Interview mit dem Schach-Programmierer Stefan Meyer-Kahlen
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Computerschach: «Wir stehen erst am Anfang des Weges»
Peter Martan
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Viermaliger Weltmeister bei den Mikro-Schachcomputern, zwei Mal Sieger einer Computerschach-Weltmeisterschaft, fünf Mal Gewinner der Computer-Blitzschach-WM, und Erster bei der Chess960-WM in Mainz – dies der eindrückliche Palmarès des deutschen Schachprogrammes Shredder seit dem Jahre 1996. Vater dieser erfolgreichen Schach-Engine, welche im Kreise der Computerschach-Experten einen seit langem hervorragenden Ruf genießt, ist der Düsseldorfer Software-Entwickler Stefan Meyer-Kahlen.

Stefan Meyer-Kahlen wurde 1968 in Düsseldorf geboren, studierte Informatik in Passau und ist seit 1996 hauptberuflich Programmierer. Er ist verheiratet und hat drei Töchter.
In einigen Wochen will der bekannte Profi-Programmierer, der seit 1993 an Shredder arbeitet, die zwölfte Version seines Programmes veröffentlichen. Aus diesem Anlass stellte ihm der Wiener Computerschach-Kenner Dr. Peter Martan im Auftrag des «Glarean Magazins» einige Fragen zum Stand der aktuellen Shredder-Dinge, aber auch zur Zukunft überhaupt der Schachprogrammierung.
Glarean Magazin: An der kürzlich beendeten Computer-Schach-Weltmeisterschaft in Pamplona hat Ihr Shredder-12-Prototyp den Titel zwar in allen drei Bewerben knapp verfehlt, aber nur die seit längerem absolute Nummer Eins im Computerschach, die Engine Rybka, war noch erfolgreicher. Wann darf man Shredder 12 erwarten, und wird er auch in den einschlägigen Ranglisten wieder härtester Konkurrent von Rybka werden?
Stefan Meyer-Kahlen: Shredder-12 erscheint Ende Juli. Die neue Engine ist deutlich verbessert und wird in den diversen Ranglisten sicher einen großen Sprung nach vorne machen. Meines Erachtens aber mindestens genauso wichtig am neuen Shredder 12 sind die Elostufen, bei denen man die Spielstärke in Elo einstellen kann, mit der Shredder spielen soll. Das hat im alten Shredder schon ganz gut geklappt, aber ich habe hier sehr viel Arbeit investiert und denke, dass es nun noch viel besser funktioniert. Shredder macht nun auch die typischen Fehler, die ein menschlicher Spieler mit der eingestellten Spielstärke macht. Shredder berechnet nun auch die Spielstärke des Benutzers besser und passt sich auf Wunsch automatisch an diese Spielstärke an. Das ist für den normalen Nutzer sicher sehr viel wichtiger als die letzten paar Elos.
Pamplona lief für Shredder wirklich nicht so schlecht, aber ich würde natürlich gerne auch mal wieder eine WM gewinnen. Ich gebe nicht auf und werde es beim nächsten Mal wieder probieren. Mit den Partien von Shredder in Pamplona bin ich aber sehr zufrieden.
GM: In den Anfangszeiten des Computerschachs war es unmöglich, Schach-Engines unterschiedlichster Plattformen automatisiert gegeneinander spielen zu lassen – bis Sie damals das sog. UCI-Protokoll vorstellten, welches inzwischen von fast jedem namhaften Schachprogramm unterstützt wird und damit zum Standard avancierte. Wie sehen Sie in der Erinnerung und in der Zukunft die UCI-Geschichte?

Wird der neue Shredder dem amtierenden Weltmeister Rybka (links: Programmierer Vas Rajlich) die Stirn bieten können?- Hier eine Partie von der WM 2009 (Weiß: Rybka - Schwarz: Shredder-X): 1. d4 d5 2. c4 e6 3. Nf3 Nf6 4. Nc3 Bb4 5. Bg5 Nbd7 6. cxd5 exd5 7. e3 c5 8. Bd3 Qa5 9. Qc2 c4 10. Bf5 O-O 11. O-O Re8 12. Nd2 g6 13. Bh3 Bxc3 14. Qxc3 Qxc3 15. bxc3 Kg7 16. Rfb1 b6 17. g3 h6 18. Bf4 g5 19. Bd6 Nf8 20. Bg2 Ng6 21. a4 Bd7 22. Bb4 Bf5 23. Rb2 h5 24. a5 b5 25. a6 h4 26. Nb1 Bd7 27. Ra5 h3 28. Bf3 Ne7 29. Bd6 Rac8 30. Kf1 Kg6 31. Na3 Nc6 32. Raxb5 Re6 33. Bc5 Nd8 34. Rb8 Rxa6 35. Rxc8 Bxc8 36. Rb8 Bg4 37. Bxg4 Nc6 38. Rh8 Nxg4 39. Rxh3 Nd8 40. Be7 Ne6 41. Rh8 Nf6 42. Rb8 Ne4 43. f3 Nxc3 44. Ke1 f5 45. Kd2 Na4 46. Nc2 Rb6 47. Rxb6 Nxb6 48. Bc5 Kf6 49. Bxb6 axb6 50. Kc3 Ke7 51. e4 fxe4 52. fxe4 dxe4 53. d5 Ng7 54. Kxc4 Nf5 55. g4 Nh4 56. Kd4 Nf3+ 57. Kxe4 Nxh2 unentschieden
MK: Die erste Version für Chessbase war 5.32, ein Mittelding zwischen 5 und 6, welche Version die erste mit UCI war, weiß ich gar nicht mehr so genau, ich denke 4 oder 5. Ohne Rudolf Huber, mit dem ich UCI ja zusammen «erfunden» habe, und mich hier zu sehr selbst zu loben, denke ich schon, dass UCI eine sinnvolle Sache war, die das Computerschach weiter gebracht hat. Wir hatten damals allerdings keine Visionen oder langfristige Pläne für UCI, wir waren nur mit dem existierenden Standard Winboard sehr unzufrieden und waren der Meinung, dass es Zeit für etwas Neues, viel Besseres sei. Da ich in Shredder ja die GUI und die Engine selber programmiere, hab ich es dann direkt in beides eingebaut und so eine Art Referenz-Implementierung geschaffen.
Dass sich UCI durchgesetzt hat und so erfolgreich ist, freut mich natürlich schon. Die Entwicklung von UCI ist noch nicht am Ende. Wir haben es ja damals extra so angelegt, dass man es ohne Probleme erweitern kann und dabei immer noch kompatibel zu älteren Engines oder GUIs ist.
GM: Prof. Ingo Althöfers Idee vom «Dreihirn» hat Shredder als eines der interessantesten Features seiner GUI aufgegriffen. Ist eine Art Triple Brain ein Ansatz, die alte Frage nach Strategie und Taktik zu beantworten? Eine Engine, die hochselektiv in die Tiefe und eine zweite, die an der Basis des Suchbaumes sozusagen mehr in die Breite rechnet, von einer «Master Engine» oder wahlweise auch dem Bediener kontrolliert in der Entscheidung, was in der entsprechenden Stellung wesentlicher für die Bewertung ist?
MK: In der Schachprogrammierung gibt es wie in fast allen Bereichen Trends. Zurzeit ist der Trend, dass man sehr selektiv rechnet und aggressiv pruned. Das wird auch in der parallelen Version so gemacht. Sicher gibt es aber einige, die diesem Trend mehr und andere, die diesem Trend weniger folgen.
Cluster kommen so langsam in Mode und es ist richtig, dass man da andere Sachen machen kann, als in der normalen Version. Ob man dort aber weniger selektiv rechnen soll oder nicht ist unklar. Eine Möglichkeit, auf einem Cluster zu rechnen, ist sicher eine Art 3-Hirn oder aber ein Mehrhirn. Man kann auch mehrere Programme oder ein Programm mit unterschiedlichen Einstellungen an verschiedenen Stellungen rechnen lassen. Wenn man viele Prozessoren hat ist es schwer, ein klassisches Schachprogramm darauf effektiv laufen zu lassen. Irgendwann kommt der Punkt, an dem sich mehrere Prozessoren nicht mehr lohnen, dann muss man nach anderen Wegen suchen, die vorhandene Rechenpower zu nutzen. Hier ist sicher viel möglich und wir stehen erst am Anfang des Weges.

Aufgrund seiner teils exklusiven Features sowie seiner Stabilität sehr geschätzt: Das Interface von Shredder 11
GM: Eine weitere Neuerung kam ab Shredder 10 mit den «Shredder-Bases». Darin werden zu den gespeicherten Endspielstellungen nicht wie in den «Nalimov- Datenbanken» Zugzahlen zum Gewinn oder Remis gespeichert, sondern nur Bewertungen. Das macht den Zugriff während der Partie schneller und bei kurzen Bedenkzeiten besser nutzbar. Wird es die kompletten 6- Steiner, die es von Nalimov gibt, als Shredderbases geben und was kann man sich davon für den Partie-Erfolg erwarten?
MK: Ja, es wird die kompletten 6-Steiner als Shredderbases geben. Wir haben eine Beta-Version sogar schon fertig, die für alle 6-Steiner ca. 40 GB braucht. Leider gab es noch kleinere Probleme, und anderer Projekte hatten Priorität, so dass wir die 6-Steiner etwas zurückgestellt haben, sie werden aber bald definitiv kommen.
Was das alles an Spielstärke bringt, ist eine gute Frage. Ehrlich gesagt hatte ich schon erwartet, dass die 5-Steiner als Shredderbases mehr bringen. Man hat dort schließlich sehr schnellen Zugriff auf den perfekten Wert für alle Stellungen mit 5 oder weniger Figuren.
Meine Einstellung zurzeit ist, dass die Endspiel-Datenbanken für das praktische Spiel sicher nicht schaden, und irgendwann wird es sicher was bringen. Wenn die 6-Steiner nicht helfen, dann vielleicht die 7-Steiner. Wenn die nicht, dann die 8-Steiner… Spätestens bei 32 ist Schluss, und die bringen garantiert was…
GM: Wie weit wird die Computertechnik und die Wissenschaft in nächster Zeit fortschreiten bezüglich der Berechenbarkeit des Schachspiels?

Im Mai 1997 schlug die Super-Machine Deep Blue den amtierenden Weltmeister, das russische Schach-Genie Garry Kasparow, in einem Match mit 3,5:2,5. Seitdem ist der Computer in ständigem Vormarsch, und inzwischen haben (auch gegen simple PC-Software) nur noch wenige Spitzen-Großmeister eine Chance.
MK: Das Schachspiel wird in absehbarer Zeit sicher nicht gelöst werden, dafür ist es einfach zu komplex. Es wurde schon oft vorhergesagt, dass die Engines irgend wann nicht mehr weiter kommen, oder dass dem Schachspiel der Remistod droht. Wenn man sich die letzten zwei, drei Jahre anschaut, dann geht es so schnell voran wie schon lange nicht mehr. Dabei wurden die Programme nicht nur besser, weil die Rechner viel schneller und massiver parallel wurden, sondern auch die Algorithmen wurden ganz eindeutig verbessert. Wenn man sich die auch noch vorhandenen klaren Schwächen der Programme ansieht, dann wird auch klar, dass es noch sehr viel Raum für weitere Verbesserungen gibt.
Ich bin also sehr zuversichtlich, dass es mit dem Computerschach noch eine ganze Weile voran geht.
GM: Wohin geht die «Artificial Intelligence» Ihrer Meinung nach überhaupt, was sind die Speerspitzen heute, nachdem im Schach kaum ein menschlicher Spieler unter üblichen Turnierbedingungen gegen die Maschine mehr echte Gewinnchancen hat? Und wird Shredder sprachgesteuert werden (wie z.B. beim IBM-Projekt Jeopardy), völlig ohne Brettansicht, ohne Tastatur und Maus bedienbar?
MK: Mit KI oder künstlicher Intelligenz ist es so eine Sache. Wenn man sich anschaut, auf welche Art Programme Schach und Dame spielen, dann ist das sicher nicht intelligent. Wenn man sich nur das Ergebnis anschaut, also dass z.B. ein Schachprogramm stärker als alle Menschen Schach spielen kann, dann hat das sicher etwas von Intelligenz. Es ist also eine Frage der Definition.
Bei Ankündigungen von großen Firmen muss man immer aufpassen, nicht auf Marketing-Aktionen reinzufallen. Gerade bei IBM hab ich noch gut im Kopf, was Deep Blue alles Gutes für die Menschheit tun sollte, nachdem er das Schach drangegeben hat. Eine Maschine, die Jeopardy spielt, wäre aber sicher nicht schlecht.
Ein Shredder, der nur mit Sprachsteuerung gesteuert wird, ist heute schon möglich. Für ein Schachprogramm gibt es ja nicht so viele Sachen, die es verstehen muss. ■
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Das Zitat der Woche
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Vom «vernünftigen» Glauben
Hans Küng
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Auch Sie – ich muß hier klar reden – stehen damit vor einer Alternative: Entweder – Sie sterben ins Nichts hinein: Ist das Ihre Einstellung, will ich ihr den Respekt nicht versagen. Diese Auffassung kann kaum widerlegt werden. Freilich hat sie auch noch niemand positiv bewiesen. Nie hat es jemanden gegeben, der bewiesen hätte, daß wir ins Nichts hineinsterben und all unser Leben, Wirken, Lieben, Leiden im Nichts endet, letztlich für nichts war. Und vernünftig, nein, vernünftig erscheint mir diese Möglichkeit auf keinen Fall. Oder – Sie sterben in jene allerletzte Wirklichkeit hinein, die dann auch die allererste, die unfaßbar-umfassende wirklichste Wirklichkeit ist, die wir Gott nennen: Diese Möglichkeit kann ebenfalls nicht rational bewiesen werden, kann freilich auch nicht widerlegt werden. Doch können Sie sich in einem, wie ich meine, durchaus vernünftigen, aufgeklärten Vertrauen darauf einlassen: nicht um sich auf ein Jenseits zu vertrösten, sondern um sich im Diesseits entschiedener einzusetzen.
Daß Sie nicht ins Nichts, sondern in Gott hineinsterben: vernünftiger, ja vernünftig erscheint mir dies allemal. Denn: wenn Gott wirklich existiert und wenn dieser existierende Gott wirklich Gott ist, dann kann er nicht nur der Gott des Anfangs, dann muß er auch der Gott des Endes sein. Dann ist er wie unser Schöpfer so auch unser Vollender. Auch dies also ist Sache eines vernünftigen Vertrauens: Glaubend traue ich diesem Gott alles, auch das Letzte, auch die Überwindung des Todes zu. Dem Schöpfer und Erhalter des Kosmos und des Menschen, und nur ihm, ist zuzutrauen, daß er auch bei Sterben und Tod über die Grenzen alles bislang Erfahrenen hinaus noch ein Wort mehr zu sagen hat: daß ihm wie das erste so auch das letzte Wort gehört. Wenn ich ernsthaft an den ewigen, lebendigen Gott glaube, glaube ich auch an Gottes ewiges Leben, an mein ewiges Leben. Wenn ich somit mein Credo mit dem Glauben an »Gott, den allmächtigen Schöpfer« anfange, so darf ich es – so meine ich – auch ruhig mit dem Glauben an »das ewige Leben« beenden.
Aus Hans Küng, Das sogenannte und das wahrhaft Christliche; in: W. Jens (Hrsg.), Warum ich Christ bin, Kindler Verlag 1979
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8. Weltethos-Rede – Hans Küng hat keine Umarmung verdient? – Hans Küng erhält Abraham-Geiger-Preis – Die Papst-Kritiker-Industrie – Wegweiser ohne Würde
Wer bin ich?
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Women Power (V)
Hineingeboren in eine Mathematiker-Familie, brachte man mir das Schachspiel schon im vierten Lebensjahr bei. Und folgerichtig startete ich meine Karriere als sog. «Wunderkind», welches im Alter von 9 Jahren mit 9 Punkten aus 9 Partien seinen ersten überregionalen Sieg in einem ansonsten nur von Jungs bestrittenen Turnier erzielte. Meine weiteren Lorbeeren: (Ex-)jugoslawische Meisterin, Belgrader Meisterin, danach IM- und anschließend Frauen-GM-Titel, und schlussendlich Vorstoß in die absolute Weltspitze als zweimalige Drittplatzierte der FIDE-Weltrangliste.
Aber ehrgeizig wie ich schon von Kindheit an bin, genügte und genügt mir das Schach allein nicht, auch beruflich strebte ich stets nach Höherem. Also musste noch ein Doktor-Titel her – aber damit nicht genug: seit September letzten Jahres bin ich sogar Professorin an einer Universität meines Heimatlandes in der «Faculty of Culture and Media».
Besonders stolz bin ich darauf, dass auf der Liste meiner Schach-Opfer auch eine ganze Menge sehr prominenter Namen stehen: Die Klinge kreuzte ich mit solchen berühmten Großmeistern wie Anand, Miles oder Nisipeaunu, oder wie Chiburdanidze, Cramling, Zhu Chen, und Z. Polgar bei den Frauen – und sie alle zogen schon mal den Kürzeren gegen mich. Ein taktisch spannendes Exempel meiner Spielkunst findet sich nachstehend.
Also: Wer bin ich?
1.d4 d5 2.c4 c6 3.e3 Sf6 4.Sc3 a6 5.Dc2 g6 6.Sf3 Lg7 7.Ld3 0-0 8.0-0 Lg4 9.Se5 Le6 10.Ld2 Sfd7 11.Sxd7 Sxd7 12.c5 b5 13.Se2 Te8 14.a4 Sf6 15.Ta3 Db8 16.Tfa1 Db7 17.b4 Ld7 18.f4 Tab8 19.axb5 axb5 20.Ta7 Dc8 21.Sg3 Tb7 22.T7a6 Dc7 23.T1a3 Lc8 24.Sf1 Tb8 25.Ta7 Lb7 26.Da2 Dc8 27.Le1 De6 28.f5 gxf5 29.Lg3 Sg4 30.Lxb8 Txb8
31.Txb7! Txb7 32.Ta8+ Lf8 33.Txf8+ Kxf8 34.Da8+ Kg7 35.Dxb7 Sxe3 36.Dc7 Sg4 37.Df4 Df6 38.Sg3 1-0
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Frauen brauchen ihre Chance – Statistischer Auslese-Effekt benachteiligt Frauen -Sexismus in der Schachszene – Schach zu Uhlepingsten
Vittorio-Veneto-Kompositions-Wettbewerb 2009
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«Fairy-tale Sounds» für Kammerorchester
und Kinderchor
Im italienischen Sarmede findet dieses Jahr zum 26. Male die «International Exhibition of Children’s Book Illustration» statt, wobei das Hauptthema der Ausstellung diesmal «Echoes from faraway Seas» («Fairy-tales from Oceania») lautet. Dieses Motiv ist zugleich Ausgangspunkt eines internationalen Kompositions-Preises, den die Stadt Vittorio Veneto ausrichtet, und um den sich TeilnehmerInnen aller Alter und Nationalitäten bewerben können. Eingesandt werden kann entweder ein Kammermusik-Werk mit Kinderchor von ca. 10-minütiger oder eine Pantomimen-Szene von ca. 20-minütiger Dauer. Insgesamt ist der Wettbewerb mit einem Preis-Geld von 4’500 Euro dotiert. Einsende-Schluss ist am 15. Oktober 2009, die weiteren Bestimmungen (engl.) finden sich hier.
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Sommer-Haiku (4)
Fährt ein Zug vorbei,
kräuselt sich der schwarze Rauch
um das junge Grün!
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Shiki (1866–1902)
(Ü: G.Goudenhove)
Dresdner Lyrik-Wettbewerb 2010
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Gedichte als kulturpolitischer Brückenschlag
Zum siebten Mal vergibt 2010 die Stadt Dresden in Zusammenarbeit mit dem Dresdner Literaturbüro ihren internationalen Lyrikpreis. Der Wettbewerb ist mit 5’000 Euro dotiert und richtet sich als «kulturpolitischer Brückenschlag» an Dichterinnen und Dichter aus dem ganzen deutschsprachigen Raum sowie der Tschechischen Republik. Bewerber können von Verlagen, Herausgebern und Redaktionen der Literaturzeitschriften, Autorenverbänden und literarischen Vereinigungen vorgeschlagen werden, weiterhin sind aber auch Eigenbewerbungen ausdrücklich erwünscht. Ensende-Schluss ist am 30. September 2009, die weiteren Einzelheiten finden sich hier.
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Schreibbar 2009 – Schreiberfahrungen – Jugendliteraturwettbewerb – Literatur-Schreibwerkstatt – GSOFH
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Literatur-Kreuzworträtsel im «Glarean»
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Das «Glarean»-Literatur-Kreuzworträtsel Juni 2009
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Kreuzwortblog – Contator - Kreuzworträtsel-Werkstatt – Kreuzworträtsel für Kinder – CeKaDe – Blogspan- Wellnessing – Gehirnjogging – Schlaunews
Das Zitat der Woche
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Über die Verfallsgeschichte von Kunst, Religion und Philosophie
Jürgen Habermas
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Die Konstellation der bürgerlichen Kultur im Zeitalter ihrer klassischen Entfaltung war, wenn eine grobe Andeutung gestattet ist, gekennzeichnet durch die Auflösung traditionalistischer Weltbilder, also einmal durch den Rückzug der Religion in den Bezirk privatisierter Glaubensmächte, sodann durch das Bündnis einer empiristischen und einer rationalistischen Philosophie mit der neuen Physik, und schließlich durch eine autonom gewordene Kunst, die komplementäre Auffangstellungen für die Opfer der bürgerlichen Rationalisierung einnimmt.
Die Kunst ist das Reservat für eine – sei es auch nur virtuelle – Befriedigung jener Bedürfnisse, die im materiellen Lebensprozeß der bürgerlichen Gesellschaft gleichsam illegal werden: ich meine das Bedürfnis nach einem mimetischen Umgang mit Natur, der äußeren ebenso wie der des eigenen Leibes; das Bedürfnis nach solidarischem Zusammenleben, überhaupt nach dem Glück einer kommunikativen Erfahrung, die den Imperativen der Zweckrationalität enthoben ist und der Phantasie ebenso Spielraum läßt wie der Spontaneität des Verhaltens. Diese Konstellation der bürgerlichen Kultur war keineswegs stabil; sie währte, wie der Liberalismus selber, sozusagen nur einen Moment und verfiel dann der Dialektik der Aufklärung (oder vielmehr dem Kapitalismus als deren unwiderstehlichem Vehikel). Schon Hegel verkündet in seinen «Vorlesungen über die Ästhetik» den Verlust der Aura der Kunst. Indem er Kunst und Religion als beschränkte Formen des absoluten Wissens, welche die Philosophie als das freie Denken des absoluten Geistes durchdringt, begreift, setzt er die Dialektik einer «Aufhebung» in Gang, die alsbald die Grenzen der Hegelschen Logik überschreitet. Hegels Schüler vollziehen eine profane Kritik erst der Religion und dann der Philosophie, um schließlich die Aufhebung der Philosophie und deren Verwirklichung in der Aufhebung der politischen Gewalt terminieren zu lassen: das ist die Geburtsstunde der Marxschen Ideologiekritik. Was in der Hegelschen Konstruktion noch verschleiert war, tritt nun hervor: die Sonderstellung, die die Kunst unter den Gestalten des absoluten Geistes insofern einnimmt, als sie nicht, wie die subjektivierte Religion und eine szientifizierte Philosophie, Aufgaben für das ökonomische und das politische System übernimmt, sondern residuale Bedürfnisse, die im »System der Bedürfnisse«, eben der bürgerlichen Gesellschaft, nicht befriedigt werden können, auffängt. Deshalb blieb die Sphäre der Kunst von Ideologiekritik eigentümlich verschont – bis in unser Jahrhundert. Als auch sie schließlich der Ideologiekritik verfiel, stand die ironische Aufhebung von Religion und Philosophie bereits vor Augen.Die Religion ist heute nicht einmal mehr Privatsache; aber im Atheismus der Massen sind auch die utopischen Gehalte der Überlieferung untergegangen. Die Philosophie ist ihres metaphysischen Anspruchs entkleidet, aber im herrschenden Szientismus sind auch die Konstruktionen zerfallen, vor denen eine schlechte Realität sich rechtfertigen mußte. Inzwischen steht gar eine «Aufhebung» der Wissenschaft vor der Tür, die zwar den Schein der Autonomie zerstört, aber weniger um diskursiver Steuerung als vielmehr einer Funktionalisierung des Wissenschaftssystems für naturwüchsige Interessen zu weichen (siehe W.Pohrt: Wissenschaftspolitik. In diesem Zusammenhang steht auch Adornos Kritik einer falschen Aufhebung der Kunst, welche zwar die Aura zerstört, aber mit der herrschaftlichen Organisation des Kunstwerks zugleich dessen Wahrheitsanspruch liquidiert.)
Die Enttäuschung an der falschen Aufhebung, sei es der Religion, der Philosophie oder der Kunst, kann eine Reaktion des Innehaltens, wenn nicht des Zögerns derart hervorrufen, daß man eher gegen das Praktischwerden des absoluten Geistes überhaupt mißtrauisch wird als seiner Liquidierung zustimmt. Damit verbindet sich eine Option für die esoterische Rettung der wahren Momente.Aus Jürgen Habermas: Die Aktualität Walter Benjamins (1972), Essay, in: Politik, Kunst, Religion, Reclam Verlag 1978
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Foucault statt Habermas – Philosophieblog – Habermas zum Achzigsten – Habermas am Handy – Jürgen Habermas – Sozialphilosophie (Habermas) – UltimateHerosWelt – Wissenswerkstatt – Habermas wird 80 – Momentmal
Der brillante Schachzug (40)
3r2k1/p6p/b2r2p1/2qPQp2/2P2P2/8/6BP/R4R1K w
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Die Reihe «Der brillante Zug» veröffentlicht wöchentlich ein neues Beispiel faszinierender menschlicher Höchstleistung auf dem Gebiete des Turnierschachs und der Problemkunst. Die einzelnen Stellungen bzw. Lösungen wurden von der Redaktion persönlich recherchiert und dürften als Schachaufgaben hiermit zum ersten Male einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Es handelt sich dabei um extreme Herausforderungen – für Maschinen wie für Menschen. – Viel Spaß beim Knobeln! (W.E.)
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Red-Hot-Pawn -Padschah – Brettspiel – Sven-Blog – Der Denker
Zürcher Jazz-Kompositionswettbewerb 2009
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Moderne Werke für Big Band
Um junge Jazzkomponist/inn/en zu fördern, schreibt das «Zurich Jazz Orchestra» (ZJO) einen Kompositionswettbewerb im Bereich Big-Band-Jazz aus: «Das ZJO setzt sich dafür ein, dass die Big Band als klassischer Klangkörper des orchestralen Jazz eine lebendige Institution darstellt, deren Klangfarben zeitgenössische Komponisten und Komponistinnen inspirieren.»
Teilnahmeberechtigt sind Komponisten und Komponistinnen, die zum 30.9.2009 das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Die eingereichten Stücke müssen Originalwerke sein (keine Arrangements) und dürfen eine Länge von acht Minuten nicht überschreiten. Einsende-Schluss ist am 30. September 2009, die weiteren Einzelheiten finden sich hier.
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Kunstwerkstatt – Der Westen/BigBand – Schuljazz Würzburg – Musician’s Life - Moers Festival – Spex/Musik - Jazz-Streetparade – Berlin Jazz
Literatur-Wettbewerb des Autorenverbandes Franken
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Thema: «Höhenflüge und Abgründe»
Der fränkische Autorenverband richtet erstmals einen nach seinem Gründer G.H. Schaeff-Scheefen benannten Literatur-Preis aus. Er steht allen deutschsprachig Schreibenden offen und hat «Höhenflüge und Abgründe» zum Thema. Erwartet werden nicht Berichte oder Reportagen, sondern literarische Erzählungen, wobei ein Genre nicht festgelegt ist: «Von der Liebesgeschichte über Satiren, phantastische Texte bis zum Krimi ist alles denkbar. Die Texte müssen allerdings einen deutlich erkennbaren inhaltlichen Bezug zu Franken haben.» Das Preisgeld beträgt 600 Euro, die besten 25 Texte werden im Würzburger Verlag «Königshausen&Neumann» in einer Anthologie veröffentlicht. Einsende-Schluss ist am 15. August 2009, die weiteren Einzelheiten finden sich hier.
Sommer-Haiku (3)
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Schweifend wirrer Traum -
Über das verbrannte Feld
seufzt des Windes Wehn.
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Onitsura (1660-1738)
(Ü: Coudenhove)
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Zauberworte – Tieger – Wortwaise – Begin-the-beguine - Teeblog - Frau von Welt – Hagenbach – Schreiben&Lesen – Wortflechter - Gedichte - Deutsch-Japanische Gesellschaft - Bublo/Lotree - Fundbüro - Lesereins – Voller Worte
Jon Speelman: «Buch der Schachaufgaben»
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Praktische Schule der Taktik
Walter Eigenmann
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Als der englische GM Jonathan Speelman vor einem Jahr seinen «Gambit-Book»-Erstling «Jon Speelman’s Chess Puzzle Book» präsentierte, waren Presse und Leser des Lobes voll über diese Aufgaben-Sammlung in Sachen Schach-Taktik. Denn nicht nur, dass der große Endspiel-Techniker und am Brett äußerst kreative Taktiker Speelman gemeinsam mit John Nunn und Tony Miles jahrelang das berühmte britische Schach-«Triumvirat» bildete. Auch als Autor hatte sich der studierte Mathematiker und WM-Halbfinalist längst einen hervorragenden Namen geschaffen. Umso erfreulicher ist nun, dass er mit seinen Taktik-Puzzles auch die große deutschsprachige Leserschaft bedient.
Gemäß seiner Grundbotschaft, dass Taktik «eine Kombination von Sehvermögen und Berechnung» bilde, betont Autor Speelman im eben erschienen «Buch der Schachaufgaben», dass die Verbesserung der taktischen Fähigkeiten «keineswegs dunkle Magie», sondern durch Übung erreichbar sei. Und wie andere Untersuchungen geht auch Speelmans Exerzitium von der großen Bedeutung der «Mustererkennung» aus: «Das Sehvermögen ergibt such aus der Mustererkennung, aus der man dann Kandidatenzüge ableiten kann. Diesem im Unterbewusstsein ablaufenden Prozess liegt zweifellos eine tiefgründige wissenschaftliche Theorie zugrunde, aber der praktische Effekt für Schachspieler besteht darin, dass man durch Übung eher Züge sieht, die funktionieren könnten, wobei die Betonung auf ‘könnten’ liegt. – Im Berechnungsteil prüft man dann, ob diese Züge auch wirklich klappen.»
Didaktisch setzt Speelman dieses sein zweiteiliges Unterrichtskonzept in bekannter Manier um, indem es vom Elementaren zum Komplizierten geht: «In meiner Jugend habe ich hunderte von kleinen Taktikaufgaben aus Büchern und Zeitschriften gelöst und bin immer der Meinung gewesen, dass der beste Weg zur Erzielung von Fortschritten darin besteht, blindlings gegen eine Mauer anzurennen, sondern eine Reihe niedrigerer Hindernisse zu überwinden und sich dadurch kleine, aber angenehme Erfolgserlebnisse zu verschaffen.»
Dementsprechend beginnt der 53-jährige Londoner Großmeister sein Buch mit den taktisch (ein-)gängigsten Manövern wie «Springergabel» oder «Fesselung», um sodann die höheren Weihen des Kombinierens mittels komplexerer Bereiche wie «Überlastung» oder «Bauernumwandlung» zu spenden. Jede Aufgabe, die eine Art Paradigma ihres Themas darstellt, geht dabei von einem Diagramm aus, dem ein kurzer Umschrieb des Puzzles folgt. Im «Lösungen»-Abteil werden dann die detaillierten Varianten besprochen. Das «Sehvermögen» nochmals eingehender trainiert wird dann im Abschnitt «Taktik in der Praxis», aber nun nicht mehr systematisch, sondern bunt gewürfelt – wie das im Partien-Turnieralltag ja auch der Fall ist. «Fingerübungen» nennt Speelman diese 48 Stellungen, welche die vorausgegangenen Kapitel resümieren.
«Jon Speelmans Buch der Schachaufgaben» ist eine Taktik-Unterweisung, die für jeden aufstrebenden Caissa-Jünger mit Gewinn studiert werden dürfte. Denn die Kombinatorik-Puzzles sind so geschickt, will heißen so beispielhaft gewählt, dass sie als eigentliche Lerninhalte bei jedem Amateur in die Partien-Praxis durchschlagen sollten. Wobei bei solchen Büchern ja grundsätzlich nicht nur systematisch mit dem Brett vor dem Kopf gebüffelt, sondern alternativ durchaus auch «Just-for-Fun» genossen werden kann: Man liest ein paar Seiten im Zug, die nächsten in der Kaffeepause, weitere vor dem Einschlafen – wann und wo halt man Lust auf ein bisschen Schachtaktik hat. Hauptsache: Nicht schummeln… ■
Jonathan Speelman, Jon Speelmans Buch der Schachaufgaben, Gambit Books Verlag, 160 Seiten, ISBN 978-1-906454-02-9
Inhalt
Einführung 5 Teil 1: Die Elemente Springergabeln 7 Ungedeckte Figuren 12 Linienöffnung und -schließung 17 Fesselungen 22 Spieße 27 Überlastete Figuren und Ablenkungen 31 Mattangriffe 36 Die Grundreihe 44 Patt 48 Bauernumwandlung 52 Teil 2: Taktik in der Praxis Fingerübungen 57 Bunter Strauß 70 Schwierigere Beispiele 83 Lösungen 94
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Probeseiten
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Frederic-Mompou-Kompositions-Wettbewerb 2009
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Gesucht: Werke für Flöte und Streichtrio
Zur Erinnerung an ihren langjährigen Präsidenten Frederic Mompou schreibt «Joventuts Musicals de Barcelona» einen alljährlichen Kompositionspreis aus. In diesem Jahr ist die Besetzung ausgeschrieben für Werke mit Flöte und Streichtrio. Stilistisch setzt der Wettbewerb keine Vorgaben, doch ein Teilnehmer sollen nicht älter als 35 Jahre sein, und das eingereichte Stück darf noch nicht anderweitig veröffentlicht worden. Die Dauer des Werkes muss zwischen 12 und 20 Minuten betragen. Als Preise ausgesetzt sind 5’000 Euro, das Sieger-Werk wird verlegerisch betreut und in Barcelone uraufgeführt. Einsende-Schluss ist am 1. Oktober 2009, die weiteren Einzelheiten (engl.) finden sich hier.
Der Literareon-Prosa-Wettbewerb 2009
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Kurzgeschichten zum Thema «Rückenwind»
Im Rahmen seiner Reihe Literareon schreibt der deutsche Belletristik- und Sachbuch-Verlag Utz einen Kurzgeschichten-Wettbewerb aus. Das Motto lautet «Rückenwind», der Wettbewerb steht allen AutorInnen offen. Der Beitrag soll drei Seiten (=1’500 Wörter) nicht überschreiten und noch unveröffentlicht sein. Einsende-Schluss ist am 30. November 2009, die weiteren Details finden sich hier.
Volker Klöpsch: «Chinesische Liebesgedichte»
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Ostasiatische Poesie aus drei Jahrtausenden
Walter Eigenmann
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Anders als die japanische Lyrik, die in den letzten Jahren mit ihren populärsten beiden Formen Haiku und Tanka auch im Westen einen regelrechten «Boom» erlebte, genießt das «klassische» chinesische Gedicht keine sonderliche Aufmerksamkeit bei der Lyrik-Leserschaft unserer kulturellen Breitengrade – trotz Übersetzungen der Werke so berühmter Dichter wie Tao Yuanming (Jin-Dynastie), Li Bai, Du Fu, Bai Juyi, Du Mu, Li Shangyin (alle Tang) oder Li Qingzhao (Song). Umso größer das Verdienst des deutschen Sinologen Volker Klöpsch – u.a. auch seines «Lexikons der chinesischen Literatur» (2004) wegen einer der führenden Experten für ostasiatische Literatur -, der nun im Insel/Suhrkamp-Verlag eine repräsentative, über weite teile referentielle Sammlung «Chinesischer Liebesgedichte» herausgab. Der Band erstreckt sich zeitlich vom bekannten anonymen «Buch der Lieder», das noch Konfuzius persönlich zusammengetragen haben soll, über die literarisch besonders fruchtbare Tang-Zeit (7.-10. Jh.) sowie die Dynastien Yuan (13./14. Jh.) und Ming (14.-16. Jh.) bis hin zur chinesischen Literatur-Moderne eines Wen Yiduo oder Gu Cheng.
In der «klassischen» chinesischen Dichtung spielte die Liebe, wie der Herausgeber in seinem instruktiven Nachwort ausführt, nicht die dominierende Rolle, die sie in der westlichen Literatur einnimmt: «Der Dichter war im alten China in der Regel Beamter im Dienste des Staates, und die Dichtung diente vorrangig als Medium des gesellschaftlichen Umgangs. Sie fand im öffentlichen Raum statt und genoss große Beachtung. So war die Abfassung von Gedichten über Jahrhunderte auch Bestandteil der landesweiten Beamtenprüfungen, ohne die kein Aufstieg möglich war. Nach einem Ausspruch des Konfuzius verfügt über keine Sprache, wer die Lieder nicht kennt.»
Im Schatten der übermächtigen Tradition dieser «Beamtendichtung» konnten sich die vielen Formen einer eigenen Volksdichtung zwar durchaus reich entfalten, mussten sich aber auf die mündliche Überlieferung stützen. Denn das breite Volk verfügte zwar natürlich über dichterische Stimmen, doch wie Übersetzer Klöpsch darlegt: «Die Beherrschung der Schrift auf Grund ihrer Schwierigkeiten war ein noch viel größeres Privileg der ‘gebildeten Stände’ als im europäischen Mittelalter. Das Erlernen von vielen tausend chinesischen Schriftzeichen erforderte eine langjährige Ausbildung, der sich nur die wenigsten unterziehen konnten.»
Exkurs: Übersetzen aus dem Chinesischen
Zur Problematik des Übersetzens aus einer so komplexen Hochsprache wie dem Chinesischen führt der deutsche Sinologe aus: «Die sprachlichen Strukturen – es gibt im modernen Chinesisch nur etwa 400 unterschiedliche Silben – bedingen eine große Zahl von gleichklingenden Wörtern und entsprechenden gedanklichen Anspielungen und Zweideutigkeiten. Nehmen wir ein kleines Beispiel: Ein schlichtes, mit ‘Betriebsamkeit’ überschriebenes Lied beschreibt auf der Oberfläche nichts als einfache (und unschuldige) Tätigkeiten im ländlichen Haushalt:
Der Junge soll Lotos pflanzen -
sie sieht in den Blüten ein Band.
Das Mädchen züchtet die Raupen -
er sieht in der Seide ein Pfand.
Sie will aus dem Brunnen schöpfen,
doch fehlt ihr das rechte Gerät.
Zu gerne schlüpfte er einmal hinein
in das Hemd, das sie gerade näht.
Vier Schlüsselwörter vermitteln jedoch für den geübten Hörer oder Leser eine tiefere Dimension: Der Lotus (lian) lässt die vom Mädchen ersehnte ‘Verbindung’ anklingen, die Seide (mian) deutet das Begehren des Jungen an, mit dem Mädchen zu ‘schlafen’; das Schöpfgerät (tong) für den Brunnen, welches das Mädchen vermisst, heißt auch ‘miteinander verkehren’, und der Wunsch des Jungen, in das Hemd ‘hineinzuschlüpfen’, ist ebenfalls eindeutig sexueller Natur.» – -
Dem interessierten Leser, geschult an thematisch vergleichbarer Lyrik okzidentalen Ursprungs, erschließt die Sammlung eine ganz eigene dichterische Welt der unverfälschten Sensibilität und einer seltsam naiv anmutenden Seins-Sicht, aber auch der rätselhaften Gefühls-Chiffren und der betont natur- bzw. tierverbundenen, gleichzeitig sehr bedeutungsträchtigen Bildmotive. Diese besondere poetische Qualität der ostasiatischen Liebes-Lyrik zu vermitteln ist ein verdienstvoller Aspekt dieser Tour d’horizont durch drei Jahrtausende Poesie aus China, und mit der Herausgabe dieser Gedichte, welche trotz aller faszinierenden Exotik in Inhalt und Form doch auch die menschlichen Konstanten Liebe und Lust literarisch bewältigen und damit wesentliche Berührungspunkte mit der entsprechenden abendländischen Hochpoesie aufweisen, verbindet Herausgeber Klöpsch neben dem dichterischen auch ein interkulturelles Anliegen. Er hofft nämlich, dass es gelänge, «uns die fernen Menschen näher zu bringen und verständlicher zu machen, so dass das Fremde uns nicht mehr verwirrt, sondern bereichert und beglückt, weil es als ein Teil des Eigenen begriffen wird.» Nicht das schlechteste der Motive, fremdländische Literatur herauszugeben… Eine hochwillkommene Edition, der man etwas breitere Leserschaft als den üblichen Lyrik-Nischenmarkt erhofft! ■
Volker Klöpsch (Hrsg.), Chinesische Liebesgedichte, Insel/Suhrkamp Verlag, 144 Seiten, ISBN 978-3458351177
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Inhaltsverzeichnis
Probeseiten
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Das Zitat der Woche
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Über die Natur
Alexander von Humboldt
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Wer die Resultate der Naturforschung nicht in ihrem Verhältnis zu einzelnen Stufen der Bildung oder zu den individuellen Bedürfnissen des geselligen Lebens, sondern in ihrer großen Beziehung auf die gesamte Menschheit betrachtet; dem bietet sich, als die erfreulichste Frucht dieser Forschung, der Gewinn dar, durch Einsicht in den Zusammenhang der Erscheinungen den Genuß der Natur vermehrt und veredelt zu sehen. Eine solche Veredlung ist aber das Werk der Beobachtung, der Intelligenz und der Zeit, in welcher alle Richtungen der Geisteskräfte sich reflektieren. Wie seit Jahrtausenden das Menschengeschlecht dahin gearbeitet hat, in dem ewig wiederkehrenden Wechsel der Weltgestaltungen das Beharrliche des Gesetzes aufzufinden und so allmählich durch die Macht der Intelligenz den weiten Erdkreis zu erobern, lehrt die Geschichte den, welcher den uralten Stamm unseres Wissens durch die tiefen Schichten der Vorzeit bis zu seinen Wurzeln zu verfolgen weiß. Diese Vorzeit befragen heißt dem geheimnissvollen Gange der Ideen nachspüren, auf welchem dasselbe Bild, das früh dem inneren Sinne als ein harmonisch geordnetes Ganzes, Kosmos, vorschwebte, sich zuletzt wie das Ergebnis langer, mühevoll gesammelter Erfahrungen darstellt.
In diesen beiden Epochen der Weltansicht, dem ersten Erwachen des Bewußtseins der Völker und dem endlichen, gleichzeitigen Anbau aller Zweige der Kultur, spiegeln sich zwei Arten des Genusses ab. Den einen erregt, in dem offenen kindlichen Sinne des Menschen, der Eintritt in die freie Natur und das dunkle Gefühl des Einklangs, welcher in dem ewigen Wechsel ihres stillen Treibens herrscht. Der andere Genuß gehört der vollendeteren Bildung des Geschlechts und dem Reflex dieser Bildung auf das Individuum an: er entspringt aus der Einsicht in die Ordnung des Weltalls und in das Zusammenwirken der physischen Kräfte. So wie der Mensch sich nun Organe schafft, um die Natur zu befragen und den engen Raum seines flüchtigen Daseins zu überschreiten; wie er nicht mehr bloß beobachtet, sondern Erscheinungen unter bestimmten Bedingungen hervorzurufen weiß; wie endlich die Philosophie der Natur, ihrem alten dichterischen Gewande entzogen, den ernsten Charakter einer denkenden Betrachtung des Beobachteten annimmt: treten klare Erkenntnis und Begrenzung an die Stelle dumpfer Ahnungen und unvollständiger Induktionen. Die dogmatischen Ansichten der vorigen Jahrhunderte leben dann nur fort in den Vorurteilen des Volks und in gewissen Disziplinen, die, in dem Bewußtsein ihrer Schwäche, sich gern in Dunkelheit hüllen. Sie erhalten sich auch als ein lästiges Erbteil in den Sprachen, die sich durch symbolisierende Kunstwörter und geistlose Formen verunstalten. Nur eine kleine Zahl sinniger Bilder der Phantasie, welche, wie vom Dufte der Urzeit umflossen, auf uns gekommen sind, gewinnen bestimmtere Umrisse und eine erneuerte Gestalt.
Die Natur ist für die denkende Betrachtung Einheit in der Vielheit, Verbindung des Mannigfaltigen in Form und Mischung, Inbegriff der Naturdinge und Naturkräfte, als ein lebendiges Ganzes. Das wichtigste Resultat des sinnigen physischen Forschens ist daher dieses: in der Mannigfaltigkeit die Einheit zu erkennen; von dem Individuellen alles zu umfassen, was die Entdeckungen der letzteren Zeitalter uns darbieten; die Einzelheiten prüfend zu sondern und doch nicht ihrer Masse zu unterliegen: der erhabenen Bestimmung des Menschen eingedenk, den Geist der Natur zu ergreifen, welcher unter der Decke der Erscheinungen verhüllt liegt. Auf diesem Wege reicht unser Bestreben über die enge Grenze der Sinnenwelt hinaus; und es kann uns gelingen, die Natur begreifend, den rohen Stoff empirischer Anschauung gleichsam durch Ideen zu beherrschen.
Wenn wir zuvörderst über die verschiedenen Stufen des Genusses nachdenken, welchen der Anblick der Natur gewährt; so finden wir, daß die erste unabhängig von der Einsicht in das Wirken der Kräfte, ja fast unabhängig von dem eigenthümlichen Charakter der Gegend ist, die uns umgibt. Wo in der Ebene, einförmig, gesellige Pflanzen den Boden bedecken und auf grenzenloser Ferne das Auge ruht; wo des Meeres Wellen das Ufer sanft bespülen und durch Ulfen und grünenden Seetang ihren Weg bezeichnen: überall durchdringt uns das Gefühl der freien Natur, ein dumpfes Ahnen ihres „Bestehens nach inneren ewigen Gesetzen“. In solchen Anregungen ruht eine geheimnißvolle Kraft; sie sind erheiternd und lindernd, stärken und erfrischen den ermüdeten Geist, besänftigen oft das Gemüt, wenn es schmerzlich in seinen Tiefen erschüttert oder vom wilden Drange der Leidenschaften bewegt ist. Was ihnen ernstes und feierliches beiwohnt, entspringt aus dem fast bewußtlosen Gefühle höherer Ordnung und innerer Gesetzmäßigkeit der Natur; aus dem Eindruck ewig wiederkehrender Gebilde, wo in dem Besondersten des Organismus das Allgemeine sich spiegelt; aus dem Kontraste zwischen dem sittlich Unendlichen und der eigenen Beschränktheit, der wir zu entfliehen streben. In jedem Erdstriche, überall wo die wechselnden Gestalten des Tier- und Pflanzenlebens sich darbieten, auf jeder Stufe intelleKtueller Bildung sind dem Menschen diese Wohltaten gewährt.
Ein anderer Naturgenuß, ebenfalls nur das Gefühl ansprechend, ist der, welchen wir, nicht dem bloßen Eintritt in das Freie (wie wir tief bedeutsam in unserer Sprache sagen), sondern dem individuellen Charakter einer Gegend, gleichsam der physiognomischen Gestaltung der Oberfläche unseres Planeten verdanken. Eindrücke solcher Art sind lebendiger, bestimmter und deshalb für besondere Gemütszustände geeignet. Bald ergreift uns die Größe der Naturmassen im wilden Kampfe der entzweiten Elemente oder, ein Bild des Unbeweglich-Starren, die Öde der unermesslichen Grasfluren und Steppen, wie in dem gestaltlosen Flachlande der Neuen Welt und des nördlichen Asiens; bald fesselt uns, freundlicheren Bildern hingegeben, der Anblick der bebauten Flur, die erste Ansiedelung des Menschen, von schroffen Felsschichten umringt, am Rande des schäumenden Gießbachs. Denn es ist nicht sowohl die Stärke der Anregung, welche die Stufen des individuellen Naturgenusses bezeichnet, als der bestimmte Kreis von Ideen und Gefühlen, die sie erzeugen und welchen sie Dauer verleihen. ■
Aus Alexander von Humboldt, Kosmos, Entwurf einer physischen Weltbeschreibung, 1858
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