Siggi Liersch: «Köttelbug, ich & andere», Kurzprosa
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Literarische Reanimation des Dadaismus
Bernd Giehl
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Eines muss man Siggi Liersch ja lassen: Mut hat er. Schon das Bild des Autors auf dem Cover wirkt eher abschreckend. (Womöglich ist es mit einem extremen Weitwinkelobjektiv aufgenommen worden, einem sogenannten „Fisheye», das den Abgebildeten dicker macht, als er wirklich ist…) Dass dieses Bild allerdings nicht zufällig ausgewählt, sondern Programm ist, merkt man bald, wenn man den einen oder anderen der «Kurzprosa» genannten Texte aufschlägt.
In den ersten beiden Teilen, «Köttelbug» und «ich», ist keiner länger als eine Seite. Die meisten Texte haben einen Umfang von einer drittel bis einer halben Seite. Es handelt sich um ins Groteske gesteigerte Beobachtungen aus dem Alltag, oder dann um Traumsequenzen. Ein Kartenspieler sitzt in einem Raum, in dem die Vorhänge zugezogen sind und gewinnt eine halbe Frau, vom Bauchnabel abwärts, die zudem aussätzig ist. Er möchte ins Freie, wo Geckos an Holzmasten sitzen und von denen einer gerade seine halbe Frau verspeist. («Spiel»). In einem anderen Text («Avantgarde») verwirklicht ein bisher unbekannter Komponist namens Molotow («nicht zu verwechseln mit einem gleichnamigen, politisch orientierten Namensvetter») den Traum der Futuristen aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts und bringt in Bayreuth bei den Wagner-Festspielen ein Orchester auf die Bühne, das statt mit Violinen, Oboen und Blechblasinstrumenten mit Maschinengewehren, Panzerfäusten und Splitterbomben bewaffnet ist.
Offensichtlich hat da einer den Dadaismus, jene von Hugo Ball, Tristan Tzara, Hans Arp und anderen 1916 in Zürich erfundene Kunstrichtung, noch einmal für sich neu gefunden. Eine schöne Definition von «Dada» habe ich im «Funkkolleg Moderne Literatur» von 1993 gefunden. Laut Tristan Tzara und Richard Huelsenbeck kam «Dada [...] aus dem Leib eines Pferdes als Blumenkorb.» (Studienbrief 4, 12/6) Oder anders gesagt: Dada verbindet möglichst disparate Elemente zu einem Ganzen. Dinge werden montiert, die in der Realität sonst nichts miteinander zu tun haben. In den Texten des studierten Germanisten Siggi Liersch feiert dieses Prinzip Wiederauferstehung. Auch die über das Buch verstreuten Collagen sind im Stil des Dadaismus gehalten.
Ob man das alles ernst nehmen muss? Meiner Meinung nach sind es eher sinnfreie Texte, die mit der Realität nicht allzu viel zu tun haben. Aber über Dada und die Frage, ob es einen Sinn im Unsinn gibt, lässt sich bekanntlich wunderbar streiten. Wobei man in einer Zeit, in der eine Partei Steuersenkungen fordert, obwohl sie weiß, dass der Staat so hoch verschuldet ist wie nie zuvor, schon einmal darüber nachdenken kann, ob das Groteske nicht langsam immer mehr zur Realität wird und man der Realität (allenfalls) noch mit Satire beikommen kann…
Siggi Liersch, Köttelbug, ich & andere, Kurzprosa und Collagen, 152 Seiten, BoD Norderstedt, ISBN 978-3-8391-2179-5
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Kompositionswettbewerb für Geistliche Musik
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Werke für 1 Vokalist/in und 4 Instrumentalsolisten
Das gesamteuropäische Kirchenmusik-Festival 2010 in Schwäbisch-Gmünd vergibt in Zusammenarbeit mit dem Südwest-Rundfunk einen international ausgeschriebenen Kompositionsauftrag zur Förderung zeitgenössischer geistlicher Musik. Unter dem Festival-Motto «Jung und Alt» können Werke für einen Vokalisten oder eine Vokalistin und maximal vier Instrumentalsolisten eingereicht werden. Die prämierte Komposition soll im Sommer 2010 im Rahmen des ökumenischen Eröffnungsgottesdienstes uraufgeführt werden, wobei das biblische «Gleichnis vom verlorenen Sohn» aufgegriffen werden soll; «es können aber auch andere deutschsprachige Texte eingefügt oder für sich vertont werden, z.B. die Kurzgeschichte ‘Heimkehr‘ von Franz Kafka).» Der Wettbewerb ist mit 2’500 Euro dotiert, Einsende-Schluss ist am 4. Januar 2010; die weiteren Details finden sich hier.
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Das Zitat der Woche
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Über das Unterhaltende und das Ernste
Heinz Ludwig Arnold
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Die Frage, wie ernst Unterhaltendes und wie unterhaltend Ernstes sein könne, ist nicht eindeutig, weil nur individuell, nämlich durch Praxis: durch unterschiedliche und momentane Erfahrung zu beantworten.
Warum kann nicht ein und der(die)selbe ernsthaft unterhalten werden von einmal der Lektüre Shakespeares, Flauberts, Joyce’, von andermal dem Schmökern in Scott, Hugo, ja: Karl May, Chandler, Dick Francis oder Donna Leon? Von Kammermusik und sinfonischer Musik, von Strenge und Pathos, von Mozart und Beethoven, Bach und Scarlatti, von Mahler und Rachmaninov, von Bruckner und den Rolling Stones, Schostakowitsch und den Beatles und Oscar Peterson usw.? Alles zu seiner und mit seiner Zeit.
Denn die Frage ist: Wieviel Zeit nehme ich mir, um mich ernst zu unterhalten oder um mich, mich unterhaltend, ernst zu nehmen. Denn die Einübung in komplexere (literarische, musikalische, bildnerische) Techniken ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass ich mich auch bei der Beschäftigung mit komplexen Texten, Kompositionen, Bildern unterhalte und nicht für nur ernsthaft ausgebe, was mir Mühe bereitet, und für unterhaltsam, was mir jene Anstrengung erspart, die ja eine kulturelle Leistung ist. Sie aber kostet Zeit.
Denn wer ernsthaft unterhalten sein will von Literatur und Theater, Kunst, Musik und Film muss vor allem neugierig sein bei ihrer Entdeckung, muss sich anstrengen bei ihrer Aneignung und Geduld haben bei ihrer Durchdringung, muss schließlich Phantasie entwickeln bei ihrer Anwendung. All dies kostet vor allem eines: nämlich Zeit. Und Zeit zu haben ist heutzutage der Luxus…Aus Heinz Ludwig Arnold, Luxus, in: Lesen Sie auch nie? – Tintenfass Nr.26, Diogenes Verlag 2000
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Literatur-Wettbewerb zum Thema «Essen»
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Der Putlitzer Kurzprosa-Preis 2010
Der Literaturverein «42er Autoren» schreibt den internationalen «Putlitzer Preis 2010» aus. Thema des Wettbewerbs 2010 ist «Essen». Teilnahmeberechtigt sind alle Autoren, Profis wie ambitionierte Nachwuchsschriftsteller, die in deutscher Sprache schreiben. Einzureichen sind Kurzprosa-Manuskripte mit maximal 1’000 Wörtern. Einsende-Schluss ist am 15. Oktober 2009, die weiteren Details finden sich hier.
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Aufgeschnappt
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Literatur-Nobelpreis für Bob Dylan?
Die Berliner Zeitschrift «Literaturen» meint in ihrem jüngsten Heft, der US-Pop-, Folk- und Rocksänger Bob Dylan sollte den nächsten Nobelpreis für Literatur erhalten. Denn immerhin sei er «der einflussreichste und wirkungsmächtigste Lyriker der Moderne». Das Werk des inzwischen 68-jährigen sei «lebendig und bleibt in Bewegung, nicht zuletzt durch ihn selbst und die fortgesetzte Neuinterpretation seiner alten Songs», heißt es in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift. «Bei ihm wird aus Dichtung Musik und aus Musik Poesie», schreibt das Heft weiter; «Einer wie er sollte endlich den Literaturnobelpreis bekommen.»
Alljährlich im Oktober vergibt in Stockholm das Nobelpreis-Komitee diese in verschiedenen natur- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen dotierte, hoch angesehene Auszeichnung. Die Literatur-Preisträger der letzten fünf Jahre waren Elfriede Jelinek, Harold Pinter, Orhan Pamuk, Doris Lessing und Jean-Marie Gustave Le Clézio. Pro Jahr gehen nach inoffiziellen Angaben bis zu 300 Nominierungen in Stockholm ein. Vorschläge einreichen können neben Literatur- und Linguistikprofessoren auch frühere Preisträger, Mitglieder der Schwedischen Akademie und Vertreter von Schriftstellerverbänden.
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Der brillante Schachzug (47)
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Schwarz am Zuge
Kunz-Meinhold, CorrGame 1958
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5nk1/2qr1ppp/3prb2/p1p5/PpP1P1Q1/4BP2/1P1R2PP/2NR2K1 b – - 0 24
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Lösung: —> (mehr…)
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Herbst-Haiku (4)
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aus der Ferne mühevoll
durch den Nebel dringt!
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Onitsura (1660-1738)
(Ü: Coudenhove)
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Musik für Viola mit Nils Mönkemeyer
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Hochklassig musiziertes Bratschen-Album
Christian Schütte
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Immer wieder neu aufgehende Stars und Sternchen sind am Himmel der internationalen Geigenszene beinahe schon zum täglichen Geschäft geworden. Bei Bratschern sieht das ganz anders aus, was zum einen eher pragmatisch daran liegt, dass es einfach nicht so viel Sololiteratur für dieses Instrument gibt. Zum anderen wird sich die Bratsche wohl niemals in ihrem Prestige und Ansehen aus dem Schatten der Geige befreien können. Ein junger Musiker, der diesen Weg seit einiger Zeit erfolgreich beschreitet, ist Nils Mönkemeyer. Gerade hat der 31-jährige bei Sony sein neues Album, begleitet von den Dresdner Kapellsolisten unter der Leitung von Helmut Branny, herausgebracht.
Das Programm lädt nur schon beim Lesen zum Hinhören ein. Zwei Viola-Konzerte heute nahezu in Vergessenheit geratener Komponisten bilden den Rahmen, das G-Dur-Konzert von Antonio Rosetti und das D-Dur-Konzert von Franz Anton Hoffmeister. Dazwischen hat Mönkemeyer eigene Bearbeitungen für sein Instrument von Arien und Chorsätzen aus verschiedenen Kantaten Johann Sebastian Bachs eingespielt.
Franz Anton Hoffmeister lebte zur gleichen Zeit (1754 bis 1812); geboren in Rottenburg am Neckar, zog es ihn später nach Wien. Dort betätigte er sich nicht nur als Komponist, sondern auch als Musikverleger und gab als solcher Werke Mozarts und Haydns, die er beide persönlich kannte, heraus. Stilistisch ist er noch hörbarer als Rosetti von den beiden großen Vorbildern seiner Zeit geprägt. In Ermangelung entsprechender Werke in dieser Epoche ist das D-Dur-Konzert zum Pflichtstück für Vorspiele um Viola-Stellen in Berufsorchestern geworden und hat somit den Status eines Standardwerkes bekommen. Durchaus zurecht, bietet es dem Solisten vielfältige Möglichkeiten, die Viola in einer großen Bandbreite an Facetten zu zeigen – sowohl als virtuoses, dynamisches Instrument wie auch als lyrisch-kantables. Mönkemeyer lässt sich auch diese Gelegenheit nicht entgehen und stellt sein großes Können eindrucksvoll unter Beweis. Sehr transparent und präsent begleiten ihn die Dresdner Kapellsolisten unter Helmut Branny, der großen Wert darauf legt, auch in der Begleitung einzelne Instrumentalstimmen klar herauszustellen und keinen typischen Orchesterklang zu erzeugen.
Gleiches gilt auch für die Bearbeitungen der Bach-Kantaten. Die Auswahl der Stücke wirft allerdings Fragen auf. Der Eingangschor aus BWV 207a «Auf, schmetternde Töne der muntern Trompeten» ist ein durchaus imposantes Stück, im Orchester von Trompeten begleitet. Diese Üppigkeit und Brillianz des Originals – es ist ein Huldigungschor an den Sächsischen Kurfürsten – geht in der Bearbeitung leider weitestgehend verloren, die Trompeten fehlen ganz und auch ist es schwierig, mit nur einer Bratsche einen vierstimmigen Chor zu ersetzen. Da sind filigrane Stücke wie die Bass-Arie «Ich habe genug» aus BWV 82 wesentlich besser geeignet.
Ein durchwegs hochklassig musiziertes Album ist hier entstanden, was nicht nur Bratschen-Liebhabern gefallen wird. Und es macht neugierig auf die weitere Karriere von Nils Mönkemeyer. ■
Nils Mönkemeyer, Bratsche: Weichet nur, betrübte Schatten – Musik von Rosetti, Bach und Hoffmeister; Dresdner Kapellsolisten, Helmut Branny; Sony Music 2009, 66 Min.
Inhalt
- Antonio Rosetti: Konzert G-Dur für Viola und Orchester, Allegro–Grazioso-Rondo;
- Johann Sebastian Bach: Kantaten – Auf, schmetternde Töne der muntern Trompeten (BWV 207a), Weichet nur, betrübte Schatten (BWV 202), Augustus’ Namenstages Schimmer (BWV 207a), Wir eilen mit schwachen, doch emsigen Schritten (BWV 78), Schleicht, spielende Wellen, und murmelt gelinde (BWV 206), Ich habe genug (BWV 82)
- Franz Anton Hoffmeister: Konzert D-Dur für Viola und Orchester Allegro – Adagio – Rondo
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Literaturwettbewerb «Winter und Weihnachten»
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Weihnachtsgeschichten für Erwachsene
Das deutsche «Literaturpodium» ruft zu einem Literaturwettbewerb «Winter und Weihnachten» auf. Eingesendet werden können Erzählungen und Gedichte «rund um Winterlandschaften, Adventszauber und Knecht Ruprecht. Form und Inhalt sind frei variabel. Wert gelegt wird auf literarische Qualität und Eigenständigkeit. Weihnachtsgeschichten für Erwachsene sind gesucht, auch kann dem nachgegangen werden, warum der Schnee immer öfter ausbleibt. Von der gelungensten Überraschung aus Kindheitszeiten ließe sich berichten u.v.a.». Es dürfen maximal zwölf Gedichte eingereicht werden. Prosa sollte 15 Seiten nicht überschreiten, Auszüge aus einer längeren Erzählung sind möglich. Einsende-Schluss ist am 27. Dezember 2009, die weiteren Details finden sich hier.
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Das Zitat der Woche
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Vom Verlagsgeschäft im Zeitalter des World Wide Web
Ulrike Langer
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Wenn Tim Berners-Lee das World Wide Web mit typischem Verlagsdenken ersonnen hätte, dann gäbe es heute kein weltumspannendes Netz, das Webseiten und ihre Inhalte miteinander verknüpft und Weltwissen auf unendlich vielen Pfaden verfügbar macht. Es gäbe bloß Anhäufungen von großen und kleinen und mehr oder weniger autarken Inseln mit Inhalten. Aber keine Möglichkeit, von einer Insel auf die andere zu gelangen und dabei Neues zu entdecken.
Den Kerngedanken des Web – die Verbindung fremder Webseiten per Link – haben die meisten deutschen Verlage bis heute nicht begriffen. Ihre Webportale sind voll von Beiträgen, die außer Hinweisen auf andere eigene Beiträge keinen einzigen hinausführenden Link zu Originalquellen, anderen Perspektiven oder vertiefenden Informationen enthalten. Dahinter steckt die unausgesprochene Prämisse, die Verlage seit ihren ersten Schritten im Internet als gegeben voraussetzen: Man schickt niemals seine Leser auf andere Websites. Sie könnten dort etwas Interessanteres finden, und darüber könnten sie doch glatt vergessen zurück zu kommen.
Weil Verlage ihre Portale nicht als attraktive Knotenpunkte im Web, sondern als autarke Inseln begreifen, tun sie alles (und zwar fast alle das Gleiche), um die Nutzer zum Bleiben zu bewegen und viel zu wenig, um Nutzer dazu zu bewegen, freiwillig wieder zu kommen. Auf diese Weise vergeben sie zahlreiche Chancen:
* Agenturberichte, Kinokritiken oder Kochrezepte gehören nach Verlagsauffassung zu einem vollwertigen Portal dazu. Schließlich sind solche Bausteine, auch wenn sie jeder hat, ja auch Bestandteile der gedruckten Zeitung. Doch das ist Printdenken im Web. Anders als am Frühstückstisch, wo die meisten Menschen nur ein einziges Blatt lesen, sind im Netz die identischen Allerweltsinformationen immer nur einen Mausklick entfernt. So führt das Portaldenken dazu, dass einzigartige Inhalte gegenüber Versatzstücken, die jeder hat, nicht genügend im Vordergrund stehen. Das kleinteilige Design der meisten Zeitungswebsites verstärkt die falsche Prioritätensetzung noch obendrein.
* Verlage reichern ihre Websites nicht mit dem Mehrwert an, den sie durch Verlinkung gewinnen könnten. Das zu beherzigen, fordert Jeff Jarvis: «Tue, was Du am besten kannst und verlinke zum Rest.» In der Linkökonomie muss nicht jeder das Rad neu erfinden und nochmals niederschreiben, was viele andere vielleicht schon treffender gesagt haben. Viel sinnvoller ist, zu den besten dieser Quellen zu verlinken.
* Verlagsportale, die nicht verlinken, denken nicht vom Nutzerinteresse her und bieten ihren Lesern dehalb nicht den größtmöglichen Service. Sie verkennen, dass es für die Leser einen großen Wert hat, von einer Website regelmäßig auf gute externe Websites verwiesen zu werden. Weitere Argumente dazu gibt es bei Beatblogging.org.
* Verlagsportale handeln aber auch nicht in ihrem eigenen Interesse, wenn sie nicht verlinken. Zum Beispiel im Lokaljournalismus. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass aus Lesern von Spielberichten im Kreisligafußball Community-Mitglieder eines von der Zeitung geleiteten lokalen Sportportals werden können, wenn Verlage sich angewöhnen würden, auf die Websites der Vereine zu verlinken und sie aktiv mit einzubeziehen. Das lässt sich für die gesamte deutsche Vereinslandschaft durchdeklinieren.
Der New Yorker Medienprofessor Jay Rosen spricht in einem sehenswerten Vier-Minuten-Video von der «Ethik des Verlinkens». Die meisten Zeitungsportale missachten diese Ethik. Sie profitieren von der Aufmerksamkeit, die andere ihnen durch Links bescheren, geben aber nichts von der Aufmerksamkeit zurück, die sie bekommen.
Auf die Idee, schon das bloße Verlinken und Zitieren (nicht zu verwechseln mit dem widerrechtlichem Kopieren) mit einer Strafgebühr, genannt «Leistungsschutzabgabe», zu belegen, kommt nur jemand, der die Ethik des Verlinkens weder versteht noch beherzigt. Über die praktischen und rechtlichen Probleme der «Verleger-GEMA» haben auch Robin Meyer-Lucht und Matthias Schwenk hier bei Carta schon geschrieben. Die Verlage verwandeln ihre Portale mit einer solchen Abgabe endgültig in abgeschottete Inseln, denn wer will schon dafür bezahlen, verlinken zu dürfen? Der Gedanke ist ebenso absurd wie von Fans eine Abgabe dafür zu verlangen, dass sie kostenlose Mundpropaganda für ein Produkt oder für eine Musikband machen.Die Kosten für ein optimiertes Suchmaschinenranking (SEO) können Verlage bei einer GEMA-Gebühr für das Verlinken konsequenterweise dann auch gleich einsparen, bzw. in Etats für gekaufte Suchwortplatzierung umwandeln, denn Suchmaschinen stufen Websites, auf die nur wenige Links führen, als vergleichsweise unbedeutend ein. Inhalte hinter der Schranke einer Leistungsschutzabgabe für das Verlinken werden so letztlich der öffentlichen Diskussion ebenso entzogen wie Inhalte hinter einer Bezahlschranke für das bloße Anschauen (Paid Content). Und das ist so ziemlich das Gegenteil eines freien Internet, das Menschen und Informationen verbindet, welches Berners-Lee im Sinn hatte, als er das World Wide Web erfand.
Aus Ulrike Langer, «Das Netz besteht aus Verbindungen, nicht aus abgeschotteten Inseln», in: Carta.info 2009
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Wer bin ich?
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Women Power (VI)
Aus einem hochmusikalischen Elternhaus stammend, kam ich mit meinem Lieblingsinstrument schon früh in Berührung, und später wurde ich zu einer gefeierten Solistin in meinem Heimatland. Danach konzentrierte ich mich allerdings ganz auf die Komposition und die Literatur, und auch in diesen beiden Welten galt ich bald als eine sehr erfolgreiche Künstlerin. Aus meiner Feder stammen Romane und Erzählungen, einen internationalen Namen machte ich mir aber v.a. als einflussreiche Komponistin zahlreicher Orchesterstücke, Instrumentalkonzerte und Kammermusikwerke sowie eines umfangreichen Oeuvres von Sologesangs- und Chormusiken.
Leider geriet ich in den folgenden Jahrzehnten nach und nach in Vergessenheit, und heute steht mein ebenso qualitätsvolles wie thematisch sehr breites schöpferisches Schaffen in keinem Verhältnis mehr zu meinem geringen Bekanntheitsgrad, obwohl mein Kompositionsstil keineswegs als avantgardistisch zu beschreiben, sondern vielmehr dezidiert tonal, teils gar folkloristisch, wenngleich sehr strukturiert, fast «anti-expressionistisch» gehalten ist, und obwohl sich Kenner und Könner immer mal wieder in Konzerten und auf Schallplatten meiner Kompositionen annahmen.
Das obenstehende Notenbeispiel zeigt den Anfang einer Transkription meiner mehrsätzigen Kammersonate für Cello und Klavier. – Also: Wer bin ich?
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Der brillante Schachzug (46)
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Schwarz am Zuge
Giacomelli-Weiss, CorrGame 1957
4rrk1/7p/p2b4/1p1p1ppq/3P1P2/2P1B1Pb/PP1N1Q1P/R3R1K1 b – - 0 22
Auflösung: —> (mehr…)
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Südkoreanischer Kompositionswettbewerb 2009
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Musik für Streicher- oder Bläser-Ensemble
Das Konsortium «Modern Art» der südkoreanischen Stadt Jeju organisiert einen Kompositionswettbewerb, der in zwei Kategorien kammermusikalische Werke für Streicher bzw. für Bläser ausschreibt. Der Wettbewerb steht Komponist/inn/en aller Alter und Nationalitäten offen. Das Werk für Streicherensemble sollte 7-10 Minuten dauern und die Besetzung: 1. Vn (4). 2. Vn (4). Viola (3). V. Cello (2). C. Bass (1) realisieren, während das Stück für Bläserensemble mit 1. & 2. B-Trompete (mit 2 B-Piccolos), 1. & 2. B-Kornett (einschließlich 2 B-Flügelhörner), 1. & 2. Horn, 1./2./3. Posaune&Bass-Posaune, Euphonium oder Bariton, 1. & 2. Tuba und Timpani/Percussion (maximal 5 Spieler) besetzt sein sollte.
Der Wettbewerb ist mit ingesamt 3’400 Dollar zuzüglich Sonderpreise dotiert. Einsende-Schluss ist am 31. Oktober 2009, die weiteren Details (engl.) finden sich hier.
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Herbst-Haiku (3)
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Durch die offne Türe dringt
später Sonne Strahl.
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Chora (1726-1781)
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Das «Glarean»-Streichholzrätsel
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Drei Streichhölzer sind so umzulegen, dass vier Quadrate entstehen
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Wettbewerb der Shakuhachi Chamber Music International
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Neue Musik für die Shakuhachi-Flöte
Die Shakuhachi Chamber Music International ruft für das kommende Jahr zu ihrem gleichnamigen Kompositionswettbewerb auf. Eingereicht werden kann ein Werk für die Shakuhachi-Flöte mit Piano, Violine oder Violoncello. Die Dauer des Stücks sollte zwischen zehn bis fünfzehn Minuten betragen. Einsende-Schluss ist am 26. Februar 2010, die weiteren Details sind hier (engl.) zu erfahren.
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Das Zitat der der Woche
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Von der Notwendigkeit des Handelns
Noam Chomsky
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Wer nichts weiß, kann niemanden verraten. Er geht sorglos durchs Leben. Wir aber, die wir in einer Tradition stehen – der europäischen – und diese Tradition fortsetzen, wir haben mit Wissen und Einsicht, wir haben bei vollem Bewusstsein betrogen; wir haben die Kriege sorgfältig analysiert, bevor sie erklärt wurden. Aber wir haben sie nicht verhindert. (Und viele von uns wurden zu deren Propagandisten, sobald sie erklärt waren.) Wir beschreiben, wie die Armen von den Reichen ausgeplündert werden. Und wir leben unter den Reichen. Wir leben von der Beute und verkuppeln den Reichen Ideen.
Wir haben Folterungen beschrieben und unsere Namen unter Resolutionen gegen die Folter gesetzt, aber wir haben sie nicht verhindert. (Und wir selber wurden zu Folterknechten, wenn höhere Interessen das verlangten, und machten uns zu den Ideologen der Tortur.) Und nun analysieren wir wieder die Weltlage, wir schreiben über die Kriege und erklären, warum die Massen arm sind und hungern. Aber mehr tun wir nicht. Wir sind nicht die Träger des Bewusstseins. Wir sind die Huren des Verstandes.
Aus Noam Chomsky, Über Erkenntnis und Freiheit, Suhrkamp/Frankfurt 1973
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