Glarean Magazin

Das neue Schach-Kreuzworträtsel

Veröffentlicht in Denksport, Kreuzworträtsel, Rätsel, Schach, Schach-Kreuzworträtsel, Schach-Rätsel, Spielwiese von Walter Eigenmann am 30. Juni 2010

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Der «Glarean»-Schach-Rätselspaß

Copyright by Walter Eigenmann / Glarean Magazin 2010

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Waagrecht                                        Senkrecht

 2  Senioren-Weltmeister 1997                     1  Schach-Datenbank-Format
 7  Räumlich getrenntes Spielen                   3  Berühmter Turnierort: « ? Palmas»
 8  Abk. eines europäischen Verbandes             4  Figur in Schach-Roman von W. Heinse
 9  Geburtsland der Großmeisterin Cramling (Abk.) 5  Autor von «Die Großmeister des Schachs»
11  Spielklasse bei nationalen Meisterschaften    6  Schweizer Fischer-Biograph
13  Heimatland von Magnus Carlsen (Abk.)          8  Fernschach-Weltmeister 1976
                                                 10  Erfinder des FIDE-Rating-Systems
                                                 12  Hoher Schach-Titel (Abk.)

Die Kreis-Buchstaben nennen den schwarzen Sieger der Partie, aus der obige berühmte Opfer-Stellung stammt.
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Das Rätsel als pdf-Datei zum Ausdrucken

Lösung:—>(weiterlesen…)

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Tansman-Kompositions-Wettbewerb 2010

Veröffentlicht in Ausschreibung, Musik, Musik-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 30. Juni 2010

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Neue Orchester-Stücke gesucht

Die Alexander-Tansman-Association lanciert in Zusammenarbeit mit der Musik-Akademie Lodz einen internationalen Kompositionspreis. Eingereicht werden können neue Orchesterwerke mit einer minimalen Anzahl von 14 Instrumenten und einer maximalen Dauer von 20 Minuten. Der Wettbewerb ist mit einem Preisgeld von total 12’000 Euro dotiert. Einsende-Schluss ist am 5. September 2010, die weiteren Einzelheiten (engl.) finden sich hier.

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Mini-Groteske von Horst-Dieter Radke

Veröffentlicht in Horst-Dieter Radke, Literatur, Neue Prosa, Prosa von Walter Eigenmann am 29. Juni 2010

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Das Allerletzte

Horst-Dieter Radke

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«Wenn mir sonst nichts mehr einfällt, dann gibt es immer noch das Allerletzte!» sagte Markus.
«Das Allerletzte?» fragte Petra erschrocken und sah ihn mit großen, ängstlichen Augen an. Es war Nacht und dunkel, und sie standen neben ihrem Auto, das keinen Ton mehr von sich gab. Selbst die Zündung klickte nur noch beim Drehen des Schlüssels. Und auch die Batterie war leer und lieferte kein Licht. Laternen gab es hier draußen nicht. Außerdem war Neumond und die Wolken verdeckten die meisten Sterne.
«Ja, das Allerletzte», sagte Markus und nahm ihre Hand.
«Was ist das Allerletzte?» sagte Petra und zog ängstlich ihre Hand zurück.
Markus lachte, und das erschreckte sie mehr, als wenn er sie geschlagen oder zu Boden geworfen hätte.
«Einfach losgehen. Nicht überlegen, wohin und warum. Immer der Straße nach.»
Petra lachte erleichtert, nahm wieder seine Hand und ging glücklich mit ihm in die dunkle, unbekannte Nacht. ■

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Horst-Dieter Radke

Geb. 1953, aufgewachsen in Hamm/D, lebt heute in Lauda-Königshofen im Taubertal, arbeitet freiberuflich als Autor, Lektor und Journalist, zahlreiche Veröffentlichungen im Sachbuch-Bereich

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Thomas Mann: «Mein Wunschkonzert»

Veröffentlicht in CD-Rezension, Christian Busch, Literatur, Musik, Musik-Rezensionen, Rezensionen, Thomas Mann von Walter Eigenmann am 28. Juni 2010

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Musikalisches Vermächtnis eines «Zauberers»

Christian Busch

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Es ist kein Geheimnis, dass Thomas Manns Verhältnis zur Musik nicht nur ein inniges und intensives, ein – wie er selbst gesteht – «Liebesverhältnis» war, sondern auch eines, das in wechselseitiger Beziehung zu seinem Werk stand. Umso interessanter mutet nun die neu als CD im Hörverlag veröffentlichte Aufnahme eines 1954 – ein Jahr vor seinem Tod – von dem Autor selbst kommentierten «Wunschkonzerts» im Süddeutschen Rundfunk. Sie ermöglicht den Blick in die Schreibstube – in das Denken, Weben und Fühlen – des bedeutendsten deutschen Erzählers und mutet an wie ein musikalisches Vermächtnis des 79-Jährigen an die Nachwelt.

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Vom Dionysischen zum Apollinischen

«Weihevolles Entzücken, Erschauern und Erbeben, rauschhaftes Schluchzen»: Das Grals-Motiv aus dem Lohengrin-Vorspiel von Richard Wagner (Hörbeispiel auf Youtube)

Mit dem Vorspiel zum 1. Akt der Oper «Lohengrin» führt uns der Dichter gleich in medias res zur Hauptinspirationsquelle seines Schaffens: Richard Wagner. Erinnerungen an die ersten Besuche des Lübecker Stadttheaters werden da wach, wo der junge Mann die ersten und unauslöschlichen Eindrücke vom Gralsmotiv empfangen hatte – die gleichen, welche später die Figur des kleinen Hanno in den «Buddenbrooks» über die raue Wirklichkeit des Daseins hinwegheben: «Es war über ihn gekommen mit seinen Weihen und Entzückungen, seinem heimlichen Erschauern und Erbeben, seine plötzlichem, innerlichem Schluchzen, seinem ganzen überschwänglichen und unersättlichen Rausche…». Schon Nietzsche hatte die «opiatische, narkotische Wirkung» des Vorspiels in seiner dionysischen Gewalt erkannt, die Hannos Lebens- und Willenskraft – noch am Vorabend seines schulischen Versagens – untergraben. Wie zum Trotze beschwört Mann indes in Anlehnung an Richard Strauss das vollendete Formbewusstsein des Vorspiels, bevor er der Musik demütig weicht.

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Ut musica poesis

Das Grammophon «als ein strömendes Füllhorn heitern und seelenschweren künstlerischen Genusses»

Das pastorale Erlebnis, das Claude Debussys impressionistisches «Prélude à l’après-midi d’un Faune» in Töne fasst, stand Pate bei Hans Castorps Traum im Kapitel «Fülle des Wohllauts» aus dem Roman «Der Zauberberg». Auch hier belebt die Musik in ihrer elektrisierenden und inspirierenden Wirkung das Seelenleben eines seiner Hauptprotagonisten, dem im Stumpfsinn und in der Eintönigkeit des Davoser Sanatoriums gefangenen Castorp, dem sich ein Grammophon «als ein strömendes Füllhorn heitern und seelenschweren künstlerischen Genusses» erweist. Die Töne der völligen Selbstvergessenheit, der hohen Idylle in glänzender Natur und des absoluten Stillstands der Zeit verwandeln sich in Thomas Manns Prosa in Worte der «Fülle des Wohllauts», die der Meister mit hörbarem Genuss und entzückter Stimme vorträgt, was zur Sternstunde der Kunst selbst gerät. Wenn der «Roman eine Symphonie» (T. Mann) sein soll, werden aus Tönen Worte: Ut musica poesis.

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Bekenntnis zur Romantik

Alfred Kubins Umschlag der Erstausgabe 1903 des «Tristan» im S. Fischer Verlag

Doch vor allem – damit keine Missverständnisse aufkommen – bekennt sich Thomas Mann explizit und unmissverständlich zur Romantik und dem deutschen Lied. Franz Schuberts «Winterreise», der «schönste» Zyklus, der von der unerwiderten Liebe eines einsamen und ausgestoßenen Träumers und Wanderers in einer von restaurativer Kälte geprägten Zeit handelt, liegt da nahe, ließen sich doch wohl auch hier viele Parallelen zu Thomas Manns Biographie herstellen. Spricht aus dem eher unscheinbaren Lied Nr. 17 «Das Dorf» der verbitterte, rastlose und desillusionierte Flüchtling, dem kein Exil zur Heimat wurde?: «Ich bin zu Ende mit allen Träumen / Was will ich unter den Schläfern säumen?» Oder verklärt die Musik tatsächlich die «tiefe Melancholie und Verzweiflung» (T. Mann)?
Auch Eichendorffs von Robert Schumann im Liederkreis vertontes Gedicht «Zwielicht» gehört nicht unbedingt zu den berühmtesten, dennoch hat es sich einen Platz im Herzen des Zauberers errungen. Misstrauen, das Bewusstsein einer Übergangszeit, Bedrohung durch den Krieg prägen es. Doch wie sehr dem 79-jährigen Schriftsteller die Eichendorff’sche Dichtung der Leichtigkeit und Unbeschwertheit abgeht, verrät er – beinahe entrüstet und unwillig – im Nachsatz.

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Huldigung der Schönheit und der Form

Ein wenig ironisch erscheint es, wenn Thomas Mann sein Wunschkonzert mit einer Ouvertüre, der Leonoren-Ouvertüre Beethovens, beschließt und sich mit ihr – ganz apollinisch – der erhabenen Humanität und Brüderlichkeit der Klassik zuwendet. Auch hier hat der Held seines Romans «Dr. Faustus», Adrian Leverkühn, ein früh prägendes Fidelio-Erlebnis, das bei allen Bedenken gegen das einfach «Gute und Schöne» die letzte – wie eine Apotheose aufsteigende – Botschaft des letzte Weisheiten berührenden Autors bleibt.

Der Literat zwischen Musikern: Thomas Mann mit den Dirigenten Bruno Walter (l.) und Arturo Toscanini in Salzburg 1935

Thomas Mann – obwohl von Alter und Krankheit gezeichnet – versteht das Spiel von Offenlegung und Verschleierung, von asketischer Selbstbeschränkung und subtiler Verführungskunst einerseits und der großbürgerlichen Verantwortung des Dichterfürsten andererseits. So stellt das bewegende Dokument Thomas Manns Verhältnis zur Musik mikroskopisch und doch eindrucksvoll dar. Es offeriert mehr als nur einen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt des Zauberers, sondern stellt ein Abbild von dessen tiefer Verwurzelung in der geliebten Welt der Töne dar. Für sein Verhältnis zur Musik gilt, was für alles galt, was er liebte: «Sehnsucht ist darin und schwermütiger Neid und ein klein wenig Verachtung und eine ganze keusche Seligkeit.» (Thomas Mann, «Tonio Kröger»)

Thomas Manns «Wunschkonzert» hält als bewegendes Dokument das Verhältnis des Dichters zur Musik mikroskopisch und eindrucksvoll fest.

Dem Hörverlag sei gedankt für das umfangreiche, informative, weitere Anregungen und Quellen aufgreifende CD-Booklet sowie die Aktualisierung durch historische Aufnahmen (u.a. von Bruno Walter mit den Wiener Philharmonikern aus dem Jahre 1936) aus der privaten Plattensammlung von Thomas Mann. ■

Thomas Mann, Mein Wunschkonzert, Hörverlag, ISBN 978-3-86717-564-7

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.Hörbeispiele

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Themen-verwandte Links

Thomas Mann: BuddenbrooksMigrant Thomas Mann

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Kurzprosa von Stefanie Schaefer

Veröffentlicht in Literatur, Neue Prosa, Stefanie Schaefer von Walter Eigenmann am 27. Juni 2010

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Die Briefleserin

Meditation über ein Bild von Gabriel Metsu

Stefanie Schaefer

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Das schäumende Blau der Wellen leckte an dem Schiff. Anfangs beinahe zärtlich wie ein Hund über die zum Streicheln ansetzenden Hände seines Herrchens, doch dann immer gieriger und gieriger. Sie stand reglos da, entblößte mit der rechten Hand das Bild von dem schweren, seiden schimmernden Vorhang, im linken Arm noch den Wassereimer haltend. Stand und betrachtete die Szenerie. Stand so lange, bis sich der türkisfarbene Himmel unter ihren ahnungsvollen Blicken verdüsterte und die immer größer werdenden Wellen mit dem immer kleiner werdenden Schiff ihr höhnisches Spiel trieben.

`Wie kommt es nur, dass ich die Entfernung, die zwischen uns liegt, nicht spüre? Ich spüre sie nicht, aber ich wünschte, ich würde es tun. Ich wünschte, ich würde dich nicht in Allem, was mich umgibt, erkennen! Zum Beispiel in der Art, wie das Licht in einem bestimmten Moment  in diesen Raum fällt und ihn mit deiner Fröhlichkeit und Güte erwärmt. In diesen Raum, der sonst durch die Gegenwart deiner Frau kleiner und enger wird, als er sich anfühlt. Der gleichermaßen erdrückt wird von ihren neidischen Blicken, die sich erbarmungslos auf jeden meiner Schritte, auf jede der hunderttausend Bewegungen heften, die ich tagtäglich beim Putzen, Waschen, Bügeln und Bettenmachen verrichte. (Mit einer Anmut, die einer Dienstmagd fern ist und die ihresgleichen sucht, wie du mir einmal zugeflüstert hast.) Nur jetzt ruhen ihre schweren Augen nicht auf mir, jetzt sitzt sie keine zwei Schritte entfernt auf einem Stuhl und liest deinen Brief. Ich kann ihre Kälte auf meinem Gesicht spüren. – Was schreibst du ihr? Worte der Liebe, des Vermissens, der großen Versprechungen, die sich nie erfüllen, weil der, der verspricht, vergisst, dass die Dinge sich ständig ändern; dass nichts Bestand hat. Wie gern würde ich  sicher sein können, dass es anders ist, dass das, was ich als wirklich empfinde, auch von dir als wirklich empfunden wird!`

Ihr Blick richtete sich unversehens wieder auf das Bild: Was würde er in ihm sehen? Die leicht bewegte See, auf dessen schäumend blauen Wellenkronen ein Schiffchen tanzt oder einen durch ein schreckliches Unwetter in Not geratenen Dampfer?

Ein plötzliches Rascheln riss sie aus ihren Gedankengängen. Die Hausherrin faltete den Brief ihres sich auf einer seiner Geschäftsreisen befindenden Mannes zusammen und steckte ihn in den Umschlag zurück. Die Dienstmagd begriff dies auch sogleich als Anlass, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Behutsam ließ sie den schweren, seiden schimmernden Vorhang wieder über das Bild gleiten. Da spürte sie plötzlich eine Berührung am rechten Bein. Es schien ihr, als ob der Hund des Hausherrn über ihre Wade gestrichen wäre. Doch die Berührung erwies sich als so flüchtig, dass man sich fragen könnte, ob sie nicht  nur eingebildet war. ■

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Stefanie Schaefer

Geb. 1984 in Bühl/D, Studium der Neueren deutschen Literatur und der Romanistik (Italienisch und Französisch) in Tübingen, Promotion 2010

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Berndeutsche Aphorismen von Barbara Warmbrodt

Veröffentlicht in Aphorismen, Barbara Warmbrodt, Literatur, Lyrik, Neue Lyrik, Schweizer Literatur von Walter Eigenmann am 26. Juni 2010

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Mä cha nid so schnäu lüge wie ehrlech si.

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Mängisch brucht mä d’Lüt au nur, umnä chönne uswäg zgoh.

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Mä gschpürt meh aus mä dänkt.

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Gärn ha isch keis Müesse oder äbe grad.

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Komisch, wie eim öpper ungereinisch sympathisch isch, wenn mä vonem äs Komplimänt brchunnt.

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Villicht sett mä die usgloffene Schueh noni wägschmeisse, solang eim die neue no weh mache.

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Dr schönscht Bluemeschtruss isch dr unpflückt.

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Däheim si isch ke Ort, sondern äs Gfüehl.

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Sorry isch ä Phrase, wos eim äbe überhaupt nid leid tuet, im Gägeteil.

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Bi dä Pflanze muess mä die näh wo chöme.

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Mä verzöuht nur dene vo New York, wo au scho in New York gsi si.

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Ungfrogti Antworte si ehrlech.

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Barbara Warmbrodt

Geb. 1959 in Grenchen/CH, literarische Publikationen in Anthologien, lebt als Verwaltungsangestellte, Kunstmalerin und Schriftstellerin in Lengnau/CH

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G. Nesis & J. Alexejew: «Königsindische Verteidigung – richtig gespielt»

Veröffentlicht in Buch-Rezension, Chess, Gennady Nesis, Malte Thodam, Rezensionen, Schach, Schach-Rezension von Walter Eigenmann am 25. Juni 2010

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Interessanter Ausflug zum «Königsinder»

Malte Thodam

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Seit langer Zeit schon hat die Königsindische Verteidigung alle Schachspieler fasziniert, die mit Schwarz sofort eine unbalancierte Stellung erreichen wollen, um so den ganzen Punkt zu erkämpfen. Unvergessen bleiben die Partien Fischers und Kasparovs, denen diese Eröffnung einen Großteil ihrer Popularität verdankt. In heutiger Zeit ist es hauptsächlich Radjabov, der immer wieder neue Ideen im «Königsinder» findet, und ihn somit immer noch auf höchstem Niveau spielbar hält.
Weiß hat seit der Erfindung dieser Verteidigung im 19. Jahrhundert alles versucht, um seinen Raumvorteil in etwas Zählbares umzuwandeln. Dies hat die aktuelle Theorie in ein wahres Dickicht von Varianten geführt, in dem man schnell den Überblick verlieren kann. Um das Studium dieser klassischen Kontereröffnung zu erleichtern, hat der Fernschach-Vizeweltmeister Gennadi Nesis im Joachim-Beyer-Schachverlag das Werk «Königsindische Verteidigung – richtig gespielt» verfasst, wofür er sich den starken russischen Großmeister Jewgeni Alexejew als Co-Autor ins Boot geholt hat.

Aufgebaut ist das Buch aus insgesamt fünf Kapiteln, von denen jedes ein Hauptsystem (Fianchetto-System, Sämisch, Klassisches System, Vierbauernvariante) behandelt. Jedem Kapitel wurde eine kurze Einführung vorangestellt, die neben allgemeinen Informationen auch einige historische Fakten zu den behandelten Systemen bereit hält. Das Schlusskapitel beschäftigt sich mit den selteneren Versuchen des Weißen, etwa dem Awerbach-System (1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.Le2 0-0 6.Lg5).

Die Königsindische Verteidigung: 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6

Interessant dabei ist, dass nicht einfach die verschiedenen Varianten nacheinander «abgespult» werden, wie es in klassischen Theoriebüchern oft der Fall ist; das Buch ist eher als eine Partiesammlung aufzufassen, nicht als gängiges Eröffnungsbuch. Dabei enthält «Königsindische Verteidigung – richtig gespielt» sowohl ältere Partien als auch aktuelles Material bis 2008. Den Autoren geht es eher darum, die Ideen der Eröffnung vorzustellen, statt eine Masse an Theorie aufzubereiten. Sie führen den Leser mit Kommentaren durch die zum großen Teil wirklich sehr schönen Partien, die nicht selten durch hübsche taktischen Pointen entschieden werden.
Ein Beispiel aus der Partie Wang Yue – Ivan Cheparinow, FIDE-Weltcup Chanty-Mansisk 2007, sei hier kurz vorgestellt: In dieser Stellung nach dem 40. Zug von Weiß wäre die Umwandlung des Bauern d2 in eine Dame ein grober Fehler, da hierdurch das Dauerschach durch die weiße Dame möglich würde (40… d1 D?? 41.De7+ Kh6 42. Dg5+ Kg7 43.De7+ usw.). Doch Cheparinow spielte an dieser Stelle das starke 40… d1 S+! – der Zug gewinnt ein entscheidendes Tempo und hält den schwarzen Materialvorteil fest, gegen den Weiß kein ausreichendes Gegenspiel als Kompensation verfügt.

Fernschach-Vizeweltmeister Gennady Nesis

Abweichungen von den Textzügen bzw. Hauptvarianten der Partien werden ebenfalls durch Varianten erklärt, wobei hier (wie bereits erwähnt) keine theoretische Vollständigkeit gegeben ist. Um das Buch ohne größere Anstrengungen lesen zu können, sollte man über gewisse taktische Kenntnisse verfügen, da nicht immer alles erklärt wird, wie es z.B. in der «Starting-Out»-Reihe im Verlag «Everyman» der Fall ist. Für den fortgeschrittenen Schachfreund, der sein Wissen über die Königsindische Verteidigung aufbessern will, findet sich allerdings eine reiche Palette an interessanten Kämpfen.

«Königsindische Verteidigung – richtig gespielt» stellt kein komplettes Repertoirebuch dar, sondern ist für Schachspieler gedacht, die einen interessanten Überblick über die wesentlichen Motive dieser wichtigen Schach-Eröffnung suchen.

Wer demgegenüber ein komplettes Repertoirebuch sucht, sollte sich vielleicht doch anderweitig umschauen, da dieser Band dem versierten Turnierspieler hierfür gewiss nicht mehr ausreichen wird. Diesen Anspruch erheben die beiden Autoren jedoch auch nicht, so dass ihr Werk einen interessanten Überblick über diese theoretisch und praktisch gleichermaßen bedeutsame Eröffnung darstellt und wichtige, in ihr stets wiederkehrende Motive begreiflich macht. ■

Gennadi Nesis / Jewgeni Alexejew, Königsindische Verteidigung – richtig gespielt, 204 Seiten, Joachim-Beyer-Schachverlag, ISBN 978-3888055003

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Inhalte

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Leseproben

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Internationaler Chor-Kompositions-Wettbewerb

Veröffentlicht in Ausschreibung, Musik, Musik-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 24. Juni 2010

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Gesucht: Chorwerke mit Instrumentalbegleitung

Die New Yorker Park Avenue Christian Church schreibt anlässlich ihrer 200-Jahr-Jubiläumsfeier einen internationalen Kompositionspreis für Werke mit vierstimmig gemischten Chor und Orgel oder Kammerensemble aus. Das eingereichte Stück sollte eine Dauer von acht Minuten nicht überschreiten und noch unveröffentlicht sein. Der Preis ist mit 2’000 Dollars dotiert, die Uraufführung findet in New York statt. Einsende-Schluss ist am 1. September 2010, die weiteren Details (auf englisch) finden sich hier. ■

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Humor in der Musik (10)

Veröffentlicht in Fussball, Humor, Humor in der Musik, Michael Sens, Musik, Video von Walter Eigenmann am 24. Juni 2010

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Michael Sens: Komponistenfußball

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Georg Schroeter & Marc Breitfelder: «Sugar & Spice»

Veröffentlicht in CD-Rezension, Georg Schroeter, Marc Breitfelder, Musik, Musik-Rezensionen, Rezensionen, Stephan Urban von Walter Eigenmann am 23. Juni 2010

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Uriger Blues und Rock ’n’ Roll

Stephan Urban

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Dem Vernehmen nach sind Georg Schroeter & Marc Breitfelder aus Kiel seit mehr als 20 Jahren nicht nur in ganz Europa unterwegs, sie sind auch schon in Amerika mit großem Erfolg aufgetreten. Bei der Baltic Blues Challenge 2009 sowie der German Blues Challenge 2009 belegten sie jeweils den ersten Platz, und sie können unter anderem auch auf Auftritte mit Tony Sheridan, Gottfried Böttger oder auch Abi Wallenstein zurückblicken.
Durch die harte Arbeit an vielen Bühnenauftritten und der nötigen Professionalität wurde der Pianist Georg Schroeter zu einem der bekanntesten Boogie-Woogie- und Blues-Interpreten im deutschen Raum. Er bewegt sich traumhaft sicher durch alle Musikrichtungen, die Spaß machen; sein Spektrum reicht von Jazz und Blues über Rock ’n’ Roll und Country bis hin zum Soul. Selbst wenn er die Stilrichtungen mischt, wirkt das nicht überladen, und der geneigte Hörer muss zu dem Schluss kommen: so gehört sich das, so muss das sein!
Marc Breitfelder wiederum ist ein Meister auf der Mundharmonika; über ihn schrieb die Süddeutsche Zeitung (Zitat): «Ein Ritt durch Tonlandschaften. Nordafrikanische Alpenhornbläser tauchen in einer Oase auf, eine E-Gitarre wummert und er hat auch noch Zeit, zwischendurch mal einen kleinen Schrei ins Mikro zu stoßen. Verzweifelt hält man Ausschau nach dem Orchester. Doch es steht nur einer der weltbesten Mundharmonikaspieler auf der Bühne.»

Gewinner verschiedener Challenges: Duo Schroeter & Breitfelder

Beste Voraussetzungen also für die neue Einspielung der beiden Musiker: «Sugar & Spice». Als Gäste musizieren namhafte Musiker wie Albie Donnely, Rene Detroy, Tim Engel, David Herzel, Martin Röttger, Klaas Wendling, Söhnke Liethmann, Jan Mohr, Lars Vegas, Dirk Vollbrecht und Sven Zimmermann. Vokalistische Unterstützung liefern Anna Kaiser, Tom Ripphahn und Abi Wallenstein; produziert wurde großteils von Tom Ripphahn bzw. Georg Schroeter.

Auf den ersten Blick präsentieren uns die beiden trotz wechselnder Begleitband hier urigen Blues und Rock n’ Roll wie aus einem Guss, wobei Fremd- und Eigenkompositionen beinahe ununterscheidbar dargeboten werden. Nur die zwei Kompositionen aus John Fogerty’s Feder (Mastermind/CCR), nämlich «Long as i can see the Light» und die Schlussnummer «Who’ll stop the Rain», passen hier irgendwie nicht dazu. Denn diesen Covers fehlt die freche Lässigkeit der anderen Songs, hier wirken die Musiker, sowohl was die Darbietung als auch das Arrangement betrifft, ein wenig übermotiviert, und so beginnen diese Songs schon stark, können bald vor lauter Kraft nicht mehr gehen… Weniger wäre hier mehr gewesen.

Bei «Sugar & Spice» fehlt mir insgesamt ein wenig die Glaubwürdigkeit, die den Blues von beispielsweise John Lee Hooker oder Tony Joe White so besonders macht. Dies hier ist mit deutscher Perfektion abgekupfert, ein solides, durchaus Spaß machendes und auch zum Beinewippen animierendes Abziehbild der ganz großen Vorbilder.

«Sugar&Spice» ist ehrlicher Blues & Rock n´ Roll, der gute Laune macht, zum Mitwippen verleitet und dabei handwerklich nahezu perfekt präsentiert wird.

Aufgenommen wurde die CD im Label Analoghaus, ich hab da ein wenig geschmökert und festgestellt, dass dieses Studio über gediegenes Equipment verfügt und so ist die Aufnahme auch sehr klar und durchhörbar geworden. Aber auch diesbezüglich fehlt das letzte Quäntchen Glaubwürdigkeit: Der Sound tendiert bei höheren Lautstärken zur Lästigkeit, und richtige Klangfülle mit Saft muss man woanders suchen. Für diese Musik ist das zu hell, zu durchsichtig, es fehlt die klangliche Patina, die zu solchen Aufnahmen einfach dazugehört. Auch aufnahmetechnisch wäre hier aus meiner Sicht mehr drinnen gewesen.

Das Werk ist immerhin sowohl im CD-Format als auch als hochwertiges Vinyl-Doppelalbum (mit CD-Beigabe!) erschienen. Als alter Analog-Fan hätte ich daher gerne letztere Ausgabe zum Rezensieren bekommen, vielleicht klingt das ja entscheidend besser?

Trotzdem: die Protagonisten sind hier «wild ambitioniert» ans Werk gegangen und bieten uns eine sehr gute Scheibe mit hohem Spaßfaktor an. In Schweden sind die beiden ja schon heimliche Stars und erhoffen sich wohl mit diesem Album auch den Durchbruch auf dem heimischen Markt. Ob das gelingt, mag ich dahingestellt lassen, Richtung und Ambition stimmen jedenfalls – und mal ganz ehrlich: Man muss froh sein, dass solche Musik, solche Scheiben überhaupt noch gemacht und veröffentlicht werden! ■

Georg Schroeter / Marc Breitfelder, «Sugar & Spice», Audio-CD, Analoghaus

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Track-Liste
 1. Sugar & Spice (Schroeter, Breitfelder, Ripphahn) 3:22
 2. Can't Be Satisfied (Mc Kinley Morganfield) 4:07
 3. Palace Of The King (Nix, Russell, Dunn) 3:32
 4. Long As I Can See The Light (Fogerty) 3:52
 5. Rock'n'Roll Queenie (Schroeter) 4:12
 6. Respect Yourself (Schroeter) 4:29
 7. I Just Want To Make Love To You (Willie Dixon) 7:00
 8. Here And Now (Tom Ripphahn) 4:37
 9. Shake Your Boogie (Joseph Lee Williams) 3:32
10. Blue Bird Blues (Sonny Boy Williamson) 8:20
11. Little Piece Of Paper (Schroeter, Ripphahn) 5:45
12. The Rose (McBroom) 5:41
13. Session @ Linnemann's (Schroeter/Breitfelder/Mohr) 2:25
14. Who'll Stop The Rain (Fogerty) 4:00

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Stephan Urban

Geb. 1958, gelernter Schriftsetzer, seit 1982 in einem Versicherungskonzern in juristischer Funktion tätig, Musikenthusiast, Leseratte und technikbegeistert, vor allem im High-End-Bereich, lebt in Wien

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Das Zitat der Woche

Veröffentlicht in Literatur, Max Horkheimer, Philosophie, Politik&Gesellschaft, Zitat der Woche von Walter Eigenmann am 22. Juni 2010

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Über die Individualität

Max Horkheimer

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Max Horkheimer (1895-1973)

Die Individualität wird beeinträchtigt, wenn jedermann beschließt, sich selbst zu helfen. Indem der gewöhnliche Mensch sich von der Teilnahme an politischen Angelegenheiten zurückzieht, tendiert die Gesellschaft dazu, zum Gesetz des Dschungels zurückzukehren, das alle Spuren von Individualität tilgt. Das absolut isolierte Individuum ist stets eine Illusion gewesen. Die am höchsten geschätzten persönlichen Qualitäten, wie Unabhängigkeit, Wille zur Freiheit, Sympathie und der  Sinn für Gerechtigkeit, sind ebenso gesellschaftliche wie individuelle Tugenden.

Das vollentwickelte Individuum ist die Vollendung einer vollentwickelten Gesellschaft. Die Emanzipation des Individuums ist keine Emanzipation von der Gesellschaft, sondern die Erlösung der Gesellschaft von der Atomisierung, eine Atomisierung, die in Perioden der Kollektivierung und Massenkultur ihren Höhepunkt erreicht hat. ■

Aus Max Horkheimer, Zur Kritik der instrumentellen Vernunft, in: Vorträge und Aufzeichnungen, S. Fischer Verlag 1967

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Karin Andert: «Monika Mann – Eine Biografie»

Veröffentlicht in Buch-Rezension, Günter Nawe, Karin Andert, Literatur, Monika Mann, Rezensionen von Walter Eigenmann am 21. Juni 2010

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Das ungeratene Kind

Günter Nawe

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Im September 1934 beschrieb Katia Mann ihrem Sohn Klaus die Rückkehr der Tochter und Schwester Monika aus dem Internat Salem: «Vom Mönle (Monika – die Red.), Deiner Lieblingsschwester in ihrer Art, muß ich Dir doch wohl auch kurz berichten, um so mehr, als ihre Ankunft geradezu sensationellen Charakter trug, so überaus verschönt, gertenschlank, mit herrlichen Fladeaus versehen und mit feurigen Samzungen modisch angetan und stolz gereckt entstieg sie dem Zuge, die eigenen Geschwister erkannten sie buchstäblich nicht, aber bei näherer Bekanntschaft erwies sich die Transformation doch nur als recht äußerlich, auch bekommt ihr ja leider das Elternhaus erfahrungsgemäß nicht, und sie ist, nach dreiwöchigem Aufenthalt hier, doch ganz das alte dumpf-wunderliche Mönle, völlig unbeschäftigt, die Speisekammer bemausend (was ihrer Schlankheit abträglich ist), teilnahmslos und unbekümmert, mit bisweilen aufblitzenden Hintergründen. So wird es wohl bleiben». Mutterliebe klingt anders.
Und so ist es geblieben – nicht das Mönle, aber das Verhältnis von Monika zu Vater und Mutter und zu den Geschwistern. Sie war eindeutig das «Stiefkind» in der Familie des Großschriftstellers Thomas Mann, der Monikas Geburt einfach ignorierte, weil mit ihr «die Grenze des Lächerlichen, fürchte ich, erreicht» ist. Auch in den Forschungen um und über die Familie Mann, in der Literaturwissenschaft und in der Biografistik ist dem «vierten der sechs ungeratenen Kinder» (so Monika über sich selbst), dem «ungeliebten» Mönle, bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden.

Monika Mann in den 1920-er Jahren: «Das alte dumpf-wunderliche Mönle, völlig unbeschäftigt, die Speisekammer bemausend»

Jetzt hat Karin Andert diesem «Stiefkind», dessen 100. Geburtstags wir in diesem Jahr gedenken, eine umfassende, sehr kluge und sensible Biografie gewidmet. Übrigens: die erste überhaupt. Die Autorin verfolgt weniger chronologisch denn auf Lebensereignisse und Lebensbeziehungen bezogen den Lebensweg von Monika Mann, geboren am 7. Juni 1910 in München und gestorben am 17. März 1992 in Leverkusen. Der Biografin ist so nicht nur eine eindringliche, brillante Biografie gelungen, sondern auch ein höchst sensibles Porträt einer Frau mit den «zwei Gesichtern» (Andert). Dass Monika Mann die Sympathie der Autorin gehört, kann der Leser teilnehmend nachvollziehen. Dennoch lässt die Literaturwissenschaftlerin Karin Andert zu keiner Zeit die wissenschaftlich-kritische Distanz vermissen.

Auch aus einem anderen Grund ist diese Biografie bemerkens- und lesenswert. Hat doch Karin Andert eine Fülle bisher unbekannten Materials gesichtet und berücksichtigt. So das bisher unveröffentlichte «New Yorker Tagebuch» aus dem Jahre 1945, das dieser Biografie sowohl in deutscher als auch englischer Sprache dieser Biografie angefügt ist.Das gilt auch für das «Monika-Büchlein» der Mutter Katia Mann aus den Jahren 1910-1914.
So sehen wir jetzt deutlicher, wer diese Frau war, die – es sei noch einmal gesagt – so recht nicht zur Familie gehörte. Sie hat ihren Vater geliebt und stets die Nähe zur Mutter gesucht; auch später in ihren Schriften. Nichts davon ist ihr zurückgegeben worden. Sicher, sie war kein einfaches Kind – aber wer von den Mann-Kindern war das schon. Und so ist Monika Mann ihren Lebensweg allein gegangen. Die begabte Musikerin hat ein Klavier-Karriere abgebrochen, die späteren Veröffentlichungen der sehr talentierten Schriftstellerin  – Feuilletons, «Vergangenes und Gegenwärtiges», «Das fahrende Haus» sowie beachtete Texte in deutscher, englischer und italienischer Sprache – sind gegen den Widerstand der Familie, vor allem zum Missfallen der Schwester Erika, der Gralshüterin, erschienen.

Karin Andert

Das traumatische Erlebnis ihres Lebens war der Tod ihre Mannes Jenö Lányi. Auf der Überfahrt nach Amerika 1940 wurde die «City of Benares» von einem deutschen U-Boot torpediert und sank. Monikas Mann ertrank vor ihren Augen. Auch in dieser Situation erschreckt die Kälte, die ihr von den Eltern entgegenschlug. Es dauerte, bis sie sich gefangen hatte und an «neues» Leben denken konnte. Nach vielen Reisen und  immer neuen Wohnsitzen – ein Zusammenwohnen mit der Familie, ob mit Eltern oder Geschwistern, erwies sich als unmöglich -, nach der Emigration fand sie auf Capri nicht nur eine neue Liebe, die ihr Leben dreißig Jahr lang  bestimmen sollte, sondern auch endlich so etwas wie Heimat – real und gefühlsmäßig. Hier ist Monika Mann zu einer selbstbewussten, höchst eigenständigen Persönlichkeit geworden. Hier hat sie aber auch die gewünschte Anonymität gefunden: «Mann suchte Landschaft, Ruhe und Menschenleere. Ihr Gang nach außen waren ihre Texte», so der Verleger Nikolaus Gelpke. Und Karin Andert: «Monika Mann hatte es als schweigsame Person schwer in einer Familie, in der das gesprochene Wort eine wichtige Rolle spielte». Monika Mann reagierte mit ihren Texten.

Karin Andert ist nicht nur eine eindringliche, brillante Biografie gelungen, sondern auch ein höchst sensibles Porträt einer Frau mit den «zwei Gesichtern» (Andert). Sie stellt das Persönlichkeitsbild der Monika Mann in den Kontext der Familien- und Zeitgeschichte. Sie hat bisher unbekanntes Material gesichtet und berücksichtigt. Und sie hat das Bild von Monika Mann, diesem ungeliebte Mitglied der Familie Mann, neue und sicher gerechtere Konturen verliehen. Aus diesen und vielen anderen Gründen: lesenswert.

Karin Anderts Biografie wirft auch ein vielleicht nicht unbedingt neues, aber bezeichnendes Licht auf die übrigen Familienmitglieder dieser in jeder Hinsischt außergewöhnlichen Familie Mann. Gleichzeitig ist diese Biografie eine Art Rehabilitation dieser komplexen, oft auch widersprüchlichen Persönlichkeit.
Frido Mann, der Neffe, der Nepomuk Schneidewein aus dem «Doktor Faustus» von Thomas Mann, schrieb in seiner Autobiografie «Achterbahn» über seine Tante: «Monika ist und bleibt die Verfemteste unter allen Geschwistern, über den Tod hinaus. Auch ihre Mutter verhält sich entsprechend. Sich über Monikas Schriftstellerei herablassend, ja angewidert zu äußern, gehört die ganzen Jahre und Jahrzehnte hindurch zum guten Familienton.»
Sein Fazit über die Biografie von Karin Andert lautet deshalb: «Eine überfällige, liebevoll und akkurat durchgeführte Rehabilitation dieser allseits verfemten Verwandten». ■

Karin Andert: Monika Mann – Eine Biografie, 326 Seiten, Mare-Verlag, ISBN 978-3-86648-125-1

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Sommer-Tanka (4)

Veröffentlicht in Japanische Lyrik, Kagawa Kageki, Literatur, Lyrik, Sommer-Tanka, Tanka von Walter Eigenmann am 20. Juni 2010

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Dass ich immer noch

läse bei der Lampe Schein,

hatte ich gemeint,

als das fahle Morgenlicht

schon mein Buch erbleichen ließ.

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Kagawa Kageki (1768-1843)

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Themen-Links

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Das neue Glarean-Kreuzworträtsel

Veröffentlicht in Denksport, Kreuzworträtsel, Musik, Musik-Kreuzworträtsel, Rätsel, Spielwiese von Walter Eigenmann am 19. Juni 2010

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Der Musik-Rätsel-Spaß im Juni 2010

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Chessbase: «Fritz Beginner Edition 2010»

Veröffentlicht in Malte Thodam, Rezensionen, Schach, Schach-Programme, Schach-Rezension, Schach-Software, Schachpädagogik von Walter Eigenmann am 18. Juni 2010

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Systematische Beantwortung der Schachanfänger-Fragen

Malte Thodam

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Wenn man das Schachspiel ohne Vorkenntnisse erlernen möchte, gibt es sofort eine Vielzahl von Fragen. Diese fangen schon bei den Regeln an, die nicht immer sicher beherrscht bzw. manchmal auf kuriose Art und Weise von Laien ausgelegt werden; auch die Gangart der Figuren erfordert etwas Erklärungsbedarf, hat so ein Springer doch etwas merkwürdige Bewegungseigenschaften, wenn er schlenkernd über alle Hindernisse auf dem Brett hinweg hüpft. Dann: Wann ist eine Partie remis, was ist Zugzwang, was bedeutet es, en passant zu schlagen, und wann ist der König patt? Und auch: Die verschiedenen Mattführungen mit unterschiedlichen Materialkonstellationen müssen erst erlernt werden, um eine fast gewonnene Partie zum Sieg führen zu können.
Wenn das alles verstanden worden ist, bleibt immer noch die Frage, wie man  sein Spiel überhaupt vom ersten Zug an anlegen soll. Wohin ziehen die Bauern und Figuren, damit ihre Aufstellung Sinn ergibt?

Die «schwierigste Stellung im Schach»: Die Anfangsposition (rechts das «Fritz»-typische «Notationsformular»

Für die Beantwortung all dieser Fragen von Menschen, die das Königliche Spiel erlernen möchten, hat Chessbase nun eine «Fritz Beginner Edition» als DVD herausgebracht. In insgesamt ca. 10-stündigen Video-Lektionen werden die elementarsten Dinge auf den 64 Feldern für jeden Interessierten verständlich erläutert. Björn Lengwenus, Jugendtrainer und selbst spielstarker Amateur, beginnt sozusagen am absoluten Nullpunkt mit dem Schachbrett und führt den Novizen zu den Figuren und die ihnen anhaftenden Eigenschaften bis hin zu einem Minimum an für Anfänger gut spielbaren Eröffnungen (erklärt werden die grundlegenden Ideen einiger klassischer Eröffnungen wie beispielsweise Königsgambit, Italienisch oder Damengambit). Dabei weist er auch auf die wichtigsten Grundregeln für einen gelungenen Spielbeginn hin.

Gisbert Jacoby, ehemaliger Bundesligatrainer, zeigt danach allerhand taktische Motive bzw. deren Tücken. So wird klar, worauf im komplizierten Getümmel des Mittelspiels zu achten ist. Den Abschluss der Videoinstruktionen macht eine kurze Vorstellung elementarer Endspiele durch GM Karsten Müller. Hier werden die wichtigsten Mattführungen mit den verschiedenen Figuren gegen den einsamen König gezeigt. Gedeckte sowie entfernte Freibauern werden vorgestellt, wobei ihre Stärke vom Großmeister anschaulich verdeutlicht wird. Auch andere wesentliche Grundlagen des Endspiels wie Opposition und Dreiecksmanöver kommen nicht zu kurz – wobei Müller wie gewohnt recht schnell seinen Stoff vorträgt, so dass eventuell einmaliges Anschauen einer Videoeinheit dem Unerfahrenen noch nicht ausreicht, um alles zu verstehen, bzw. zu behalten.

Der Haupt-Screen der DVD mit seinen Verzweigungen zum «Trainer», zum Online-Server und zu den Video-Sessions

Insgesamt werden viele typische Anfängerfehler gezeigt, so z.B. das Schlagen vergifteter Bauern in der Eröffnung oder mehrfaches Ziehen mit einer Figur. Die Konsequenzen solcher Fehler werden dem Lernenden dabei klar vor Augen geführt, so dass er sie von Anfang an in seinen eigenen Partien vermeiden kann. Dazu kann der Anfänger gegen «Fritz» im Trainingsmodus antreten, wobei sich der Rechenknecht der eigenen Spielstärke anpassen lässt – wie bei Fritz eben üblich. Das Programm gibt in diesem Modus Hinweise, und Züge lassen sich zurücknehmen. Drei Monate Zugang auf dem Schach.de-Server – allerdings ohne Zugriff auf das Premium-Programm – runden die DVD ab; so kann der Schachneuling auch online erste Erfahrungen auf den 64 Feldern sammeln. Eine Datenbank mit über einer Million Partien bietet genügend Material, um von den Meistern zu lernen.

Die Spitzenspieler G. Jacoby, K. Müller B. Lengwenus führen den unerfahrenen Schach-Novizen systematisch in die Regeln und grundlegenden Techniken des Schachspiels ein - von der Eröffnung bis zum Endspiel; die neue DVD aus dem Hause Chessbase begleitet den Anfänger auf seinen ersten Schritten ins Reich des faszinierenden Königlichen Spiels.

Wer mit dem Schachspiel beginnen, aber zunächst noch keine Bücher kaufen möchte, der ist mit dieser DVD gut beraten. Sie enthält alles Nötige, um die ersten Partien mit Erkenntnisgewinn bestreiten zu können. Und auch diejenigen, die nie ernsthafter Schach gespielt haben, aber hier und da aus Spaß bereits die Holzfiguren über das Brett geschoben haben, können nun auf neue und vor allem systematische Art mit dem Schachspiel beginnen. So steht dann auch später der Hinwendung zu komplexeren Bereichen des Schachspiels nichts mehr im Wege. ■

Chessbase/Lengwenus/Lengwenus/Müller/Fritz Beginner Edition 2010, DVD-Schach-Software

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Das klassische Glarean-Tangram (10)

Veröffentlicht in Denksport, Rätsel, Spielwiese, Tangram von Walter Eigenmann am 17. Juni 2010

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Legen Sie mit den Tangram-Elementen die folgende Figur

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Das Tangram-Puzzle

Das Tangram (auch Siebenschlau oder Weisheitsbrett genannt) ist ein altehrwürdiges chinesisches Geometrie-Spiel: Aus nur sieben Steinen eines Quadrates, nämlich fünf Dreiecken, einem Quadrat und einem Parallelogramm lassen sich die vielfältigsten Figuren (Pflanzen, Tiere, Menschen u.v.a.) legen, wobei immer alle sieben Steine verwendet werden müssen. Sie sollen sich berühren, dürfen sich aber nicht überlappen.

Schon in der uralten Kultur Chinas bedeutete das Quadrat die reinste Form einer Fläche, in sich vollkommen, und beim Tangram wird dieses in sich ruhende Quadrat nun aufgelöst in eine endlose Bewegung, wird es durch unablässige Veränderung zum Ausgangspunkt ungeahnter Gebilde, durch das Zusammenspiel seiner festen Elemente zum Quell des Neuen.
Die ersten Tangram-Bücher wurden zur Zeit des Ch’ing-Kaisers Chia Ch’ing (1796-1820) gedruckt, die früheste uns überlieferte Tangram-Publikation dort stammt aus dem Jahre 1813, doch das Grundprinzip des Spiels dürfte im asiatischen Raum schon lange vor  Christi Geburt weit verbreitet gewesen sein. Eine frühe erste Veröffentlichung in Europa datiert aus dem Jahre 1805.

Inzwischen hat das Tangram einen wahren Siegeszug durch alle Kontinente angetreten, ist Gegenstand zahlreicher Bücher und Sammlungen geworden – und lädt unvermindert anregend und spannend ein zum Nachdenken, zum Knobeln, zum Sinnieren,  ja vielleicht gar zum Philosophieren über die ewige Veränderung des ewig Immergleichen…

Im «Glarean Magazin» finden sich regelmäßig interessante und berühmte Tangram-Aufgaben.  Dabei wird das Lege-Puzzle erleichtert, wenn man sich aus Karton die sieben Grundelemente zurechtschneidet.
Sollten unter unseren Leserinnen und Lesern vielleicht sogar Tangram-«Erfinder» sein, so sind sie freundlich eingeladen, uns ihre neuen Figuren als Grafik-Datei zu senden!  (we)

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Ein Beispiel

Legen Sie mit den Tangram-Elementen die folgende Figur

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Johann Sebastian Bach: «Brandenburgische Konzerte»

Veröffentlicht in CD-Rezension, Christian Schütte, Johann Sebastian Bach, Musik, Musik-Rezensionen, Rezensionen, Riccardo Chailly von Walter Eigenmann am 16. Juni 2010

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Kühl-distanzierte Makellosigkeit

Christian Schütte

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Kaum mehr zu überblicken ist die Fülle der Einspielungen der Brandenburgischen Konzerte Johann Sebastian Bachs. Riccardo Chailly hat sich mit seinem Leipziger Gewandhausorchester eine Reihe von Neueinspielungen prominenter Werke Bachs vorgenommen, eine Matthäus-Passion ist bereits veröffentlicht, ein Weihnachtsoratorium folgt.
Dass gerade dieses Orchester den wohl bedeutendsten Komponisten in der Geschichte seiner Stadt immer wieder besonders in den Fokus der künstlerischen Arbeit nimmt, scheint wie selbstverständlich. Dennoch müssen die Musiker und ihr Dirigent sich in einem schier endlos gesättigten Markt an Einspielungen behaupten.

Titelblatt der «Six Concerts Avec plusieurs Instruments» mit Widmung an den Brandenburgischen Markgrafen

Die Gruppe von sechs Konzerten BWV 1046-1051 ist ein Werkkorpus von Kompositionen unterschiedlichster Besetzung und Stilistik. Bach stellte die Sammlung 1721 zusammen und widmete sie dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt. Die Entstehungszeit der einzelnen Werke geht mit hoher Wahrscheinlichkeit schon auf Bachs Jahre in Weimar und Köthen zurück. Der heute wie selbstverständlich gebrauchte Titel «Brandenburgische Konzerte» stammt keinesfalls von Bach selbst, vielmehr führte der Bach-Biograph Philipp Spitta den Begriff in seiner Biographie, entstanden in den Jahren 1873 bis 1879, ein. Der Originaltitel lautet  «Six Concerts Avec plusieurs Instruments». Dieser Originaltitel verrät ein entscheidendes Merkmal: die von Konzert zu Konzert wechselnden Besetzungen jeweils unterschiedlicher solistischer Instrumente. Das Gewandhausorchester kommt also nicht durchgängig als geschlossener Klangkörper zum Einsatz. Die Besetzung ist ohne weiteres auf ein Kammerensemble reduzierbar, weswegen Aufführungen oftmals auch ganz ohne Dirigent auskommen.

Gilt als das älteste bürgerliche Konzertorchester im deutschen Raum: Das Gewandhausorchester Leipzig

Insgesamt ist hier eine Aufnahme von höchstem Niveau gelungen. Angefangen bei einer makellosen Tonqualität, zeigen sich vor allem die Musiker des Gewandhausorchesters den Anforderungen spieltechnisch und stilistisch bestens gewachsen. Die Aufnahme zeigt vor allem eins: Riccardo Chailly und seine Musiker streben nicht nach einem möglichst «barocken» Klang, eilen nicht einem Klangideal hinterher, das die Gepflogenheiten der Entstehungszeit der Werke möglichst treffsicher zu imitieren versucht. Das brauchen so versierte Künstler wie die Mitglieder des Gewandhausorchesters offensichtlich auch nicht, um zu einer überzeugenden klanglichen Umsetzung der sechs Konzerte zu kommen.

Die Einspielung wirkt streckenweise doch recht kühl und glatt, mitunter etwas blutleer - es gibt emotionalere Dirigate. Doch musiziert wird technisch in makelloser Perfektion - insgesamt eine Aufnahme von hohem Niveau.

Einzelne Momente als besonders gelungen oder kritisierbar aus dieser Aufnahme herauszupicken ist müßig, zu hören ist durchweg ein angemessenes Ergebnis. Doch bei aller archaischen Strenge, die Bach bereits in seine Partituren gelegt hat, wirkt die Einspielung streckenweise doch recht kühl und glatt. Die technische Perfektion vermag das einerseits auszugleichen, andererseits klingt Bach hier mitunter so blutleer, dass sofort Gedanken an im Detail vielleicht weniger ausgefeilte, aber doch emotionalere, packender Interpretationen wach werden lässt.

Der letzte Eindruck bleibt also etwas zwiespältig. Es spricht nichts gegen die Aufnahme und sie sei jedem, der sich erstmals mit den Brandenburgischen Konzerten befassen will, durchaus empfohlen. Wer die Stücke gut kennt, wünscht sich an der einen oder anderen Stelle sicher etwas mehr Inspiration, und ihnen sei ans Herz gelegt, die Aufnahmen der anderen prominenten Werke Bachs, die Chailly mit dem Gewandhausorchester bereits bei Decca veröffentlicht hat oder das plant, daraufhin ganz besonders sorgfältig zu hören. ■

Johann Sebastian Bach, Brandenburgische Konzerte, Gewandhausorchester Leipzig, Riccardo Chailly, Decca Classics

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Hörproben

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Das neue «Glarean»-Sudoku

Veröffentlicht in Denksport, Rätsel, Spielwiese, Sudoku von Walter Eigenmann am 15. Juni 2010

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Sudoku-Spaß im Juni 2010

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Pavel-Haas-Quartett: Prokofiew – Streichquartette Nr. 1 & 2

Veröffentlicht in CD-Rezension, Michael Magercord, Musik, Musik-Rezensionen, Pavel Haas Quartett, Rezensionen, Sergei Prokofjew von Walter Eigenmann am 14. Juni 2010

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Seltene gehörte Kammermusik – mit Verve gespielt

Michael Magercord

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Nun sind es schon drei CDs, die das Prager Pavel-Haas-Quartett eingespielt hat, und das innerhalb von nur vier Jahren. Benannt haben die vier jungen Musiker Veronika Jaruskova (Violine), Eva Karova (Violine), Pavel Nikl (Bratsche) und Peter Jarusek (Cello) ihre Künstlergemeinschaft nach dem tschechisch-jüdischen Komponisten Pavel Haas, der in den 20er Jahren der begabteste Schüler von Leos Janacek war, und der im Alter von nur fünfundvierzig Jahren 1944 in Auschwitz ermordet wurde.
Auf den beiden ersten, hochgelobten Einspielungen des Pavel-Haas-Quartetts befanden sich ausschließlich Streichquartette des Namensgebers und seines Meisters, allerdings waren mit diesen fünf Werken sämtliche Kompositionen der beiden für diese Instrumenten-Formation erschöpft. Was nun? Ihre Wahl für die dritte CD fiel auf Sergej Prokofiew, und es war eine gute. Allerdings hat der russische Tonsetzer nur zwei Streichquartette geschrieben, so dass sein Duo für zwei Violinen die Einspielung komplettieren konnte, womit das Kammermusik-Reportoire dieses Komponisten für diese Instrumente ebenfalls ausgeschöpft ist.

Als ungewollter Protagonist der «Sowjet-Musik» im Schatten von Schostakowitsch stehend: Sergej Prokofiew (1891-1953)

Prokofiew steht immer ein wenig im Schatten des fünfzehn Jahre jüngeren Dimitri Schostakowitsch, und das zu Recht und Unrecht zugleich. Beide galten als ungewollte Protagonisten der sowjetischen Musik, beide hatten unter dem starken kulturpolitischen Interesse Stalins zu leiden, der der klassischen Musik – durchaus als ihr Kenner – eine ungeheure Wirkung zumaß. Es mag heutezutage seltsam anmuten, dass Diktatoren glauben konnten, eine Symphonie oder gar ein Streichquartett könnte ihre Macht gefährden. Jede aufs Papier gesetzte Note war immer auch eine politische Tat, womit beide Komponisten auf ihre Weise umzugehen versuchten.

Prokofiew als Ideenspender für andere Sowjet-Komponisten: Manuskript-Anfang der 7. Sinfonie

Schostakowitsch entwickelte unter dem Zwang der politischen Überhöhung kulturellen Ausdrucks die Überlebenstechnik der Ummäntelung seiner innerlicher Zerrissenheit zu einer bislang unerreichten Meisterschaft. Durch die Schaffung von beständig aufstrebenden Sequenzen riss sich jedem, der es hören wollte, der Abgrund um so tiefer auf. Der eher schlichte und – wie etwa der Cellist Mstislav Rostropowitsch sagt – offene und naive Mensch Prokofiew verbarg seine Befindlichkeiten gar nicht erst und verschaffte sich auf diese Weise seine Freiräume. Seine dadurch etwas unverfrorene Herangehensweise ließ Werke entstehen, die anderen – nicht zuletzt auch Schostakowitsch – als Ideenspender große Dienste leisten sollten, und das selbst in der von ihm nur gelegentlich geübten Kammermusik.

Zwischen Donald Duck und Sergei Prokofjew: CD-Promotion des jungen Pavel-Haas-Streichquartettes bei Youtube

Der junge Prokofiew verbrachte 18 Jahre zunächst in Amerika und dann in Frankreich, bevor er 1936 in die Sowjetunion zurückkehrte. Sein erstes Streichquartett entstand 1930 noch in den USA, das Violinen-Duo zwei Jahre später in Paris, das zweite und letzte Streichquartett schließlich im Herbst 1941 in einer Künstlerkolonie fern der Front im Nordkaukasus, wohin Stalin alle maßgeblichen Komponisten beordert hatte und Werke zur Erbauung der vom «Großen Vaterländischen Krieg» geschundenen Bevölkerung schreiben ließ. Das erste Streichquarettt war eine Auftragsarbeit für die Library of Congress in Washington, und hätte dort durchaus in die Lehrbuch-Abteilung eingereiht werden können, entspricht ihre Form doch ganz und gar den klassischen beethovenschen Vorgaben für das Genre. Das Violinen-Duo sollte der Herausforderung trotzen, ein Werk für diese Besetzung zu schaffen, das zehn bis fünfzehn Minuten dauert und – wie der Meister betonte – trotzdem nicht langweilt. Und schließlich steht das Kabardinische Streichquartett für die moderne Umsetzung der stalinschen Kriegs-Kultur-Direktive: Macht echte Volksmusik! Jedem der drei Sätze liegt ein Lied des Kaukasusvölkchens zugrunde, das in der unmittelbaren Umgebung der Komponisten-Kolonie lebte, entsprechend rauh, doch hochdynamisch und ebenso lyrisch ist die Musik.

Das Pavel-Haas-Quartett hat mit der Auswahl dieser leider nur selten gespielten Prokofiew-Stücke seine bislang interessanteste CD vorgelegt. Die vier jungen Musiker gehen sehr engagiert zu Werke, bei aller Verve bleiben sie aber immer exakt und pointiert.

Das Pavel-Haas-Quartett hat mit der Auswahl dieser leider nur selten gespielten Stücke seine bislang interessanteste CD vorgelegt. Die vier jungen Musiker gehen ja immer sehr engagiert zu Werke. Manche Kritiker meinen gar die Funken sprühen oder die Fetzen fliegen zu sehen, und das selbst auf CD-Einspielungen. Bei aller Verve bleiben sie immer exakt und pointiert, und alles kommt schnörkellos und direkt vom Studio ins Wohnzimmer. Manches Mal wünschte man sich vielleicht vor allem im zweiten Streichquartett, dass der ein oder andere Höhepunkt des an Höhepunkten reichen Werkes nicht bis zum letzten ausgespielt und durch eine bloße Andeutung in noch höhere, nämlich unhörbare Höhen getrieben worden wäre. Doch dann würde es nicht mehr unbedingt Musik von Sergej Prokofiew sein, sondern schon fast welche – wenn auch im umgekehrten Sinne – von Dimitri Schostakowitsch… ■

Sergej Prokofiew, Streichquartette Nr. 1&2 / Sonate für 2 Violinen, Pavel-Haas-Quartett, Supraphon SU 3957-2

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Hörproben

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Das Zitat der Woche

Veröffentlicht in Literatur, Nikos Kazantzakis, Philosophie, Zitat der Woche von Walter Eigenmann am 13. Juni 2010

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Über das Paradies

Nikos Kazantzakis

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Als ich erwachte, mochte es Mittag sein. Ich blickte mich überall um. Was gab es nicht alles zu sehen! Ein kleines sauberes Zimmer mit Lehnstühlen, einem Waschtisch, Seife, Flaschen, Fläschchen, großen und kleinen Spiegeln. An den Wänden hingen bunte Kleider und eine große Menge Fotografien – Matrosen, Offiziere, Kapitäne, Polizisten, Tänzerinnen, halbnackte Frauen. Und neben mir im Bett lag warm, duftend, mit verwühltem Haar das weibliche Geschlecht.
He, <Sorbas>, flüsterte ich und schloß die Augen, <du kamst schon bei Lebzeiten ins Paradies. Hier ist es gut sein, hier bringen dich keine zehn Pferde weg.>

Nikos Kazantzakis (1883-1957)

Wie ich dir schon früher erklärte, hat jeder Mensch sein eigenes Paradies. Deins ist mit Büchern und großen Tintenflaschen vollgestopft. Für einen anderen besteht es aus Fässern voll Wein, Uso und Kognak. Einem dritten bedeuten ganze Berge von englischen Pfunden das Paradies. Mein Paradies ist jetzt ein kleines Zimmer mit bunten Röcken, Parfüms und wohlriechender Seife, ich liege in einem breiten Bett mit Sprungfedern und das weibliche Geschlecht mir zur Seite.

Aus Nikos Kazantzakis, Alexis Sorbas, Roman, Rowohlt Verlag 1976

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