Gedicht des Tages
Sieh doch
sieh doch
der Mensch bricht aus
mitten auf dem Marktplatz
hörst du seine Pulse schlagen
und die große Stadt
gegürtet um seinen Leib
auf Gummirädern -
denn das Schicksal
hat das Rad der Zeit
vermummt -
hebt sich
an seinen Atemzügen.
Gläserne Auslagen
zerbrochene Rabenaugen
verfunkeln
schwarz flaggen die Schornsteine
das Grab der Luft.
Aber der Mensch
hat Ah gesagt
und steigt
eine grade Kerze
in die Nacht.
Nelly Sachs (1891-1970)
Koloratur in den höchsten Tönen
.
.Diana Damrau: «Arie di Bravura»
Seit jeher umgibt Koloratur-Sopranistinnen die Aura und der Glamour der großen Primadonnen. Perlende Sechzehntel bei perfektem Höhen-Stimmsitz, emotionale Expressivität bis fast zum dreigestrichenen C, rythmische Agilität, Sprung-Präzision, exaktes Intonieren im Allegro – der unabdingbaren Ingredienzen des virtuosen Koloratur-Singens sind dies nur einige.
Eine noch verhältnismäß junge, aber technisch bereits vollendete Sopranistin ist die 35-jährige Deutsche Diana Damrau. Vorläufiger Höhepunkt ihrer 2002 gestarteten, kometenhaften Solo-Karriere ist ihre nun vorliegende Einspielung von Bravur-Arien der Komponisten Mozart, Salieri und Righini. «Arie di Bravura» beinhaltet 13 (zumeist) selten gehörte, teils extrem virtuose oder gar an die Grenzen des Sangbaren gehende Beispiele des Zier-Singens, wie es auf der szenisch absorbierten Opern-Bühne kaum je so detailreich gehört bzw. gesungen werden kann.
Stil- und Ausdrucks-Puritaner werden der Damrau unweigerlich «L’art-pour-l’art»- oder gar «Zirkus»-Mentalität vorwerfen. Für die Freunde buchstäblich höchster Koloratur-Kunst ist «Arie di Bravura» ein faszinierendes Hör-Erlebnis der Extraklasse. (we)
Diana Damrau, Arie di Bravura, VirginClassic/EMI, ASIN B000R20VM8








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