Grimme Online Award 2009
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Wettbewerb für hochwertige Websites
Mit dem «Grimme Online Award» des deutschen Adolf-Grimme-Institutes werden qualitativ hochwertige Websites ausgezeichnet. In vier Kategorien werden insgesamt maximal acht Preise vergeben. Eine unabhängige Nominierungskommission und Jury – Journalisten, Medienwissenschaftler, Internet-Experten und Fachleute aus Kultur und Bildung – bewerten sowohl inhaltliche, funktionale als auch gestalterische Aspekte. Sie orientieren sich bei der Beurteilung an internetspezifischen Bewertungsmaßstäben. Zudem spielen auch journalistische Qualität, soziale Verantwortung und gesellschaftliche Relevanz eine Rolle. Vorschläge einreichen können Sender, Agenturen, Produktionsfirmen oder andere Medien- bzw. Online-Anbieter, aber ebenso alle Internet-Nutzer/innen.
Der Award läuft vom vom 1. Februar bis zum 31. März 2009, die Einzelheiten finden sich hier.
Schach-Satire von Lars Bremer
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Die 32-Steiner
Lars Bremer
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Sämtliche Schachstellungen in einer 32-Steiner-Tablebase-Datenbank zu erfassen gilt als unmöglich. Aber warum eigentlich? Geht es vielleicht doch? Und wenn ja, wie geht es – und vor allem: wann? -
Im Schachklub trifft man die seltsamsten Leute. Komischerweise trinken alle gern Bier, und so saßen neulich ein paar Schachfreunde mit mir um einen Kneipentisch herum. Einer, von Beruf Philosoph an der Uni, dozierte: «Na gut, der Kramnik mag verloren haben, aber die Rechner werden niemals perfekt spielen, wir werden immer die Möglichkeit haben, sie zu besiegen, denn das Schachspiel ist unerschöpflich und nur ein kreativer Geist kann versuchen, es zu ergründen. Er wird keinen Erfolg haben, aber der Weg ist das Ziel! Die Computer jedoch werden auf ewig daran scheitern und sich in den endlosen Varianten verlaufen!»
Zufrieden griff er zu seinem Bierglas, da meldete sich ein Mathematiker: «Unerschöpflich würde ich eigentlich nicht sagen. Die längste mögliche Schachpartie dauert schließlich 5899 Züge, und dabei schon müssen beide Seiten sorgfältig kooperieren. Normale Partien, in denen jeder den besten Zug macht, dauern bei weitem nicht so lange.»
Der Philosoph konterte: «Das ist egal, es gibt mehr Schachpartien als Atome im Universum. Niemals wird man die berechnen können!»
«Das stimmt schon», sagte der Mathematiker. «Aber Stellungen gibt es viel weniger, nämlich nur etwa 2,28*10ˆ46. Die Sechssteiner gibt es schon, warum sollte es nicht irgendwann die 32-Steiner geben?»
Ich mischte mich ins Gespräch: «Das ist ganz einfach. Die Endspiel-Datenbanken berechnen aus der Stellung die Speicher-Adresse. An der steht dann, wie viele Züge zum Gewinn nötig sind. Bei 5899 Zügen braucht man pro Stellung also zwei Byte. Macht für alle Stellungen 4,56*10ˆ46 Byte. Nächstes Jahr wird es eine Festplatte geben, die ein Terabyte speichert, also 1024 GByte oder 1.048.576 MByte und so weiter. Die einfache Rechnung ist: Du wirst ewa 4,15*10ˆ34 von diesen Terabyte-Festplatten brauchen.»
«Klingt doch beherrschbar», sagte der Mathematiker und grinste.
«Beherrschbar?», fragte ich. «Wir können ja mal weiterrechnen. Eine Festplatte hat die Maße 14,5x10x2,5 Zentimeter, also ein Volumen von 0,0003625 Kubikmetern. Zusammen ergäbe das ein Volumen von 15 Trilliarden Kubikkilometern, das entspricht einem Würfel von fast 25 Millionen Kilometern Kantenlänge. Nur aus Festplatten! Die Erde hat dagegen nur einen mageren Rauminhalt von etwas mehr als einer Billion Kubikkilometern, sie würde fast 14 Milliarden Mal da reinpassen. Auch mit der Sonne sieht es nicht besser aus, der Festplattenwürfel würde so groß sein wie zehntausend Sonnen! Du müsstest alle Sterne in 30 Lichtjahren Umkreis abreißen und zu Festplatten verarbeiten!»
Ein Elektro-Techniker hatte auch zugehört und warf ein: «Wenn der Zentralrechner in der Mitte des Würfels säße, würde jede Anfrage zu den in den Ecken befindlichen Festplatten trotz Lichtgeschwindigkeit 71 Sekunden unterwegs sein! Und zurück natürlich dieselbe Zeit brauchen.»
«Was nicht wichtig wäre, weil euer Würfel ohnehin unter seiner eigenen Gravitation kollabieren und zu einem schwarzen Loch zusammenstürzen würde», meinte ein Physiker.
Der Philosoph nahm zufrieden sein Bierglas zur Hand, der Mathematiker aber sagte: «Ja, das sind sehr große Zahlen. Aber warum sollen die Potenzen nur immer gegen uns arbeiten? Die Festplatten fassen doch jedes Jahr mehr! Wie lange hat es bis jetzt immer gedauert, bis die Kapazität sich verdoppelt hat?»
«Im Mittel drei Jahre, eher weniger», schätzte ich.
«Aha, drei Jahre.» Der Mathematiker rieb sich die Hände. «Mal angenommen, das geht so weiter. Dann haben wir 2010 eine Platte mit zwei Terabyte …», er wurde still und bewegte die Lippen. «… und im Jahre 2352 eine Festplatte mit der nötigen Speicherkapazität für den 32-Steiner.»
Er kicherte, und am Tisch wurde es still. Nach einer Weile meldete sich der Philosoph: «Na gut, vielleicht kann man die Daten speichern, aber ausrechnen kann man sie nicht!»
Ich mischte mich auch wieder ein: «Genau! Mal angenommen, ein Tablebase-Generator könnte eine Miliarde Stellungen pro Sekunde erzeugen und bewerten. Das ist extrem optimistisch, aber mit großem Aufwand könnte man so eine Maschine vielleicht bauen heutzutage. Dann bräuchte der für 2,28*10ˆ46 Stellungen 2,28*10ˆ37 Sekunden. Das wären 7,2*10ˆ29 Jahre. Das Universum ist 13,77 Milliarden Jahre alt, und du willst sieben Quadrilliarden Jahre an den 32-Steinern rechnen? Das wäre 52 Trillionen mal so lange, wie das Universum existiert. Da windest du dich nicht raus!»
Der Mathematiker lachte. «Wenn es um große Zahlen geht, seid ihr alle Anfänger. Ihr lasst sie ja gegen euch arbeiten, dabei geht es auch umgekehrt! Moores Gesetz kenne sogar ich, alle 18 Monate verdoppelt sich die Rechnergeschwindigkeit. Wollen mal sehen, was von euren Quadrilliarden noch bleibt. Wir bauen jetzt einen Computer, der eine Milliarde Stellungen pro Sekunde erzeugt. Hm, dann sind das, dumdidum, hm, zack, hey, das geht ja noch schneller als mit dem Festplatten! Also, wir werden im Jahre 2195 einen Computer haben, der die 32-Steiner ratzfatz hastdunichtgesehen ausrechnen kann. Ich fasse zusammen, meine Herren: wenn der Fortschritt fortschreitet wie bisher, dann werden wir im Jahr 2195 die Rechenleistung haben, um die 32-Steiner theoretisch zu erzeugen, und im Jahre 2352 geht es dann auch praktisch, weil wir dann Datenträger haben werden, die groß genug sind. Noch Fragen?»
«Ja!», rief der Philosoph empört. «Die Steigerung der Rechenleistung und der Speicherkapazität wird sich doch sicher verlangsamen!»
«Vielleicht», antwortete der Mathematiker, «aber selbst wenn, was ändert das? Wenn sich die Kapazität der Platten nicht alle drei Jahre verdoppelt, sondern bloß alle 30, was soll‘s? Dann hätten wir trotzdem in dreieinhalbtausend Jahren so eine Platte. Das gilt auch für die Rechenleistung. Wenn wir die nicht in 200 Jahren haben, dann eben in 2000 Jahren. Ich gebe zu, dass das eine lange Zeit ist, viel zu lang für uns, aber historisch vollkommen unbedeutend, und jedenfalls viel zu kurz, um von ‚unmöglich‘ oder ‚niemals‘ zu sprechen, wie du es getan hast. Die Pyramiden von Gizeh wurden vor 5000 Jahren erbaut. Kannst du dir vorstellen, was in 5000 Jahren sein wird? Oder in 50.000 Jahren? Abgesehen mal davon, dass es eine Datenbank geben wird, die sämtliche Schachstellungen enthält, denn das müssen wir uns nicht vorstellen – ich habe es ja gerade bewiesen!»
Der Mathematiker grinste sardonisch und bestellte noch ein Bier. Die Tischgesellschaft beschloß, lieber über Schnittblumen zu reden. Dennoch treibt mich seitdem die Frage, ob der Mathematiker recht hatte oder ob er sich geirrt hat. Und wenn ja, wo er sich geirrt hat? ■
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Geb. 1968, Software-Entwickler und Journalist, Ex-Chefredakteur der Computerschach-Zeitschrift CSS-Online, lebt in Langenhagen/BRD
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Rabindranath-Tagore-Kulturpreis 2009
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«Dem deutschsprachigen Publikum den Geist
und das Leben Indiens näherbringen»
Der Rabindranath-Tagore-Kulturpreis der Deutsch-Indischen Gesellschaft wird dreijährlich ausgeschrieben und will deutschsprachige Autor/inn/en und Kulturschaffende auszeichnen, welche «auf besondere Weise dazu beigetragen haben, einem deutschsprachigen Publikum den Geist und das Leben Indiens näherzubringen.» Dabei gelten weder die Herkunft der Schreibenden bzw. Künstler noch die Literaturgattung bzw. die Form des künstlerischen Werkes als einschränkende Merkmale: «Die Thematik der eingereichten Werke kann sich auf allgemeine historische und geistesgeschichtliche gleichermaßen wie auf gesellschaftliche, künstlerische, politische und wirtschaftliche Aspekte erstrecken. Auch hervorragende Übersetzungen indischer Literatur können mit dem Preis ausgezeichnet werden.»
Einsende-Schluss ist am 15. März 2009, die weiteren Details finden sich hier.
Schach in der Foto-Kunst (7)
Wintergedicht aus China
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Einsamer Trunk
Am Fenster draußen
ein rechter Sturm mit Schnee
Ich sitz und öffne am Herd
den Krug mit Wein
Was will im Schneefall dort nur
das Fischerboot?
Noch schläft der Lotus vom Herbst
im Fluss am Grund
Du Fu (712-770)
Aufgeschnappt
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Quartett spielte bei Obama-Inauguration nicht live
Beim Auftritt des neuen amerikanischen Präsidenten Barak Obama anlässlich dessen Amtseinführung – sie wurde weltweit hundert-millionenfach übertragen – kam auch ein prominentes Klassik-Quartett zum Einsatz, welches sich aus dem Geiger Itzhak Perlman, der Pianistin Gabriela Montero, dem Klarinettisten Anthony McGill sowie dem Cellisten Yo-Yo Ma zusammensetzte.
Doch wie nun die New York Times meldet, spielten die vier gar nicht live. Denn wegen der extremen Kälte, die zur Zeit der Feier herrschte, hätten die Musiker nicht wirklich spielen können. Wie eine Sprecherin des «Joint Congressional Committee on Inaugural Ceremonies» weiter mitteilte, hätte man außerdem mit reissenden Klaviersaiten und verstimmten Instrumenten rechnen müssen. Live gespielt hätten hingegen die Marine Band und der Chor, die ebenfalls bei dieser Inaugurations-Feier des populären US-Präsidenten zu hören waren.
Computer-Forscher wollen das Königliche Spiel lösen
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Ist im Jahr 2035 Schluss mit Schach?
Eric van Reem
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Kanadische Forscher haben ein unbesiegbares Computerprogramm für das Brettspiel Dame geschaffen. Kein Gegner könne mehr als ein Unentschieden gegen das Programm namens Chinook erreichen, berichteten Jonathan Schaeffer und Kollegen von der Universität von Alberta in Edmonton im April 2007. In mehr als 18 Jahren haben die Informatiker über 39 Billionen Spielstellungen durchgerechnet und bewiesen, dass Dame immer auf ein Remis hinausläuft, wenn beide Seiten fehlerfrei spielen. Tag und Nacht waren dafür im Schnitt rund 50 Computer im Einsatz. Mit diesem Ergebnis sei das Brettspiel gelöst, erläuterten Schaeffer und Kollegen im US-Fachjournal «Science».
Während der Schach-Olympiade 2008 in Dresden organisierte die Technische Universität Dresden am 21. und 22. 11. 2008 einen Schach- und Mathematik-Workshop. In einem visionären Vortrag behauptete der niederländische Informatiker und Professor für Computerwissenschaften Jaap van den Herik (61) von der Universität Tilburg, dass das Schachspiel im Jahr 2035 komplett ausgerechnet und gelöst sein wird.
Es ist im Moment noch unvorstellbar, dass man jede Stellung komplett lösen kann. Schach ist ja bekanntlich eines der komplexesten Brettspiele der Welt. Die Zahl der möglichen Schachstellungen übersteigt die Zahl der Atome im Universum um ein Vielfaches. Bereits nach zwei Zügen können 72’084 verschiedene Stellungen entstehen. Die Zahl der möglichen Spielverläufe ist noch einmal um ein Vielfaches größer. Schon für die ersten 40 Züge belaufen sich die Schätzungen auf etwa 10’115 bis 10’120 verschiedene Spielverläufe. Es scheint also unmöglich zu sein das Spiel zu lösen.
Anhand der sich immer noch rasant entwickelnden Computer-Hardware und den Forschungsergebnissen aus Checkers, Go und Schach prognostizierte Van den Herik allerdings, dass es nur noch ein Frage der Zeit ist, bis auch Schach gelöst sein wird. Der niederländische Professor, der sich bereits seit Jahrzehnten mit intelligenten Brettspielen und künstlicher Intelligenz (KI) beschäftigt, zeigte in Dresden, dass der Termin für die fehlerfreie Schachpartie näher ist, als wir alle vermuten.
Und wie geht das perfekte Spiel dann aus, wollen Sie noch gerne wissen, gewinnt Weiß oder Schwarz? «Ich vermute, dass das Spiel, genauso wie bei Dame, dann Unentschieden ausgehen wird», beendete Van den Herik sein Referat. ■
Link-Sammlung zum Thema Geschichte des Computerschachs und KI-Forschung
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Eric van Reem
Geb. 1967 in Deventer/NL; Englisch-, Philosophie- und Literatur-Studium an der Hogeschool Holland (Amsterdam); seit 2000 umfangreiche schachjournalistische Tätigkeit; lebt als Star Alliance Controller der Lufthansa in Dietzenbach/Frankfurt
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Berg-Gedichte (3)
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Und es geschah am dritten Tag,
als es Morgen wurde, da brachen
Donner und Blitze los, und eine schwere Wolke
lagerte auf dem Berg, und ein starker
Hörnerschall ertönte, so daß das ganze Volk,
das im Lager war, erbebte.
Mose aber führte das Volk aus dem
Lager hinaus, Gott entgegen,
und sie stellten sich
am Fuß des Berges auf.
Und der ganze Berg Sinai rauchte,
weil Jahwe im Feuer auf ihn herabkam.
Und sein Rauch stieg auf wie der Rauch
eines Schmelzofens, und der ganze Berg
bebte heftig.
Und der Hörnerschall wurde immer stärker.
Mose redete, und Gott antwortete ihm
mit lauter Stimme.
Und Jahwe stieg auf den Berg Sinai herab,
auf den Gipfel des Berges, und Jahwe rief Mose
auf den Gipfel des Berges,
und Mose stieg hinauf.
Das Zitat der Woche
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Vom Hassen und Lieben
Sigmund Freud
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Sie verwundern sich darüber, dass es so leicht ist, die Menschen für den Krieg zu begeistern, und vermuten, dass etwas in ihnen wirksam ist, ein Trieb zum Hassen und Vernichten, der solcher Verhetzung entgegenkommt. Wiederum kann ich Ihnen nur uneingeschränkt beistimmen. Wir glauben an die Existenz eines solchen Triebes und haben uns gerade in den letzten Jahren bemüht, seine Äußerungen zu studieren. Darf ich Ihnen aus diesem Anlass ein Stück der Trieblehre vortragen, zu der wir in der Psychoanalyse nach vielem Tasten und Schwanken gekommen sind?
Wir nehmen an, dass die Triebe des Menschen nur von zweierlei Art sind, entweder solche, die erhalten und vereinigen wollen – wir heißen sie erotische, ganz im Sinne des Eros im Symposion Platos, oder sexuelle mit bewusster Überdehnung des populären Begriffs von Sexualität – und andere, die zerstören und töten wollen; wir fassen diese als Aggressionstrieb oder Destruktionstrieb zusammen. Sie sehen, das ist eigentlich nur die theoretische Verklärung des weltbekannten Gegensatzes von Lieben und Hassen, der vielleicht zu der Polarität von Anziehung und Abstoßung eine Urbeziehung unterhält, die auf Ihrem Gebiet eine Rolle spielt. Nun lassen Sie uns nicht zu rasch mit den Wertungen von Gut und Böse einsetzen. Der eine dieser Triebe ist ebenso unerlässlich wie der andere, aus dem Zusammen- und Gegeneinanderwirken der Beiden gehen die Erscheinungen des Lebens hervor. Nun scheint es, dass kaum jemals ein Trieb der einen Art sich isoliert betätigen kann, er ist immer mit einem gewissen Betrag von der anderen Seite verbunden, wie wir sagen: legiert, der sein Ziel modifiziert oder ihm unter Umständen dessen Erreichung erst möglich macht. So ist z.B. der Selbsterhaltungstrieb gewiss erotischer Natur, aber grade er bedarf der Verfügung über die Aggression, wenn er seine Absicht durchsetzen soll. Ebenso benötigt der auf Objekte gerichtete Liebestrieb eines Zusatzes vom Bemächtigungstrieb, wenn er seines Objekts überhaupt habhaft werden soll. Die Schwierigkeit, die beiden Triebarten in ihren Äußerungen zu isolieren, hat uns ja so lange in ihrer Erkenntnis behindert.Wenn Sie mit mir ein Stück weitergehen wollen, so hören Sie, dass die menschlichen Handlungen noch eine Komplikation von anderer Art erkennen lassen. Ganz selten ist die Handlung das Werk einer einzigen Triebregung, die an und für sich bereits aus Eros und Destruktion zusammengesetzt sein muss. In der Regel müssen mehrere in der gleichen Weise aufgebaute Motive zusammentreffen, um die Handlung zu ermöglichen. [...] Wenn also die Menschen zum Krieg aufgefordert werden, so mögen eine ganze Anzahl von Motiven in ihnen zustimmend antworten, edle und gemeine, solche, von denen man laut spricht, und andere, die man beschweigt. Wir haben keinen Anlass, sie alle bloßzulegen. Die Lust an der Aggression und Destruktion ist gewiss darunter; ungezählte Grausamkeiten der Geschichte und des Alltags bekräftigen ihre Existenz und ihre Stärke. Die Verquickung dieser destruktiven Strebungen mit anderen erotischen und ideellen erleichtert natürlich deren Befriedigung. Manchmal haben wir, wenn wir von den Gräueltaten der Geschichte hören, den Eindruck, die ideellen Motive hätten den destruktiven Gelüsten nur als Vorwände gedient, andere Male z.B. bei den Grausamkeiten der Inquisition, meinen wir, die ideellen Motive hätten sich im Bewusstsein vorgedrängt, die destruktiven ihnen eine unbewusste Verstärkung gebracht. Beides ist möglich.
Ich habe Bedenken, Ihr Interesse zu missbrauchen, das ja der Kriegsverhütung gilt, nicht unseren Theorien. Doch möchte ich noch einen Augenblick bei unserem Destruktionstrieb verweilen, dessen Beliebtheit keineswegs Schritt hält mit seiner Bedeutung. Mit etwas Aufwand von Spekulation sind wir nämlich zu der Auffassung gelangt, dass dieser Trieb innerhalb jedes lebenden Wesens arbeitet und dann das Bestreben hat, es zum Zerfall zu bringen, das Leben zum Zustand der unbelebten Materie zurückzuführen. Er verdiente in allem Ernst den Namen eines Todestriebes, während die erotischen Triebe die Bestrebungen zum Leben repräsentieren. Der Todestrieb wird zum Destruktionstrieb, indem er mit Hilfe besonderer Organe nach außen, gegen die Objekte, gewendet wird. Das Lebewesen bewahrt sozusagen sein eigenes Leben dadurch, dass es fremdes zerstört. Ein Anteil des Todestriebes verbleibt aber im Innern des Lebewesens tätig und wir haben versucht, eine ganze Anzahl von normalen und pathologischen Phänomenen von dieser Verinnerlichung des Destruktionstriebes abzuleiten. Wir haben sogar die Ketzerei begangen, die Entstehung unseres Gewissens durch eine solche Wendung der Aggression nach innen zu erklären. Sie merken, es ist gar nicht so unbedenklich, wenn sich dieser Vorgang in allzu großem Ausmaß vollzieht, es ist direkt ungesund, während die Wendung dieser Triebkräfte zur Destruktion in der Außenwelt das Lebewesen entlastet, wohltuend wirken muss. Das diene zur biologischen Entschuldigung all der hässlichen und gefährlichen Strebungen, gegen die wir ankämpfen. Man muss zugeben, sie sind der Natur näher als unser Widerstand dagegen, für den wir auch noch eine Erklärung finden müssen. Vielleicht haben Sie den Eindruck, unsere Theorien seien eine Art von Mythologie, nicht einmal eine erfreuliche in diesem Fall. Aber läuft nicht jede Naturwissenschaft auf eine solche Art von Mythologie hinaus?Sigmund Freud an Albert Einstein, Wien 1932, in: Warum Krieg?, Briefwechsel Einstein-Freud, Diogenes Verlag 1972
Berg-Gedichte (2)
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Himalaya
Im Norden thront erhaben, groß und hehr
Der königlichen Berge hoher Kaiser,
Des ew’gen Schnees erlauchter Herbergweiser:
Der göttliche Himalaya.
Tief in des Ostens und des Westens Meer
Taucht er die Riesenarme ein;
Sich weit und mächtig dehnend, liegt er da,
Als wollt’ er Maßstab dieser Erde sein.
An ihm wird alles Köstlichkeit und Adel;
Auch vor dem Schnee, der jeden Zugang wehrt,
Verstummt in Ehrfurcht aller Menschentadel:
Ein Makel wird vom Sieg der Tugenden verzehrt,
Wie auch der Schatten, der im Monde dunkelt,
Die Schönheit des Gestirnes nicht versehrt,
Wenn er im vollen Strahlenkranze funkelt.
Auf seinen Gipfeln birgt er Farbgestein,
Mit dessen Rot des Berges Feen sich schmücken,
Recht schön beim Tanz und Liebesspiel zu sein.
Auch mag des Rötels Glanz das Aug’ entzücken,
Wenn er am hellen Tage weckt ein Alpenglühen,
Von dessen zartem Rosenschein
Geküßt, der Wolken Wangen rot erblühen.
Der wilde Jäger folgt dort perlbesäten Gleisen,
Die ihm die Spur zur Schlucht der Löwen weisen.
Denn diese haben eine Ilfenschar,
In deren Schläfen solcher Schatz verborgen war,
Zerfleischt: das Blut jedoch, das sonst das Finden lehrt,
Hat längst der frische Schnee verwaschen und zerstört.
Dafür sind aus den Löwenkrallen
Die roten Perlen in den Schnee gefallen.
Der Eule gleich, der vor dem Tage graut,
Hat sich die Finsternis ins Höhlenreich geflüchtet;
Er aber schützt, die seiner Macht vertraut,
Vor dem Gestirne, das die Welt belichtet.
Wer so wie er sein Haupt erheben kann,
Wie einen Eignen sieht er den Geringen an,
Der einen Hilfegruß an seine Größe richtet.
Des Sternenwagens sieben Weise pflücken
Sich Wasserrosen seiner Gipfelseen.
Die Sonne muß die Strahlen aufwärts schicken,
Will sie den Rest der herrlichen Nymphäen
Zum Tage wecken, daß sie sich entfalten:
Denn sie muß ihre Feuerbahnen gehn
Tief unter jenen sieben Himmelsalten.
Auf Birkenrinden – welch ein seltsam Bild!-
Schriftzeichen, schön mit Rötel hingesetzt.
Die Birken scheinen wie mit Blut benetzt,
Das aus der Haut der jungen Ilfen quillt.
Die Zauberelfen-Töchter können dir
Das Rätsel lösen: Elfenkinder lieben,
So haben sie auf weiße Stämme hier
Die zarten Briefchen sinnig hingeschrieben.
Heilkräuter leuchten dort bei dunkler Nacht
In Grotten, wo das Wäldervölklein wohnt:
Das ist die heimlich-traute Lampenpracht,
Die über ihren Liebesfesten wacht,
Und ohne Öl im stillen Glanze thront.
Kalidasa (4Jh.n.Chr./Sanskrit-Lyrik)
(Ü: H.Weller)
Der brillante Schachzug (24)
5nr1/2Pp2pk/3Pp1p1/4P1P1/6P1/5K2/8/7n w
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Die Schach-Serie «Der brillante Schachzug» im Glarean Magazin publiziert in regelmässigen Abständen schwierige Chess Puzzles, deren Lösung sogar modernste Schachprogramme bzw. -Engines vor Probleme stellen können. Eine aussergewöhnliche Sammlung – und in der Tat «ein Probierstein des Gehirns»… (Goethe)
Der Jokers-Lyrik-Preis 2009
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11-köpfige Jury verteilt 7’000 Euro
Der Jokers-Lyrik-Preis ist einer der größten deutschsprachigen Online-Gedichte-Wettbewerbe. Im Jahre 2009 läuft er vom 1. bis 31. März. Das Lyrik-Thema kann frei gewählt werden, pro AutorIn darf aber nur ein Gedicht eingesandt werden. Insgesamt werden Preise im Wert von über 7’000 Euro ausgeschüttet, die besten Texte werden von einer 11-köpfigen Jury prämiert. Die weiteren Einzelheiten des Wettbewerbes finden sich hier.
Diagnose: Bösartiger Hirntumor
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Eric Baumann: «Einen Sommer noch»
Walter Eigenmann
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Bücher mit einem ähnlichen Klappentext wie dem folgenden wurden und werden immer wieder publiziert, und liest man in der Buchhandlung solche Sätze wie auf der Rückseite von Eric Baumanns Buch «Einen Sommer noch», denkt man «Armer Kerl!» und stellt es mitfühlend-seufzend wieder ins Regal zurück:
«Er ist jung, erfolgreich, frisch verliebt – und auf dem Karrieresprung. Dem Journalisten Eric Baumann steht die Welt offen. Doch sein Körper spricht eine andere Sprache, schickt Kopfschmerzen, Sprachaussetzer, Sehstörungen. An seinem 34. Geburtstag erfährt Eric Baumann, dass er einen bösartigen Gehirntumor hat, der sofort operiert werden muss. Seine Überlebenschancen sind auch nach der Operation gleich null. Ab diesem Zeitpunkt steht über jedem schönen Augenblick die Frage: Werde ich das je wieder erleben? Dennoch gibt Eric Baumann auch in Momenten tiefster Verzweiflung nicht auf. Mit offenen Augen schaut er in die Welt und wehrt sich mit Lebensfreude und Mut nun schon mehr als drei Jahre gegen den sicheren Tod.»
Nun, diesen Band des Luzerner Wirtschaftsjournalisten Eric Baumann sollte man nicht wieder ins Regal zurückstellen. Sondern miterleben.
Gewiss, Baumann ist weder Poet, noch Literat, noch Wissenschaftler, noch Philosoph, noch Pfarrer, noch Märtyrer. Seine Sprache: Knapp, realistisch, voller Verben und Substantive, ohne alle Larmoyanz, streckenweise schier ohne Sentiment, doch wider Erwarten keineswegs humorlos – wie das alles gute Wirtschaftsredakteure durchaus können. Und überhaupt: «Um mich zu besinnen, muss ich nicht die Hände falten. Ich brauche auch keine Institution, die mir zu erklären versucht, was nach dem Tod passiert.» Denn dieses «Einen Sommer noch» impliziert zwar Hoffnung, es bilanziert gar irgendwie, obwohl es nur nach vorne blickt – aber vor allem sind diese knapp 260 Seiten ein in seiner detaillierten Intensität ungeheuer beeindruckendes, so noch nie gelesenes Stenogramm einer Heimsuchung.
Und deren menschlicher wie medizinischer Bewältigung. Baumann hat einen wahren Kosmos der inneren Monologe und und der äußeren (medizinischen) Dialoge, auch der sozialen Netze, der widersprüchlichen Therapie-Diskussionen, des Selbstbeobachtens und des Fremdbestimmtseins, bis hin zur Resignation und zur Resurrektion zwischen zwei Buchdeckel gelegt, seine Sätze voller «Ich» und «ich» und voller Namen von Menschen und Leuten und Sachen und Techniken vermitteln zwischen Chemotherapie und Anthroposophie, zwischen Glioblastom und Qigong, zwischen Misteln und Tomographen. Kein Zweifel, nachdenken und reden über eine Krankheit wie Krebs ist ihrer Bekämpfung enorm förderlich. Wiewohl Baumann differenziert: «Den Begriff ‘Kampf’ für den Umgang mit dem Krebs streiche ich aus meinem Vokabular. Ich interpretiere meinen Weg eher als Prozess. [...] Klar ist er ein Biest, dieser Tumor. Nach der Lektüre einiger Bücher wie dem von Simonton verstehe ich ihn aber immer mehr als einen Teil von mir, denn seine Zellen gehören zu meinem Zellenvolk. Wenn ich visualisiere, mag ich mir jedenfalls nicht einen Krieg von gegeneinander antretenden Zellen vorstellen, selbst wenn das der Realität entspricht. Das Putzteam ist mir sympathischer.»
«Einen Sommer noch» ist das anrührend ehrliche, sensibel, doch ungeschönt notierende, in seiner intelligent sezierenden Präzision fast beängstigende, zwar subjektivst erlebte und erlittene, aber auch in große menschliche und medizinische Vorgänge eingebettete Protokollieren des Überlebens - von der ersten dringenden Hirnoperation bis zur jüngsten Nevada-Reise mit Partnerin Alice. Dazwischen liegen hoffnungsvolle Monate und Jahre – geschenkte Lebenszeit, gemäß Statistik. Doch wie schreibt der inzwischen 38-jährige, noch immer an einem der schlimmsten, weil bösartigsten Hirntumore (= Grad IV der WHO) leidende Autor – alles Gute ihm auch von hier aus! – in seinem Buch-«Epilog»:
«Es ist Frühling, es ist warm. Wie vor einem Jahr sitze ich im Parkcafé, nippe an einer Apfelschorle. Vor mir liegt ein Manuskript, meine Geschichte. – Ich habe wieder einen Befund aus dem Spital erhalten. Es sieht gut aus. Die Chemomedizin muss ich aber weiterhin schlucken, es wäre fahrlässig, sie abzusetzen. – Ein Sonnenstrahl dringt durch eine Allee von Pappeln. Der Sommer steht vor der Tür. Noch einer. Was für ein schönes Leben! – Ich packe zusammen. Fertig für heute. Es gibt ein Morgen.» ■
Eric Baumann, Einen Sommer noch, Mein Leben mit der Diagnose Hirntumor, 268 Seiten, Lübbe Verlag, ISBN 978-3-7857-2355-5
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Leseprobe (Eric Baumann: «Einen Sommer noch»)
Ein Assistenzarzt zeigt mir die Bilder. Er wirkt desinteressiert,
sein Blick ist frustriert und müde. Was ich zu sehen bekomme,
schnürt mir die Kehle zu: Der Schatten ist viel deutlicher
zu sehen als auf der Computertomografie von gestern
Abend. Er dominiert den linken Schläfenlappen des Gehirns.
Um ihn herum hat sich eine enorme Schwellung gebildet. Sie
will mein Gehirn vor dem Eindringling schützen. Der Platz im
Kopf ist aber begrenzt, die Hirnmasse wird zur Seite gedrängt,
eingequetscht.
In der Mitte des Gehirns verläuft eine Linie. Normalerweise
ist sie gerade, meine aber hat derzeit eine Delle. »Midline-Shift
nach rechts«, heißt es im Spitalbericht. »Eindeutig Hirntumor«,
meint der Assistenzarzt. Also doch! Bestimmt wussten die Mediziner
in der Notfallstation gestern Abend bereits, dass es sich
nicht um eine Entzündung handelt. Vermutlich wollten sie
mir die Diagnose »Bösartiger Hirntumor« noch nicht als einzig
mögliche Erklärung zumuten.
»Der Tumor«, so der Arzt, »hat einen Durchmesser von etwa
vier Zentimetern und zerfranst in verschiedene Richtungen.«
Vier Zentimeter? Das ist etwa die Größe eines Pingpongballs!
Und zerfranst klingt nicht gut. »Harmlos ist er definitiv nicht«,
bestätigt der Assistenzarzt teilnahmslos. »Er muss weg. Wir
haben bereits einen Termin für Sie gefunden, die Operation findet
nächsten Montagmorgen statt, am dritten Januar.« In vier
Tagen komme ich unters Messer!
Hirntumore werden von der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) in Kategorien eingeteilt, wie ich jetzt erfahre. I und II
sind gutartig, III und IV bösartig. Wucherungen aller Grade
beanspruchen Platz im Kopf. »Gutartig« ist also ein verharmlosendes
Wort, denn selbst in so einem Fall kann ein Tumor
zum Tod führen, wenn er zu groß wird.
Tumore höheren Grades wachsen sogar ins Gehirn hinein,
verästeln sich, zerstören Zellen und setzen damit früher oder
später lebenswichtige Funktionen außer Gefecht. In diesem
Fall gelten Hirntumore auch als Krebserkrankung. Gradmäßig
geht es nur nach oben. Ein maligner Tumor – Mediziner-Slang
für »bösartig« – kann sich nicht zu einem gutartigen zurückentwickeln.
»Genau wissen wir es erst nach der Operation. Vermutlich
handelt es sich um Grad III«, ergänzt der Assistenzarzt. Bestimmt
schlimm genug. Ich kann also nur noch hoffen, dass es
keine Nummer Vier ist. Sagt der Arzt die Wahrheit, oder ist die
Art, wie er seine Einschätzung formuliert, selbst bei ihm ein Akt
der Barmherzigkeit?
»Wie lange habe ich denn noch zu leben?«
»Das kann ich Ihnen nicht sagen. Wir wissen noch nicht
genug.«
»Bin ich dem Tod geweiht?«
»Nun, Sie müssen davon ausgehen, dass wir Sie nicht heilen
können. aber wir werden Ihnen eine zusätzliche beschwerdefreie
Zeit ermöglichen.«
Noch so ein Faustschlag. Das kann doch nicht sein. Ich,
sterben? Heute ist mein Geburtstag! Mir geht das alles viel
zu schnell. Wie soll ich als Vierunddreißigjähriger von einer
Stunde auf die nächste einen Plan für den Umgang mit der eigenen
Vergänglichkeit bereithalten? Dass mir in meinem Alter
schon der Tod blühen könnte, damit habe ich mich noch nie
auseinandergesetzt.[...].
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Wintergedicht aus Japan
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Ach, ich fürche fast,
dass er mir den Sichelmond
durch die Bäume durch
schließlich ganz hinunterbläst,
dieser wilde Wintersturm!
Kagawa Kageki (1768-1843)
(Ü: G.Coudenhove)
Prosa-Wettbewerb des Achter Verlages
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Erzählungen zum Begriff «Freiheit»
Im Rahmen seiner Edition «Acht Geschichten» plant der deutsche Achter Verlag eine Anthologie zum Thema «Freiheit». Hierzu schreibt der Verlag einen Autorenwettbewerb aus. Gesucht werden Erzählungen, die sich im weitesten Sinne mit dem Begriff «Freiheit» auseinandersetzen. Der Preis ist mit insgesamt 1’600 Euro dotiert. Einsende-Schluss ist am 31. Mai 2009, die weiteren Details finden sich hier.
Schach in der Foto-Kunst (6)
Kelvyn Ornette sol Marte
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Kelvyn Marte
Geb.1988, aufgewachsen in Innsbruck und Zirl/A; Lehre als EDV-Techniker; seit 2008 an der Prager Fotoschule/Österreich
Berg-Gedichte (1)
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Stolz steht der Berg wie eines Pferdes Widerrist.
Er sperrt den Windhauch ab mit seinem großen
Skelett und sucht die Nacht zu ihrer Frist
Mit spitzen Schultern kalt zurückzustoßen.
Er steht allein im Land gleich dem Gelehrten,
Der aller Dinge Wahrheit sucht zu finden,
Lässt sich von Wolken einen schwarzen Turban winden,
Zu dem die Blitze rote Federn ihm bescherten.
Ich schrie ihn herzzerreißend an. Er blieb voll Schweigen.
Doch eines Nachts ward er von selbst zum Sprecher:
«Wie lang noch bin ich Zuflucht der Verbrecher
Und der Asketen, die schon Gott zu eigen?
Wie viele Winde hab ich abgefangen.
Wie oft hab ich das Meer zurückgehalten.
Wie viele Wandrer sind vorbeigegangen
Und hielten, Mann und Roß, die Rast in meinen Falten.
All diese Wesen traf schon längst der große Schauer.
Der Tod ist ihres Schicksals Peitschentreiber.
Der Wälder Rauschen ist das Stöhnen meiner Trauer,
Der Tauben Sang der Schrei der Klageweiber.»
So sprach der Berg. Ich weinte, sah sein Leiden
Und rief: «Leb wohl. Die einen müssen wandern.
Ewig zu bleiben, Freund, ist das Geschick der andern,
Doch beide sind dazu verdammt, zu scheiden.»
Ibn Chafadscha (Alcira/Spanien 1058-1139)
(Ü: Janheinz Jahn)























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