Glarean Magazin

Internationaler Literatur-Wettbewerb

Veröffentlicht in Literatur, Literatur-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 28. Februar 2009

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«Sieben Minuten Leidenschaft»

ausserdem-muenchenDie literarische Plattform keinVerlag.de/.at/.ch, die Münchner Literaturzeitschrift außer.dem und das Darmstädter Zentrum junge Literatur veranstalten ihren ersten gemeinsamen Literaturwettbewerb. Vom 01. März bis zum 31. Mai 2009 kann ein bislang unveröffentlichter Text mit max. 1’500 Zeichen zum Thema «Sieben Minuten Leidenschaft» eingereicht werden. Der Wettbewerb ist mit total 300 Euro dotiert, die weiteren Details finden sich hier.

Die Geheimnisse der Schach-Großmeister

Veröffentlicht in John Nunn, Rezensionen, Schach, Schach-Rezension von Walter Eigenmann am 27. Februar 2009

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John Nunn: «Schnell gewinnen»

john-nunn_schnell-gewinnen_gambit-verlagWenn auf einem Schachbuch «John Nunn» draufsteht, bedeutet das praktisch immer was Gutes: Der englische Großmeister, Mathematiker und Schach-Journalist, bereits zweimal mit dem begehrten Award «Buch des Jahres» des Britischen Schachverbandes ausgezeichnet, schreibt schon seit langem einen Theorie-Bestseller nach dem anderen. (Erwähnt seien nur beispielsweise die deutschsprachigen «Schach verstehen Zug um Zug», «Einführung in die Schachtaktik» oder «Geheimnisse des Großmeisterschachs».)
Sein neuester Coup nennt sich «Schnell gewinnen im Schach», ist wiederum in Nunns Leib- und Magen-Verlag «Gambit» als eine erhebliche Aktualisierung früheren Materials nun im TB-Format erschienen und widmet sich (in der Reihe «Geheimnisse der Großmeister») einem Thema, das nicht nur GM, sondern auch Vereinsspieler – ja gerade diese – erheblich tangiert: der allzufrüh entschiedenen Kurzpartie.
Nunns breit und amüsant kommentierte Sammlung von 125 Miniaturen (aus dem jüngeren und jüngsten Turnier-Schach) enthält «Patzer, Böcke, Uberseher» von beileibe nicht schwachen, sondern durchwegs meisterhaften Spielern. Fehler also, die zu ahnden man schon einiges Hirnschmalz aufbieten muss. Zumal solchen früh entschiedenen Kämpfen oft nicht rationale, sondern ebenso häufig psychologische Fehleinschätzungen zugrunde liegen: «Der Verlierer erkennt oft nicht, dass die Dinge nicht ganz nach Plan verlaufen sind, und so begibt er sich in unbekannte Gewässer, auch wenn es noch früh genug war, den sicheren Hafen anzusteuern.»

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Großmeister, WM im Schach-Problem-Lösen, Mathematiker, Schach-Journalist und -Theoretiker: Dr. John Nunn

Nunn spürt den Beweggründen für fehlerhaftes Schachspielen nach und erklärt andererseits, wie solche falschen Spielanlagen «kurz und schmerzlos» bestraft werden können – jenseits allen modischen Eröffnungstheoretisierens. Dabei ist auch hier wieder das schachjournalistische Markenzeichen dieses prominenten Autors zu genießen: So viel Variantengestrüpp wie nötig, so wenig Allgemeinplätze wie möglich. Dafür bietet Nunn eine Menge «Tipps&Tricks», die das dicke Versprechen auf dem Cover einlösen, nämlich «Wie Sie Ihre Gegner in Windeseile zur Strecke bringen können».
«Gehobene» Turnier-Amateure und «mittelstarke» Vereinsspieler, die ernsthaft und ausdauernd mitzudenken gewillt sind, werden die Lektüre dieses Bandes definitiv mit Gewinn für die eigene Spielstärke abschließen. (gm)

John Nunn, Schnell gewinnen im Schach, 288 Seiten, Gambit Verlag, ISBN 978-1904600930

Leseprobe (pdf)

Literaturwettbewerb des BDA

Veröffentlicht in Literatur, Literatur-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 27. Februar 2009

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Theaterstücke zum Thema «Anders sein»

bund-deutscher-amateurtheater«’Anders sein’ war und ist schon immer ein Thema in der Literatur und insbesondere in der dramatischen Literatur. Der Bund Deutscher Amateurtheater BDAT möchte der gesellschaftlichen Auseinandersetzung im Kontext dieses Themas aus der Perspektive junger Menschen neue Impulse verleihen. Der BDAT interessiert sich für die Fragestellungen, Beobachtungen, Ideen und Positionen junger Menschen zu dieser Thematik» und schreibt darum einen mit insgesamt 4’000 Euro dotierten Wettbewerb aus, der sich an junge Autorinnen und Autoren wendet, die nicht älter als 26 Jahre sind. Sie können sich mit Szenen, Theaterstücken und Texten aller Art bewerben, die mit theatralen Mitteln zu gestalten sind. Einsende-Schluss ist am 31. Juli 2009, die weiteren Einzelheiten finden sich hier.

Das Glarean-Literatur-Kreuzworträtsel

Veröffentlicht in Literatur, Literatur-Kreuzworträtsel von Walter Eigenmann am 26. Februar 2009

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Literatur-Kreuzworträtsel Februar 2009

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Lyrik von Werner K. Bliß

Veröffentlicht in Literatur, Lyrik, Neue Lyrik, Werner K. Bliß von Walter Eigenmann am 25. Februar 2009

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am straßenrand

im asphaltnass zittert dein abbild
mit dem der bäume um die wette

traumverlassen warten deine schuhe
ein stück hose auf den rest des tages

du willst einen blick auf deine seele
werfen da beginnt es erneut zu regnen

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mais um

dieser neuerliche streifen gelb
galeerensträflings fluch
dunkler nach unten
im rumpf ungehörte
klopfzeichen
in grau getaucht
austerntiefe

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sonntags

das rechteck
auf augenhöhe

ein zeichen löst sich
setzt andere frei

ein sehgewitter leuchtet in
vergangene zeiten

dunkelste abendstunden
lichtüberworfener horizont

ein mantel formt
drehende wasser

und mittendrin

du

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Werner K. Bliß

Geb. 1950, Pädagoge, zahlreiche Lyrik-Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften, Online-Portalen und Anthologien, lebt in Hausach/D

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Musik-Satire von Nils Günther

Veröffentlicht in Humor, Humoreske, Literatur, Musik, Nils Günther, Prosa, Satire von Walter Eigenmann am 24. Februar 2009

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Der gemeine Orchesterdirigent

Nils Günther

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Geschätzte Zuhörerinnen und Zuhörer!

In unserer musikzoologischen Vortragsreihe «Die Unterwelt der Musik» wollen wir uns heute einer besonders verbreiteten, aber auch sehr interessanten und in weiten Teilen noch unerforschten Spezies zuwenden: dem gemeinen Orchesterdirigenten.
Zunächst sollten wir den Gegenstand unserer Betrachtungen einmal definieren, denn obwohl den gemeinen Orchesterdirigenten jeder kennt, ja wahrscheinlich viele von Ihnen selber den einen oder anderen davon im Plattenregal stehen hat, stellen wir uns mal ganz dumm und fragen: Was ist ein Dirigent?

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Dirigent Richard Wagner erstürmt den Himmel (Zeitgenössische Karikatur)

Hierzu muss man in der Historie recht weit zurückgehen, eigentlich in die graue Vorzeit, an jenen Punkt, wo einer aus der Herde das Maul besonders weit aufriß und sich dadurch zum Leithammel machte. Dass dafür das Maulaufreißen allerdings nicht lange reichte, kann man sich vorstellen; Argumente allein hatten noch selten ewig Bestand. Daher war es nützlich, sich durchaus physischer Gewalt zu bedienen, etwa indem man einen großen Knüppel nahm und alles, was aufmüpfig war einfach niederschlug.
Aus eben dieser Figur des Leithammels entwickelten sich mehrere bis in die heutige Zeit existente Tätigkeiten, die alle mit Machtpositionen zu tun haben. Der Politiker, der Boxer, der Zahnarzt und der Dirigent: sie alle haben ihre Wurzeln im prähistorischen Knüppelschwinger, nur dass die Knüppel im Laufe der Evolution extrem verkümmert oder überhaupt zu rein geistigen geworden sind. Beim Dirigenten ist dieser letzte Rest des Knüppels aber in Form eines kleinen Stäbchens noch gut zu erkennen, auch wenn sich die Funktion seiner Keule ein wenig gewandelt hat. Sie wird nicht mehr zum direkten Prügeln benutzt, letzteres wird vielmehr bloß noch angedeutet; der Dirigent «gibt den Takt an», wie man sagt. (Ob er viel mehr tut, ist von der Wissenschaft noch nicht endgültig geklärt).
Diverse Sagen ranken sich um einige besonders heroische Dirigenten der Vergangenheit. So erzählt man sich heute noch voller Erschauern die Geschichte von Lully, der sich mit seinem (damals noch durchaus knüppelhaften) Stab den Fuß rammte und kurz darauf verschied. Ein Suizid der besonderen Art!

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Dirigent Benjamin Bilses bestrickende Leitung (Zeitgenössische Karikatur)

Doch diese heroischen Zeiten sind eigentlich vorbei, heute scheuen die meisten Dirigenten das Risiko, und kaum einer würde mehr selbst ein solches Opfer für die Kunst bringen. Nein, heute geht es dem Dirigenten in erster Linie darum, dem Komponisten zu zeigen, was eine Harke ist. Wedelnd steht der Dirigent an seinem Pult und fuchtelt alle ihm untergebenen Musiker in die Knie. Selbst bei Messen und anderen geistlichen Werken hat der Dirigent keine Skrupel, statt Andacht das blanke Stäbchen walten zu lassen. Das Werk hat vor dem Maestro zu erzittern, nicht etwa umgekehrt! Was man hört ist nicht Mozart oder Beethoven, sondern Bernstein oder Celibidache.
Der Dirigent muss nur die Auf- und Abwärtsbewegung des Stabes erlernen, nichts weiter. Zählen kann das Orchester allein, und zwar gut genug, um sich nicht durch das unrhythmische Gefuchtel aus der Ruhe bringen zu lassen. Gewiefte Dirigenten bringen es zustande, mit der freien Hand ebenfalls Bewegungen auszuführen. Solche Wunderknaben sind rar, und der tosende Applaus ist ihnen gewiss. Schließlich ist das so, als ob ein dressierter Affe gleichzeitig eine Banane isst und sich mit dem linken Fuß am Kopf kratzt. Vor solcherlei Launen der Natur hatte der Pöbel schon seit jeher Respekt. Zu Recht.
Der Weg zum Dirigentendasein führt also über mehrere Stationen. Zunächst muss man einiges an Feinmotorik mitbringen, um überhaupt ein Stäbchen koordiniert bewegen zu können. Nicht nur muss das Holzstück auf und ab bewegt, nein, es muss dabei auch fest genug gehalten werden, so dass es nicht versehentlich aus der Hand fällt. Einem angehenden Maestro werden in der ersten Probephase denn auch diverse Unfälle nicht erspart bleiben, von ausgestochenen Augen über tote Haustiere und zerstörte Porzellansammlungen bis hin zu unabsichtlich kastrierten Schulfreunden. Ist diese Klippe nach Jahren zermürbernden Trainings umschifft, muss sich der Dirigent einige feinere Eigenschaften antrainieren wie Arroganz, Geldgier, Oberflächlichkeit und Narzissmus. Manche haben darüber hinaus eine rudimentäre musikalische Grundausbildung, doch darauf kann man sich nicht verlassen.

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Dirigent Gustav Mahlers Kakaphonie (Zeitgenössische Karikatur)

In aller Regel muss man zufrieden sein, wenn der Dirigent weiß, in welche Richtung er zu blicken hat. (Für gewöhnlich hat er ja einen Handlanger, der sich Konzertmeister nennt. Dieser schüttelt dem Dirigenten immer wieder die Hand, damit der Maestro seine Position wieder richtig einnimmt, und auch, damit sich die um das Stäbchen gekrampfte Hand wieder etwas entspannen kann). Intelligentere Exemplare der Spezies sind zudem in der Lage, blitzschnell ihre Position durch eine Drehung um 180 Grad zu verändern, um sich gekonnt zum Publikum hin zu verbeugen. Einigen von ihnen gelingt es sogar, sich anschließend wieder mit katzenartiger Behendigkeit in die Ausgangslage zurück zu bewegen. Doch das ist angeborenes Genie, welches sich dem Normalsterblichen nur schwer erschließt.
Ein weiteres bedeutungsvolles Moment kommt hinzu: die Mimik. Sie ist die wahre Kunst des Dirigenten. So kann man es etwa bei Lorin Maazel beobachten, der mit seinem Blick unmissverständlich zu verstehen gibt, dass er nicht nur alle Musiker und das Publikum, sondern auch die Musik selbst abgrundtief verachtet und nur dort droben auf dem Podest steht, weil der Taxameter tickt und ihm den neuen Swimmingpool als sicher finanziert verspricht.

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Dirigent Carl Rosa beim Geldverdienen (Zeitgenössische Karikatur)

Der Dirigent ist in der glücklichen Lage, das meiste Geld zu verdienen und dafür am wenigsten tun zu müssen. Er muss in der Regel nur einen Auftakt schlagen, danach läuft die Sache quasi von selbst. Üben kann der Dirigent in seinem Sessel zu Hause mit einem feinen Glas Cognac in der einen Hand und der Partitur in der anderen. Lesen kann er sie größtenteils nicht, und so verbringt er die Zeit damit, die schwarzen Punkte mit einem Buntstift zu verbinden und sich von den entstehenden Bildern überraschen zu lassen.
Es ist natürlich nicht verkehrt, wenn der Dirigent den Schluss der Komposition nicht verpasst. Danach weiterzuschlagen wäre nicht von Vorteil. Denn der gebildete Dirigent weiß, dass der Schluss in 90 Prozent aller Fälle laut und immer von Stille gefolgt ist. Diese Stille muss schnell genug wahrgenommen werden, was schon schwieriger ist, da es zur verbindlichen Natur eines Dirigenten gehört, maximal zehn Prozent Hörfähigkeit zu besitzen. Aber der wahre Künstler hat es halt im Blut und wird blitzschnell reagieren, den Atem anhalten und erstarren, sich kurz darauf mit einem Nicken umdrehen und erleichtert sein, wenn tatsächlich geklatscht wird und er nicht doch einfach bei der Generalpause aufgehört hat. Aber da stehen die Chancen fity-fifty, da kennt die wahre Spielernatur gar nichts.
Ansonsten muss der Dirigent noch ein Autogramm geben können und einen Plattenvertrag unterschreiben, den Rest macht sein Assistent.
Derzeit wird die Dirigententätigkeit für sehr viele arbeitslose Fleischer und Polizisten interessant, doch nur wenige wagen einen solchen beruflichen Abstieg tatsächlich, viele werden wegen Überqualifikation auch gar nicht von den Orchestern angenommen. – Meine Damen und Herren, ich hoffe, Ihnen einen Einblick in die so faszinierende Welt des auf allen Kontinenten heimischen, aber immer noch rätselhaften gemeinen Orchesterdirigenten gegeben zu haben. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit! ■

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nils-guenther Nils Günther

Geb. 1973 in Scherzingen/CH, Klavier- und Kompositions-Studium in Berlin und Winterthur, zahlreiche kompositorische Veröffentlichungen und Radio-Aufnahmen, lebt seit 1999 als Komponist in Berlin

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Das Zitat der Woche

Veröffentlicht in Essays & Aufsätze, Philosophie, Kunst&Kultur, Zitat der Woche, Hans-Georg Gadamer von Walter Eigenmann am 23. Februar 2009

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Über das Spiel in der Kunst

Hans-Georg Gadamer

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Was ist die anthropologische Basis unserer Erfahrung von Kunst? [...] Insbesondere geht es um den Begriff Spiel. Die erste Evidenz, die wir uns da verschaffen müssen, ist, daß Spiel eine elementare Funktion des menschlichen Lebens ist, so daß menschliche Kultur ohne ein Spielelement überhaupt nicht denkbar ist. Daß menschliche Religionsübung im Kult ein Spielelement einschließt, ist seit langem von Denkern wie Huizinga, Guardini und anderen betont worden. Es ist lohnend, sich die elementare Gegebenheit des menschlichen Spielens in ihren Strukturen zu vergegenwärtigen, damit das Spielelement der Kunst nicht nur negativ, als Freiheit von Zweckbindungen, sondern als freier Impuls sichtbar wird. Wann reden wir von Spiel, und was ist darin impliziert? Sicherlich als erstes das Hin und Her einer Bewegung, die sich ständig wiederholt – man denke einfach an gewisse Redeweisen, wie etwa «das Spiel der Lichter» oder «das Spiel der Wellen», wo ein solches ständiges Kommen und Gehen, ein Hin und Her vorliegt, d. h. eine Bewegung, die nicht an ein Bewegungsziel gebunden ist. Das ist es offenbar, was das Hin und Her so auszeichnet, daß weder das eine noch das andere Ende das Ziel der Bewegung ist, in der sie zur Ruhe kommt. Es ist ferner klar, daß zu einer solchen Bewegung Spielraum gehört. Das wird uns für die Frage der Kunst besonders zu denken geben. Die Freiheit der Bewegung, die hier gemeint ist, schließt ferner ein, daß diese Bewegung die Form der Selbstbewegung haben muß. Selbstbewegung ist der Grundcharakter des Lebendigen überhaupt. Das hat schon Aristoteles, das Denken aller Griechen formulierend, beschrieben. Was lebendig ist, hat den Antrieb der Bewegung in sich selber, ist Selbstbewegung. Das Spiel erscheint nun als eine Selbstbewegung, die durch ihre Bewegung nicht Zwecke und Ziele anstrebt, sondern die Bewegung als Bewegung, die sozusagen ein Phänomen des Überschusses, der Selbstdarstellung des Lebendigseins, meint. Das ist es in der Tat, was wir in der Natur sehen – das Spiel der Mücken etwa oder all die bewegenden Schauspiele des Spiels, die wir in der Tierwelt, insbesondere bei Jungtieren, beobachten können. All das entstammt offenkundig dem elementaren Überschußcharakter, der in der Lebendigkeit als solcher nach Darstellung drängt. Nun ist es das Besondere des menschlichen Spieles, daß das Spiel auch die Vernunft, diese eigenste Auszeichnung des Menschen, sich Zwecke setzen und sie bewußt anstreben zu können, in sich einzubeziehen und die Auszeichnung der zwecksetzenden Vernunft zu überspielen vermag. Das nämlich ist die Menschlichkeit des menschlichen Spiels, daß es in dem Bewegungsspiel sich seine Spielbewegungen sozusagen selbst diszipliniert und ordert, als ob da Zwecke wären, z.B. wenn ein Kind zählt, wie oft der Ball auf den Boden schlagen kann, bevor er ihm entgleitet.

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Hans-Georg Gadamer (1900-2002)

Was sich hier in Form des zweckfreien Tuns selber Regeln setzt, das ist Vernunft. Das Kind ist unglücklich, wenn der Ball schon beim zehnten Male wegrutscht, und stolz wie ein König, wenn es dreißigmal geht. Diese zweckfreie Vernünftigkeit im menschlichen Spielen bedeutet einen Zug im Phänomen, der uns weiterhelfen wird. Es zeigt sich nämlich hier, insbesondere am Phänomen der Wiederholung als solcher, daß Identität, Selbigkeit gemeint ist. Das Ziel, auf das es hier herauskommt, ist zwar ein zweckloses Verhalten, aber dieses Verhalten ist als solches selber gemeint. Es ist das, was das Spiel meint. Mit Anstrengung und Ehrgeiz und ernstester Hingabe wird in dieser Weise etwas gemeint. Dies ist ein erster Schritt auf dem Weg zur menschlichen Kommunikation; wenn hier etwas dargestellt wird – und sei es nur die Spielbewegung selber -, so gilt auch für den Zuschauer, daß er es «meint» – so wie ich mir selbst im Spielen wie ein Zuschauer gegenübertrete. Es ist die Funktion der Spieldarstellung, daß nicht irgend etwas Beliebiges, sondern die so und so bestimmte Spielbewegung am Ende steht. Spiel ist also letzten Endes Selbstdarstellung der Spielbewegung.
Ich darf sofort hinzufügen: Solche Bestimmung der Spielbewegung bedeutet zugleich, daß Spielen immer Mitspielen verlangt. Selbst der Zuschauer, der etwa einem Kind zuschaut, das da mit dem Ball hin und her spielt, kann gar nicht anders. Wenn er wirklich »mitgeht«, ist das nichts anderes als die participatio, die innere Teilnahme an dieser sich wiederholenden Bewegung. Bei höheren Formen des Spieles wird das oft sehr anschaulich: Man braucht sich nur einmal, im Fernsehen z.B., das Publikum bei einem Tennisturnier anzusehen! Es ist eine reine Halsverrenkung. Keiner kann es unterlassen, mitzuspielen. – Es scheint mir also ein weiteres wichtiges Moment, daß Spiel auch in dem Sinne ein kommunikatives Tun ist, daß es nicht eigentlich den Abstand kennt zwischen dem, der da spielt, und dem, der sich dem Spiel gegenübersieht. Der Zuschauer ist offenkundig mehr als nur ein bloßer Beobachter, der sieht, was vor sich geht, sondern ist als einer, der am Spiel «teilnimmt», ein Teil von ihm. Natürlich sind wir bei solchen einfachen Spielformen noch nicht bei dem Spiel der Kunst. Aber ich hoffe gezeigt zu haben, daß das kaum noch ein Schritt ist, was da vom kultischen Tanz zu der als Darstellung gemeinten Begehung des Kultes führt. Und daß es kaum ein Schritt ist, der von da zu der Freisetzung der Darstellung führt, etwa zum Theater, das aus diesem Kultzusammenhang als seine Darstellung herauswuchs. Oder zur bildenden Kunst, deren Schmuck- und Ausdrucksfunktion im Ganzen eines religiösen Lebenszusammenhanges erwächst. Das geht ineinander über. Aber daß es ineinander übergeht, bestätigt ein Gemeinsames in dem, was wir als Spiel erörterten, nämlich daß da etwas als etwas gemeint ist, auch  wenn es nichts Begriffliches, Sinnvolles, Zweckhaftes ist, sondern etwa die reine selbstgesetzte Bewegungsvorschrift. Das scheint mir für die heutige Diskussion der modernen Kunst außerordentlich bedeutsam.

Aus Hans-Georg Gadamer, Die Aktualität des Schönen, Reclam Verlag 1977

Berg-Gedichte (6)

Veröffentlicht in Indische Lyrik, Literatur, Lyrik von Walter Eigenmann am 22. Februar 2009

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Wasserfall im Vindhya-Massiv (Indien)

Die Dandaka- und Vindhya-Gegend,
voll heiliger Stege, Kloster,
Flüsse, Schluchten, Wald,
dunkel geglättet, mancherorts gefährlich
durch rauhen Absturz
und mit Gipfeln,
wo Wasserfälle dröhnen -
wie vertraut sie sind!

 

 

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Bhavabhuti (8.Jh.)
(Ü: A.Trutmann)

Der brillante Schachzug (28)

Veröffentlicht in Der brillante Schachzug, Schach von Walter Eigenmann am 21. Februar 2009

 

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Auflösung

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Aufgeschnappt

Veröffentlicht in Aufgeschnappt, Gesellschaft, Musik von Walter Eigenmann am 20. Februar 2009

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Gefährlicher Geigen-Unterricht

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Tatort Musikschule

Chioggia/Italien, 16. Februar 2009: Der Geigenlehrer Fabio Paggioro und sein 13-jähriger Schüler sind gerade dabei, ihre Unterrichtsstunde zu beenden. Paggioro erklärt dem Violin-Zögling noch, wie gut er ebenfalls mal werde, wenn er nur genug übe – da rastet sein Schüler aus. Aus heiterem Himmel sticht der Junge dem Lehrer ein Küchenmesser in den Rücken, dann haut er ab.
Gemäß der italienischen Nachrichtenagentur ANSA, die den Fall publizierte, sei glücklicherweise der zwar erheblich, aber nicht lebensgefährlich verletzte Geiger von einem Musiker-Kollegen, der in einem Nebenraum unterrichtete, entdeckt worden, so dass unverzüglich Polizei und Ambulanz alarmiert werden konnten.
Der Fall wirft insofern Fragen auf, als einerseits von einer vorsätzlich geplanten Tat ausgegangen werden muss: Die polizeilichen Recherchen ergaben, dass der Schüler das Messer extra aus der heimischen Küche in den Unterricht mitgenommen hatte. Andererseits sei der Junge, wie die Leiterin der betr. Regionalschule zu Protoll gab, vorher noch nie negativ aufgefallen, im Gegenteil als korrekt und respektvoll bekannt gewesen, er hätte gar beste Zeugnisse «wegen guter Führung»bekommen.
Möglicherweise, so die Spekulation, ist da ein schwelender Konflikt zwischen Lehrer und Schüler eskaliert. Oder es liegt ein neuerlicher Fall von Radikalisierung Jugendlicher durch Game-Software oder TV-Medien vor. Drittens ist natürlich auch eine schwere Persönlichkeitsstörung beim attackierenden Schüler in Betracht zu ziehen.
Die tieferen Gründe dieses Messer-Angriffs mögen (vorläufig) im Dunkeln bleiben, fest steht nur: Musikunterrichten scheint gefährlicher zu sein, als man bis jetzt annahm…

Das neue Glarean-Sudoku

Veröffentlicht in Rätsel, Spielwiese, Sudoku von Walter Eigenmann am 19. Februar 2009

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Sudoku im Februar

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Copyright by Glarean Magazin 2009

Auflösung hier / PDF zum Ausdrucken

Der lauter-niemand-preis 2009

Veröffentlicht in Literatur, Literatur-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 18. Februar 2009

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Gesucht: Politische Gedichte

lauter-niemand-politische-lyrikDer «lauter niemand preis für politische lyrik» zeichnet jährlich lyrische Werke in deutscher Sprache aus, die sich mit Politik oder gesellschaftspolitischen Themen im weiteren Sinne befassen. Diese Themen «sollen mit den literarischen Mitteln, welche Gedichte, Lieder, Versdramen oder ähnliches bieten, unter originellen Gesichtspunkten betrachtet oder auf wesentliche Aussagen zugespitzt in die öffentliche Diskussion gebracht werden. Gleichzeitig soll die Lyrik im Prozess politischer Willensbildung wieder die Bedeutung erlangen, die ihr eigentlich traditionell dafür zukommt.»
Einsende-Schluss ist am 15. April 2009, die weiteren Details finden sich hier.

Wintergedicht aus Japan

Veröffentlicht in Haiku, Japanische Lyrik, Literatur, Lyrik, Shiki von Walter Eigenmann am 17. Februar 2009

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Von dem Kloster steht
nichts mehr als das alte Tor.
Winterheide rings -

 

Shiki (1866–1902)
(Ü: G.Goudenhove)

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Das Zitat der Woche

Veröffentlicht in Essays & Aufsätze, Philosophie, Zitat der Woche, Alfred Whitehead von Walter Eigenmann am 16. Februar 2009

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Über die Disziplinierung der Vernunft

Alfred N. Whitehead

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In der menschlichen Geschichte verkörpern sich die Techniken der Praxis in etablierten Institutionen – Berufsverbänden, wissenschaftlichen Vereinigungen, Wirtschaftsunternehmen, Universitäten, Kirchen und Regierungen. Infolgedessen bildet die Untersuchung der Ideen, die der Gesellschaftsstruktur zugrunde liegen, einen Appell an die oberste Autorität – den Appell des Stoikers an die <Stimme der Natur>. Aber selbst diese oberste Autorität kann nicht endgültig sein, und zwar aus zwei Gründen. Erstens ist das, was sie uns zu erkennen gibt, verwirrt, mehrdeutig und in sich widersprüchlich. Und zweitens wäre, wenn sie in irgendeiner Epoche der menschlichen Geschichte als endgültig akzeptiert worden wäre, jeder Fortschritt zum Stillstand gekommen. Die abstoßenden Praktiken der Vergangenheit – brutish and nasty, «bestialisch und widerwärtig», wie sie Hobbes genannt hat – hätten uns bis in alle Zukunft beherrscht. Aber selbst die Gegenwart können wir nicht als endgültigen Maßstab akzeptieren. Wir können heute leben, und sogar gut leben. Aber wir spüren immer noch das aufwärtsgerichtete Streben, wir suchen nach wie vor nach dem besseren Leben.

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Alfred N. Whitehead (1861-1947)

Was wir finden müssen, ist eine angemessene Disziplin der spekulativen Vernunft. Es gehört zum Wesen dieser Spekulation, daß sie über die unmittelbar gegebenen Tatsachen hinausgeht. Ihre Aufgabe ist, das Denken schöpferisch in die Zukunft wirken zu lassen; und sie erfüllt diese Aufgabe durch das Erschauen von Ideensystemen, die das Beobachtete umfassen, aber über seine Grenzen hinaus verallgemeinert sind. Und sie braucht Disziplin, weil die Geschichte der Spekulation nicht viel anders verlaufen ist als die Geschichte der Praxis. Wenn wir die vergangenen Spekulationen der Menschheit überblicken, erscheinen auch sie töricht, bestialisch und widerwärtig. Der richtige Gebrauch der Geschichte besteht darin, allgemeine Prinzipien zur Disziplinierung der Praxis und der Spekulation aus ihr zu extrahieren. Das Ziel dieser Disziplin ist nicht Stabilität, sondern Fortschritt.

Aus Alfred N. Whitehead, Die Funktion der Vernunft, Reclam Verlag 1974

Der brillante Schachzug (27)

Veröffentlicht in Der brillante Schachzug, Schach, Schach-Rätsel, Schach-Studien von Walter Eigenmann am 14. Februar 2009

 

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Auflösung

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Die Schach-Serie «Der brillante Schachzug» im Glarean Magazin publiziert in regelmässigen Abständen schwierige Chess Puzzles, deren Lösung sogar modernste Schachprogramme bzw. -Engines vor Probleme stellen können. Eine aussergewöhnliche Sammlung – und in der Tat «ein Probierstein des Gehirns»… (Goethe)

 

Das Kagel-Schubert-Projekt von «Sax Allemande»

Veröffentlicht in CD-Rezension, Franz Schubert, Maurizio Kagel, Musik, Musik-Rezensionen, Rezensionen, Sax Allemande, Walter Eigenmann von Walter Eigenmann am 14. Februar 2009

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Symbiose zweier Musik-Sphären

Walter Eigenmann

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kagel-schubert-projektWen originelle (und «klassische») Saxophon-Musik (auf höchstem technischem Niveau) interessiert, der dürfte längst auf «Sax Allemande» gestoßen sein, ein vor rund 10 Jahren gegründetes Trio, das sich aus den Solo-Saxophonisten Frank Schüssler, Arend Hastedt und Markus Maier zusammensetzt, und das neben seinen Live-Konzerten bis jetzt mit zwei exquisiten, ja exotischen Einspielungen aufmerksam (oder betroffen?) machte: Bachs «Goldberg-Variationen» und Opern-Nummern… Stilistische bzw. ästhetische Berührungsängste haben die drei Blasvirtuosen also keine, dafür offensichtlich eine unverhohlene Lust an solchen Experimenten, die sie weitaus höher musikalisch denn monetär befriedigen dürften  – was sie nun auch mit ihrer jüngsten und sicher ambitioniertesten CD-Aufnahme unter Beweis stellen: einem «Kagel-Schubert-Projekt».

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Maurizio Kagel (1931-2008)

Denn im Frühling 2003 trat man, wie das CD-Booklet über die Entstehung dieser Disc zu berichten weiß, an einen der renommiertesten Komponisten neuer Musik heran, an Mauricio Kagel, der bitte prüfen möge, ob er ein Stück für Saxophontrio komponieren könne… Nach anfänglichem Zögern hätte dann Kagel reagiert und eines seiner früheren, nur im Klavierauszug bestehenden szenischen Werke («La Tradition orale» / später: «Der mündliche Verrat») zur Grundlage einer Suite mit verschiedenen kurzen «Charakterstücken» gemacht. Diese seine je abgeschlossenen kleinen «Musiknummern» – «literarisch» liegen der Sammlung Legenden und Fabeln über Gott und den Teufel zugrunde, und sie wurden ursprünglich für drei Schauspieler und sieben Musiker geschrieben – nun von drei Saxophonen gespielt zu sehen hatte Kagel dabei keinerlei Bedenken, wie er schreibt: «Eine der wesentlichsten Lehren, die wir aus der Romantik ziehen können, ist das Primat der musikalischen Substanz über eine spezifische Klangfarbe: Wenn die Vorstellungskraft einprägsam genug ist, dann kann sie mit austauschbaren Klangmitteln einen ihr gerechten Ausdruck finden.»

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Franz Schubert (1797-1828)

Soweit die eine Seite dieser Disc; die andere liegt um stilistische Welten zurück und heißt Franz Schubert. Wie bitte? Doch eher Kagel gegen denn Kagel mit Schubert, oder? Mitnichten. Meister Kagel selbst schlug den genialen Romantiker vor als «Gegenüber» für diese Produktion, denn von «Sax Allemande» gefragt, mit welcher Musik sein Werk im Konzert kombiniert werden könnte, habe Kagel geantwortet: «… Gesualdo wäre möglich oder auch etwa Schumanns ‘Gesänge der Frühe’… oder Schubert. Vielleicht eine Abfolge von Kagel-Schubert-Kagel-Schubert…» Wonach Schüssler, Hastedt und Maier die beiden Schubertschen Streichtrios D471 und D581 integrierten.
«Sax Allemande» selber über ihre Erfahrungen beim Erarbeiten dieser beiden Komponisten: «Im Zuge unserer Annäherung an das ‘Kagel-Schubert-Projekt’ war es beinahe unheimlich zu erleben, wie sich die beiden musikalischen Sphären aufeinander zu bewegten. Übergänge und Schnittstellen erzeugten eine gegenseitige Durchdringung des Materials, ließen Schubert in Kagel, Kagel durch Schubert hörbar werden.»

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Sax Allemande

Inwieweit dies doch eher Konzeption als Hörrealität, eher Idee als Resultat blieb, muss jeder Hörer subjektiv entscheiden. Objektiv hingegen ist, dass «Sax Allemande» diese insgesamt 21 Titel mit technischer Perfektion, mit eindrücklicher Spannweite in Dynamik und Emotionalität, immer doch gekoppelt mit sensibler kammermusikalischer Intimität musizieren. Hier eine in Duktus und Struktur ganz und gar «unaufgeregte», auch unerwartet problemlos nachvollziehbare Modernität, und da Schuberts empfindsames, zuweilen klassizistisches Romantik-Melos – daraus resultiert teils der abrupte Kontrast, teils tatsächlich ein fließendes Verschmelzen – als diesbezüglich nur ein besonders frappantes Bespiel sei der Übergang von Stück 14 zu 15 erwähnt – zweier eigentlich inkompatibler Stilwelten.
Kurzum: Für Saxophon-Gourmets ist dies «Kagel-Schubert-Projekt» von «Sax Allemande» ein Muss im CD-Regal, für jeden Musikfreund aber eine herausfordernde – im besten Sinne provokante – Bereicherung seines «Stil-Horizontes». Und die Schubert-Liebhaber? Sie werden erfahren, in welch aufregendem musikalischem Spektrum sich das «klassische» Saxophon bewegen kann – und darob den Streicherklang nicht mehr ganz so sehr vermissen…
Allerdings ist jenseits dieser spezifischen CD-Produktion (aber an eine ihrer Voraussetzungen anknüpfend) eine kritische Befragung an Maurizio Kagels Diktum selber zu richten, dass nämlich ausgerechnet in der Romantik «das Primat der musikalischen Substanz über eine spezifische Klangfarbe» herrsche. In Renaissance und Barock, meinetwegen auch noch in der (Spät-)Klassik: ja, mit Vorbehalten – aber ausgerechnet im Musik-Zeitalter der filigransten Orchestrierungen bzw. des klanglich differenziertesten Ausdrucks? Hier hätte ein neuer Diskurs anzuheben – und eigentlich auch diese spannende Denkanimierung ein willkommenes Verdienst des Projekts der drei «Sax-Allemande»-Bläser. ■

Sax Allemande: Ein Kagel-Schubert-Projekt, Werke für Saxophontrio, Farao Classics, ASIN B001MWWSB4

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Hörproben

Literatur-Wettbewerb: «Wege der Liebe»

Veröffentlicht in Literatur, Literatur-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 13. Februar 2009

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Gesucht: Texte mit «Qualität und Eigenständigkeit»

literaturpodiumDas deutsche Literaturpodium schreibt auch für 2009 verschiedene Wettbewerbe aus, darunter einen Lyrik- und Prosa-Wettbewerb zum Thema «Wege der Liebe»: Gesucht werden Gedichte und Erzählungen, «die sich mit der Liebe auseinandersetzen. Es können die aufgewühlten, leidenschaftlichen aber auch die traurigen Momente sein, die ihren Ausdruck finden. Erotische Momente dürfen anklingen. Wert gelegt wird auf literarische Qualität und Eigenständigkeit. Form und Inhalt sind frei variabel.» Einsende-Schluss ist am 27. Mai 2009, die Details finden sich hier.

Schach in der Foto-Kunst (9)

Veröffentlicht in Christian Beyer, Foto, Schach von Walter Eigenmann am 12. Februar 2009

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Christian Beyer

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christian-beyer1 Christian Beyer
Geb.1981; lebt als Mitarbeiter einer Werbe-Agentur und als Hobby-Fotograf in Bonn

Violinduo schreibt Kompositions-Wettbewerb aus

Veröffentlicht in Musik, Musik-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 11. Februar 2009

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Gesucht: Reißer, Knaller, Superhit

marie-luise-dingler-christoph-friedemannDas deutsche Violinduo, zusammengesetzt aus den Geschwistern Christoph-Friedemann und Marie-Luise Dingler – 6-fache Bundessieger bei «Jugend musiziert» sowie Preisträger des «Europäischen Musikwettbewerbs» 2005 – schreibt für 2009 einen internationalen Kompositionspreis aus: Gesucht wird «ein Reißer, ein Knaller, ein Superhit, ein Stück, bei dem die Leute staunen, schluchzen, lachen und jubeln. Keine ‘schwere’ Kunst, aber auch kein Billigheimer. Holt euch das Beste aus Pop, Jazz, Tango, Oper, Operette, Klezmer, Soul, Blues, Minimalmusic, virtuoser Violinmusik (Paganini, Wienawsky, Sarasate), etc. oder schreibt euren eigenen Stil, Hauptsache, es haut die Zuhörer vom Hocker!»
Die eingesandten Kompositionen dürfen weder im Druck erschienen noch einem Verlag zur Drucklegung angeboten oder öffentlich aufgeführt worden sein. Das Preisgeld beträgt insgesamt 6’400 Euro, Einsende-Schluss ist am 1. Juli 2009; die weiteren Bestimmungen sind hier zu finden.

Das Zitat der Woche

Veröffentlicht in Essays & Aufsätze, Philosophie, Zitat der Woche, Theologie, Ludwig Feuerbach von Walter Eigenmann am 9. Februar 2009

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Vom Wesen des Menschen im Wesen Gottes

Ludwig Feuerbach

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Der Theist stellt sich Gott als ein außer der Vernunft, außer dem Menschen überhaupt existierendes, persönliches Wesen vor – er denkt als Subjekt über Gott als Objekt. Er denkt Gott als ein dem Wesen, d.h. seiner Vorstellung nach geistiges, unsinnliches, aber der Existenz, d.h. der Wahrheit nach sinnliches Wesen; denn das wesentliche Merkmal einer objektiven Existenz, einer Existenz außer dem Gedanken oder der Vorstellung ist die Sinnlichkeit. Er unterscheidet Gott von sich in demselben Sinne, in welchem er die sinnlichen Dinge und Wesen als außer ihm existierende von sich unterscheidet; kurz, er denkt Gott vom Standpunkt der Sinnlichkeit aus. Der spekulative Theologe oder Philosoph dagegen denkt Gott vom Standpunkt des Denkens aus; er hat daher nicht zwischen sich und Gott in der Mitte die störende Vorstellung eines sinnlichen Wesens; er identifiziert somit ohne Hindernis das objektive, gedachte Wesen mit dem subjektiven, denkenden Wesen.

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Ludwig Feuerbach (1804-1872)

Die innere Notwendigkeit, daß Gott aus einem Objekt des Menschen zum Subjekt, zum denkenden Ich des Menschen wird, ergibt sich aus dem bereits Entwickelten näher so: Gott ist Gegenstand des Menschen, und nur des Menschen, nicht des Tieres. Was aber ein Wesen ist, das wird nur aus seinem Gegenstand erkannt; der Gegenstand, auf den sich ein Wesen notwendig bezieht, ist nichts anderes als sein offenbares Wesen. So ist der Gegenstand der pflanzenfressenden Tiere die Pflanze; aber durch diesen Gegenstand unterscheiden sich wesentlich dieselben von den anderen, den fleischfressenden Tieren. So ist der Gegenstand des Auges das Licht, nicht der Ton, nicht der Geruch. Im Gegenstand des Auges ist uns aber sein Wesen offenbar. Ob einer nicht sieht oder kein Auge hat, ist darum einerlei. Wir benennen daher auch im Leben die Dinge und Wesen nur nach ihren Gegenständen. Das Auge ist das »Lichtorgan«. Wer den Boden bebaut, ist ein Bauer; wer die Jagd zum Objekt seiner Tätigkeit hat, ist ein Jäger; wer Fische fängt, ein Fis her usw. Wenn also Gott – und zwar, wie er es ja ist, notwendig und wesentlich – ein Gegenstand des Menschen ist, so ist in dem Wesen dieses Gegenstandes nur das eigene Wesen des Menschen ausgesprochen. Stelle Dir vor, ein denkendes Wesen auf einem Planeten oder gar Kometen bekäme zu Gesicht die paar Paragraphen einer christlichen Dogmatik, welche von dem Wesen Gottes handeln. Was würde dieses Wesen aus diesen Paragraphen folgern? Etwa die Existenz eines Gottes im Sinne einer christlichen Dogmatik? Nein! Es würde nur daraus folgern, daß auch auf der Erde denkende Wesen sind; es würde in den Definitionen der Erdbewohner von ihrem Gott nur Definitionen von ihrem eigenen Wesen, z.B. in der Definition: Gott ist ein Geist, nur den Beweis und Ausdruck ihres eigenen Geistes finden; kurz, es würde aus dem Wesen und den Eigenschaften des Objektes auf das Wesen und die Eigenschaften des Subjektes schließen. Und mit vollem Recht; denn die Unterscheidung zwischen dem, was der Gegenstand an sich selbst, und dem, was er für den Menschen ist, fällt bei diesem Objekt weg. Diese Unterscheidung ist nur an ihrem Platz bei einem unmittelbar sinnlich, und eben deswegen auch noch anderen Wesen außer dem Menschen gegebenen Gegenstand. Das Licht ist nicht nur für den Menschen da, es affiziert auch die Tiere, auch die Pflanzen, auch die unorganischen Stoffe: es ist ein allgemeines Wesen. Um zu erfahren, was das Licht ist, betrachten wir darum nicht nur die Eindrücke und Wirkungen desselben auf uns, sondern auch auf andere, von uns unterschiedene Wesen. Notwendig, objektiv begründet ist daher hier die Unterscheidung zwischen dem Gegenstand an sich selbst und dem Gegenstand für uns, namentlich zwischen dem Gegenstand in der Wirklichkeit und dem Gegenstand in unserem Denken und Vorstellen. Gott aber ist nur ein Gegenstand des Menschen. Die Tiere und Sterne preisen Gott nur im Sinne des Menschen. Es gehört also zum Wesen Gottes selbst, daß er keinem anderen Wesen außer dem Menschen Gegenstand, daß er ein spezifisch menschlicher Gegenstand, ein Geheimnis des Menschen ist. Wenn aber Gott nur ein Gegenstand des Menschen ist, was offenbart sich uns im Wesen Gottes?

Aus Ludwig Feuerbach, Grundsätze der Philosophie der Zukunft, Zürich 1843

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