Neue Zugänge zur Dvorak-Symphonik
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Sechste und Neunte auf Entschlackungskur
Markus Gärtner
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Neun Symphonien hat Antonín Dvořák (1841–1904) geschrieben – bekannt geworden sind die letzten drei. Das abschließende Exemplar dieser Reihe, welches den kurz vor der Uraufführung vom Komponisten hinzugefügten Titel «Aus der neuen Welt» trägt, gehört sogar zu den meistgespielten und -aufgenommenen Symphonien überhaupt.
Eben jenes musikalische Zugpferd kombiniert das Swedish Chamber Orchestra unter Thomas Dausgaard auf einer neuen Einspielung aus dem Hause BIS mit der weit weniger bekannten 6. Symphonie: eine Gegenüberstellung, die auch musikalisch Sinn macht, leiten sich die unterschiedlichen Symphoniekonzeptionen doch aus konträren Traditionslinien ab: der Beethovenschen und der Schubertschen.
Die Sechste Symphonie machte bereits frühzeitig Furore. Der prominente Dirigent Hans Richter, dem Dvořák sein Werk dann auch widmete, war überwältigt. «Die Symphonie hat Richter dermaßen gefallen, so dass er mich nach jedem Satz abbusserlte», berichtet der Komponist von einem Besuch beim Widmungsträger. Uraufgeführt 1881 in Prag, bildet die Sechste den Abschluss von Dvořáks sogenannter «slawischer Schaffensperiode» (Kurt Honolka) und streicht das nationale Element noch einmal kräftig heraus: Den dritten Satz betitelt der Komponist als «Furiant», also einen schnellen tschechischen Volkstanz. Doch noch etwas fällt auf – und das besonders im Kopfsatz: Dvořák rückt hier näher an die, wohl durch Brahms vermittelte Beethovensche Machart, einen Sonatensatz zu gestalten, heran. Anders als in den vorhergehenden Symphonien wird hier eine regelgerechte Durchführung auskomponiert, nicht wie sonst und auch später wieder, Durchführungselemente nach Schubertscher Weise abschnittsweise über den ganzen Satz verteilt.
Um die Verästelungen der musikalischen Faktur angemessen zu deuten, erscheint der Zugang des Swedish Chamber Orchestra sehr passend: Mit nur 38 Musikern hat das Ensemble sich auf die Fahnen geschrieben, romantische symphonische Literatur zu entschlacken und dieser einen frischen Anstrich zu geben. Das Konzept hat mehrere preisgekrönte Produktionen gezeitigt, und auch bei Dvořáks Sechster geht es auf. Der Frontsatz mit seinem an das Volkslied «Es klappert die Mühle am rauschenden Bach» erinnernden 1. Thema überzeugt durch feinsinnige Dynamikabstufungen, die die musikalischen Entwicklungen farbenreich konturieren. Der «Furiant» erhält die nötige Durchschlagskraft, ohne dadurch das Finale in den Schatten zu stellen. Doch funktioniert die Idee der «Entschlackung» auch bei der Neunten?
Ja und nein. Denn über die 7. und 8, dann ganz deutlich vernehmbar bei der 9. Symphonie hat sich Dvořáks Klangbild weg von slawischen Tonfällen ins Universelle gewandelt. Der Komponist orientiert sich wieder mehr an Schubertschen Formmustern, verzichtet auf tiefgreifende thematische Arbeit. Amerikanische Einflüsse sowie die Auseinandersetzung mit Richard Strauss blieben ebenfalls nicht ohne Folgen. Gewöhnlich wird Dvořáks Neunte daher mit großem spätromantischen Orchester wiedergegeben. Nun sind Gewohnheiten dazu da, aufgebrochen zu werden, um das Neue hereinzubitten. Nur: Gegen Erwartung und Ankündigung klingt das Swedish Chamber Orchestra auffallend vertraut, jedenfalls kaum reduziert. Der Unterschied zu so vielen anderen Aufnahmen (sehen wir einmal von derjenigen der Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajan von 1985 ab) ist nicht sofort greifbar. Auch hier wird im Großen und Ganzen auf Kraftentfaltung hin musiziert, die auch gelingt. Doch war nicht das Gegenteil oder zumindest eine Alternative angestrebt? Die Chance, eine ganz andere, eine wahrhaftig neue Lesart entstehen zu lassen, hat das Ensemble leider nicht ergriffen. Vielmehr sind es besondere Einzelheiten, die sich von der Heerscharen bildenden Konkurrenz abheben. Wenn es um die rhythmischen Verschachtelungen des dritten Satzes geht, die bei vielen größer besetzten Aufnahmen zur Nivellierung tendieren, kann Thomas Dausgaards Interpretation punkten. Im zweiten Satz sowie an mehreren anderen Stellen der Partitur fallen zudem einige fremde Töne ins Gehör; gerne würde man wissen, auf welcher Notengrundlage gearbeitet wurde, ob es sich bei den ungewohnten Noten und – nun – arpeggierten Akkorden (Schlusssatz) um Berichtigungen der neusten Editionsforschung handelt. Leider gibt das Booklet darüber keine Auskunft.
Zusammenfassend handelt es sich bei vorliegender CD um eine empfehlenswerte Produktion, die besonders bei der 6. Symphonie gefällt, bei der 9. Symphonie eine «neue Welt» aber nicht ganz zu verwirklichen vermag.
Svedish Chamber Orchestra, Thomas Dausgaard: Antonín Dvořák, Symphonien Nos. 6&9, BIS-SACD-1566
Gedicht des Tages
Der Hase
Zwischen den Türmen, an Läufen,
Erstarrten, hängt der Hase am Fensterbrett.
Der Schneewind pfeift, der Dachwind weht,
Und von den Dachziegeln träufen
Dicke, schwarze Wassertropfen,
Die zerknallend auf dem Blech
Wie rasche Flintenschüsse klopfen.
Rührt es nicht, halb scheu, halb frech,
Das Wiesentier, die Ohren?
Hier ist kein Feld, kein Dämmerwald,
Nur der dicke Tropfen knallt
Feucht und unverfroren.
Von der Straße, schrill und wüst,
Viele Pfiffe stürmen.
Mit geknicktem Knochengerüst
Schwankt der Hase zwischen Türmen.
Georg Britting (1891-1964)
Gedicht des Tages
vom Deutschen und der Polizei
zwei Freunde schwatzten die sich herkannten
von den Kinderschuhen saßen bei Beern und Sahne
gossen da Spott auf Polizei Gericht und Staat
ernst und grinsend verhöhnten sie die Knebel
riefen die Polizei: Schmerbacken Kinderträumespuk
Industriellenbüttel die haussuchen bei Dichtern
Telefon abhören Denunzianten und Spitzel liebkosen
flüchtigen Zech-Brüdern und Nazis Blumen streuen
auch sagten die Freunde: die Gehirnfaltlosen
blühen bei Befehl zum Knüppeln Knuten wetzen Gelenke knicken
Nachjagen Wehrdienstfeinden Atomwaffengegnern Roten
mit Gas und Wasserstrahlen Menschenknoten lichten
am nächsten Tag sieht der eine die Polizei den andern
grob in die grüne Minna stoßen und sagt deutlich:
irgend etwas wird der schon verbrochen haben umsonst
holen die keinen verschließe Fensterläden und Flügel
Helga M. Novak (geb. 1935)
Gedicht des Tages
Sieh doch
sieh doch
der Mensch bricht aus
mitten auf dem Marktplatz
hörst du seine Pulse schlagen
und die große Stadt
gegürtet um seinen Leib
auf Gummirädern -
denn das Schicksal
hat das Rad der Zeit
vermummt -
hebt sich
an seinen Atemzügen.
Gläserne Auslagen
zerbrochene Rabenaugen
verfunkeln
schwarz flaggen die Schornsteine
das Grab der Luft.
Aber der Mensch
hat Ah gesagt
und steigt
eine grade Kerze
in die Nacht.
Nelly Sachs (1891-1970)
Koloratur in den höchsten Tönen
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.Diana Damrau: «Arie di Bravura»
Seit jeher umgibt Koloratur-Sopranistinnen die Aura und der Glamour der großen Primadonnen. Perlende Sechzehntel bei perfektem Höhen-Stimmsitz, emotionale Expressivität bis fast zum dreigestrichenen C, rythmische Agilität, Sprung-Präzision, exaktes Intonieren im Allegro – der unabdingbaren Ingredienzen des virtuosen Koloratur-Singens sind dies nur einige.
Eine noch verhältnismäß junge, aber technisch bereits vollendete Sopranistin ist die 35-jährige Deutsche Diana Damrau. Vorläufiger Höhepunkt ihrer 2002 gestarteten, kometenhaften Solo-Karriere ist ihre nun vorliegende Einspielung von Bravur-Arien der Komponisten Mozart, Salieri und Righini. «Arie di Bravura» beinhaltet 13 (zumeist) selten gehörte, teils extrem virtuose oder gar an die Grenzen des Sangbaren gehende Beispiele des Zier-Singens, wie es auf der szenisch absorbierten Opern-Bühne kaum je so detailreich gehört bzw. gesungen werden kann.
Stil- und Ausdrucks-Puritaner werden der Damrau unweigerlich «L’art-pour-l’art»- oder gar «Zirkus»-Mentalität vorwerfen. Für die Freunde buchstäblich höchster Koloratur-Kunst ist «Arie di Bravura» ein faszinierendes Hör-Erlebnis der Extraklasse. (we)
Diana Damrau, Arie di Bravura, VirginClassic/EMI, ASIN B000R20VM8
Musik-Anekdoten
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«Sie hören mich wohl gerne singen!»
Ein bunter Strauß von Musik-Anekdoten
Gustav Mahler
In einer von Mahler geleiteten Aufführung gefährdete ein Sänger durch einen falschen Einsatz die ganze Vorstellung. Wütend rannte Mahler in der Pause in die Garderobe des Verbrechers, aber der hatte sich von innen eingeschlossen.
«Auch noch feig!» brüllte Mahler in höchstem Zorn.
Johannes Brahms
Ein Schüler sollte Brahms ein Lied von Schubert vorspielen. «Zu dieser Komposition wurde Schubert durch den Gedanken an eine geliebte Frau inspiriert. Fühlen Sie sich also entsprechend in das Stück ein.» Kurz nachdem der Schüler anfing zu spielen, winkte Brahms schon ab. «Sie haben mich falsch verstanden», sagte er, «das Lied richtet sich an eine Geliebte, nicht an die Schwiegermutter!»
Josef Hellmesberger
Hellmesberger war einst bei einem Komponisten zum Mittagessen im Familienkreis eingeladen. Nach dem Essen zog sich der Komponist zurück, um zu arbeiten.
«Kinder tut’s beten», sprach da Hellmesberger, «der Vater geht stehlen!»
Josef Haydn
Josef Haydn dirigierte sein Cello-Konzert. Der Cellist spielte eine selbstkomponierte Kadenz; sie war endlos lang, irrte durch alle Tonarten und schien das Thema vollkommen vergessen zu haben. Endlich kam zum Schluss der obligate Triller. «Herzlich willkommen daheim!» rief Haydn dem Solisten zu.
Hans Pfitzner
Hans Pfitzner probte das «Christelflein». Die Darstellerin des Elfleins sang der Partitur nach: «Ich bin ja so dumm.»
«Bitte nicht so überzeugend», rief Pfitzner zur Bühne hinauf.

Richard Strauß
Auf einer Probe zur «Salome» rief Strauß: «Couragierter, meine Herren, couragierter! Je falscher es klingt, desto richtiger ist’s!»
Hans von Bülow
Kurz vor einem seiner Konzerte stürmte Hans von Bülow die Treppe hinauf, rannte um die Ecke, wo er mit einem korpulenten Herrn zusammenstieß, so dass beide fast zu Fall gekommen wären.
Wütend schrie der Herr: «Esel!» Verbindlich lächelnd, dabei seinen Zylinder lüftend, erwiderte der Künstler: «Bülow.»
Johannes Brahms
«Was wird wohl einst auf der Tafel stehen, die man Ihnen zu Ehren hier oben anbringen wird?», fragte ein Freund den Komponisten Johannes Brahms, als er mit diesem vor dem Haus Karlsgasse 4 in Wien stand, das der Meister lange bewohnte. Trocken erwiderte Brahms: «Wohnung zu vermieten!»
Max Reger
Ein Kritiker hatte Reger fürchterlich verrissen. Reger schrieb ihm einen kurzen Brief:
«Sehr geehrter Herr! Ich sitze hier im kleinsten Raum meines Hauses und lese Ihre Kritik. Noch habe ich sie vor mir… Hochachtungsvoll: Max Reger.»
Igor Strawinsky
Der berühmte Jazz-Komponist Gershwin wollte einmal Stunden bei Igor Strawinsky nehmen. Im Lauf der Unterhaltung fragte ihn Strawinsky, was er ungefähr verdiene. Als Gershwin antwortete: «Jährlich etwa hunderttausend Doller», meinte Strawinsky: «Da nehme ich besser bei Ihnen Stunden.»
Hans Richter
Ein Klarinettist spielte eine Stelle falsch. Hans Richter klopfte ab und sang ihm die Stelle vor. Das wiederholte sich zum zweiten und dritten Male, bis Richter ungeduldig rief: «Sie hören mich wohl gerne singen!»
Liszt spielte in einem Privatkonzert vor dem russischen Kaiser. Bei einer Pianostelle wandte sich dieser zu seinem Adjutanten und gab ihm laut einen Befehl.
Liszt hörte zu spielen auf und ließ die Hände in den Schoß sinken. Als der Zar ihn unwillig nach dem Grund der Unterbrechung fragte, antwortete Liszt mit höflicher Verbeugung: «Wenn Fürsten sprechen, haben die Diener zu schweigen.»
Wilhelm Furtwängler
Wilhelm Furtwängler machte bekanntlich eigenartig fahrige Bewegungen beim Dirgieren. Einmal leitete er ein fremdes Orchester und schon der erste Einsatz wollte nicht klappen. Da fragte bescheiden der Konzertmeister: «Herr Doktor, bei welchem Zacken von Ihrem Blitz sollen wir einsetzen?»
Schlafende Violinen
In einer längst vergessenen Oper hatten Flöte und Harfe eine langausgedehnte Solostelle. Einige Takte vor dem Schluss dieses Duos befand sich in der Partitur mit rotem Stift quer durch die ganze Seite geschrieben die Bemerkung: «Hier müsen die Violinen geweckt werden.»
Max Reger
Nach einem Konzert der Meininger Hofkapelle unterhielt sich eine junge Prinzessin leutselig herablassend mit Max Reger. Sie wollte vor allem Bescheid erhalten über eine Solostelle der Fagotte, die ihr besonderen Eindruck gemacht hatte. Wissbegierig fragte sie: «Herr Hofrat, bringen die Leute diese Töne mit dem Mund hervor?» Reger erwiderte: «Das will ich stark hoffen, Königliche Hoheit.»
Ein junger Mensch bat Brahms um Prüfung einer Komposition. Brahms ließ sich behaglich in seinen Lehnstuhl nieder und rauchte ruhig seine Zigarre, während er die Arbeit durchsah. Endlich frage er versonnen: «Menschenskind, wo haben Sie denn nur das schöne Notenpapier her?»
Richard Wagner
Eines Abends ging Wagner in Sorrent spazieren. Einer der vielen Drehorgelspieler, der ihn kannte, setzte sofort eine Walze mit dem Brautzug aus «Lohengrin» ein und begann seine Orgel so schnell zu drehen, dass die Musik bis zur Unkenntlichkeit verhetzt wurde.
Zornig stürmte Wagner auf ihn zu, packte selbst die Drehorgel und drehte sie so langsam und bedächtig, dass der Chor im richtigen Tempo erklang. Dann gab er dem Alten ein gutes Trinkgeld mit der Weisung, imm in diesem Tempo zu spielen.
Am anderen Morgen hing an der Drehorgel ein Schild: «Schüler von Richard Wagner.»
Der Musikstudent
Ein Musikstudent möchte ein Zimmer mieten. Doch die Vermieterin weist ihn ab:
«Wir hatten einmal einen Musikstudenten hier wohnen.

Der kam erst sehr beethoevlich an, wurde dann mit meiner Tochter mozärtlich, brachte ihr einen Strauss mit, nahm sie beim Händel und führte sie mit Liszt über den Bach in die Haydn. Er war gar nicht zu brahmsen, und jetzt haben wir einen Mendelssohn!»
Gedicht des Tages
Weiße Levkojen erfreuen mich nicht, noch reizet die Myrrhe
Syriens mich und Gesang oder der chiische Wein,
Auch nicht Zechergelag und durstiger Mädchen Umarmung
Fordr ich. Wahnsinn, ja, scheint mir so teurer Genuss.
Kränzet mir nur mit Narzissen das Haupt, lasst gellende Pfeifen
Tönen, mit Krokus nur salbt nun die Glieder mir ein:
Netzet die Zunge mir nur mit mytilenäischem Weine:
Führet ein Mädchen mir auch zu aus der Hefe des Volkes.
(Jacobs)
Philodemos (1. Jhr.v.Chr.)
Gedicht des Tages
Land
Der Himmel ist Asche.
Die Bäume sind weiß,
Die branstigen Stoppeln
Sind tiefschwarze Kohlen.
Das Blut in der Wunde
Der Dämmrung vetrocknet,
Das Papier ohne Farbe
Des Berges zerknittert.
Der Staub auf dem Wege
Versteckt sich in Schluchten,
Die Quellen sind unklar,
Die Staue sind still.
Ins Graurote klingen
Die Glocken der Herden,
Das mütterlich Schöpfwerk
Beschließt Paternoster.
Der Himmel ist Asche.
Die Bäume sind weiß.
(Eich)
Federico Garcia Lorca (1898-1936)
Gedicht des Tages
Ein fußgekitzelter am Schopf gezogener
fußkitzelnder schopfziehender
Läufer,
verfolgt von einem
am Schopf gezogenen am Fuß gekitzelten
schopfziehenden fußkitzelnden
Läufer,
verfolgt einen
am Fuß gekitzelten am Schopf gezogenen
fußkitzelnden schopfziehenden
Läufer.
Drei kitzelnd gekitzelte ziehend gezogene
gekitzelt ziehende gezogen kitzelnde
verfolgend verfolgte
Läufer:
ein Kreislauf
Kurt Leonhard (1910-2005)
Neuer Zug in der Partie Kasparow-Putin
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Ex-Schach-Weltmeister Kasparow festgenommen
Wie das deutsche Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in seiner heutigen Online-Ausgabe meldet, ist bei einer Moskauer Demonstration gegen Präsident Vladimir Putin der Oppositionsführer und Ex-Schach-Weltmeister Garri Kasparow festgenommen worden. Auf einem Platz in der russischen Hauptstadt hatten sich mehrere tausend Menschen versammelt, um gegen den russischen Präsidenten zu protestieren.
Gemeinsam mit Kasparow (Bild: Verhaftung in Moskau, April 2007) seien weitere Demonstranten und Oppositionspolitiker abgeführt worden. Der Demonstration hatten sich auch prominente Politiker angeschlossen, die in der Vergangenheit Kasparows Oppositionsblock kritisiert hatten.
Das russische Schach-Genie (geb. 1963 in Baku/Aserbeidschan) wurde damit in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal von der Staatsmacht seiner Heimat dingfest gemacht; im April 2007 wurde er ebenfalls in Moskau während einer Demonstration verhaftet (und wenig später wieder freigelassen).
Damals sagte der Parlamentsabgeordnete Wladimir Ryschkow einem Radiosender, am Puschkin-Platz hätten Beamte mit Schlagstöcken auf friedliche Passanten, darunter auch Rentner, eingeprügelt.
In einer Woche wählt Russland sein neues Parlament, die Duma. Dann wird sich u.a. zeigen, wie sich dieser neueste Zug Putins (Bild) in seiner Polit-Partie gegen Kasparow auswirken wird…(gm/07)
Gedicht des Tages
Nänie
Auch das Schöne muß sterben! Das Menschen und Götter bezwinget,
Nicht die eherne Brust rührt es des stygischen Zeus.
Einmal nur erweichte die Liebe den Schattenbeherrscher,
Und an der Schwelle noch, streng, rief er zurück sein Geschenk.
Nicht stillt Aphrodite dem schönen Knaben die Wunde,
Die in den zierlichen Leib grausam der Eber geritzt.
Nicht errettet den göttlichen Held die unsterbliche Mutter,
Wann er, am skäischen Tor fallend, sein Schicksal erfüllt.
Aber sie steigt aus dem Meer mit allen Töchtern des Nereus,
Und die Klage hebt an um den verherrlichten Sohn.
Siehe! Da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle,
Daß das Schöne vergeht, daß das Vollkommene stirbt.
Auch ein Klaglied zu sein im Mund der Geliebten, ist herrlich,
Denn das Gemeine geht klanglos zum Orkus hinab.
Friedrich Schiller (1759-1805)
Das Schach-Wort zum Sonntag
Durchbruch
Schwarz zieht und gewinnt
1…f5-f4 2.g3xf4+ [2.a4-a5 Ke5-d6 3.g3xf4
(3.Kd2-d3 f4xg3 Schwarz gewinnt) 3...g4-g3 Schwarz gewinnt
4.Kd2-e2 g3-g2 5.Ke2-f2 d4-d3 Schwarz gewinnt;
2.b5-b6 Ke5-d6 3.a4-a5 f4xg3 Schwarz gewinnt]
2…Ke5-d6 3.a4-a5 g4-g3 Schwarz gewinnt
Stoltz-Nimzowitsch, Berlin 1927
Und immer droht der Weihnachtsmann
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Neue Weihnachtsgeschichten von Ilse Gräfin von Bredow
Stets rechtzeitig zum Advent legt «alle Jahre wieder» die 85-jährige, aber offenbar ungebrochen rüstig schreibende Erfolgsautorin Ilse Gräfin von Bredow ihre Adventgeschichten und Weihnachtsstorys unter den Christbaum. Nach «Ich und meine Oma und die Liebe» (2005) und «Benjamin, ich hab nichts anzuziehn» (2006) ist es heuer «Und immer droht der Weihnachtsmann».
Die erfrischend unsentimental fabulierende, das (gerade an «hohen Festtagen» unausweichliche) Menschlich-Allzumenschliche mit maliziösem Stift aufspießende Hamburger Schriftstellerin bleibt sich auch dieses Jahr treu. Bis jeweils «Friede auf Erden» einkehrt, haben all die Väter und Mütter, Opas und Omas, Onkel und Tanten, Jungs und Mädels ne Menge an gar nicht gnadenbringenden Streitereien, Schrulligkeiten und garstigen Unpässlichkeiten zu überleben.
Natürlich singt’s mit verständnisvollem Augenzwinkern doch immer wieder «O du fröhliche…» am Ende der Geschichte(n) von Ilse Gräfin von Bredow, denn zu Weihnachten ist schließlich «Versöhnung» angesagt. Aber wer mal ein weihnächtliches Geschenk-Buch der sympathisch sperrigen, die Brüche in den glitzernden Weihnachtskugeln aufdeckenden, trotzdem mit feinem Humor-Lametta garnierten Art sucht, greife zu diesem «drohenden Weihnachtsmann». Schmunzeln erlaubt. (gm/07)
Ilse Gräfin von Bredow, Und immer droht der Weihnachtsmann, Neue Weihnachtsgeschichten, Scherz Verlag, 224 Seiten, ISBN 978-3-502-11053-8
Gedicht des Tages
Spleen
Die Rosen waren überrot,
Der Efeu ward zur Finsternis.
Liebste, dein kleinster Schritt bedroht
Mein Herz mit neuer Bitternis.
Des Äthers Strahl war allzu blau,
Des Meeres Bucht war allzu weit.
Ich hoffe noch. Ich weiß genau,
Ich hoffe nicht. Du gehst. O bleib!
Das blanke Blatt von Ilex und
Geleucht von Buchs ward ekel mir,
Und dieses Landes ganzes Rund,
Und alles, außer dir. Weh mir!
(VanDerVring)
Paul Verlaine (1844-1896)
Die Swiss Independent Publishers
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Schweizer Verlage gründen SWIPS
Walter Eigenmann
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Ginge es nach den Initianten der vor einigen Wochen ins Leben gerufenen «Swiss Independent Publishers» SWIPS, müsste man von diesem neuen Verleger-Verbund gar als von einem «historischen Ereignis» sprechen. Denn seit fast 30 Jahren habe es «in der Schweiz keinen Zusammenschluss von Verlagen» mehr gegeben, der sich «aktiv ins kulturpolitische und literarische Geschehen eingemischt hätte».
Dabei soll dieser Schulterschluss von bislang 22 involvierten, vorwiegend kleineren und mittleren, teils sehr traditionsreichen und renommierten Schweizer Verlagshäusern dafür sorgen, dass kräftig neuer Wind in und aus der hiesigen Verleger-Szene aufkommt: Man will eine Plattform bilden, die mit «kraft- und fantasievollen Mitteln einer breiten Öffentlichkeit das enorm vielfältige Verlagsschaffen nahe bringen» soll.
SWIPS sei, wie man betont, weder eine Konkurrenz-Organisation zum Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV noch ein neuer Literatur-Veranstalter – vielmehr: «SWIPS vereinigt unter einem Dach die Erfahrung der ‘alten Kämpfer’ (Limmat Verlag, Waldgut Verlag, orte-Verlag und weitere), kombiniert sie mit dem Schwung und den Ideen der ‘neuen Wilden’ (Gesunder Menschenversand, edition pudelundpinscher, salis verlag u.a.), und trägt als Sahnehäubchen die ‘Corto Malteses’ der Verlagsszene (Epoca, bilger, Engeler etc.).»
«Faszinierende Verlagskultur in der Schweiz»

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SWIPS-Präsident Ricco Bilger (Bild), Promotor der ersten Stunde, will mit seinen Swiss Independent Publishers aber nicht nur eine Marketing- und Medien-Offensive, sondern v.a. wichtige kultur-politische Zielsetzungen verbunden wissen: «In der Schweiz existiert eine faszinierende Verlagskultur mit einem unglaublich spannenden Programm, das so von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird – weder von den Leserinnen und Lesern, noch vom Buchhandel und den Bibliotheken, auch nicht von den Medien. Einzelne Bücher, einzelne Autorinnen und Autoren finden sehr wohl Beachtung. Doch dass sich dahinter eine Art Bücher-Schlaraffenland verbirgt, davon weiß kaum jemand. Warum wird immer wieder die Nichtexistenz der sogenannten Schweizer Literatur behauptet? Und warum erhebt dagegen niemand ernsthaft Einwände? Warum verlangt man von Autorinnen und Autoren eine Einmischung zu (politischen) Fragen, die die Öffentlichkeit interessieren, wenn gerade diese Öffentlichkeit im Umkehrverfahren sich um die Bücher dieser Leute foutiert, beziehungsweise von ihrer Existenz keine Ahnung hat?» SWIPS brauche es, so Bilger, weil die Öffentlichkeit ein Recht darauf habe, zu erfahren, «was für Schätze ihr vorenthalten werden.»
Der SWIPS-Chef und seine 21 Co-Members geben sich dabei optimistisch: «In Zukunft sollen sich auch Verlage aus der Romandie und dem Tessin dazugesellen können.» Und selbstbewusst ergänzt man: «Mit SWIPS muss die Schweizer Kulturlandschaft ab jetzt rechnen!»
Vielfältige SWIPS-Agenda
Ob das nun eine Verheißung oder eine Drohung ist, wird die Literatur-Szene hierzulande in nächster Zukunft zeigen. An den geplanten SWIPS-Events der nächsten Monate dürfte es aber nicht liegen, die Agenda beinhaltet literarisch Attraktives. Ricco Bilger, gefragt nach den kommenden Aktivitäten:
«Halbjährlich werden wir zusammen das Große Fest der Frühjahrs- bezw. der Herbstneuerscheinungen feiern, unsere Marketing-Kräfte auch hier bündeln. Dabei werden wir in immer wieder anderen Städten der Schweiz auftreten. Am Welttag des Buches (23. April 2008 / Bild) wird SWIPS ein Feuerwerk zünden, das lange nachhallen wird. SWIPS wird zudem an den Literaturtagen in Solothurn und Leukerbad, an der ‘Luzern bucht‘ und an der Buchmesse Basel mit eigenwilligen Interventionen auf sich aufmerksam machen.»
Die just bevorstehende SWIPS-Gründungs-Party zumindest, am kommenden Sonntagnachmittag im Zürcher «Theater am Neumarkt» steigend und als Gratis-«Fest der unabhängigen Schweizer Verlage» lanciert, verspricht mit einem betont glitzernden Show-Strauß, mit viel Infotainment und Literatur-Spaß zu einem fulminanten SWIPS-Startschuss zu werden. Was genau da wo wie abgeht, liest man hier.
Gedicht des Tages
Oradour
Sie bäumten sich: dass sie gezwungen sengten
und in den aufgebrachten Feuerbrand
die Läufe schießend unaufhörlich lenkten,
bis sich im Schutt nichts Lebendes befand.
Sie sperrten sich mit heiligem Verwahren:
dass sie nur taten, was die Weisung hieß -
weh’ dem, der in erschüttertem Gebaren
die Waffe wanken oder sinken ließ.
Sie mühten sich mit immer neuem Schildern:
dass die ein Urteil treffe und sie keins -
nicht kann es ihnen sich vor jenen mildern
und Weiser und Gewiesene sind eins.
Georg Kaiser (1878-1945)
Gedicht des Tages
Spiegelbild
Mir wuchs es überlang,
Des Grames graues Haar.
Weiß nicht, wie Herbstreif kam
In meinen Spiegel klar.
(Eich)
Zimmermann spielt Bach
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Die Violin-Sonaten von J.S. Bach
Der Geiger Frank Peter Zimmermann, Träger zahlreicher renommierter Preise, hat gemeinsam mit dem italienischen Pianisten Enrico Pace die sechs Violin-Sonaten von Johann Sebastian Bach eingespielt. Die beiden Solisten begannen vor zehn Jahren eine langfristig angelegte musikalische Partnerschaft, woraus diverse Konzert-Aktivitäten von internationaler Reputation resultierten.
Der Norddeutsche Rundfunk über diese neue Bach-Aufnahme: «…mit wunderbar rhythmischem Drive, mit feinsinnigem Esprit, mit klug-analytischem Zugriff. Bei aller Intellektualität steht das lustvolle Spiel im Vordergrund. [...] Seinen Geigenton gestaltet Zimmermann mit unglaublicher Phantasie, mit Verve und tänzerischem Puls, mit vollen warmen Tönen, aber auch ganz zurück genommen, fast fahl. In der Schönheit des Spiels vermitteln sich Schmerz und weltverlorene Melancholie.»(gm)
F.P.Zimmermann&E.Pace: J.S.Bach, Violinsonaten, Doppel-CD, Sony BMG, ASIN B000RO8T7K
Gedicht des Tages
Krähen
Sie streifen mit gierigen Flügeln
Schneezaun und Dämmernis.
In meinen Winterträumen
verschwebt ihr Schattenriss.
Ich denke durch ihre Schreie
den Gram der verödeten Welt,
wenn aus dem Frostgewölbe
mich ihre Not befällt.
Ach, die bestäubte Schwinge,
sie rührt an mein klirrendes Herz!
Atemlos und bekümmert
lausche ich himmelwärts.
Stürzt sich die Vogelwolke
auch in den Hügelspalt,
sucht mich ihr schwarzes Bedrängen
heim in anderer Gestalt.
Heinz Piontek (1925-2003)
Simpson-Homer oder Odyssee-Homer?
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«High / Low»
Hoch- und Alltagskultur
Im Sommer 2006 berichtete die Neue Zürcher Zeitung von einer Umfrage in den USA, der zufolge lediglich 20% der Bevölkerung einen Helden aus der Odyssee des Homer nennen können. Der Verfall der kulturellen Werte, den diese Zahl gemäß dem Verständnis der NZZ zum Ausdruck brachte, trat noch akzentuierter vor dem Hintergrund eines zweiten Ergebnisses derselben Umfrage hervor, nach dem 60% der Amerikanerinnen und Amerikaner Homer Simpson kennen, den Vater aus der Zeichentrickfilm-Serie «The Simpsons».
Was heißt es, wenn Homer Simpson viel bekannter ist als der antike Dichter, dem er seinen Namen verdankt?
Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass heute kulturelle Produkte, die man früher bedenkenlos als «low» bezeichnet hätte – von der Popmusik bis zum Kino, vom Design-Magazin bis zum Celebrity-Kult – für das Selbstverständnis der westlichen Gesellschaften fast wichtiger zu sein scheinen als die traditionelle «high art». Auch in der Wissenschaft hat sich diese Umwertung niedergeschlagen, mit den Cultural Studies haben die Alltags- und Populärkulturen massiv an Bedeutung gewonnen.
In dieser Situation ist ein unbedingtes Festhalten an high ebenso wenig produktiv wie eine Feier des low oder gar Gleichgültigkeit angesichts eines angeblichen «anything goes». Vielmehr ist zu untersuchen, wie sich «high» und «low» in den letzten Jahrzehnten gegenseitig durchdrungen haben und welche Hybridformen dabei zustande gekommen sind. Solche Transformationsprozesse betreffen insbesondere auch die komplex gewordenen Verhältnisse von Kunst und Geld, von Elite und Masse, von Tradition und Popularisierung. (Aus dem Vorwort)
C.Caduff/T.Wälchli, High/Low – Hoch- und Alltagskultur in Musik, Kunst, Literatur, Tanz und Kino, Kulturverlag Kadmos, ISBN 978-3-86599-042-6
Rein- und Ausfälle im Schach
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222 Eröffnungsfallen nach 1.e4
Jeder Schachspieler hat wohl schon die Erfahrung machen müssen, dass eine Partie bereits zu Ende ist, bevor sie so richtig angefangen hat. Der Grund ist dabei oft eine der überall lauernden Eröffnungsfallen, die darauf setzen, dass der Reingefallene ganz «normale» Züge macht – eine Figur entwickeln, etwas schlagen, eine Drohung aufstellen und parieren. Die Antwort, die meistens völlig ungewöhnlich und deshalb unerwartet ist, führt dann geradezu zwangsläufig zu einem schnellen Sieg für den «Fallensteller».
Die beiden international als Autoren anerkannten Großmeister – Rainer Knaak gilt als Eröffnungs- und Karsten Müller als Endspielexperte – verfolgen daher vor allem zwei Ziele: Der Lernwillige soll die Fallen in seinen Eröffnungen beherrschen, um Reinfälle zu vermeiden. Er kann aber gleichzeitig auch systematisch versuchen, sein Eröffnungsrepertoire zu erweitern, um selbst Fallen zu stellen. Im vorliegenden ersten Band gibt es zu jeder wichtigen Eröffnung nach dem Doppelschritt des weißen Königsbauern wie Italienisch, Sizilianisch, Französisch usw. auch einführende Texte mit den jeweils typischen Motiven, die man unbedingt kennen sollte. Auf diese Weise wird bei jedem Schachfreund als willkommener Nebeneffekt gleichzeitig sein Kombinationsvermögen erheblich wachsen. (Verlagsinfo)
R.Knaak/K.Müller, 222 Eröffnungsfallen nach 1.e4, Edition Olms, 160 Seiten, ISBN 978-3-283-01000-3
Gedicht des Tages
Das Autounglück
Das wird eine lange Heimfahrt geben!
Die silbernen Wolken zogen über uns hin.
Es wäre nichts, wenn alles immer im Gleise ginge,
Und ich hatte mir doch so sehr einen schönen September gewünscht!
Sei klug, sei geschickt, habe Vogelschwingen:
Gottes Gericht zu entgehen wird dir nicht gelingen.
Ich habe das nie bezweifelt, aber wo ist die Grenze
Zwischen Noch nicht und Schon vorbei?
Alle Schlagbäume Deutschlands schlossen sich ordnungsgemäß.
Nur der nicht, der unseren Wagen durchließ,
So dass er vor die Lokomotive geriet.
Wie war es doch? Eulenflügel trugen uns davon.
Wilhelm Klemm (1881-1968)
Hauptsache: Gitarre
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«Songbegleitung – aber richtig»
«Der Untertitel ‘Songbegleitung – aber richtig’ drückt ein Ziel aus, das mir wichtig erscheint: in verschiedenen musikalischen Bereichen sicher und authentisch spielen und begleiten zu können. Die Gitarre ist ja ein Begleit- und Soloinstrument, viele betrachten es aber eher als Soloinstrument. Wenn ich allerdings auf mein bisheriges Berufsleben als Gitarrist zurückschaue, habe ich im Studio und auf der Bühne sicherlich mindestens 80 Prozent begleitend gespielt. Viele Gitarristen verbringen jedoch die gleiche Prozentzahl ihres Übepensums damit, ihre solistischen Fertigkeiten zu verbessern. Die Realität wird damit ein wenig auf den Kopf gestellt, es sei denn, man will Guitar Hero oder Konzertgitarrist werden. Außerdem – was ist ein Solo ohne Begleitung? Nichts; eine Begleitung in Form einer Akkordverbindung, eines Riffs usw. ist jedoch schon etwas, auf das man aufbauen kann, mit dem etwas gestaltet werden kann.
Dieses Buch ist kein Lehrbuch im klassischen Sinne, um das Gitarrenspiel von Grund auf zu erlernen. Einige spielerische und theoretische Vorkenntnisse an der Gitarre sind für die Arbeit mit dem Buch sicher nützlich. Dennoch ist es aufbauend gestaltet und beginnt mit Tipps, Hinweisen und leichteren Übungen, um dann richtig in den Stoff einzusteigen.» (Aus dem Vorwort des Autors)
Jürgen Kumlehn, Hauptsache Gitarre, Ama Verlag, 160 Seiten (inkl. MP3-Files auf CD-R), ISBN 978-3-89922-092-7
John Watsons Schach-Geheimnisse
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Geheimnisse moderner Schacheröffnungen Bd.1
Für viele Schachspieler bedeutet das Studium der Eröffnungstheorie äußerst harte Arbeit. Es ist schwierig zu wissen, was wichtig ist und was nicht, wann spezielles Wissen unerlässlich ist, oder wann ein eher generelles Verständnis gefragt ist. Wenn die Eröffnungsphase vorüber ist, weiß ein Spieler tragischerweise oft nicht, welchem Plan er folgen soll oder warum sich seine Figuren auf den Feldern befinden, auf die er sie gezogen hat.
John Watson versucht Schachspielern eine holistischere und tiefgründigere Sicht der Eröffnungen zu vermitteln. In seinen vorherigen Büchern über Schachstrategie (Geheimnisse der modernen Schachstrategie & Schachstrategie in Aktion) hat er viele Konzepte erklärt, die für das moderne Schach charakteristisch sind. Er tat das zudem auf eine für Vereinsspieler verständliche Weise. Hier tut er das Gleiche für die Eröffnungen. Er beginnt mit grundlegenden Ideen, die auf alle Eröffnungen angewendet werden können und erläutert in der Folge fortgeschrittenere Ideen, die für eine wesentliche Spielstärkeverbesserung unentbehrlich sind.
In diesem umfangreichen zweibändigen Werk erklärt John Watson nicht nur die Ideen und Strategien hinter speziellen Eröffnungen, sondern auch das Zusammenwirken der Schacheröffnungen als Ganzes. Durch die Darlegung des gemeinsamen Fadens, der dem Eröffnungsspiel zugrunde liegt, sorgt Watson für eine beständige Grundlage für das Spielen von Eröffnungen jeglicher Art. (Verlagsinfo)
John Watson, Geheimnisse moderner Schacheröffnungen Bd.1, GambitVerlag, 368 Seiten, ISBN 978-1-904600-74-9
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Gedicht des Tages
Sonett
In einigen wenigen mühevollen Jahren
Verlief mein Leben, das mich nur geschunden,
Mir ist sobald des Tages Licht geschwunden,
Kaum, dass die fünf mal fünf vollendet waren.
Ich habe fernes Land und Meer befahren,
Nach Mitteln suchend, irgend zu gesunden.
Allein, was sich dank Glückes nicht gefunden,
Gibt sich auch nicht durch Mühen und Gefahren.
Mich zeugte Portugal im grünen, lieben
Heimischen Alemquer; allein die arge
Art, die mich plagt, hat mich von meinem Strande
Auf dich als Fischfraß, böses Meer, getrieben,
Das Abessinien netzt, das wilde, karge,
So fern von meinem seligen Vaterlande!
(Taube)
Luis de Camões (1524-1580)
Klassik-Hits für Klein und Groß
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Marko Simsa präsentiert Mozart&Co. für Kids
Im Zeitalter des omnipräsenten lockig-flockig-leichtverdaulichen Pop-Gedudels ist es so einfach nicht, Kindern den Spaß auch an differenzierter Musik zu vermitteln. Eine der Möglichkeiten, das Igittigitt-Image der «Klassik» bei den Kids in Begeisterung zu verwandeln, sind solche Produktionen wie dieses «Große Album der Klassik-Hits» für Kinder von Marko Simsa.
Mit Hilfe von Zeichnungen bzw. Zeichentipps, mit Tanzspielen, Quiz, Lied- und Erzähl-Texten sollen berühmte Ohrwürmer von mehr als 20 Komponisten die Kleinen zum Hinhören, Mitsingen und Mittanzen verführen. Produzent Simsa ermöglicht in seinem umfangreichen Booklet einen spielerischen Zugang zur klassischen Musik, und Illustratorin Silke Brix steuerte vergnügliche Bild-Hingucker bei.
In der Hand geduldiger und aufgeschlossener Eltern, die sich gemeinsam mit ihren Zöglingen buchstäblich spielend durch die beiden CDs hangeln können, ist dies Album mit seinen 46 Klassik-Hits und bekannten Highlights ein spaßvoller Weg zu Mozart&Co. (gm)
Marko Simsa, Das große Album der Klassik-Hits für Kinder, Doppel-Audio-CD, Jumbo Neue Medien, ISBN 9783833719554
Gedicht des Tages
Intérieur
Das lange Aug voll weicher Ketten, eine
Sklavin, der Blumen Wasser wechselnd, meine
Spiegel durchwandelnd, und mit reiner Hand
Des Bettes Rätsel rührend; so befand
Sich eine Frau bei mir, und hat doch nicht
Gebrochen mein abwesendes Gesicht,
Ist wie ein Glas, das man durch Sonne schwang,
Und setzt das reine Denken nicht in Gang.
(Rilke)
Paul Valéry (1871-1945)
Gedicht des Tages
Nachtstück
Der Kröten pfiff, der feucht durchdringt,
Nächtlicher Barken Laut, Geräusch der Ruder…
Der Schlange Laut, die sich durchs Röhricht schlingt,
Des Lachens, das erstickt wird hinter Händen,
Laut schweren Körpers, der ins Wasser sinkt,
Der Menge Laut, das Zögern ihrer Schritte,
Von Bäumen her Seufzer Laut erklingt,
Der Lärm von Gauklern in der Ferne…
(Rygulla)
Max Jacob (1876-1944)






























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