Internationaler Queen-Elisabeth-Kompositions-Wettbewerb
Werk für Violine & Orchester
Die «Queen Elisabeth International Music Competition of Belgium» schreibt ihren Kompositionswettbewerb 2008/09 aus, für den ein neues Werk für Violine und Orchester eingesandt werden kann. Teilnahmeberechtigt sind KomponistInnen, die nach dem 7. November 1968 geboren sind, unabhängig von ihrer Nationalität. Einsende-Schluss ist am 7. November 2008, die genauen Einzelheiten (engl.) finden sich hier.
2. Uuno-Klami-Wettbewerb 2008/09
Komposition für kleineres Sinfonie-Orchester
Europäische Komponistinnen und Komponisten jeden Alters können bis zum 1. Dezember 2008 am 2. Uuno-Klami-Wettbewerb teilnehmen. Eingesandt werden kann ein unveröffentlichtes, ca. 15-30 Minuten dauerndes Werk für kleineres Sinfonie-Orchester.
Insgesamt werden Preisgelder in der Höhe von 27′000 Euro ausgeschüttet, zuzüglich verschiedener Anerkennungspreise. Die genauen Details finden sich hier.
Das Zitat der Woche
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Über den Selbstzweck der Musik
Aristoteles
Die gegenwärtig üblichen Lehrgegenstände schwanken hin und her. Es sind im wesentlichen vier Dinge, in denen man zu unterrichten pflegt: Grammatik,Turnen, Musik und gelegentlich das Zeichnen; die Grammatik und das Zeichnen als nützlich fürs Leben und vielfältig anwendbar, die Gymnastik als Übung zur Tapferkeit.
Bei der Musik erheben sich Fragen: die meisten interessieren sich für sie um des Vergnügens willen, ursprünglich aber galt sie als ein Stück Erziehung, weil die Natur selbst danach strebt, wie oftmals gesagt, nicht nur richtig tätig zu sein, sondern auch in edler Weise Muße üben zu können.
Denn dies ist der Ursprung von allem, um einmal mehr davon zu reden. Wenn man nämlich beides braucht, so ist doch die Muße wünschenswerter als die Arbeit; sie ist das Ziel, und man muß sich fragen, was man in der Muße tun soll. Spielen soll man nicht, denn dann müßte das Spiel das Ziel unseres Lebens sein. Wenn dies ausgeschlossen ist und man eher bei der Arbeit zuweilen spielen soll (denn der Arbeitende bedarf der Erholung, das Spiel dient eben dazu, und bekanntlich ist die Arbeit mit Mühe und Anspannung verknüpft), so muß man die Spiele gestatten, aber den Gebrauch genau kontrollieren, um sie als eine Art von Arznei anzuwenden. Denn eine solche Bewegung der Seele ist eine Lockerung und eine lustvolle Erholung.
Die Muße scheint aber ihre Lust und die Glückseligkeit und das selige Leben in sich selbst zu haben. Dies kommt nicht den Arbeitenden zu, sondern jenen, die Muße haben. Denn der Arbeitende arbeitet auf ein Ziel hin, das noch nicht erreicht ist, die Glückseligkeit ist aber ein Ziel und ist nach allgemeiner Ansicht nicht mit Schmerz, sondern mit Lust verbunden.
Freilich fassen nicht alle diese Lust in derselben Weise auf, sondern jeder für sich nach seiner Art, der Beste aber wählt die beste und die vom Schönsten her entspringende. So ist klar, daß man auch für das Leben in der Muße bestimmte Dinge lernen und sich aneignen muß, und daß diese Lehr- und Bildungsgegenstände selbstzwecklich sind; jene dagegen, die mit der Arbeit zu tun haben, dienen der Notdurft und einem fremden Zweck.
So haben denn auch die Früheren die Musik zur Bildung gerechnet, aber nicht als notwendig (denn das ist sie nicht), noch als nützlich, wie die Grammatik für den Geschäftsverkehr, für die Hausverwaltung, zur weitern Ausbildung und zu vielen politischen Aufgaben; auch das Zeichnen scheint ja nützlich zu sein, um die Arbeiten der Handwerker besser beurteilen zu können; ebenso ist die Gymnastik nützlich für Gesundheit und Kraft. Aber keins von beiden entsteht doch aus der Musik. Es bleibt also, daß sie für das Leben in der Muße bestimmt ist, und darauf pflegt sie auch bezogen zu werden. Denn man ordnet sie dort ein, wo man das Leben der Edlen vermutet.
So hat Homer gedichtet: «sondern wen man zum festlichen Mahle laden soll», und dann nennt er andere, «die den Sänger rufen», der «alle ergötzt». Und anderswo nennt Odysseus jenes das beste Leben, wenn die Menschen sich erfreuen und «die speisenden Gäste im Haus den Sänger hören, der Reihe nach hingelagert».
(Aus Aristoteles: «Politik» – Achtes Buch)
Kurzprosa von Jutta Miller-Waldner
Und Kutte lachte
Jutta Miller-Waldner
Kutte plinkerte mit den Augen, klatschte mit der linken Hand eine Fliege fort, die sich auf sein rechtes Lid gesetzt hatte, verzog das Gesicht vor Schmerz, wälzte sich auf die andere Seite, fiel fast von der Parkbank, zuckte zusammen.
Kutte war wach.
Und Kutte hatte Hunger.
Er erhob sich ächzend, blieb eine Weile sitzen, den Rücken gebeugt, den Kopf tief zwischen den Schultern. Schließlich erhob er sich und faltete die FAZ-Sonntagsausgabe zusammen, die ihm als Unterlage und Kopfkissen und Zudecke gedient hatte, warf sie in den Abfallkorb.
«Heute muss ick mir wieda zwee Zeitungen orjanisiern. Muss ick wieda mit de S-Bahn fahren. Oder nee, besser is et mit die U-Bahn. Da lassen die Leute öfta mal ne TAZ liejen.»
Kutte las möglichst jeden Tag die TAZ. Das hatte er von früher beibehalten. Da war er eigen. Soviel Würde musste sein.
Er spritzte sich am Springbrunnen Wasser ins Gesicht, wischte den Schmutz von seinen Schuhen, seinen Jeans, zog den Kamm aus der linken Gesäßtasche, fuhr sich über die Haare, spuckte in die Hände und strich sie glatt, erblickte sein Gesicht im Wasser, guckte schnell wieder weg.
Sein Magen knurrte.
«Als erstet werd ick die Abfallkörbe abklappern. Am besten drüben beim Jymnasium. Wenn nich schon ein andrer dajewesen is. Aba die Jören schmeißen ja soville wech, da werd ick bestimmt noch wat finden. Filleicht ha ick ja Glück und find ne Stulle mit Katenrauchschinken.»
Kutte aß gerne Kartenrauchschinken. Am liebsten aß er Räucherlachs, aber welche Mutter gab seinem Kind schon ein Lachsbrot mit in die Schule.
Er schlurfte hinüber, wühlte. Nichts. «Mist», dachte er. «Det is nich mein Tach heute. Da steht man am besten jar nich erst uff. Aber denn kommen die Bullen un verjagen einen. Na jut, werd ick zur Realschule marschieren.»
Kuttes Magen knurrte lauter.
«Sei ruhich», befahl er. «Krichst ja jleich wat.»
Er wühlte. Fand zwei in Alufolie gewickelte Schrippen – «is doch meen Jlückstach heute» -, wühlte weiter, zog eine viertelvolle Einliterflasche Cola heraus, eine halbleere Dose Red Bull, ein Überraschungsei, eine Sonnenbrille, deren linkes Glas verschrammt war, drei Sammelbilder für das Fußball-EM-Album mit René Adler – «wieso denn der», schoss es ihm durch den Kopf -, Miroslav Klose und Bastian Schweinsteiger. «Na nu», wunderte er sich. «Wat schmeißen die denn sowat wech?!»
Kutte mochte Schweini.
Des Weiteren fand er eine Barbiepuppe mit nur einem Bein, warf sie angewidert zurück.
Fand eine Tarotkarte.
«Wat is ‘n det? So’n Quatsch», stellte er fest. Warf sie wieder in den Abfallkorb.
Er steckte das eine Brötchen in die Jackentasche – «Wer weeß, wenn ick wieda wat finde» -, wickelte das andere aus, knüllte die Alufolie zusammen, warf sie zur Tarotkarte. Klappte das Brötchen auf, begutachtete die Jagdwurstscheibe, roch daran. «Na ja, jeht ooch» -, klappte es zu, biss hinein, schlurfte weiter.
Schlurfte zurück, griff in den Abfallkorb, holte die Tarotkarte heraus. Starrte sie an, steckte sie in die Hosentasche, wanderte zu seiner Parkbank. Aß seine Schrippe auf, schlenderte zum Springbrunnen, wusch sich die Hände, setzte die Sonnenbrille mit dem zerkratzten linken Glas auf, marschierte zurück, setzte sich, schlug das rechte Bein über das linke, zog die Tarotkarte aus der Hosentasche, betrachtete sie, die blauen Kugeln, die geschweiften Linien, die Ketten, die Frau, die das Schwert mit beiden Händen hielt …
«Uff wat für Einfälle die Leute kommen», wunderte er sich. «Wer kooft denn sowat? Und wozu?»
Er las die Zahl, die da in römischen Ziffern geschrieben stand, las das Wort am unteren Rand: Ausgleichung.
«Ausgleichung. Kenn ick nich. Ha ick ja noch nie jehört. Det jibt Jleichungen, Jleichberechtigung haha, Anjleichung, Ausjleich, Jleichheit, na ja, Jleichjüligkeit. Die kenn wa zu jenüje.»
Kutte saß auf seiner Parkbank, er rutschte hin und her, starrte auf die Karte, stand auf, setzte sich wieder, starrte auf die Karte, schaute hinüber zum Springbrunnen, auf die Karte in seiner Hand. Sah die neunundneunzig Luftballons, die in der Fontäne tanzten – hellblaue, babyblaue, südseehimmelblaue, blau wie Vergissmeinnicht, Gletschereis, Saphire, gestreift, gepunktet, kariert -, ging hinüber, ergriff die Strippe eines weißblauen, hob ab und schwebte. Er schwebte über das ICC, den Funkturm, über Fürstenfeldbruck und New York, die Wüste Gobi und den Angelfall, über den Atlantischen Ozean, über Vulkane und Eis, und er schwebte, und der Mond war sein Kumpel und die Sonne seine Braut, und die Planeten spielten um ihn her Ringelreihen, er kickte einen Satelliten gegen die Venus und schrie «Toooor», und rief zur ISS ein «Nasdarowje» hinüber; er spazierte mittenmang auf der Milchstraße, die Strippe des Luftballons fest in seiner rechten Hand, und sah die Galaxien Walzer tanzen, die Quasare Rock ‘n Roll, er fuhr auf einem Kometen Achterbahn und rodelte mit einer Sternschnuppe zurück zu Erde. -
Kutte plinkerte mit den Augen, klatschte mit der linken Hand eine Fliege fort, die sich auf sein rechtes Lid gesetzt hatte, verzog das Gesicht vor Schmerz, wälzte sich auf die andere Seite, fiel fast von der Parkbank, zuckte zusammen, erhob sich ächzend und starrte auf seine rechte Hand.
Und Kutte lachte.
Jutta Miller-Waldner
Geb. 1942 in Berlin, zahlreiche Lyrik- und Kurzprosa-Publikationen in Zeitschriften und Anthologien, Lesungen in Deutschland, Spanien, Österreich und Ungarn, verschiedene literarische Würdigungen, Vorsitzende der IGdA, lebt als Autorin, Lektorin und Chefredakteurin von «IGdA-aktuell: Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik» in Berlin
Das Roman-Debüt
Albert Ostermaier: «Zephyr»
Paris 2002: Die Schauspielerin Marie Trintignant und Bertrand Cantat, Sänger der Rockband «Noir Désir», lassen sich als frisch Verliebte durch die Nächte treiben. Um sich nicht trennen zu müssen, begleitet er sie zu Dreharbeiten nach Vilnius. Sie spielt unter der Regie ihrer Mutter in einer Verfilmung des Lebens der Schriftstellerin Colette. Es kommt zu Eifersuchtsexzessen zwischen den beiden, er erschlägt sie und schläft umstandslos neben ihr ein. In einer Villa an der Côte d’Azur liegt Cathy auf dem Bett, sie scheint zu schlafen. Neben ihr Gilles, ihr Mann. Er hat den Auftrag zu einem Drehbuch über das Paar Marie-Bertrand.
Gilles fällt es immer schwerer, zwischen Wirklichkeit und Fiktion zu unterscheiden, zwischen den Schnitten ins Herz und denen seines Filmscripts, er überblendet, was er wahrnimmt, mit dem, was er vor seinem inneren Kameraauge sieht. Sein Leben läuft wie ein Film an ihm vorüber. Ist er selbst auch ein Mörder, oder schreibt er sich diese Rolle nur zu?
Albert Ostermaiers erster Roman, erzählt im raschen Perspektivenwechsel, ist ein rasantes Gegenstück zum «Film Noir», ein dunkler Liebessong, dessen Rhythmus und Refrain den Leser in den Sog einer Geschichte ziehen. (Verlagsinfo)
Albert Ostermaier, Zephyr, Roman, Suhrkamp Verlag, 224 Seiten, ISBN 978-3518419588
Leseprobe
Wettbewerb für deutschsprachige Prosa
1. Hohenemser Literatur-Preis
Das Kulturamt der Stadt Hohenems/A schreibt für 2009 erstmals den Hohenemser Literaturpreis für deutschsprachige AutorInnen nichtdeutscher Muttersprache aus. Der Preis richtet sich an AutorInnen jeden Alters, Geschlechts und Wohnortes.
Eingereicht werden können bis dahin nicht publizierte, deutschsprachige Prosatexte im Umfang von maximal zehn Seiten. Diese sollen «in literarisch überzeugender Weise nicht nur migrantische Erfahrungen, sondern in freier Themenwahl das Ineinandergreifen verschiedener kultureller Traditionen und biographischer Prägungen vor dem Hintergrund einer sich beständig wandelnden Gegenwart thematisieren – einer Gegenwart, in der Sprache und Literatur wie auch Identität keinesfalls als Konstanten anzusehen sind.»
Einsende-Schluss ist am 15. September 2008, die weiteren Einzelheiten sind hier nachzulesen.
Wettbewerb für Erzähl- oder Sachbücher
Der Katholische Kinder- und Jugendbuch-Preis 2009
Die Deutsche Bischofskonferenz vergibt im Jahr 2009 zum 20. Mal ihren mit 5′000 EUR dotierten Katholischen Kinder- und Jugendbuch-Preis. Der Preis wird verliehen für Bücher, die «beispielhaft und altersgemäß religiöse Erfahrungen vermitteln, Glaubenswissen erschließen und christliche Lebenshaltungen verdeutlichen.»
Verlage, Institutionen und Privatpersonen können Erzähl- oder Sachbücher (keine Manuskripte) in 10-facher Ausführung einreichen, die den genannten Kriterien entsprechen und aus dem Produktionsjahrgang 2008 stammen. Einsende-Schluss ist am 1. November 2008, die weiteren Einzelheiten erfährt man hier.
Lyrik-Wettbewerb für junge DichterInnen
Leonce-und-Lena-Preis 2009
Alle zwei Jahre schreibt die Stadt Darmstadt ihren «Leonce-und-Lena-Preis» in Höhe von 8′000 EUR sowie die Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise in Höhe von insgesamt 8′000 EUR für deutschsprachige Lyrik aus.
2009 findet der Darmstädter «Literarische März» zum 16. Mal statt. Teilnahmeberechtigt sind deutschsprachige Autorinnen und Autoren, die nicht vor 1973 geboren sind. Es können bis zu zwölf unveröffentlichte Gedichte eingesandt werden.
Einsende-Schluss ist am 15. September 2008, die Wettbewerb-Details finden sich hier.
Das Schach-Alphabet
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Buchstabe H – Weiß gewinnt
Copyright 2008 by Walter Eigenmann / Glarean Magazin
Schach-Rätsel – Buchstabe H
Auflösung hier
Download aller acht Buchstaben (PGN & CBV/CBH)
Das Zitat der Woche
Das moderne «Selbst» und die «Welt»
Peter Sloterdijk
In der Moderne brechen die Klammern, die im klassischen Denken Reflexion und Leben zusammenhielten, auseinander. Es wird uns immer deutlicher, daß wir im Begriff sind, für Selbsterfahrung und Welterfahrung den gemeinsamen Nenner zu verlieren. Sogar das ehrwürdige Postulat der Selbsterkenntnis gerät heute in den Verdacht, naiv gewesen zu sein, und was einst als Gipfel der Reflektiertheit erschien, steht heute dem Argwohn gegenüber, es sei womöglich nur eine Luftspiegelung, entstanden aus dem Mißbrauch der Reflexions-Metapher. Tatsächlich hat sich der weitaus größte Teil heutiger Objektkenntnisse von jeder Beziehung auf ein Selbst abgekoppelt und steht unserem Bewußtsein in jener ausdifferenzierten Sachlichkeit gegenüber, von der kein Weg mehr «zurück»gebogen wird zu einer Subjektivität.
Im modernen wissenschaftlichen Wissen erfährt nirgendwo ein Ich sich «selbst», und wo dieses sich noch über sich selber beugt, läßt es mit seiner offenkundigen Tendenz zur weltlosen Innerlichkeit die Realien hinter sich. So sind für das heutige Denken Innerlichkeiten und Äußerlichkeiten, Subjektivitäten und Sachen zu «fremden Welten» auseinandergefallen. Damit entfällt zugleich die klassische Prämisse des Philosophierens. Den Satz Erkenne dich selbst! verstehen die Modernen längst als Einladung zum Egotrip einer weltflüchtigen Ignoranz. Die moderne Reflexion spricht sich ausdrücklich die Kompetenz ab, Subjektivitäten bruchlos in objektive Welten einzubetten; was sie aufdeckt, ist vielmehr der Abgrund zwischen beiden. Das «Selbst» weiß sich auf geheimnisvolle Weise an eine «Welt» angeschlossen, ohne daß es sich in ihr im Sinne griechischer Kosmologie selbst erkennen könnte; und keine «vermittelnden» Instanzen wie Sozialpsychologie oder Neurophysiologie vermögen daran etwas zu ändern.
Die moderne Selbstreflexion kommt daher bei all ihren «Rück-biegungen» nicht mehr «nach Hause». Die Subjekte wissen sich weder in «sich» noch in ihren Umwelten als «bei sich daheim». Dem radikalen Denken der Moderne enthüllt sich am Selbst-Pol die Leere und am Welt-Pol die Fremdheit, und wie sich ein Leeres in einem Fremden «selbst» erkennen sollte, kann sich unsere Vernunft beim besten Willen nicht vorstellen. ♦
Aus: Peter Sloterdijk, Kritik der zynischen Vernunft, Suhrkamp 1983
Das Schach-Alphabet
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Buchstabe G – Weiß hält remis
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Schach-Rätsel – Buchstabe G
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In der nächsten Woche: Buchstabe H
Wettbewerb für junge Komponisten
Zeitgenössische Musik für Laien
Seit 1998 führt der Landesmusikrat Bremen einen Wettbewerb für junge Komponisten aus der Region durch. Der Wettbewerb wird in 2-jährigem Turnus ausgeschrieben mit dem Ziel, mehr zeitgenössische Musik für Laienensembles zu schaffen. Es wird auf Grund eingereichter Partituren ein Kandidat ausgewählt, der einen Kompositionsauftrag erhält «mit der Auflage, das Stück in enger Fühlungnahme mit einem Ensemble seiner Wahl zu entwickeln. Auf diese Weise erhofft man sich einerseits einen Abbau der Schwellenängste bzgl. zeitgenössischer Musik und andererseits das Entstehen von neuen Werken, die auf die Aufführungspraxis von Laienensembles bewussten Bezug nehmen.» Einsendeschluss ist am 31. August 2008, die weiteren Details finden sich hier.
Das Zitat der Woche
Über den Kampf der Generationen
Konrad Lorenz
Es ist eine recht beunruhigende Tatsache, daß die heutige jüngere Generation ganz unzweideutig beginnt, die ältere als eine fremde Pseudo-Spezies zu behandeln.
Dies drückt sich in vielerlei Symptomen aus. Konkurrierende und feindliche ethnische Gruppen pflegen in betonter Weise verschiedene Trachten auszubilden oder ad hoc zu schaffen. In Mitteleuropa sind ortskennzeichnende Bauerntrachten längst verschwunden, nur in Ungarn sind sie überall dort in vollster Ausbildung erhalten geblieben, wo ungarische und slowakische Dörfer dicht nebeneinanderliegen. Dort trägt man seine Tracht mit Stolz, und zwar ganz eindeutig mit der Absicht, die Mitglieder der anderen ethnischen Gruppen zu ärgern. Genau dies tun sehr viele selbstkonstituierte Gruppen rebellierender Jugendlicher, wobei es ganz erstaunlich ist, wie sehr sich bei ihnen – trotz angeblicher größter Ablehnung alles Militärischen – der Drang zur Uniformierung durchsetzt. Die verschiedenen Untergruppen der Beatniks, Teddyboys, Rocks, Mods, Rockers, Hippies, Gammler usw. sind dem «Fachmann» an ihrer Tracht ebenso sicher erkennbar, wie die Regimenter des kaiserlich-königlich österreichischen Heeres es einmal waren.
In Sitten und Gebräuchen sucht die rebellierende Jugend sich ebenfalls so scharf wie nur möglich von der Elterngeneration zu distanzieren, und zwar nicht etwa dadurch, daß sie deren herkömmliches Verhalten einfach ignoriert, sondern indem sie jede kleinste Einzelheit wohl beachtet und in das genaue Gegenteil verkehrt. Darin liegt zum Beispiel eine der Erklärungen für das Auftreten sexueller Exzesse bei Menschengruppen, deren allgemeine sexuelle Potenz anscheinend erniedrigt ist. Ebenfalls nur aus dem intensiven Wunsch nach Durchbrechung elterlicher Verbote zu erklären ist es, wenn rebellierende Studenten öffentlich urinieren und defäkieren, wie das an der Wiener Universität vorgekommen ist.
Die Motivation all dieser merkwürdigen, ja bizarren Verhaltensweisen ist den betreffenden jungen Menschen völlig unbewußt, und sie geben die verschiedensten, oft recht überzeugend klingenden Pseudo-Rationalisierungen für ihr Benehmen an: Sie protestieren gegen die allgemeine Gefühllosigkeit ihrer reichen Eltern, für Arme und Hungernde, gegen den Krieg in Vietnam, gegen die Eigenmächtigkeit der Universitätsbehörden, gegen sämtliche «Establishments» aller Richtungen – wenn auch merkwürdig selten gegen die Vergewaltigung der Tschechoslowakei durch die Sowjetunion. In Wirklichkeit aber richtet sich der Angriff ziemlich wahllos gegen alle älteren Menschen, ohne irgendwelche Berücksichtigung ihres politischen Bekenntnisses. Die linksradikalsten Professoren werden von linksradikalen Studenten nicht merklich weniger beschimpft als rechts orientierte; H. Marcuse wurde einmal von kommunistischen Studenten unter der Führung Cohn-Bendits in der gröblichsten Weise beschimpft und mit wahrhaft hirnerweichten Anschuldigungen überhäuft, zum Beispiel wurde ihm vorgeworfen, daß er vom CIA bezahlt werde. Der Angriff war nicht dadurch motiviert, daß er einer anderen politischen Richtung, sondern ausschließlich dadurch, daß er einer anderen Generation angehört.
Ebenso unbewußt und gefühlsmäßig versteht die ältere Generation die angeblichen Proteste als das, was sie wirklich sind, als haßerfüllte Kampfansagen und Beschimpfung. So kommt es zu einer rapiden und gefährlichen Eskalation eines Hasses, der – wie schon gesagt – wesensverwandt mit dem Haß verschiedener ethnischer Gruppen, d. h. mit nationalem Haß ist. Selbst als geübter Ethologe finde ich es schwer, auf die schöne blaue Bluse des wohlsituierten Kommunisten Cohn-Bendit nicht mit Zorn zu reagieren, man braucht nur den Gesichtsausdruck solcher Leute zu beobachten, um zu wissen, daß diese Wirkung erwünscht ist. All dies verringert die Aussichten auf eine Verständigung auf ein Minimum.
Sowohl in meinem Buch über Aggression (1963) wie in öffentlichen Vorträgen (1968, 1969) habe ich die Frage diskutiert, worin wahrscheinlich die ethologischen Ursachen des Generationen-Krieges zu suchen seien, ich kann mich daher hier auf das Allernötigste beschränken. Dem ganzen Erscheinungskreise liegt eine Funktionsstörung des Entwicklungsvorganges zugrunde, der sich beim Menschen in der Pubertätszeit abspielt. Während dieser Phase beginnt sich der junge Mensch von den Traditionen des Elternhauses zu lösen, sie kritisch zu prüfen und Umschau nach neuen Idealen zu halten, nach einer neuen Gruppe, der er sich anschließen und deren Sache er zu der seinen machen kann. Der instinktive Wunsch, für eine gute Sache auch kämpfen zu können, ist für die Objektwahl ausschlaggebend, besonders bei jungen Männern. In dieser Phase erscheint das Altüberkommene langweilig und alles Neue anziehend, man könnte von einer physiologischen Neophilie sprechen.
Ohne allen Zweifel hat dieser Vorgang einen hohen Arterhaltungswert, um dessentwillen er in das phylogenetisch entstandene Programm menschlicher Verhaltensweisen aufgenommen wurde. Seine Funktion liegt darin, der sonst allzu starren Überlieferung kultureller Verhaltensnormen einige Anpassungsfähigkeit zu verleihen, und ist hierin etwa der Häutung eines Krebses zu vergleichen, der sein starres Außenskelett abwerfen muss, um wachsen zu können. Wie bei allen festen Strukturen, muß auch bei der kulturellen Überlieferung die unentbehrliche Stützfunktion durch den Verlust von Freiheitsgraden erkauft werden, und wie bei allen anderen bringt der Abbau, der um jeder Umkonstruktion willen nötig wird, bestimmte Gefahren mit sich, da zwischen Ab- und Neuaufbau notwendigerweise eine Periode der Halt- und Schutzlosigkeit liegt. Dies ist bei dem sich häutenden Krebs und beim pubertierenden Menschen in analoger Weise der Fall.
Normalerweise folgt auf die Periode der physiologischen Neophilie ein Wiederaufleben der Liebe zum Althergebrachten. Das kann ganz allmählich vor sich gehen, die meisten von uns Älteren können Zeugnis davon ablegen, daß man mit Sechzig eine weit höhere Meinung von vielen Anschauungen seines Vaters hat als mit Achtzehn. A. Mitscherlich nennt dieses Phänomen treffend den »späten Gehorsam«. Die physiologische Neophilie und der späte Gehorsam bilden zusammen ein System, dessen systemerhaltende Leistung darin liegt, ausgesprochen veraltete und neuer Entwicklung hinderliche Elemente der überlieferten Kultur auszumerzen, ihre wesentliche und unentbehrliche Struktur indessen weiter zu bewahren.
(Aus Konrad Lorenz: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit, Piper-Verlag 1973)
Das Schach-Alphabet
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Buchstabe F – Weiß hält remis
Copyright by Walter Eigenmann / Glarean Magazin 2008
Schach-Rätsel – Buchstabe F
Auflösung hier
In der nächsten Woche: Buchstabe G
Wer bin ich?
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Women Power (III)
Man nannte mich das größte Naturtalent, welches das Frauen-Schach meines Landes je hervorgebracht habe. Einer der imposantesten Triumphe in meiner noch jungen Karriere war sicher der Gewinn der Junioren-Weltmeisterschaft in Istanbul. (Die Jugend-Weltmeisterschaft U18 hatte ich bereits drei Jahre zuvor in den Palmarés-Kranz gehängt.)
Inzwischen habe ich trotz meines jungen Alters (Jhg. 1985) schon mit einer ganzen Reihe hochprominenter (Schach-)Größen in ernsthaften oder auch Show-Wettkämpfen die Klingen gekreuzt: Zu meiner illustren Gegnerschaft zählten u.a. die Klitschko-Box-Brüder, Moderator Harald Schmidt oder auch das Schach-Genie Garry Kasparow.
Man sagt mir eine besondere Portion zähen Ehrgeiz nach – und dieser zahlt sich u.a. in langwierigen Endspielen aus, wie beispielsweise in dem folgenden gegen die äußerst starke, heute erst 14 Jahre junge und doch bereits als die Nummer Fünf der aktuellen Frauen-Weltrangliste rangierende Chinesin Hou Yifan (mit Schwarz). Man beachte ebenfalls das vorausgehende Läufer-Manöver im 21. Zug, welches eine Reihe vorteilhafter Abtausche einleitet.

Also: Wer bin ich?





















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