Glarean Magazin

Wie Barbie, Hamlet u.a. uns verändert haben

Posted in Buch-Rezension, Kultur&Gesellschaft, Neuheiten, Rezensionen by Walter Eigenmann on 1. Juli 2008

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Die 101 einflussreichsten Personen, die es nie gab

Walter Eigenmann

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Aus dem Vorwort der Autoren, das den inhaltlichen Konjunktiv dieses Buches sehr gut umreisst: «Figuren aus Fernsehen, Literatur und Film beeinflussen unser Leben so sehr, dass wir sie wie reale Personen betrachten. Für manche Leute gibt es nichts Wichtigeres, als die letzte Episode ihrer Lieblings-TV-Serie zu sehen; andere stehen vor den Kinos an, um die neueste Fortsetzung eines Kassenschlagers zu sehen. Ob Legenden, Sagen, Theater oder Zeichentrickfilme – wir identifizieren uns mit den Figuren, selbst wenn ihre Geschichte sich vor Tausenden von Jahren zugetragen hat. Wir vergießen Tränen, wenn sie leiden oder versagt haben. Wir versuchen uns die Größe der Helden anzueignen und lernen aus den Fehlern der tragischen Gestalten. Vieles aus dem Bereich der Fiktion hilft uns dabei, mit unserem alltäglichen Leben fertig zu werden. Und überdies können wir sämtliche Facetten des Lebens erfahren – das Exotische, das Gefährliche und das Dumme -, ohne uns selbst in Gefahr zu begeben.
Erfindungen belehren uns über die Welt, doch sie formen auch unsere Welt. Menschen werden durch das, was sie gelesen oder gesehen haben, beeinflusst und machen sich auf, die Welt zu verändern. Wäre Alexander der Große zur Welteroberung ausgezogen, wenn er nicht die Geschichten vom Trojanischen Krieg gehört hätte? Und wäre Napoleon ohne das Beispiel Alexanders auf die Idee gekommen, in Russland einzumarschieren? [...]
Diese Sammlung sucht die einflussreichsten Schöpfungen heraus und zeigt, wie sie unser Leben beeinflussen. Wir haben die Welt nicht aus dem Blickwinkel der Chinesen oder der Ägypter betrachtet. Wir haben uns nicht in keltische Sagen, in persische, babylonische, portugiesische, russische, koreanische oder Hindu-Literatur vergraben, sondern das in Erwägung gezogen, was Einfluss auf unsere eigene Kultur hat. [...]
Der Einfluss der Schöpfungen beinhaltet zwei Seiten: Zum einen, wie viele Menschen beeinflusst wurden, und zum anderen, wie weit dieser Einfluss ging. Dutzende von beliebten Figuren mussten wir verwerfen: Darth Vader, Hedda Gabler, Charlie Brown, Sam Malone oder David Copperfield. Viele dieser Figuren sind in unserer Kultur allseits bekannt und beliebt, aber beliebt zu sein bedeutet nicht automatisch, Einfluss zu haben. Mag sein, dass manche unserer Figuren tatsächlich einmal gelebt haben, doch unser Wissen über sie stammt aus Filmen, Büchern und Theaterstücken und nicht aus Augenzeugenberichten. Also haben wir sie in unsere Sammlung aufgenommen.»

Top-Ten der Sagen-haften Gestalten in der kollektiven Heldenverehrung: König Artus

Die Idee, über hundert nichtexistente weltweite «Opinion Leaders» ins Zentrum des (Nicht-)Geschehens zu stellen und sich obendrein zu fragen, was wäre, wenn sie… – das hat gerade im Zeitalter der Virtual Reality etwas sowohl Amüsantes wie Nachdenkliches. Der Band ist jedenfalls süffisant-vergnüglich geraten, eine Schmunzel-Lektüre durchaus der informativen Art, auch wenn das von den Autoren suggerierte «Ranking» der Beteiligten – beispielsweise sind längst verblasste Helden wie «König Artus» und «Siegfried» unter den Top-10, während modern-mediale Heroes wie «Luke Skywalker» oder Archetypen wie «Herkules» weit hinten im Feld rangieren – keineswegs die ungetrübte Zustimmung aller Leser finden dürfte. Andererseits wieder treffen Karlan und seine Co-Autoren dann mit Hamlet, Ödipus, Don Quijote, Robinson oder Romeo&Julia wohl wieder präzis ins Schwarze des kollektiven Unterbewusstseins.

D.Karlan/A.Lazar/J.Salter: Die 101 einflussreichsten Personen, die es nie gab, Ehrenwirth Verlag, 365 Seiten, ISBN 978-3431037531

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