Gedicht des Tages
Krähen
Sie streifen mit gierigen Flügeln
Schneezaun und Dämmernis.
In meinen Winterträumen
verschwebt ihr Schattenriss.
Ich denke durch ihre Schreie
den Gram der verödeten Welt,
wenn aus dem Frostgewölbe
mich ihre Not befällt.
Ach, die bestäubte Schwinge,
sie rührt an mein klirrendes Herz!
Atemlos und bekümmert
lausche ich himmelwärts.
Stürzt sich die Vogelwolke
auch in den Hügelspalt,
sucht mich ihr schwarzes Bedrängen
heim in anderer Gestalt.
Heinz Piontek (1925-2003)
Simpson-Homer oder Odyssee-Homer?
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«High / Low»
Hoch- und Alltagskultur
Im Sommer 2006 berichtete die Neue Zürcher Zeitung von einer Umfrage in den USA, der zufolge lediglich 20% der Bevölkerung einen Helden aus der Odyssee des Homer nennen können. Der Verfall der kulturellen Werte, den diese Zahl gemäß dem Verständnis der NZZ zum Ausdruck brachte, trat noch akzentuierter vor dem Hintergrund eines zweiten Ergebnisses derselben Umfrage hervor, nach dem 60% der Amerikanerinnen und Amerikaner Homer Simpson kennen, den Vater aus der Zeichentrickfilm-Serie «The Simpsons».
Was heißt es, wenn Homer Simpson viel bekannter ist als der antike Dichter, dem er seinen Namen verdankt?
Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass heute kulturelle Produkte, die man früher bedenkenlos als «low» bezeichnet hätte – von der Popmusik bis zum Kino, vom Design-Magazin bis zum Celebrity-Kult – für das Selbstverständnis der westlichen Gesellschaften fast wichtiger zu sein scheinen als die traditionelle «high art». Auch in der Wissenschaft hat sich diese Umwertung niedergeschlagen, mit den Cultural Studies haben die Alltags- und Populärkulturen massiv an Bedeutung gewonnen.
In dieser Situation ist ein unbedingtes Festhalten an high ebenso wenig produktiv wie eine Feier des low oder gar Gleichgültigkeit angesichts eines angeblichen «anything goes». Vielmehr ist zu untersuchen, wie sich «high» und «low» in den letzten Jahrzehnten gegenseitig durchdrungen haben und welche Hybridformen dabei zustande gekommen sind. Solche Transformationsprozesse betreffen insbesondere auch die komplex gewordenen Verhältnisse von Kunst und Geld, von Elite und Masse, von Tradition und Popularisierung. (Aus dem Vorwort)
C.Caduff/T.Wälchli, High/Low – Hoch- und Alltagskultur in Musik, Kunst, Literatur, Tanz und Kino, Kulturverlag Kadmos, ISBN 978-3-86599-042-6
Rein- und Ausfälle im Schach
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222 Eröffnungsfallen nach 1.e4
Jeder Schachspieler hat wohl schon die Erfahrung machen müssen, dass eine Partie bereits zu Ende ist, bevor sie so richtig angefangen hat. Der Grund ist dabei oft eine der überall lauernden Eröffnungsfallen, die darauf setzen, dass der Reingefallene ganz «normale» Züge macht – eine Figur entwickeln, etwas schlagen, eine Drohung aufstellen und parieren. Die Antwort, die meistens völlig ungewöhnlich und deshalb unerwartet ist, führt dann geradezu zwangsläufig zu einem schnellen Sieg für den «Fallensteller».
Die beiden international als Autoren anerkannten Großmeister – Rainer Knaak gilt als Eröffnungs- und Karsten Müller als Endspielexperte – verfolgen daher vor allem zwei Ziele: Der Lernwillige soll die Fallen in seinen Eröffnungen beherrschen, um Reinfälle zu vermeiden. Er kann aber gleichzeitig auch systematisch versuchen, sein Eröffnungsrepertoire zu erweitern, um selbst Fallen zu stellen. Im vorliegenden ersten Band gibt es zu jeder wichtigen Eröffnung nach dem Doppelschritt des weißen Königsbauern wie Italienisch, Sizilianisch, Französisch usw. auch einführende Texte mit den jeweils typischen Motiven, die man unbedingt kennen sollte. Auf diese Weise wird bei jedem Schachfreund als willkommener Nebeneffekt gleichzeitig sein Kombinationsvermögen erheblich wachsen. (Verlagsinfo)
R.Knaak/K.Müller, 222 Eröffnungsfallen nach 1.e4, Edition Olms, 160 Seiten, ISBN 978-3-283-01000-3








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