisterin    1944–1950     –
Ljudmila Rudenko       1950–1953     Sowjetunion
Jelisaweta Bykowa      1953–1956     Sowjetunion
Olga Rubzowa           1956–1958     Sowjetunion
Jelisaweta Bykowa      1958–1962     Sowjetunion
Nona Gaprindaschwili   1962–1978     Sowjetunion
Maja Tschiburdanidse   1978–1991     Sowjetunion
Xie Jun                1991–1996     China
Zsuzsa Polgár          1996–1999     Ungarn
Xie Jun                1999–2001     China
Zhu Chen               2001–2004     China
Antoaneta Stefanowa    2004–2006     Bulgarien
Xu Yuhua               2006-2008     China
Alexandra Kostenjuk    seit 2008     Russland

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Wenn man das Buch als Lektüre begreift, wird man irgendwann an einer gewissen Einförmigkeit Anstoß nehmen, die das Thema in der hier gewählten Darstellungsform nun einmal mit sich bringt. Es ist daher nicht als Lesestoff zu verstehen, sondern als Nachschlagewerk – ein Anspruch, den es hervorragend erfüllt.

Der Autor legt ein Standardwerk zu einem bislang vernachlässigten Thema vor. Jede einzelne WM wird sachlich und mit Schwerpunkt auf die sportlichen und biographischen Fakten dargestellt. Wenige Wünsche – insbesondere nach Fotos – bleiben offen. Die hochwertige äußere Gestaltung hebt das Werk vom üblichen Schachbuchmarkt ab, bedingt allerdings auch einen ungünstig hohen Verkaufspreis.

Was bleibt für den Leser an Wünschen? Da ist zunächst der vollständige Verzicht auf Fotos zu bedauern. Für den historisch kurzen Zeitraum müsste sich eigentlich genug Bildmaterial finden lassen. Jedenfalls hätten Fotos die Chance geboten, noch mehr Zeitkolorit zu vermitteln. Gleiches ließe sich vielleicht auch durch verstärkten Einsatz zeitgenössischer Zitate (aus Zeitungen – gern auch im Faksimile) erreichen. Schließlich – und das lässt sich wohl am einfachsten beheben – fehlen in allen Tabellen die Angaben zum Herkunftsland der Spielerinnen.

Das vorliegende Buch hat mit 35 Euro einen stolzen Preis. Mir scheint, dieser ist vor allem der für Schachliteratur ungewöhnlich edlen Ausstattung geschuldet. Das Lektorat hat ganze Arbeit geleistet, der Rezensent keinen einzigen Druckfehler gefunden. Leinen-Einband und sehr hochwertiges Papier ist der geneigte Schachbuch-Leser heute nicht mehr gewohnt… – und er ist wohl leider auch nicht mehr bereit, dafür zu zahlen. Hier könnte der Damen-Verlag möglicherweise am hohen eigenen Anspruch scheitern. Vielleicht kann man das Buch mit einer Auflage in Taschenbuch-Qualität für einen deutlich größeren Leserkreis attraktiv machen; verdient hätte es dies. ■

Elmar Hennlein, Die Schach-Weltmeisterschaften der Frauen, Damen-Verlag Wuppertal, 232 Seiten, ISBN 978-3-942008-00-6

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Leseproben


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Das Zitat der Woche

Veröffentlicht in Adolf Portmann, Philosophie, Wissenschaft, Zitat der Woche von Walter Eigenmann am 20. Juli 2010

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Vom Organismus als geistige Macht

Adolf Portmann

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Eingliederung in ein teilweise unbekanntes Gesamtbild – das ist eine unbequeme und unbeliebte Forderung, und doch ist sie entscheidend. Sie wird heute oft in einem erschreckenden Mass vernachlässigt. Die Bilder vom Organismus geben sich in unseren Tagen meist als rational durchschaute. Sie wollen völlig verstandene Bilder sein. Der Organismus ist in diesen Konstruktionen auf das reduziert worden, was von ihm jederzeit rational fassbar ist, und diese Auffassung beherrscht denn auch den elementaren Unterricht der Gegenwart. Die Blüte der höheren Pflanze ist in dieser Betrachtungsweise eine Bestäubungseinrichtung mit einem weit ausgebauten, farben- und düftereichen Publizitätsdienst. Das Farbenkleid eines Vogels steht etwa im Dienst der Tarnung oder der Anlockung der Geschlechter oder es vermittelt das Erkennen von Artgenossen. Der Farbwechsel eines Fisches ist ein Auslöser für soziale Beziehungen, eine Kundgabe von Stimmungen. Dass in allen diesen Fällen gerade die eigenartigsten Tatsachen der Gestalt auch noch anderen Deutungen zugänglich wären, die nicht ausschliesslich der Sphäre der puren Erhaltung der Art oder des Individuums angehören, das sei im Augenblick nur angedeutet.

Adolf Portmann (1897-1982)

Selbst Forschungsrichtungen, welche die Gestaltung des Lebendigen sehr ernst nehmen, wie die Verhaltungsforschung der neuesten Zeit, sind in manchen ihrer Varianten auf den blossen Nachweis von funktionellem Sinn der äusseren Merkmale eingeengt, sie suchen nach «Rollen» in ganz bestimmten Lebensspielen. Sie machen deshalb bewusst oder unbewusst mit bei der Reduktion der organischen Erscheinung auf bloss funktional Verstandenes.
Die Gefahr einer Gestaltauffassung, die derart auf das rational Durchschaute reduziert ist, wird in unserer Zeit noch vergrössert durch einen Umstand, der eine immer drohendere Lage schafft: der technische Ausbau der Arbeitsmethoden führt heute immer weiter weg von einer umfassenden Betrachtung der Gesamterscheinung eines Organismus. Die zwangsläufige Entwicklung lenkt ab von der Gestalt. Sie zwingt den Forscher ins Submikroskopische, in den molekularen Bereich. Die Form ist dann nur noch Funktionsträger, der als durchschaut gilt; sie ist zuweilen dem Forscher überhaupt nur noch technischer Test für Verborgenes. Dadurch wird einer Reduktion der Vorstellung vom Lebendigen Vorschub geleistet, die oft noch weit unter das geht, was zur Zeit rational verstanden wird: eine Reduktion auf blosse biotechnisch bedeutungsvolle Ausschnitte.
Denken wir nun an die Notwendigkeit der äussersten Beschränkung im Unterricht, wie sie die nahe Zukunft aus Zeitgründen immer schärfer bringen wird – wie gross ist da die Gefahr, dass wir uns mehr und mehr auf einige schematische Robotbilder des Lebendigen beschränken. Nur eine neue Auffassung vom Organismus, von der eine wirkliche geistige Macht ausgeht, könnte einem solchen Verfall entgegenwirken. ■

Aus Adolf Portmann, Wandlungen unseres Bildes vom Lebendigen, in: Wege zur neuen Wirklichkeit, Vortragsreihe, Verlag Hallwag Bern 1960

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Charlotte Thomas: «Der König der Komödianten»

Veröffentlicht in Buch-Rezension, Charlotte Thomas, Günter Nawe, Literatur, Rezensionen von Walter Eigenmann am 19. Juli 2010

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Die Welt ist eine Bühne, und unser Stück ist das Leben

Günter Nawe

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Nach den spannenden und interessanten historischen Romanen – u.a. «Die Madonna von Murano» und «Die Lagune des Löwen» – erleben wir diesmal eine ganz andere Charlotte Thomas. «König der Komödianten» heißt ihr neuer Roman und ist auf seine Art in der Tat eine Komödie. Klassisch kommt er daher, wie die alte und herrliche Commedia dell’ Arte – und hat eine Menge mit ihr gemein.
Anders auch die Erzählform. Ein Ich-Erzähler diesmal. Die Autorin nimmt sich zurück, um auf diese Weise doch wieder ihrem Helden ganz nahe zu kommen, Marco, der sich schon mal täuschen lässt von «falschen Helden, falschen Schwertern und falschen Weibern» und ihre volle Sympathie hat. Und bald auch die Sympathie des Lesers.

Historien-Roman-Autorin Charlotte Thomas in Venedig

Worum geht es? Der junge Marco verlässt sein Kloster und schließt sich einer Gruppe von Komödianten an, fahrendem Volk, das durch das Veneto zieht, um die Leute mit ihrem Spiel zu erfreuen und zu unterhalten. In dieser Truppe, ein zusammengewürfelter Haufen herrlicher Typen, die alle mehr oder weniger den bekannten Figuren der Commedia gleichen oder sie spielen, findet Marco seine Erfüllung. Schnell steigt er, der irgendwann einmal seinen «leidenschaftlichen Hang zum Schreiben» entdeckt, vom Kulissenschieber zum Theaterdichter auf.
«Die Welt ist unsere Bühne, und unser Stück ist das Leben, und wenn es sich gerade fügt, geben wir unser Spiel vor anderen zum Besten», heißt es an einer Stelle. Nun ist das Leben auf dieser Bühne nicht immer lustig. Das Repertoire an Stücken der «Incomparabili» (der «Unvergleichlichen») ist begrenzt, und meist reichen die Einnahmen auf den Straßen und Plätzen von Padua und Venedig kaum zum Leben. So kommt Marco als «Theaterdichter» gerade recht. Mit ihm kommt aber auch das Abenteuer. Denn Marcos Herkunft birgt ein für ihn selbst und dann auch für die Theatergruppe gefährliches Geheimnis.

Pantomime, Satire, Musik und Tanz in der italienischen Commedia dell'Arte (Antoine Watteau, 1720)

Diese abenteuerliche Geschichte erzählt Charlotte Thomas routiniert und sehr intelligent, mit vielen spannenden Erlebnissen und vor allem mit viel komödiantischem Geschick. So jagt, um es etwas platt zu sagen, ein «Gag» den anderen – manchmal sogar etwas zu oft.

Der Leser aber glaubt sich wirklich «im Theater», in einer herrlichen Komödie vor einer wunderbaren Kulisse, der Charlotte Thomas auch noch einen anderen Aspekt gibt. Sie erzählt ein Stück Geschichte der Commedia dell’ Arte, also ein Stück Theatergeschichte, garniert mit Zitaten und Verweisen aus zeitgenössischen Stücken. Indirekt treten auch einige Autoren auf die «Bühne»: zum Beispiel Plautus und Terenz und der unvergleichliche Shakespeare mit seinen Komödien.

Ein spannender historischer Roman, der schon wegen des Sujets eine besondere Qualität hat. Charlotte Thomas, mittlerweile in der vorderen Reihe von Autoren dieses Genres, ist es wieder einmal gelungen, eine phantasievolle Story mit interessanten historischen Fakten zu verbinden und so einen unterhaltsamen Roman zu schreiben.

Und Marco? Der Junge lernt das Leben kennen, Gefahren zu bestehen; er lernt, natürlich, die Liebe kennen. Nicht nur die komödiantischen Verwicklungen, auch die biographischen Entwicklungen bestimmen ein Leben, das er nach und nach zu meistern weiß – mit dem klassischen «Ende gut, alles gut». Und das gilt auch für den Leser dieses Romans. ■

Charlotte Thomas, Der König der Komödianten, Roman 696 Seiten, Lübbe Verlag, ISBN 978-343-103-807-1

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Leseproben

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Lyrik von Julietta Fix

Veröffentlicht in Julietta Fix, Literatur, Lyrik, Neue Lyrik von Walter Eigenmann am 18. Juli 2010

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Ein Fest

Da steht einer den du kennst
am Rand, an den Zaun gelehnt,
die Hände in den Taschen

Da streift ein leichter Wind
über den Platz und wirbelt Sand
auf bis unter die Achseln

Da duftet es nach Früchten
gebackenem Brot und Humus
auf den Bänken sitzen Fremde

Da geht dir ein Lied durch den
Kopf von irgendwoher nach irgend
wohin rutscht es weg

Da stehst du auf und lehnst dich
an den Zaun, vergräbst die Hände
in den Taschen

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Die innere Behörde

Das Sprechen ist ein Tier
und das Ofenrohr der Bote
Gestern aß ich die Krümel
vom Tisch und morgen
fange ich mit den Stuhlbeinen
an.

Als die Tage noch 24 Stunden
bargen, schliefen die dicken
Käfer in den Kacheln.
Heute sprengt die Sonne
die Panzer, lässt Luft an die
Haut.

Schwach ist das Licht, sehnig
der Bogen über den Augen. Innen
weht eine Fahne, Zeichen aus
Zeiten in denen das Wichtigste
nicht geschah. Ein Tausendfüßler
erinnert sich.

Hoch oben auf der Straße die
den roten Staub aufwirbelt zieht
eine Karawane. Esel sind stoisch.
Die Tage werden kürzer. Der Panzer
strickt sich ein neues Kleid. Außen
nichts.

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Platz

Im Vorhaus brennt die Zugluft. Kahle
Wände die Röhren unter Putz. Das Licht
scheint unerbittlich.

Silberfische in den Fugen amüsieren sich
in  kalkigem Wasser. Feste feiern wie sie fallen.

Das Tempo zeigt Geduld. In den dunklen
Treppenhäusern segeln bunte Kissen
von oben nach unten.

Platz bedeutet nicht unbedingt Platz.

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Julietta Fix

Geb. 1957 in Würzburg/D, Prosa- und Lyrik-Veröffentlichungen in Buch-Anthologien und Zeitschriften, lebt als freie Autorin und Herausgeberin von FixPoetry in Hamburg

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