Glarean Magazin

Das Zitat der Woche

Veröffentlicht in Philosophie, Politik, Politik&Gesellschaft, Urs Marti, Zitat der Woche von Walter Eigenmann am 31. August 2009

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Über den Neoliberalismus

Urs Marti

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Konflikte nehmen in einer Gesellschaft im gleichen Maß zu wie der Abstand zwischen Reichtum und Armut, Macht und Ohnmacht; auf dieser Einsicht baut das politische Denken seit Jahrtausenden auf. Manche Indizien sprechen dafür, dass es um die Stabilität moderner Gesellschaften nicht zum Besten steht. Gewiss, die revolutionäre Linke ist, wo sie überhaupt eine Rolle spielt, minoritär, von einigen lateinamerikanischen Ländern vielleicht abgesehen. Doch dem Neoliberalismus als der derzeit wohl konsistentesten Doktrin zur Verteidigung der kapitalistischen Marktwirtschaft ist es bislang nicht gelungen, ein konsensfähiges politisches Projekt zu formulieren oder gar umzusetzen. Derweil nimmt der Abstand zwischen Reich und Arm absurde Ausmaße an, der Mittelstand fürchtet den Abstieg, und niemand kann sich mit der Hoffnung trösten, der Markt belohne Fleiß und bestrafe Faulheit [...]

Urs Marti

Urs Marti (*1948)

Indizien der Destabilisierung sind derzeit aber nicht revolutionäre Bewegungen, eher Pathologien unterschiedlicher Art, Frustrationen und Ressentiments. Demokratische Verfahren mutieren zu marktähnlichen Mechanismen, und häufig drängt sich der Eindruck auf, nachgefragt wurde primär, was den größten Unterhaltungswert verspricht. Beliebt ist der grobe Ton, das Aufhetzen, die Verunglimpfung und moralische Diskreditierung der Gegenseite. Es entbehrt nicht der Ironie, wenn in einem Klima der permanenten Mobilisierung gegen ganze Menschengruppen, denen das Recht auf Partizipation und Inklusion abgesprochen wird, linke Argumente als bloßer Ausdruck einer veralteten Ideologie des Klassenkampfs «widerlegt» werden. Der Klassenkampf ist keine Erfindung der Linken, allenfalls besitzt, wer linke Anliegen vertritt, ein etwas feineres Sensorium für das soziale Konfliktpotenzial, das in der Unvereinbarkeit von Interessen liegt. Dieses Potenzial wird durch weltfremde Utopien einer ausschließlich aus Eigentümern, Konsumenten und Investoren bestehenden Gemeinschaft nicht entschärft. Während die als Neoliberalismus bezeichnete Doktrin in ihrem Selbstverständnis eher eine Wissenschaftskritik ist als eine Wissenschaft, sind ökonomische Theorien, auf die er sich stützt, in den letzten Jahrzehnten regelmäßig falsifiziert worden. Statt sich jedoch mit empirischen Falsifikationen auseinanderzusetzen, ziehen es Neoliberale vor, jeden Versuch, aufgrund rationaler Reflexion alternative Ordnungen zu entwerfen, der Sünde des »Konstruktivismus« zu bezichtigen.
Wenn Krisensymptome nicht oder nur verzehrt wahrgenommen werden, so auch deshalb, weil rationale Diskussionen über die Wünschbarkeit und Realisierbarkeit von Alternativen im politischen Tagesstreit kaum auf Interesse stoßen. In dieser Situation hat die revolutionäre Linke naturgemäß einen schweren Stand. Ihre Konzeption eines freiheitlichen Sozialismus ist vorderhand nicht mehr als eine Hypothese, und Projekte einer revolutionären Politik können nicht mehrheitsfähig werden, wenn es nicht gelingt, den die politische Auseinandersetzung prägenden Irratiopalismus zu überwinden. Immerhin ist zu konstatieren, dass zumindest in der akademischen Welt die Bereitschaft, Marx’ Theorie ernsthaft zu diskutieren, zugenommen hat. In einem kürzlich erschienenen Buch, dessen Herausgeber man wohl dem Lager der Ordoliberalen zurechnen darf, steht zu lesen, Marx habe den zeitgenössischen Liberalismus gerade deshalb abgelehnt, weil ihm die individuelle Freiheit so überaus wichtig gewesen sei. Ebenso wird konstatiert, sein Werk biete «eine lebhaft sprudelnde Quelle der Inspiration, aus der freilich – wenn nicht alles täuscht – gegenwärtig kaum geschöpft wird» (Pies/Leschke: Karl Marx’ kommunistischer Individualismus, Tübingen 2005). Diesem Befund kann man nur beipflichten.
Revolution heißt Veränderung sozialer Institutionen, Neuverteilung der Macht mittels Neudefinition von Rechten, insbesondere Partizipations- und Eigentumsrechten. Revolution in diesem Sinne hat nichts zu tun mit einer moralischen Läuterung oder einer kulturellen Wiedergeburt. Der Liberalismus ist für den Marxismus eine notwendige Stufe der Zivilisationsgeschichte, hinter die zurückzugehen so sinnlos wie verhängnisvoll wäre. Die Revolution verändert nicht den Menschen, sie schafft ein anderes Anreizsystem, sie verändert die Bedingungen, unter denen Menschen handeln, sich entfalten, Wissen sammeln und nutzen können, sie zielt auf die Schaffung neuer Formen der Kooperation, worin in den Worten von Marx und Engels «die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist». ♦

Aus Urs Marti, Freiheit, Recht und Revolution, in: Zukunft der Demokratie, Das postkapitalistische Projekt, Rotpunkt Verlag 2008

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Eugen Stefan Paschek: «Toulouse-Bordeaux mit TGV»

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«Toulouse-Bordeaux mit TGV»

Für Harmonieorchester

von Eugen Stefan Paschek

(Erst-Veröffentlichung)

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Titel-Seite – Leseprobe:

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Paschek_Toulouse_Partitur_Seite01_Glarean-Magazin

Copyright Eugen Stefan Paschek, Marl/D – August 2009 – Erst-Veröffentlichung

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Eugen PaschekEugen Stefan Paschek
Geb. 1937 in in Schwientochlowitz/Oberschlesien, Musikstudium an der Musikhochschule Kattowitz, Arbeit mit dem RTV-Rundfunk-Unterhaltungsorchester Kattowitz als Musiker und Komponist, 1980-1996 Kompositions-Mitglied des polnischen ZAKR, seit 1987 Deutscher Staatsangehöriger, lebt in Marl/D

Alle Rechte vorbehalten
[Aufführungen erwünscht; E-Mail an: eugen-paschek(ät)freenet.de ]

Partitur-Gratis-Download (49 Seiten A4, pdf-Format / ZIP – 72 MB

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Der brillante Schachzug (43)

Veröffentlicht in Der brillante Schachzug, Schach, Schach-Rätsel von Walter Eigenmann am 29. August 2009

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Schwarz am Zug gewinnt

Black-Tinture, CorrGame 2004

Brillanter Zug 43_Glarean Magazin_Black-Tinture_CorrGame 2004

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Das neue Schach-Kreuzworträtsel

Veröffentlicht in Kreuzworträtsel, Rätsel, Schach, Schach-Kreuzworträtsel, Schach-Rätsel von Walter Eigenmann am 28. August 2009

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Das Schach-Kreuzworträtsel / August 2009

Schach_Raetsel_August2009

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Peter Klusen: «Augenzwinkernd»

Veröffentlicht in Buch-Rezension, Karin Afshar, Literatur, Lyrik, Peter Klusen, Rezensionen von Walter Eigenmann am 27. August 2009

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Im Humor macht man sich dümmer als man ist und
wird dadurch stärker als man scheint

Karin Afshar

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Peter_Klusen_augenzwinkernd_CoverIch kenne ihn nicht und ich kenne ihn doch – den Peter Klusen, geboren im Jahre 1951 in Mönchengladbach, denn ich habe Gedichte von ihm gelesen.
Friedrich Nietzsche (1844-1900) meinte irgendwann einmal, man könne aus drei Anekdoten das Bild eines Menschen ersehen. Drei oder vielleicht vier Gedichte tun es sicher auch, um das Pendeln eines Dichters zwischen Tragik und Komik zu umreißen und ihn kennenzulernen. Folgen Sie mir bei diesem Versuch.

Ein erstes (nein, es ist das zweite) Gedicht («niederrheinische ver-bindungen»), im «Präludium» des orangefarbenen Paperbackbüchleins, beginnt so:

mit dem
niederrhein
mein gott
verbindet mich doch nichts

Peter Klusen lebt am Niederrhein, in einer Kleinstadt ohne landschaftliche Attraktionen außer den Süchtelner Höhen, so steht es in der Vita hinten im Buch und auf seiner Webseite, ich hab nachgeschaut. Er – so liest man weiter über ihn – ist Germanist, Sozialwissenschaftler, Publizist, Lehrer, Schriftsteller, Cartoonist. Und mit dem Niederrhein verbindet ihn nichts?
Habe ich ihn soeben ertappt? Die letzte Strophe löst auf:

nein
mit dem niederrhein und seinen
zugenebelten wiesen voller kuhfladen
kapellen und fettecken
verbindet mich nichts
aber lieber gott
lass mich dereinst nicht
begraben werden wie der
heine
zum beispiel in paris

Im Reich zwischen den Gegensätzen liegen die Quellen des Humors, der u.a. «die wunderliche Traurigkeit [...] des Menschenlebens und das Staunen darüber, daß dies jämmerliche Leben trotzdem so schön sein kann» (Hermann Hesse) zum Thema hat. Für diese Art der Traurigkeit (über den Zustand der Welt, den Zustand der Menschen, ihre Würdelosigkeit, ihr Talent zur Zerstörung) finden sich etliche Beispiele im Buch, auf drei Sätze verteilt – drei Sätze wie eine Sinfonie sie hat, deren zweiter in der vorliegenden Komposition liebevoll lamento ostinato genannt, bald mein Lieblingssatz wird.
Humor ist nicht selten die unter Schmerzen errungene Freiheit und Souveränität, die einem tragischen Schicksal gegenüber stehen. Wir kennen das Wort «Galgenhumor» – und zum «Trotzdem» unten mehr. Traurigkeit klingt nun in den Zeilen Klusens an, aber sie übertönt nie das andere – und damit wir als Leser die Anklänge nicht gar so schwer, wohl aber zur Kenntnis nehmen, wird das Ganze ja auch «augenzwinkernd» gesagt.
Humor erkennt man an der Konstruktion eines offenbar unangemessenen, nebensächlichen Standpunkts oder an einer unzulänglichen Verhaltensweise in einer Situation der Gefahr, des Scheiterns oder am Eingeständnis einer Niederlage.

Der lauf der dinge

und wenn ich
eines tages
nicht mehr singe
ist das nichts
als der lauf der dinge

und wenn ich
eines tages
nicht mehr lache
ist das eher
eine nebensache

Ich verrate Ihnen an dieser Stelle nur, dass das letzte Wort der letzten Zeile «gut» lautet. Wie er dahin kommt, lesen Sie am besten selbst nach.
«Humor ist eine Flucht vor der Verzweiflung, ein knappes Entkommen in den Glauben.» (Christopher Fry). Damit wäre Peter Klusen wahrscheinlich nicht ganz einverstanden. Denken wir Glauben zusammen mit Himmel, dann hat es Klusen nicht mit demselben, oder doch? Im fine furioso findet sich dies:

lieber himmel

der himmel muss die hölle sein
vollgestopft mit moralisten
nächstenlieber mahner christen
weit und breit kein hund
kein schwein
der himmel muss die hölle sein

Peter_Klusen

Peter Klusen (*1951)

Er spielt mit uns. Wirft etwas aus, und lässt uns dann zappeln. Humor – auch Schadenfreude? –, Humor ist nicht gleich Humor. So sollen Briten einen anderen haben als Franzosen, und diese wiederum einen anderen als Deutsche. Im Allgemeinen versteht der Volksmund im Deutschen unter Humor, wenn man in einer bestimmten Situation «trotzdem lacht». Anders ausgedrückt: der, der sich selbst, die anderen und die Welt nur ernst sieht, wird es (das Leben) auf Dauer nicht aushalten. Die Formulierung mit dem «trotzdem lacht» soll übrigens auf Otto Julius Bierbaum (deutscher Schriftsteller, 1865-1910) zurückgehen. Der schrieb auch Gedichte, und zwar nicht wenige. Ein Hauch seiner Anakreontik klingt im ersten Satz der Klusen-Sinfonie, dem Allegro con amore, an, z.B. im Sommermorgen.
Auslöser humorvollen Lachens können die Fehler sein, die einem – trotz anderer, die man sich schon geleistet hat – noch nicht unterlaufen sind. Man fühlt sich natürlich stark, wenn man sie von anderen liest und hört. Diese künstliche Verdopplung der (eigenen) Schwäche überwindet symbolisch das Bedrohliche der Situation. In diesem Tiefstapeln des Widerstands steckt der optimistische Hinweis, dass man sich der Situation nicht ohne Widerstand ausliefert.
In einer solchen Lesart könnte man das Gedicht von der «nicht-gewalt» verstehen. Es prangert die Sprachlügen unserer Gesellschaft an und ist eigentlich überhaupt nicht lustig, auch wenn es lustig daher kommt.

Nicht gewalt

weil er am morgen den kleinen bruder
geschlagen hatte
schlug ihn der vater am abend
um ihn zu lehren
dass der stärkere den schwächeren
nicht schlagen darf

er sagte dazu
erziehung
nicht gewalt

Wortwitz, bisweilen Ironie, immer Freude an bunten und kräftigen Adjektiven und Themen, die alltäglich genug sind, dass jeder sie kennt und schmerzhaft genug, dass wir sie nur allzu gerne nicht ansprechen würden, begegnen uns im Buch. -

Vorliegender kurzer Gang durch die drei Sätze der lyrischen kammersinfonie reicht nicht, jedem der Gedanken gerecht zu werden. Indes soll diese Besprechung weder eine Interpretation noch der Versuch einer Einordnung werden, denn das würde schon wieder ernst und die Freude am Lesen und Entdecken nehmen. Sie werden mir aber vielleicht darin Recht geben, dass wir ihn ein wenig kennengelernt haben: der Mann hat Humor! (Karin Afshar)

Peter Klusen, augenzwinkernd – lyrische kammersinfonie in drei sätzen, Editions trèves Trier, 80 Seiten, ISBN 978-3-88081-505-6

Probeseiten

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Satire von Heinz Wegmann

Veröffentlicht in Heinz Wegmann, Literatur, Neue Prosa, Prosa, Satire von Walter Eigenmann am 26. August 2009

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Der Vereinsausflug

Heinz Wegmann

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Diesmal wagte sich der Verein für Vereine (Kurz: Verein hoch 2) in heimatliche Gefilde. Es stand die traditionelle Herbstwanderung mit Schlachtplatte auf dem Programm.
Unter Führung des rührigen Obmannes traf sich eine erwartungsvolle und frohgelaunte Gruppe beim Friedhof. Der Leiter überraschte die Teilnehmer gleich zu Beginn mit einem reich verzierten, roten Stoffsäcklein, das mit Heftpflastern, Salben, Bandagen und einem Fläschchen Schnaps gefüllt war. So wurden die Stimmbänder gleich ordentlich geschmiert. Leider wollte am Anfang das Wetter nicht so richtig, die sinnflutartigen Regenfälle bewogen viele, sofort wieder den Heimweg anzutreten.
Mit dem Rest der Unentwegten ging es mit dem Car Richtung Urigen (UR) im Unterhintertal, wo sich alle in einem blumengeschmückten Café zuerst mit Kaffee und Gipfeli stärkten. Einer Teilnehmerin blieb ein Brösmeli ihres Gipfelis so unglücklich im Hals stecken, dass man sie zum Notarzt bringen musste, was aber die Unternehmungslust der Gruppe nicht zu dämpfen vermochte.
Ein Fußweg abseits des großen Verkehrs führte nun die Wanderschar durch Feld und Wald, wo sich einige Teilnehmer hoffnungslos verirrten und erst nach langen polizeilichen Suchaktionen wieder aufgefunden werden konnten. Beim Aufstieg kam man so recht ins Schwitzen und bei einigen wollte das Herz nicht mehr so richtig, so dass sie von der Rega zurückgeflogen werden mussten.
Oben wurden aber die Übriggebliebenen belohnt durch eine prächtige Aussicht, die den Mitreisenden manches Ah und Oh entlockte.
Von einer der schneebedeckten Bergspitzen löste sich dann unter den faszinierten Blicken der Teilnehmer ein Erdrutsch, eine sog. Mure, und begrub das malerische Dorf am Gegenhang fast vollständig unter sich.
Nun musste aber der Durst gelöscht werden und gleich anschließend durch die eilends aufgebotene Feuerwehr ein brennendes Chalet neben dem Restaurant, wo ein feines Mittagessen wartete. Die Teilnehmer ließen sich ihre gute Stimmung durch den beißenden Rauch, der von der Brandstätte hinüber wehte, nicht nehmen. Als besondere Überraschung nahm der Wirt die Schlachtung des Schweins «live» unter den interessierten Blicken der hungrigen Schar vor.
Da sich der Himmel unterdessen in strahlendem Licht präsentierte, konnte die Schlachtplatte auf dem offenen Grillplatz serviert werden, was großen Anklang fand und manchen spontanen Jauchzer zur Folge hatte. Die Zeit des Wartens auf die Schinken, Rippli, Öhrli und Schwänzli wurde mit angeregten Gesprächen oder einem gemütlichen Jass überbrückt, und auch der frohe Gesang kam selbstverständlich nicht zu kurz. Einige hauten dann angesichts der riesigen Portionen etwas über die Schnur und mussten übereilt die Toilette aufsuchen, denn zusammen mit dem «Suuser» machte sich die Verdauung unangenehm bemerkbar, was die Unentwegten aber nicht daran hinderte, eifrig das Tanzbein zu schwingen.
Frisch gestärkt ging es dann an den Abstieg, der erneut kleine Opfer forderte: Zwei verstauchte Fußgelenke und ein Beinbruch waren die Bilanz, als man unten ankam. So bekam auch der Dorfarzt wieder unerwartete Arbeit.
Die weidenden Kühe hatten sich von der fröhlichen Wanderschar nicht stören lassen. Selbst als die Mutigsten unter den Teilnehmern auf die originelle Idee kamen, einer Kuh die Glocke abzunehmen und sie als Trophäe heimzuführen, blieben sie stoisch ruhig.
Beim anschließenden Rundgang durch das schmucke Städtchen wurde die Vizepräsidentin in der Fußgängerzone von einem Lieferwagen angefahren und von allen in das nahe gelegene Spital begleitet. Dort überraschte ein langjähriges Mitglied alle Teilnehmer samt Krankenhauspersonal mit dem Vorsingen eines selbstverfassten Liedes, das mit begeistertem Applaus aufgenommen wurde.
Nach einem letzten Zvieri, der für die meisten mit einer – glücklicherweise leichten – Magenvergiftung endete, musste man schon wieder an den Heimweg denken.
Der stets zu einem Späßchen aufgelegte Carchauffeur brachte schließlich nach einer Massenkarambolage auf der Autobahn die müden aber glücklichen Abenteurer wieder an ihren Wohnort Witzwil zurück.
So ging eine von unvergesslichen Eindrücken gespickte Reise zu Ende, und jedermann freut sich schon heute auf den nächsten Ausflug mit Gleichgesinnten. Der kundige Obmann gab angesichts der aufgetretenen Ausfälle seiner Hoffnung Ausdruck, dass nächstes Jahr möglichst zahlreiche neue Mitglieder dieses gesellige Zusammensein bereichern mögen. ■

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Heinz WegmannHeinz Wegmann
Geb. 1943 in Zürich Lyrik-, Kurzprosa- und Kinderbuch-Veröffentlichungen sowie Übersetzungen, lebt und arbeitet in Uerikon/CH

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Der Queen-Elisabeth-Kompositionswettbewerb 2009

Veröffentlicht in Musik, Musik-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 25. August 2009

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Gesucht: Werk für für Klavier und Orchester

Queen_Elisabeth_Kompositionswettbewerb 2009Der international renommierte belgische Queen-Elisabeth-Kompositions-Wettbewerb wird für 2009/10 erneut ausgeschrieben. Eingesandt werden kann diesmal ein unveröffentlichtes Werk für Klavier und Sinfonie-Orchester. Formal besteht keine Einschränkung; die Dauer des Werkes soll mindestens zehn Minuten betragen. Die Besetzung: «WOODWIND: 3 flutes (including the piccolo) – 3 oboes (including the cor anglais) – 3 clarinets (including the bass clarinet and/or the soprano clarinet) – 3 bassoons (including the double bassoon) BRASS: 4 horns – 3 trumpets – 3 trombones – 1 tuba PERCUSSION: 4 percussionists (or 1 timpanist and 3 percussionists) HARP: 1 musician CELESTA, GLOCKENSPIEL: 1 musician STRINGS: 14 – 12 – 10 – 8 – 6». Uraufgeführt wird das siegreiche Stück im Frühjahr 2010. Einsende-Schluss ist am 7. November 2009, die weiteren Einzelheiten (engl.) finden sich hier.

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Das Zitat der Woche

Veröffentlicht in Humor, Lyrik, Wilhelm Busch, Zitat der Woche von Walter Eigenmann am 24. August 2009

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Über die Affen

Wilhelm Busch

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Wilhelm Busch

Wilhelm Busch (1832-1908 / Selbstportrait)

Der Bauer sprach zu seinem Jungen:
Heut in der Stadt, da wirst du gaffen.
Wir fahren hin und sehn die Affen.
Es ist gelungen
Und um sich schief zu lachen,
Was die für Streiche machen
Und für Gesichter
Wie rechte Bösewichter.
Sie krauen sich,
Sie zausen sich,
Sie hauen sich,
Sie lausen sich,
Beschnuppern dies, beknuppern das,
Und keiner gönnt dem andern was,
Und essen tun sie mit der Hand,
Und alles tun sie mit Verstand,
Und jeder stiehlt als wie ein Rabe.
Pass auf, das siehst du heute.
0 Vater, rief der Knabe,
Sind Affen denn auch Leute?
Der Vater sprach: Nun ja,
Nicht ganz, doch so beinah.

Aus Wilhelm Busch, Zu guter Letzt, München 1904

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Frank Martin: «Werke mit Gitarre»

Veröffentlicht in CD-Rezension, Frank Martin, Musik, Musik für Gitarre, Musik-Rezensionen, Rezensionen, Walter Eigenmann von Walter Eigenmann am 23. August 2009

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Ausdrucksvolle Modernität des Saitenspiels

Walter Eigenmann

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Frank Martin - Werke mit Gitarre - CoverWeder beherrschte Genfs berühmtester Pfarrerssohn und der Schweiz wohl meistaufgeführter Komponist selber akzeptabel die Gitarre, noch komponierte der Schöpfer von Oratorien wie «In terra pax», Opern wie «Der Sturm» oder div. bedeutender Solo-Orchesterkonzerte dezidiert solitisch für dieses Instrument. Mit einer Ausnahme: Im Jahre 1933 schrieb Frank Martin (1890-1974) seine «Quatre pièce brèves» für Gitarre solo.
Der viersätzige, suitenartige Zyklus entstand wohl auf Anregung des spanischen Gitarrenvirtuosen Andrés Segovia, der um 1930 herum in Martins Heimatstadt weilte, der aber dann die Zusendung der Partitur nicht beantwortete und das Werk auch nie öffentlich spielte. Man kann spekulieren, ob Martins intime, auch herbe, fast spröde, mitnichten aggressiv atonale, aber zumal im Vergleich mit Segovias üblichem «folkloristischem» Repertoire durchaus sehr avanciert anmutende Tonsprache den weltberühmten Musiker abschreckten, oder ob Segovia einfach den spieltechnisch nicht unerheblichen Aufwand für dieses zehnminütige Werk scheute.
Der musikgeschichtlichen Reputation der Martinschen «Vier kurzen Stücke» tat’s indes keinen Abbruch: Inzwischen wurde ihre Spielbarkeit längst mit Aufnahmen so namhafter Künstler wie Jürgen Rost, Julian Bream, Jose Escobar oder Raphaella Smits dokumentiert, und sie zählen zu den unverzichtbaren Standard-Werken des klassischen Gitarren-Oeuvres wie des Gitarren-Studiums. Schon als personalstilistisch wichtige Station nach Martins intensiver Auseinandersetzung mit Schönbergs Zwölftontechnik, mithin als kompositorisches Experiment, das einen quasi neoklassizistischen Rahmen mit emanzipiertem Material füllt und dabei alle Klangsinnlichkeit behält, weist sich dies Opus auch im Gesamtwerk Martins als bedeutsame Wende seiner Entwicklung aus. Mit diesen «Pièce brèves» hat sich der Komponist bezeichnenderweise länger befasst; er bearbeitete sie sowohl für Klavier als auch später für Orchester.

Frank Martin_Genf 1928

Frank Martin (Genf 1928)

Die «Quatre pièce brèves» fungieren denn auch als sowohl zeitlicher wie stilistischer Ausgangspunkt einer Disk, welche unlängst der deutsche Gitarrist Harald Stampa gemeinsam mit Benjamin Scheck (Gitarre) und Richard Pechota (E-Bassgitarre) sowie den Musikern Tino Brütsch (Tenor), Samuel Zünd (Bariton), René Koch (Bass), Barbara Vigfusson (Sopran), Miriam Terragni (Querflöte), Antje-Maria Traub und Gregor Loepfe (Klavier) einspielte. «Frank Martin – Werke mit Gitarre» heißt die unterm bekannten Schweizer Label «Musiques Suisses» aufgenommene und im Rahmen des sog. «Migros-Kulturprozentes» realisierte CD, und sie präsentiert praktisch vollständig, was zu der Verbindung Martin&Gitarre zu sagen bzw. zu spielen ist. Da wären (neben den erwähnten «Pièces») als CD-Auftakt (aber zugleich Martins Spätwerk zuzurechnen) die drei «Poèmes de la mort» (für 3 Männerstimmen, 2 E-Gitarren und Bassgitarre), entstanden in den Jahren 1969-71, in der Zeit seines «Maria «Triptychons» und des Zweiten Klavierkonzertes. Ihre literarische Grundlage beziehen die drei «Todes-Gedichte» von Francois Villon, dem abenteuerlich-vagabundierenden, genialen Balladen- und Bänkel-Sänger des französischen Spätmittelalters, während sie musikalisch sogar taktweise Anleihen bei der (lyrischen) Popmusik – am hörfälligsten in der «Ballade» – machen. Dass der 80-jährige Martin hier nicht nur bezüglich Besetzung (mit der Verwendung von Elektro-Gitarren), sondern auch idiomatisch die damals aufkommenden populären jugendlichen Pop-Mainstreams aufgriff, spricht verblüffend für Martins Experimentierlust, seine lebenslang beibehaltene Auseinandersetzung mit neuen musikalischen Strömungen und für seine Kraft der Assimilation. Die vorliegende Einspielung legt Wert auf größte klangliche Verschmelzung und Dichte: Ungetrübter Hörgenuss bei diesem quasi mittelalterlichen Trio-Gesang in Kombination mit moderner Saiten-Elektronik. Dem warmen, tragenden Schmelz und dem nicht gar zu expressiven Intonieren der beiden hohen Männerstimmen kommt – gegenüber z.B. einer Bühnenaufführung – die Aufnahme in der Waldshuter Kirche «Waldkirch» sehr entgegen.

Frank Martin_Quatre pieces_Prelude_Autograph

Martins «Prélude»-Autograph

Ein gewisses mittelalterlich-archaisierendes Idiom – Martin hatte eine erklärte, zumal literarische Affinität zu dieser Epoche – schlägt immer wieder auch in den «Drey Minneliedern» durch, welche Martin 1960 als RIAS-Auftragskomposition (für Sopran&Klavier) schrieb und später für die hier verwendete Fassung mit Flöte&Gitarre anstelle des Pianoparts bearbeitete: Einerseits schlichtes, pastorales Dialogisieren im «Ach herzeliep…» und im ersten Teil des «Ez stuont ein frouwe alleine…» mit einer streckenweise fast impressionistisch behandelten Flöte, wobei sich das Saiteninstrument mit der Basslinie auf rhythmisch markierende Stützung zurückzieht, und andererseits beschwingt-verspielte, teils tänzerische Ausgelassenheit im «Unter der linden…». Drei reizvoll intime, sehr inspirierte Textvertonungen, deren Ausdruckskraft durch eine in Volumen und Dynamik eher zurückhaltende, die große Phrase betonende Sopranistin sehr einfühlsam unterstrichen wird.

Harald Stampa

Technische Souveränität in Verbindung mit deklamatorischer Gestaltungskraft und feinem Klangsinn: Konzertgitarrist Harald Stampa (*1963)

Geschickt schob man auf der Platte nach diesen drei Liebesgesängen und der abschließenden, hübschen Kinder-Petitesse «Quant n’ont assez fait dodo» (für Tenor, Gitarre und Klavier 4-händig) wieder ein rein instrumentales Ludium dazwischen mit zwei der «Etudes» für Streichorchester (1955/56) in der Bearbeitung für 2 Gitarren von Harald Stampa. Hierzu der Arrangeur selber im (überhaupt sehr instruktiven, meistenteils von Thomas Seedorf verfassten) CD-Booklet: «Die Paul Sacher gewidmeten Etüden für Streichorchester hat Frank Martin selbst 1957 für zwei Klaviere eingerichtet. Für mich boten sich besonders die Etüde Nr. 2, original ausschließlich pizzicato von den Streichern gespielt und damit sehr gitarrenähnlich klingend, sowie die Etüde Nr. 3, die an einigen Stellen an den 2. Satz der Quatre pièces brèves erinnert, für eine Transkription auf zwei Gitarren an.» Auch hier wird mit der Gitarre wieder ein ganz eigener Frank Martin kammermusiziert, den Durchhörbarkeit, ja Schlichtheit des Satzes, originäres Melos, und «schöne Noblesse» des ganzen musikalischen Habitus’ auszeichnen.
In anderem Zusammenhang, nämlich über sein In-Terra-Pax-Oratorium schrieb Frank Martin einmal: «Ohne eine einzige Anforderung des Musikers in mir zu opfern, habe ich versucht [...] eine Musik zu schreiben, die das Ohr jedes Hörers erreicht: durch eine so natürliche Melodik und eine so direkte wie expressive Harmonik, als es mir nur möglich war.»

Frank Martin_Quatre pieces_Plainte_Universal Edition

Frank Martin: «...Musik zu schreiben, die das Ohr jedes Hörers erreicht: durch eine so natürliche Melodik und eine so direkte wie expressive Harmonik, als es mir nur möglich war.» (© Copyright 1959 by Universal Edition A.G., Zürich/UE 12711)

Gerade diese kompositorische Intention ist auch omnipräsent in dieser Auswahl-CD für Gitarre: Eine feine, intime, bis ins letzte Arpeggio dem Instrument abgelauschte, wenngleich weniger dessen spieltechnisches Potential denn seine Klangwelt, sein «Fluidum» auslotende und bei aller harmonischen Fortschrittlichkeit immer spontan «nachvollziehbare» Musik. Herausragend bei der Realisierung dieses kompositorischen Willens dabei der  Hauptsolist der CD, der Waldshuter Konzertgitarrist Harald Stampa, dessen nicht nur technisch immer souveränes, sondern auch klangsinnliches, teils fast romantisch empfindsames, teils packend-herbes Spiel vor allem in den «Quatre pièces» eine intensive Beschäftigung mit der Martinschen Tonsprache vermuten lassen. Denn im Gegensatz zu manchen seiner Berufskollegen scheut er die starke agogische und dynamische Deklamation gerade im Zusammenhang mit Martins bewusst angestrebter satztechnischer «Durchhörbarkeit» nicht, womit er ausdrucksvoll und spannend der oft gelesenen (eigentlich nachgeplapperten) Einschätzung entgegentritt, Martins Melos sei «brav-ausgewogen», «typisch schweizerisch» halt…
Uneingeschränkt also präsentiert «Musiques Suisses» mit dieser niveauvollen Martin-Einspielung eine in dieser originellen Werkauswahl bisher nicht angetroffene, sehr begrüßenswerte CD-Produktion zum aktuell 25. Todesjahr eines der bedeutendsten helvetischen Komponisten. ■

Frank Martin, Werke mit Gitarre, Musiques Suisses (Migros-Kulturprozent), Audio-CD – 44 Minuten

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Hörbeispiele

Hörvergleich: Frank Martin auf YouTube
a) Quatre pièce brèves

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Inhalt

1. Poemes de la mort / Tenor, Bariton, Bass, 2 E-Gitarren und E-Bassgitarre (1969-71)
I. Mort saisit sans exception
II. Mort, j’appelle de ta rigueur
III. Ballade des Pendus

2. Quatre pieces breves / Gitarre solo (1933)
I. Prelude
II. Air
III. Plainte
IV. Comme une Gigue

3. Drey Minnelieder / Sopran, Flöte und Gitarre (1960)
I. Ach herzeliep…
II. Ez stuont eir frouwe alleine…
III. Unter der linden…

4. Etudes für Streichorchester (1955-56) / 2 Gitarren (H. Stampa)
Nr 2 pour le rythme
Nr 3 pour l’expression

5. Quant n’ont assez fait dodo / Tenor, Gitarre und Klavier 4-händig (1947)

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Themenverwandte Links

Kismara PessatiAllmusicImportChor-Biennale AachenDer WestenClassical WETAClassactEnsemble Sobalt - Musiktheater LübeckRolf De MarchiDer Westen / Rheinberg-Konzert

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Der brillante Schachzug (42)

Veröffentlicht in Der brillante Schachzug, Schach, Schach-Rätsel, Schach-Studien von Walter Eigenmann am 22. August 2009

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Matt in 19 Zügen

Weenink 1922

Brillanter Zug 42_Glarean Magazin_Weenink 1922

8/8/8/1pR1P1K1/p2P2P1/rp1B1P2/pk6/b7 w – - 0 1

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Marcel Haag: «Enthüllung» (Erstveröffentlichung)

Veröffentlicht in Enthüllung, Erstveröffentlichung, Gratis Download, Gratis-Noten, Marcel Haag, Musik, Neue Musik von Walter Eigenmann am 21. August 2009

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Enthüllung

Polarbleich beranken die fasrigen Wolken
die Ränder des Morgens
Es tosen schwarze Tannen
in der Bise her und hin:
ein Zauberturm

Und der Ruf der Kirchenglocken
flutet durch den Mauerwald
wie ein oranges Lied

Wie könnt es anders sein?
Die Tauben fahren durch die Luft
zerfetzt ihr Flug zu Einzelheit

Die Sonne bäumt sich ganz diffus
aus ihrem Horst und sprengt
das laue Tuch des Raumes in die Weite
denn es log die Gleichheit allen Seins
im Dunkel

Aber ach
wie scharf ist bei Tag
ein Berg von einem Haus
und ein Saurier von einer Maus
getrennt

Marcel Haag, 1996

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Vertonung «Enthüllung»

für Bariton, Fagott, Violine, Kontrabass und DrumSet

Marcel Haag_Enthuellung_Partitur_Glarean Magazin_2009_1Marcel Haag_Enthuellung_Partitur_Glarean Magazin_2009_2Marcel Haag_Enthuellung_Partitur_Glarean Magazin_2009_3Marcel Haag_Enthuellung_Partitur_Glarean Magazin_2009_4Marcel Haag_Enthuellung_Partitur_Glarean Magazin_2009_5Marcel Haag_Enthuellung_Partitur_Glarean Magazin_2009_6Marcel Haag_Enthuellung_Partitur_Glarean Magazin_2009_7Copyright 2009 by Marcel Haag / Alle Rechte beim Autor

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Marcel HaagMarcel Haag
Geb. 1969 in Arbon am Bodensee, Ausbildung zum Primarlehrer in Kreuzlingen, autodidaktische Weiterbildung zum Lyriker, Musiker, Maler und Fotograf, zwischenzeitlich Journalist bei der Basler Zeitung und beim «Nebelspalter», lebt in Basel

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Maria Lettberg: Das Solo-Klavierwerk von Skrjabin

Veröffentlicht in Alexander Skrjabin, CD-Rezension, Maria Lettberg, Musik, Musik für Klavier, Musik-Rezensionen, Rezensionen, Walter Eigenmann von Walter Eigenmann am 20. August 2009

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Der ganze Kosmos des Alexander Skrjabin

Walter Eigenmann

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Skrjabin_Klavierwerk_Lettberg_Capriccio_CoverWer war Alexander Skrjabin – was war er? Komponist? Symbolist? Mystiker? Revolutionär? Priester? Synästhetiker? Romantiker? Orgiastiker? Theosoph? Spinner?
Über Skrjabin zu schreiben heißt über einen ganzen Kosmos zu schreiben: Die Entwicklung dieses genialen Ton-Exzentrikers vom hypersensiblen Chopin-Eklektiker (vor 1900) bis zum atonal entrückten Farb-Ekstatiker (ca. 10 Jahre später) ist beispiellos in der Musikgeschichte. Und der irdische Spiegel, eigentlich die zentrifugale Kraft dieses Kosmos’ des A. Skrjabin ist sein Klavierwerk.
Die gleichzeitigen Verehrer (oder Adepten?)  sowohl dieses Komponisten als auch der schwedischen Skrjabin-Expertin Maria Lettberg mussten – nach deren insgesamt dreijähriger Gesamteinspielung von Skrjabins Solo-Klavierwerk, abgeschlossen im Juni 2007 – lange warten, bis die zwischenzeitlich vergriffene Gesamtaufnahme nun kürzlich von dem Wiener Klassik-Label «Capriccio» neu aufgelegt und in einer schlicht editierten 8-teiligen CD-Box präsentiert wurde. Der instruktiv abrundende Bonus dieser (mit dem Deutschlandradio co-produzierten) Ausgabe: Eine DVD mit Interviews der (blitzgescheiten und sehr belesenen) Pianistin sowie dem Multimedia-Projekt «Mysterium» der Computer-Farb-Designerin Andrea Schmidt.

Noten- & Hörbeispiel

Skrjabin_Klavier-Sonate Nr.9 op 68

Große emotionale Spannweite auf kleinstem Raum: Beginn von Skrjabins 9. Klaviersonate op.68 («Die Schwarze Messe»)

Alexander Skrjabin

Alexander Skrjabin (1871-1915)

Bald nach Erscheinen dieser Gesamtaufnahme im Herbst vor zwei Jahren stieß diese Lettberg-Einspielung auf größtes Interesse in der Fachwelt: Einmal der Tatsache wegen, dass hier neben allen großen Piano-Werken Skrjabins auch alle seine kaum gespielten Petitessen (frühe «Morceaux», «Nocturnes», u.a.) präsentiert wurden, und zum anderen, weil eine sowohl technisch exzellente, emotional ausgereifte und dabei auch theoretisch hervorragend dokumentierte Musikerin am Werk war.

Skrjabin_Mystischer Akkord

Skrjabins «Mystischer Akkord»

Die in Riga geborene, in Petersburg ausgebildete, über Skrjabin promovierte und längst mit einer fulminanten internationalen Karriere beeindruckenden Pianistin gilt inzwischen als eigentliche Skrjabin-Anwältin, welche diesem Komponisten in ihren Schallplatten- und Konzert-Aktivitäten eine zentrale Rolle einräumt. Markenzeichen Lettbergscher Pianistik ist dabei neben diffizilster Anschlagstechnik, enormem Dynamikspektrum und poetischer Ausdruckskraft vor allem eine untrügliche Notennähe, aus der präziseste Phrasierung resultiert. Hört man sich diesbezüglich beispielsweise die letzten vier Sonaten an mit der Partitur vor sich, ist die exakte Realisierung des Notentextes verblüffend. Ob das diesem poetischen Phantasten mit dem teils schier improvisatorischen Duktus im Spätwerk immer gerecht wird, ist auch eine Frage des ästhetischen Standpunktes, und es mag sein, dass vorgängige Aufnahmen eines Horowitz, Hamelin oder Sokolow die eine oder andere Stelle packender, expressiver, ja explosiver, kurz: spannender nahmen.

Skrjabin_Farbenklavier

Musikalische Synästhesie: Die Skrjabin-Klaviatur mit Ton-Farbe-Zuordnung

Gleichwohl legt Maria Lettberg hier eine übers Ganze gesehen schlicht referentielle Arbeit vor, die uns diesen pianistisch wie musikhistorisch wohl nie ganz auszuschöpfenden, äußersten widersprüchlichen, eine extreme stilistische Spannweite aufweisenden Russen sehr authentisch nahelegt. Denn bei aller intellektuell-analytischen Durchdringung der teils an neuzeitlichste Modernität des Klaviersatzes erinnernden Linien- und harmonischen Strukturen ist Lettberg eine doch auch wirkliche «Nachdichterin», deren pianistische Imagination teils betörend wirken kann (Hörproben). Kurzum: Die gültige «Bewältigung» eines Klavierwerkes, das endlich – trotz seiner teils erheblichen klaviertechnischen Hürden und v.a. seiner ständigen Forderung der «Hingabe» an die emotionale Zerrissenheit des Komponisten – unbedingt häufigerer Gast in den Klavier-Recital-Säälen der großen Musikhäuser sein müsste. Eine derartige Promotion wie Maria Lettbergs jahrelanges pianistisches Bekenntnis zu Skrjabin ist dabei ein überzeugendes Mittel. ■

Maria Lettberg, Alexander Scriabin – Das Solo-Klavierwerk, Complete Recording, 8-CD-Box (inkl. 1 DVD), Capriccio Digital / DeltaMusic, ASIN B000W4E3OS

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Neue Lyrik-Wettbewerbe der Zeitschrift «Dulzinea»

Veröffentlicht in Literatur, Literatur-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 20. August 2009

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Gesucht: Moderne Liebesgedichte

Dulzinea_Junge Lyrik_LiteraturzeitschriftFür ihre 14. Heftausgabe (Winter 2009/10) schreibt die Literaturzeitschrift «Dulzinea» ihren 9. Lyrikpreis (dotiert mit 1’000 Euro) und den 7. Haiku-Preis (dotiert mit 250 Euro) aus. Das (frei interpretierbare) Thema lautet diesmal «Moderne Liebeslyrik», teilnehmen kann jede/r Autor/in, und es können beliebig viele deutschsprachige Texte eingereicht werden; Basis sind die in der Heftausgabe «Dulzinea 14» veröffentlichten Texte. Einsende-Schluss ist am 31. Oktober 2009, die übrigen Details finden sich hier.

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Das Sommer-Haiku (9)

Veröffentlicht in Haiku, Japanische Lyrik, Literatur, Lyrik, Ryusui von Walter Eigenmann am 20. August 2009

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Sommer-GluehwuermchenDas verirrte Kind
weint und weint und hascht dabei
nach dem Glühwurm doch!

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Ryusui (18. Jh.)
(Ü:  G. Goudenhove)

 

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Schreibwettbewerb des Autorenforums Berlin

Veröffentlicht in Literatur, Literatur-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 19. August 2009

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«Texte, Typen, Temperamente»

Autorenforum BerlinDer Literaturverein Autorenforum Berlin schreibt aus Anlass seines 25-jährigen Bestehens einen internationalen Schreibwettbewerb zum Motto «Texte, Typen, Temperamente» («aus dem Innenleben eines Autorenforums») aus. Erwartet wird pro AutorIn eine Kurzgeschichte, die bislang noch nicht veröffentlicht worden ist. Die Länge des Manuskripts sollte 9’000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) nicht überschreiten. Gesucht werden «amüsante, boshafte, eigenwillige, spannende, freche, liebevolle, tiefsinnige» Texte. Einsende-Schluss ist am 5. Oktober 2009, die weiteren Details finden sich hier.

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Der neue DUDEN als Jubiläums-Medienpaket

Veröffentlicht in Buch-Rezension, Duden, Germanistik, Lexika, Literatur, Ratgeber, Rezensionen, Sprache von Walter Eigenmann am 19. August 2009

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«Wie schreibt man…» bereits in der 25. Auflage

Walter Eigenmann

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Duden_Rechtschreibung_Medienpaket 2009Den klassischen DUDEN mit seinen zwölf Bänden gibt’s (vorläufig) immer noch, aber längst haben die Mannheimer Verantwortlichen des nach wie vor prestigeträchtigsten deutschen Sprach-Regelwerks die Online-Zeichen der Zeit verstanden und offerieren nun ihre renommierte Sprachkunde in einem auch preislich sehr attraktiven kompakten Duett, genannt «Medienpaket», bestehend aus der gewohnten «Deutschen Rechtschreibung» sowie zusätzlich gratis der CD «Korrektor». Erstere ist der berühmte 1’200-seitige Nachschlage-Wälzer mit 135’000 Stichwörtern und einer halben Million Beispielen zu Bedeutung, Trennung, Aussprache, Grammatik, Stilebenen und Etymologie der Wörter, während der «Korrektor» die Software-Lösung für den Büro-Standard «Office» von Microsoft darstellt und das digitale On-the-fly-Korrigieren direkt in den Anwendungen erlaubt. (In einer weiteren Version ist die «Rechtschreibung» auch als reine Software-Lösung zum digitalen Nachschlagen erhältlich. Die ganze Palette der unterstützten PC-Programme und -Betriebssysteme findet sich hier).
Dieser «Korrektor» – mittlerweile in der 6. Version – mit seiner recht weit gediehenen Automatisierung des Korrigierens während des Schreibens dürfte in unseren Pisa-Zeiten der zunehmenden Sprach-Inkompetenz mehr denn je willkommen sein. Seine Installation klinkt sich in die Menü-Leisten z.B. von «Word» ein, steht dann in einstellbaren Graden und Parametern beim Tippen zur Verfügung und ersetzt damit die zumeist schlechtere interne Standard-Rechtschreibung der Programme.

Konrad Duden

Konrad Duden (1829-1911)

Ungeachtet aller Unkenrufe, dem DUDEN-Konzept gehe es in unseren Internet-Zeiten schon bald an den Kragen – der Untergang des anderen berühmten Klassikers Brockhaus ist ja noch in jüngster Erinnerung -, und außerdem sei er von seinen diversen Konkurrenz-Produkten ohnehin mindestens eingeholt worden, dürfte der DUDEN seine in praktisch allen Bildungsinstitutionen omnipräsente Verbreitung noch eine ganze Weile behalten, mindestens in Form seiner zahlreichen elektronischen Derivate.
Allerdings müssten gerade deren entsprechenden Redaktionen und technischen Realisateure – sprich das deutsche Bibliographische Institut – ein paar immer lauter geäußerten Kritik-Punkten, angemeldet aus breitester Anwenderschaft (endlich mal) Gehör schenken. Denn der elektronische DUDEN (gleich welcher Form) verlangsamt (nach wie vor) empfindlich das System, vor allem aber unterstützt er die div. Freeware-OpenOffice-Anwendungen – längst bei einem riesigen Segment der User in Betrieb – nur sehr mangelhaft bzw. offeriert hier empfindlich schlechtere Lieferkonditionen.
Stellt man diese Defizite in der nächsten Ausgabe endlich ab, dürfte Konrad Dudens Lebenswerk auch in den kommenden Jahren allgegenwärtiger Ratgeber in Schule, Lehre und Forschung bleiben. Denn der Frage «Wie schreibt man…» wird zukünftig noch größere Bedeutung zukommen als jetzt schon in diesen Zeiten der Reformen und ständigen Sprach-Evolutionen – hier sind schnelle und professionelle Referenz-Ratgeber unverzichtbar.

DUDEN-Medienpaket, Rechtschreibung + Korrektor (Buch + CD), ISBN 978-3-411-70425-5

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Das Glarean-Literatur-Kreuzworträtsel

Veröffentlicht in Kreuzworträtsel, Literatur, Literatur-Kreuzworträtsel, Rätsel, Walter Eigenmann von Walter Eigenmann am 18. August 2009

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Literatur-Rätsel August 2009

Literatur_Kreuzwortraetsel_August 2009_Glarean Magazin

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Copyright 2009 by Walter Eigenmann – Einfach ausdrucken

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Das Zitat der Woche

Veröffentlicht in Literatur, Otto Jägersberg, Zitat der Woche von Walter Eigenmann am 17. August 2009

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Über den Bücherwurm

Otto Jägersberg

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Man denke nicht, die Bibliophilie sei eine harmlose Liebhaberei, sie gerät gern in Leidenschaft und wächst sich zur Bibliomanie aus. Was unter ihrem Banner an Merkwürdigkeiten, Tollhäusereien und Kleptomanien begangen wird, gibt auch schon wieder ein fabelhaftes Sammelgebiet. Jüngst überführte ein Fensterputzer in Karlsruhe einen solchen Bücherfreund. Der Fensterputzer sah von seinem Hochhaus-Arbeitsplatz in ein beinah bis zur Decke mit Büchern gefülltes Zimmer. Auf den Büchern, direkt unter der Zimmerdecke, lag ein schlafender Mann, um dessen knappe Atemluft sich der Fensterputzer Sorgen machte, und die Polizei rief. Die Polizei entlarvte den Schläfer als Bücherdieb. Er hatte alle Möbel aus der Wohnung entfernt, um genügend Platz für seine überall zusammengeklauten Bücher zu haben.

Otto Jägersberg

Otto Jägersberg (*1942)

Er brauche kein Bett, sagte der Mann, er habe ja Bücher. Weil er in Büchern lebe, könne ihn auch das Gefängnis nicht schrecken. Er habe genügend Bücher im Kopf, er könne sich an so viele Bücher erinnern, dass ihm die Zeit auch im Gefängnis nicht lang werde. Solche verirrten Bibliomanen sind natürlich ein Segen für die Justiz, endlich haben sie jemand, der ihnen die Gefängnisbücherei auf Vordermann bringt.
Wir können vergessen, wir dürfen vergessen, weil wir die Bücher haben. Hätten wir die Bücher nicht, wir würden verrückt. So gehen wir herum, sehen dem Treiben der Menschen zu, trinken unsern Wein und können versäumen und vergessen nach Herzenslust – zu Hause warten die Bücher.
Die Gefahr besteht, dass ihrer zu viel werden. Die Quantität springt nicht unbedingt in Qualität um…

Aus Otto Jägersberg, Das zweite Leben der Bücher, in: Lesen Sie auch nie? – Tintenfass Nr. 26, Diogenes Verlag 2002

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Drei Zeit-Gedichte von Matthias Berger

Veröffentlicht in Literatur, Lyrik, Matthias Berger, Neue Lyrik von Walter Eigenmann am 16. August 2009

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Wochenbett

Ich sah
wie sich
ein Härchen
vom Lid
des Säuglings
löste

Alles
eine Frage
der
Zeit

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noch nicht

in der wehmut
des
noch nicht

fällt
jeder
kiesel
dir
zu

auch der
stundenschlag
wirft
gegenwart
in die
stille

in ihr
werden
deine augen
kelche
für farben

noch
verkrustet
dein blick
nicht

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ekstase – gravitation

heraustreten
aus dem brachland -
einen lerchenjubel lang

im himmel
aber
finden
lungenflügel
keinen
halt

pflugversuche wagen
erdling -
trittsicher
werden

und wieder
heraustreten -
nur
einen lerchenjubel lang

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Matthias Berger

Geb. 1961, aufgewachsen bei Bern, Studium der evang.-ref. Theologie in Bern und Nairobi, acht Jahre Gemeinde-Pfarramt, 4 Jahre Psychiatrieseelsorge, seit 2002 Gefängnis- und Spitalseelsorger im Kanton Zürich, lebt in Zürich

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Heute vor … Jahren

Veröffentlicht in Events, Heute vor ... Jahren, Musik von Walter Eigenmann am 15. August 2009

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Woodstock 1969: 3 Days of Peace & Music

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Woodstock_PosterTrocken hält die allwissende Wikipedia fest: «Das Woodstock Music and Art Festival war ein Musikfestival, das als musikalischer Höhepunkt der US-amerikanischen Hippiebewegung gilt. Es fand offiziell vom 15. bis 17. August 1969 statt, endete jedoch erst am Morgen des 18. August. Der Veranstaltungsort war eine Farm in Bethel im US-amerikanischen Bundesstaat New York.»
Doch schon Tage später, und erst recht heute, exakt 40 Jahre danach, ist deutlich: Woodstock war kein Konzert. Woodstock ist ein Mythos.

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