Glarean Magazin

Heute vor … Jahren

Posted in Essays & Aufsätze, Heute vor ... Jahren, Joseph Haydn, Musik, Walter Eigenmann by Walter Eigenmann on 30. April 2008

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«Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde»

Über Joseph Haydns Oratorium «Die Schöpfung»


Walter Eigenmann

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Die Schöpfung - Zweisprachige Erstausgabe 1800Am Abend des 30. April 1798 wohnt ein illustrer, allerdings nur privat geladender Kreis von Adeligen und Musik-Freunden, von «Gönnern und Kennern», quasi das gehobene Tout-Wien im fürstlichen Palais des Joseph Schwarzenberg der ersten Aufführung eines Werkes bei, das zum Inbegriff der Nach-Händelschen Oratorien-Komposition schlechthin wird, und das zum noch heute populärsten Stück seines Komponisten avanciert: «Die Schöpfung» von Joseph Haydn.
Hell begeistert reportiert der damalige Wiener Korrespondent des «Neuen teutschen Merkur» seine Eindrücke von diesem Konzert, bei dem Haydn dirigiert und Salieri am Flügel sitzt, nach Weimar: «Schon sind drei Tage seit dem glücklichen Abende verflossen, und noch klingt es in meinen Ohren, in meinem Herzen, noch engt der Empfindungen Menge selbst bey der Erinnerung die Brust mir. [...] Die Musik hat eine Kraft der Darstellung, welche alle Vorstellung übertrifft; man wird hingerissen, sieht der Elemente Sturm, sieht es Licht werden, die gefallenen Geister tief in den Abgrund sinken, zittert beym Rollen des Donners, stimmt mit in den Feyergesang der himmlischen Bewohner. Die Sonne steigt, der Vögel frohes Lob begrüsst die steigende; der Pflanzen Grün entkeimt dem Boden, es rieselt silbern der kühle Bach, und vom Meersgrund auf schäumender Woge wälzt sich Leviathan empor.»

Das Oratorium

Joseph Haydns «Die Schöpfung» (im Verbund mit seinem zweiten Oratorium «Die Jahreszeiten» / 1801) leitet eine Wende ein in der europäischen Oratorien-Geschichte bis zur frühen Wiener Klassik. Haydns weltweiter Erfolg begünstigte die Pflege des Oratoriums nun auch außerhalb des sakralen Raums, und der «Schöpfung» aufgeklärter Optimismus, ihr insgesamt unpathetischer, zwar tief-, aber nie trübsinniger Duktus und ihre theologisch mehr den Freuden denn den Leiden des Irdischen zugewandte, das «Positive» der Genesis betonende Grundhaltung – beispielsweise negieren Haydn und der Freimaurer Van Swieten den «Sündenfall» völlig! – spannt eine Entwicklungslinie über Mendelssohns «Elias» (1846) und Schumanns märchenhaftem Erlösungs-Mythos in «Paradies und Peri» (1843) bis zu Liszts «Legende von der heiligen Elisabeth» (1862) und deren ideeller Stoffnähe zu Wagners «Tannhäuser».
Auch in Frankreich bleibt das Oratorium (Drame sacré, Mystère) im 19. Jahrhundert populär: Berlioz mit «L’Enfant du Christ» (1854), aber auch Saint-Saens oder Franck schaffen nach wie vor weltweit aufgeführte interessante Stücke dieser Gattung mit einem großen Orchesterapparat und weiterentwickelter, «romantischer» Satz-Technik (beispielsweise Leitmotivik).
Ein Blick zurück in die Vor-«Schöpfungs»-Zeit sieht als frühestes Zeugnis oratorischen Komponierens die italienische «geistliche Oper» eines Cavalieri («Rappresentazione di anima e di corpo» / Rom 1600) mit Rezitativen, Chören und Tänzen die Gattung begründen. Zentrale Figur dieser «nicht-szenischen Oper» mit geistlicher Thematik ist der «Testo», welcher in Rezitativen (Tenor mit Generalbass) den Text bzw. die Handlung für die verschiedenen Musik-Nummern vorträgt, und dessen Stoffe direkt aus den beiden Testamenten oder aus den Heiligen-Legenden stammen.
Die neugedichteten Partien fallen dann den Solisten oder dem Chor zu. Exemplarisch für diese Strukturierung sind im 17. Jahrhundert Carissimi («Oratorio latino») und dessen Nachfolger Stradella und Charpentier (in Frankreich). A. Scarlattis «Neapolitanische Schule führt dann – wieder nach Opern-Vorbild – das Secco- und Accompagnato-Rezitativ sowie die Da-Capo-Arie ins Oratorium ein; Höhepunkt dieser Entwicklung ist Georg Friedrich Händel mit seinen Oratorien «Esther», «Messias», «Judas Maccabäus» u.a. Johann S. Bachs Weihnachts-Oratorium schließlich geht aus der Schütz-Tradition und dessen oratorienartigen «Historien» hervor.

Lukas Cranach d.Ä - Adam und Eva

Das 20. Jahrhundert sieht weder in stilistischer noch in formaler oder besetzungstechnischer Hinsicht eine Neu-Orientierung der Oratorien-Komposition. (Die Bezeichnung «Oratorium» ist übrigens abgeleitet vom frühen «Oratorio», dem Bet-Saal, wo Bibel-Lesungen und sonstige andächtige Betrachtungen – mit geistlichen Liedern, sog. «Lauden» – veranstaltet wurden.) Als großartige, teils gar szenisch aufführbare oratorische Werke wären für diesen Zeitraum mindestens Honeggers «Le roi David», Strawinskys «Oedipus rex» oder Schönbergs «Die Jakobsleiter» anzumerken. (W.E.)

Joseph HaydnDer «Empfindungen Menge» des emphatischen Schreibers bei dem neuesten Opus des inzwischen als Symphoniker und Kammermusik-Genie berühmten, vor kurzem von zwei England-Reisen endgültig nach Wien zurückgekehrten Komponisten wird von all jenen geteilt, die am 7. und 10. Mai 1798 die (erneut privaten) Wiederholungen des Konzertes hören. Knapp ein Jahr später, am 19. März 1799, löst die erste öffentliche Aufführung im Hof-Theater (mit einem Riesenapparat von über 180 Musikern, ganz nach Händels monumentalem Vorbild in der Westminster Abbey) genau dieselbe ungeheure Faszination aus – «Die Schöpfung» geht endgültig auf ihren Siegeszug durch alle Kirchen und Konzertsäle der Welt.
Wesentlichen Anteil nicht am Erfolg, aber am Entstehen des Oratoriums hat der niederländisch gebürtige Musik-Mäzen, einflussreiche Österreich-Diplomat, wohlhabende Konzert-Veranstalter, erfolglose Komponist und schließliche Präfekt der Kaiserlichen Hof-Bibliothek, Baron Gottfried van Swieten. Dieser umtriebige Aristokrat, dem alle drei Wiener Klassiker regelmäßig finanzielle Zuwendungen, Subskriptionen, Kompositions-Aufträge und Auftritts-Möglichkeiten verdanken, gründet Ende der 1780er Jahre mit einer Reihe von Adligen – darunter die Grafen bzw. Fürsten Esterhazy, Liechtenstein, Lobkowitz, Kinsky, Auersperg, Lichnowsky, Trauttmannsdorff, Sinzendorf und Schwarzenberg – seine musikalische (auch Freimaurer-)«Gesellschaft der Associierten», welche jährlich mehrere ihrer sog. «Akademien» veranstaltet und dabei Werk um Werk (von Bach bis Beethoven) aus der Taufe hebt. Für Haydn übersetzt Van Swieten – Librettist und musikalischer Idee-Lieferant zugleich – den ursprünglich englischen Oratorien-Libretto-Text eines (im übrigen nicht näher bekannten) Lidley – dessen Quellen seinerseits das Buch Genesis, die Psalmen sowie John Miltons Epos «Paradise Lost» bilden – ins Deutsche. Die Schöpfung der TiereDas Libretto folgt in seinen beiden ersten Teilen dem biblischen Schöpfungsbericht über die Erschaffung von Himmel und Erde, Wasser und Land, Pflanzen und Gestirnen sowie der Erschaffung von Tier und Mensch, wobei die drei Erzengel die traditionelle Erzähler-Rolle des «Historicus» innehaben. Miltons Dichtung grundiert bei Haydn dann den dritten, «paradiesisch-idyllischen» Teil als Zitaten-Sammlung.
Während rein Rahmen-formal die schon bei Händel zu standardisierter Ausprägung geführte, bei Händel auch szenisch-dramaturgisch durchkomponierte gattungsspezifische Abfolge von Soli-, Chor- und Orchester-Passagen beibehalten wird, geraten Haydn die stilistischen, harmonischen, melodischen und satz- wie orchestertechnischen Aspekte dieses seines berühmtesten Alters-Werkes zur musikgeschichtlich bisher beispiellosen Höchstleistung. Haydns naiv-volkstümliche Frömmigkeit (in notabene vernunftbetonter «Aufklärungs»-Zeit) kontrastiert hier mit einer kompositorischen Raffinesse und einer Ausdrucksweite wie -tiefe, die weit über die «geordnete Klarheit» der Klassik hinaus in die tonmalerische «Programm-Musik» der Spätromantik weisen. Auf die zahllosen berühmtgewordenen Passagen dieser Partitur – vom «Chaos»-Urnebel der Ouvertüre bis zum grandios überhöhenden «Amen»-Schlusschor, vom C-Dur-«Licht» bis zum «Löwengebrüll» des tiefen Kontrafagotts, von den «Pastoral-»Oboen über das «Donnergrollen» im Blech bis hin zum Mücken-Schwirren in Streicher-Tremoli – sei hier nicht eingegangen, sondern die kompositorische Innovation nur anhand des Aspektes «Dynamik» gestreift, denn letztere erfährt in Haydns «Schöpfung» eine bedeutsame Entwicklung. Zwar hatte sich nämlich schon im Frühbarock (z.B. bei Locke) die dynamische Differenzierung des Einzeltones angebahnt, und in der Folge kennt Händel den Schwellmechanismus der Orgel, Rameau verwendet bereits graphische Zeichen fürs An- bzw. Abschwellen, und Stamitz’ «Mannheimer Schule» wurde u.a. bekannt durch ihr Orchester-Crescendo. Haydns «Schöpfungs»-Dynamik nun, jetzt bis in alle Einzelheiten ausgefeilt, führt einen Effekt in die Kirchenmusik ein, den ihm viele später nachmachen: Die überwältigende Wirkung des «Subito-piano» nach dem Forte bzw. Crescendieren. Beispielsweise im Chor (mit Terzett) «Der Herr ist groß» mit der zweimaligen dynamischen «Rückung» bei der Stelle «…und ewig bleibt sein Ruhm».

Notenbeispiel: Fugativer Chor-Satz (Engl. Fassung von «Die Himmel rühmen…»

Neben der höchst differenzierten Orchestertechnik, aber auch dem Haydn-typisch «eingänglichen», in der Stimmführung gleichwohl sehr emotionalen, fast «malenden» Arien-Melos der «Schöpfung» ist natürlich die spezielle Behandlung des mehrfach eingesetzten (Massen-)Chores in diesem Oratorium ein weiterer Grund für seine so erfolgreiche Rezeptions-Geschichte. Wiederum sei diesbezüglich nur ein Bereich sondiert, nämlich die Kontrapunktik – und abschließend der «frühromantische» Mendelssohn-Lehrer, Goethe-Vertoner, Orchester-Dirigent, «Liedertafel-»Gründer und Haydn-Zeitgenosse Carl F. Zelter (1756-1832) zitiert: «Die Arbeit an diesen Chören ist fast überall fugenartig. Die Themata sind faßlich, und die Kontrasubjekte und Reperkussionen treten frei und natürlich einher. Nirgends Dunkelheit oder Verwirrung, und selbst die Augmentationen sind klar und stark, obgleich nirgends streng. Der Ausdruck der Worte ist wahrer und kühner als in den Arien und Rezitativen, und die Instrumentalmusik über alle Beschreibung vortrefflich durch das Ganze gewirkt [...] Baron Gottfried van SwietenWenn aber junge, arbeitslustige Harmonisten an allen fugierten Chören dieses Oratoriums eine gewisse Leichtigkeit, Schlüpfrigkeit oder übermütige Freiheit nicht verkennen mögen; wenn sie bemerken müssen, daß in diesem großen Werke keine einzige strikte Fuge vorhanden ist: so mögen sie sich des ungeachtet gesagt sein lassen, daß, so leicht und so voll und fließend zu arbeiten nur dem möglich ist, der eine strikte Fuge mit allen ihren Attributen aufzustellen weiß. Solche Beispiele großer Meister sind für junge Künstler so verführerisch, daß sie die Kunst, fugenartig arbeiten zu lernen, wozu, bei dem entschiedensten Talente, ein anhal­tender, jahrelanger Fleiß erfordert wird, gar zu gerne für eine leidige Schulfuchserei halten mögen. Es bedarf keines außerordentlichen Grades von Talent und Kunst, ein Stück hervorzubringen, in welchem man in eine Partitur von vielen Notensystemen ein Ding hineinpaßt, das Ungeübte um so eher für eine Fuge halten, je weniger es ihnen natürlich und gefällig scheint. Allein die Kunst, mit einem musikalischen Gedanken umzugehen, solchen auf eine interessante Art zu evolvieren und jede Stimme sprechen zu lassen, daß sie ein bedeutender Teil des Ganzen bleibe und das Ganze etwas Schönes sei, dazu gehört eine Übung im Fugensatze, die viel zu lange ist vernachlässigt worden; und zu Haydns unvergeßlichen Verdiensten gehört demnach auch dieses, daß seine trefflichen Kompositionen, ihr Feuer, ihre Wahrheit und Würze, großenteils dem schönen Gebrauche der Kontrapunkte und seiner Art zu fugieren zu danken haben; und Er, der mit seinem Genie und seiner ewig frischen Gedankenfülle alle seine Zeitgenossen hinter sich läßt, schämt sich nicht, seine Werke mit kontrapunktischen Schönheiten auszuschmücken, wodurch sie allen Veränderungen und Schicksalen der Zeit und Mode zum Trotz unsterblich bleiben werden, so lange die Musik eine Kunst heißt.»

MP3-Hörbeispiele

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Förderung junger Schweizer AutorInnen

Posted in Literatur, Literatur-Ausschreibungen, Schweizer Literatur by Walter Eigenmann on 29. April 2008

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Prosa-Wettbewerb der Studer/Ganz-Stiftung

Die 2005 gegründete Studer/Ganz-Stiftung fördert jüngere Autorinnen und Autoren der Schweiz. Im Spätherbst 2008 vergibt die Stiftung zum 2. Mal in der Deutschschweiz einen Preis für das beste unveröffentlichte Prosa-Manuskript.
Gesucht werden unveröffentlichte Romane, Erzählungen und Novellen von Autorinnen und Autoren unter 42 Jahren, die noch wenig publiziert haben, das Schweizer Bürgerrecht besitzen oder ihren Wohnsitz in der Schweiz haben. Einsende-Schluss ist am 1. September 2008, die weiteren Einzelheiten liest man hier.

Zitate der Woche

Posted in Herbert Marcuse, Ludwig Wittgenstein, Philosophie, Sprache, Zitat der Woche by Walter Eigenmann on 28. April 2008

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Vom Sprechen im Alltag

Ludwig Wittgenstein vs Herbert Marcuse

Ludwig Wittgenstein«435. Wenn man fragt ‘Wie macht der Satz das, dass er darstellt?’ — so könnte die Antwort sein: ‘Weißt du es denn nicht? Du siehst es doch, wenn du ihn benützt.’ Es ist ja nichts verborgen.
Wie macht der Satz das? — Weißt du es denn nicht? Es ist ja nichts versteckt.
Aber auf die Antwort ‘Du weißt ja, wie es der Satz macht, es ist ja nichts verborgen’ möchte man erwidern: ‘Ja, aber es fließt alles so rasch vorüber, und ich möchte es gleichsam breiter auseinander gelegt sehen.’
436. Hier ist es leicht, in jene Sackgasse des Philosophierens zu geraten, wo man glaubt, die Schwierigkeit der Aufgabe liege darin, dass schwer erhaschbare Erscheinungen, die schnell entschlüpfende gegenwärtige Erfahrung oder dergleichen, von uns beschrieben werden sollen. Wo die gewöhnliche Sprache uns zu roh erscheint, und es scheint, als hätten wir es nicht mit den Phänomenen zu tun, von denen der Alltag redet, sondern ‘mit den leicht entschwindenden, die mit ihrem Auftauchen und Vergehen jene ersteren annähernd erzeugen’. (Augustinus: Manifestissima et usitatissima sunt, et eadem rursus nimis latent, et nova est inventio eorum.)»

(Aus Ludwig Wittgenstein: Philosophische Untersuchungen I, Suhrkamp Verlag 1971)

Herbert Marcuse«Wittgensteins endloses Sprachspiel mit Bausteinen oder Herr Schulze und Herr Müller, die sich unterhalten, können als Beispiele dienen. Trotz der einfachen Klarheit des Beispiels bleiben die Sprecher und ihre Situation unbestimmt. Sie sind X und Y, wie vertraut sie auch miteinander plaudern. Im wirklichen Universum der Sprache aber sind X und Y ‘Geister’. Sie existieren nicht; sie sind das Produkt des analytischen Philosophen. Natürlich ist das Gespräch von X und Y völlig verständlich, und der Sprachanalytiker appelliert mit Recht an das normale Verständnis gewöhnlicher Menschen. Aber in Wirklichkeit verstehen wir einander nur durch ganze Bereiche des Mißverständnisses und Widerspruchs hindurch. Das wirkliche Universum der Alltagssprache ist das des Kampfes ums Dasein.»

(Aus Herbert Marcuse: Der eindimensionale Mensch, Luchterhand Verlag 1967)

S.Fischer-Verlag sucht Gedichte

Posted in Literatur, Literatur-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 27. April 2008

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Jahrbuch der Lyrik 2009

S.Fischer-Verlag_Lyrik-Jahrbuch 2008Die renommierten Frankfurter S.Fischer-Verlage (Scherz, Krüger, Barth, Theater&Medien u.a.) schreiben erneut die Teilnahme an ihrem «Jahrbuch der Lyrik» aus. Herausgeber dieser jährlichen Anthologie ist nach wie vor Christoph Buchwald, diesmal unterstützt von Uljana Wolf, Trägerin des Peter-Huchel-Lyrik-Preises. Einsende-Schluss ist am 1. Juni 2008, die Einzelheiten liest man hier.

Das Schach-Wort zum Sonntag

Posted in Schach, Schach-Rätsel, Schach-Wort zum Sonntag by Walter Eigenmann on 26. April 2008

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Isolani

Weiß zieht und gewinnt

21.Dd2 Td6 [ 21...b5 22.Te5 g6 23.Texd5 Weiß gewinnt] 22.Ted3 Tfd8 [ 22...Te8 23.Txd5 Weiß gewinnt] 23.c4 f6 [ 23...Te8 24.cxd5 Weiß gewinnt] 24.Txd5 Txd5 25.Txd5 Txd5 [ 25...Te8 26.b3 Weiß gewinnt; 25...Tc8 26.b3 Weiß gewinnt] 26.cxd5 Weiß gewinnt 1-0
(Kharlov-Villavicencio, Linares 1997)

Musik für Sinfonisches Blasorchester

Posted in Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 26. April 2008

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 Nord-Bayerischer Kompositionswettbewerb

NBMB-Jugend-BlasorchesterDer Nord-Bayerische Musikbund schreibt in Zusammenarbeit mit «flammabis»-Zeitgenössische Musik einen Kompositions-Wettbewerb aus, dessen Ziel es ist, deutsche Komponisten zu zeitgenössischer Musik für Sinfonische Blasorchester zu motivieren. Der Wettbewerb ist ohne Altersbegrenzung für Komponistinnen und Komponisten mit deutschem Pass ausgeschrieben. Erwartet wird eine Komposition mit zeitgenössischer Musik für Sinfonisches Blasorchester mit dem Schwierigkeitsgrad Oberstufe. Die Aufführungsdauer soll sieben Minuten nicht überschreiten. Einsende-Schluss ist am 1. Juni 2008, die weiteren Details finden sich hier.

Das Schach-Alphabet

Posted in Schach, Schach-Alphabet, Schach-Rätsel, Skachographie by Walter Eigenmann on 25. April 2008

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Buchstabe E – Weiß gewinnt

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Copyright Walter Eigenmann 2008

Schach-Rätsel – Buchstabe E
Lösung: hier

In der nächsten Woche: Buchstabe F

Der Download aller acht Buchstaben (PGN & CBV/CBH)

Lyrik von Bernd Ernst

Posted in Bernd Ernst, Literatur, Lyrik, Neue Lyrik by Walter Eigenmann on 24. April 2008

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… die ausgelassenen Worte

Ihre Stimme wächst über den Feldern
kämmt der Wind das Gras
Die Erinnerung fällt wie eine leichte Strähne
aus dem Rouge des Abendhimmels
weht der Duft ihrer Locken
auf die fliehenden Schultern des Hügels

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Kosmisches Geflüster

Nichts wussten wir
in einundtausend Nächten
gingen unter demselben Stern-
talergestöber
im Innern Verschüttete Milch-
straßenkinder die nicht lesen konnten
was auf ihren Lippen stand

.Du urknallender Schmatz
blüh mir deine Rosen hinter das Aug
Echolote
das pochende Glück

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… unter der berstenden Schale des Himmels

Ein Baum gebiert den Vogel der sein Nest in den Wolken baut
In der Klaue des Wipfels fängt sich der Wind
Auf dem Tautropfen in seinem Schnabel schwimmt der Duft der Kirschblüte

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Bernd Ernst

Geb. 1969, schreibt Lyrik und Theaterstücke, Mitglied verschiedener Autoren-Gruppen, Mit-Organisator der «Pirmasenser Poetry-Slam», lebt in Pirmasens/BRD

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Das neue Literatur-Kreuzworträtsel

Posted in Literatur, Literatur-Kreuzworträtsel, Rätsel, Spielwiese by Walter Eigenmann on 23. April 2008

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Literatur-Rätsel April 2008

 

Literatur-Wettbewerb der Schweizer Frauenzeitung

Posted in Literatur, Literatur-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 23. April 2008

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Lyrik und Prosa zum Thema «Grenzen.Los»

Frauenzeitung FRAZ Nr.1/2008Die Schweizer Frauenzeitung FRAZ - 1976 als Organ der in den 70er Jahren aktiven Frauen-Befreiungsbewegung FBB gegründet – schreibt ihren ersten deutschsprachigen Literatur-Wettbewerb aus. Bis zum 15. Juni 2008 können Prosa- und Lyrik-Texte zum Thema «Grenzen.Los» eingesandt werden. Neben Geld-Preisen winkt den besten Einsendern eine Veröffentlichung in der FRAZ-September-Ausgabe. Die weiteren Einzelheiten finden sich hier.

Pro Helvetia unterstützt ambitionierte Literatur

Posted in Literatur, Literatur-Ausschreibungen, Schweizer Literatur, Schweizer Verlage by Walter Eigenmann on 22. April 2008

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Prämien für deutsch-schweizerische Verlage

Pro Helvetia Verlagspraemien 2008Die Schweizer Kultur-Stiftung Pro Helvetia will sich auch in diesem Jahr «für eine vielfältige Verlagsszene» in der Schweiz einsetzen. Dazu vergibt sie wiederum Prämien an unabhängige literarisch ambitionierte Verlage. Es gibt je eine Hauptprämie und eine Förderprämie im Gesamtwert von 100’000 Franken.
Mit der Hauptprämie honoriert Pro Helvetia das literarische Gesamtprogramm eines Verlags sowie seine Aktivitäten im Bereich Literaturvermittlung. Die Förderprämie richtet sich speziell an Nachwuchsverlage, die sich bereits durch ein profiliertes Programm ausweisen können. Die Vergabe der Verlagsprämie erfolgt alternierend nach Sprachregionen: 2007 wurden zwei Verlage aus der lateinischen Schweiz prämiert, in diesem Jahr sind die Verlage aus der deutschen Schweiz an der Reihe. Die Ausschreibung läuft noch bis zum 1. Juni 2008, die Details finden sich hier.

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Julia Kristeva über das weibliche Genie

Posted in Hannah Arendt, Neuheiten, Philosophie by Walter Eigenmann on 22. April 2008

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Hannah Arendt und die Krise der Kultur

Julia Kristeva_Das weibliche Genie_Hannah Arendt«Julia Kristeva ist auch im deutschsprachigen Raum durch eine Vielzahl von Publikationen als Literaturtheoretikerin und Psychoanalytikerin bekannt. Wenn sie sich der jüdischen, politischen Philosophin Hannah Arendt widmet, dann birgt schon diese Konstellation von Autorin und Sujet eine gewisse Spannung in sich, die dadurch zusätzlichen Reiz gewinnt, daß sie Leben und Denken der Philosophin unter die Maßgabe dessen stellt, was sie als weibliches Genie, ‘le génie féminin’, zu erfassen sucht.
Das Buch setzt mit einer biographischen Skizze ein, die die geistige Entwicklung Hannah Arendts in einer Weise nachzeichnet, die – etwa im Blick auf ihre Beziehung zu Martin Heidegger – Denken und Biographie nicht einfach trennt: Julia Kristeva kennt Hannah Arendts Lehrmeister Platon, Aristoteles, Augustinus und Kant gut genug, um ihren Lesern auseinandersetzen zu können, worin Hannah Arendt ihre eigenständige Lesart klassischer Philosophie entwickelt hat.
Hannah ArendtWonach Hannah Arendt suchte und woran sie bis zu ihrem Tod 1975 arbeitete, sei ‘eine nicht-subjektive Fundierung der Politik’ als Antwort auf die Erfahrung des Grauens totalitärer Systeme im 20. Jahrhundert. Aber nicht die Reflexion über Macht und Gewalt stehe bei der Autorin der ‘Vita Activa‘ im Zentrum ihres Denkens, sondern das Eingedenken der ‘Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens’. Arendts Genie wäre in eben dieser Bewegung zwischen Denken und existentieller Erfahrung zu verorten, die uns die Bilder einer komplexen und standardisierten modernen Welt vor Augen führt und gleichzeitig an das humane Versprechen erinnert, das in jeder einzelmenschlichen Existenz liegt.» (Verlagsinfo)

Julia Kristeva: Das weibliche Genie – Hannah Arendt, Europäische Verlagsanstalt, 388 Seiten, ISBN 978-3434461739

Inhalt

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Das Zitat der Woche

Posted in E. M. Cioran, Philosophie, Psychologie, Zitat der Woche by Walter Eigenmann on 21. April 2008

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Vom Ich und vom Selbst

Emile Michel Cioran

«Die Fensterläden sind geschlossen, ich strecke mich im Dunkeln aus. Die Außenwelt, ein immer weniger unterscheidbares Geräusch, verflüchtigt sich. Übrig bleiben nur ich und… das ist die Frage. Einsiedler haben ihr Leben damit zugebracht, mit dem Dialog zu führen, was in ihnen am verborgensten war. Könnte ich doch nach ihrem Beispiel mir diese äußerste Disziplin auferlegen, in der man das Innerste seines eigenen Wesens erreicht! Es ist diese Unterhaltung des Ich mit diesem innersten Selbst, dieser Wechsel vom einen zum andern, worauf es ankommt und was nur Wert hat, wenn man es ständig wiederaufnimmt, bis das Ich schließlich im andern, in seiner wesentlichen Fassung aufgeht.»

(Aus Emile Michel Cioran: «Vom Nachteil, geboren zu sein», Suhrkamp 1979)

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Bernhard Morbach: «Die Musikwelt des Barock»

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Von der Affektenlehre bis zum Pythagoreischen Komma

Walter Eigenmann

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Wenn einer seit bald 30 Jahren als Moderator und Autor im Rundfunk ältere Musik vermittelt, im Studio oder vor Publikum, «dann kann er was erzählen». Und wenn er dann noch Bernhard Morbach heißt und bereits zwei umfang- wie erfolgreiche Buch-Projekte – «Musikwelt des Mittelalters» und «Musikwelt der Renaissance» – realisiert hat, so wird dem ernsthaft an Kunstmusik Interessierten auch der letzte Teil dieser Trilogie – «Die Musikwelt des Barock» – beinahe zur Pflicht-Lektüre.
Autor Morbach weiß dabei um die unlösbare Aufgabe, auf nur 300 Buchseiten das Konzentrat einer Musik-Epoche zu liefern, deren wissenschaftliche und praktische Rezeption inzwischen ganze Bibliotheken bwz. CD-Regale füllt – vom uferlosen WWW noch nicht geredet. Bei alter (oder zumindest «älterer») Musik kommt auf den theoretisch Vermittelnden noch erschwerend die große zeitliche Entfernung hinzu, die dem geschmacklich um Welten distanzierten «modernen Musik-Konsumenten» den Zugang zu Monteverdi&Co. schier unüberbrückbar machen. Außerdem hat noch mit einer dritten Problematik zu kämpfen, wer komplexe musikalische Inhalte früherer Jahrhunderte in unsere Tage transponieren will: Mit der empirisch verifizierten Tatsache, dass im Zeitalter der erbarmungslos omnipräsenten, von qualitativ filternder Selektivität völlig unbehelligten Ton-Flut aus allen möglichen und unmöglichen industrialisierten Konserven-Quellen die Fähigkeit des «Durchschnittshörers» zu bewusst-reflektierendem Hinhören und Verarbeiten systematisch, ja von Kindsbeinen an aberzogen und stattdessen die wirtschaftlich weit interessantere Dauerberieselung von Beruf und Alltag mit Light-Musik (sprich: populärer Musik) installiert wird.
Bernhard MorbachZu dieser Problematik sei Morbach gleich selber zitiert, der unter dem Stichwort «Barockmusik in unserer Welt» leicht wehmütig festhält:
«Eine Musikkultur wie die unsrige, die im Bereich der so genannten Ernsten Musik so rückwärts gewandt ist, hat natürlich den Vorteil, dass einem ‘die Fülle’ an Musik zur Verfügung steht. Aber eines ist sicher: Wenn in der Dresdner Hofkirche eine Festmesse von Heinichen erklang, wenn Biber mit seiner Hofkapelle an der Tafel des Salzburger Fürst-Erzbischofs aufspielte, wenn in Amsterdam nach den Gottesdiensten in der Oude Kerk Sweelinck auf der Orgel improvisierte, wenn in Leipzig Bach mit seinem Collegium musicum im Kaffeehaus auftrat, wenn in Bologna das Concerto Palatino im Palast der Stadt musizierte, wenn in Hamburg eine kunstvolle Musik zu einem Fest der Bürgerschaft erklang oder Corelli in Rom seine Violinkunst zum Besten gab, dann hörte man zu! Man begegnete der Musik mit der gebotenen Aufmerksamkeit, denn jede Musik ereignete sich nur im ‘Hier-und-Jetzt’. Dass in unserer Welt gerade die Musik des Barock zur Hintergrundmusik bzw. gar zu einer Art Geräuschkulisse erniedrigt wird, kann man beklagen. Aber verhindern kann man es nicht. Deshalb ist es sinnvoll und aus Respekt vor den Menschen, die in der Barockzeit musikalisch kreativ waren, geradezu geboten, sich einmal den ursprünglichen Bedeutungszusammenhang – also die Musikwelt des Barock – zu vergegenwärtigen. Wenn man unsere enorme Distanz zu dieser Welt erkennt, gewinnt man eine neue Nähe zu ihrer Musik – hoffentlich.»

Leseprobe

Eben diesem «ursprünglichen Bedeutungszusammenhang» des Barock-Zeitalters und dessen Musik spürt Bernhard Morbach auf eine Weise nach, die in Versuchung bringt, seine Monographie in einem Rutsch zu verschlingen – als opulenter Barock-Roman sozusagen. Denn es beeindruckt, mit welch sinnfälliger Strukturierung der größeren musikstilistischen wie -soziologischen Zusammenhänge, mit welcher fast enzyklopädischen Detail-Kenntnis und gleichzeitiger Verkettung dieser Details mit den epochalen «Mainstreams», und mit auch welcher essayistischen Eloquenz der Autor der Verlockung widersteht, angesichts der Fülle des theoretischen und wissenschaftlichen Materials ins staubtrockene Lexikalische abzugleiten.
Gegenüber vergleichbaren Publikationen heben drei Merkmale Morbachs Barockmusik-Buch hervor: Zum einen der geistesgeschichtliche Ansatz, mit dem der Autor das je Kompositorisch-Innermusikalische in die «höheren» maßgeblichen politischen, sozialen, philosophischen Zusammenhänge der Barock-Zeit (ca. 1600-1750) einbettet. Ob «Affektenlehre» oder «Pythagoreisches Komma», ob «Chalumeau»-Bau oder «Aufführungspraxis», ob «Choralkantate» oder «Nummern-Prinzip», ob «Monodie» oder «Sonata da chiesa», ob «Klangrede» oder «Extemporierung»: Immer auch stellt Morbach für seine (natürlich unverzichtbaren) musikalischen Stichwörter die ideengeschichtlichen Querverbindungen und die kulturhistorischen Herkunfts-Geleise her. So wird nicht nur die Barock-Musik, sondern die Barock-Zeit überhaupt plastisch – was auch der Attraktivität des Themas nur gut tut. Zweitens wendet der Verfasser hinsichtlich inhaltlicher Strukturierung seiner zahllosen kleineren und größeren Abhandlungen einen Trick an, quasi adaptiert aus der barocken Kontrapunkt-Technik des «Cantus prius factus», indem er nämlich mit dem Universal-Genie Johann Mattheson einen referentiellen «Führer durch die Musikwelt des Barock» hernimmt und nun über fast das ganze Buch hinweg alle kompositions- und instrumental- wie aufführungstechnischen bis hin zu den Stil-Fragen in den Fokus dieses umfassend gebildeten und in der Wirkung bahnbrechenden Musikschriftstellers, fruchtbaren Komponisten und aufgeklärten Zeitzeugen stellt. Mattheson war beim Publikum wie bei der «Intelligenzia» seiner Zeit hochangesehen, wird zurecht von Morbach als «zentrale Autorität» installiert. Die dadurch zwangsläufig entstehenden Reibungspunkte mit wiedersprüchlichen Ansichten und Strömungen sorgen ihrerseits wieder für weiterführende Reflexionen – ein sehr fruchtbarer Ansatz Morbachs.


William Hogarth: Der rasende Musikus, 1741

Jene Leserschaft schließlich, die meint, sich in der Barock-Musik überdurchschnittlich gut auszukennen, mag ein drittes Highlight dieser Monographie besonders interessieren, nämlich der Einbezug zweier besonders «exotischer«, kaum je im Zusammenhang mit Barock-Musik abgehandelter Themata: «Frauen in einer Männerwelt – Komponistinnen des Barock», sowie «Eroberer, Missionare, Indios – Barockmusik in der Neuen Welt». Wobei beide Gebiete keinesweg marginal, sondern insbesondere die «Neue Welt» recht eingehend behandelt werden. Bei ersterem stehen vierzehn Komponistinnen im Mittelpunkt – von der Kurtisane bis zur Nonne -, deren Werke teils als CD-Einspielungen vorliegen. Morbach resümiert: «Nur sehr wenige Frauen sind während der Barockzeit als professionelle Komponistinnen an die Öffentlichkeit getreten, das heißt, nur wenigen gelang es, in das ganz und gar von Männern beherrschte höfische und öffentliche Konzertleben und in das Musikverlagswesen vorzudringen und Notendrucke zu publizieren. Aber das, was ans Licht der Öffentlichkeit gelangte – Vieles wird verloren gegangen sein – ist von höchster Qualität.»
Sehr anregend ist auch Morbachs Exkurs zu den barock komponierenden bzw. musizierenden Missionaren und – in der Folge der exportierenden Kolonialisation – zu den einheimischen Traditionen der präkolumbianischen Zeit, deren stilistische Eigenheiten gemäß Morbach zu bemerkenswerten «Sonderschöpfungen» geführt hätten, welche keine europäische Entsprechung haben. Der Autor stattet dabei einigen Städten und Musik-Metropolen des damaligen Südamerika einen Besuch ab: Über das frühe Mexiko Stadt und seine mehrstimmig singenden, «franziskanischen» Indios bis hin zum brasilianischen Recife, dem Geburtsort des Mulatten Luis Pinto (geb. 1719), dessen (rekonstruiertes) Te Deum für vierstimmigen Chor und Orchester sogar in einer Einspielung mit dem Ensemble Turicum vorliegt (Claves 1995). -
«Die Musikwelt des Barock» von Bernhard Morbach ist eine gleichermaßen thematisch vielfältige wie musikhistorisch breit konzipierte, äußerst belesene und im musiktheoretischen Detail fundierte, dabei mit einer instruktiven Fülle von Bild- und Zitaten-Material illustrierende Untersuchung, die mit ihren vielfältigen Bezügen zu Kultur und Gesellschaft des Barock auch eine ideengeschichtliche Brücke zu schlagen vermag bis in unsere Zeit . Nützlich abgerundet wird der Band durch einen umfangreichen Anhang mit Anmerkungen, Verzeichnis einführender Literatur, CD-Inhalt und Personen-/Sach-Register. ■

Bernhard Morbach, Die Musikwelt des Barock, Neu erlebt in Texten und Bildern, mit CD-ROM (Notenmaterial, Bilder, Dokumentationen), Bärenreiter Verlag, 300 Seiten, ISBN 978-3761817162

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Leseprobe

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Buchneuheit: «Der Schatz der Nibelungen»

Posted in Geschichte, Jörg Oberste, Literatur, Neuheiten by Walter Eigenmann on 20. April 2008

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Mythos und Geschichte eines Gold-Raubes.

«Eine der Legenden um die Nibelungen erzählt vom unverwundbaren Krieger, der in Drachenblut gebadet hat. War es Arminius, der die Römer in der Varusschlacht vernichtend geschlagen und deren Wunderwaffen erbeutet hatte? In den Nibelungen verbinden sich übersinnliche Motive, germanische Götterwelt und Heldengeschichten.
Die Geschichte der Nibelungen ist von zeitloser Aktualität. Noch immer bewegt das Drama um Liebe, Eifersucht, Kampfesmut, Rache und Untergang die Menschen. Der Stoff dieses epochalen Werkes der Weltliteratur diente als Vorlage für Romane, Theaterstücke und Opern.
Doch die Nibelungen geben bis heute Fragen und Rätsel auf. Autor Jörg Oberste begibt sich in seinem Bild-Band «Der Schatz der Nibelungen – Mythos und Geschichte» auf Spurensuche im Spannungsfeld zwischen Geschichtlichkeit und Mythologie. Spannende Rekonstruktionen und kühne Thesen werfen ein ganz neues Licht auf den Stoff. Die älteste Spur führt zu den Anfängen der römischen Eroberung Germaniens. Die Eifel: das europäische Zentrum für Waffenschmiede-Kunst. Die Drachentaktik der römischen Legionen: ein Hinweis auf den wahren Kern der Siegfried-Saga?
Der historische wie kriminalistische Blick führt zu überraschenden Einsichten. Rund siebzig Abbildungen in Farbe und Schwarz-Weiß sowie etliche Karten runden die lebendigen Ausführungen des Autors ab.
Jörg Oberste legt mit diesem reich bebilderten TV-Begleitbuch eine neue Deutung vor. Er interpretiert die erzählten Geschehnisse auf der Grundlage der reichen mittelalterlichen Text- und Bild-Überlieferungen und findet dabei überraschend neue Spuren. Vor allem geht er der Frage nach, warum dieser mittelalterliche «Bestseller» auch heute noch auf solch große Resonanz stößt und welch verschlungene Pfade die Nibelungen in der Moderne eingeschlagen haben.» (Verlagsinfo) -
«Der Schatz der Nibelungen» des Regensburger Mittelalter-Forschers Jörg Oberste ist eine (bei aller wissenschaftlichen Seriösität) spannend entwickelte Bild-Monographie, die nicht nur hinsichtlich ihres breit recherchierten Detail-Reichtums überzeugt, sondern auch typographisch und von der Bildqualität her eindrücklich ihrem großen «mythischen» Gegenstand angepasst wurde. Ein schöner Geschenk-Band – auch für moderne «Fantasy»-Freunde. (gm/08)

Jörg Oberste, Der Schatz der Nibelungen – Mythos und Geschichte, Gustav Lübbe Verlag, 304 Seiten, ISBN 978-3785723180

Leseprobe

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Neues Handbuch der Gesangspädagogik

Posted in Buch-Rezension, Gesang, Musik, Musik für den Unterricht, Musik-Rezensionen, Rezensionen by Walter Eigenmann on 19. April 2008

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Theorie und Praxis des guten Gesangs

Walter Eigenmann

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An Belcanto-Unterweisungen, Chor-Fibeln, Stimmbildungs-Schulen, Artikulations-Systemen, Atmungs-Techniken u.a, kurzum an Sing-Pädagogischem aller Art (egal ob’s denn gehe um Counter Tenor oder DSDS-Geschrei, Soul-Vibrato oder Rock-Röhren, Koloratur-Kunst oder Schlager-Gesäusel, Schuberts «Winterreise» oder Bohlens «Cherry-Cherry-Lady») ist heutzutage wahrlich kein Bedarf mehr. Ebenso wenig mangelt der heutigen Musik-Welt medizinische oder gar musiktheoretische Literatur zum Thema «Singen». Nicht nach einer mehrhundertjährigen Geschichte des notierten Kunst- und Volksgesanges.
Nun denn, mag sich die deutsche Sängerin und Gesangs-Pädagogin Hildegund Lohmann-Becker, Mit-Gründerin der bekannten Lohmann-Stiftung für Liedgesang, gesagt haben: Warum nicht ein Gesangspädagogik-Handbuch schaffen, das Theorie und Praxis in Form eines Stichwort-Lexikons anbietet? Das Resultat ist ein 352-seitiges Kompendium namens «Handbuch Gesangspädagogik», das beim Vokal «a» und bei «a-Arbeit» anfängt, beim «Zwerchfell» und beim «Zwischenspiel» aufhört – und dazwischen eine gehörige Menge an kürzeren Artikeln oder längeren Essays, Noten- bzw. Übungs-Material, Begriffs-Definitionen und Kurz-Infos ausbreitet.

Hildegund Lohmann-Becker

Der Band findet dabei die richtige Balance zwischen eher beiläufig interessantem (wenngleich nützlichem) Material einerseits und andererseits jenen Bereichen, die fundamental sind für die Ausbildung künstlerischen Singens und deshalb mehrseitig abzuhandeln waren. Positiv fällt außerdem auf, dass die Autorin mit ihrer 50-jährigen pädagogischen Erfahrung nicht ausschließlich «auf Technik» macht, sondern bei Stichwörtern wie «Vertrauen», «Lehrer-Schüler-Verhältnis», «Lachen», «Körpersprache», oder auch «Intuition», «Üben» und «Indisposition» ebenfalls die in aller Pädagogik so unverzichtbare menschlich-psychologische Komponente gebührend einbezieht.
Hildegund Lohmann-Beckers Das «Handbuch Gesangspädagogik» ist eine nützliche Tipps- und Info-Sammlung in die Hand all jener Gesang-Lernenden wie -Lehrenden, die neben reiner Wissensvermehrung auch Anregungen für vertiefende Detail-Studien suchen.

Hildegund Lohmann-Becker, Handbuch Gesangspädagogik, Stichworte zu Theorie und Praxis, Schott Verlag, 352 Seiten, ISBN 978-3-7957-0595-4

 

Leseprobe

Das Schach-Wort zum Sonntag

Posted in Schach, Schach-Wort zum Sonntag by Walter Eigenmann on 19. April 2008

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Bauern-Durchbruch

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Weiß zieht und gewinnt

Auflösung nächstens hier

Heute vor … Jahren

Posted in Essays & Aufsätze, Heute vor ... Jahren, Jean Genet, Literatur, Walter Eigenmann by Walter Eigenmann on 17. April 2008

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Ungeheure Träume träumender Ungeheuer

Über «Die Zofen» von Jean Genet

Walter Eigenmann

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Am 17. April 1947 hat das Pariser Théatre de l’Athéne auf seinem Spielplan die Uraufführung eines Stückes, dessen Autor im Säuglingsalter von seiner Mutter, einer Prostituierten, der Fürsorge übergeben wird, und der schon in seiner Jugendzeit als Strichjunge, vagabundierender Dieb, Schwulen-Zuhälter und schließlich als mehrjähriger Sträfling jenes Verworfenen-Leben lebt, das später zur zentralen Staffage, ja zur zelebrierten Unter- und Gegen-Welt des totalen Werte-Negierens in fast allen seinen Romanen und Stücken erhoben wird. Die Rede ist von dem französischen Schriftsteller, Dramatiker und Poeten Jean Genet (1910-1986) – und von seinem absurd-grotesken Prosa-Einakter «Die Zofen» (Les Bonnes).
Die Zofen, das sind die Schwestern Claire und Solange, welche dienend gleichsam zum lebenden Mobiliar in der reichen Salon-Welt einer «gnädigen Frau» erniedrigt sind, die aber, ist die Herrschaft aus dem Haus, zu eigenem Spiel und Traum umsiedeln, um dort ihren Herrschafts-Trieben, ihren Vergeltungs-Sehnsüchten, ihrer gegenseitigen Hass-Liebe und ihrem Vernichtungsrausch zu frönen.

Der Mord als Katharsis

Jean-Genet-Glarean-Magazin

Jean Genet im Herbst 1982

Ihr Mord-Plan, die Herrin zu vergiften, nachdem sie deren Geliebten bereits anonym denunziert und (wie sie meinen) für immer ins Gefängnis gebracht haben, ist der erste Schritt zur eigenen Erlösung, die das soziale Gefüge neutralisieren und die beiden Zofen selber im phantastmagorischen Rollen-Spiel als Dienerin und als Herrin installieren soll. Claire (als neue Herrin) und Solange verstricken sich qualvoll leidend und lüstern genießend zugleich in ihre grausam-lustvolle Traum-Flucht hin zur selbstgewählten Knechtschaft, die sie befreien soll. Der Zofen genüsslich-morbide Spiel-Lust an der Unterwerfung wie der Unterdrückung macht sie zu «Ungeheuern – wie wir selber, wenn wir dieses oder jenes träumen» (Genet). Als die psychologisch konsequent vorangetriebene Apotheose dieser Liebe-Hass- und Herrschaft-Unterwerfung-Ambivalenz naht, kippt die erst gespielt-virtuelle Identitäts-Flucht der beiden Zofen in die tragische Realität: Herrin ist nun Claire, und diese trinkt das für die «Gnädige» bestimmt Gift, «während Solange unbeweglich mit dem Gesicht zum Publikum steht, die Hände überkreuzt, als ob sie Handschellen trüge».
Der «Komödiant und Märtyrer Saint Genet», wie Sartre in seinem gleichnamigen umfangreichen Essay diesen sowohl biographisch wie literarisch solitären Skandal-Autoren nennt, interpretiert selber «Die Zofen» weder als Sozialkritiker noch als Psychologe oder gar Moralist, sondern als Poet: «Ich versuchte, eine Distanzierung zu erreichen, die gleichzeitig einen deklamatorischen Ton zulassen und es ermöglichen sollte, das Theatralische ins Theater zu bringen. Ich hoffte, dadurch die Charaktere abzuschaffen… und sie durch Symbole ersetzen zu können, die so weit wie möglich von dem entfernt sein sollten, was sie eigentlich verkörperten, und doch wieder eng damit verknüpft, um als einziges Bindemittel zwischen Autor und Publikum dienen zu können. Kurz, ich wollte erreichen, dass die Figuren auf der Bühne nur noch Metaphern dessen waren, was sie darstellen sollten.» Die selbstimaginierte Hass- und Ekel-Eskalation der Zofen wird so zur Zelebrierung eines Rituals, welches das Verbrechen als reinigende Kult-Handlung zentriert: Der Mord als Katharsis.
Auf die (im biographischen Kontext durchaus naheliegende) Frage, warum er nie einen Mord verübt habe, entgegnete einmal der homosexuelle Kriminelle und ewige Flüchtling Genet entwaffnend: «Wahrscheinlich, weil ich meine Bücher geschrieben habe». Und die Kompromisslosigkeit, mit welcher dieser Autor – dessen Leben sich vor einem bürgerlichen Blick wie ein einziger tragischer Witz ausbreitet – die überhöhende wie krankhaft überhöhte Leidensfähigkeit seiner Protagonisten bis zur bitteren Neige auskostet, wird nur noch übertroffen durch die absurden, schier irrealen Trivialitäten, welche all diese Düsternis und dieses Scheitern in Genets teils perversen, teils ins Religiös-Heilige gesteigerten Welt(en) auszulösen vermögen. Dass sich der Existenzialist Sartre und der frühe Cocteau sowie in der Folge solche namhaften Underground- und Beat-Schriftsteller wie Allen Ginsberg, William Burroughs, Jack Kerouac oder Gregory Corso bis zu Charles Bukowski auf Jean Genet als einen ihrer literarischen Animateure berufen, ist also keineswegs zufällig.

Die zwei Schwestern

Die Inspiration für seinen «Zofen»-Handlungsrahmen holte sich Genet bei einem wahren Mordfall im französischen Städtchen Mans, wo die beiden Geschwister Christine (28) und Léa Papin (21) schon lange in einem bürgerlichen, äußert streng geführten Haushalt in der Provinzstadt Mans als Dienst-Mädchen angestellt waren. Wie sich die Tragödie abspielte, schildert Edmund White in seinem Buch «Jean Genet» (München 1993):
«Eines Tages versagte die Elektrizität im Haus. Da die Familie nicht da war, trugen die Dienstmädchen die Verantwortung. Als Mutter und Tochter nach Hause kamen, beschimpften sie die Schwestern, die in einem Wutanfall Mutter und Tochter die Augen auskratzten und sie töteten. Dann verstümmelten sie die Leichen und badeten die eine im Blut der anderen. Nach getaner Arbeit wuschen sie ihre Werkzeuge, nahmen ein Bad und legten sich im Bett zur Ruhe mit den Worten: ‘Da haben wir uns aber was geleistet!’
Die Schwestern waren immer unzertrennlich gewesen, selbst in ihren Ferien. Bei ihrem Prozess waren sie außerstande, ein Motiv für ihr Verbrechen zu nennen. Ihr einziges Interesse war, die Schande gemeinsam zu tragen. Nach fünf Monaten im Gefängnis, während derer sie von ihrer jüngeren Schwester getrennt war, brach Christine zusammen und versuchte, diesmal sich selbst die Augen auszukratzen. Als sie in eine Zwangsjacke gesteckt wurde, machte sie obszöne Verrenkungen, dann fiel sie in Schwermut.
Nachdem die beiden Mädchen zur Guillotine geführt wurden, sank Christine auf die Knie.»

Pakt mit dem Teufel

Von «NotreDame-des-fleurs» (1944) und seiner ständigen Konfrontation mit der Problematik des Tötens über «Le balcon» (1957) mit der zentralen Intention «Die Welt ist ein Bordell» bis hin zu der gigantomanen, theatralisch nicht mehr zu bewältigenden Totentanz-Opulenz der «Paravents» (1961) – Genet nannte diese seine «Wände» maßlos verniedlichend ein «Märchenspiel», ein «Fest, gewidmet den Lebenden wie den Toten» – durchzieht dabei das gesamte umfangreiche Genet-Oeuvre eine omnipräsente Spur der gewaltsamsten Obszönität und der obsessivsten Missachtung aller gesellschaftlich determinierten Moralität. Anders als etwa Henry Miller, dessen übersteigerte «literarische Sexualität» (zumindest anfänglich) banalste monetäre Ursachen hatte, ist Genet der wahrhaft Besessene, der Bilder-Junkie, der Apotheotiker auch der phallischen (präziser: homo-erotischen) Virilität, dem aller Unterleib zu Kopf steigt. Jean Genet, das ist ein einziger permanenter Tabu-Bruch, und das an Leib und Seele.
Zurecht ist in der Genet-Forschung auf die nicht nur thematische, sondern auch stilistische Parallelität Genets zur ebenfalls barock-opulenten Monströsität eines seiner «Vorgänger», nämlich des Marquis de Sade hingewiesen worden. Gleich wie bei jenem – und wieder anders als bei Miller – kommt die Prosa, kommen auch die Dramen Genets, bei all ihrer pervers-kriminellen Narration, seltsam reflektorisch daher, Dialoge und Schilderungen sind seitenweise versetzt mit quasi-philosophischen Exkursen – irritierende Reflexionen, welche die Symbolik einzelner Handlungsstränge selten erklären, meist vielmehr vorantreiben. In zwanghafter Fatalität breitet so fast jedes Genet-Werk je eine eigene wahrliche Ästhetik des Bösen aus – Der «Querelle»-Verfilmer Rainer Werner Fassbinder nennt das 1982 den «Pakt mit dem Teufel» -, die desillusionierende Analyse menschlichen Zusammenlebens wird zur buchstäblichen Sprach-Gewalt. In einem Geschwister-Dialog der «Zofen» wird das exemplarisch im Hinblick auf menschliche Bindungen formuliert: «Ich möchte dir helfen. Ich möchte dich trösten, aber ich weiß, ich ekle dich an. Ich stoße dich ab. Ich weiß es, weil du mich anekelst. Liebe in Knechtschaft ist keine Liebe.»
Zwar sind die «Zofen» in ihrer psychopathischen Individualsphäre ein Drei-Personen-Binnenstück, aber deren unentrinnbar verstrickender Identitäts-Zwiespalt, eines der großen Leit-Motive Genets, hat Genet selber hochtransponiert in seine eigene, post-literarische Lebens-Phase, da er sich vornehmlich als politischer Aktivist betätigte: Als Vietnamkrieg-Gegner, aber auch als RAF-Sympathisant; als Arafat-Freund im palästinenischen Freiheitskampf, aber auch – weltweit kritisiert – als «einfühlsamer» Versteher des «Dichters» Hitler, über den er (nur ein Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg!) schreibt: «Dichter, der er war, verstand er, sich des Bösen zu bedienen. Er zerstörte um der Zerstörung willen, er tötete, um zu töten.» Und: «Der Führer schickte seine schönsten Männer in den Tod. Das war die einzige Möglichkeit, die er hatte, um sie alle zu besitzen.»
Hier wird noch beim späten Genet ein zweites lebenslanges literarisches Motiv dieses Allegorien-Hymnikers auf den Punkt gebracht: Die Entindividualisierung der Protagonisten, die am Ende ihres Umwandlungsprozesses nur noch als existenzielle Nacktheiten vorhanden sind – als «Inszenierung ihrer äußerlichen Form», wie es die Genet-Analytikerin Michaela Wünsch einmal formulierte.

Wie fast alle seine Stücke wurde «Die Zofen» – der Dramen-Erstling Genets – vom schockierten zeitgenössischen Theater-Publikum nicht verstanden, sondern boykottiert, die Erstaufführung geriet zum Desaster, auch für den Regisseur Louis Jouvet. Noch war die Zeit 1947 nicht reif für einen Jean Genet – nicht für den Heiligen, und nicht für den Sünder. ■

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Das neue Streichholz-Rätsel

Posted in Rätsel, Spielwiese, Streichholz-Rätsel by Walter Eigenmann on 17. April 2008

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Durch Umlegen von vier Streichhölzern
sollen zwei gleich große Quadrate entstehen

Auflösung hier

Das Schach-Alphabet

Posted in Schach, Schach-Alphabet, Schach-Rätsel, Skachographie by Walter Eigenmann on 17. April 2008

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Buchstabe D – Weiß hält remis

schach-buchstabenraetsel_d_glarean-magazin.jpg
Copyright by Walter Eigenmann / Glarean Magazin 2008

Schach-Rätsel – Buchstabe D

Auflösung hier

In der nächsten Woche: Buchstabe E

Der Download aller acht Buchstaben (PGN & CBV/CBH)

Internationaler Kompositions-Wettbewerb 2008

Posted in Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 16. April 2008

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Die Brandenburger Biennale

Der Förderverein Brandenburger Symphoniker schreibt erneut seinen zweijährlichen Kompositions-Wettbewerb «Brandenburger Biennale» aus. Der Wettbewerb ist international und ohne Altersbegrenzung, mit 5’000 Euro dotiert und als eine Auftragskomposition für die Brandenburger Symphoniker oder die Uraufführung eines noch nicht aufgeführten eingesandten Werkes konzipiert. Die Ausschreibung ist jeweils in den geraden Jahren, die Uraufführung des preisgekrönten Werkes in den ungeraden Jahren. Einsende-Schluss ist am 31. Mai 2008, die genauen Details erfährt man hier.

Wer bin ich?

Posted in Literatur, Wer bin ich? by Walter Eigenmann on 16. April 2008

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Dialog-Kabinettstückchen

wer-bin-ich-08b-glarean-magazin.jpgIm «alten» Berlin war ich bekannt für meinen satirischen Witz, meine scharfe Zunge, meine geschliffene Feder – doch alles mit einem humorvollen Augenzwinkern. Trotzdem eckte ich durchaus auch mal bei der Obrigkeit an. Für mich Grund genug, die Urheberschaft meiner Zeitungsartikel zuweilen mit «Ernst Heiter» zu verschleiern. Recht bekannt wurde mein leicht «biedermeierlicher» Humor u.a. durch das folgende Dialog-Kabinettstückchen:

 

Also: Wer bin ich?

Wettbewerb für liturgische Musik

Posted in Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 15. April 2008

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Der Slatkonia-Preis 2008

Das Kirchmusik-Referat der Erzdiözese Wien schreibt auch 2008 seinen Kompositionspreis für neue liturgische Musik aus. Der Preis trägt seinen Namen nach Georg von Slatkonia (1456-1522), der an der Gründung der Wiener Hofkapelle in hervorragender Weise beteiligt war, diese bis zu seinem Tod leitete und ab 1513 zusätzlich als Bischof von Wien wirkte. Komponistinnen und Komponisten jeglicher Nationalität und jeglichen Alters sind eingeladen, eine Gottesdienst-Musik «Tag des Herrn» zu komponieren. Die Uraufführung des preisgekrönten Werkes ist in einer bedeutenden Kirche Wiens vorgesehen, seine Dauer soll ca. 20 bis 25 Minuten betragen. Die genauen Details finden sich hier, Einsende-Schluss ist am 15. Mai 2008.

Wettbewerb der Schreibszene Schweiz

Posted in Literatur, Literatur-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 15. April 2008

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«Knackige Postkarten-Texte»

Die Literatur-Homepage «Schreibszene Schweiz» widmet ihren diesjährigen Wettbewerb «Postkarten-Texte» dem Thema «schauerlich». Die Texte sollen auf einer Postkarte Platz haben, dementsprechend werden die Gewinner-Texte auf Postkarten gedruckt. Inhaltliches Vorbild ist dabei die bekannte Sendung «Schreckmümpfeli» von Radio DRS; gesucht werden «nackenhaarsträubende, witzige und intelligente Postkarten-Schreckmümpfeli». Einsende-Schluss ist am 1. Mai 2008, die Einzelheiten der Ausschreibung finden sich hier.

Agnostisch an Gott glauben?

Posted in Christian Nürnberger, Literatur, Neuheiten, Philosophie, Theologie by Walter Eigenmann on 15. April 2008

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Jesus für Zweifler

«Ein subversiver Untergrund-Glaube in mir lässt mich inzwischen vermuten, dass das Schicksal der Welt davon abhängt, ob der Kirche nach zweitausendjährigen Fehlversuchen doch noch das Unwahrscheinliche gelingt: ihren Glauben als wahr zu erweisen. Ja, ich neige neuerdings wieder zu der Ansicht, dass die Botschaft des Juden Jesus vielleicht doch – unterm Strich – für die Welt ein Segen war, ist und bleibt, und dass diese Botschaft auch in der Zukunft verkündet, aber besser verstanden und praktiziert werden sollte. Vor allem: Diese Botschaft ist viel zu wichtig, als dass man sie den Gläubigen alleine überlassen dürfte, und schon gar nicht dem Lutherischen Weltbund, dem Papst, den feministischen Theologinnen, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken oder gar dem Opus Dei. Diese Botschaft geht alle an, auch die Ungläubigen, und darum ist es höchste Zeit, sich mal wieder mit diesem Jesus Christus zu beschäftigen, gerade für die Ungläubigen. Für die Gläubigen natürlich auch. Für die Zweifler sowieso.» (Christian Nürnberger)
Christian Nürnberger hat einen langen Weg hinter sich. Seinen Kinderglauben hat er verloren, und um einen Erwachsenen-Glauben zu entwickeln, studierte er Theologie. Doch den Glauben an Gott verlor er dabei endgültig. Und weil man nicht atheistisch an Gott glauben kann, hängte er die Theologie an den Nagel und zog nun als fröhlicher Agnostiker durch die Welt. Drei Jahrzehnte später erkennt Nürnberger, dass er in all den Jahren nichts anderes getan hat, als agnostisch an Gott zu glauben… (Verlagsinfo)

Christian Nürnberger, Jesus für Zweifler, Gütersloher Verlagsanstalt, 272 Seiten, ISBN 978-3579069678

Leseprobe

Das neue «Glarean»-Sudoku

Posted in Spielwiese, Sudoku by Walter Eigenmann on 15. April 2008

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Das Sudoku im April

Auflösung hier

Jahrbuch der Brockhaus-Enzyklopädie

Posted in Lexika, Neuheiten by Walter Eigenmann on 14. April 2008

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Das Jahr 2007 von A-Z

Die Brockhaus-Jahrbücher sind einerseits aktuelle Ergänzungen zur gleichnamigen Enzyklopädie, andererseits auch als chronologisch aufgebautes Nachschlagewerk für jene konzipiert, die sich einen kompakten Überblick über das zurückliegende Jahr verschaffen möchten. Die jüngste Ausgabe enthält wiederum Einleitungs-Essay, Weltchronik, Lexikon von A bis Z, Nekrolog, Bildern des Jahres und Personen-Register. Darüber hinaus äußern sich ausgewiesene Spezialisten und prominente Persönlichkeiten zu den wichtigsten Themen des Jahres. Übersichtsartikel geben einen Einblick in besonders wichtige Themen.
Das Jahrbuch liegt nun bereits zum 15. Mal vor, seit 1993 berichtet es über die Welt, dokumentiert das Zeitgeschehen in Wort und Bild und trägt mit Essays prominenter Persönlichkeiten zur breiten Meinungsbildung bei. Ein gewichtiger Teil des Bandes liegt beim Lexikon A-Z. Hier findet die Leserschaft in rund 800 alphabetisch geordneten Artikeln alles Wissenswerte des vergangenen Jahres. Weiter sind einer Reihe von kulturellen Themenbereichen wie Film, Literatur, Musik, Kunst, Ausstellungen, Theater etc. jeweils eigene größere Übersichtsartikel gewidmet.

Brockhaus Verlag Mannheim, Enzyklopädie-Jahrbuch 2007, 400 Seiten, ISBN-13: 978-3765319174

Leseprobe

Senioren-Musik und Musik-Senioren

Posted in Buch-Rezension, Musik, Musik für den Unterricht, Musik-Rezensionen, Rezensionen, Walter Eigenmann by Walter Eigenmann on 14. April 2008

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Musizieren im Alter – Arbeitsfelder und Methoden

Walter Eigenmann

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Ganz allmählich – manche internationalen Betagten-Organisationen meinen: zu langsam – entdeckt auch die Gerontologie die Musik – aber auch die Musik die Alten. Dazu trägt einerseits die bekannte demographische Entwicklung bei, die nach gesellschaftlichen bzw. bildungs- und beschäftigungspolitischen Lösungsansätzen verlangt angesichts immer mehr rüstiger, ein breites Freizeit-Angebot nutzender und auch benötigender RentnerInnen – und andererseits die medizinische Forschung, welcher ein wissenschaftlicher Nachweis nach dem anderen gelingt, dass sowohl aktiv wie passiv genossene Musik teils frappante therapeutische Wirkung zu erzielen vermag. Hierzu gleich ein Zitat aus «Musizieren im Alter», einer von Theo Hartogh und Hans H. Wickel jetzt vorgelegten Studie, die neben vielen anderen Aspekten auch das Musizieren mit demenziell erkrankten Menschen untersucht:

«Mit der Alterung der Weltbevölkerung geht eine stetige Zunahme demenzieller Erkrankungen einher. Forscher warnen bereits vor einer globalen Alzheimer-Epidemie und berechnen, dass sich die Zahl der derzeit ungefähr 26 Millionen Demenzerkrankten bis zum Jahre 2050 vervierfachen wird, sofern bis dahin keine geeigneten Medikamente entwickelt werden. [...] Alzheimer-Patienten sind selbst im fortgeschrittenen Stadium durch Musik ansprechbar, da die Hörrinde neben dem motorischen System weitgehend frei bleibt von neuronalen Veränderungen. Auditive Reize wie Lachen, Schreien und emotionale Prosodie wie glückliche oder traurige Stimmen können unbeeinträchtigt erkannt werden, während auf visuelle Reize größtenteils keine Reaktionen mehr gezeigt werden [...] Aktives Musizieren und langjähriges kontinuierliches Üben auf einem Instrument scheinen jedoch eine präventive und verzögernde Wirkung zu haben. Außerdem kann Musik ganz wesentlich dazu beitragen, dass demenziell erkrankte Menschen emotional angeregt werden und damit eine zumindest vorübergehende Steigerung ihrer Lebensqualität erzielen [...] Musik kann etwas bei den Kranken bewirken, was kein Medikament und auch keine verbale Ansprache in dem Maße und in der Unmittelbarkeit erreicht.» (Vergleiche hierzu auch u.a. «Hirnphysiologische Auswirkungen elementaren Musizierens in verschiedenen Lebensaltern»)

Die präventive bzw. therapeutische Funktion von Musik ist wie erwähnt nur eines der zahlreichen musik-geragogischen Themata, welche die beiden Wissenschaftler als «Arbeitsfelder und Methoden» in ihrem neuen Studien-Band behandeln. «Musizieren im Alter» bietet eine weitgesteckte, alle wesentlichen Bereiche der Musikgeragogik umfassende Bestandesaufnahme aktueller musikalischer «Aktivitäten für und mit Menschen im dritten und vierten Lebensalter». Die thematische Spannweite sei (in einem kleinen Auszug des Inhaltsverzeichnisses) hier stichwortartig gelistet:
«Alter als Bildungsherausforderung – Musik in jüngeren Lebensjahren als Ressource für das Alter – Wirkungen von Musik – Bedeutung von Musik für den älteren Menschen – Dialogische Orientierung – Intergenerative Orientierung – Musik und Gesundheit – Musik und Demenz -Präventionsaspekte – Musik in Lebens- und Alltagskrisen – Musik in der Sterbebegleitung – Institutionen – Stationäre und teilstationäre Einrichtungen – Seniorenorchester, -chöre, -ensembles und -bands – Musikschulen – Hochschulen – Musizieren in Alteneinrichtungen und Pflegeheimen – Musik und Bewegung – Musikeinsatz bei Prävention und Rehabilitation der Motorik – Musikunterricht im Alter – Musikbezogenes Lernen im Alter – Instrumental- und Gesangsunterricht – Anforderungen an den Instrumentallehrer» u.v.a.

Exkurs: Die «Wiesbadener Erklärung» des Deutschen Musikrates

Anfangs Juni letzten Jahres publizierte der Deutsche Musikrat, der «Spitzenverband des deutschen Musiklebens», seine «Wiesbadener Erklärung». In diesem Aufsehen erregenden Manifest unter dem Titel «Musizieren 50+ – im Alter mit Musik aktiv», welches substantiell ohne weiteres auch auf die anderen europäischen Länder übertragen werden kann, sind zwölf Forderungen an Politik und Gesellschaft formuliert. Zentraler Kritik-Punkt ist dabei, dass «die gesellschaftspolitische Debatte und die damit einhergehende Bewusstseinsbildung um die Wirkungen von Musik im Hinblick auf die ‘Generationen 50+’ bislang so gut wie gar nicht geführt wird.»
Wir zitieren nachfolgend dieses Dokument, das sowohl Standort-Bestimmungen als auch Zukunfts-Perspektiven umreißt, in seinem vollen Wortlaut:

«Die Potentiale des demographischen Wandels und seine Probleme wie die zunehmende Vereinsamung älterer Menschen sind gesellschaftspolitische Herausforderungen, die dringend neuer bzw. verstärkter Lösungsansätze bedürfen. Die Musik kann dabei Chancen eröffnen, die kreativen Potentiale älterer Menschen in viel stärkerem Maße als bisher zu entfalten und in die Gesellschaft einzubringen. Mit dem Bild einer human orientierten Gesellschaft verbindet sich die Überzeugung, dass die Erfahrung mit Musik um ihrer selbst Willen als elementarer Bestandteil in jedem Lebensalter ermöglicht werden muss.
Die Möglichkeiten zum Erfahren von und zur Beschäftigung mit Musik sind für die Älteren signifikant unterentwickelt. Die Barrieren auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene sind vorhanden, werden aber häufig nicht wahrgenommen. Dies überrascht umso mehr, als die gerontologische Forschung bereits seit einigen Jahren nachgewiesen hat, wie sehr die Musik auch prophylaktische und therapeutische Wirkungen hat und zur Wahrung von Identität beiträgt. Zudem hilft aktives Musizieren aus der Vereinsamung, indem es soziale Kontakte schafft und hilft Verluste zu verarbeiten.
So fehlen momentan in Deutschland fast durchgängig musikalische Angebote, die sich gezielt an ältere Menschen wenden. Zudem fehlt es meistens an geeigneten Bedingungen für musikalische Betätigungen in den Alteneinrichtungen. Der Deutsche Musikrat kann – angesichts der schon heute vorhandenen Altersarmut – nicht akzeptieren, dass zukünftig breite Bevölkerungsschichten, insbesondere im dritten und vierten Lebensalter von der kulturellen Teilhabe ausgeschlossen werden. Angesichts dieser Erkenntnisse ist es ein gravierendes Versäumnis, dass die gesellschaftspolitische Debatte und die damit einhergehende Bewusstseinsbildung um die Wirkungen von Musik im Hinblick auf die Generationen 50+ bislang so gut wie gar nicht geführt wird. Der Deutsche Musikrat fordert daher alle Verantwortlichen in Bund, Ländern und Gemeinden auf, einen Masterplan ‘Musizieren 50+’ zu entwerfen, der die nachstehenden Eckpunkte umfassen sollte. Dabei muss die Umsetzung der Forderungen im Hinblick auf die Menschen mit Migrationshintergrund unter Berücksichtigung Ihrer kulturellen Wurzeln erfolgen.

  1. Der Deutsche Musikrat fordert Parlamente, Regierungen und Parteien auf, in ihren Programmen und Handlungsfeldern die Notwendigkeit kultureller Angebote für alte Menschen zu verankern.
  2. Damit sich das aktive Musizieren im höheren Lebensalter besonders wirksam entfalten kann, bedarf es einer qualifizierten und kontinuierlichen musikalischen Bildung im jüngeren Lebensalter.
  3. Die Musik muss in der Altenpflege, der sozialen Altenarbeit, der Rehabilitation und der Therapie verstärkt eingesetzt werden. Dazu bedarf es einer qualifizierten Aus- und Fortbildung in der Musikgeragogik (Musik mit alten Menschen).
  4. Die Hochschulen und Universitäten müssen die Studierenden gezielt auch für die fachspezifischen Anforderungen der Arbeit mit älteren Menschen qualifizieren. Die Fachdidaktik bedarf einer verstärkten Forschung.
  5. Die Musikvereinigungen des Laienmusizierens im weltlichen wie kirchlichen Bereich sollten verstärkt Angebote für alle Altersgruppen – Generationen übergreifend –bereitstellen, die finanziell gefördert werden müssen.
  6. Die Musikschulen müssen strukturell und finanziell in die Lage versetzt werden, Angebote für ältere Menschen bedarfsgerecht bereitstellen zu können. Dazu gehört eine Erweiterung des Angebotes, um auch bei denen die Motivation zum Musizieren zu wecken, denen bisher musikalische Erfahrungen vorenthalten wurden.
  7. Die Möglichkeiten des individuellen und gemeinsamen Musizierens in allen Wohnbereichen, somit auch in Einrichtungen für ältere Menschen und Krankenhäusern, müssen geschaffen bzw. schon bei der Bauplanung berücksichtigt werden.
  8. Die Bundesregierung ist aufgefordert, durch Pilotprojekte das Musizieren im höheren Lebensalter zu befördern. Dazu gehört auch der Dialog der Generationen, zum Beispiel durch die konzeptionelle Einbindung qualifizierter musikalischer Angebote in das Projekt der Mehrgenerationenhäuser.
  9. Der Deutsche Musikrat und die Landesmusikräte sind aufgefordert, ihre Projekte im Hinblick auf die stärkere Gewichtung Generationen übergreifender Aspekte zu überprüfen und ggf. zu modifizieren durch die Einführung von Fördermaßnahmen für das Familienmusizieren.
  10. Die Landes- und Bundesakademien sind aufgefordert, im Bereich der Musikvermittlung Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebote für das Musizieren im höheren Lebensalter und Generationen übergreifenden Musizierens zu entwickeln.
  11. Die Kultureinrichtungen müssen ihre Angebote stärker auf die Bedürfnisse alter Menschen ausrichten. Hierbei soll auch dem Aspekt zunehmender Altersarmut Rechnung getragen werden.
  12. Der Deutsche Musikrat ist aufgefordert, die Einrichtung eines Netzwerkes ‘Musik im Alter’ gemeinsam mit den musikalischen und sozialen Fachverbänden, sowie den politisch Verantwortlichen zu prüfen. Ziel des Netzwerkes muss es sein, flächendeckend älteren Menschen das eigene Musizieren und die Teilhabe am Musikleben zu ermöglichen und dafür eine bürgerschaftlich gestützte Infrastruktur zu schaffen, um sie in Ihrem Lebensumfeld zu erreichen.»

«Musizieren im Alter» ist eine die aktuelle wissenschaftliche Diskussion ausgewogen resümierende, dabei in manchen musik-pädagogischen bzw. -theoretischen und lern-psychologischen Aspekten durchaus methodisch-konkret werdende Abhandlung, die nicht nur weiten Teilen der Musik-Institutionen und -Lehrerschaften, sondern auch dem Altenpflege-Personal bis hin zu den betreuenden Angehörigen wertvolle Informationen, Anregungen und praktische musikalische Tipps bietet für den (Musik-)Alltag mit dem alten oder/und pflegebedürftigen Menschen. Für ein vertiefendes Studium fügte man dem Band ein umfangreiches Literatur-Verzeichnis an, erläuternd illustriert wird er mit zahlreichen Noten-Beispielen und anderem Bild-Material. Alles in allem eine äußerst verdienstvolle, fundierte Publikation des Schott-Verlages, die durchaus auch als Grundlagen-Lektüre dienen kann für den Einstieg in einen psychosozialen Bereich, dem inskünftig eine kaum zu überschätzende Bedeutung für die ganze Gesellschaft zukommen dürfte.

Theo Hartogh & Hans H. Wickel, Musizieren im Alter, Arbeitsfelder und Methoden, Schott Verlag, 160 Seiten, ISBN 978-3-7957-8733-2

Leseprobe

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Literatur-Wettbewerb von «Weisz auf Schwarz»

Posted in Literatur, Literatur-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 13. April 2008

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Wider den Mainstream

«Weisz auf Schwarz», die «Zeitschrift für kontraindizierte Wortbildung» schreibt bis zum 30. April 2008 einen offenen Literatur-Wettbewerb aus, wobei keine speziellen Genres verlangt und kein spezielles Thema vorgegeben ist, und die Formen der Essay, die Kurzprosa, die Lyrik u.a. sein können. Grundsätzlich geht es um Texte, «die im Lektorat des alltäglichen Mainstream-Literatur-Betriebes durchfallen». Die weiteren Einzelheiten finden sich hier.

Das Film-Roman-Projekt des Paulo Coelho

Posted in Kunst&Kultur, Literatur, Literatur-Ausschreibungen, Paulo Coelho by Walter Eigenmann on 13. April 2008

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«Die Hexe von Portobello»

Der 61-jährige brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho lässt sein neuestes Roman-Projekt «Die Hexe von Portobello» verfilmen. Hierzu lädt der (im Internet überhaupt äußerst präsente) Autor seine Leser ein, die Geschichte der Athena – erzählt aus der Perspektive von 15 verschiedenen Personen – in einem Filmprojekt umzusetzen. Die 15 besten Projekte werden prämiert und in einen einzigen Film umgearbeitet. In der deutschen Illustrierten «Die Bunte» hat der Autor das Konzept dieses Filmprojektes näher erläutert. Seine eigene «Ausschreibung» zu dieser geplante Story sowie die technischen Einzelheiten finden sich hier (auf englisch).

30. Solothurner Literaturtage 2008

Posted in Events, Literatur by Walter Eigenmann on 13. April 2008

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Werkschau der Schweizer Literatur

«Mit dreißig Jahren blickt man zurück, aber auch nach vorne. Man ist voller Projekte und Ideen, neugierig und offen für Neues. Da ist Energie und Frische und eine gewisse Unbekümmertheit – und da ist Lust zu tanzen.
Von dieser Frische ist einiges im dreißigsten Programm der Literaturtage (2.-4. Mai 2008) zu spüren. Wie immer sind sie eine Werkschau der Schweizer Literatur, mit Arrivierten und weniger Arrivierten, vor allem aber mit vielen Debütanten und erfreulich vielen Debütantinnen. Neben den «Großen» Muschg, Nizon, Stamm und Steiner, die teilweise aus noch unveröffentlichten Werken lesen, bietet das Lesefest ein Feuerwerk an Erstlingen.
Vierzehn sind es an der Zahl, und man darf gespannt sein, wie sie sich auf dem Solothurner Parkett präsentieren, wie sie sich bei ihrem ersten Auftritt vor einem großen Publikum bewegen werden: Jacqueline Moser ist mit dabei und Maurizio Pinarello, Isabelle Stamm und Mireille Zindel, Annette Hug und Anja Jardine. Neue Stimmen also, neue Töne, die frischen Wind an den Fuß des Weißensteins bringen.
Frischer Wind kommt wie immer auch aus Norden, aus Deutschland. Dieses Jahr sind es unter anderem Monika Maron, Annette Pehnt und Ulrich Peltzer, die mit präzisen, so einfühlsamen wie klugen Texten bezaubern werden.

Literatur - Wendy Guerra-Glarean Magazin

Die kubanische Autorin Wendy Guerra zu Gast in Solothurn 2008

Und Gäste aus aller Welt sind da, um mitzutanzen beim großen Lesefest: Da ist  aus Kuba Wendy Guerra, die 2006 laut «El Pais» den besten Roman der hispanischen Welt geschrieben hat. Da sind Lydia Davis und Nathan Englander aus den USA, zwei Perlen der neuen amerikanischen Literatur. Da ist Carl Djerassi, der «Vater der Pille». Und da sind der Goncourt-Preisträger Gilles Leroy, Dacia Maraini und Andrea de Carlo.
Auch eine Prise Nostalgie wird mitschwingen im dreißigsten Jahr, es wird an Stimmen erinnert, vergessene, vermisste, verstummte. Das Netz der Erinnerung wird ausgeworfen, um Höhe- und Tiefpunkte zu erbeuten, die Anfänge an Land zu ziehen, die ursprüngliche Idee, einen Ort zu schaffen, wo Autoren sich begegnen.» (Aus dem Programm-Editorial von Daniel Zahno)

Das Schach-Wort zum Sonntag

Posted in Schach, Schach-Wort zum Sonntag by Walter Eigenmann on 12. April 2008

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Minoritätsangriff

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Weiß zieht

Auflösung nächstens hier

Internationales Buch-Symposium

Posted in Events, Kunst&Kultur, Literatur, Politik&Gesellschaft by Walter Eigenmann on 11. April 2008

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Das Buch zwischen Kultur-Gut und Markt-Produkt

Am 2. Mai 2008, genau ein Jahr nach dem Fall der Preisbindung in der Deutschschweiz, führt der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV mit Unterstützung seiner Partnerorganisationen aus der Schweiz und Deutschland ein internationales Symposium durch. «Vielfalt statt Einfalt» lautet der Titel der Veranstaltung im Alten Spital Solothurn, an der über Buch-Politik nachgedacht werden soll; im Besonderen über das Buch im Spannungsfeld zwischen Kulturgut und Marktprodukt. Im Zentrum stehen die Fragen, ob die Buchpreisbindung ein sinnvolles Literaturförderungsinstrument ist, wie die Erfahrungen mit fixen und freien Preisen aus der Schweiz sowie andern Ländern sind und wie viel Marktwirtschaft Kultur erträgt – respektive wie viel Schutz Kultur in einer Marktwirtschaft für sich beanspruchen darf.
An der eintägigen Veranstaltung, welche parallel zu den Solothurner Literaturtagen stattfindet, werden unter anderem Jean-Frédéric Jauslin (Direktor des Bundesamtes für Kultur), Jack Lang (ehem. franz. Kulturminister und Vater des «Loi Lang»), Elisabeth Ruge (Berlin Verlag), die Philosophin Annemarie Pieper, der Autor Peter Stamm, der britische Ökonom und Buchpreisspezialist Francis Fishwick und andere mehr referieren und diskutieren. Zudem werden Schweizer Buchhandels- und Verlagsvertreter über die Situation des Schweizer Buchmarkts ein Jahr nach dem Fall der Preisbindung informieren.
Moderiert wird dieser kulturpolitische Literaturclub, der von 9 bis 17 Uhr dauert, von Charles Clerc.

Das Schach-Alphabet

Posted in Schach, Schach-Alphabet, Schach-Rätsel, Skachographie by Walter Eigenmann on 11. April 2008

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Buchstabe C – Weiß gewinnt

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Copyright by W.Eigenmann / Glarean Magazin © 2008

Schach-Rätsel – Buchstabe C
[Walter Eigenmann 2008]

Die Lösung finden Sie hier

In der nächsten Woche: Buchstabe D

Der Download aller acht Buchstaben (PGN & CBV/CBH)

Prosa-Wettbewerb des Herbert-Utz-Verlages

Posted in Literatur, Literatur-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 10. April 2008

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Kurzgeschichten zu «Niemandsland»

Literareon-Prosawettbewerb

Der Herbert Utz Verlag veranstaltet im Rahmen seiner Autoren-Reihe «Literareon» einen internationalen Kurz-Geschichten-Wettbewerb unter dem Motto «Niemandsland»; die Teilnahme steht allen Autorinnen und Autoren offen. Pro Autorin/Autor darf nur ein Beitrag eingereicht werden. Dieser soll 1’500 Wörter nicht überschreiten und bisher unveröffentlicht sein. Die besten Kurzgeschichten werden in einer speziellen Anthologien-Reihe veröffentlicht, der 1. Preis des Wettbewerbes beläuft sich auf 500 Euro. Einsende-Schluss ist am 30. November 2008, die Details der Ausschreibung finden sich hier.

Berner Lyrik-Wettbewerb 2008

Posted in Literatur, Literatur-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 10. April 2008

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11. Berner Lyrik-Ausschreibung

Berner Lyrik-Wettbewerb

Am 11. Berner Lyrik-Wettbewerb ist teilnahmeberechtigt, wer seinen Wohnsitz in der Schweiz hat. Pro Person ist ein Gedicht einzureichen. Das Gedicht ist in deutscher Sprache oder Mundart zu verfassen und besteht aus mindestens 10, höchstens 40 Zeilen; das Thema ist frei wählbar. Einsende-Schluss ist am 1. September 2008, die Einzelheiten finden sich hier.

Urs Widmer / Valentin Lustig

Posted in Buch-Rezension, Kunst, Literatur, Rezensionen, Urs Widmer, Valentin Lustig by Walter Eigenmann on 9. April 2008

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Im Anfang war das Bild – oder
«Valentin Lustigs Pilgerreise»

Walter Eigenmann

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Das Buch «Valentin Lustigs Pilgerreise» handelt von Bildern – des Malers Valentin Lustig. Und von den Bildern dieser Bilder – des Autors Urs Widmer. So weit, so schwierig. Aber jetzt kommt’s: Es sind da noch die Bilder der Bilder der Bilder – von uns, der Seher-/Leserschaft.
Hmm, nochmals von vorne: Also, es gibt den 33-jährigen, im rumänischen Klausenburg geborenen, seit 25 Jahren in Zürich lebenden Maler Valentin Lustig. Und den 70-jährigen Basler, auch in Zürich wohnenden Schriftsteller Urs Widmer – und der Diogenes Verlag meint (zuhinterst, also zuvorderst): Die beiden «haben sich als Seelenverwandte entdeckt, ein künstlerischer Dialog hat sich entsponnen», daraus sei nun ein raffiniert komponiertes Gesamtkunstwerk entstanden. Diese Bemerkung stimmt – ist aber eine leere Werbe-Sprechblase. Es hilft also nichts: man muss noch weiter, mindestens bis zum Buch-Titel zurück, um anzufangen – nämlich: «Urs Widmer: Valentin Lustigs Pilgerreise – Bericht eines Spaziergangs durch 33 seiner Gemälde – Mit Briefen des Malers an den Verfasser». Ja, so packt der Rahmen diese Galerie richtig, und nun kann man auch das allererste Bild aufrufen. Man betrachte es gut, denn es beinhaltet das ganze Buch und heißt «Vier lachende Knaben»:

Und dann hat, nach dem Maler, der wohl seit Jahren bild-gewaltigste Texter der Schweiz seinen ersten Auftritt – und weit holt er schon zu Beginn aus, den Maler ein, und den Betrachter hinein:

«Weißt du denn nicht, dass der Erdenkreis von Toten bevölkert ist? Den Verstorbenen alter und auch junger Zeiten? So sieben Milliarden Schatten dürften sie inzwischen sein, die Toten aller Zeiten, vom allerersten homo sapiens an, der keine vierzehn Jahr alt und eine Frau war, die nach der Geburt des dritten Menschen unserer Art starb, bis hin zu deinem Freund, der gestern verschied. Inzwischen leben mehr Menschen auf der Erde, als jemals auf ihr gestorben sind. Obwohl wir uns immer noch umbringen und auch die Viren ihr letztes Wort noch nicht gesprochen haben. – Die Toten gehen so, wie sie im Augenblick ihres Todes waren. Schwarz und nackt im Fall der ersten Gestorbenen, oder eben im Pyjama, mit einem eingeschlagenen Schädel, ohne Beine, bleich, im Gehrock, mit einer Schiebermütze auf dem Kopf, einem Stahlhelm. Wir sehen die Seelen nicht, die Aufmerksameren unter uns spüren sie zuweilen, vor allem, wenn wir durch eine hindurchgehen, die nicht ausweichen kann oder will. Wozu auch? Wir frösteln und haben einen Widerstand gespürt, so etwas wie dicke Luft.»

Solchermaßen die Route dieser Reise von Lustig und Widmer abgesteckt erhalten, pilgert man nun als Leser los, 140 Seiten lang, an beiden Händen geführt von zwei Ver-rückten, die einen schnurstracks, oder auch auf Umwegen, in die Hölle reißen, zuweilen in den Himmel heben. Gott bewahre, langweilig sind die zwei Autoren wirklich nicht, sie unterhalten auf Teufel komm raus.
«Unterhalten»? Wieder ein falscher Ansatz. Gewiss, der Wortwitz, auch der makabre oder ironische, und die skurrile Wendung, überhaupt das amüsierte Augenzwinkern angesichts der Welt, wie sie auch sein könnte, ist bekanntlich längst eines der zahllosen Wahrzeichen Widmerschen Schreibens – und der Former-Färber Lustig ist keinen Deut besser, womöglich noch kurzweiliger und abenteuerlicher, so als Malender. Es macht tollsten Lese-Spaß, dieses Buch durchzublättern – in einem Tollhaus zu «spazieren». Man lehnt sich angeregt zurück, vergleicht schmunzelnd Text mit Bild, durchmisst vergnügt exotische Fantasy-Welten und -Weiten bis zur Chinesischen Mauer hinauf, freut sich am schier wortgewaltsamen Fabulieren des Schreibers und an den surreal-komischen Kompositionen des Malers – einfach hübsch alles, und auch so, in dieser originellen Zwei- und Bildsamkeit, noch nicht oft gesehen.
Aber da ist noch eine andere Ebene. Denn, so Widmer:

«Im Anfang war das Bild. Fürs erste Bild kommt auch der beste Maler heute zu spät. Weil das so ist, wollen die Maler wenigstens das letzte Bild haben. Das ist verständlich. Wozu malten sie sonst. Die Schöpfung war nach sechs Tagen Arbeit ein prachtvolles Gemälde geworden, das sein Schöpfer am siebenten Tag mit Wohlgefallen ansah. Später sah er das, was er da getan hatte, eher als eine Art Testament, ein Vermächtnis, als einen Entwurf für etwas, was ihm später noch viel besser gelingen sollte. Aber er machte sich dann kein zweites Mal an die Arbeit, jene sechs Tage hatten ihn ausgelaugt. [...] Die Arbeit Gottes fertigmachen, einer muss es einmal tun. Schönheit schaffen, Entsetzen. So viel Zeit bleibt uns ja nicht mehr dafür. Nirgendwo tanzt es sich schöner als auf der heißen Herdplatte. Keinen Augenblick halten die Tanzenden inne.»

Es ist diese spirituelle, um nicht zu sagen religiöse Einkehr von Bild und Text bei «Gott und der Welt und bei allen Zeiten», die aus jeder Seite des Bandes spricht. Allerdings nicht die stille, kontemplative, quasi versöhnliche Mantra-Einkehr, sondern eine des Nervösen, des Sprunghaften, des freischwebenden Assoziierens – jene, welche die beiden Autoren in ihrem Buch zuweilen als «Insomnia» bezeichnen. Widmer und Lustig kehren ein bei Kopernikus und bei Bart Simpson, in Hiroshima und in Zürich, zu Michelangelos David und zu den Pagoden Macaos, um endlich über Hamlet und dem Global Warming oder auch über Max Bill und dem Spitzschnabelerpel bei der Madonna in Manhattan und der Tante Hoka in der Badewanne (voller Getier) zu landen. Auf Schritt und Tritt wird der Leser, welcher der dritte Pilger ist, an Abgründe gezerrt, doch nicht hinuntergestoßen. Und hinters Licht geführt, auf dass er besser sehe. Und Widmer schreibt und schreibt und schreibt – und keinen Augenblick geschwätzig, sondern unangestrengt konzentriert, falls das geht, und bis in den Mikrokosmos der Wort-Wort-Beziehung hinein auskomponiert: «…Der irische Philosoph de Selby (derselbe, der…)»
Wer diesem Urs Widmer beim Schreiben zuhört, kann Musik sehen – eine Art Widmer-Sound. Mir ist kein Schweizer Schriftsteller bekannt, der solche Ungeheuer von Gemälde ertönen lassen kann wie dieser zurecht vielfach ausgezeichnete Basler Dichter mit dem zwielichten Blick und dem klaffenden Haar. Diesem Autor scheint keine Erfahrungswelt verschlossen, und kein Gebiet des Erlebens, das sich nicht zumindest andeutungsweise mit Sprache fassen ließe. Der Widmersche Wörter- und Sätze-Kosmos mag (Literatur-verhältnismäßig) einfach sein, aber seine Bedeutungs-Weiten sind der schiere Zauber. Er und sein Brief-Freund Valentin beschreiten – mal absurd, mal zum Lachen, mal zum Leerschlucken, mal auch bloß interessant – einen Pilger-Weg, dessen 33 Stationen nur einen Nachteil haben: dass es nicht 66 oder 99 sind. Denn diesem Paar könnte man noch tagelang beim Kunstmachen zuschauen. Auch wenn schon zutrifft, wie’s Seite 102 heißt: «Das Eigentliche bleibt immer ungemalt. Ungeschrieben auch, übrigens.»

Urs Widmer&Valentin Lustig: Valentin Lustigs Pilgerreise, Bericht eines Spaziergangs durch 33 seiner Gemälde, Mit Briefen des Malers an den Verfasser, Diogenes Verlag, 140 Seiten, ISBN 978-3257066340

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Das Zitat der Woche

Posted in Essays & Aufsätze, Kunst&Kultur, Leszek Kolakowski, Philosophie, Zitat der Woche by Walter Eigenmann on 8. April 2008

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Von der Kontinuität der geistigen Leistungen

Leszek Kolakowski

[...] Weil die gesellschaftliche Funktion der Intellektuellen die Anerkennung allgemeingültiger Denkmuster als obligatorischer Normen wesentlich einschließt, sind die Intellektuellen außerstande, eine Gruppe zu bilden, die ihren Gliedern jenes Gefühl totalen Engagements oder jenes Zugehörigkeitsbewußtsein vermittelt, das viele religiöse oder politische Gruppen geben können. Was gewöhnlich «Entfremdung» der Intellektuellen genannt wird, ihr – oft beschriebenes – Gefühl, «entwurzelt», nicht dazugehörig zu sein, kann ideologische Bedürfnisse hervorbringen, die sich darin äußern, daß sie sich anti-intellektuellen Tendenzen in bestehenden Bewegungen anschließen und ihnen Ausdruck verleihen.
Dieses Gefühl des Nicht-Dazu-Gehörens kann außergewöhnlich stark sein und wird nicht nur durch die besondere Situation der Intellektuellen hervorgerufen, sondern durch alle Umstände, die das Leben in zeitgenössischen Gesellschaften mehr und mehr von rational organisierten technologischen und administrativen Systemen abhängig machen, die die letzten Reste des Sippenverbandes und jede Unmittelbarkeit der Kommunikation zerstören. Die Sehnsucht nach rückhaltlosem Engagement und der Wunsch, sich aus einer Gesellschaft zurückzuziehen, in der die Kommunikation mehr und mehr von jenen Systemen vermittelt wird, sind bestimmende Motive vieler philosophischer, religiöser, politischer und gesellschaftlicher Erscheinungsformen unserer Kultur.

Leszek Kolakowski

Leszek Kolakowski

Das Individuum kann versuchen, dieses Bedürfnis auf verschiedene Weise zu befriedigen: Durch politisches Engagement, durch Mystik, durch Drogen (ich will nicht behaupten, daß alle diese Formen des Engagements die gleiche gesellschaftliche Bedeutung oder den gleichen Wert haben, sondern nur, daß ähnliche individuelle Motivationen in ihnen wirksam sein können). Drogen können, auf der Ebene des Individuums, ein Mittel sein, aus der Einheit der Kultur auszubrechen, ein verzweifelter Versuch, in die verlorene Unmittelbarkeit zur Welt zurückzukehren – aber die Ideologie der Droge kann zugleich Bedingungen gesellschaftlicher Art für einen solchen Ausbruch geltend machen (man kann amerikanische Revolutionäre sagen hören, das amerikanische Establishment kämpfe aus politischen Gründen gegen die Droge, weil sie es den Menschen ermögliche, sich von den verinnerlichten, durch Erziehung eingeprägten Werten des Establishments zu befreien; die Werte und Vorstellungen sind so tief eingewurzelt und internalisiert, daß es scheinbar keine Möglichkeit gibt, sich von ihnen zu befreien, als die Droge).
Die Intellektuellen sind nicht gerufen, die Welt zu regieren. Ihre wichtigste Funktion ist es, den Bestand der menschlichen Geisteskultur zu bewahren und als gemeinschaftliches Gut weiterzugeben; mit anderen Worten, ihre Arbeit ist bedeutungsvoll nur unter der Voraussetzung, daß trotz aller Kämpfe und Konflikte alle Menschen an einer wesentlich gleichen Geistesstruktur teilhaben und daß alle Weltkonflikte nicht die Kontinuität und den Zusammenhang der Leistungen menschlichen Geistes zerstören können.
Diese Idee einer Universalität der Vernunft impliziert den Begriff von Wahrheit, der sich von dem Begriff der Gültigkeit unterscheidet, wie er auf Werte, Institutionen, Mythologien und Sittengesetze angewandt wird. Sie impliziert nicht, daß normative Kriterien, die für andere Bereiche gelten (zum Beispiel im Bereich der Mythologie), nicht auch angewandt werden dürften, aber sie verbietet, daß die Kriterien der Wahrheit durch Engagement ersetzt werden. Dieses Verbot zu mißachten bedeutet, was man treffend den Verrat der Intellektuellen nennen könnte. Die Idee, daß die Menschheit sich von ihrem geistigen Erbe «befreien»  und eine «qualitativ andere» Wissenschaft oder Logik begründen solle, ist der Wegbereiter eines bildungsfeindlichen Despotismus. [...]

(Aus Leszek Kolakowski: «Intellektuelle kontra Intellekt», Essay in «Leben trotz Geschichte», Piper Verlag 1977)

50-Euro-Preisrätsel

Posted in 50-Euro-Preisrätsel, Musik, Wer bin ich? by Walter Eigenmann on 6. April 2008

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Witzig-pointierte Vitalität

preis_raetsel.jpgAn Talenten hat es mir meiner ganzen vielen Lebtage lang nie gemangelt: Meine poetische Ader stellte ich bei vielen meiner schriftlichen Äußerungen v.a. in der Form des Reimes unter Beweis; meine wissenschaftlich-kognitive Seite führte hingegen zum eher trockenen Studium der Jurisprudenz; wie kein zweiter Compositeur meiner Zeit beherrschte ich zahlreiche Instrumente nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch exquisit (z.B. auch den eher selten besetzten «Calchedon»); eine prächtige Bariton-Stimme sagte man mir ebenfalls nach. Aber vor allem anderen zähle ich zu den produktivsten Komponisten der Musikgeschichte, wobei ich jeglicher Modernität stets äußerst aufgeschlossen gegenüberstand. Auf alle Fälle eignet meinem Oeuvre fast immer eine – bei manchem meiner zeitgenössischen Kollegen zuweilen vermisste – verspielt-charmante Vitalität, eine Art verschmitzten Humors auch, und gleichzeitig eine technische Professionalität, die nicht ahnen lässt, dass ich mir das höhere kompositorische Rüstzeug fast vollumfänglich autodidaktisch angeeignet habe.
Das folgende Stück stammt aus einer meiner «Fantasien»  für Flöte:

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Also: Wer bin ich?

Das Schach-Wort zum Sonntag

Posted in Schach, Schach-Wort zum Sonntag by Walter Eigenmann on 5. April 2008

Ersticktes Matt

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Schwarz zieht und gewinnt

 31…Sf1+ 32.Kh1 Dh2+ 33.Sxh2 Sfg3 matt
(Siff-Kashdan, New York 1948)

Dramatik in 30 Minuten

Posted in Literatur, Literatur-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 4. April 2008

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5. Marburger Kurzdramen-Wettbewerb

theater-gegenstand-marburg-2008.jpgDas Marburger ImproTheater GegenStand e.V. schreibt den 5. Marburger Kurzdramen-Wettbewerb aus. Das eingereichte Kurz-Drama sollte in maximal 30 Minuten aufführbar sein, maximal vier Darsteller/innen benötigen und bühnen- wie kostümtechnisch leicht umsetzbar sein. Einsendeschluss ist am 30. April 2008, die weiteren Details finden sich hier.

Das Schach-Alphabet

Posted in Schach, Schach-Alphabet, Schach-Rätsel, Skachographie by Walter Eigenmann on 4. April 2008

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Buchstabe B – Weiß hält remis

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Copyright by W.Eigenmann / Glarean Magazin © 2008

Schach-Rätsel – Buchstabe B
[Walter Eigenmann 2008]

Die Lösung finden Sie hier

In der nächsten Woche: Buchstabe C

Der Download aller acht Buchstaben (PGN & CBV/CBH)

Strategisches Schach-Training

Posted in Anatoli Karpow, Neuheiten, Schach by Walter Eigenmann on 3. April 2008

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Karpow & Mazukewitsch: «Stellungsbeurteilung und Plan»

karpowmazukewitsch_stellungsbeurteilung.jpgVor allem zwei Fähigkeiten sind für einen erfolgreichen Schachspieler unentbehrlich: das Vermögen, eine Stellung richtig einzuschätzen sowie im Ergebnis dieser Beurteilung einen optimalen Plan für die weitere Spielführung zu entwickeln.
Die beiden Autoren – der langjährige Weltmeister Anatoli Karpow und Meister Anatoli Mazukewitsch – weisen einen effektiven Weg, wie sich jeder Schachfreund diese beiden wichtigen Fähigkeiten aneignen kann.
Sie unterscheiden sieben Grundkriterien für die Stellungsbewertung, mit deren Kenntnis jede beliebige Position auf dem Brett exakt zu bewerten ist. Zum tieferen Verständnis werden diese sieben Merkmale – so u.a. das materielle Kräfteverhältnis, die Lage der Könige oder die Beherrschung offener Linien – und ihre jeweilige Rolle im Schachkampf an zahlreichen Übungsaufgaben, prägnanten Kurzpartien sowie Studien anschaulich erläutert.
Dieses Buch ist ein echter «Klassiker» – vor genau zwei Jahrzehnten erschien erstmals eine deutsche Ausgabe, die für die Edition Olms nun gründlich überarbeitet wurde. (Verlagsinfo)

Anatoli Karpow/Anatoli Mazukewitsch, Stellungsbeurteilung und Plan, Edition Olms, 200 Seiten, ISBN 978-3283005108

 

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Wer bin ich?

Posted in Frauen-Schach, Partien, Schach, Wer bin ich?, Women Power by Walter Eigenmann on 2. April 2008

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Women Power (II)

Wer bin ich - April 2008 - Glarean magazinObwohl ich letztes Jahr erst zwanzig geworden bin, bewegt sich meine internationale Wertungs-Zahl inzwischen rapide auf die 2’300-Elo-Marke zu. Was bedeutet, dass man mich ins offizielle Slowenische Damen-Nationalkader wählte. In dieser Funktion nahm ich 2007 an der Europa-Mannschafts-Meisterschaft teil, wo ich mit einem Score von «5 aus 8» reüssierte. Natürlich hoffe ich, dass ich in meiner Schach-Laufbahn nun nächstens eine weitere wichtige Hürde zu nehmen vermag, nämlich den FIDE-Titel «International Women Grand Master» IWGM. Denn als Großmeisterin steht mir an Schach-Turnieren oft die eine oder andere kleinere Annehmlichkeit zu.
Einer meiner besten Kämpfe am Brett gelang mir vor drei Jahren als «Schwarze» gegen Dafnae Trujillo, wobei das Turm-Manöver ab 28. Zug besonders erwähnenswert ist:

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Also: Wer bin ich?

Cartoon der Woche

Posted in Cartoons, Humor, Musik, Wilhelm Busch by Walter Eigenmann on 2. April 2008

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Wilhelm Busch

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Viktorija Tokarjewa: «Liebesterror»

Posted in Buch-Rezension, Literatur, Rezensionen, Viktorija Tokarjewa, Walter Eigenmann by Walter Eigenmann on 1. April 2008

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Von der Liebe und anderen Dummheiten

Walter Eigenmann

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tokarjewa_liebesterror.jpg«Zickzack der Liebe», «Happy End», «Eine Liebe fürs ganze Leben», «Mara», «Liebesterror» – kein Zweifel: Jenes, das man/frau gemeinhin mit der allesumarmenden Worthülse «Liebe» zu umreißen pflegt, ist eine thematische Konstante im Werk der heute 70-jährigen Moskauer Schriftstellerin Viktorija Tokarjewa. Und noch ein roter Faden – womöglich (oder: ziemlich sicher) resultierend aus dem ersten – zieht sich zentral bis total dominant durch beinahe jeden ihrer literarischen Texte, nämlich die Frau: z.B. die Nutten-Frau («Mara»), die Caritas-Frau («Happy Ende»), die Reife-Frau (»Sag ich’s…»), die Vamp-Frau («Der Pianist»), die Hoffnungs-Frau («Eine Liebe…»), oder auch die Sieges-Frau («Glücksvogel»). Und nun also, in ihrer neuesten Kurzprosa «Liebesterror», der Kopf-Erzählung dieser im Diogenes Verlag aufgelegten vierteiligen Sammlung, noch die Mutter-Frau.
Diese Mutter-Frau, das ist Tante Tossja, wie sie in überschwenglicher «Mutter-Liebe» ihre Tochter Nonna und ihren Schwiegersohn Zarenkow hegt und pflegt und – terrorisiert. Denn «Liebesterror» ist eine Dreiecks-Geschichte der dritten, ganz besonders komplizierten Art: «Tante Tossja arbeitete wirklich mit enormen Fleiß und brummte und summte ebenso wie eine Biene. Sie erschuf jeden Tat etwas. Und sie wollte eine Belohnung für ihre Arbeit, wenn auch nur mit Worten. Aber Nonna war ganz mit ihrem Mann beschäftigt. Und Zarenkow war nur mit sich selbst beschäftigt. Und die arme Tante Tossja konnte nur auf dem Treppenvorplatz heulen und um Mitgefühl schluchzen.» Verschärfend kommt hinzu: «Anderer Leute Elend wirkte auf Tante Tossja immer wohltuend. Das söhnte sie mit der Wirklichkeit aus.» Solche psychischen Dispositionen pflegen zu eskalieren – schon gar in der Schönen Literatur, und unausweichlich zwangsläufig bei der auf zwischenmenschliche Tragikomödien geradezu chirurgisch spezialisierten Autorin Tokarjewa. Ein Plot von «Liebesterror» sei darum verraten: Der Schwiergersohn, Tante Tossja buchstäblich bis aufs Blut und bis aufs Beißen in die Hand im Wege, erliegt nach 95 lakonischen, teils auch zärtlichen, oft fein zeichnenden, teils wieder diffusen Seiten einem Herzinfarkt. (Dessen Beschrieb übrigens – Zarenkow stirbt, vom Meer und von seiner Nonna träumend, an einem Herzinfarkt im Bett – wie ein Sportlight den stilistischen, sarkastisch gebrochenen, aber auch melancholisch-sensiblen Zugriff der Erzählerin Tokarjewa in wenigen Sätzen fokussiert: «Und plötzlich versank er. Das Wasser schwappte über seinen Kopf. Zarenkow bewegte Arme und Beine, er wollte auftauchen, aber es gelang nicht. Das Wasser erstickte ihn. Sein Herz bewegte sich fort und flog irgendwohin. Zarenkow flog seinem Herzen hinterher – und starb.»
Man hat der gebürtigen Leningraderin, die zuerst eine künstlerische Laufbahn als Musikerin, dann als Drehbuch-Schreiberin einschlug, aber seit 1964 ausschließlich als Prosa-Autorin arbeitet, zuweilen handlungstechnische Klischees und – als Schilderin sowjetrussischer Milieus – gesellschaftspolitische Simplifizierung vorgeworfen. In der Tat eignet zumal ihren langen Texten («Glücksvogel», «Der Pianist», «Happy End») eine teils fast zufällig anmutende Sprunghaftigkeit der äußeren Abläufe, der personalen Bezüge, der Handlungsfelder. Das Prinzip der «Bilder-Reihung», im Film effektvoll als dem Medium immanent, aber in psychologisierender Prosa unvermittelt wirkend, strapaziert die Autorin zu oft auch dort, wo «im Bilde zu bleiben» die Glaubwürdigkeit der Geschichte(n) heben könnte.

Was diese äußerst produktive, zu Beginn nur im Heimatland bekannte, längst nun auch im Westen erfolgreiche Schriftstellerin jedoch vom schön-unverbindlichen Plaudern über leichte oder schwere Gefühls-Unpässlichkeiten schwacher oder starker (Frauen-)Figuren hinaushebt, ist diese unnachahmliche Lakonie, die Knappheit des Schilderns, die präzise Beobachtung, das beinahe kühle Sezieren, dann auch wieder der zuweilen resignative Ton, das manchmal fatalistische Laisser-faire der im Alltag tragikomisch untergehenden, zuweilen doch wieder triumphierenden Protagonistinnen. Vor allem aber ist Tokarjewa eine Meisterin der Situations-Ironie und der Typisierung. Ihre wichtigste Waffe allerdings, um die Leserschaft bei Lektüre und Laune zu halten, ist die Rasanz und die Schnörkellosigkeit ihrer Sprache – woran allerdings ihre «Leib- und Magen-Übersetzerin Angelika Schneider wesentlichen Anteil haben muss. Da finden sich nirgends Füllungen noch grammatikalische oder semantische Redundanzen, die Verknappung der sprachlichen Mittel (aber nicht des Wortschatzes) bewirkt eine eigentümlich faszinierende Coolness der Distanz – und doch auch wieder der identifizierenden Sympathie ob soviel unbeschönigter Realität, die gleichsam jeder/m zustoßen könnte. Ein großer Teil des Publikum-Erfolges dieser Autorin geht aufs Konto solcher manchmal unbarmherzigen, mit viel Wortwitz und frappanten Psycho-Drehs auffahrenden, wohltuend unsentimentalen Sachlichkeit und Einfachheit; das Lese-Resultat ist atemlose Neugier. Kein Zweifel, Viktorija Tokarjewa ist eine Meisterin der Erzählkunst, ihre frühere unüberlesbare Holzschnittigkeit in den ersten Veröffentlichungen ist inzwischen der routiniertesten Eloquenz gewichen, ihre Kunst der Prototypisierung hat an Differenziertheit gewonnen.
Eine der vier Erzählungen in «Liebesterror» heißt – durchaus programmatisch für die Tokarjewa – «Salto mortale», und als quasi zusammenfassende Kost-Probe ihrer stilistischen Hexenküche sei aus diesem 21-Seiten-Stück kurz zitiert:

[...] Wie schwer es war, allein zu leben, wenn man mit keinem Menschen ein Wort wechseln konnte.
Der einzige Seelentröster war der Fernseher. Schura hing am Fernseher wie ein Süchtiger an der Nadel. Aber auch im Fernsehen gab es nur leben und leiden. [...]
Schura liebte die sowjetischen Filme der siebziger Jahre. Und sie sehnte sich nach dieser Zeit zurück. Da war sie noch jung gewesen, ihre Mutter war noch gesund und munter, und Pawel war damals Oberleutnant gewesen. Er machte ihr den Hof und kam zu ihnen nach Hause. Und ihre Mutter kochte eine Pilzsuppe aus getrockneten Champignons. Noch jetzt konnte sie das Aroma riechen. Ihre Mutter hatte goldene Hände. In ihnen steckte kulinarisches und menschliches Talent. [...]
Schura stieg langsam in den fünften Stock hoch. Neben dem Heizkörper hatte es sich ein grauhaariger Mann bequem gemacht. Er sah aus wie ein Ingenieur aus den siebziger Jahren und trug einen webpelzgefütterten Kunstledermantel.
Allgemeiner Eindruck: ein Ingenieur – kein Unhold, nur ein ganz gewöhnlicher Mensch, und ein Ingenieur hatte eben keinerlei besondere Kennzeichen. Dafür aber um so mehr Bescheidenheit und Schicksalsergebenheit, das Wissen um die Unmöglichkeit, etwas zu verändern. All das konnte man in den Augen dieses da sitzenden Menschen ablesen.
«Was machen Sie hier?» fragte Schura.
«Ich wärme mich auf», sagte der Ingenieur bloß.
«Und wieso hier?»
«Weil es der oberste Stock ist», erklärte der Ingenieur.
«Ja und?» fragte Schura verständnislos.
«Kommen weniger Leute vorbei. Schmeißt einem niemand raus.«
«Sind Sie etwa obdachlos?»
«In gewissem Sinne«, antwortete der Ingenieur und fügte dann hinzu: «Bitte, schicken Sie mich nicht weg.»
»Nein, nein, dann bleiben Sie eben sitzen«, sagte Schura beschämt.
Und sie dachte bei sich: Was es nicht alles gibt, ein anständiger Mann, und sitzt da wie ein Vagabund… Vielleicht hat man ihn aus seiner Wohnung geworfen? Möglicherweise war er ein Opfer von Wohnungs-Spekulanten geworden…
Schura schloß ihre Wohnung auf. [...]

Mag sein, dass einige Titel aus der Feder dieser Schriftstellerin früher oder später als den Massen-Geschmack allzu willfährig bedienende «Trivialitäten» auf den tonnenschweren ungelesen-vergessenen Halden der Literatur-Musealität landen. «Liebesterror» dürfte nicht dazu gehört.

Viktorija Tokarjewa, Liebesterror und andere Erzählungen, Diogenes Verlag, 217 Seiten, ISBN 978-3-257-06643-2