Glarean Magazin

Internationaler Queen-Elisabeth-Kompositions-Wettbewerb

Veröffentlicht in Musik, Musik-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 29. Mai 2008

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Werk für Violine & Orchester

Queen Elisabeth CompetitionDie «Queen Elisabeth International Music Competition of Belgium» schreibt ihren Kompositionswettbewerb 2008/09 aus, für den ein neues Werk für Violine und Orchester eingesandt werden kann. Teilnahmeberechtigt sind KomponistInnen, die nach dem 7. November 1968 geboren sind, unabhängig von ihrer Nationalität. Einsende-Schluss ist am 7. November 2008, die genauen Einzelheiten (engl.) finden sich hier.

2. Uuno-Klami-Wettbewerb 2008/09

Veröffentlicht in Musik, Musik-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 28. Mai 2008

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Komposition für kleineres Sinfonie-Orchester

Uuno Klami WettbewerbEuropäische Komponistinnen und Komponisten jeden Alters können bis zum 1. Dezember 2008 am 2. Uuno-Klami-Wettbewerb teilnehmen. Eingesandt werden kann ein unveröffentlichtes, ca. 15-30 Minuten dauerndes Werk für kleineres Sinfonie-Orchester.
Insgesamt werden Preisgelder in der Höhe von 27′000 Euro ausgeschüttet, zuzüglich verschiedener Anerkennungspreise. Die genauen Details finden sich hier.

Das Zitat der Woche

Veröffentlicht in Aristoteles, Musik, Philosophie, Zitat der Woche von Walter Eigenmann am 27. Mai 2008

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Über den Selbstzweck der Musik

Aristoteles

 

Die gegenwärtig üblichen Lehrgegenstände schwanken hin und her. Es sind im wesentlichen vier Dinge, in denen man zu unterrichten pflegt: Grammatik,Turnen, Musik und gelegentlich das Zeichnen; die Grammatik und das Zeichnen als nützlich fürs Leben und vielfältig anwendbar, die Gymnastik als Übung zur Tapferkeit.
Bei der Musik erheben sich Fragen: die meisten interessieren sich für sie um des Vergnügens willen, ursprünglich aber galt sie als ein Stück Erziehung, weil die Natur selbst danach strebt, wie oftmals gesagt, nicht nur richtig tätig zu sein, sondern auch in edler Weise Muße üben zu können.
Denn dies ist der Ursprung von allem, um einmal mehr davon zu reden. Wenn man nämlich beides braucht, so ist doch die Muße wünschenswerter als die Arbeit; sie ist das Ziel, und man muß sich fragen, was man in der Muße tun soll. Spielen soll man nicht, denn dann müßte das Spiel das Ziel unseres Lebens sein. Wenn dies ausgeschlossen ist und man eher bei der Arbeit zuweilen spielen soll (denn der Arbeitende bedarf der Erholung, das Spiel dient eben dazu, und bekanntlich ist die Arbeit mit Mühe und Anspannung verknüpft), so muß man die Spiele gestatten, aber den Gebrauch genau kontrollieren, um sie als eine Art von Arznei anzuwenden. Denn eine solche Bewegung der Seele ist eine Lockerung und eine lustvolle Erholung.
Die Muße scheint aber ihre Lust und die Glückseligkeit und das selige Leben in sich selbst zu haben. Dies kommt nicht den Arbeitenden zu, sondern jenen, die Muße haben. Denn der Arbeitende arbeitet auf ein Ziel hin, das noch nicht erreicht ist, die Glückseligkeit ist aber ein Ziel und ist nach allgemeiner Ansicht nicht mit Schmerz, sondern mit Lust verbunden.
AristotelesFreilich fassen nicht alle diese Lust in derselben Weise auf, sondern jeder für sich nach seiner Art, der Beste aber wählt die beste und die vom Schönsten her entspringende. So ist klar, daß man auch für das Leben in der Muße bestimmte Dinge lernen und sich aneignen muß, und daß diese Lehr- und Bildungsgegenstände selbstzwecklich sind; jene dagegen, die mit der Arbeit zu tun haben, dienen der Notdurft und einem fremden Zweck.
So haben denn auch die Früheren die Musik zur Bildung gerechnet, aber nicht als notwendig (denn das ist sie nicht), noch als nützlich, wie die Grammatik für den Geschäftsverkehr, für die Hausverwaltung, zur weitern Ausbildung und zu vielen politischen Aufgaben; auch das Zeichnen scheint ja nützlich zu sein, um die Arbeiten der Handwerker besser beurteilen zu können; ebenso ist die Gymnastik nützlich für Gesundheit und Kraft. Aber keins von beiden entsteht doch aus der Musik. Es bleibt also, daß sie für das Leben in der Muße bestimmt ist, und darauf pflegt sie auch bezogen zu werden. Denn man ordnet sie dort ein, wo man das Leben der Edlen vermutet.
So hat Homer gedichtet: «sondern wen man zum festlichen Mahle laden soll», und dann nennt er andere, «die den Sänger rufen», der «alle ergötzt». Und anderswo nennt Odysseus jenes das beste Leben, wenn die Menschen sich erfreuen und «die speisenden Gäste im Haus den Sänger hören, der Reihe nach hingelagert».

(Aus Aristoteles: «Politik» – Achtes Buch)

Kurzprosa von Jutta Miller-Waldner

Veröffentlicht in Jutta Miller-Waldner, Literatur, Prosa von Walter Eigenmann am 25. Mai 2008

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Und Kutte lachte

Jutta Miller-Waldner

 

Kutte plinkerte mit den Augen, klatschte mit der linken Hand eine Fliege fort, die sich auf sein rechtes Lid gesetzt hatte, verzog das Gesicht vor Schmerz, wälzte sich auf die andere Seite, fiel fast von der Parkbank, zuckte zusammen.
Kutte war wach.
Und Kutte hatte Hunger.
Er erhob sich ächzend, blieb eine Weile sitzen, den Rücken gebeugt, den Kopf tief zwischen den Schultern. Schließlich erhob er sich und faltete die FAZ-Sonntagsausgabe zusammen, die ihm als Unterlage und Kopfkissen und Zudecke gedient hatte, warf sie in den Abfallkorb.
«Heute muss ick mir wieda zwee Zeitungen orjanisiern. Muss ick wieda mit de S-Bahn fahren. Oder nee, besser is et mit die U-Bahn. Da lassen die Leute öfta mal ne TAZ liejen.»
Kutte las möglichst jeden Tag die TAZ. Das hatte er von früher beibehalten. Da war er eigen. Soviel Würde musste sein.
Er spritzte sich am Springbrunnen Wasser ins Gesicht, wischte den Schmutz von seinen Schuhen, seinen Jeans, zog den Kamm aus der linken Gesäßtasche, fuhr sich über die Haare, spuckte in die Hände und strich sie glatt, erblickte sein Gesicht im Wasser, guckte schnell wieder weg.
Sein Magen knurrte.
«Als erstet werd ick die Abfallkörbe abklappern. Am besten drüben beim Jymnasium. Wenn nich schon ein andrer dajewesen is. Aba die Jören schmeißen ja soville wech, da werd ick bestimmt noch wat finden. Filleicht ha ick ja Glück und find ne Stulle mit Katenrauchschinken.»
Kutte aß gerne Kartenrauchschinken. Am liebsten aß er Räucherlachs, aber welche Mutter gab seinem Kind schon ein Lachsbrot mit in die Schule.
Er schlurfte hinüber, wühlte. Nichts. «Mist», dachte er. «Det is nich mein Tach heute. Da steht man am besten jar nich erst uff. Aber denn kommen die Bullen un verjagen einen. Na jut, werd ick zur Realschule marschieren.»
Kuttes Magen knurrte lauter.
«Sei ruhich», befahl er. «Krichst ja jleich wat.»
Er wühlte. Fand zwei in Alufolie gewickelte Schrippen – «is doch meen Jlückstach heute» -, wühlte weiter, zog eine viertelvolle Einliterflasche Cola heraus, eine halbleere Dose Red Bull, ein Überraschungsei, eine Sonnenbrille, deren linkes Glas verschrammt war, drei Sammelbilder für das Fußball-EM-Album mit René Adler – «wieso denn der», schoss es ihm durch den Kopf -, Miroslav Klose und Bastian Schweinsteiger. «Na nu», wunderte er sich. «Wat schmeißen die denn sowat wech?!»
Kutte mochte Schweini.
Des Weiteren fand er eine Barbiepuppe mit nur einem Bein, warf sie angewidert zurück.
Fand eine Tarotkarte.
«Wat is ‘n det? So’n Quatsch», stellte er fest. Warf sie wieder in den Abfallkorb.
Er steckte das eine Brötchen in die Jackentasche – «Wer weeß, wenn ick wieda wat finde» -, wickelte das andere aus, knüllte die Alufolie zusammen, warf sie zur Tarotkarte. Klappte das Brötchen auf, begutachtete die Jagdwurstscheibe, roch daran. «Na ja, jeht ooch» -, klappte es zu, biss hinein, schlurfte weiter.
Schlurfte zurück, griff in den Abfallkorb, holte die Tarotkarte heraus. Starrte sie an, steckte sie in die Hosentasche, wanderte zu seiner Parkbank. Aß seine Schrippe auf, schlenderte zum Springbrunnen, wusch sich die Hände, setzte die Sonnenbrille mit dem zerkratzten linken Glas auf, marschierte zurück, setzte sich, schlug das rechte Bein über das linke, zog die Tarotkarte aus der Hosentasche, betrachtete sie, die blauen Kugeln, die geschweiften Linien, die Ketten, die Frau, die das Schwert mit beiden Händen hielt …
«Uff wat für Einfälle die Leute kommen», wunderte er sich. «Wer kooft denn sowat? Und wozu?»
Er las die Zahl, die da in römischen Ziffern geschrieben stand, las das Wort am unteren Rand: Ausgleichung.
«Ausgleichung. Kenn ick nich. Ha ick ja noch nie jehört. Det jibt Jleichungen, Jleichberechtigung haha, Anjleichung, Ausjleich, Jleichheit, na ja, Jleichjüligkeit. Die kenn wa zu jenüje.»
Kutte saß auf seiner Parkbank, er rutschte hin und her, starrte auf die Karte, stand auf, setzte sich wieder, starrte auf die Karte, schaute hinüber zum Springbrunnen, auf die Karte in seiner Hand. Sah die neunundneunzig Luftballons, die in der Fontäne tanzten – hellblaue, babyblaue, südseehimmelblaue, blau wie Vergissmeinnicht, Gletschereis, Saphire, gestreift, gepunktet, kariert -, ging hinüber, ergriff die Strippe eines weißblauen, hob ab und schwebte. Er schwebte über das ICC, den Funkturm, über Fürstenfeldbruck und New York, die Wüste Gobi und den Angelfall, über den Atlantischen Ozean, über Vulkane und Eis, und er schwebte, und der Mond war sein Kumpel und die Sonne seine Braut, und die Planeten spielten um ihn her Ringelreihen, er kickte einen Satelliten gegen die Venus und schrie «Toooor», und rief zur ISS ein «Nasdarowje» hinüber; er spazierte mittenmang auf der Milchstraße, die Strippe des Luftballons fest in seiner rechten Hand, und sah die Galaxien Walzer tanzen, die Quasare Rock ‘n Roll, er fuhr auf einem Kometen Achterbahn und rodelte mit einer Sternschnuppe zurück zu Erde. -
Kutte plinkerte mit den Augen, klatschte mit der linken Hand eine Fliege fort, die sich auf sein rechtes Lid gesetzt hatte, verzog das Gesicht vor Schmerz, wälzte sich auf die andere Seite, fiel fast von der Parkbank, zuckte zusammen, erhob sich ächzend und starrte auf seine rechte Hand.
Und Kutte lachte.

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Jutta Miller-WaldnerJutta Miller-Waldner
Geb. 1942 in Berlin, zahlreiche Lyrik- und Kurzprosa-Publikationen in Zeitschriften und Anthologien, Lesungen in Deutschland, Spanien, Österreich und Ungarn, verschiedene literarische Würdigungen, Vorsitzende der IGdA, lebt als Autorin, Lektorin und Chefredakteurin von «IGdA-aktuell: Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik» in Berlin

Das Roman-Debüt

Veröffentlicht in Literatur, Neuheiten von Walter Eigenmann am 24. Mai 2008

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Albert Ostermaier: «Zephyr»

ZephyrParis 2002: Die Schauspielerin Marie Trintignant und Bertrand Cantat, Sänger der Rockband «Noir Désir», lassen sich als frisch Verliebte durch die Nächte treiben. Um sich nicht trennen zu müssen, begleitet er sie zu Dreharbeiten nach Vilnius. Sie spielt unter der Regie ihrer Mutter in einer Verfilmung des Lebens der Schriftstellerin Colette. Es kommt zu Eifersuchtsexzessen zwischen den beiden, er erschlägt sie und schläft umstandslos neben ihr ein. In einer Villa an der Côte d’Azur liegt Cathy auf dem Bett, sie scheint zu schlafen. Neben ihr Gilles, ihr Mann. Er hat den Auftrag zu einem Drehbuch über das Paar Marie-Bertrand.
Gilles fällt es immer schwerer, zwischen Wirklichkeit und Fiktion zu unterscheiden, zwischen den Schnitten ins Herz und denen seines Filmscripts, er überblendet, was er wahrnimmt, mit dem, was er vor seinem inneren Kameraauge sieht. Sein Leben läuft wie ein Film an ihm vorüber. Ist er selbst auch ein Mörder, oder schreibt er sich diese Rolle nur zu?
Albert OstermaierAlbert Ostermaiers erster Roman, erzählt im raschen Perspektivenwechsel, ist ein rasantes Gegenstück zum «Film Noir», ein dunkler Liebessong, dessen Rhythmus und Refrain den Leser in den Sog einer Geschichte ziehen. (Verlagsinfo)

Albert Ostermaier, Zephyr, Roman, Suhrkamp Verlag, 224 Seiten, ISBN 978-3518419588

Leseprobe

Wettbewerb für deutschsprachige Prosa

Veröffentlicht in Literatur, Literatur-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 23. Mai 2008

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1. Hohenemser Literatur-Preis

Kultur in HohenemsDas Kulturamt der Stadt Hohenems/A schreibt für 2009 erstmals den Hohenemser Literaturpreis für deutschsprachige AutorInnen nichtdeutscher Muttersprache aus. Der Preis richtet sich an AutorInnen jeden Alters, Geschlechts und Wohnortes.
Eingereicht werden können bis dahin nicht publizierte, deutschsprachige Prosatexte im Umfang von maximal zehn Seiten. Diese sollen «in literarisch überzeugender Weise nicht nur migrantische Erfahrungen, sondern in freier Themenwahl das Ineinandergreifen verschiedener kultureller Traditionen und biographischer Prägungen vor dem Hintergrund einer sich beständig wandelnden Gegenwart thematisieren – einer Gegenwart, in der Sprache und Literatur wie auch Identität keinesfalls als Konstanten anzusehen sind.»
Einsende-Schluss ist am 15. September 2008, die weiteren Einzelheiten sind hier nachzulesen.

Wettbewerb für Erzähl- oder Sachbücher

Veröffentlicht in Literatur, Literatur-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 21. Mai 2008

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Der Katholische Kinder- und Jugendbuch-Preis 2009

Deutsche BischofskonferenzDie Deutsche Bischofskonferenz vergibt im Jahr 2009 zum 20. Mal ihren mit 5′000 EUR dotierten Katholischen Kinder- und Jugendbuch-Preis. Der Preis wird verliehen für Bücher, die «beispielhaft und altersgemäß religiöse Erfahrungen vermitteln, Glaubenswissen erschließen und christliche Lebenshaltungen verdeutlichen.»
Verlage, Institutionen und Privatpersonen können Erzähl- oder Sachbücher (keine Manuskripte) in 10-facher Ausführung einreichen, die den genannten Kriterien entsprechen und aus dem Produktionsjahrgang 2008 stammen. Einsende-Schluss ist am 1. November 2008, die weiteren Einzelheiten erfährt man hier.

Lyrik-Wettbewerb für junge DichterInnen

Veröffentlicht in Literatur, Literatur-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 18. Mai 2008

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Leonce-und-Lena-Preis 2009

Alle zwei Jahre schreibt die Stadt Darmstadt ihren «Leonce-und-Lena-Preis» in Höhe von 8′000 EUR sowie die Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise in Höhe von insgesamt 8′000 EUR für deutschsprachige Lyrik aus.
2009 findet der Darmstädter «Literarische März» zum 16. Mal statt. Teilnahmeberechtigt sind deutschsprachige Autorinnen und Autoren, die nicht vor 1973 geboren sind. Es können bis zu zwölf unveröffentlichte Gedichte eingesandt werden.
Einsende-Schluss ist am 15. September 2008, die Wettbewerb-Details finden sich hier.

Das Schach-Alphabet

Veröffentlicht in Schach, Schach-Alphabet, Schach-Rätsel, Skachographie von Walter Eigenmann am 16. Mai 2008

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Buchstabe H – Weiß gewinnt

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Copyright 2008 by Walter Eigenmann / Glarean Magazin

Schach-Rätsel – Buchstabe H
Auflösung hier

Download aller acht Buchstaben (PGN & CBV/CBH)

Das Zitat der Woche

Veröffentlicht in Essays & Aufsätze, Peter Sloterdijk, Philosophie, Zitat der Woche von Walter Eigenmann am 15. Mai 2008

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Das moderne «Selbst» und die «Welt»

Peter Sloterdijk

In der Moderne brechen die Klammern, die im klassischen Denken Reflexion und Leben zusammenhielten, auseinander. Es wird uns immer deutlicher, daß wir im Begriff sind, für Selbsterfahrung und Welterfahrung den gemeinsamen Nenner zu verlieren. Sogar das ehrwürdige Postulat der Selbsterkenntnis gerät heute in den Verdacht, naiv gewesen zu sein, und was einst als Gipfel der Reflektiertheit erschien, steht heute dem Argwohn gegenüber, es sei womöglich nur eine Luftspiegelung, entstanden aus dem Mißbrauch der Reflexions-Metapher. Tatsächlich hat sich der weitaus größte Teil heutiger Objektkenntnisse von jeder Beziehung auf ein Selbst abgekoppelt und steht unserem Bewußtsein in jener ausdifferenzierten Sachlichkeit gegenüber, von der kein Weg mehr «zurück»gebogen wird zu einer Subjektivität. Peter Sloterdijk 2007Im modernen wissenschaftlichen Wissen erfährt nirgendwo ein Ich sich «selbst», und wo dieses sich noch über sich selber beugt, läßt es mit seiner offenkundigen Tendenz zur weltlosen Innerlichkeit die Realien hinter sich. So sind für das heutige Denken Innerlichkeiten und Äußerlichkeiten, Subjektivitäten und Sachen zu «fremden Welten» auseinandergefallen. Damit entfällt zugleich die klassische Prämisse des Philosophierens. Den Satz Erkenne dich selbst! verstehen die Modernen längst als Einladung zum Egotrip einer weltflüchtigen Ignoranz. Die moderne Reflexion spricht sich ausdrücklich die Kompetenz ab, Subjektivitäten bruchlos in objektive Welten einzubetten; was sie aufdeckt, ist vielmehr der Abgrund zwischen beiden. Das «Selbst» weiß sich auf geheimnisvolle Weise an eine «Welt» angeschlossen, ohne daß es sich in ihr im Sinne griechischer Kosmologie selbst erkennen könnte; und keine «vermittelnden» Instanzen wie Sozialpsychologie oder Neurophysiologie vermögen daran etwas zu ändern.
Die moderne Selbstreflexion kommt daher bei all ihren «Rück-biegungen» nicht mehr «nach Hause». Die Subjekte wissen sich weder in «sich» noch in ihren Umwelten als «bei sich daheim». Dem radikalen Denken der Moderne enthüllt sich am Selbst-Pol die Leere und am Welt-Pol die Fremdheit, und wie sich ein Leeres in einem Fremden «selbst» erkennen sollte, kann sich unsere Vernunft beim besten Willen nicht vorstellen. ♦

Aus: Peter Sloterdijk, Kritik der zynischen Vernunft, Suhrkamp 1983

Neues Test-Verfahren für Schach-Programme

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Der «Barometer»-Engine-Test (B-E-T)

Walter Eigenmann

 

Die Computerschach-Testergruppe CCRLSchon seit Jahren besteht die Hauptbeschäftigung der weltweit zahlreichen PC-Schach-Anwender darin, auf ihren heimischen Rechnern die mittlerweile hunderte von Schach-Engines mehr oder weniger systematisch gegeneinander antreten zu lassen, um aufgrund der Partien-Ergebnisse Rankings zu generieren. Denn in der internationalen (Computer-)Schach-Szene galt und gilt es bis heute als ausgemacht, dass die Spielstärke eines Schach-Programmes allein mit Hilfe von entsprechenden Turnieren zuverläßig zu ermitteln sei. Andere Verfahren der Rangierung wurden/werden praktisch einhellig als «zufällig», als «partikulär» oder gar als «subjektiv» kritisiert.
In vielwöchiger Arbeit – verteilt auf zwei Jahre – hat der Autor nun einen Stellungstest für Schach-Programme entwickelt, welcher die Rangliste der Engines genau so zuverläßig generiert wie die beiden Referenz-Turnier-Rankings der aktuellen Computerschach-Szene (nämlich CEGT und CCRL).
Die neue Test-Suite heißt B-E-T («Barometer Engine Test») und umfasst exakt 400 Schach-Aufgaben, die je innerhalb einer Minute zu lösen sind. Der «Barometer» benötigt also nur knapp sieben Stunden, um die definitive Spielstärke eines neuen Programmes zu eruieren. Das u.U. wochen- und monatelange zeitaufwändige Austragen abertausender Turnier-Partien allein zwecks Ermittlung der Engine-Performances ist damit Vergangenheit.
Positiv formuliert: Der B-E-T setzt Rechner- wie Human-Time-Ressourcen frei, welche inskünftig sinnvolleren Computerschach-Beschäftigungen als der (statistisch relevanten, aber schachlich meist völlig ignorierten Blitz-) Partien-«Produktion auf Halde» zugute kommen (könnten).
Unnötig zu erwähnen, dass selbstverständlich die Generierung von Engine-Engine-Partien, sofern sie mit langen Bedenkzeiten (=mind. 30Min/Engine) auf schneller Hardware gespielt werden und damit qualitativ hochstehendes Schach produzieren, nach wie vor wichtig ist, ja immer wichtiger wird. Denn je länger die Software-Entwicklung des Computerschachs andauert, umso klarer wird der gesamten Schach-Welt, dass mittlerweile das  ganz «hohe Schach» nicht mehr in den Säälen der Großmeister-Turniere, sondern in den Veranstaltungen des virtuellen «Freestyle-Chess» stattfindet – oder in absehbarer Zeit überhaupt nur noch auf den privaten 8-Cores-Maschinen.

Exkurs1: Die «Spielstärke»

Ein ewiger definitorischer Streitpunkt nicht in der weltweiten Schach-Community, aber in den Computerschach-Foren ist der Begriff der «Spielstärke». Die vorliegende Untersuchung verwendet diesen Terminus in einem pragmatischen Sinne – wie das in der gesamten Schach-Welt der Fall ist. Demnach nennt man beispielsweise Ex-Weltmeister-Kasparow (zurecht) deshalb den «stärksten Spieler» seiner Epoche, weil er mehr Turnier-Partien gegen seinesgleichen gewann als die anderen. Er war also nicht zwingend gleichzeitig der «stärkste Blitzer», der «stärkste Problemlöser», der «stärkste Kommentator», der «stärkste Eröffnungstheoretiker», etc. – aber er war der stärkste Turnier-Spieler, weltweit anerkannt als die Nummer Eins, und als solche mathematisch dokumentiert im internationalen Elo-System.
Die Dominanz Kasparows hat im aktuellen Computerschach ihr Analogon: Das Programm «Rybka» beherrscht zurzeit die Turnier-Szene unangefochten; es ist das also «spielstärkste» Programm. (Dabei ist es beispielsweise allenfalls Image-schädigend, aber ihre Performance nicht wirklich beeinflussend, dass diese «stärkste» Engine bis heute auch durchaus Peinlichkeiten produzieren kann, wie sie andere Spitzen-Programme nicht aufweisen (beispielsweise mangelhafte Unterverwandlung, oder spezifische Zugzwang-Probleme, oder ziemliche Defizite im Königsangriff, u.a.)
Eine wesentliche Komponente von «Spielstärke» ist zweitens – gerade, aber nicht nur im Zusammenhang mit Computerschach – die Schnelligkeit. Bereits Vidmar (in seinen legendären «Goldenen Schachzeiten») wies explizit darauf hin, dass «die Geschwindigkeit des Denkapparates» für den Erfolg in dem Zeit-Sport Schach entscheidend ist. Für den B-E-T heißt das, dass das schnellste Programm in einer bestimmten Stellung auch dann das «stärkste» heißt, wenn alle anderen (langsameren) Programme die Aufgabe genauso lösen. (Pointiert formuliert: Irgendwann findet auch die «dümmste» unter den Engines die Lösung…) Der «Barometer» relativiert allerdings diesbezüglich nicht weiter (im Gegensatz etwa zu differenzierteren, aber mit anderen Fehlern behafteten Auswertungsverfahren wie z.B. «EloStatTS» des Statistikers Frank Schubert), sondern addiert schlicht die richtigen Lösungen; Der B-E-T gibt ein Zeit-Fenster vor, und das vermag ein Programm einzuhalten – oder eben nicht einzuhalten.

Exkurs2: Der «beste Zug»

Für gehörige Begriffsverwirrung, und diesmal nicht nur in der Computerschach-Szene, sorgt eine zweite, ebenso häufig wie nebulös benützte Vokabel: jene des sog. besten Zuges. Der Grundsatz-Streit, ob – wie z.B. Tarrasch proklamierte – jede Schach-Stellung (auch die vordergründig völlig «ausgeglichene») einen objektiv «einzigen besten» Zug aufweise, den es zu finden gelte, ist alt. Nun kann für den menschlichen Turnier-Kämpfer die Maxime, nach diesem «Einzigen» zu fahnden, nur schon aus Zeit-Gründen nicht gelten. Vielmehr beziehen bekanntlich moderne Großmeister nicht nur ihr theoretisches, sondern konsequent ebenso ihr Wissen über die spezifischen (auch psychologischen) Stärken und Schwächen der Gegnerschaft mit in die Zug-Auswahl ein.
Anders beim computerisierten Schach – zumal im Zusammenhang mit einer Aufgaben-Sammlung: Hier ist die Forderung nach dem «Einzigen Besten» nicht nur legitim, sondern sogar zwingend. Denn es gilt (ohnehin jenseits aller Psychologie) die Zufälligkeiten der Engine-typischen Zug-Generierung, resultierend aus meist «vager» Bewertung nach Bauerneinheiten, dergestalt zu umgehen, dass sich der gesuchte von den Kandidaten-Zügen «deutlich» abhebt, damit die Test-Stellung aussagekräftig wird.
«Praktisch gleich gute Züge» können schachlich interessant oder amüsant sein (und z.B. im Fernschach durchaus zur Plan-Findung durch den Menschen beitragen), sind aber als Test-Grundlage für Schach-Programme völlig ungeeignet, weil sie die «Entscheidung», den «Willen», das «wahre» Rechen-Ergebnis einer Engine nicht unmissverständlich und definitiv dokumentieren, sondern der präferierte Zug zum Zufalls-Produkt auch außerschachlicher Prozesse (Hardware-technische «Unebenheiten», Hintergrund-Aktivitäten, Memory-Nutzung u.a.) werden kann.

Dieses Problem der Nichtreproduzierbarkeit von Test-Ergebnissen wird noch verschärft durch die modernen Multi-CPU-fähigen Engines; schon bald nach Erscheinen der ersten Dual- und Quad-Geräte wurde klar, dass manchmal Partie-Züge in gleichen Stellungen bei manchen Programmen unter sonst gleichen Bedingungen unterschiedlich ausfallen (Siehe dazu auch einen im technischen Kern richtigen, aber  in seinen Schlussfolgerungen irrational übertriebenen Artikel von Lars Bremer: Chaos-System Deep Engine, CSS-Online 2007).
Das Phänomen kann jedenfalls (von einem Stellungstest-Autor) grundsätzlich ignoriert werden. Denn erstens sind die angesprochenen Verwerfungen sehr selten (sprich auf ein paar hundert Stellungen und hundert Engines schätzungsweise in 15-20 Fällen vorkommend, wie entspr. Meldungen in einschlägigen Foren sowie eigene Stichproben nahelegen), und zweitens kann es durch die (schon oben angesprochene) sorgfältige Selektion «deutlich bester» Züge praktisch eliminiert werden. Drittens fängt allein schon ein je großzügig bemessenes Zeitfenster – in unserem Falle: 60 Sek./Zug – solche Verwerfungen in der Zug-Suche auf. Denn auch MP-Schach-Engines sind mitnichten Chaoten mit zufälligen Produkten: Eine MP-Engine wird, wie jede praktische Erfahrung beweist, immer stärker Schach spielen als ihr Single-Pendant, sofern sie hardwareseits gut adaptiert wurde.
(Sobald die 400 Aufgaben-Stellungen allgemein verfügbar sind, wird es für interessierte Tester ein Leichtes sein, das Ausmaß dieser «Nicht-Reproduzierbarkeit» im Experiment nachzuprüfen, indem die fraglichen MP-Engines je drei Mal (besser 5-7 Mal) den B-E-T zu durchlaufen haben. Dabei dürfte es jedesmal zu leicht abweichenden Gesamt-Lösungszahlen kommen, aber unterm Strich (= im Durchschnitt) werden sich die Ergebnisse die Waage halten, wie der Autor überzeugt ist. Dass also schließlich eine ganz andere Rangliste als die untenstehende resultiert, ist zwar theoretisch nicht unmöglich – aber extrem unwahrscheinlich.) 
Kurzum: Erfolgreiches Spielen heißt grundsätzlich, einerseits gute Züge zu finden und andererseits schlechte Züge zu vermeiden – in diesem Grundsatz unterscheiden sich Mensch und Maschine nicht; Das bessere Programm findet insgesamt mehr beste Züge, und das insgesamt schneller, als das schlechtere – und genau dies zu dokumentieren ist Aufgabe eines sorgfältig konzipierten Computerschach-Stellungstests.
 

Genesis eines Stellungstests

Ausgangspunkt meiner Beschäftigung mit dem B-E-T war die Frage, welchen Grad an (computer-)schachlicher Repräsentanz ein paar hundert Aufgaben-Stellungen aufweisen müssen/können, damit die jeweilige Summe der von einem Programm erzielten Lösungen stark mit jenem Rang korreliert, den dieses Programm im durchschnittlichen Turnier-Betrieb innehat. Dieser «durchschnittliche» Rang wird ausgewiesen in den «Elo»-Ergebnissen, welche die beiden weltweit meistkonsultierten und zuverläßigsten, weil statistisch abgesicherten und dabei sowohl personell wie organisatorisch unabhängig voneinander agierenden Engine-Test-Organisationen CEGT und CCRL liefern. Die Zielsetzung war also, dass die Engine-Ergebnisse des B-E-T in keinem Falle einen höheren Abweichungsgrad aufweisen, als ihn eine Engine im direkten durchschnittlichen Vergleich dieser beiden Referenz-Ranglisten aufweist.
Nun war dem Problem mit mehr oder weniger wahllosem Engine-«Ausprobieren» von ein paar hundert Schachstellungen grundsätzlich nicht beizukommen. Angesichts so hochkomplexer Wirkungsketten, wie sie Schachpartien-Züge darstellen, würde einen Sterblichen das schiere Material erschlagen, und stünden ihm auch zwanzig Hochleistungs-Computer gleichzeitig zur Verfügung.
Die Lösung lag vielmehr da, wo sie auch jeder Großmeister sehr erfolgreich findet: in der Typisierung. Es galt, die insbesondere computer-schachlich relevanten Stellungs-Muster so systematisch wie möglich zu katalogisieren: Taktisch bereinigte, analoge Zug- bzw. Züge-Elemente wurden zu übergeordneten Motiven zusammengefasst; diese miteinander verwandten Motiv-Bündel wiederum ergaben ein neuerlich übergeordnetes Paradigma. Das heißt also, dass jede Aufgabe des B-E-T quasi als Paradigma fungiert, welches seinerseits eine Reihe von taktisch verschiedenen, aber «im Kern» analogen, also von ihrer schachlichen «Idee» her grundsätzlich austauschbaren Motive subsumiert. Dies Verfahren ist stark an das vielgerühmte «Muster-Denken» aller Meisterspieler angelehnt. Auf diese Weise lassen sich noch am ehesten die Miriaden von Schach-Zugmöglichkeiten bändigen bzw. durch ein paar hundert Stellungen repräsentieren.
Hierzu waren selbstverständlich eine Menge Recherchen vonnöten. Neben vielerlei moderner Schach-Lektüre war mir hier  insbesondere der große Systematiker Max Euwe mit seinem 750-seitigen »Mittelspiel» hilfreich; die methodische Akribie in diesem Wälzer ist m.E. immer noch unerreicht. Rein vom Katalogisieren her konsultierte ich sodann ein zweites einschlägiges Kompendium, nämlich die Polgar-Enzyklopädie «ChessMiddleGames» (siehe deren Inhaltsverzeichnis unten) – obschon daraus kaum eine der rund 4′000 Positionen in meinem Test auftaucht, weil erstens eine Suite mit vorwiegend erstmals von mir veröffentlichten Aufgaben entstehen sollte, zweitens der grössere Teil der Test-Stellungen aus spezifischen Computerschach-Partien stammen musste, und drittens viele dieser Polgar-Aufgaben (gemäß zahlreichen Stichproben) nicht 100%ig korrekt sind.
Was wiederum das Computerschach-Material betrifft, nutzte ich sehr ausgedehnt die sog. COMP2007, deren (bei fast 700′000 Partien) umfassende Sammlung von ausschließlich Games mit längeren und langen Bedenkzeiten auf sehr langsamer bis sehr schneller Hardware ideal für meine Stellungs-Recherchearbeit war. Hinsichtlich des Endspiels durchforstete ich – neben zahlreichen Computer- und Fernschach-Partien – schließlich die große Studien-Datenbank von H. Van Der Heijden; deren Kompositionen präsentieren, wo sie auf technisch hohem Niveau daherkommen, die «Idee», den thematischen Kern eines Endspieles oft in besonders «reiner», unverschnörkelter Form, womit sie sehr geeignet sind für Computerschach-Tests. Dabei wurde allerdings auf größtmögliche Realitätsnähe geachtet; bis auf wenige Ausnahmen hätten die fraglichen Stellungen problemlos auch in tatsächlich gespielten Computer- oder Menschen-Partien entstanden sein können. Die «Ausnahmen» betreffen v.a. spezifisch Computerschach-Technisches wie beispielsweise «Zugzwang»-, «Horizont»- oder «Nullmove»-Probleme, welche gerade mit Studien hervorragend untersucht werden können.

Bedenkzeit: 60 Sekunden pro Stellung

Für eine Computerschach-Testsuite ist die Dauer der Bedenkzeit pro Aufgabe von wesentlicher Bedeutung – zumal dann, wenn mehrere hundert Stellungen von möglicherweise mehreren hundert Programmen getestet werden sollen… Hier verfolgte ich einen pragmatischen bzw. praktikablen Ansatz, denn zum einen soll der «Barometer» ein «Über-Nacht-Test» sein, der Resultate nach wenigen Stunden liefert; andererseits muss pro Aufgabe eine hohe Stabilität der Zug-Generierung gewährleistet sein; drittens soll die Bedenkzeit einigermaßen mit jener zu tun haben, die im durchschnittlichen Engine-Turnier-Betrieb der internationalen Computerschach-Community – namentlich der beiden erwähnten CEGT- und CCRL-Tester-Gruppierungen – favoritisiert wird; und schließlich war die aktuelle Hardware bzw. deren Entwicklung zu berücksichtigen.
Um allen diesen vier Punkten zu genügen, wurde der B-E-T – mittels recht ausgedehntem Stichproben-Experimentieren mit ein paar sehr starken wie sehr schwachen Engines auf einem (eher gemütlichen) «Athlon64/3000+» – auf eine Bedenkzeit von 60 Sekunden pro Stellung «geeicht». (Übrigens enthält der «Barometer» auch ca. zwei Dutzend extrem schwierige, vornehmlich strategische Aufgaben, die wahrscheinlich in absehbarer Zukunft von keinem Schachprogramm gelöst werden dürften).
Der Einfluss der Partie-Bedenkzeiten auf die Turnier-Ränge eines Schach-Programmes wird im übrigen immer wieder überschätzt. Hierzu sei eine eigene kleine Untersuchung zitiert (siehe hier ), welche das Fazit hat, dass sogar der Unterschied zwischen langer Turnier- und kurzer Blitz-Bedenkzeit nur in Ausnahmefällen relevant auf die Ranglisten durchschlägt. Mehr noch: Bei einer statistisch ausreichenden Anzahl Partien sind überhaupt Match-Details wie Rechner-Typen, Programm-Parameter, Pondering-Einstellungen, Eröffnungsbücher, Endspiel-Datenbanken oder die Hash-Größen von sekundärer Bedeutung.

Der B-E-T in der Praxis

Dem Autor steht seit kurzem (anfangs Mai 2008) ein No-Name-Dual-Core6400-Gerät (mit Vista-Home/32bit, 128Mb Hash, 3-6 Nalimov-, Shredder- & EGBB-Bases, «Arena»-, «Fritz»- & «Shredder»-GUIs) zur Verfügung, und inzwischen hat er mit der Test-Arbeit bzw. der Generierung der entspr. Rangliste begonnen (siehe unten). (Ich behalte mir allerdings vor, nicht absolut jede kommerzielle Engine-Neuheit zu kaufen… :-)
Diese Rangliste wird über einen längeren Zeitraum hinweg ständig aktualisiert werden; für interessierte Computerschach-Freunde und Programmierer dürfte es sich also lohnen, hier regelmäßig reinzuschauen. Die 400 Aufgaben sind zurzeit nur privat, da die (in der Vergangenheit immer wieder bestätigte) «Gefahr» besteht, dass manche Programmierer der Verlockung nicht widerstehen können (= ihre Engines gezielt auf die bekannten Stellungstests zu tunen pflegen…) Zu gegebenem Zeitpunkt wird aber der B-E-T selbstverständlich (inklusive Analysen sowie PGN-&EPD-Files) zum Gratis-Download angeboten werden.

Wie ist das nachstehende Ranking grundsätzlich zu interpretieren?
Der B-E-T kann (und will) seine Rangierungen nicht so differenzieren wie z.B. Listen, die nach Arpad Elos berühmter Formel berechnet wurden (siehe u.a. die oben erwähnten CEGT- und CCRL-Ranglisten). Der «Barometer»-Test erlaubt aber Aussagen wie: «Engine A ist ungefähr gleich stark wie Engine B», «Engine C ist deutlich schwächer als Engine C», «Engine D ist etwas stärker als Engine E». Dabei entsprechen ca. 0-5 BET-Punkte der Charakterisierung «ungefähr gleich stark», 6-10 BET-Punkte «etwas stärker/schwächer» und 11-n BET-Punkte «deutlich stärker/schwächer».
Der B-E-T zeigt also das relative Spielstärke-«Umfeld» eines Programmes an, ohne absolute Vergleiche anzustellen; dementsprechend sind auch die Abstände der Engines cum grano salis zu nehmen. Aber selbstverständlich kann dort von einem massiven Spielstärke-Unterschied ausgegangen werden, wo eine BET-Differenz mehr als 40 Punkte beträgt.

Die Computerschach-Rangliste gemäß B-E-T

    Programm                       Lösungen
001 Rybka 2.3.2a x32 2CPU          273
002 Rybka 2.3.2a x32 1CPU          263
003 Zappa Mexico II x32 2CPU       249
004 Naum 3 x32 2CPU                248
005 Zappa Mexico x32 2CPU          244
006 Deep Shredder 11 x32 2CPU      244
007 Toga II 1.4.2JD x32 2CPU       240
008 Fritz 11 CB x32 1CPU           237
009 Glaurung 2.1 x32 2CPU          237
010 Hiarcs 11.2 x32 1CPU           230
011 Deep Shredder 11 x32 1CPU      229
012 Fritz 10 CB x32 1CPU           229
013 Loop 13.6 x32 2CPU             228
014 Toga II 1.3.1 x32 1CPU         224
015 Fruit 05/11/03 x32 1CPU        224
016 Bright 0.3a x32 2CPU           224
017 Spike 1.2 Turin x32 2CPU       223
018 Zappa Mexico x32 1CPU          222
019 Shredder 10 x32 1CPU           222
020 Rybka WinFinder 2.2 x32 1CPU   221
021 Fritz 9 x32 1CPU               219
022 Deep Sjeng 2.7 x32 2CPU        218
023 Bright 0.2c x32 2CPU           218
024 Glaurung2 eps/5 x32 2CPU       217
025 Hiarcs 10.0 x32 1CPU           216
026 Spike 1.2 Turin x32 1CPU       201
027 Deep Sjeng 2.7 x32 1CPU        201
028 Chessmaster11000 x32 2CPU      201
029 Junior 10.1 CB x32 1CPU        196
030 Ktulu 8.0 x32 1CPU             194
031 Bright 0.2c x32 1CPU           194
032 Glaurung2 eps/5 x32 1CPU       192
033 Naum 2.0 x32 1CPU              191
034 Chess Tiger 2007.1 x32 1CPU    190
035 Frenzee Feb08 x32 1CPU         190
036 SmarThink 1.00 x32 1CPU        189
037 Junior 9 CB x32 1CPU           183
038 Alaric 707 x32 1CPU            181
039 Pharaon 3.5.1 x32 2CPU         181
040 Movei 0.08.438 x32 1CPU        179
041 Gandalf 6.0 x32 1CPU           178
042 Chessmaster10000 x32 1CPU      173
043 WildCat 8 x32 1CPU             171
044 Ruffian 2.1.0 x32 1CPU         164
045 SlowChessBlitzWV2.1 x32 1CPU   162
046 Pharaon 3.5.1 x32 1CPU         160
047 Pro Deo 1.2 x32 1CPU           153
048 WildCat 7 x32 1CPU             153
049 Aristarch 4.50 x32 1CPU        153
050 The Baron 1.8.1 x32 1CPU       153
051 Crafty 20.14 CB x32 2CPU       150
052 Anaconda 2.0.1 CB x32 1CPU     150
053 SOS 5.1 x32 1CPU               150
054 Colossus 2007a x32 1CPU        146
055 Alfil 8.11 x32 1CPU            140
056 Hermann 2.3 x32 2CPU           136
057 Crafty 20.14 CB x32 1CPU       136
058 Nimzo 8 CB x32 1CPU            134
059 Yace 0.99.87 x32 1CPU          130
060 Quark 2.35 x32 1CPU            129
061 Amyan 1.597 x32 1CPU           125
062 Gaia 3.5 x32 1CPU              125
063 AnMon 5.60 x32 1CPU            124
064 Delphil 1.9 x32 1CPU           117
065 Twisted Logic 20080404x/32/1   112
066 Cyrano 0.4 x32 1CPU            112
067 Comet B68 CB x32 1CPU          109
068 Djinn 0.925x x32 1CPU          105
069 NanoSzachy 3.3 x32 1CPU        104
070 Cheese 1.2 x32 1CPU            102
071 Homer 2.0 x32 1CPU             099
072 Caligula 0.3b x32 1CPU         093
073 Doctor? 3.0 CB x32 1CPU        090
074 ZCT 0.3.2447 x32 1CPU          082
075 Arion 1.7 x32 1CPU             081
076 Resp 0.19 x32 1CPU             081
077 FireFly 2.5 x32 1CPU           081
078 BikJump 1.7 x32 1CPU           081
079 Uralochka 1.1b x32 1CPU        079
080 GreKo 5.7 x32 1CPU             070
081 BSC 0.3 x32 1CPU               068
082 Bambam CB x32 1CPU             066
083 Wing 2.0a x32 1CPU             065
084 Mint 2.3 x32 1CPU              063
085 Ifrit B2.1 x32 1CPU            062
086 ECE 0.3 x32 1CPU               061
(Stand: 14.Juni 2008 - Die Testarbeit am B-E-T wurde bis auf weiteres eingestellt)
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Das Glarean-Musik-Kreuzworträtsel

Veröffentlicht in Musik, Musik-Rätsel, Rätsel von Walter Eigenmann am 12. Mai 2008

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Musik-Kreuzworträtsel Nr 01

Das Schach-Alphabet

Veröffentlicht in Schach, Schach-Alphabet, Schach-Rätsel, Skachographie von Walter Eigenmann am 9. Mai 2008

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Buchstabe G – Weiß hält remis

schach-buchstabenraetsel_g_glarean-magazin.jpg

Copyright 2008 by Walter Eigenmann / Glarean Magazon

Schach-Rätsel – Buchstabe G
Auflösung hier

In der nächsten Woche: Buchstabe H

Der Download aller acht Buchstaben (PGN & CBV/CBH)

Das neue «Glarean»-Sudoku

Veröffentlicht in Spielwiese, Sudoku von Walter Eigenmann am 8. Mai 2008

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Das Sudoku im Mai

Copyright by Glarean Magazin 2008

Auflösung hier

Wettbewerb für junge Komponisten

Veröffentlicht in Musik, Musik-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 7. Mai 2008

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Zeitgenössische Musik für Laien

Landesmusikrat BremenSeit 1998 führt der Landesmusikrat Bremen einen Wettbewerb für junge Komponisten aus der Region durch. Der Wettbewerb wird in 2-jährigem Turnus ausgeschrieben mit dem Ziel, mehr zeitgenössische Musik für Laienensembles zu schaffen. Es wird auf Grund eingereichter Partituren ein Kandidat ausgewählt, der einen Kompositionsauftrag erhält «mit der Auflage, das Stück in enger Fühlungnahme mit einem Ensemble seiner Wahl zu entwickeln. Auf diese Weise erhofft man sich einerseits einen Abbau der Schwellenängste bzgl. zeitgenössischer Musik und andererseits das Entstehen von neuen Werken, die auf die Aufführungspraxis von Laienensembles bewussten Bezug nehmen.» Einsendeschluss ist am 31. August 2008, die weiteren Details finden sich hier.

Das neue Streichholz-Rätsel

Veröffentlicht in Rätsel, Spielwiese, Streichholz-Rätsel von Walter Eigenmann am 7. Mai 2008

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Durch Umlegen von vier Streichhölzern soll eine Figur mit fünf Quadraten entstehen

Auflösung hier

Cartoon der Woche

Veröffentlicht in Adolf Oberländer, Cartoons, Grafik, Humor, Musik von Walter Eigenmann am 6. Mai 2008

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Adolf Oberländer

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Das Zitat der Woche

Veröffentlicht in Konrad Lorenz, Kultur&Gesellschaft, Wissenschaft, Zitat der Woche von Walter Eigenmann am 4. Mai 2008

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Über den Kampf der Generationen

Konrad Lorenz

 

Es ist eine recht beunruhigende Tatsache, daß die heutige jüngere Generation ganz unzweideutig beginnt, die ältere als eine fremde Pseudo-Spezies zu behandeln.
Dies drückt sich in vielerlei Symptomen aus. Konkurrierende und feindliche ethnische Gruppen pflegen in betonter Weise verschiedene Trachten auszubilden oder ad hoc zu schaffen. In Mitteleuropa sind ortskennzeichnende Bauerntrachten längst verschwunden, nur in Ungarn sind sie überall dort in vollster Ausbildung erhalten geblieben, wo ungarische und slowakische Dörfer dicht nebeneinanderliegen. Dort trägt man seine Tracht mit Stolz, und zwar ganz eindeutig mit der Absicht, die Mitglieder der anderen ethnischen Gruppen zu ärgern. Genau dies tun sehr viele selbst­konstituierte Gruppen rebellierender Jugendlicher, wobei es ganz erstaunlich ist, wie sehr sich bei ihnen – trotz angeblicher größter Ablehnung alles Militärischen – der Drang zur Uniformierung durchsetzt. Die verschiedenen Untergruppen der Beatniks, Teddyboys, Rocks, Mods, Rockers, Hippies, Gammler usw. sind dem «Fachmann» an ihrer Tracht ebenso sicher erkennbar, wie die Regimenter des kaiserlich-königlich österreichischen Heeres es einmal waren.
In Sitten und Gebräuchen sucht die rebellierende Jugend sich ebenfalls so scharf wie nur möglich von der Elterngeneration zu distanzieren, und zwar nicht etwa dadurch, daß sie deren herkömmliches Verhalten einfach ignoriert, sondern indem sie jede kleinste Einzelheit wohl beachtet und in das genaue Gegenteil verkehrt. Darin liegt zum Beispiel eine der Erklärungen für das Auftreten sexueller Exzesse bei Menschengruppen, deren allgemeine sexuelle Potenz anscheinend erniedrigt ist. Ebenfalls nur aus dem intensiven Wunsch nach Durchbrechung elterlicher Verbote zu erklären ist es, wenn rebellierende Studenten öffentlich urinieren und defäkieren, wie das an der Wiener Universität vorgekommen ist.
Die Motivation all dieser merkwürdigen, ja bizarren Verhaltensweisen ist den betreffenden jungen Menschen völlig unbewußt, und sie geben die verschiedensten, oft recht überzeugend klingenden Pseudo-Rationalisierungen für ihr Benehmen an: Sie protestieren gegen die allgemeine Gefühllosigkeit ihrer reichen Eltern, für Arme und Hungernde, gegen den Krieg in Vietnam, gegen die Eigenmächtigkeit der Universitätsbehörden, gegen sämtliche «Establishments» aller Richtungen – wenn auch merkwürdig selten gegen die Vergewaltigung der Tschechoslowakei durch die Sowjetunion. In Wirklichkeit aber richtet sich der Angriff ziemlich wahllos gegen alle älteren Menschen, ohne irgendwelche Berücksichtigung ihres politischen Bekenntnisses. Die linksradikalsten Professoren werden von linksradikalen Studenten nicht merklich weniger beschimpft als rechts orientierte; H. Marcuse wurde einmal von kommunistischen Studenten unter der Führung Cohn-Bendits in der gröblichsten Weise beschimpft und mit wahrhaft hirnerweichten Anschuldigungen überhäuft, zum Beispiel wurde ihm vorgeworfen, daß er vom CIA bezahlt werde. Der Angriff war nicht dadurch motiviert, daß er einer anderen politischen Richtung, sondern ausschließlich dadurch, daß er einer anderen Generation angehört.
Verhaltensforscher Lorenz mit GänsenEbenso unbewußt und gefühlsmäßig versteht die ältere Generation die angeblichen Proteste als das, was sie wirklich sind, als haßerfüllte Kampfansagen und Beschimpfung. So kommt es zu einer rapiden und gefährlichen Eskalation eines Hasses, der – wie schon gesagt – wesensverwandt mit dem Haß verschiedener ethnischer Gruppen, d. h. mit nationalem Haß ist. Selbst als geübter Ethologe finde ich es schwer, auf die schöne blaue Bluse des wohlsituierten Kommunisten Cohn-Bendit nicht mit Zorn zu reagieren, man braucht nur den Gesichtsausdruck solcher Leute zu beobachten, um zu wissen, daß diese Wirkung erwünscht ist. All dies verringert die Aussichten auf eine Verständigung auf ein Minimum.
Sowohl in meinem Buch über Aggression (1963) wie in öffentlichen Vorträgen (1968, 1969) habe ich die Frage diskutiert, worin wahrscheinlich die ethologischen Ursachen des Generationen-Krieges zu suchen seien, ich kann mich daher hier auf das Allernötigste beschränken. Dem ganzen Erscheinungskreise liegt eine Funktionsstörung des Entwicklungsvorganges zugrunde, der sich beim Menschen in der Pubertätszeit abspielt. Während dieser Phase beginnt sich der junge Mensch von den Traditionen des Elternhauses zu lösen, sie kritisch zu prüfen und Umschau nach neuen Idealen zu halten, nach einer neuen Gruppe, der er sich anschließen und deren Sache er zu der seinen machen kann. Der instinktive Wunsch, für eine gute Sache auch kämpfen zu können, ist für die Objektwahl ausschlaggebend, besonders bei jungen Männern. In dieser Phase erscheint das Altüberkommene langweilig und alles Neue anziehend, man könnte von einer physiologischen Neophilie sprechen.
Ohne allen Zweifel hat dieser Vorgang einen hohen Arterhaltungswert, um dessentwillen er in das phylogenetisch entstandene Programm menschlicher Verhaltensweisen aufgenommen wurde. Seine Funktion liegt darin, der sonst allzu starren Überlieferung kultureller Verhaltensnormen einige Anpassungsfähigkeit zu verleihen, und ist hierin etwa der Häutung eines Krebses zu vergleichen, der sein starres Außenskelett abwerfen muss, um wachsen zu können. Wie bei allen festen Strukturen, muß auch bei der kulturellen Überlieferung die unentbehrliche Stützfunktion durch den Verlust von Freiheitsgraden erkauft werden, und wie bei allen anderen bringt der Abbau, der um jeder Umkonstruktion willen nötig wird, bestimmte Gefahren mit sich, da zwischen Ab- und Neuaufbau notwendigerweise eine Periode der Halt- und Schutzlosigkeit liegt. Dies ist bei dem sich häutenden Krebs und beim pubertierenden Menschen in analoger Weise der Fall.
Normalerweise folgt auf die Periode der physiologischen Neophilie ein Wiederaufleben der Liebe zum Althergebrachten. Das kann ganz allmählich vor sich gehen, die meisten von uns Älteren können Zeugnis davon ablegen, daß man mit Sechzig eine weit höhere Meinung von vielen Anschauungen seines Vaters hat als mit Achtzehn. A. Mitscherlich nennt dieses Phänomen treffend den »späten Gehorsam«. Die physiologische Neophilie und der späte Gehorsam bilden zusammen ein System, dessen systemerhaltende Leistung darin liegt, ausgesprochen veraltete und neuer Entwicklung hinderliche Elemente der überlieferten Kultur auszumerzen, ihre wesentliche und unentbehrliche Struktur indessen weiter zu bewahren.

(Aus Konrad Lorenz: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit, Piper-Verlag 1973)

Das neue Literatur-Kreuzworträtsel

Veröffentlicht in Literatur, Literatur-Kreuzworträtsel, Rätsel von Walter Eigenmann am 3. Mai 2008

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Literatur-Rätsel Mai 2008

Das Schach-Alphabet

Veröffentlicht in Schach, Schach-Alphabet, Schach-Rätsel, Skachographie von Walter Eigenmann am 2. Mai 2008

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Buchstabe F – Weiß hält remis

schach-buchstabenraetsel_f_glarean-magazin.jpg

Copyright by Walter Eigenmann / Glarean Magazin 2008

 

Schach-Rätsel – Buchstabe F
Auflösung hier

In der nächsten Woche: Buchstabe G

Der Download aller acht Buchstaben (PGN & CBV/CBH)

Wer bin ich?

Veröffentlicht in Frauen-Schach, Partien, Schach, Wer bin ich?, Women Power von Walter Eigenmann am 1. Mai 2008

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Women Power (III)

wer-bin-ich_mai08.jpgMan nannte mich das größte Naturtalent, welches das Frauen-Schach meines Landes je hervorgebracht habe. Einer der imposantesten Triumphe in meiner noch jungen Karriere war sicher der Gewinn der Junioren-Weltmeisterschaft in Istanbul. (Die Jugend-Weltmeisterschaft U18 hatte ich bereits drei Jahre zuvor in den Palmarés-Kranz gehängt.)
Inzwischen habe ich trotz meines jungen Alters (Jhg. 1985) schon mit einer ganzen Reihe hochprominenter (Schach-)Größen in ernsthaften oder auch Show-Wettkämpfen die Klingen gekreuzt: Zu meiner illustren Gegnerschaft zählten u.a. die Klitschko-Box-Brüder, Moderator Harald Schmidt oder auch das Schach-Genie Garry Kasparow.
Man sagt mir eine besondere Portion zähen Ehrgeiz nach – und dieser zahlt sich u.a. in langwierigen Endspielen aus, wie beispielsweise in dem folgenden gegen die äußerst starke, heute erst 14 Jahre junge und doch bereits als die Nummer Fünf der aktuellen Frauen-Weltrangliste rangierende Chinesin Hou Yifan (mit Schwarz). Man beachte ebenfalls das vorausgehende Läufer-Manöver im 21. Zug, welches eine Reihe vorteilhafter Abtausche einleitet.

wer-bin-ich-mai08_diagramm.jpg

Also: Wer bin ich?