Glarean Magazin

Literatur – Musik – Schach

Veröffentlicht in Editorial / Inhalt, Glarean Magazin, Walter Eigenmann von Walter Eigenmann am 23. Dezember 2009

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Editorial / Inhalt

Literatur_160x120….. Musik_160x120…..Schach_160x120

Literatur…..…..…..Musik…..…..…..Schach

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Mitarbeiter gesucht_Glarean Magazin 2009…sind drei auf den ersten Blick heterogene Kultur-Phänomene. Beim zweiten Hinsehen werden Gemeinsamkeiten offenbar, denen nachzuspüren eine der Intentionen dieses Internet-KulturJournals ist.
Und: Literatur, Musik, Schach – das steht für drei der grundlegenden menschlichen Komponenten, nämlich fürs Denken, fürs Fühlen, fürs Spielen.  -
Das «Glarean Magazin» hat keinerlei kommerziellen Ziele, etwaige Einnahmen kommen unseren AutorInnen zugute. -
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Wir wünschen Ihnen unterhaltsame und informative Stunden mit dem «Glarean»! -

Juni 2007, Walter Eigenmann / glarean.verlag(ät)gmail.com

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Glarean = Schweizer/Glarner Humanist und Universal-Gelehrter (1488-1563):
Musiker, Dichter, Mathematiker, Philologe, Historiker und Geograph

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Inhalte

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EssaysEssays & Aufsätze von Richard Albrecht, Janko Ferk, Arnold Leifert, Joanna Lisiak, Karl-Heinz Schreiber, Rolf Stolz u.v.a. ProsaNeue Prosa von Peter Fahr, Herbert Friedmann, Jutta Miller-Waldner, Norbert Sternmut, Karlheinz Barwasser u.v.a.
LyrikNeue Lyrik von Werner K. Bliß, Brigitte Fuchs, Petra Ganglbauer, Martin Kirchhoff, Tanja DückersMischa Lucyshyn, Ines Oppitz u.v.a. NietzscheZitate der Woche von Friedrich Nietzsche bis Jürgen Habermas und von Charles Darwin bis Roger Willemsen u.v.a.
RezensionenRezensionen neuer Bücher, Musikalien und CDs: Belletristik, Sachbücher, Klassik, Jazz, Pop, Schach u.v.a. WettbewerbeInternationale Wettbewerbe aus der Musik- und Literaturwelt: Kompositions-Preise & Literatur-Ausschreibungen u.v.a.
SchachDas ganze Schach-Spektrum Aufgaben&StudienComputer-Schach, Chess960, Partien, Bücher, Tests u.v.a. StreichhoelzerDie Welt des Denksports Musik- Literatur- und Schach-Kreuz-Worträtsel, Wer bin ich? Sudoku, Streichholz-Rätsel u.v.a.
InterviewInterviews, Events & News Turniere, Festivals, Seminare, Historie u.ä. CartoonsHumor & Sensationen Cartoons und Karikaturen, Aufgeschnappt, Videos u.ä.
DisketteGratis-Downloads Laden Sie kostenlose Musiknoten herunter: Pop, Klassik, Jazz, Volkslieder etc. Herausgeber_EigenmannMedia-Daten Der HerausgeberMedia-Daten/Impressum - Kontakt – Archiv: SCRIPTUM – Literatur-Magazin (1990-98) – auf DVD

Neue Texte (Essays, Prosa, Gedichte, Reportagen u.a.) sind willkommen!
(siehe Impressum)

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Frohe Festtage!

Veröffentlicht in Glarean Magazin, Neujahrs-Gruss 2010, Weihnachten 2009 von Walter Eigenmann am 24. Dezember 2009

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Das Zitat der Woche

Veröffentlicht in Ernst Haeckel, Essays & Aufsätze, Philosophie, Religion, Zitat der Woche von Walter Eigenmann am 23. Dezember 2009

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Über das dogmatische Christentum

Ernst Haeckel

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Im Laufe von fast zwei Jahrtausenden hat sich der ethische Wert des echten Christentums – trotz aller Verunstaltungen durch seine «Kirche» und deren Diener – so vielseitig fruchtbar bewährt und ist so eng mit den verschiedensten Einrichtungen des höheren Kulturlebens verwachsen, daß es in der Hauptsache deren Grundlage auch in der Zukunft bilden wird.
Anders ist der Wert des dogmatischen Christentums, welchem als Hauptpflicht der blinde Glaube an einen bunten orientalischen Sagenkreis gilt, an Wunder und Zaubermärchen und an Legenden von übernatürlichen Erscheinungen, welche im Lichte der reinen Vernunft als unmöglich erscheinen. Dieses dogmatische Lehrgebäude ist im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts haltlos zusammengebrochen.
Die scharfsinnige Kritik der Kirchengeschichte hat gelehrt, daß die Lehren des Alten und Neuen Testamentes auf Traditionen von sehr verschiedenem Alter und Werte beruhen. Die Archäologie des Orients hat nachgewiesen, daß ein großer Teil der Bibel von Babel stammt und daß der Monotheismus der Hebräer schon lange vor Moses in Babylon Wurzel hatte. Die kritischen Forschungen nach dem «Leben Jesu» haben uns überzeugt, daß diese herrliche Ideal-Figur des christlichen Trinitäts-Glaubens nicht der «Sohn Gottes», sondern ein edler Mensch von höchster sittlicher Vollkommenheit war (vorausgesetzt die historische Existenz seiner Person, die doch auch von kritischen Theologen bestritten wird!).
Die fortgeschrittene Kosmologie und Astronomie hat das geozentrische Himmelsbild des Altertums ebenso zerstört wie die moderne Biologie das anthropozentrische Menschenbild des Christentums. Endlich hat uns die Entwicklungslehre bewiesen, daß das Menschengeschlecht weiter nichts ist als ein spät aus Primaten-Ahnen entstandener Zweig des Säugetierstammes und daß die Seele der einzelnen Personen ebensowenig unsterblich sein kann, wie die der anderen Wirbeltiere. [...]

Ernst Haeckel (1834-1919)

Unzweifelhaft besitzen viele Sagen und Legenden der «Biblischen Geschichte» – nicht alle! – einen hohen ethischen und namentlich pädagogischen Wert, ebenso wie viele Mythen und Erzählungen anderer Religionen und wie diejenigen des klassischen Altertums. Auch sind die Phantasie-Gebilde derselben von höchster Bedeutung für alle Zweige der Kunst, der Dichtkunst und der Tonkunst ebenso wie der bildenden Kunst. Wir verdanken ihnen eine Fülle der herrlichsten Schöpfungen des Menschengeistes; und für unser Gemüt ist diese Ideal-Welt eine unerschöpfliche Quelle der Erbauung und des Trostes inmitten unseres unvollkommenen realen Lebens.
Aber dieselben Ideal-Gebilde bergen in sich die höchsten Gefahren, wenn sie als reale Wahrheiten gepredigt werden, von deren Anerkennung Seligkeit oder Verdammnis abhängt; und wenn sie zur Grundlage oder gar zur Voraussetzung der Wissenschaft gemacht werden. Dann gleitet die letztere unaufhaltsam auf der schiefen Ebene der Mystik in die Arme des Aberglaubens; sie wird zur Todfeindin der reinen Vernunft.
Vollends verderblich werden diese Ideal-Gebilde der Dichtung, wenn sie als übernatürliche «Offenbarungen» gedeutet und von der praktischen Vernunft zu politischen und weltlichen Zwecken gemißbraucht werden. Dann entwickelt sich jenes verderbliche Übergewicht der geistlichen über die weltliche Macht, jene unzähmbare Herrschsucht der Kirche, welche den Staat lediglich zu ihren egoistischen Zwecken ausbeutet. Je höher und anspruchsvoller sich die einheitliche Organisation der Kirche erhebt, desto gefährlicher wird sie für den von ihr bedrohten Kulturstaat.

Aus Ernst Haeckel, Die Welträtsel, Jena 1903

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Das neue «Glarean»-Literatur-Rätsel

Veröffentlicht in Literatur, Literatur-Kreuzworträtsel, Rätsel von Walter Eigenmann am 23. Dezember 2009

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Literatur-Kreuzworträtsel im Dezember 2009

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(mehr…)

Menantes-Förderpreis für erotische Dichtung 2010

Veröffentlicht in Erotik, Literatur, Literatur-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 22. Dezember 2009

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Gesucht: Galante Gedichte und Erzählungen

Die Evangelische Kirchgemeinde Wandersleben schreibt in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift «Palmbaum» zum dritten Mal ihren Menantes-Förderpreis für erotische Dichtung aus. (Der Preis ist benannt nach einem der «galantesten», sprich frivolsten Dichter des Barock, dem Wanderslebener Literaten, Satiriker und Librettisten Christian F. Hunold, alias Menantes / 1680-1721). Eingesandt werden können je bis zu drei unveröffentlichte Gedichte oder eine unveröffentliche Kurzgeschichte mit max. fünf Manuskriptseiten. Einsende-Schluss ist am 30. April 2010, die weiteren Details finden sich hier.

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Internationaler Kompositions-Wettbewerb für Kontrabass

Veröffentlicht in Musik, Musik-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 21. Dezember 2009

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Musik-Thema: Die Jupiter-Monde

Die 1986 gegründete englische Music Publishing Firm Recital Music schreibt einen Kompositionswettbewerb für Kontrabass aus. Teilnehmen können Komponisten jeder Nationalität und jeden Alters. Der Contest findet in fünf verschiedenen Kategorien statt und hat die Entdeckung der vier größten Jupiter-Monde durch Galileo Galilei im Jahre 1610 zum Thema. Einsende-Schluss ist am 1. Juni 2010, die weiteren Einzelheiten (engl.) finden sich hier.

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Der brillante Schachzug (55)

Veröffentlicht in Der brillante Schachzug, Schach, Schach-Rätsel von Walter Eigenmann am 20. Dezember 2009

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Schwarz am Zuge

r3k2r/1p2p1bp/p5p1/q2Pnb2/2p2P2/2P1B3/P2Q1NPP/2R1KB1R b Kkq

Lösung: —>(mehr)

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Humor in der Musik (3)

Veröffentlicht in Humor, Humor in der Musik, Musik, Video von Walter Eigenmann am 20. Dezember 2009

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Victor Borge: Piano drei- bis vierhändig

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Winter-Haiku (3)

Veröffentlicht in Haiku, Japanische Lyrik, Literatur, Lyrik, Tan Taigi, Winter-Haiku von Walter Eigenmann am 19. Dezember 2009

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Einsam gehe ich

unterm kalten Wintermond -

Wie die Brücke hallt!

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Tan Taigi (1709-1772)

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Cartoon der Woche

Veröffentlicht in Cartoons, Grafik, Louis Rauwolf, Musik von Walter Eigenmann am 18. Dezember 2009

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Louis Rauwolf

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Die interessante Schachstudie

Veröffentlicht in Mihai Neghina, Peter Martan, Schach, Schach-Rätsel, Schach-Studien von Walter Eigenmann am 17. Dezember 2009

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Die zwei Damen im Spiegel

Peter Martan

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Die Schachfreunde unter der «Glarean»-Leserschaft werden sich noch an die Studie von Mihai Neghina erinnern, die unter dem Titel «Dame im Goldenen Käfig» vor kurzem hier als Urdruck veröffentlicht wurde.
Deren Komponist ist ein ganz besonderes Talent im Erdenken von Studien, die Schachprogramme auch heute noch überfordern – überfordern nicht nur hinsichtlich stellungsadäquater Bewertung, sondern auch hinsichtlich ihrer «Belehrbarkeit». Denn erkennen Programme heutzutage in der Regel zumindest rasch ihre Fehler, wenn man ihnen die Züge, an denen sie zunächst vorbeirechnen, eingibt, wonach sie dann die richtige Bewertung im Hash zur Ausgangsstellung mit zurück nehmen, hat Neghina mit dieser zweiten Studie, – die ebenfalls hier als Urdruck erscheint – neuerlich ein Meisterwerk vollbracht, das die Programme (sogar mit  bekanntem Lösungsweg an frühen Verzweigungen) immer wieder in die alten Fehlbewertungen zurückfallen lässt.

Weiß zieht und gewinnt

.© Mihai Neghina, Studie 2009, Urdruck Glarean Magazin

1. Rxf5 gxf5 2. Nh6 Nf3+ 3. Kh5 Qa2 4. a4 a5 5. Qg2 b6 6. Qf2 b5 7. axb5 cxb5
8. Qg2 a4 9. Qf2 a3 10. Qg2 b4 11. Qf2 Qb3 12. Qxf1 Nd2 13. Qg2 Ne4 14. Nhxf5
a2 15. Qxe4 a1=Q 16. Kh6 Qh3+ 17. Nh4 Qxh4+ 18. Qxh4 Qe5 19. Qh1 Qb8 20. Nf5 b3
21. Ng7 Kg8 22. Qe4 Kf8 23. Nh5 b2 24. g6 hxg6 25. Kh7 Qd8 26. Ng7 b1=Q
27. Qxb1 Qd6 28. Qa2 Qxf6 29. Qa3+ Qe7 30. Qa8+ Qe8 31. Qxe8# 1-0

(Analysen: Mihai Neghina & Peter Martan)

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PGN-File (Copy&Paste):

[Event "Weiß zieht und gewinnt"]
[Site "?"]
[Date "??.??.??"]
[Round "?"]
[White "Mihai Neghina"]
[Black "Peter Martan"]
[Result "1-0"]
[Annotator "Neghina,Mihai"]
[SetUp "1"]
[FEN "6Nk/pp2Np1p/2p2Pp1/2R2bP1/7K/P7/1q1n1Q2/5n2 w - - 0 1"]
[PlyCount "61"]
[EventDate "??.??.??"]

1. Rxf5 {Einziger Schlüsselzug. Der Läufer ist die entscheidende Figur der
schwarzen Matt- Drohung. 1.– Nf3+ 2.Qxf3 Qh2+ 3.Qh3 Qxh3#. Nach 1.Sxf5? kann
Schwarz  leicht Remis halten oder sogar auf Gewinn spielen (obwohl ich das
zweifelhaft  fände).} (1. Nxf5 $2 Nf3+ 2. Qxf3 (2. Kg4 $4 Qxf2 3. Kf4 N3d2+ 4.
Kg4 Qg2+ 5. Kf4 Qe4#) 2… Qh2+ 3. Qh3 Qf4+ 4. Qg4 Qh2+ $11) 1… gxf5 {Alles
andere verliert schnell.} 2. Nh6 {Droht Sxf7#.} (2. Nxf5 $4 Qc1 3. Qf4 (3. Ngh6
Ne4 4. Qf3 Qxg5+ 5. Kh3 Nfd2 $17) 3… Qe1+ 4. Kh3 Qe4 5. Qxe4 Nxe4 6. Ngh6
Nxg5+ $17) 2… Nf3+ {Zwischenzug} 3. Kh5 $1 {Je nach Programm, hardware,
Bedenkzeit und Kenntnis des Folgenden im Hash wird das vom  Computer als mehr
oder weniger Vorteil für Schwarz, bestenfalls als Remis und damit sicher
falsch bewertet.} (3. Qxf3 $2 Qh2+ 4. Qh3 Qf2+ 5. Kh5 Qe2+ 6. Kh4 $11) 3… Qa2
{Die Damen greifen einander an, aber keine kann irgend etwas schlagen ohne
Matt zuzulassen. Fast gegenseitiger Zugzwang: Schwarz hat nur Bauernzüge, Weiß
hat nur Df7<->g7, während der weiße Bauer Wache hält.} 4. a4 $1 {Passive
Verteidigung 4.Qg2 könnte auch funktionieren, obwohl eigens gründlich zu
untersuchen.} a5 (4… b6 {Die zähere Verteidigung von Schwarz.} 5. Qg2 a6 6.
Qf2 b5 (6… a5 7. Qg2 b5 8. axb5 cxb5 9. Qf2 a4 10. Qg2 b4 11. Qf2 a3 (11…
Qb3 12. Qxf1 Nd2 13. Qh1 Ne4 14. Nexf5 Qd3 15. Kh4 Qc4 16. Nxf7+ Kg8 17. Ne5
Qc2 18. Nh6+ Kf8 19. Nd7+ Ke8 20. f7+ Kxd7 21. f8=Q) 12. Qg2 Qc4 13. Qxf3 Ng3+)
7. a5 $1 {Es gibt einige Varianten, in denen der a-Bauer Spiel entscheidend ist.
..in einer bleibt er sogar als einziger neben den Königen übrig.} (7. axb5 $2
axb5 $11 {Siehe Varianten nach 7.a5!, besonders jene, in denen der a-Bauer
entscheidet.}) (7. Qg2 $2 bxa4 8. Qf2 a3 9. Qg2 Qc4 10. Qxf3 Ng3+ 11. Qxg3 Qe2+
12. Kh4 Qe4+ 13. Kh3 Qh1+ 14. Qh2 Qf3+ 15. Kh4 Qe4+ 16. Kh5 Qf3+ 17. Kh4 $11 (
17. Ng4 $4 Qxg4+ 18. Kh6 f4 {Und der schwarze a-Bauer ist zu weit aufgerückt.})
) 7… b4 8. Qg2 Qc4 (8… c5 9. Qf2 Qc4 10. Qxf3 Ng3+ 11. Qxg3 Qe2+ 12. Kh4
Qe4+ 13. Kh3 Qh1+ 14. Qh2 Qf3+ 15. Kh4 Qe4+ 16. Kh5 Qf3+ 17. Ng4 Qxg4+ 18. Kh6
f4 19. Qh1 f3 20. Qh2 Qc8 21. Nxc8 f2 22. Ne7 f1=Q 23. Qb8#) 9. Qxf3 Ng3+ 10.
Qxg3 Qe2+ 11. Kh4 Qe4+ 12. Kh3 Qh1+ 13. Qh2 Qf3+ 14. Kh4 Qe4+ 15. Kh5 Qf3+ 16.
Ng4 Qxg4+ 17. Kh6 f4 18. Qh1 b3 19. Nxc6 b2 (19… Qg3 20. Nd4
$18) (19… Qc8 20. Ne7 $18) (19… f3 20. Ne5 $18) 20. Ne5 $18 Qc8 21. g6 b1=Q
22. Qxb1 Qh3+ 23. Kg5 Qg3+ (23… h6+ 24. Kxf4 Qh2+ 25. Ke4 Qe2+ (25… Qg2+
26. Kd4 $16) 26. Kd5 $16) 24. Ng4 h6+ 25. Kf5 fxg6+) 5. Qg2 b6 6. Qf2 b5 7.
axb5 (7. Qg2 $2 bxa4 8. Qf2 a3 9. Qg2 Qc4 10. Qxf3 Ng3+ 11. Qxg3 Qe2+ 12. Kh4
Qe4+ 13. Kh3 Qh1+ 14. Qh2 Qf3+ 15. Kh4 Qe4+ 16. Kh5 Qf3+ 17. Kh4 $11 (17. Ng4
$4 Qxg4+ 18. Kh6 f4 19. Nxc6 a2 $17)) 7… cxb5 8. Qg2 a4 9. Qf2 a3 10. Qg2 b4
11. Qf2 {Zuletzt echter Zugzwang für Schwarz.} Qb3 (11… Qc4 12. Qxf3 Ng3+ 13.
Qxg3 Qe2+ 14. Kh4 Qe4+ 15. Kh3 Qh1+ 16. Qh2 Qf3+ 17. Kh4 Qe4+ 18. Kh5 Qf3+ 19.
Ng4 Qxg4+ 20. Kh6 f4 21. Qh1 f3 22. Qh2 Qc8 23. Nxc8 a2 24. Ne7 a1=Q 25. Qb8#)
12. Qxf1 Nd2 13. Qg2 Ne4 14. Nhxf5 a2 15. Qxe4 a1=Q 16. Kh6 (16. Nh4 $4 Qe6 17.
Qb7 Qd1+ 18. Kh6 Qd8 19. Qxb4 Qe2 20. Nef5 Qed2 $17) 16… Qh3+ {15…. a1D
und 16… Dh3 sind austauschbar.} (16… Qe6 17. Qb7 Qc3 18. Qb8+ Qec8 19.
Qxc8+ Qxc8 20. Nxc8 Kg8 21. Nb6 Kf8 22. Nd6 Kg8 23. Nd7 b3 24. Nc8 b2 25. Ne7+
Kh8 26. Ne5 b1=Q 27. Nxf7#) 17. Nh4 {oder Matt in wenigen Zügen.} Qxh4+ 18.
Qxh4 Qe5 19. Qh1 Qb8 20. Nf5 b3 21. Ng7 Kg8 (21… b2 22. Qb1 Qh2+ 23. Nh5
Qxh5+ 24. Kxh5 Kg8 25. Qxb2 h6 26. Kxh6 Kf8 27. Qb8#) 22. Qe4 Kf8 23. Nh5 b2
24. g6 hxg6 25. Kh7 Qd8 26. Ng7 b1=Q 27. Qxb1 Qd6 28. Qa2 Qxf6 29. Qa3+ Qe7 30.
Qa8+ Qe8 31. Qxe8# 1-0

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Exkurs: Wenn Schachprogramme Stellungen bewerten…

Die alte Frage, was ein gutes Schachprogramm mehr ausmacht, Suche oder Bewertung; lässt sich an Stellungen wie der obigen am besten ad absurdum führen. Sie ist so sinnlos wie die Frage, ob Ei oder Henne zuerst da war. Wie soll ein Programm richtig bewerten, was es nicht in der Suche findet und wie soll es wissen, was es in seinem Suchbaum als nutzlos abwerfen kann, wenn die Bewertung der Varianten nicht stimmt?
Fast alle guten Programme favorisieren hier den Lösungszug sofort, die Alternative 1.Sxf5? wird als schwächer erkannt. Der Grund für die Bewertung, die bei den meisten um 0,00 Centipawn herum liegt, ist der Zug 3.Dxf3, nach dem eine forcierte Stellungswiederholung durch Dauerschach gefunden wird.
Dass es nach 3.Kh5! einen sicheren Gewinnweg gibt, bleibt im Dunkeln, weil dieser dritte Zug gar nicht erst so weit berechnet wird, dass er in die Bewertung eingeht.
Nun ist das besonders Raffinierte an der Stellung, dass auch nach 10 Zügen in die richtige Gewinnvarianten hinein zwar die Bewertung der Programme hochschnellt, die Variantenzahl mit immer wieder Zugzwangpointen in größeren Halbzugtiefen ist aber so groß, dass es auch im «Rückwärtsgang», Zug um Zug zur Ausgangsstellung ab der als Gewinn erkannten späteren Verzweigung kaum gelingt, den Engines «beizubringen», die Gewinnbewertung zu behalten – einfach weil mehr und mehr Varianten dazukommen, die das Ergebnis hinter dem «Horizont» verschwinden lassen.
Übertragen auf unsere «Zwei-Damen»-Aufgabe bedeutet dies, dass also ihre Zuggenerierung bis zum dritten Zug funktioniert – aber gleichzeitig, dass sie das Potential der Stellung nicht richtig einschätzen, was sich dann ab diesem dritten Zug auch als Fehler auswirkt.
Kurzum, die Lösung finden alle Programme schnell, aber aus völlig «falschen Gründen»:  «Operation gelungen, Patient gestorben».

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Die Vorform der «Damen»

Es ist ausgesprochen spannend, solche Studien mit dem Computer zu überprüfen, und auch in den «Zwei Damen im Spiegel» gab es eine Vorform, die Neghina und mir erst nach längerem Durchforsten mit Computerunterstützung als echtes «Loch» klar wurde – bei den vielen falschen Remisvarianten, die der Computer vorschlug, war eine echte dabei. Wieder war die Ausgangsstellung nur minimal anders. (Siehe nächstes Diagramm). Besonders findige Studienknacker sind gefordert, die Variante zu finden, an der dieser kleine Stellungsunterschied scheiterte.

6Nk/pp2Np1p/2p2Pp1/2R2bP1/1P5K/8/Pq1n1Q2/5n2 w

Widerlegungsvariante der ersten Vorform:
1.Txf5 gxf5 2.Sh6 Sf3+ 3.Kh5 Dxa2 4.Dg2 a6 5.Df2 c5 6.bxc5 [6.b5 a5 7.Dg2 a4 8.Df2 a3 9.Dg2 Dc4 10.Dxf3 Sg3+ 11.Dxg3 De2+ 12.Kh4 De4+ 13.Kh3 Dh1+ 14.Dh2 Df3+ 15.Kh4 De4+] 6…a5 7.Dg2 a4 8.c6 bxc6 9.Df2 a3 10.Dg2 Dc4 11.Dxf3 Sg3+ 12.Dxg3 De2+ 13.Kh4 De4+ 14.Kh3 Dh1+ 15.Dh2 Df3+ 16.Kh4 De4+ ½–½ ■

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Weimarer Frühjahrstage für zeitgenössische Musik 2010

Veröffentlicht in Musik, Musik-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 16. Dezember 2009

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Gesucht: Werke für Solo-Violine und Orchester

Aus Anlass der 11. Weimarer Frühjahrstage für zeitgenössische Musik schreibt Via Nova einen internationalen Kompositionswettwerb aus. Eingesandt werden kann ein (allenfalls uraufgeführtes, aber noch nicht veröffentlichtes) Werk für Solovioline und Orchester. Teilnehmen können KomponistInnen, die nach dem 1. Januar 1970 geboren sind. Einsende-Schluss ist am 31. Dezember 2009, die weiteren Details finden sich hier.

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Anke Gebert: «Die Summe der Stunden»

Veröffentlicht in Anke Gebert, Buch-Rezension, Charlotte Ueckert, Literatur, Rezensionen von Walter Eigenmann am 16. Dezember 2009

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Zuviel Stoff im Schnelldurchlauf

Charlotte Ueckert

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Anke Gebert kann Geschichten schreiben. Spannende Geschichten, Krimis, deren Handlungen gut konstruiert sind. Man sieht diese vor sich, bildreich und detailliert. Das gilt auch für «Die Summe der Stunden», ein Roman-Titel, den Gebert zum Abschluss durch ein Zitat von Wilhelm Busch erklärt: «Die Summe unseres Lebens sind die Stunden, in denen wir liebten.»
Auch in diesem Buch kann sich der Leser die Handlung filmisch vorstellen, sie erinnert auch an bereits Verfilmtes. Gesehenes. Die Medienvermarktung scheint beim Schreiben einbezogen.
Die Autorin hat noch zu DDR-Zeiten am damaligen Johannes-R.-Becher-Institut in Leipzig studiert. Später in Hamburg Drehbuchschreiben bei Hark Bohm. Sie versteht etwas von Plots, davon, wie das Leben spielt, spielen kann.
Der literaturinteressierte Leser aber fragt sich nach der Lektüre, ob er nicht besser hätte warten sollen, bis er die Story im Fernsehen gesehen hat. Wozu Bücher, wenn die bildliche Gestaltung gleich mitgeliefert wird? Schreiben ist doch sehr viel mehr als sehen und Handlungen verfolgen…

Anke Gebert

Anke Gebert führt uns ins Hotel «Adlon» in Berlin und damit in die Welt von «Gala» und «Bunte», nur sind es die 20ger Jahre, die dieses Flair bieten. Die heutige, ebenfalls geschilderte Wirklichkeit ist etwas nüchterner: Touristen in der Lobby und «Papierhandtücher in der Toilette» statt gebügeltes Leinen.
Ursula, die Protagonistin des Romans, deren an deutscher Geschichte leidende Liebesgeschichte erzählt wird, ist die Tochter einer Operndiva, die in Hotels aufwächst und sich im Hotel «Adlon» in den Pagen Karl verliebt. Die Erzählung folgt gerade im ersten Teil verschiedenen Mustern, von Irmgard Keuns «Kind aller Länder» bis zu Kästners «Pünktchen und Anton». Und natürlich Vicky Baums «Menschen im Hotel».
Später, Ende des zweiten Weltkrieges begegnen sich die beiden wieder und zwar im Luftschutzkeller des Hotels, kurz vor Karls Einberufung.
Anfang der 60er Jahre treffen beide sich erneut, Karl inzwischen Hotelbesitzer im Westen Berlins, Ursula Verkäuferin in einem Konsum im Ostteil. Eine leidenschaftliche Liebesbeziehung folgt, aber – der Leser ahnt es schon – die Errichtung der Mauer trennt die beiden Liebenden wieder, diesmal 28 Jahre. Dann folgt ein Klischee nach dem anderen. Eine Frau, die ihr Leben der alkoholsüchtigen Mutter widmet, bis diese stirbt. Die verspätete Entdeckung einer Schublade mit verzweifelten Briefen des Liebhabers, von der Mutter vor der Tochter versteckt. Einen Tag nach dem Mauerfall steht dann der Liebhaber, praktischerweise schon verwitwet, vor Ursulas Tür. Wie gut, dass sie nicht umgezogen ist!

Auf 188 Seiten will Gebert einfach zuviel: Pubertätsgeschichte, Altersliebe und deutsche Geschichte im Schnelldurchlauf.
Stoff von Fernsehfilmen. Das Buch zum Hotel. Vielleicht liegt es in den Zimmern des «Adlon» oder an der Rezeption, zur richtigen Zeit für den richtigen Ort geschrieben?
In Geberts Sprache verbleibt trotz emotionaler Handlung eine Nüchternheit, mit der auch der Leser das Buch aus der Hand legt.

Anke Gebert, Die Summe der Stunden, Roman, Fischer Taschenbuch Verlag, 188 Seiten, ISBN 978-3596166404

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Das neue Musik-Kreuzworträtsel

Veröffentlicht in Kreuzworträtsel, Musik, Musik-Kreuzworträtsel, Rätsel von Walter Eigenmann am 15. Dezember 2009

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Musik-Rätsel im Dezember 2009

Copyright by Walter Eigenmann / Glarean Magazin / Dezember 2009

Das Lösungswort nennt den Komponisten des Zyklus’ «Má Vlast»

PDF-File zum Ausdrucken!

Lösung: —> (mehr…)

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Das Zitat der Woche

Veröffentlicht in Ansgar Wimmer, Essays & Aufsätze, Kultur&Gesellschaft, Kulturpolitik, Kunst, Musik, Politik&Gesellschaft, Zitat der Woche von Walter Eigenmann am 14. Dezember 2009

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Über die Kultur in Zeiten der Krise

Ansgar Wimmer

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Ein Grund für die Dramatik der Finanzkrise war, dass Menschen Geld in Finanzinstrumente investiert haben, die sie nicht wirklich verstanden haben. Sie sind ihnen nicht vermittelt worden, sie waren zu komplex, die Sprache der Banker war zu fremd oder die Gier war schlicht zu groß. Gier frisst Hirn, so lautet eine saloppe Formulierung in der Bankenwelt.
Nun hat Kunst und Kultur – Gott sei Dank – in ihrer Rezeption schlicht eine andere Ausgangsbasis als Finanzinstrumente und Investmentprojekte. Man muss sie nicht immer verstehen, auch ein schlicht ästhetischer oder emotionaler Zugang reicht häufig völlig aus. Dass ein bloß emotionaler Zugang zu finanziellen Investitionsentscheidungen demgegenüber nicht ausreicht, ist den Anlegern von Bernie Madoff leider etwas zu spät klar geworden.
Allerdings ist auch der umgekehrte Schluss mancher Kulturschaffender nicht immer hilfreich. Immer wieder erreichen mich in meiner Arbeit als Stiftungsvorstand Entwürfe grandioser Kulturprojekte, innovativer, komplexer, manchmal unverständlich-intellektueller Gedankengebäude, neuer Festivals oder Angebote, die nach Ansicht ihrer Urheber dringend realisiert werden müssen, mit der Bitte um Förderung durch die Alfred Toepfer Stiftung. Auf meine dann regelmäßig erfolgende Frage, an wen sich denn dieses Vorhaben richte, also wer denn die Zielgruppe der Bemühungen sein solle, ernte ich sodann ebenso oft entweder unverständliches Kopfschütteln oder die Auskunft «Na, die allgemeine Öffentlichkeit, halt.»

Ansgar Wimmer

Damit ich nicht missverstanden werde:
- Kultur und insbesondere Kulturförderung, die sich nur an möglichen Abnehmern orientiert, ist genauso trostlos und entbehrlich wie die vermeintlich unvermeidlichen Volksmusikhitparaden der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in Deutschland.
- Gerne verteidige ich jeden Künstler, der zum Ausdruck seiner eigenen künstlerischen Identität mir völlig unverständliche Dinge tut, und manchmal fördern wir als Stiftung auch so etwas.
Ein junger Kammermusiker aber, der im Rahmen seines Programms nicht über seine Musik sprechen kann – oder jemanden kennt und mitbringen kann, der über seine Musik sprechen kann – hat heute und in der Krise seinen Beruf verfehlt – oder muss sehr exzellent sein. Wenn unsere Stiftung heute unter dem Titel «concerto 21» eine Sommerakademie für Aufführungskultur und Musikmanagement durchführt, dann ist das Ziel der Aktion, die Kultur nicht einfach, sondern kommunizierbar zu machen. Auch das braucht es in der Krise, allemal in einer Welt, in der Kulturvermittlung nur beschränkt in den Erziehungskanon vieler Elternhäuser gehört. ■

Aus Ansgar Wimmer (Vorsitzender der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S.): Neue Chancen für die Kultur in Zeiten der Krise, Vortrag aus Anlass des Jahreskongresses der «Vereinigung deutschfranzösischer Gesellschaften für Europa», Duisburg 2009

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Der «Totholz»-Krimi-Schreibwettbewerb 2010

Veröffentlicht in Literatur, Literatur-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 13. Dezember 2009

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«Was machen die Skelett-Teile im Holzofen?»

«Was machen die Skelett-Teile im Holzofen?» Solchen und anderen Fragen rund um das Thema Holz geht ein Krimi-Schreibwettbewerb nach, den der «Odenwaldkreis» bereits zum vierten Male ausschreibt. Der Text soll max. 9′000 Anschläge (inklusive Leerzeichen) umfassen, noch nicht unveröffentlicht sein. Der Wettbewerb ist mit 2′000 EUR dotiert, die Siegerkrimis werden in einer Anthologie veröffentlicht. Einsende-Schluss ist der 1. März 2010, weitere Einzelheiten finden sich hier.

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Winter-Haiku (02)

Veröffentlicht in Haiku, Japanische Lyrik, Literatur, Lyrik, Yosa Buson von Walter Eigenmann am 13. Dezember 2009

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Wildes Sturmgebraus -

Felsennase reisst des Bachs

Rauschen mittendurch!

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Yosa Buson (1716-1784)

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Literatur-Essay von Mario Andreotti

Veröffentlicht in Essays & Aufsätze, Germanistik, Literatur, Literaturwissenschaft, Mario Andreotti, Schweizer Literatur von Walter Eigenmann am 12. Dezember 2009

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Aspekte und Tendenzen der neueren
und neuesten Schweizer Literatur

Mario Andreotti

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«Littérature engagée» im Schweizer Nachgang der 68er Bewegung: Max Frisch, Niklaus Meienberg, Otto F. Walter

Die neuere Schweizer Literatur hatte sich, vor allem im Nachgang der 68er Bewegung, in erster Linie als «littérature engagée» verstanden, als eine Literatur, in der Dichtung und Politik eng miteinander verflochten sind. Für die Autoren dieser Literatur, für einen Max Frisch, einen Peter Bichsel, einen Jörg Steiner, einen Adolf Muschg, einen Niklaus Meienberg, einen Franz Hohler, einen Otto F.Walter, einen Hugo Loetscher, einen Otto Marchi mit seiner «Schweizer Geschichte für Ketzer» und vielen andern, war die stürmische Hassliebe zur Heimat noch so etwas wie die zentrale Triebkraft ihres Schreibens. Der Heimatdiskurs – Heimat stets verstanden als «Enge», die Schweiz als «Gefängnis», aus dem man ausbrechen musste – gehörte fast zwingend zu ihrem literarischen Repertoire. Dazu gehörte auch ein mehr oder weniger deutlicher Hass auf die Armee, die man als Instrument einer spätkapitalistischen, autoritär-repressiven Gesellschaft, aber auch als Inbegriff einer mythisch verstandenen Sonderstellung der Schweiz empfand. Max Frischs letztes, 1989 erschienenes Werk, vielleicht überhaupt das letzte einer schweizerischen «littérature engagée», sein in Dialogform gehaltener Prosatext «Schweiz ohne Armee? Ein Palaver» war für diese armeekritische Haltung einer ganzen Schriftstellergeneration geradezu das Paradebeispiel.

Anfang der 90er Jahre setzte in der Schweizer Literatur ein folgenschwerer Paradigmawechsel ein. Eine neue Generation von Schriftstellern meldete sich zu Wort, eine Generation, der es nicht mehr um die Auseinandersetzung mit der Schweiz, um die Heimat als politische Kategorie, sondern höchstens noch als epische oder dramatische Kulisse für die Entwicklung der Figuren geht. Das literarische Herz dieser nachrückenden Generation schlägt weder für noch gegen das Vaterland; es schlägt vielmehr für die eigene Biographie, die eigene private Welt. Landesgrenzen spielen keine Rolle mehr; die schweizerische Identität – und das ist neu – hinterlässt daher in den Romanen der Schweizer Autoren immer geringere Spuren. Das äussert sich konkret auch an den jährlich stattfindenden Solothurner Literaturtagen: Bis 1991 war die Teilnahme an dieser größten Schweizer Literaturschau den helvetischen Literaturschaffenden vorbehalten. Nach 1991, vor allem im Zusammenhang mit der Wende in Deutschland, dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus im Osten und mit der Frage nach einem EU-Beitritt der Schweiz öffnete man das Solothurner Literaturtreffen auch für die nichtschweizerischen Autoren aus allen Ländern und Kontinenten.

In der Tat: Eine neue Generation von Autoren hatte in der Schweiz die Bühne betreten. Ich glaube, es war Peter Weber mit seinem Erstling «Der Wettermacher», 1993 erschienen, der Geschichte von August Abraham Abderhalden, dem Protagonisten und Ich-Erzähler des Buches, und von dessen Trauer über die gemeinsame Kindheit und den Selbstmord seines schwarzen Adoptivbruders Freitag, der als Erster dieser neuen Generation die Bühne betreten hat. Kurz danach folgte eine Frau, deren Auftritt noch wesentlich spektakulärer war als der von Peter Weber. Von ihrem 1997 erschienenen Erstlingsroman «Das Blütenstaubzimmer» wurden bis heute weit über 300′000 Exemplare abgesetzt. Wenn man bedenkt, dass ein Schweizer Autor, der 3′000 bis 5′000 Exemplare eines Buches verkauft, üblicherweise bereits als erfolgreich gilt, ist das ein gigantischer Erfolg. Dazu kommen Übersetzungen in 27 Sprachen und Lesetourneen in alle Welt. Ich spreche von der Basler Autorin Zoë Jenny, die seit 2003 mit ihrem Partner in London lebt.

Abkehr vom Politischen und neue Linearität als Paradigmenwechsel: Zoe Jenny

Der Verkaufserfolg eines Buches ist bekanntlich eines der Indizien für einen Wandel. Wenn diese Feststellung auf Zoë Jennys Buch zutrifft, worin besteht denn hier der Wandel, der Paradigmawechsel, der letztlich für fast die ganze jüngste Schweizer Literatur gilt? Ich würde meinen, in einem Zweifachen: Da ist zunächst die Abwendung von allem Politischen, wie ich sie eben kurz beschrieben habe. Zoë Jenny erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die sich von ihren Eltern, weil in deren Nähe für sie kein Platz mehr ist, ablöst und die am Schluss völlig desillusioniert allein hinaus in die Winterlandschaft geht. Sieht man einmal von Jennys Abrechnung mit der 68er Generation, mit ihrem Streben nach Selbstverwirklichung, ab, ist da von Politik nichts mehr zu spüren. An die Stelle des politischen Diskurses – ich tönte es bereits an – sind die eigene Biographie, die Selbstwerdung oder Ichfindung ins Zentrum des Schreibens gerückt. Und da ist eine neu gewonnene Unbefangenheit des Erzählens, die keine Erzählkrise, keine Tendenz, das Erzählen selbst zum Thema zu machen, mehr kennt. Hatten ein Max Frisch, ein Otto F.Walter, ein Hugo Loetscher, eine Erica Pedretti in ihren Romanen die Erzählebene noch verdoppelt, um Widersprüche aufzuzeigen, so erzählen die jungen Schweizer Autoren, eine Ruth Schweikert, ein Peter Weber, ein Peter Stamm und eben auch eine Zoë Jenny, einmal abgesehen von gewissen Rückblenden, wieder weitgehend linear. Das kommt den normierten Erwartungen einer breiten Leserschaft entgegen, was den internationalen Erfolg vieler junger Schweizer Autoren zu einem guten Teil erklärt. Dass dabei die Moderne auf der Strecke bleibt, ist die andere, weniger schöne Seite dieser jungen Schweizer Literatur. Die Gefahr, dass solche Literatur, gerade weil sie auf die Errungenschaften der literarischen Moderne mehrheitlich verzichtet, nur ein kurzfristiger Saisonerfolg bleibt, ist auf jeden Fall gegeben.

Literarisches Fräuleinwunder als Fixierung auf die eigene Person: Julia Franck

Und da ist schließlich noch ein Drittes, ein bestimmter Trend des Literaturbetriebes, der sich nicht nur in der Schweizer Literatur, aber in ihr besonders deutlich ausmachen lässt: die zunehmende Fixierung des Interesses nicht sosehr auf das literarische Werk als vielmehr auf die Person des Autors oder noch besser gesagt, der Autorin. Im Zentrum dieses Interesses steht dabei das attraktive und photogene äußere Erscheinungsbild, das in den Medien marktgerecht aufgebaute jugendliche und damit Absatz fördernde Image. Es dürfte kein Zufall sein, dass die meisten Vertreter der jüngsten Autorengeneration ihre Erstlingsromane in relativ jungen Jahren veröffentlicht haben: Zoë Jenny war 23, als ihr Erstling «Das Blütenstaubzimmer» erschien, Peter Weber mit seinem «Wettermacher» 25, Ruth Schweikert 29, als sie an den «Solothurner Literaturtagen» 1994 erstmals mit ihrer Erzählung «Christmas» auftrat. Vom «Triumph der Jugendidole» haben die einen Literaturkritiker Ende der 90er Jahre gesprochen, andere, wie der Kritiker Volker Hage in einem Spiegel-Artikel im März 1999, vom literarischen Fräuleinwunder. Er verstand darunter junge Autorinnen, die gerade ihre ersten Bücher veröffentlicht hatten und die durch ihr attraktives Äusseres ihren literarischen Marktwerk steigern können. Zu ihnen gehört, neben einer Julia Franck, einer Judith Hermann, einer Alexa Hennig, einer Karen Duve, zweifellos auch die Schweizerin Zoë Jenny. Und dies so sehr, dass man zeitweise den Eindruck hat, die Literaturkritiker würden sich mehr für das Gesicht Jennys als für ihre Bücher interessieren.
Der Literaturbetrieb hat sich seit Mitte der neunziger Jahre, gerade auch in der Schweiz, gewaltig gewandelt, gewandelt hin zu einer Eventkultur. Gefragt sind nicht mehr sosehr Autoren, die ihre Literatur als moralische Gegenmacht zur herrschenden Gesellschaft verstehen, gefragt ist, etwas überspitzt formuliert, was kommerziellen Erfolg verspricht, was unterhaltsam und möglichst unpolitisch ist. Gefragt sind dementsprechend auch Autorinnen und Autoren, die sich «marktgerecht» verhalten, die nicht sosehr ihr Werk, sondern durch eine möglichst hohe Medientauglichkeit sich selbst inszenieren können. Der Literaturbetrieb wird so zum gezielten Marketing. Die Literatur selber verkleinert sich dabei zum harmlosen Vergnügungshäppchen und büsst so ihren ursprünglich auf Störung, Irritation und Reflexion ausgerichteten Charakter ein. Ich weiss, das sind harte Worte. Aber sie sind notwendig, will die Literatur, und gerade die schweizerische, nicht zum billigen Vehikel unserer postmodernen Spaß- und Zerstreuungsgesellschaft verkommen.

Galionsfigur des jüngeren deutschen Pop-Romans: Christian Kracht

Nun würde in meinen Ausführungen Entscheidendes fehlen, wollte ich nicht noch ein paar Worte zu jener Literatur am Rande des offiziellen Literaturbetriebes sagen, die wir gerne mit dem Begriff der «Subkultur» in Verbindung bringen und die seit den 1990er Jahren auch in der Schweiz einige Bedeutung erlangt hat. Es sind dies vor allem Pop, Beat, Rap und vor allem die Slam Poetry. Es kann hier nicht darum gehen, die eben genannten Genres im Einzelnen zu besprechen; das habe ich im Buch Die Struktur der modernen Literatur (im Kapitel über moderne politische Lyrik) recht ausführlich getan. Hier geht es mir einzig um die Frage, warum gerade in der Schweiz Pop, Beat, Rap und Slam Poetry, ganz anders als etwa in Österreich, derartige viele Anhänger gefunden haben. Man denke nur an die zahlreichen Fans, die etwa die Mundartrock-Konzerte eines Polo Hofer oder eines Peter Reber zu mobilisieren vermögen. Es dürfte zudem kein Zufall sein, dass der Begründer und Übervater des jüngeren deutschen Pop-Romans ein Schweizer ist, zumindest schweizerische Wurzeln hat, auch wenn er sich selber gerne als Kosmopoliten sieht. Ich spreche von Christian Kracht, der in seinem 1995 veröffentlichten Erstling «Faserland» den Ich-Erzähler fast symbolartig per Bahn, Flugzeug und Auto von der Insel Sylt über Hamburg, Frankfurt, Heidelberg, München und den Bodensee in die Schweiz reisen lässt. Und es dürfte ebenfalls kein Zufall sein, dass es in der Schweiz wohl von ganz Europa verhältnismässig am meisten Poetry Slams gibt; und dies obwohl die Slam Poetry aus Amerika, wo sie bekanntlich 1986 von Marc Kelly Smith in einem Jazz-Club in Chicago begründet worden war, erst nach Deutschland etwa ab 1999 in die Schweiz kam. Man werfe einen Blick ins Internet, um zu erfahren, wie reich die Slam-Szene in der Schweiz, etwa in Bern, aber auch in Zürich und St. Gallen war und immer noch ist. Ähnliches wäre vom Rap, vor allem vom Mundart-Rap zu sagen.

Wo also könnten die Gründe liegen, dass in der Schweiz die verschiedenen Formen subkultureller Literatur auf relativ fruchtbaren Boden fallen? Ich würde meinen, dass es vor allem zwei Gründe sind, die hier genannt werden müssen. Da ist zum einen die Tatsache, dass in der Schweiz die Trennung zwischen einer hohen Literatur und einer Literatur, die eher unterhaltenden Wert besitzt, nie so stark war wie etwa in Deutschland oder in Österreich. Das mag unter anderem mit der starken Stellung der schweizerdeutschen Mundart, die der Literatur stets eine gewisse Volksnähe verliehen hat, zusammenhängen. Man denke da etwa an die Romane Gotthelfs, aber auch an die ganze Heimatlyrik bis weit in die 1950er Jahre hinein und nicht zuletzt auch an die stark beachtete Bewegung der «modern mundart» seit den sechziger Jahren, worin sich avantgardistische Experimental-Lyrik und Dialekt in überraschenden Kombinationsformen verbinden. Es ist und bleibt eine Tatsache, dass in der Schweiz, übrigens wie in den angelsächsischen und den romanischen Ländern auch, die Literatur immer weniger elitär erlebt wurde als etwa im deutschsprachigen Ausland. Wir hatten in der Schweiz, anders als in Deutschland, keinen Gottsched, der für die Dichtung, vor allem für das Schauspiel, die Verwendung eines hohen Stils verlangte, keinen Stefan George, bei dem der Dichter zum Priester wird, der seine Gedichte nur für einen engen Kreis empfänglicher Seelen schafft. In der Schweiz hat die Dichtung stets etwas Volksnahes bewahrt. Nur so erklärt es sich, dass im Jahre 1997 der 200.Geburtstag von Jeremias Gotthelf schweizweit mit verschiedensten Events gefeiert wurde, während man ein Jahr später den 100.Todestag von Conrad Ferdinand Meyer, dem der Ruf eines eher abgehobenen, elitären Dichters anhaftet, in der breiteren Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis nahm. Apropos Gotthelf darf ich ein kleines persönliches Erlebnis anfügen, das einen gewissen anekdotischen Wert besitzt. 1997 hatte ich in einer kleineren Schweizer Stadt einen Vortrag über Jeremias Gotthelf zu halten. In diesem Vortrag versuchte ich Gotthelf vom gängigen Klischee des Volks- und Bauerndichters gründlich zu befreien. Kaum hatte ich meinen Vortrag, fast etwas siegesbewusst, beendet, traten eine Jodlergruppe und ein Handorgelduo auf die Bühne. Wenn das nicht Volksnähe der Schweizer Literatur ist…

Literatur als geistreiche Spaß-und-Fun-Kultur: Poetry Slam in der Schweiz

Event – ich habe bewusst dieses Wort verwendet. Unsere postmoderne Kultur, wenn ich diesen unscharfen Begriff gebrauchen darf, ist zu einer fast perfekten Eventkultur geworden, zu einer Kultur, in der Fun und Unterhaltung dominieren. Das ist auch an der Literatur nicht spurlos vorübergegangen. In der Schweiz kommt es in den 1990er Jahren, wie ich bereits gezeigt habe, zu einem gewaltigen Paradigmawechsel: weg von einer gesellschafts-, vor allem heimatkritischen Literatur, von einer «littérature engagée», wie sie die 68er Generation noch verstanden hatte, hin zu einer Literatur, die sich mehr und mehr ins Private, Individuelle zurückzieht und die sich nicht durchwegs, aber häufig als Unterhaltung, als geistreiche Zerstreuung versteht. Seit 1996 bildet ein Ort in den Walliser Bergen gleichsam die Kulisse für dieses neue Literaturverständnis: das Bäderdorf Leukerbad. Während über den Solothurner Literaturtagen, die bekanntlich ein Kind der 68er Generation, genauer gesagt, der «Gruppe Olten» sind, immer noch der Geist von didaktischer Belehrung weht, lockt Leukerbad mit reinem Vergnügen: Ausdruck eines perfekten, professionellen Eventmanagements. Mitternachtslesungen auf der Gemmi werden da zur romantischen Performance; Lesungen im Heilbad neben sprudelnden Quellen, in lauschigen Gärten und alten Hotels gehören dazu. Das Festivalprogramm verspricht zwar Literatur, aber ebenso inspirierendes Abtauchen in die Thermalquellen, Spaziergänge auf Blumenwiesen und Ausflüge in die Berge. Liebe Hörerinnen und Hörer, ein sicheres Zeichen, dass eine neue Generation Literatur auf eine neue Art konsumiert.
Ist es da ein Zufall, dass Beat, Rap und vor allem Slam Poetry in der Schweiz gerade in den späten 90er Jahren zu blühen anfangen? Die Poetry Slams, einst als Gegenbewegung zu den eher langweilig wirkenden Lesungen des etablierten Literaturbetriebs verstanden, beginnen sich unter dem Druck einer allmächtigen Eventkultur zu verändern. Immer mehr Slammer performen heute nicht mehr in ehemaligen Lagerhallen und Schuppen, in Beizen und Bars, sondern auf großen Festivals und in Literaturhäusern. Das bleibt nicht ohne Gefahren: Sollten bei uns in der Schweiz die Poetry Slams künftig nicht mehr dort, wo sich junge Menschen naturgemäß hinbegeben, sondern wieder in den Mausoleen der Literatur stattfinden, dann wird von ihrem ursprünglichen Charakter nicht mehr viel übrig bleiben.

Abtauchen in Thermalbäder inklusive: Das Literatur-Festival Leukerbad

Für die weite Verbreitung verschiedener Formen subkultureller Literatur in der Schweiz deutete ich zwei Gründe an. Einen ersten Grund habe ich eben kurz skizziert. Ein zweiter, für mich wesentlicher Grund dürfte damit zusammenhängen, dass die Literatur der Subkultur und der Avantgarde, also Pop, Social Beat, Rap und Slam Poetry, indem sie übernational sind und die soziale Realität schonungslos aufdecken, einen starken Gegenpol zu den nationalen Mythen der Schweiz bilden. Es dürfte kein Zufall sein, dass die eben genannten avantgardistischen Formen der Literatur in der Schweiz genau in jenen Jahren ihren Höhepunkt erreichten, als unsere nationalen Mythen zu scheppern begannen und unser Land sich in einer gewaltigen Identitätskrise befand: einige Jahre vor und nach der Jahrtausendwende. Nennen wir stichwortartig einige Ereignisse, die zu dieser Identitätskrise führten: Da ist zu Beginn der 90er Jahre zunächst der Fichenskandal, die groteske Bespitzelung der einen Hälfte der Schweizer durch die andere, dann Mitte der 90er Jahre die Tatsache, dass im Zusammenhang mit der Debatte um die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg, um ihre Geschäftstüchtigkeit, ihren Umgang mit dem Nazi-Raubgold der Mythos von der schweizerischen Neutralität arge Kratzer erhielt, und da sind einige Jahre später das «Grounding» der Swissair, das Attentat im Zuger Kantonsparlament, das die Illusion von Sicherheit zerstörte, die Stagnation der Wirtschaft, damit verbunden die Zunahme der Arbeitslosenzahlen und schliesslich die gewaltige Bankenkrise, die für die Manager gleichsam über Nacht das neue Wort «Abzocker» generierte. Alles Debakel, Katastrophen, die den Mythos Schweiz gründlich zerstörten. Die Schweiz hatte vom Sonderfall des Musterschülers in die Normalität des europäischen Mittelmasses gewechselt. Dass die jüngste Literatur der Subkultur und der Avantgarde, vom Social Beat über den Rap bis zum Slam, nicht nur ein Produkt unserer Eventkultur, sondern gerade in der Schweiz auch die Reaktion auf diesen Wechsel, auf eine schmerzliche Identitätskrise, ja auf den Verlust des Heimatgefühls darstellt, versteht sich bei dieser Sachlage fast von selbst.

Strategin des literarischen Ego-Marketings: Simone Meier

Seit Mitte der 90er Jahre stehen sich in der Schweizer Literatur, etwas überspitzt formuliert, drei grundsätzliche Positionen gegenüber: eine Generation, die Literatur immer noch politisch, gesellschaftskritisch, als «moralische Gegenmacht zur herrschenden Gesellschaft» versteht. Zu ihr gehören Autoren wie etwa Peter Bichsel, Adolf Muschg, Niklaus Meienberg, Jörg Steiner, Paul Nizon, Silvio Blatter, Urs Faes, Erica Pedretti, Mariella Mehr und Eveline Hasler. Es waren und sind fast selbstredend eher ältere Autoren, also Autoren, die schon in den sechziger und siebziger Jahren debütiert haben. Daneben findet sich eine mittlere Generation, die dieses gesellschaftskritische Muster aufgeweicht hat und Themen wie Kindheit, Tod und Beziehungsdebakel ins Zentrum rückt. Dazu rechne ich etwa Thomas Hürlimann, Klaus Merz, Tim Krohn, Peter Stamm, Ruth Schweikert, Eleonore Frey, Milena Moser, Andrea Simmen, Nicole Müller, Monica Cantieni, Hanna Johansen u.v.a. Es dürfte kein Zufall sein, dass es sich hier mehrheitlich um Frauen handelt, haben wir es doch seit etwa 1970 in der Schweizer Literatur recht eigentlich mit einem Aufbruch der Frauen zu tun. Das mag aus literaturgeschichtlicher Sicht mit der Individualisierung der Literatur, mit der Wiederentdeckung des ‚Ich’ im Rahmen der «Neuen Subjektivität» und damit verbunden mit der erneuten Betonung des Biographischen und Autobiographischen zusammenhängen. Schliesslich die ‚junge’ Generation, die sich, um es auf einen einfachen Nenner zu bringen, medien- und marktgerecht verhält, sich gerne selbst inszeniert. Zu ihr zähle ich u.a. einen Martin Suter, einen Pedro Lenz, einen Hansjörg Schneider, einen Charles Lewinsky, einen Alex Capus, einen Silvio Huonder, eine Simone Meier, einen Gion Mathias Cavelti, einen Ulrich Knellwolf und ,last but not least’ eine Zöe Jenny. Es sind, um es ohne Umschweife zu sagen, ‚literarische Fliegengewichte’. Ihre Texte sind meist unpolitisch und nicht immer, aber häufig auf Unterhaltung ausgerichtet, als ,leichte Zwischenmahlzeiten’ gedacht. Sie treffen allerdings auf der Gegenseite auch auf ein verändertes Verhalten der Medien und des Leserpublikums. Erwartet wird nicht der herkömmliche Dichter, erwartet wird der Shootingstar, der, wie etwa eine Zoë Jenny, eine Simone Meier, ein Alex Capus, um nur drei Beispiele zu nennen, die Strategie des Ego-Marketings perfekt beherrscht. Also bedienen die Medien die Neugierde der Leser – ein beinahe erotisches Phänomen – mit immer neuen Events. Das Publikum seinerseits möchte nicht unbedingt lesen, sondern dabei sein. Lesen will es dann freilich schon, um zu überprüfen, ob sich das Dabeisein gelohnt hat. Das wiederum kommt dem Verkauf der Bücher zugute.
Moralisch zu werten ist das alles nicht. Fragwürdig wird das Ganze erst, wenn sich die Schere zwischen dem Getöse um ein Buch und dem, was das Buch selber zu bieten hat, immer weiter öffnet. Und das ist gerade auch in der Schweizer Literatur seit Simone Meiers «Mein Lieb, mein Lieb, mein Leben», Alex Capus’ «Glaubst du, dass es Liebe war?» und Martin Suters «Lila, Lila» leider immer öfter der Fall. ■

Literatur
- Klaus Pezold(Hrsg.): Schweizer Literaturgeschichte, Die deutschsprachige Literatur
im 20.Jahrhundert, Leipzig 2007 (Militzke)
- Mario Andreotti: Die Struktur der modernen Literatur, Neue Wege in
der Textinterpretation – Erzählprosa und Lyrik, Bern 2009 (Haupt)

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Mario AndreottiMario Andreotti
Geb. 1947, Studium der Germanistik und Geschichte in Zürich, 1975 Promotion über Jeremias Gotthelf, Prof. Dr. phil., 1977 Diplom des höheren Lehramtes, danach Lehrtätigkeit am Gymnasium und als Lehrbeauftragter für Sprach- und Literaturwissenschaft an der Universität St. Gallen und an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg, langjähriger Referent in der Fortbildung für die Mittelschul-Lehrkräfte und Leiter von Schriftstellerseminarien, Verfasser mehrerer Publikationen und zahlreicher Beiträge zur modernen Dichtung, lebt in Eggersriet/CH

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Wer bin ich?

Veröffentlicht in Musik, Musik-Rätsel, Rätsel, Wer bin ich?, Women Power von Walter Eigenmann am 11. Dezember 2009

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Leidenschaft und Engagement für die moderne Musik

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Es ist kein Zufall, dass ich als erste Dirigentin meines Heimatlandes Verdis «La Traviata» dirigieren «durfte». Denn führende Musik-Kenner und Könner attestieren mir eine wichtige Rolle nicht nur in der internationalen Dirigentinnen-, sondern auch in der Komponistinnen-«Szene».
Ich begann (schon früh) als Pianistin, doch bald nahmen das Orchesterdirigieren und das Komponieren neuzeitlicher Musik den breitesten Raum in meinem Schaffen ein, wobei meine Lehrerschaft sich aus so herausragenden Persönlichkeiten wie Hans Werner Henze, Bernhard Haitink, Karlheinz Stockhausen und Günter Wand zusammensetzte. Prägend wirkte sich außerdem meine Assistenz bei Claudio Abbado und dessen Berliner Philharmonikern aus.
Seit meinen frühesten Jahren als professionelle Musikerin gilt meine größte Leidenschaft und mein umfangreichstes Engagement nicht nur der Vermittlung, sondern auch der Kreation avantgardistischer Musik. Verschiedene vielbeachtete CD-Produktionen mit Werken von Arnold Schönberg über Luciano Berio und Steve Reich bis hin zu meinen eigenen Stücken weisen mich als ebenso originale Schöpferin wie einfühlsame Nachschöpferin neuzeitlicher Kompositionen aus. Ein Schwergewicht meines kompositorischen Schaffens liegt dabei in der Kammermusik.
Als vielseitig interessierte Förderin der modernen Musik beschränke ich mich allerdings keineswegs auf den «klassischen» Konzertbetrieb: Mein gesamtkünstlerisches Engagement bezieht die Schul- und Jugendmusik ebenso mit ein wie die Grenzgebiete Bildende Kunst, Theater oder Film. Das Aufbrechen herkömmlicher Standorte und die Erschließung neuer musikalischer Erfahrungsebenen sind dabei treibende Motive meiner künstlerischen Arbeit. Diese Zielsetzung, dokumentiert in einer großen Anzahl von Konzerten, medialen Events und internationalen Workshops, erfährt schon seit Jahren immer wieder bedeutende öffentliche Aufmerksamkeit und Auszeichnung, zumal in Deutschland. (we)
Also: Wer bin ich?

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Ulf Schiewe: «Der Bastard von Tolosa»

Veröffentlicht in Bernd Giehl, Buch-Rezension, Literatur, Neue Prosa, Rezensionen, Ulf Schiewe von Walter Eigenmann am 10. Dezember 2009

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Ohne Widerhaken im Denken

Bernd Giehl

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Alles ist vorhanden in Ulf Schiewes Erstling «Bastard von Tolosa»: Die Taliban – nur dass sie in diesem Roman «Sarrasin» heißen, oder auch mal «Seldschuken»; Al Quaida, deren Kämpfer hier «Haschaschin» genannt werden, Assassinen (das Wort gibt es heute noch im Französischen für Selbstmörder); Die internationalen Truppen der ISAF, nur dass sie nicht Amerikaner, Briten, Kanadier oder Deutsche sind, sondern Provenzalen oder Normannen.
Es geht auch nicht um die Befreiung Afghanistans, sondern um die Eroberung des Heiligen Landes durch ein Kreuzritter-Heer im 11. Jahrhundert. Und der, der den Feldzug befohlen hat, heißt nicht George Bush, sondern Papst Urban. Genauso scheinheilig wie im «Krieg gegen den Terror» sind auch hier die Gründe. Nur dass sie nicht «Demokratie» oder «Rechte der Frauen» heißen, sondern «Befreiung des Heiligen Grabs» oder «Rückeroberung Jerusalems». Auch die Durchhalteparolen werden gegeben, genau so, wie das sinnlose Morden von den sensibleren Naturen beklagt wird.

Alles ist vorhanden: Das Personal und die Gründe fürs Krieg führen («Das Heilige Land muss aus den Händen der Ungläubigen befreit und der Christenheit zurückgegeben werden»); Die Erkenntnis der Sinnlosigkeit, die nicht nur den Helden, Jaufre Montalban, mehr und mehr befällt, weil er erkennen muss, dass nicht nur die anderen morden, plündern und vergewaltigen, was das Zeug hält, sondern auch die eigenen Leute; Auch die Erkenntnis, dass die Gründe für den Krieg seiner Wirklichkeit nicht standhalten, dass man ein Land nicht auf Dauer gegen den Willen seiner Bevölkerung erobern und halten kann, wächst immer stärker.

Alles ist vorhanden, und womöglich wiederholt sich ja auch alles, wie es Nietzsche schon wusste, nur dass Ulf Schiewe die Möglichkeit der «Ewigen Wiederkehr» seinen Lesern nicht zumuten möchte. Wahrscheinlich wäre es ein spannendes Unternehmen, die Kreuzzüge und den «Krieg gegen den Terror» in Afghanistan einmal gegeneinander zu schneiden und miteinander zu verschränken, aber das hieße ja, den Leser zum Denken zu zwingen. Und Bücher, bei denen man denken muss, werden nicht in hunderttausender Stückzahlen gekauft. Womöglich werden sie nicht einmal gedruckt.

Ulf Schiewe

Aber genau darauf – auf den Beifall bei den Hunderttausenden – zielt dieses Buch. Es ist ein Buch mit deftigen Kriegs- und Sexszenen, ein Roman, bei dem man schon einmal hundert Seiten am Stück lesen kann, ohne dass einem hinterher der Kopf raucht. Es ist weich und gefällig, das Messer geht hindurch wie durch Butter; nichts was irgendwie Anstoß erregen könnte. Schiewe beherrscht das Erzählen; er weiß, wie man Spannungspunkte setzt, und dass man hinterher den Griff um den Leser auch wieder lockern muss. Er kennt offensichtlich die Zeit, über die  er schreibt, er beherrscht sogar das Altfranzösische gut genug, um es an bestimmten Stellen zu zitieren.
Aber das Buch hinterlässt keine Widerhaken im Denken. Der «Bastard von Tolosa» ist Ulf Schiewes erstes Buch. Im wirklichen Leben ist Schiewe IT-Berater, habe ich in einem Interview gelesen. Dass er schreiben kann, ist ganz offensichtlich. Und doch fehlt mir in diesem Buch der doppelte Boden, der Verweis auf das Heute – oder was immer es auch ist, was ein Buch zum Kunstwerk macht. Wie Umberto Eco vor vielen Jahren mit seinem «Namen der Rose» bewiesen hat, kann man auch einen historischen Roman als Kunstwerk anlegen. «Der Name der Rose» ist ebenso eine Parodie auf den Detektivroman, wie es eine Auseinandersetzung mit dem Universalienstreit ist (also der Frage, ob zuerst die Begriffe waren und die Wirklichkeit ihnen folgt, oder ob zuerst die Wirklichkeit ist und dann erst die Begriffe kommen. Und womöglich sind auch noch ganz andere Ebenen in diesem Buch angelegt).

Im «Bastard von Tolosa» findet man das alles nicht. Manchmal war ich, nachdem ich längere Zeit darin gelesen hatte, richtig froh, dass neben ihm Thomas Pynchons grandioses Werk «Gegen den Tag» auf meinem Glastisch lag, ein Buch, bei dem man auf jeder zweiten Seite ins Grübeln kommt, wie der Autor das nun wieder gemeint haben könnte… Kurzum: Schiewe kann erzählen, keine Frage – doch das genügt nicht. ■

Ulf Schiewe, Der Bastard von Tolosa, Roman, Droemer-Knaur Verlag, 928 Seiten, ISBN 978-3-426-19841-4

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Leseproben

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Der brillante Schachzug (54)

Veröffentlicht in Der brillante Schachzug, Schach, Schach-Rätsel von Walter Eigenmann am 9. Dezember 2009

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Weiß am Zuge

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Das Zitat der Woche

Veröffentlicht in Medizin, Paracelsus, Philosophie, Zitat der Woche von Walter Eigenmann am 9. Dezember 2009

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Von der Natur in der Krankheit

Paracelsus

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Die Natur ist es, die dem Kranken die Arznei gibt. So Natur die Arznei gibt, muß sie den Kranken erkennen. Denn ohne Erkenntnis kann sie ihm nichts geben. Nun liegt die Erkenntnis nit im Arzt, sondern in der Natur. So Natur sich kennt, stellt sie das Rezept zusammen. Krankheit und Arznei kommen beide aus der Natur und nit vom Arzt. Von diesen beiden soll der Arzt lernen. Was sie ihn lehren, soll er tun. Lehren sie ihn nichts, so kann und weiß er nichts. Denn beide, Arznei und Krankheit, unterliegen der Natur, die ihr eigener Arzt ist.

Paracelsus (1493-1541)

Die Natur allein lehrt den Arzt, nit der Mensch. So nun in der Natur so viel liegt, ist es vonnöten, darüber zu handeln, wer die Natur sei. Das ist eben Gegenstand der Philosophie. Bei der Definition, was Philosophie sei, gibt es einen Streit zwischen mir und meinen Gegnern. Was sie für Philosophie halten, halte ich für eine Drüse, das heißt, sie sind wie ein Arzt, der seine Kunst aus den Drüsen nimmt, die außen am Leibe wachsen, ihm gleichsehen, aber nicht gleich sind. Derartig sind diese Arztphilosophen… Daß sie etwas von meiner Philosophie halten, ist nit gut möglich. Darum wird meine Philosophie von ihnen nit gebraucht, auch nit von andern Narren.
Der Arzt soll vor allem Himmel und Erde kennen, ihre Materie, Art und ihr Wesen. So er darüber unterrichtet ist, mag er mit dem Studium der Arznei beginnen. Denn nach dieser Erfahrung, diesem Wissen und dieser Kunst beginnt der Arzt. Mein Unterfangen und Grundsatz ist, daß die Arzneikunst so geübt werde, daß aus dem äußern Arzt der innere geboren werde und wo der äußere nit sei, da sei auch der innere nit, und was der innere treibt, führt und lernt aus sich selbsten, das ist umsonst. ■

Aus Paracelsus, Paragranum (1529)

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Abraham Verghese: «Rückkehr nach Missing»

Veröffentlicht in Abraham Verghese, Alexander Remde, Buch-Rezension, Literatur, Neue Prosa, Rezensionen von Walter Eigenmann am 8. Dezember 2009

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Über allem die Liebe zu den Menschen

Alexander Remde

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«Rückkehr nach Missing» ist auch ein Roman. Nur reicht dieses Wort nicht aus, um zu beschreiben, was in den 770 Seiten des neuesten Werkes von Abraham Verghese steckt. Es ist auch Saga, medizinisches Lehrbuch, Plädoyer – und eine Liebeserklärung an einen Beruf und einen Kontinent.
Mit Sicherheit keine leichte Literatur, aber ein Werk, das berührt und das mit tiefen Emotionen den geduldigen Leser belohnt, geschrieben in einem Stil, den ich schon verloren glaubte, und an dem Thomas Mann seine helle Freude gehabt hätte. Wer es altmodisch nennt, trifft den Kern, denn Präzision und Emotion werden hier wieder vereint und geben eine Nähe zum Geschehen, die den Leser, falls er dazu bereit ist, in einen zeitlosen Raum entführt. Und ist es nicht genau das, wonach wir uns sehnen? Wer nah am Wasser gebaut ist, wird bei der Lektüre die eine oder andere Träne vergießen, ohne es zu bereuen. Es verbietet sich hier, auch angesichts der Vielfältigkeit und Bodenlosigkeit der Handlung, ein Protokoll anzufertigen und weiterzugeben. Viele Geschichten spinnen sich um den Kern und vereinen sich letztendlich zu dem, was man wohl Sinn nennt.

Im Mittelpunkt steht die Geschichte der Zwillingsbrüder Marion und Shiva, die als Waisen in Äthiopien ihren Weg suchen. Die Mutter, eine indische Nonne, stirbt bei der Geburt; der Vater, ein britischer Chirurg, verschwindet spurlos. Die Brüder erlernen beide des Vaters Beruf, werden sich auf tragische Weise trennen, und einer wird sich in die Hände des anderen und zwangsläufig auch in die Hände des verlorenen Vaters begeben müssen. Beide Brüder wird die Liebe zu einer Frau quälen, beide leben im Addis Abeba der sechziger Jahre, einer von politischen Unruhen erschütterten Hauptstadt. New York wird eine Rolle spielen, ebenso die Gesundheitssysteme der Reichen und der Dritten Welt.
Sicherlich klingt hier einiges nach Pathos, wird doch mit Nachdruck jeder Zwang in Frage gestellt, der sich ergibt, werden ökonomische Möglichkeiten mit medizinischen Notwendigkeiten auf einer Ebene notiert. Doch hier setzt der Hebel an, den uns Abraham Verghese als Botschaft zwischen die Zeilen schreibt. Eine Ausbildung, die Überflüssiges lehrt und Notwendiges nicht nachhaltig genug vermittelt, eine Heimat, die keine mehr ist, und ein Vertrauensverhältnis zwischen Abhängigen (hier Arzt und Patient), welches auf dünnstem Eis wandelt.

Abraham Verghese

Über allem steht die Liebe zu den Menschen und damit ja auch die Liebe zu sich selbst. Vielleicht ist «Rückkehr nach Missing» eine Geschichte über das Vertrauen, das schnell verloren geht und schwer wiedergewonnen wird. Oder es ist eine Erzählung vom Glauben an die Unendlichkeit der Mutterliebe, die alles in jeder Zukunft zusammenfügen wird, gleich welcher Wirklichkeit, Region und Gesellschaft wir angehören. Dass ein Buch Farben in uns malt, Stimmen schafft und Figuren entstehen lässt, nehmen wir als selbstverständlich an. Wie Abraham Verghese diesen Anforderungen genügt, wird uns zuvorderst etwas fremd erscheinen, dann erstaunen und letztendlich erlösen. «Rückkehr nach Missing» ist ein Buch, das nie zu schwer wiegt und doch kein leichtes Lesen verspricht. Wer bereit ist, sich auf ein tragisches Abenteuer einzulassen, der wird genießen können.

Abraham Verghese, als Sohn indischer Eltern geboren in Äthiopien, spendet wohl einiges an eigenem Leben dem Roman; das macht ihn echt. Wie viel der Leser davon annehmen und verstehen will, bleibt ihm selbst überlassen. Die schöne Kunst des Erzählens dürfen wir hier genießen und zahlen als Preis dafür nur Aufmerksamkeit und Auffassungsgabe, sofern wir geneigt sind, uns in eine fremde Welt fallen zu lassen. ■

Abraham Verghese, Rückkehr nach Missing, Roman, Insel Verlag, 770 Seiten, ISBN 978-3-458-17450-9

Leseprobe


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Das neue «Glarean»-Sudoku

Veröffentlicht in Rätsel, Sudoku von Walter Eigenmann am 7. Dezember 2009

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Sudoku-Spaß im Dezember 2009

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Winter-Haiku (01)

Veröffentlicht in Haiku, Japanische Lyrik, Literatur, Lyrik, Winter-Haiku von Walter Eigenmann am 6. Dezember 2009

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Weggefährte ist

mir ein einzger Vogel nur

auf dem dürren Moor!

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Senna (1650-1723)

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Aufgeschnappt

Veröffentlicht in Aufgeschnappt, Gunnar Schmidtmann, Medizin, Musik, Musik-Forschung, Musikmedizin von Walter Eigenmann am 5. Dezember 2009

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Leben Bläser gefährlich?

Den Druck im Blut und in den Augen erhöht massiv, wer ein Blasinstrument spielt. Das kann nach jahrelangem, intensivem Musizieren zu ernsten Gesundheitsproblemen führen, wie nun eine Dissertation des deutschen Optometrie-Studenten Gunnar Schmidtmann nachweist. Seine Studie zeigt, dass der deutlich erhöhte Augen-Innendruck zumal beim Spielen von Holzblasinstrumenten eine Glaukom-Erkrankung (Grüner Star) begünstigt.

Schmidtmanns Arbeit, in deren Rahmen bei 15 professionellen Blasmusikern an der Musikhochschule Lübeck der intraokulare Druck sowie der Blutdruck während des Spiels untersucht wurde, belegt eindrücklich,  dass das Spielen eines Blasinstrumentes zu einem Anstieg des Druckes im Brustraum führt, was wiederum zu einer Stauung des Blutes in den ableitenden Blutgefässen des Auges, zu einer Behinderung des Abflusses des Kammerwassers und damit zum besagten Anstieg des Augeninnendrucks führt. Langfristig kann diese starke Belastung sogar zu Schäden am Sehnerv führen.
Wie Hans-Jürgen Grein, betreuender Professor der entspr. Arbeit, in einem Interview gegenüber dem Schweizer «Pressetext»-Portal ausführte, sei es angezeigt, eine «regelmäßige ärztliche Untersuchung der Augen bei professionellen Holzbläsern» vorzunehmen. Studien-Autor Gunnar Schmidtmann ergänzend: «Es ist nicht ungesund, ein Blasinstrument zu spielen. Allerdings sollten besonders ältere Berufsmusiker wie auch Augenärzte aufmerksam für das Thema werden». ■

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Humoreske von Franz Trachsel

Veröffentlicht in Franz Trachsel, Humor, Humoreske, Literatur, Neue Prosa von Walter Eigenmann am 4. Dezember 2009

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Hab Sonne im Rücken!

Franz Trachsel

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Auf Rad- und Fußwegen als Stuntman aufzutreten ist nicht der spektakulärste Ort dafür und daher von anderer «Persönlichkeitsstruktur» als im angestammten Film. Anderer Natur daher auch der hier abgehandelte Auftritt, nämlich teils außerirdischer, teils aber vor Ort in Szene gesetzter. Eine Stuntrealität jedoch insofern, als der gewöhnliche Erdenbürger, vorausgesetzt er ist ein Radfahrer, als solcher gemeinsam mit keiner Geringeren als mit Frau Sonne am Himmel Regie führt und zwar in Gestalt eines aktivierten Schattens seiner selbst.
Schatten haben sowohl als Begriff wie auch real ein physikalisch misshelliges Dasein. Sie sind sozusagen Licht und Schatten zugleich. Das vor allem mit einem immens belebten Adria-, einem Balearen- oder Atlantic-City-Strand oder wo auch immer rund um den Erdball, mit schattenspendenden Palmen auf einer Wüstenoase, vor Augen. Selbst dem Radfahrer müssen Licht und Schatten, soweit in Stuntgestalt, nicht bloß als nichtsnutzige Begleiterscheinungen vorkommen. Zur richtigen Tageszeit – Schönwetter vorausgesetzt – am richtigen Ort in der einschlägigen Richtung unterwegs, erlebt er sie einer pfiffigen Himmelslaune, ja -gunst gleich. Und zwar mit Frau Sonne im Rücken. Sollte sich angesichts dessen in ihrem nach Milliarden von Jahren zählenden, höchst warmen Antlitz auch nur ein Hauch von Herzlichkeit regen, dann gewiss aus Freude darüber, aus knapp 150 Millionen Kilometern Entfernung an solch einem präzisen Erdbewohner-Phänomen maßgeblich beteiligt zu sein. Das umso mehr, als fast alles dafür spricht, dass wir die einzigen Lebewesen der Primatenspezies sind, die sich so in ihrem Licht-, Wärme- und Blickfeld tummeln.
Erstmals muss sich solcherlei Einvernehmen auf Mutter Erde – Strassen, ob von den Radfahrern gleich als solche wahrgenommen oder nicht – zur Zeit der meisten Fahrräder vor 200 Jahren eingestellt haben. Dies noch 150 Jahre bevor selbst im Fahrrad-Akkumulator mitgeführte Solar-, also von Frau Sonne gespiesene Energie den Fahrer bei Bedarf beim Pedalen zu unterstützen begann.
Schöne Tage zeichnen sich bekanntlich vielfach auch durch geradezu romantische Abende aus. Herbstabende zum Beispiel können eigentlichen Günstlingen gleich daherkommen. So die Stunden erfüllter irdischer Ansprüche Mr. Stunts: Ein vor allem fülliger Lichteinfall aus spiegelklarem Himmel. Fallen dessen abendlich milde Strahlen flachst denkbar und makellos linear zum West-Ost-Weg ein, sieht er die entscheidend wichtigen Voraussetzungen für seine stolzen Auftritte erfüllt.Etwas Musisches bis schattenhaft Strenges ist nun einmal dran und eine Prise Satire dazu. Musisch der Schattenwurf in Stunts-Gestalt selber, satirisch aber das Wie! Wem sonst nämlich wäre es beschieden, seinen Auftritt grundsätzlich nur bodenflach kopfvoran zu erbringen! Und welcher zum Zeitpunkt seiner Auftritte auf dem demselben Weg unterwegs befindliche Fußgänger nähme nicht Rücksicht auf solcherlei reichlich anders gelagerte Verkehrsteilnehmer! Als solche zeichnet sie nun einmal eine ureigene Signalwirkung aus, die ihresgleichen sucht. Je .länger die Schattengestalt, bei idealem Sonnenlicht-Einfall zwölf und mehr Meter, desto ansehnlicher der Abstand des in Wirklichkeit hinterher Pedalenden und zum Beispiel von Spaziergängern als umso schicklicher empfunden, ihm auf eine freie Fahrt auszuweichen. Wenn sich da nicht selbst Frau Sonne, ihrem abendlichen Untergang nahe, angesichts dessen nicht bisweilen aus ihrer schier universalen Ferne im Sinne eines «Hab Sonne im Herzen» ein diskretes Schmunzeln leisten würde! Aber wie sie sich rund um den Erdball und rund um die Uhr pausenlos irgenwo von neuem auf eine gute Nacht verabschiedet, so meldet sie sich unaufhaltsam stets auch irgendwo auf einen neuen Tag.
Ob dann durch unfreundliche Wolkenhüllen am Bestellen jeweiliger neuer Stunts gehindert, das ist hier Frage. Desgleichen auch ob solche irgendwo auf dem Erdball sich auch durch ihre gute mitteleuropäische Schlankheit auszeichnen. Und das unabhängig von ihrer bisweilen ansehnlich bodeneben dahinhuschenden Länge. So oder so, es lohnt sich als Radfahrer solche gleich am Morgen gemeinsam mit Frau Sonne wieder kreiieren zu gehen. Ihr Auftritt lässt sich zu früher Stunde nach ihrem Aufgang, ob gleich nun aus Osten dem Westen entgegen, diesmal erst recht sehen und erleben. Was, wenn die Frühe, der Einfallswinkel und dessen Linearität stimmen, den jungen Morgen an auffälliger Frische auszeichnet, zeichnet nämlich desgleichen auch seine Stunts aus. Und der mitverantwortliche Regisseur,  der Radfahrer hätte (ob mit oder ohne vor ihm unterwegs befindliche Fußgänger) Grund, das bekannte Lied «Hab Sonne im Herzen» auf «Hab Sonne im Rücken» abgewandelt zu singen! Denkbar, dass er damit sogar ans Herz des Stuntmans zu rühren vermöchte! ■

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Franz Trachsel
Geb. 1933, langjähriger Lokal- und Kulturjournalist bei verschiedenen Printmedien, Kurzprosa in Zeitungen und Zeitschriften, lebt in Emmenbrücke/CH

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Wettbewerb für junge Klavier-Komponisten

Veröffentlicht in Musik, Musik-Ausschreibungen von Walter Eigenmann am 3. Dezember 2009

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Gesucht: Werk für Piano solo

Die an der University of Georgia domizilierte American Liszt Society ALS schreibt für 2011 einen Kompositonspreis für Klavier solo aus. Teilnehmen können junge Komponist/inn/en jeglicher Nationalität im Alter von 24 bis 38 Jahren. Das ein- oder mehrsätzige Klavierstück soll eine Dauer von acht bis fünfzehn Minuten aufweisen, und es sollte bisher unveröffentlicht und unaufgeführt sein. Der von der Firma Steinway&Sons ausgestattete Wettbewerb ist mit 4′000 Dollars dotiert, das Siegesstück wird von der ALS in Georgia 2011 uraufgeführt. Einsende-Schluss ist am 1. Februar 2010, die weiteren Details (engl.) finden sich hier. ■

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Das neue Glarean-Schachrätsel

Veröffentlicht in Kreuzworträtsel, Rätsel, Schach, Schach-Kreuzworträtsel, Schach-Rätsel, Walter Eigenmann von Walter Eigenmann am 3. Dezember 2009

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Schach-Kreuzworträtsel im Dezember 2009

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Gerd Arendt: «Instrumentalunterricht für alle?»

Veröffentlicht in Buch-Rezension, Christian Schütte, Musik, Musik-Rezensionen, Rezensionen von Walter Eigenmann am 2. Dezember 2009

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Effizienz und Perspektiven des Klassenmusizierens

Christian Schütte

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Instrumentalunterricht für alle? Dieser Frage widmet sich Gerd Arendt in seinem kürzlich erschienenen Buch, das als Band 91 im Forum Musikpädagogik in den Augsburger Schriften, herausgegeben von Rudolf-Dieter Kraemer, veröffentlicht ist.
«Zur langfristigen Relevanz des Klassenmusizierens und der Notwendigkeit einer Reform des Musikunterrichts» heißt es im ausführlichen Untertitel. Damit greift der Autor ein Thema auf, das in den vergangenen Jahren in Deutschland flächendeckende kulturpolitische Relevanz bekommen hat. Das Klassenmusizieren ist zu einer vielfältig eingesetzten Institution geworden, Schüler bekommen im Rahmen dieser Maßnahme die Möglichkeit, zwei Jahre lang begleitend zum sonstigen Unterricht mit ihrer Klasse musikalisch zu arbeiten. Das kann in Form von Blasinstrumenten passieren, die dann zu einem Ensemble geformt werden, aber auch in Form eines Chors. Allgemeinbildende Schulen arbeiten mit den örtlichen Musikschulen zusammen, gefördert wird das Projekt in der Regel durch die Kultus- und oder Wissenschaftsministerien.

Ansatz und zugleich Legitimation des Autors für seine Studie ist, dass der flächendeckenden Ausbreitung des Klassenmusizierens noch keine qualitativ und quantitativ entsprechende Studie über Erfolg, Effizienz und Perspektiven entgegengesetzt wurde. Qualitätskontrolle ist ein wichtiges Stichwort nicht nur in der freien Wirtschaft geworden, und die finanziellen Mittel, die in die Projekte fließen, drängen solche Erhebungen nachgerade auf.

Die Untersuchung ist klar und plausibel gegliedert: Teil A) legt die theoretische Grundlage dar, Teil B) widmet sich unter dem reichlich chicen Titel «Das Forschungsdesign» Darstellung und Methodik des Forschungsansatzes, Teil C) dokumentiert empirische Untersuchungen, und in einem ausführlichen Teil D) fasst der Autor seine Forschungsergebnisse zusammen.

«Wenn Kinder auf musikalische Entdeckungsreise gehen und spielend miteinander ans Ziel kommen»: Klassenmusizieren in der Schweiz

Teil A) ist eine gründliche Bestandsaufnahme. Geschichte und aktuelle Situation des Klassenmusizierens in Deutschland werden anhand verschiedener Beispiele aufgezeigt, einzelne Ländervorhaben wie das in Nordrhein-Westfalen gestartete «JEKI»–Projekt (Jedem Kind ein Instrument) dabei in Beziehung zu flächendeckenden Praktiken gesetzt. Dabei zeigt der Autor ein sensibles Gespür für Problematisierungen von Begrifflichkeiten, die bereits in sich Fragen aufwerfen, bevor es überhaupt zur Beschäftigung mit Inhalten kommt. Ein Beispiel: Die Kennzeichnung des Vorhabens mit dem Begriff «Projekt» stellt der Autor in folgender Passage zutreffend in Zweifel: «Aber diese ‘Projekte’, die als Teilnehmer in Frage kommen, sind – liest man etwa den Bericht von ‘Learnline’ (NRW-Schulministerium) – allesamt schon lange über ein ‘Projektstadium’ hinaus, manche Streicher- bzw. Bläserklassen bestehen sogar über zehn Jahre. Warum untergräbt man also durch die gewählte Diktion die Relevanz bereits bestehender Konzepte und suggeriert auf diese Weise, es bestünde trotz einer zugestandenen Etablierung [...] der Charakter einer gewissen Vorläufigkeit, gleichsam einem «Unterrichtsversuch»? (S.18)

Im Kapitel «Forschungsdesign» entwirft der Autor u.a. einen Thesenkatalog, mit dem er noch einmal grundsätzlich auf die bislang nahezu unerforschte Praxis, Wirkung und Effizienz des Klassenmusizierens hinweisen will: «Eine mutmaßliche ‘Langfristigkeit’ der Wirkung des Klassenmusizierens ist schon deswegen nicht auszuschließen, da sich bestimmte Bezugspunkte bei der Entwicklung der musikalischen Persönlichkeit bei fast jedem Menschen noch Jahre später nachvollziehen lassen.» (S.52) – und das ist sicher eine wertvolle Ausgangsbasis der weiteren Untersuchungen, die gleichwohl auch unter folgender Prämisse stehen: «Persönlichkeitsentwicklung ist ein Prozess langfristiger Dimension.» ( S.52).
Dies ist nur ein signifikantes Beispiel aus der Untersuchung, mit dem der Autor klar zu erkennen gibt, dass er mit seinem Buch unter anderem eines will: Gedankenanstöße geben, Fragen aufwerfen, die weiter und vor allem tiefer verfolgt werden können und müssen, um die Relevanz der immer flächendeckender werdenden Projekte zur musikalischen Breiten- und Nachwuchsförderung aufzuzeigen bzw. sie zu legitimieren. Hierzu hat Gerd Arendts Untersuchung hohen Wert.

Abgerundet wird die Darstellung u.a. durch Erfahrungsberichte ehemaliger Teilnehmer des Klassenmusizierens. Das ist einerseits plausibel insofern, als auf diese Weise etwa die Motivation dargelegt wird, später Schulmusik studiert und damit gleichsam die Perspektive gewechselt zu haben. Inwieweit andererseits das Gesamtvorhaben durch Äußerungen relativiert wird, die klar zum Ausdruck bringen, das Projekt habe aus der Sicht der Schüler in Einzelfällen mehr soziale Auswirkungen denn musikalische gehabt, sei dahingestellt. Wenn das jedenfalls als Wirkung und Funktion hängen bleibt, ließe sich das Projekt als solches einigermaßen beliebig gegen andere austauschen… ■

Gerd Arendt, Instrumentalunterricht für alle? – Zur langfristigen Relevanz des Klassenmusizierens und der Notwendigkeit einer Reform des Musikunterrichts – Forum Musikpädagogik, Band 91 Augsburger Schriften (Hrsg: Rudolf-Dieter Kraemer), Wissner-Verlag, 184 Seiten, ISBN 978-3-89639-710-2

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INHALTSVERZEICHNIS

A) Theoretischer Teil
1. Einleitung
1.1 Einführung in das Forschungsvorhaben
1.2 Zur Definition des Untersuchungsgegenstands
2. Die aktuelle Situation
2.1 Klassenmusizieren in der Bundesrepublik Deutschland
2.2 Exkurs: „JeKi“ – eine neue Perspektive?
2.3
Ziele und Motive des Klassenmusizierens
2.3.1 Lehrerinteressen/Schülerinteressen
2.3.1.1
Lehrerinteressen
2.3.1.2
Schülerinteressen
2.3.1.3
Das Problem der unbekannten Handlungsziele
2.3.2 Finanzielle Aspekte des Klassenmusizierens
2.3.3 Transfereffekte
2.4
Zum gegenwärtigen Stand der Forschung
3.
Exkurs: Erfordernisse bei der praktischen Umsetzung –
eine Problemskizze
3.1
Fragestellungen
3.2
Vorstudie
3.3
Zwischenfazit
3.4
Didaktische Konzepte
3.4.1 Der institutionelle Diskurs
3.4.2 „Praktikerliteratur“ und Unterricht
3.4.3 Zusammenfassung
3.5
Zur Notwendigkeit einer fundierten Instrumentaltechnik – ein Beispiel
B) Das Forschungsdesign
4.
Ausfaltung des Forschungsansatzes
4.1
Zwei Jahre Klassenmusizieren – was dann? Eine Bestandsaufnahme
4.2
Thesenkatalog
4.3
Konkretisierung des Untersuchungsgegenstands
4.4
Die Rolland-Methode im Kontext der Konzepte
4.4.1 Das Konzept Paul Rollands
4.4.2 Unterrichtsbeschreibung
4.4.3 Lehrmaterialien für den Streicherklassenunterricht
4.4.4 Klassenmusizieren – ein amerikanisches Modell für Deutschland?
5. Zur Methodik
5.1 Begründung der Vorgehensweise
5.2 Die Schule
5.3 Auswahl des Forschungsorts – das soziale Umfeld
C) Empirischer Teil
6. Schriftliche Befragung
6.1 Fragestellung
6.2 Der Fragebogen
7. Auswertung der schriftlichen Befragung
7.1 Häufigkeitsanalyse
7.1.1 Fragekomplex (A) – Musikinstrument
7.1.2 Fragekomplex (B) – Musiksoziologie
7.1.3 Fragekomplex (C ) – Musikunterricht
7.1.4 Fragekomplex (D) – Musiktheorie
7.2 Korrelationsstudie
7.2.1 Einflussgrößen
7.2.2 Zur Signifikanz der Klassenzugehörigkeit bei der Stichprobe
7.3 Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse
7.4 Folgerungen
8. Interviews
8.1 Exkurs: Repräsentativität und Validität
8.2 Auswahl der Probanden
8.3 Konzeptionelles
8.3.1 Fragetechnik
8.3.2 Interviewleitfaden
8.4 Zum Einzelfall-Approach
9. Auswertung der Interviews
9.1 Wissenschaftstheoretische Überlegungen zum Auswertungsverfahren
9.2 Zur Analysepraxis
D) Zusammenfassung der Ergebnisse
10.
Theoriebildung und Schlussthesen
10.1
Persönlichkeit
10.2
Vermittlung instrumentaler Fähigkeiten
10.3
Motivation
10.4
Vorspielstress
10.5
Kurzfristigkeit/Langfristigkeit
10.6
Theorie
10.7
Lebensalter/Instrument
10.8
Zur Modalpersönlichkeit/Schlusskommentar
11.
Zu den Folgen für die Fachdidaktik
11.1
Gegenüberstellung der Ergebnisse mit den didaktischen Ansätzen
für das Klassenmusizieren im Musikunterricht
11.1.1 Zu den Handlungszielen
11.1.2 Zu allgemeinen Lehrzielen in Bezug auf aktives Musizieren
im Unterricht
11.1.3 Zu didaktischen Zielsetzungen mit direktem Bezug
zum Klassenmusizieren
11.2
Exkurs: Zur Individualisierung von Lernprozessen
11.3
Anpassen der Unterrichtsliteratur
11.4
Lehrerfortbildung
12.
Resümee und Ausblick
E)
Anhang
13.
Daten
13.1
Fragebogen Streicherklassenunterricht
13.2
Interviews
13.2.1 „Die Zeit danach hängt davon ab, wie die Lehrkräfte mit der Zeit danach umgehen“ – Anne Gerbel
13.2.2 „An Pädagogik war das gut, womit ich klar kam“ – Florian Zeltmann
13.2.3 „Es war für mich schlimm, wenn ich es nicht so hingekriegt habe wie die anderen“ – Matthias Hohenhövel
13.2.4 „Es hat große Auswirkungen auf die Musikalität später gehabt“ – Katharina Dorfmann
13.2.5 „Als ich hinterher auf die Musikschule gegangen bin, musste ich sehr viel umlernen“ – Julian Wittbrodt
13.2.6 „Der Streicherklassenunterricht hat einen Riesenstellenwert, weil ich sonst nicht an das Cellospielen gekommen wäre – vielleicht sogar an die Musik an sich“ – Martin Terlinden
13.2.7 „Streicherklassenunterricht ist eine Zusatzqualifikation“ – Dajana Sattler
13.2.8 „Es hat auf jeden Fall dazu beigetragen, dass ich Musik studiert habe“ – Marion Twehle
13.3 Korrelationsmatrix
14. Literatur
14.1 Forschungsliteratur
14.1.1 Bücher
14.1.2 Aufsätze
14.1.3 Unterrichtspraktische Literatur/Noten
14.2 Methodik
14.3 Forschungsaffine Literatur (Auswahl)
14.4 DVDs und Videos
15. Abbildungsnachweis
15.1 Abbildungen
15.2 Tabellen

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