Das «Glarean»-Tangram (04)
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Legen Sie mit den Tangram-Elementen die folgende Figur
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Das Tangram-Puzzle
Das Tangram (auch Siebenschlau oder Weisheitsbrett genannt) ist ein altehrwürdiges chinesisches Geometrie-Spiel: Aus nur sieben Steinen eines Quadrates, nämlich fünf Dreiecken, einem Quadrat und einem Parallelogramm lassen sich die vielfältigsten Figuren (Pflanzen, Tiere, Menschen u.v.a.) legen, wobei immer alle sieben Steine verwendet werden müssen. Sie sollen sich berühren, dürfen sich aber nicht überlappen.
Schon in der uralten Kultur Chinas bedeutete das Quadrat die reinste Form einer Fläche, in sich vollkommen, und beim Tangram wird dieses in sich ruhende Quadrat nun aufgelöst in eine endlose Bewegung, wird es durch unablässige Veränderung zum Ausgangspunkt ungeahnter Gebilde, durch das Zusammenspiel seiner festen Elemente zum Quell des Neuen.
Die ersten Tangram-Bücher wurden zur Zeit des Ch’ing-Kaisers Chia Ch’ing (1796-1820) gedruckt, die früheste uns überlieferte Tangram-Publikation dort stammt aus dem Jahre 1813, doch das Spiel dürfte im asiatischen Raum schon lange vorher weit verbreitet gewesen sein. Eine frühe europäische Veröffentlichung datiert aus dem Jahre 1805.
Inzwischen hat das Tangram einen wahren Siegeszug durch alle Kontinente angetreten, ist Gegenstand zahlreicher Bücher und Sammlungen geworden – und lädt unvermindert anregend und spannend ein zum Nachdenken, zum Knobeln, zum Sinnieren, ja vielleicht gar zum Philosophieren über die ewige Veränderung des ewig Immergleichen…
Im «Glarean Magazin» werden inskünftig regelmäßig interessante und berühmte Tangram-Aufgaben zu finden sein. Dabei wird das Lege-Puzzle erleichtert, wenn man sich aus Karton die sieben Grundelemente zurechtschneidet.
Sollten unter unseren Leserinnen und Lesern vielleicht sogar Tangram-«Erfinder» sein, so sind sie freundlich eingeladen, uns ihre neuen Figuren als Grafik-Datei zu senden! (we)
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Ein Beispiel
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Ralph Ludwig: «Der Erzähler – Johann Peter Hebel»
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«Regelrechte Leidenschaft zum Schreiben»
Günter Nawe
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Rechtzeitig zum 250. Geburtstag des deutschen Dichters alemannischer Sprache Johann Peter Hebel hat sich der Theologe Ralph Ludwig, ein Landsmann von Johann Peter Hebel, des Jubilars angenommen.
Ludwig, der aus seiner Sympathie für den Dichter keinen Hehl macht, hat einen sehr persönlich gefärbten Abriss einer Biographie verfasst. Dem Dichter Hebel ist er – wie er schreibt – auf zweifache Weise begegnet. Einmal als «Erzähler», zum anderen als «weiser Mann», der ihm vom Philosophen Ernst Bloch nahe gebracht worden ist. Kommt hinzu: der Dichter und sein Biograph verbindet die «lebenslange Sehnsucht nach dem heimatlichen Markgräfler Land».
Dies alles bestimmt die Diktion dieser Biographie, die der Autor vor allem am «Erzähler» festmacht. Nicht von ungefähr deshalb auch der Untertitel «Wie Johann Peter Hebel ein literarisches Schätzkästlein schuf». In kurzen Kapiteln betrachtet Ludwig das Werk des Dichters der «Alemannischen Gedichte – Für Freunde ländlicher Natur und Sitten» (1803), der Kalendergeschichten «Der Rheinländische Hausfreund» (1803-1811), des «Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes» (1811) und der «Biblischen Geschichten – Für die Jugend bearbeitet» (1824).
In allen diesen Werken zeigen sich, wie Ludwig schön nachweist, der Dichter natürlich, aber auch der Theologe (in seinem Verhältnis zu Religion und Christentum) und der Pädagoge. «Ihn trieb eine regelrechte Leidenschaft fürs Schreiben an, gemischt mit einem unbestechlichen Scharfblick für die Kunst der Sprache» – so der Biograph.
Über der Betrachtung des Werks verliert Ludwig nicht den Blick auf das Leben – beides, das wissen wir, bedingen sich in Persönlichkeiten wie Johann Peter Hebel. Kindheit und Jugend sowie schulische Ausbildung in Hausen, Basel und Karlsruhe; Theologiestudium in Erlangen, Lehrer in Lörrach, später Karlsruhe; 1798 Ernennung zum außerordentlichen Professor, verschiedene öffentliche und halböffentliche Funktionen, am Ende Prälat der evangelischen Landeskirche und Mitglied der ersten Kammer des Badischen Landtags.
Theodor Heuss über Hebel: «Hebel aber blieb lebendig… – nicht bloß deshalb, weil die Dankbarkeit des alemannischen Volkstums den Mann trägt, die Dankbarkeit dafür, dass er die Heimatsprache sozusagen druckreif gemacht hat, sondern weil in diesem bewussten und begrenzten Provinzialismus der Gedichte ein Weltgefühl umfasst ist, und weil in diesen mit sehr viel Zeitluft und mit aktuellem Zeitgeschehen angefüllten Anekdoten der Unterton des Bleibenden, Gültigen, des Ewigen, Ewig-Menschlichen mitklingt…»
So kann man auch Ludwigs Würdigung Johann Peter Hebels lesen. Seine Lebensbeschreibung ersetzt zwar nicht eine umfassendere, eine kritische Biographie – aber sie ist ein schöne Hinführung zum Dichter und seinem Werk. ■
Ralph Ludwig, Der Erzähler – Wie Johann Peter Hebel ein literarisches Schatzkästlein schuf, Wichern-Verlag, 120 Seiten, ISBN 978-3-88981-286-5
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Das Zitat der Woche
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Vom Christsein in problematischer Welt
Emerich Coreth
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Von größter Bedeutung ist, daß die Christen in unserer Zeit ihre Sendung und Verantwortung gegenüber den brennenden Problemen der heutigen Welt erkennen und in Angriff nehmen. Auf die Probleme des materiellen Fortschritts in der technisch-industrialisierten Welt, auf den erschreckenden Sinnverlust in dieser modernen Gesellschaft wurde schon hingewiesen, und darauf, daß der christliche Glaube hier gültige Antwort zu geben hat.
Aber es geht nicht nur um transzendente Sinngebung, sondern auch um die weltimmanenten Probleme selbst, das ungeheuere soziale Problem der heutigen Menschheit, das Gefälle zwischen arm und reich, die grauenhafte Not und das Elend, in dem Hunderte Millionen von Menschen in unterentwickelten Ländern leben – und täglich an Hunger sterben – gegenüber dem Wohlstand der Industrienationen. Die Kirche hat sich aus dem Geist Christi auf die Seite der Armen, der Unterdrückten, der Benachteiligten zu stellen, und sie tut es in zunehmendem Maße. Sicher hat das Evangelium nicht für alle konkreten sozialen und wirtschaftlichen Fragen fertige Patentlösungen anzubieten. Wohl aber kann ein Christentum, das die Botschaft Jesu ernst nimmt, nicht nur ewiges Heil schenken, sondern auch – in einer heillosen Welt – irdisches Heil zu vermitteln helfen: aus dem Geist christlicher Liebe, durch den Einsatz für Friede und Gerechtigkeit, das Sein-für-andere, wie es Christus gelebt und gelehrt hat.
Zwar ist es nicht richtig, das Christsein auf die horizontale Ebene zu reduzieren und darüber die vertikale Dimension zu vergessen oder zu verschweigen, aber ebenso unrichtig und einseitig wäre es, Christsein nur in der vertikalen ohne die horizontale Dimension verwirklichen zu wollen. Beides gehört zusammen: Liebe zu Gott und zu den Menschen, Religion und Einsatz für den Mitmenschen. Christliche Liebe ist aber mehr als bloße »Mitmenschlichkeit«, weil sie im Glauben an Gott gründet, den Gott aller Menschen, der das Heil aller will und in seiner Liebe alle umfängt. Nur aus Gott, der uns – uns alle – zuvor geliebt hat, kann echte, selbstlos dienende und helfende Liebe zu den Menschen Mut und Kraft, Geduld und Zuversicht schöpfen.
Solche Überlegungen zur Weltsendung des christlichen Glaubens in unserer Zeit gehören mit hinein in mein Verständnis des Christseins. Diese Aspekte und Dimensionen der christlichen Botschaft sind die Entfaltung des einen Notwendigen, die folgerichtige Ausstrahlung und Auswirkung des einzig Zentralen. So bleibt schließlich meine Antwort auf die Frage, warum ich Christ bin, auf die Mitte bezogen, aus der das Ganze lebt. Die Antwort heißt ganz einfach: weil ich glaube.Aus Emerich Coreth, Christsein aus Herkunft und Berufung, in: W.Jens (Hrsg.), Warum ich Christ bin, Kindler Verlag 1979
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Kompositions-Wettbewerb des Shipley Arts Festival
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Neue Musik für Streichorchester
Das Shipley Arts Festival nennt sich «eines der bedeutendsten Kunst-Events seiner Art in England» und wird organisiert von der Bernardi Music Group; es ist domiziliert in West Sussex und integriert einen internationalen Kompositionswettbewerb, welcher in diesem Jahr ausgeschrieben ist für Streichorchester. Das einzureichende Werk sollte eine Dauer von drei bis zehn Minuten aufweisen und nicht nur für Professionelle, sondern auch für für Studenten und Amateure spielbar sein. Einsende-Schluss ist am 30. Mai 2010, die Einzelheiten finden sich hier (engl.) ■
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7. Marburger Kurzdramen-Wettbewerb
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Gesucht: «Wilde, junge, verwirrte, überraschende Textversuche»
Anlässlich seines 7. Marburger Kurzdramen-Wettbewerbes (2.-5. Dezember 2010) sucht «Theater GegenStand» neue, noch nicht aufgeführte Theater-Texte, die mit 0 bis 4 Darstellern und einer Aufführungsdauer von ca. 30 Minuten realisiert werden können. Dabei sind neben «klassischen» Kurzdramen insbesondere auch «wilde, junge, verwirrte, überraschende Textversuche oder Collagen ausdrücklich gesucht». Einsende-Schluss ist am 16. Mai 2010, die weiteren Details finden sich hier. ■
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Schweizer Literaturwettbewerb der Studer/Ganz-Stiftung
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Preis für Prosa-Debüt-Manuskript
Die vor fünf Jahren gegründete schweizerische «Studer/Ganz-Stiftung» fördert jüngere Autorinnen und Autoren der Schweiz. Ende Oktober 2010 vergibt die Stiftung zum dritten Mal in der Deutschschweiz einen Preis für das beste unveröffentlichte Prosadebütmanuskript. Gesucht werden unveröffentlichte Romane, Erzählungen und Novellen (keine Textsammlungen) von Autorinnen und Autoren unter 42 Jahren, die noch keine eigene Buchpublikation (ausgenommen Lyrik) vorweisen und das Schweizer Bürgerrecht besitzen oder ihren Wohnsitz in der Schweiz haben. Das ausgezeichnete Manuskript wird mit 5’000 prämiert und im Limmat Verlag veröffentlicht. Einsende-Schluss ist am 1. September 2010, die weiteren Einzelheiten finden sich hier. ■
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Der brillante Schachzug (62)
Frühlings-Tanka (02)
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eine süße Stimme hat
und so gerne singt,
sitzt sie jetzt im Käfig fest -
Ja, so geht es auf der Welt!
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Nomura Bôtô (1806-67)
(Ü: Coudenhove)
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Duden – Band 10: «Das Bedeutungswörterbuch»
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Kanonisierung von Wortschatz und Wortbildung
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Bereits in vierter Auflage präsentiert die Mannheimer Duden-Redaktion ihr Bedeutungswörterbuch – eine fast 1’200-seitige Kanonisierung der deutschen Sprache in Sachen Wortschatz und Wortbildung. Erschienen als Band 10 der berühmten, mittlerweile in insgesamt zwölf Bänden vorliegenden Duden-Reihe, bildet diese stark überarbeitete und um 700 Neuaufnahmen erweiterte Ausgabe den Grundwortschatz der deutschen Sprache ab; insgesamt behandelt sie 20’000 Stichwörter und Wendungen.
Weiters enthält das neue Bedeutungswörterbuch rund 450 Artikel zu Wortbildungselementen, die anhand von Beispielen die Systematik der deutschen Wortbildung veranschaulichen sollen. Als hilfreich werden sowohl Mutter- wie Fremdsprachler dabei die rund 75 Infokästen einschätzen, welche leicht verwechselbare Wörter (beispielsweise anscheinend/scheinbar, effektiv/effizient, ideal/ideell, nutzen/benutzen u.ä.) näher erläutern. Darüber hinaus gibt das Wörterbuch zu allen Stichwörtern Aussprache- und Grammatikangaben, zu vielen Begriffen führt der Band zudem besondere Zusammensetzungen auf.
Die Duden-Redaktion selber zu ihrem jüngsten Band: «Die Produktivität der Sprache liegt in der Wortbildung. Daher gehören die Wortbildungsmittel auch in ein Bedeutungswörterbuch; aber nicht nur, um Gegenwartstexte verstehbar zu machen, sondern auch, um sprachliche Kreativität zu fördern und anzuregen. Mit der ausführlichen Berücksichtigung der Wortbildung einerseits und mit der Einarbeitung des Ergänzungswortschatzes, der Synonyme und Zusammensetzungen, andererseits wurde in diesem Buch der Versuch unternommen, dem traditionellen Bedeutungswörterbuch eine neue Qualität zu geben und durch unmittelbare, lebendige Einblicke in die Vielfalt und Produktivität der Sprache die Lust an der Sprache und an eigener sprachlicher Gestaltung zu wecken». (we) ■
Duden, Band 10: Bedeutungwörterbuch, Bibliographisches Institut Mannheim, 1’152 Seiten, ISBN 978-3-411-04104-6
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Probeseiten
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Kompositionswettbewerb des Berner Musik-Festivals
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Neue Ensemble-Werke zur Thematik «Fluchtwege»
Junge Komponierende in der Schweiz fördern will das Berner Musik-Festival. Im Hinblick auf das nächstjährige Festival wird nun ein Kompositionswettbewerb ausgeschrieben, der sich an SchweizerInnen sowie an alle seit mindestens zwei Jahren in der Schweiz wohnhaften (und nach dem 1. Januar 1976 geborenen) Komponierenden richtet. Das einzureichende Werk soll eine Ensemble-Besetzung von vier bis max. zehn Interpretierenden aufweisen, die Dauer von 15 Minuten nicht überschreiten und sich mit dem Sujet «Fluchtwege» auseinandersetzen. Einsende-Schluss ist am 15. Mai 2010, die weiteren Details finden sich hier. ■
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Hans Garbaden: «Paulas Töchter»
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Die Schuld der kleinen Tochter der großen Paula
Günter Nawe
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«Seit dem siebten Juni sind jetzt vier Mädchen zwischen neun und elf Jahren mit dem Vornamen Paula aus den Stadtvierteln Findorff und Utbremen spurlos verschwunden.»
Das war 1921 die Ausgangslage für die Polizei – und heute für den Autor eines «historischen Kriminalromans aus Bremen und Worpswede». Hans Garbaden ist aus vielen Rollen in Film und Fernsehen einem breiten Publikum bekannt. Mit «Paulas Töchter» «outet» er sich jetzt auch als respektabler Schriftsteller.
Zwischen Bremen und Worpswede verkehrt täglich der Moor-Express. Auf dieser Strecke sind im Frühsommer 1921 die jungen Mädchen verschwunden. Ein Fall, der die Polizei vor ein Rätsel stellt. Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Entführung der Mädchen und ihrem Namen Paula? Und warum gerade in Worpswede, diesem beschaulichen Künstlerort?
Geschickt versteht es Hans Garbaden, die Fäden zu ziehen zwischen der reinen Ermittlungsarbeit braver Kommissare und dem Hintergrund der Taten. Denn sehr bald erfährt der Leser, dass es in der Tat «Verbindungen» gibt zwischen dem Täter und der Künstlerin Paula Modersohn-Becker sowie ihrer kleinen, früh verstorbenen Tochter Paula. Für den Autor eine willkommene Gelegenheit, dass Dorf Worpswede und seine Künstler in die Recherche-Arbeit «einzubeziehen»: Neben der Modersohn-Becker auch Otto Modersohn, Clara Westhoff, Heinrich Vogeler, Fritz Mackensen Rainer Maria Rilke, dessen «Requiem für Paula Modersohn-Becker» ausführlich zitiert wird. Garbaden schafft so einen schönen kulturhistorischen Bezug zum Fall.
Und der Täter? «Die Stimme, die er immer hörte, wenn er allein in seiner Wohnung war, hatte ihm befohlen, für den Tod von Paula, dieser großartigen, begnadeten Malerin, die vor vierzehn Jahren im Kindbett nach der Geburt ihres Mädchens gestorben war, vierzehn Mädchen zu töten. Für jedes Jahr nach dem Tod der Malerin sollte es ein Mädchen mit dem Namen Paula sein.»
Es versteht sich, dass die Polizei dem Täter auf die Schliche kommt und seiner habhaft wird. Das aber ist für den Leser nicht das Entscheidende. Der Rahmen der Erzählung ist es und der historische Kontext. Denn Garbaden verknüpft seinen Plot mit Artikeln aus der Lokalpresse über das Geschehen in und um Worpswede und schafft so ein hohes Maß an Authentizität. Auf eine kleine Liebesgeschichte zwischen dem Kommissar Dirk Murken und der Journalistin Geffken wollte der Hans Garbaden auch nicht verzichten.
Erzählt wird das alles etwas bieder und brav – so brav die Ermittlungen in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wohl auch gewesen sein mögen –, also im Stile der Zeit. Da gibts keine rasanten Verbrecherjagden, keine omnipotenten Kommissare und keine modernen kriminaltechnischen Fahndungsmöglichkeiten. Aber genau das macht den Reiz dieses kleinen Kriminalromans aus. ■
Hans Garbaden, Paulas Töchter, Historischer Kriminalroman aus Bremen und Worpswede, 96 Seiten, Schardt Verlag, ISBN 978-3898415095
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Leseprobe (pdf)
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Das Zitat der Woche
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Vom menschlich Bösen
Eugen Kogon
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Im KL Buchenwald hatte die SS eine eigene Liquidationsanstalt neben der Reithalle, außerhalb des Stacheldrahtbereiches. Dort wurde nur erschossen. Für das Kommando bestand bei der Kommandantur das Stichwort »99«. Die Scharführer wurden ihm, soweit sie sich nicht freiwillig gemeldet hatten, abwechselnd zugeteilt.
Wenn die ahnungslosen Opfer, fast durchweg russische Kriegsgefangene, in den Stall kamen, hielt der leitende SS-Offizier des Mordkommandos eine kurze Ansprache, die übersetzt wurde: »Sie sind in einem Sammellager. Um die Ansteckungsgefahr zu vermeiden, müssen Sie vorher untersucht, desinfiziert und gebadet werden. Beim Ausziehen zuerst den Rock, dann die Hose hinlegen, die Schuhe daneben stellen, die Erkennungsmarke in die Schuhe legen, damit es keine Verwechslungen gibt.« Die Scharführer gingen in weißen Mänteln umher, um Ärzte vorzutäuschen. Dann hieß es: »Die ersten sechs Mann zum Baden!« Ein Lautsprecher wurde auf volle Stärke eingeschaltet, der Grammophonmusik brachte, während durch einen anderen Namen und Nummern laut gerufen wurden.Zur selben Zeit spielte sich in den nächsten Räumen die blutige Tragödie ab. Die zum >Baden< bestimmten Opfer gingen in einen kleinen Raum, der schalldichte Wände und Türen hatte; er war als Baderaum ausgestattet, mit Fliesen am Boden und an den Wänden und acht Duschen. In der Tür befand sich ein 30 Zentimeter breiter und drei Zentimeter hoher Schlitz. Ein SS-Mann schloß die Tür fest zu und schoß die auf das Bad Wartenden mit einer automatischen Pistole zusammen.
Lagen alle am Boden, oftmals nicht tödlich getroffen, so wurden sie auf ein Lastauto geworfen, das mit Zinkblech ausgeschlagen war. Die Duschen wurden aufgedreht, das Blut weggespült – die nächsten konnten antreten! Auf diese Weise wurden an manchen Tagen von neun Uhr abends bis fünf Uhr morgens 500 Mann >gebadet<.
Anfangs bediente sich die SS einer Maschine (die aber wieder abgeschafft wurde, weil sie nicht rasch genug arbeitete): Auf einem Holzpodium war eine Latte zum Messen der Körperlänge angebracht mit einm Schlagbolzen in der Höhe des Genicks. Wenn sich der ahnungslose Delinquent auf das Podium stellte, schnellte der Bolzen heraus und zertrümmerte Genick oder Hirnschale. Die Maschine tötete nicht immer, die Halbtoten wurden trotzdem auf den Leichenwagen zum Krematorium gefahren. Dort erhielten sie den Gnadenschlag mit einer großen Eichenkeule.
Der Krematoriumsgehilfe Zbigniew Fuks hat erlebt, dass ein russischer Kriegsgefangener, der mit einer Fuhre Leichen eingebracht worden war, ihn noch ansprach: «Kamerad, gib mir die Hand!» Er war wie alle Erschossenen nackt und blutig und hatte auf einem Haufen nackter Leichen gelegen. Er wurde von dem hinzuspringenden SS-Oberscharführer Warnstedt, dem Leiter des Krematoriums Buchenwald, mit einem Revolverschuss getötet. [...]
Sämtliche SS-Angehörige des «Kommandos 99» haben das Kriegsverdienstkreuz erhalten. ■Aus Eugen Kogon, Kommando 99 – Pferdestall, in: Der SS-Staat – Das System der deutschen Konzentrationslager, Kindler Verlag 1974
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Das «Glarean»-Tangram (03)
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Das Tangram-Puzzle
Das Tangram (auch Siebenschlau oder Weisheitsbrett genannt) ist ein altehrwürdiges chinesisches Geometrie-Spiel: Aus nur sieben Steinen eines Quadrates, nämlich fünf Dreiecken, einem Quadrat und einem Parallelogramm lassen sich die vielfältigsten Figuren (Pflanzen, Tiere, Menschen u.v.a.) legen, wobei immer alle sieben Steine verwendet werden müssen. Sie sollen sich berühren, dürfen sich aber nicht überlappen.
Schon in der uralten Kultur Chinas bedeutete das Quadrat die reinste Form einer Fläche, in sich vollkommen, und beim Tangram wird dieses in sich ruhende Quadrat nun aufgelöst in eine endlose Bewegung, wird es durch unablässige Veränderung zum Ausgangspunkt ungeahnter Gebilde, durch das Zusammenspiel seiner festen Elemente zum Quell des Neuen.
Die ersten Tangram-Bücher wurden zur Zeit des Ch’ing-Kaisers Chia Ch’ing (1796-1820) gedruckt, die früheste uns überlieferte Tangram-Publikation dort stammt aus dem Jahre 1813, doch das Spiel dürfte im asiatischen Raum schon lange vorher weit verbreitet gewesen sein. Eine frühe europäische Veröffentlichung datiert aus dem Jahre 1805.
Inzwischen hat das Tangram einen wahren Siegeszug durch alle Kontinente angetreten, ist Gegenstand zahlreicher Bücher und Sammlungen geworden – und lädt unvermindert anregend und spannend ein zum Nachdenken, zum Knobeln, zum Sinnieren, ja vielleicht gar zum Philosophieren über die ewige Veränderung des ewig Immergleichen…
Im «Glarean Magazin» werden inskünftig regelmäßig interessante und berühmte Tangram-Aufgaben zu finden sein. Dabei wird das Lege-Puzzle erleichtert, wenn man sich aus Karton die sieben Grundelemente zurechtschneidet.
Sollten unter unseren Leserinnen und Lesern vielleicht sogar Tangram-«Erfinder» sein, so sind sie freundlich eingeladen, uns ihre neuen Figuren als Grafik-Datei zu senden! (we)
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Ein Beispiel
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Alice Sara Ott: Chopin – «Complete Waltzes»
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Pianistik voller wunderbarer Leichtigkeit
Jan Bechtel
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Im Jahre 1810 wird in Polen ein Mann geboren, der bis heute als einer der bedeutendsten und wegweisendsten Pianisten und Komponisten des 19. Jahrhunderts angesehen wird: Frédéric François Chopin (eigentlich: Fryderyk Franciszek Waltyr Chopin; polnisch auch Fryderyk Franciszek Waltyr Szopen).
Sein Geburtsdatum ist nicht genau belegt, und so weiß man heute nicht mehr, ob Chopin, wie in seiner Taufurkunde vermerkt ist, am 22. Februar 1810 oder erst am 1. März 1810 (wie er es selber angab) geboren wurde. Sein Geburtsort ist Zelazowa-Wola (Herzogtum Warschau); mit sechs Jahren erhält der Junge den ersten Klavierunterricht, da man seine außerordentliche Begabung erkannt hatte. Sein Lehrer wird der böhmische Violinist und Komponist Wojciech Adalbert Zwyny, der den jungen Chopin von 1816 bis 1822 unterrichtet. Ab 1822 (bis 1829) nimmt er am Konservatorium bei Joseph Elsner zusätzlich Unterricht in Musiktheorie.
Schon früh wird er ein Liebling der Salons und reißt die polnischen Aristokraten immer wieder zu Begeisterungstürmen hin. 1831 übersiedelt er dann endgültig von Polen nach Paris (von 1829 und 1831 war er ständig zwischen Warschau, Wien und Paris hin und her gependelt). Auch in Paris wird er schnell zum Liebling des dortigen Publikums in den Salons der Stadt. Der Konzertsaal ist nie wirklich Chopins Terrain gewesen, und er steht jedes Mal vor einem Auftritt «Höllenqualen» aus, weil ihn die «anonyme Menge» des Publikums zutiefst irritiert und ihm «die Luft zum Atmen nahm». In den feinen Salons, in denen nur wenige Betuchte und Aristokraten verkehren, fühlt sich Chopin viel freier und kann seine ganze Virtuosität frei entfalten.
Sein Privatleben ist eigentlich eher ruhig, von Krankheit gezeichnet. Einzig das Verhältnis zu George Sand, einer berühmten französischen Schriftstellerin, bringt ein bisschen «Aufregung» in Chopins Leben. Es ist insgesamt die längste Beziehung, die Chopin zu Lebzeiten eingegangen ist. Warum es zum Bruch zwischen Chopin und Sand kam, ist bis heute nicht ganz geklärt.
Im Verlauf des Jahres 1847 verschlechtert sich Chopins Gesundheitszustand rapide, und 1848 gibt er sein letztes öffentliches Konzert im Hause Pleyel. Am 17. Okotber 1849 stirbt Frédéric Chopin mit nur 39 Jahren in seiner Wohnung am Place Vendôme in Paris. Todesursache ist vermutlich die ihn schon länger quälende Mukoviszidose. Er wird auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris beigesetzt. Sein Herz wird auf eigenen Wunsch nach Warschau gesandt und dort in der Heiligkreuz-Kirche beigesetzt. Heute wird Frédéric Chopin als der polnische Nationalkomponist angesehen. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts war Chopin, ähnlich wie Franz Liszt, Vorbild für einige der bedeutendsten Pianisten-Komponisten, unter ihnen etwas Sergej Rachmaninow und Alexander Skrjabin, die Chopin zu einigen ihrer Kompositionen anregte.
Chopin schuf seine Walzer für Klavier in den Jahren zwischen 1827 und 1846/47. Seine «Valses» haben in engerer Bedeutung nichts mit dem Wiener Walzer eines Johann Strauß (Sohn) und anderer Walzer-Komponisten zu tun. Sie sind im besten Sinne Salonmusik (einzig die Walzer op. 70 haben ein wenig von dem typischen «Tanzwalzer»-Charme, wenn auch nur sehr rudimentär). Chopins erster Walzer ist der Walzer As-Dur KK Iva Nr. 13 von 1827 (KK = Krystyna Kobylanska. Thematisches-biographisches Werkverzeichnis). In der Folge schreibt Chopin noch weitere Walzer, unter ihnen die berühmt gewordenen Walzer Es-Dur op.18 (Grande Valse brillante, 1831), Des-Dur op.64 Nr. 1 («Minutenwalzer», 1846/47) und op. post. 69 Nr.1 («Abschiedswalzer», 1835). Die Walzer op.64, die nur einige Jahre vor seinen Tod (1846/47) entstanden, sind der letzte Beitrag Chopins zur Gattung des Walzers für Klavier.
Anlässlich des aktuellen 200-Jahr-Jubiläums Chopins hat die DGG ein Album mit sämtlichen Walzern des Komponisten mit der jungen deutsch-japanischen Pianistin Alice Sara Ott herausgegeben. Alice Sara Ott wird 1988 in München als Tochter eine deutschen Vaters und einer japanischen Mutter geboren. Schon früh entdeckt sie die Liebe zum Klavier und wird bald, zunächst gegen den Willen der Mutter, zur Konzertpianistin ausgebildet. Seitdem hat sie einige Auszeichnungen und Stipendien erhalten. Sie hat einen Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon Gesellschaft (DG). Die Aufnahme der Walzer Chopins ist ihre zweite für das «Gelblabel», nachdem sie zuvor die «Etudes pour l‘ execution transcendante» von Franz Liszt eingespielt hatte.
Alice Sara Ott ging es, nach eigenem Bekunden, bei der Aufnahme der Walzer nicht darum, eine besonders introvertierte und intellektuelle Einspielung der Werke vorzulegen, sondern den «Duft» der Werke nachzuspüren. Sie sieht in jedem Walzer ein für sich abgeschlossenes Werk und arbeitet dessen «Eigenheiten» akribisch heraus. Dabei gelingt es Ott allerdings, eine wunderbare Leichtigkeit zu erzeugen und die «Stimmung» der einzelnen Stücke sehr schon einzufangen. Es geht ihr, wie man aus jedem Ton hört, nicht um eine eitle Selbstdarstellung. Alice Sara Ott steckt mit ihrer Spielfreude sogar regelrecht an und man könnte die knapp 60 Minuten lange CD immer und immer wieder hören. Sicher kann man jetzt einwenden, dass es schon eine Reihe namhafter Einspielungen dieser Walzer mit etablierten Pianisten gibt, und es mag die Frage laut werden, ob bei einer solch hochkarätigen Auswahl eine Neueinspielung der Werke nötig war. Dazu kann ich persönlich nur sagen: Es ist sicher richtig, dass es viele hervorragende Aufnahmen der Walzer gibt, u. a. von Vladimir Ashkenasy, dessen Gesamteinspielung der Chopin-Werke für Klavier solo ja eine absolute Referenz darstellt. Dennoch bietet Alice Sara Otts Interpretation eine gelungene Alternative zu den etablierten Aufnahmen. Wer Chopin einmal betont jugendlich-frisch und aus einem anderen «Blickwinkel» erleben möchte, der ist bei dieser japanisch-deutschen Künstlerin genau richtig.
Die Tempi sind manchmal vielleicht etwas sehr forsch, aber niemals zu schnell. Otts Spiel ist wunderbar transparent und macht einfach Lust auf mehr. Wenn man ihr zuhört, dann werden die Schwierigkeiten, die diese Musik u. a. interpretatorisch mit sich bringt, in die Bedeutungslosigkeit verbannt. Ihr leichter, perlender Anschlag passt wunderbar zu diesen Walzern. Für mich, der ich selbst auch – wenngleich sozusagen nur für den Hausgebrauch – Pianist bin, ist diese Neueinspielung der Walzer eine absolute Bereicherung und Entdeckung. Ich kann nur jedem Liebhaber von klassischer Musik bzw. Klaviermusik raten, sich diese Aufnahme zuzulegen und sich selbst ein «Bild» zu machen. Sie ist in jedem Fall eine willkommene Ergänzung der etablierten Einspielungen und muss sich hinter diesen keinesfalls verstecken! ■
Alice Sara Ott: Chopin, Complete Waltzes, Deutsche Grammophon Gesellschaft
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Gedichte-Wettbewerb des «Literaturpodiums»
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Lyrik mit gesellschaftskritischen Themen
Das deutsche «Literaturpodium» offeriert einen neuen Lyrik-Wettbewerb. Eingesendet werden können Gedichte zu allen Themen und in verschiedenen Stilen. «Auf literarische Qualität sollte besonders geachtet werden, gesellschaftskritische Themen sind ausdrücklich erwünscht. Konkrete Poesie ist genauso möglich wie surreale Formen.» Einsende-Schluss ist am 25. Oktober 2010, die weiteren Details finden sich hier. ■
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4. Brandenburger Biennale
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Internationaler Kompositions-Wettbewerb
Der Förderverein Brandenburger Symphoniker schreibt einen Kompositions-Wettbewerb aus, bei dem alle KomponistInnen ungeachtet ihrer Nationalität oder ihres Alters teilnehmen können. Es werden zwei Preise verliehen: 1. der mit 5’000 Euro dotierte Komponistenpreis, der mit einem Kompositionsauftrag für die Brandenburger Symphoniker zur Uraufführung im Brandenburger Industrie-Museum verbunden ist; sowie 2. der nicht dotierte Da-Capo-Preis, welcher die Zweit- bzw. erneute Aufführung eines eingesandten Werkes durch die Brandenburger Symphoniker vorsieht. Einsende-Schluss ist am 22. Mai 2010, die weiteren Details finden sich hier. ■
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Herta Müller: «Niederungen»
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Skizzen aus einem Banater Dorf
Günter Nawe
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Es ist ein Milieu der Trostlosigkeit, der Hoffnungslosigkeit und der existentiellen Heimatlosigkeit, von dem Herta Müller, Literatur-Nobelpreisträgerin 2009, in dem Band «Niederungen» erzählt. Und es handelt vom Leben in einem unbenannten Ort im deutschsprachigen Banatschwaben – im kommunistischen Rumänien.
In eindringlichen Prosaskizzen und Erzählungen schildert ein Mädchen – Alter ego der Autorin? – ein Dorfleben jenseits der herkömmlichen Idylle. Armut und fast archaische Traditionen herrschen bei den Daheimgebliebenen vor, während andere längst das Weite gesucht haben. Es sind immer dieselben Menschen, denen der Leser in den Skizzen begegnet: Mutter, Vater, das Kind, Großmutter, Tante, andere Verwandte. Das Geschehen im Dorf, in den Familien ist geprägt von den Alltäglichkeiten, den sozialen und individuellen Problemen, von Angst und dem stoisch ertragenen Gefühl der Ausweglosigkeit. Und so sitzen die Frauen «an den Winternachmittagen…am Fenster und stricken sich selber hinein in ihre Strümpfe aus kratziger Wolle, die immer länger werden und so lang sind wie der Winter selbst, die Fersen haben Zehen, als könnten sie von alleine gehen». Mit Auswirkungen bis in den privaten Bereich, in das Geschehen um Liebe und Hass, Geburt und Tod.
Es ist eine fast suggestive, auch assoziative Prosa, die den Leser in Bann zieht, mitnimmt in die Wirklichkeit und in Traumwelten von irritierender Art. Ob es «Die Grabrede» ist, während der eine Vergewaltigung imaginiert wird, ob es die «Dorfchronik» ist, in der die sozialistisch-gesellschaftlichen Bedingungen dargestellt werden. Immer sind es faszinierende Bilder einer fast unwirklichen Wirklichkeit, mit denen uns die Autorin konfrontiert.
An dieser Stelle spiegelt Literatur auf grausame Art und Weise das Leben. Auch Herta Müllers Leben. Denn in diesen Schilderungen riefen die kommunistischen Machthaber Rumäniens den Geheimdienst auf den Plan. Diese Texte waren und wollten so gelesen werden: Kritik am Sozialismus, an der Zwangskollektivierung, an der Entindividualisierung des Menschen. Das war subversiv – und musste geahndet werden. Die Autorin sollte dies hinfort am eigenen Leibe zu spüren bekommen.
«Niederungen» war das Debüt – und was für eines! Die Erzählungen enthielten schon die ganze Poetologie der Autorin. Und es hat in diesen Texten literarisch etwas begonnen, was als «Fortschreibung» in allen späteren Büchern der Herta Müller bis hin zu «Atemschaukel» zu lesen ist: Der Widerstand gegen Unfreiheit und Verfolgung, die schonungslose, akribische Notation des Bösen als Mahnung an die Nachwelt. Dies gelingt Herta Müller – und das macht sie über die Chronistin hinaus zur Dichterin – in einer großartigen poetischen, bilderreichen, wunderbaren Sprache; in einer Sprache, die neue Wahrheiten findet. -
Das Buch «Niederungen», das sei zum Schluss angemerkt, ist 1982 erstmals erschienen – in Bukarest. 1984 dann in einer gekürzten Fassung in Deutschland. Die jetzt vorliegende Ausgabe ist von der Autorin um die fehlenden Texte ergänzt und überarbeitet worden und bringt Müllers Debüt zum ersten Mal in der originalen Fassung. ■
Herta Müller, Niederungen, Prosa, Hanser Verlag, 144 Seiten, ISBN 978-3446235243
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Leseproben
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Geb. 1940 in Oppeln/D, von 1962 bis zur Pensionierung 2005 Mitarbeiter eines Kölner Zeitungsverlags, danach freischaffend u.a. als Pressesprecher eines großen Kölner Chores und Buchrezensent für Print- & Online-Medien
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Das neue Musik-Kreuzworträtsel
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Das Musik-Rätsel im März 2010
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Lösung: —>(weiterlesen…)
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Boris Gulko (u.a.): «Der KGB setzt matt»
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Düsterer Blick hinter die Weltschach-Kulissen
Thomas Binder
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Die politischen Einflüsse auf das Weltschach in der Zeit des Kalten Krieges harren noch einer umfassenden Darstellung. Einzelaspekte sind immer wieder aufgegriffen worden, so von Garri Kasparow und Viktor Kortschnoi in autobiographischen Büchern oder in Werken über den WM-Kampf zwischen Spasski und Fischer.
Die Autoren legen hier ihren Schwerpunkt auf die Manipulationen durch den sowjetischen Geheimdienst KGB. Leider können sie daher – etwa im Gegensatz zur Aufarbeitung der Stasi-Vergangenheit in der DDR – nicht auf Originaldokumente zurückgreifen. Ihre Darstellung muss also zwangsläufig hinter dem Anspruch einer wissenschaftlich dokumentierten Arbeit zurück bleiben.
Das Buch hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Dies beginnt bereits beim Blick auf die Liste der Autoren. Vier Namen stehen auf dem Einband: Boris Gulko, Viktor Kortschnoi, Wladimir Popow, Juri Felschtinski – und zumindest zwei davon lassen beim interessierten Schach-Enthusiasten Neugier und Vorfreude aufkommen.
Der Beitrag von Viktor Kortschnoi – immerhin eines der wesentlichen Opfer der beschriebenen Manipulationen – beschränkt sich aber leider auf ein mehrseitiges Nachwort ohne neue Erkenntnisse. Den Hauptteil des Buches bestreiten Gulko und das Autorenpaar Popow&Felschtinski mit etwa gleich langen Essays. Den amerikanischen Großmeister, der 1986 aus der Sowjetunion emigrierte, muss man in Schachkreisen wohl nicht vorstellen. Felschtinski ist ein amerikanischer Historiker, der ebenfalls aus der Sowjetunion emigriert war. Sein Forschungsschwerpunkt bleibt das Wirken des sowjetischen und russischen Inlands-Geheimdienstes. Einige Popularität erlangte er vor allem durch seine Zusammenarbeit mit dem 2006 in London unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommenen Ex-KGB-Mitarbeiter Litwinenko. Ex KGB-Oberstleutnant Popow gehörte zu jener Abteilung, die den internationalen Sportverkehr überwachte. Nach seinem Ausscheiden aus dem Geheimdienst emigrierte er nach Kanada.
Gemeinsam ist allen Autoren der Hass auf die kommunistischen Machthaber und deren Geheimdienst. Dass diese Emotion in ihren Ausführungen immer wieder Ausdruck sucht, kommt der objektiven Bewertung des Buches nicht unbedingt entgegen. Gerhard Josten hat es in seiner treffenden Rezension («Rochade Europa 3/2010») psychoanalytisch gedeutet, die Autoren würden nun «ihre Vergangenheit besser bewältigen können, als ohne diesen Rückblick». Ganz so weit möchte ich nicht gehen – aber Hass ist sicher ein schlechter Ratgeber, wenn man den Anspruch hat, ein historisch-politisches Enthüllungsbuch zu schreiben.
Gulkos Beitrag ist im Wesentlichen eine Schilderung der Repressalien, denen er und seine Gattin Anna Achscharumowa (selbst zeitweise eine Anwärterin auf die WM-Krone) ausgesetzt waren. Diese begannen etwa 1976, als sie sich weigerten eine Erklärung der sowjetischen Schach-Elite gegen den «abtrünnigen» Kortschnoi zu unterzeichnen. Zwei Jahre später stellten sie einen Ausreiseantrag, der schließlich 1986 genehmigt wurde.
Stark ist Gulko vor allem in den Passagen, in denen er detailreich von seinem Leben in jenem Jahrzehnt berichtet, sei es vom Hungerstreik, von Protestaktionen zum Interzonenturnier 1982 oder von der Manipulation der Frauen-Meisterschaft, als Anna kurz vor dem Titelgewinn stand.
Als wesentlichen Nutznießer der KGB-Politik macht Gulko den früheren Weltmeister Anatoli Karpow aus. Gewiss hat Karpow in der Sowjetunion weitgehende Privilegien genossen und sich diese auch durch eine gewisse Systemnähe – man kann es auch Opportunismus nennen – bewahrt. Inwieweit Karpow selbst im Hintergrund aktiv geworden ist, kann ich auch nach der Lektüre dieses Buches nicht beurteilen. Leider ist Gulko an vielen Stellen auf Vermutungen und Gerüchte angewiesen. Das macht dann auch Stellen wie die Behauptung, Karpow habe dank seiner KGB-Kontakte noch kürzlich ein Stück Land in Sibirien mit gigantischen Erdgasvorräten erworben und dabei 2 Milliarden Dollar gewonnen, für den unvoreingenommenen Leser schwer nachprüfbar.
So bleibt insgesamt ein unklarer Eindruck, den in Gulkos Bericht freilich die Passagen aus seinem eigenen Erleben mehr als wettmachen.
Noch wesentlich unklarer fällt die Bewertung des zweiten Hauptteiles aus. Der Historiker Felschtinski wird im Autorenporträt für «mehrere Dutzend Bände von historischen Dokumenten» gerühmt. Davon ist hier allerdings nicht viel zu lesen. Dokumente und Belege vermisst man fast völlig. Der Essay ist eine allgemeine Abrechnung mit dem KGB, wobei nahezu im Akkord einzelne Personen auf die Bühne geholt werden, von der sie ebenso schnell wieder verschwinden – ohne dass der Leser sich ein umfassendes Bild machen könnte oder auch nur deren Bezug zur Schachthematik erkennt. Erst gegen Ende gehen Felschtinski und Popow auf einige KGB-Aktionen im Umfeld der WM-Kämpfe Karpows gegen Kortschnoi bzw. Kasparow ein. Dass die sowjetische Führung hier auf Seiten Karpows stand und alles versuchte, ihm den WM-Titel zu sichern, überrascht schon nicht mehr. Dass dies soweit ging, Kortschnoi noch während des WM-Kampfes 1981 in Meran zu ermorden, sollte sich der Wettkampf ungünstig für Karpow entwickeln, ist hoffentlich eine paranoide Übertreibung.
Dem Anspruch einer historisch-dokumentarischen Darstellung kann dieses Buch nicht gerecht werden; darauf werden wir mit Blick auf die russischen Archive wohl noch lange warten müssen. Selbst die zwischen den Hauptautoren offene Frage, ob der KGB bei seiner Einmischung in das Weltschach allein aus eigenem Antrieb oder gemeinsam mit der Parteiführung handelte, muss vorerst offen bleiben.
Im Anhang findet man einen Brief von Popow an Felschtinski, in dem er vor allem auf die nach wie vor reale Bedrohung durch den (jetzt russischen) Geheimdienst eingeht. Die Anmerkung des Herausgebers, ohne diesen Brief hätte es das vorliegende Buch vermutlich nicht gegeben, bleibt ebenso nebulös, wie viele andere Andeutungen auf den 200 Seiten zuvor.
Dem interessierten Schachspieler sei das Buch empfohlen, wenn er sich eine gesunde kritische Distanz zu den notwendigerweise subjektiven Ausführungen der Autoren bewahrt. Die Erinnerungen Gulkos allein verdienen es, für künftige (und nicht nur schachspielende) Generationen bewahrt zu bleiben. ■
B.Gulko/V.Kortschnoi/W.Popow/J.Felschtinski, Der KGB setzt matt – Wie der sowjetische Geheimdienst die Schachwelt manipulierte, Excelsior Verlag Berlin, 216 Seiten, ISBN 978-3-935800-06-8
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Themenverwandte Links
Spiegel: KGB half Karpow – Samaranch als KGB-Spion? – Oppositionsführer Garri Kasparow (SZ-Interview) – Phänomen Kortschnoj – Wie Bobby Fischer den Kalten Krieg gewann – Chess/Essen (Musical) -
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Leseproben
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Das Zitat der Woche
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Von der «Bitte um Ihr Verständnis»
Bastian Sick
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«Fahrstuhl momentan außer Betrieb», steht in großen Lettern auf einem Zettel, den jemand an die Aufzugstür geklebt hat. Und etwas kleiner darunter: «Wir bitten um Ihr Verständnis.» Verständnis? Würde man ja gerne aufbringen, sogar hier und jetzt im Parkhaus des Einkaufszentrums, mit all den schweren Tüten in der Hand, wenn man nur wüsste, wofür!
«Dieser Artikel ist nicht mehr lieferbar. Wir bitten um Verständnis», erscheint auf der Angebotsseite eines Internet-Händlers. Das ist bedauerlich. Ganz offensichtlich ist aber auch eine zweite Sache nicht lieferbar, nämlich eine Verständnis schaffende Erklärung.
«Es können Wartezeiten von bis zu 45 Minuten entstehen», säuselt die Lautsprecherdurchsage im Freizeitpark. «Wir bitten um Ihr Verständnis.» Jetzt reicht’s! Schluss, aus, genug! Man möge mich um Pardon bitten, um Verzeihung, um Vergebung für dieses hochgradig unprofessionelle Management, das es nicht schafft, den Besucherandrang vor der Wildwasserbahn in einer Zeit zu bewältigen, die ungeduldig herumhüpfenden Kindern und vor allem den zunehmend entnervten Erwachsenen gerade noch zuzumuten ist. Sprich: in 45 Sekunden.
Ganz besonders lästig sind auch immer diese starkverrauschten Durchsagen im Feierabendverkehr, die wie folgt beginnen: «Sehr geehrte Fahrgäste! Hier spricht die Leitstelle der U-Bahn», und die regelmäßig mit der Beschwörungsformel enden: «Für eventuell entstehende Unannehmlichkeiten bitten wir um Ihr Verständnis.» Die erste Unannehmlichkeit war schon mal diese schwer verständliche Ansage, und Verständnis habe ich dafür nicht im Geringsten.
Die Bitte um Einsicht hat sich in den letzten Jahren zu einer wahren Volksseuche entwickelt. Allenthalben wird man um Verständnis angebettelt. Defekte Aufzüge, kaputte Automaten, Vorstellung fällt aus, heute keine Sprechstunde. Ohne Angabe von Gründen, aber immer: Wir bitten um Verständnis.
Noch dreister wird’s, wenn das Verständnis ungefragt vorausgesetzt wird. So ist es inzwischen gängige Praxis, nach kilometerlangen Baustellen – auch solchen, auf denen keinerlei Bautätigkeit festzustellen ist – den aus dem Stau kommenden Autofahrer mit Schildern zu verabschieden, auf denen ihm für sein Verständnis gedankt wird. Nach zehn Kilometern im zäh fließenden Verkehr, eingezwängt zwischen Brummis, Wohnmobilen und Reisebussen, wirkt das «Danke für Ihr Verständnis» nur noch abgeschmackt, fast schon hämisch.
Früher sagte man noch: «Es tut uns Leid» oder «Wir bitten um Entschuldigung». Da wusste man noch, was sich gehört. Und stand zu seinen Fehlern. Wer nicht liefern konnte oder eine Leistung versprach, die er nicht erbringen konnte, wand sich in Demut und wartete – auch ungefragt – gleich mit einem Dutzend glaubwürdiger und unglaubwürdiger Erklärungen für sein Missgeschick auf. Heute ist es der Kunde, der sich in Demut üben muss. Wer einen öffentlichen Service in Anspruch nehmen möchte, sollte sichergehen, dass er nicht nur Kleingeld, sondern auch immer ein wenig Verständnis im Portemonnaie hat. Man kann nie wissen, wofür.Aus Bastian Sick, Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, Wegweiser durch den Irrgarten der deutschen Sprache, Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln 2004
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