Duden: «Wer hats gesagt?» – Zitate & Redewendungen
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«Jetzt geht mir ein Licht auf»
Walter Eigenmann
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Es gibt Zitate und Redensarten, die kennt einfach jeder (oder sollte jeder kennen): Beispielsweise ist «Errare humanum est» (Hieronymus: Briefe), «Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach» (Bibel: Matthäusevangelium), «Was mich nicht umbringt, macht mich stärker» (Nietzsche: Götzen-Dämmerung), «In vino veritas» (Alkaios: Fragmente) «Liebe macht blind» (Platon: Dialoge), «Wie sag ich’s meinem Kinde?» (Deutscher Aufklärungsfilm 1970) oder «Es geht mir ein Licht auf» (Hiob & Psalm 97) so häufig in aller Munde, dass buchstäblich vom «Volksmund» geredet werden kann.
Weniger geläufig im Leben neuzeitlicher Gesellschaften sind da schon Wendungen wie «Im Anfang war die Tat» (Bibel: Johannesevangelium), «Kritik des Herzens» (Wilhelm Busch: Gedichte), «Cogito ergo sum» (Descartes: Principia philosophiae), «Getretner Quark wird breit, nicht stark» (Goethe: Westöstlicher Diwan) oder «Non liquet» (Cicero: Reden). Und vollends unbekannt sind heutzutage solche einst sehr gebräuchlichen Zitate wie «Es war die Nachtigall und nicht die Lerche» (Shakespeare: Romeo und Julia), «Friede den Hütten! Krieg den Palästen!» (Rosa Luxemburg: Die Russische Revolution) oder «Hic Rhodus, hic salta!» (Äsop: Fabeln).
Eine Buch-Neuheit in der Reihe «Allgemeinbildung», die 500 solcher berühmten Zitate und Redewendungen von Religionsstifter Jesus («Ich bin das A und O») über Revolutionär Lenin («Die Wahrheit ist immer konkret») bis hin zu Trainer Trapattoni («Ich habe fertig!») versammelt, präsentiert nun die deutsche Duden-Redaktion. Unter dem Titel «Wer hats gesagt?» klärt sie dabei Herkunft bzw. Quellen der Wendungen auf, erläutert ihren tradierten Gebrauch, geht nötigenfalls auf ihre weiterführende Bedeutung im modernen Alltag ein, streift auch etwaige semantische Transformationen im Laufe der Jahrhunderte.
Über Details solcher Zusammenstellungen, zumal bei deren erklärtem Ziel, «Kluges und glaubwürdiges Zitieren» zu erleichtern, lässt sich immer streiten, und ob beispielsweise die Sprachprobleme eines Fußballtrainers (s.o.) – so witzig und bekannt das ist – tatsächlich in den Olymp der «500 berühmten Zitate und Redewendungen» eines renommierten Duden-Verlages gehievt werden sollen, ist Geschmacksache. Auch wünschte man dem immerhin 224-seitigen Band über seine simple alphabetische Reihung hinaus eine zumindest grobe thematische Gliederung. Und schließlich hätte der lexikalischen «Bleiwüste» dieses Buches die eine oder andere Illustration gut getan.
Aber das sind unterm Strich Marginalien, für die eine breite und abwechslungsreiche Zitaten-Palette, redaktionell sehr sorgfältig recherchierte sowie detailliert ausgearbeitete Definitionen, Quellenhinweise und semantische Verknüpfungen mehr als entschädigen. Wer also seine Allgemeinbildung in Sachen Zitate erweitern, die eine oder andere entfallene Wendung neu recherchieren oder einfach seinen bildungsbürgerlichen Wortschatz zwecks Angeberei etwas auf Vordermann bringen will, kommt mit dieser Duden-Novität voll auf seine Kosten. ■
Duden, Wer hats gesagt? – Berühmte Zitate und Redewendungen, 224 Seiten, ISBN 978-3-411-74131-1
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Leseproben
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Das Zitat der Woche
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Von der Literaturwissenschaft und ihren Schriftstellern
Gerhard Köpf
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Als Schriftsteller brauche ich die Literaturwissenschaft nicht. Ziel der Wissenschaft ist nichts anderes als das Herleiten von Gesetzmäßigkeiten aus Vorhandenem. Diese Gesetzmäßigkeiten gelten weder noch taugen sie für den Schriftsteller. Er kann als Gesetz nur akzeptieren, was er mit jedem Werk neu erschaffen muß. Die Bemühungen der Literaturwissenschaft kümmern den Schriftsteller nicht. Sobald er aber beginnt, über Literatur zu schreiben, sitzt ihm sogleich die Literaturwissenschaft im Genick. Für sie ist mein Roman ein Objekt – nicht so für mich, den Schriftsteller, der ihn geschrieben hat. Mein Verhältnis zu ihm ändert sich. Ich setze mich zu ihm vor allem dann in ein anderes Verhältnis, sobald ich Raum schaffen muß für einen neuen Roman: Der Literaturwissenschaftler blickt nur auf das Resultat.
Mir ist dagegen die Prozessualität hinter dem nunc stans wichtig – und das Werkstattgespräch mit Kollegen, wenn wir uns gemeinsam Texte vorlesen, an denen wir arbeiten, die weder abgeschlossen noch publiziert sind. Der Weg ist das Ziel. »Mit seinen Erfindungen, für die es leider kein Patentamt gibt, begegnet der Schriftsteller den schallenden Ohrfeigen vollendeter Tatsachen. Vollendete Tatsachen sind eine Ungeheuerlichkeit für einen kreativen Menschen. So erfinden wir uns halt von Geschichte zu Geschichte durchs Leben, wir Gaukler.« (Hermann Burger, Hölderlin-Preisrede 1983)Ich fürchte, es gibt nur sehr wenig Literaturwissenschaftler, die eine Ahnung haben von der Not des Schriftstellers beim Schreiben. Das Schreiben, das Erzählen, das Erfinden ist der primäre Akt. Literaturwissenschaft handelt stets von oder über, leitet Regeln und Gesetze aus Kunstwerken ab – und mögen diese noch so abstrakt sein: die Literaturwissenschaft nährt sich von der Literatur und von den Schriftstellern, was etliche Literaturwissenschaftler in ihrer Wissenschaftlichkeitshybris und Theorielüsternheit vergessen haben.
Hier soll nicht theoretisches Denken verteufelt, hier soll lediglich festgestellt werden, daß die Wissenschaft von der Literatur von Haus aus ein sekundäres Unterfangen darstellt und bestenfalls dienende Funktion beanspruchen darf. Sekundärliteratur wird Primärliteratur für Sekundärliteraten – womit ich wieder beim Autoritäts-Syndrom alles Sekundären bin, das Tyrannen zeugt oder Gläubige. Auf den schöpferischen Akt kommt es dem Schriftsteller an, nicht dem Literaturwissenschaftler. Mit den Worten Friedrich Dürrenmatts heißt dies: »Mit allem Nachdruck möchte ich bemerken, daß die Kunst, Theaterstücke zu schreiben, nicht unbedingt mit der Planung eines bestimmten Kindes anfängt, oder wie sich der Eunuch die Liebe denkt, sondern mit der Liebe, die der Eunuch nicht kann.« (Theater – Essays, Gedichte und Reden 1980) ■Aus Gerhard Köpf, Zwitter im Korsett, in: Literatur und Lernen – Zur berufsmäßigen Aneignung von Literatur, Luchterhand Verlag 1985
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Themenverwandte Seiten
Literaturkritik in der Kritik – Angst vor der Wissenschaft – Hartling: Der digitale Autor – Turgenjew – Colloquium: Neue Medien der Lyrik – Universitätsalltag (erlebt) – Hassrasslerin – Wissenschaftler sollen Bücher schreiben – Hilft das Internet beim Bücherschreiben? -
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Das klassische Glarean-Tangram (9)
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Legen Sie mit den Tangram-Elementen die folgende Figur
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Lösung: —>(weiterlesen…)
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Das Tangram-Puzzle
Das Tangram (auch Siebenschlau oder Weisheitsbrett genannt) ist ein altehrwürdiges chinesisches Geometrie-Spiel: Aus nur sieben Steinen eines Quadrates, nämlich fünf Dreiecken, einem Quadrat und einem Parallelogramm lassen sich die vielfältigsten Figuren (Pflanzen, Tiere, Menschen u.v.a.) legen, wobei immer alle sieben Steine verwendet werden müssen. Sie sollen sich berühren, dürfen sich aber nicht überlappen.
Schon in der uralten Kultur Chinas bedeutete das Quadrat die reinste Form einer Fläche, in sich vollkommen, und beim Tangram wird dieses in sich ruhende Quadrat nun aufgelöst in eine endlose Bewegung, wird es durch unablässige Veränderung zum Ausgangspunkt ungeahnter Gebilde, durch das Zusammenspiel seiner festen Elemente zum Quell des Neuen.
Die ersten Tangram-Bücher wurden zur Zeit des Ch’ing-Kaisers Chia Ch’ing (1796-1820) gedruckt, die früheste uns überlieferte Tangram-Publikation dort stammt aus dem Jahre 1813, doch das Grundprinzip des Spiels dürfte im asiatischen Raum schon lange vor Christi Geburt weit verbreitet gewesen sein. Eine frühe erste Veröffentlichung in Europa datiert aus dem Jahre 1805.
Inzwischen hat das Tangram einen wahren Siegeszug durch alle Kontinente angetreten, ist Gegenstand zahlreicher Bücher und Sammlungen geworden – und lädt unvermindert anregend und spannend ein zum Nachdenken, zum Knobeln, zum Sinnieren, ja vielleicht gar zum Philosophieren über die ewige Veränderung des ewig Immergleichen…
Im «Glarean Magazin» finden sich regelmäßig interessante und berühmte Tangram-Aufgaben. Dabei wird das Lege-Puzzle erleichtert, wenn man sich aus Karton die sieben Grundelemente zurechtschneidet.
Sollten unter unseren Leserinnen und Lesern vielleicht sogar Tangram-«Erfinder» sein, so sind sie freundlich eingeladen, uns ihre neuen Figuren als Grafik-Datei zu senden! (we)
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Ein Beispiel
Legen Sie mit den Tangram-Elementen die folgende Figur
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Sudabeh Mohafez: «brennt»
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«Der Feuerwehrmann, den ich küssen werde…»
Karin Afshar
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Es ist die Erzählperspektive, mit der eine Geschichte steht oder fällt. An ihrer Wahl zeigt sich, ob ein/e Erzähler/in die Fäden in der Hand hält und seinen/ihren Stoff beherrscht.
Sudabeh Mohafez hat in ihrem neuen Roman «brennt» die Ich-Perspektive gewählt und setzt diese beeindruckend ein. In ihrem Ich wohnen noch weitere Ichs, die der Leser als Pia und Jens kennen lernt. Außerdem ist da Hjartan (was auf Isländisch Herz heißt), der durch Manés Gedanken und Leben geistert. Er spricht jedoch nicht. Dass er tot ist, ist kein Geheimnis, wohl aber, unter welchen Umständen er gestorben ist, und vor allen Dingen: mit welchen Folgen für Mané. Beides bleibt bis kurz vor Ende der Erzählung im Dunkeln.
Zwei Feuerwehrmänner spielen eine Rolle: der eine rettet bei dem Hausbrand – mit dem die Geschichte einsetzt und bei dem Mané alles verliert – die Nachbarin, der andere rettet die Katze und zeigt Mané die dünne Grenze zwischen Leben und Tod auf. Der Brand ist Rahmengeschichte, nicht Ursache, sondern Bereinigung der Vorgeschichte, und in die wird der Leser zusammen mit Mané nun wie auf einer Feuerwehrleiter Schritt für Schritt auf den festen Boden zurückgeführt.
Den Boden hat die Protagonistin nämlich verloren, und sie ist dabei, verrückt zu werden. Ein traumatisches Ereignis muss es vier Jahre zuvor gegeben haben; es hat Manés Herz eingefroren und in einen Zustand versetzt, in dem sie bis jetzt gut funktioniert hat. Den Zustand übrigens, um den es hier geht, bezeichnen Kliniker mit dem Begriff «Posttraumatische Belastungsstörung». Im Feuer verglüht, verraucht und zerschmilzt ihre Mauer, und die Schleusen öffnen sich. Feuer wird von jeher die reinigende Wirkung zugedacht – hier ist es die Katharsis.
Die Erzählung ist mit Abstand und Beteiligung geschrieben, sie ist unsentimental und doch genau deshalb betroffen machend. Die Dramaturgie mit einer Peripetie ebenso wie mit der Katastrophe inszeniert, die Namenwahl der Personen, die Hinweise – es gibt davon etliche, die ich hier nicht verrate – legen dem Leser eine Spur. Sudabeh Mohafez liebt die Doppelpunkte. Sie bedient sich eines gesprochen-sprachlichen Stils, eines stetigen Bewusstseinsstroms mit fragmentarischer Gefühls- und Gedankenwelt, sie ist sprunghaft, unterbrochen und voller Angst – voller Fauchen.
Etwa in der Mitte des Buches «hat» sie den Leser: er ist eingetaucht in das Ringen um Klärung, die Aufarbeitung des Vergangenen und das Manövern an einer Grenze entlang. Nicht wenige Menschen kennen an sich selbst ähnliche Zustände, ähnliche Erfahrungen. Vermutlich sind die die begeistertsten Leser, die bei geklärtem Verhältnis zum Leben, bestätigen, in welche Höllen man absteigen kann. Jene aber werden das Buch fortlegen, die noch nicht einmal begriffen haben, dass sie in einer Hölle leben.
Es gibt viele lebenskluge, lebensweise Bilder in der Geschichte (außer von Geräuschen lebt diese von den Bildern). Eines der ersten, dem der Leser begegnet, ist besagte Szene, in der der Feuermann eine Frau aus dem oberen Stock an Mané vorbei auf der Leiter nach unten schützt. Er legt die Arme um sie, ohne sie zu berühren. Er treibt sie nicht zur Eile an, er mahnt nicht, sondern «tanzt» mit ihr. Das ist der Moment, in dem Mané weiß, dass sie diesen Feuerwehrmann küssen wird. Es ist diese Szene, die die Farbe Rosa des Einbands und den Namen Hjartan erklären – oder umgekehrt. Abgesehen davon, dass es ums Verrücktwerden geht, geht es um Liebe!
Sudabeh Mohafez wurde 1963 in Teheran geboren und lebt heute in Stuttgart. Sie ist die Tochter einer deutschen Mutter und eines iranischen Vaters. In ihrem Elternhaus wurde Deutsch, Persisch und Französisch gesprochen. Seit 1979 lebt sie in Deutschland. Nach dem Studium der Musik, Anglistik und Erziehungswissenschaften war sie jahrelang Leiterin eines Frauenhauses. «Wüstenhimmel, Sternenland» erschien 2004, im nächsten Jahr folgte der Roman «Gespräch in Meeresnähe». 2006 erhielt sie den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis. Mohafez wurde von Klaus Nüchtern für den Ingeborg-Bachmann-Preis 2010 vorgeschlagen. ■
Sudabeh Mohafez, brennt, Roman, 208 Seiten, Dumont Verlag, ISBN 978-3-821-9573-1
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Leseproben
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Das Zitat der Woche
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Borges und ich
Jorge Luis Borges
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Dem anderen, Borges, passiert immer alles. Ich schlendere durch Buenos Aires und bleibe stehen, vielleicht schon unwillkürlich, um einen Bogengang und die Gittertür zu betrachten; von Borges erhalte ich Nachrichten durch die Post und lese seinen Namen in einem Professorenkolleg oder in einem biographischen Lexikon. Ich mag Sanduhren, Landkarten, die Typographie des 18. Jahrhunderts, Etymologien, das Aroma von Kaffee und Stevensons Prosa; der andere teilt zwar diese Vorlieben, aber in aufdringlicher Art, die sie zu Attributen eines Schauspielers macht.
Es wäre übertrieben zu behaupten, daß wir auf schlechtem Fuß miteinander stünden; ich lebe, ich lebe so vor mich hin, damit Borges seine Literatur ausspinnen kann, und diese Literatur rechtfertigt mich. Ich gebe ohne weiteres zu, daß ihm hie und da haltbare Seiten gelungen sind, aber diese Seiten können mich nicht retten, vielleicht weil das Gute schon niemandem mehr gehört, auch nicht dem anderen, sondern der Sprache oder der Tradition. Im übrigen ist es mein Los, mich zu verlieren, unwiderruflich, und nur irgendein Moment von mir wird in dem anderen überleben können.
Allmählich trete ich ihm alles ab, obwohl ich seine perverse Art des Verfälschens und Vergrößerns kenne. Spinoza meinte, daß alle Dinge in ihrem Sein beharren wollen; der Stein will ewig Stein sein und der Tiger Tiger. Ich muß in Borges bleiben, nicht in mir (falls ich überhaupt jemand bin), aber ich erkenne mich in seinen Büchern weniger wieder als in vielen anderen oder im beflissenen Gezupf einer Gitarre.
Vor Jahren wollte ich mich von ihm befreien und ging von den Mythologien der Vorstadt zu Spielen mit der Zeit und mit dem Unendlichen über, aber heute gehören diese Spiele Borges, und ich werde mir etwas anderes ausdenken müssen. So ist mein Leben eine Flucht, und alles geht mir verloren, und gehört dem Vergessen, oder dem anderen. ■Aus Jorge Luis Borges, Borges und ich, in: Leben schreiben, Autobiographische Texte des 20. Jahrhunderts, Fischer Taschenbuch Verlag 2003
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Sommer-Tanka (1)
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spannt der blaue Himmel sich
über Land und Meer -
Ach, ich wollt’, es wär mein Herz
auch so groß und weit und rein!
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Kaiser Meiji (1852-1912)
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Das «Glarean»-Streichholzrätsel
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Legen Sie sechs Streichhölzer so um, dass vier Quadrate entstehen
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Lösung: —>(weiterlesen…)
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Egon Wellesz: Klavierkonzert & Violinkonzert
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Musikalisches Ringen um Schönheit
Jörn Severidt
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Mal ehrlich: Wen überrascht es nicht, zu hören, dass Egon Wellesz (1885-1974) um die Mitte der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts zu den angesehensten und meistgespielten zeitgenössischen Komponisten im deutschsprachigen Raum gehörte? Und doch war dem so, Wellesz war sowohl als Komponist als auch als Musikwissenschaftler anerkannt, unter anderem entschlüsselte er als erster die byzantinische Notenschrift und galt als eine führende Kapazität in Fragen der Barockmusik.
Dann kam der Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland und der Jude Wellesz wurde über Nacht zu einem polizeilich Gesuchten, dessen als «entartet» eingestuftes Werk von allen Spielplänen gestrichen war. Wellesz ging nach England, wo er seine musikologischen Forschungen an einem eigens für ihn gegründeten Lehrstuhl an der Universität von Oxford fortsetzen durfte und weiter an seinem sowohl umfangreichen wie vielseitigen Oeuvre arbeitete. Nach dem Krieg beeilte man sich um eine Rehabilitierung des verstoßenen Sohnes, es regnete geradezu Auszeichnungen und Ehrbekundungen, doch Aufführungen des musikalischen Werkes blieben die Ausnahme.
Umso erfreulicher ist es da, dass das österreichische Label «Capriccio» nun diese künstlerisch und klanglich sehr gelungene Einspielung des Klavierkonzertes von 1933 und des Violinkonzerts von 1961 vorlegt. Anhand dieser zwei Konzerte, das frühere von gut 20, das spätere von über 30 Minuten Spieldauer, wird die künstlerische Entwicklung und Persönlichkeit des Egon Wellesz nachvollziehbar.
Die CD begann für mich mit einer echten Überraschung, denn von den ersten Tönen an erinnerte mich das Klavierkonzert in seiner unmittelbaren Bildhaftigkeit weder an Spätromantik noch an Moderne, sondern an das vierte Klavierkonzert Beethovens. Wie dieses Werk, beginnt auch Wellesz’ Konzert mit einer lyrischen, introvertiert-mäandernden Solostimme, die mit dem Orchester geradezu zu ringen scheint. Innerhalb weniger Takte identifizierte ich diese Solostimme mit einem Individuum, dem sich eine unwirtliche, von Dissonanz und Widersprüchen geprägte Welt entgegenstellt. Es entsteht das Bild eines vereinzelt umherirrenden Menschen, getrieben von der Suche nach Schönheit, aber auch nach Aussöhnung und Hoffnung. Dies sind die großen Themen Beethovens. Natürlich bricht Wellesz sie im Prisma der Erfahrungen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, sein Individuum erscheint namenlos, heimatlos, ihm fehlen der Idealismus, der machtvolle Glaube an die Möglichkeit einer heilen Welt. Doch der Konflikt an sich, das Ringen um Schönheit, sind gleich.
Dies mag manchem zu bildhaft erscheinen, doch mir drängt es sich auf, dieses Werk als Beschreibung der Lebenssituation des Komponisten zu sehen: Im Jahr 1933, dem Jahr der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland also, beginnt Wellesz’ Welt endgültig, zu zerfallen und ihrem Untergang entgegen zu streben.

«Karge, kraftvolle, dissonante, spätromantische, klar strukturierte und artikulierte Tonsprache»: Aus Wellesz' «Deutschem Lied» (R. Dehmel) für Mittlere Singstimme und Klavier (Universal Edition 1915)
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Im ersten Satz steigert sich das desorientierte Umherirren des Individuums zu einem fast panischen Ausbruchsversuch, bevor im zweiten Satz Momente der Ruhe einkehren. Das geistige Bild ist das eines Menschen, der eine hektische Großstadt hinter sich gelassen hat und nun auf die freie Flur hinaustritt. Im abschließenden, am deutlichsten spätromantisch anmutenden Satz führt Wellesz Individuum und Umgebung in einer vorwärtsdrängenden Gemeinschaft zusammen, deren innere Spannungen und Widersprüche dennoch bis zum Finale erhalten bleiben.
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Egon Wellesz: Oktett op. 67 (Kammermusikgruppe Atout)
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Musikalisch charakterisieren das Werk sowohl barocke, als auch klassische Strukturen im Orchesterteil, in denen auch in dieser Schaffensphase bereits gelegentlich an Mahler und Bruckner erinnernde Klangteppiche ausgebreitet werden. Sie kontrastieren mit der Stimme des Klaviers, in welcher klassischer Ausdruck durch die Brille der schönbergschen Formsprache gesehen erscheint. Zugegeben, Wellesz schafft hier wenig wirklich Neues, doch man muss die geistige Freiheit des Komponisten bewundern, der eklektisch auszuwählen vermag, ohne sich einer Epoche oder einer Stilrichtung völlig zu verschreiben.
Wer die Violinkonzerte von Schönberg (dessen Schüler Wellesz zwei Jahre lang war) und Berg mag, mit denen es bei seiner Uraufführung zu seinen Gunsten verglichen wurde, der sollte sich das Violinkonzert von Wellesz nicht entgehen lassen. Drei Jahrzehnte nach dem Klavierkonzert entstandenen, ist es durchdrungen vom Geist der so genannten Zweiten Wiener Schule, wenngleich es auch auffällige Unterschiede gibt. Einerseits basieren alle Sätze auf demselben Material, andererseits sind es ihrer vier, Wellesz verleiht seinem Konzert also die formale Struktur einer Symphonie.
Wellesz Tonsprache ist gleichzeitig karg und kraftvoll, dissonant und spätromantisch, dabei sowohl klar strukturiert als auch artikuliert. In den ersten drei Sätzen bleibt das Orchester als Ganzes im Hintergrund, aus dem es nur gelegentlich in bedrohlichem, teils militärisch anmutendem Aufbegehren nach vorne drängt und so den Rahmen schafft, in dem sich die Solostimmen bewegen. Solostimmen, denn es sind mehrere, mit denen die erst nach und nach Dominanz erreichende Violine in Dialog tritt. Sie alle umgibt ein Gefühl der Einsamkeit, des Strebens nach etwas Verlorenem. Erst im vierten Satz steuert die Musik einer Katharsis entgegen, wobei die Orchesterpassagen nun an Gustav Mahlers Klangwelt erinnern. Eine lange, intensive Kadenz unterbricht das eruptive Finale, dem die Violine eine Art Nachwort in den höchsten Registern hinzufügt, dessen letzte, schwebende Töne noch lange nachzuklingen scheinen, haarsträubend in ihrer emotionalen Ambivalenz – Wellesz weigert sich bis zuletzt, seine Welt zu vereinfachen oder ihre inneren Konflikte zu lösen.
Die Aufnahme ist von sehr guter Qualität. Beide Solisten überzeugen, vermögen eine spezifische Sprache zu finden, die Wellesz nicht zu weit an seine Vorbilder annähert. Auch in den virtuosesten Passagen der langen Violinkadenz bleibt der musikalische Bezug in jedem Augenblick erhalten. Das Rundfunksinfonie-Orchester Berlin verzichtet dankenswerterweise darauf, Spannung durch extreme Lautstärken zu unterstreichen und verwebt sich unter der offenkundig kompetenten Leitung von Roger Epple mit den Solostimmen.
Eine CD, die Liebhabern der deutschen Spätromantik und der Moderne gleichfalls ans Herz gelegt sei, die jedoch auch diejenigen angenehm überraschen dürfte, denen diese Epochen eher fern liegen. ■
Egon Wellesz, Piano Concerto op. 49 & Violin Concerto op. 84, Margarete Babinsky (Klavier), David Frühwirth (Violine), Berliner Radio Sinfonieorchester (Roger Epple), Capriccio (CAP5027)
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Hörproben
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Geb. 1968 in Göttingen/D, Studium der Finnougristik, Skandinavistik und Germanistik in Göttingen, Turku (Finnland) und Hamburg, breite musikalische Interessen und Aktivitäten, verheiratet mit einer Finnin, Vater zweier zweisprachiger Töchter, lebt als Deutsch-Lehrer in Rovaniemi/Finnland
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ITACA Kompositions-Wettbewerb 2010
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Die volkstümliche Tradition in zeitgenössischer Musik
Die Associazione ITACA und die Stadt Fossacesia schreiben in Zusammenarbeit mit dem Berliner internationalen Ensemble Cornucopia den Kompositionswettbewerb «Marenostrum» 2010 aus. Der Wettbewerb ist dem Thema «Die volkstümlichen Traditionen im Spiegel zeitgenössischer Musik» gewidmet, Aufgabe ist eine Komposition unter Verwendung und Umsetzung einer Melodie eines alten volkstümlichen Tanzes oder Gesanges eines der Mittelmeer-Anrainerstaates. Einsende-Schluss ist am 5. Juli 2010, die weiteren Einzelheiten finden sich hier.
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Shahriar Mandanipur: «Eine iranische Liebesgeschichte zensieren»
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Was man sieht, ist nicht das, was es ist
Karin Afshar
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Sie wollen endlich einmal eine Liebesgeschichte von einem Iraner lesen, die gut ausgeht? Shariar Mandanipur verspricht Ihnen dies – in seinem neuesten Roman «Eine iranische Liebesgeschichte zensieren» – zumindest, und kündigt dann noch gleich in der Einleitung an, dass seine Heldin in wenigen Minuten sterben wird. Wie kann das eine glückliche Liebesgeschichte sein?
Aber wenn Sie an dieser Stelle angelangt sind, haben Sie nun schon einmal angefangen zu lesen und befinden sich bereits mitten in einem ausgelegten Netz, aus dem Sie nur herauskommen, wenn Sie weiterlesen – wenn überhaupt je wieder.
Shahriar Mandanipur ist 1957 in Schiras geboren; man ist sich überein, dass er nicht nur einer der bekanntesten, sondern auch der modernste unter den iranischen Autoren ist. (Modern, werden Sie bald merken, geht dabei oft mit Schwerlesbarkeit einher.) Auf dem Klappentext lesen Sie, dass der Autor Politikwissenschaften studierte und im iranisch-irakischen Krieg, der vom September 1980 bis zum August 1988 dauerte, Soldat war. Für seine Werke bekam er zahlreiche Preise, darunter den Mehregan Award und den Golden Tablet Award. Wegen der Zensur konnte er zwischen 1992 und 1997 im Iran nichts veröffentlichen und verließ 2006 den Iran. Zur Zeit ist er Gastdozent in Harvard, in Cambridge lebend. Noch mehr Autobiografisches können Sie dem Buch entnehmen.
«Eine iranische Liebesgeschichte zensieren» wurde aus dem Persischen von Sara Khalili ins Englische übersetzt. Autor und Übersetzerin haben gemeinsam daran gearbeitet, die subtile, manchmal heitere Doppelbödig- und stete Symbolhaftigkeit der persischen Sprache zu übertragen. Die deutsche Übersetzung von Ursula Ballin beruht auf der englischen. Sie werden sich trotzdem wünschen, Sie könnten gut genug Persisch, um das Original zu lesen!
Sie heißt Sara, und der junge Mann, um den es hier – Alter ego Mandanipurs? – geht, Dara. Das ist eine geniale Namenwahl. Wenn Sie Iraner kennen, fragen Sie sie, was es damit auf sich hat. Anspielungen, Hinweise – intertextuelle Bezüge auf klassische persische wie auch klassische und moderne westliche Literatur, auf Filme, auf Geschehnisse – finden sich allerorten. Dem Zensor, der «mit viel Einfühlungsvermögen seine Arbeit machen muss, um unmoralische Schriftsteller, welche die iranische Jugend zu verderben drohen, zu entlarven», hat Mandanipur den Namen Porfirij Petrowitsch gegeben. Was – Sie kennen ihn nicht? Und ausgerechnet in Sadegh Hedayats Roman «Die blinde Eule» findet Sara den ersten Liebesbrief von Dara.
Sie bedienen sich Saint-Exupérys «Kleinen Prinzen» ebenso wie Garcia Lorcas. Dara markiert Buchstaben mit Punkten, aus denen Sara nun Briefe dechiffriert. So kommunizieren sie eine Weile, ohne dass sie sich kennen, und so beginnt ihre Liebesgeschichte.
Shahriar Mandanipur ist ein gewiefter Ich-Erzähler, der Sie an der Entwicklung der Geschichte und an seinen Gedanken zu deren Konstruktion teilhaben lässt, eine Geschichte in der Geschichte in der Geschichte erzählend. Sie erfahren viel über das tägliche Leben der Menschen, ihre Nöte und ihren erfindungsreichen Umgang mit auftretenden Problemen, über Reaktionen auf politische Ereignisse und deren Hintergründe.
Um es gleich vorweg zu nehmen: der Ton ist locker, luftig, respektlos, wie ihn nur Menschen haben können, die vor nicht mehr viel Angst haben. Doch was einfach aussieht, ist nicht selten das Ergebnis durchlebten Leids. Auf den ersten Seiten werden Sie öfter herzhaft lachen. Hier bekommen die Iraner ebenso wie die Amerikaner (in Geographie nicht so gut bewandert) ihr Fett weg. Doch täuschen Sie sich nicht: das Buch ist weder eine Liebesgeschichte noch eine belanglose, zufällige Aneinanderreihung beiläufig geschilderter Ereignisse und Hinweise.

«Der Zensor sitzt bereits im Kopf des Autors, und was dann folgt, ist der Parcours durch eine Welt, in der man nicht glauben darf, was man sieht und liest und nicht sehen darf, was ist, und in der der Spagat zwischen Innen und Außen schier schizophren macht.»
Mandanipur hat 320 Seiten mit Buchstaben gefüllt, die eigentliche Geschichte aber steht zwischen den Zeilen. Es geht eben um Zensur, und Sie werden am Ende des Buches eine Ahnung davon haben, wie Sie werden – sollten Sie jemals unter eine Diktatur geraten – zu schreiben haben.
Widersprüche durchziehen das Buch, wie sie die persische Seele durchziehen. Das macht ihre Anziehungskraft aus, auch wenn sie Leid bedeuten. Denn Leid gehört zum Leben, und dass es nicht immer verbittert geschildert werden muss oder nihilistisch (was aufs Gleiche hinauskommen könnte), zeigt Mandanipur. Sprachverliebt und sprachgewaltig ist er. Es sind nicht nur die vielen Bezüge und die Verschachtelungen, die Ihnen das Lesen schwer machen könnten, sondern auch die Kaskaden von Sätzen und Bildern. Orientierung wird Ihnen durch das Schriftbild zuteil: es gibt fett gedruckte Textstellen, normal gedruckte und durchgestrichene. Setzen Sie sich nicht gleich hin und schreiben einen Brief an den Verlag, weil das Buch suggeriert, es sei zensiert und dann irrtümlicherweise doch mit den zensierten Passagen abgedruckt worden.
Der Zensor allerdings sitzt bereits im Kopf des Autors, und was dann folgt, ist der Parcours durch eine Welt, in der man nicht glauben darf, was man sieht und liest und nicht sehen darf, was ist, und in der der Spagat zwischen Innen und Außen schier schizophren macht.
Wenn Sie von der Kultur Persiens – das es ja nicht mehr in dieser Form und mit dieser Bezeichnung gibt – fasziniert sind und den Menschen, die auf dem Staatsgebiet des heutigen Iran leben, nahe stehen, werden Sie kennen und bestätigen, was Mandanipur schreibt. Wenn Sie das alles erst kennenlernen und verstehen wollen, haben Sie eine große Aufgabe vor sich. Es ist eine Geschichte der Menschheit, von Menschlichkeit und Unmenschlichkeit. ■
Shahriar Mandanipur (Übersetzung: U. Ballin), Eine iranische Liebesgeschichte zensieren, Roman, Unionsverlag, 320 Seiten, ISBN 3-293-00415-6
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Leseproben
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Das neue «Glarean»-Sudoku
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Sudoku-Spaß im Mai 2010
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Lösung: —>(weiterlesen…)
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Das Zitat der Woche
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Von der Massenliteratur
Franz Stadler
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Ein Bucherfolg sei «das Zeichen eines geglückten soziologischen Experiments, der Beweis dafür, daß wieder einmal eine Mischung von Elementen gelungen ist, die dem Geschmack der anonymen Lesermassen entspricht»: so 1931 Siegfried Kracauer (1889 – 1966).
Der Leihbücherei-Roman, der Illustrierten-Roman, der Heftroman, das Serien-Taschenbuch: sie sind kalkulierte steadyseller, zu störungsfreiem Absatz – als Periodika – entschlossen: der Sensation bedürftige und doch nolens volens risikoscheue Industrieware. Die Moderation der Abmischungen «geglückter/mißglückter Experimente» gibt Auskunft – über Teilnehmer und Teilhaber des Literaturmarkts.
An der profitablen Massenliteratur läßt sich das Widerspiel von Freiheit und Marktmacht, von Promotion, Werbe-Umfeld-Anpassung, Kampf um Vertriebsspannen, «Prüfstellen»-Regulativen, Richtlinien von «Freiwilligen Selbstkontrollen» und Lektorats-Anweisungen studieren.
Sie wird für ein Publikum produziert, dem Bildungsforscher alle paar Jahre attestieren, daß ihm (bis zu) 30% als sekundäre (funktionelle) Analphabeten nur als Leser-Zombies angehören. Die Zahlen der «nicht buchreifen» Pflichtschul-Abgänger und der Nie-Buch-Leser (je über 50%) interpretieren einander. Die Leseforschung (in der BRD und im Österreich der siebziger Jahre) hat ein knappes Drittel der lesefähigen Bevölkerung als «bekennende» Leser von (Heft-) Serienliteratur ermittelt; etwa 55% der Lesefähigen lesen (gerne nur) «Unterhaltungsliteratur».Doch eiliger Ineinssetzung von «Bildungs-Unterschicht» und «Trivialkultur» stehen entgegen: die soziale und Bildungs-Streuung der Heftleser wie die verbreitete Erscheinung des «manischen» Heftlesers einerseits; zum anderen der durch Studien über Werkbüchereien u.ä. erbrachte Nachweis des proletarischen Lesers mit breit gefächerten Lese-Weltorientierungs-Bedürfnissen. Wohl begründbar ist auch die «selektive more-and-more-rule» der Medienforscher: die vom Einzelnen präferierten Lektüre-Muster werden auch in seiner sonstigen Mediennutzung bevorzugt. ■
Aus Franz Stadler, Massenliteratur, in: Deutsche Literatur zwischen 1945 und 1995, Haupt Verlag 1997
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Kompositions-Wettbewerb für neue Chormusik
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Gesucht: Werke für Chor a capella
Einen Chormusik-Wettbewerb für Komponistinnen und Komponisten aller Nationalitäten und Alter schreibt das englische Ensemble «The Phoenix Singers of Shrewsbury» aus. Das eingereichte A-capella-Werk soll nicht länger als fünf Minuten dauern und noch unveröffentlicht sein. Der Contest ist mit einem Preisgeld von insgesamt 600 Britischen Pfund dotiert, die prämierten Stücke werden von den Phoenix Singers im April nächsten Jahr uraufgeführt. Einsende-Schluss ist am 31. Oktober 2010, die weiteren Details sind hier zu finden. ■
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Literatur-Wettbewerb der Deutschen Bischofskonferenz
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Katholische Kinder- und Jugendbücher
Die Deutsche Bischofskonferenz schreibt zum 22. Mal ihren «Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis» aus. Der Preis wird verliehen für «Kinder- und Jugendbücher, die beispielhaft und altersgemäß religiöse Erfahrungen vermitteln, Glaubenswissen erschließen und christliche Lebenshaltungen verdeutlichen.» Der Wettbewerb ist mit 5’000 Euro dotiert. Einsende-Schluss ist am 1. November 2010, die weiteren Einzelheiten finden sich hier. ■
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Tarragone-Kompositions-Wettbewerb 2010
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Gesucht: Neue sinfonische Werke
Einen Wettbewerb für sinfonische Kompositionen schreibt die katalonische Stadt Tarragone aus. Teilnehmen können Komponistinnen und Komponisten aller Nationen und Altersgruppen. Eingesandt werden sollen unveröffentlichte Werke mit einer maximalen Dauer von 20 Minuten. Der Preis ist mit 12’000 Euro dotiert, das ausgezeichnete Werk wird im Folgejahr des Wettbewerbes uraufgeführt. Einsende-Schluss ist am 14. Juni 2010, die weiteren Details finden sich hier.
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Das klassische Glarean-Tangram (8)
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Legen Sie mit den Tangram-Elementen die folgende Figur
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Lösung: —>(weiterlesen…)
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Das Tangram-Puzzle
Das Tangram (auch Siebenschlau oder Weisheitsbrett genannt) ist ein altehrwürdiges chinesisches Geometrie-Spiel: Aus nur sieben Steinen eines Quadrates, nämlich fünf Dreiecken, einem Quadrat und einem Parallelogramm lassen sich die vielfältigsten Figuren (Pflanzen, Tiere, Menschen u.v.a.) legen, wobei immer alle sieben Steine verwendet werden müssen. Sie sollen sich berühren, dürfen sich aber nicht überlappen.
Schon in der uralten Kultur Chinas bedeutete das Quadrat die reinste Form einer Fläche, in sich vollkommen, und beim Tangram wird dieses in sich ruhende Quadrat nun aufgelöst in eine endlose Bewegung, wird es durch unablässige Veränderung zum Ausgangspunkt ungeahnter Gebilde, durch das Zusammenspiel seiner festen Elemente zum Quell des Neuen.
Die ersten Tangram-Bücher wurden zur Zeit des Ch’ing-Kaisers Chia Ch’ing (1796-1820) gedruckt, die früheste uns überlieferte Tangram-Publikation dort stammt aus dem Jahre 1813, doch das Spiel dürfte im asiatischen Raum schon lange vorher weit verbreitet gewesen sein. Eine frühe europäische Veröffentlichung datiert aus dem Jahre 1805.
Inzwischen hat das Tangram einen wahren Siegeszug durch alle Kontinente angetreten, ist Gegenstand zahlreicher Bücher und Sammlungen geworden – und lädt unvermindert anregend und spannend ein zum Nachdenken, zum Knobeln, zum Sinnieren, ja vielleicht gar zum Philosophieren über die ewige Veränderung des ewig Immergleichen…
Im «Glarean Magazin» werden inskünftig regelmäßig interessante und berühmte Tangram-Aufgaben zu finden sein. Dabei wird das Lege-Puzzle erleichtert, wenn man sich aus Karton die sieben Grundelemente zurechtschneidet.
Sollten unter unseren Leserinnen und Lesern vielleicht sogar Tangram-«Erfinder» sein, so sind sie freundlich eingeladen, uns ihre neuen Figuren als Grafik-Datei zu senden! (we)
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Ein Beispiel
Legen Sie mit den Tangram-Elementen die folgende Figur
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