Literatur – Musik – Schach
Editorial / Inhalt
Literatur…..…..…..Musik…..…..…..Schach
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…sind drei auf den ersten Blick heterogene Kultur-Phänomene. Beim zweiten Hinsehen werden Gemeinsamkeiten offenbar, denen nachzuspüren eine der Intentionen dieses Internet-KulturJournals ist.
Und: Literatur, Musik, Schach – das steht für drei der grundlegenden menschlichen Komponenten, nämlich fürs Denken, fürs Fühlen, fürs Spielen. -
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Juni 2007, Walter Eigenmann / glarean.verlag(ät)gmail.com
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Glarean = Schweizer/Glarner Humanist und Universal-Gelehrter (1488-1563):
Musiker, Dichter, Mathematiker, Philologe, Historiker und Geograph
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Inhalte
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Herbst-Haiku (10)
Das Zitat der Woche
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Über die Wahrheit in der Wissenschaft
Paul Häberlin
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Wahrheit ist eine strenge Herrin. Wo es um Erkenntnis geht, da darf keine andre Rücksicht walten. Vieles ist brauchbar, was gar nicht wahr ist, und was wahr ist, braucht nicht wirtschaftlich verwendbar zu sein. Eine Wissenschaft, die nach solcher Verwendbarkeit schielt, läßt sich von ihrer eigentlichen Bestimmung ablenken, und sei es auch nur dadurch, daß sie sich ihre Aufgaben oder ihre Forschungsgebiete von außen her vorschreiben läßt. Es gibt nicht nur eine Politisierung der Wissenschaft, deren Bedenklichkeit wir alle einsehen, sondern auch eine Kommerzialisierung oder Ökonomisierung, die nicht minder an das Herz der Wissenschaft greift.
Lassen Sie mich ein Beispiel nennen, das mir selber naheliegt: die Psychologie. Die Anwendung psychologischer Einsichten auf das Wirtschaftsleben, auf den Verkehr, auf die Behandlung der Menschen ist möglich, und gegen «angewandte Psychologie» in diesem $inne möchte ich nichts sagen. Etwas anderes aber ist es, wenn Psychologie selber wesentlich unter dem Gesichtspunkt solcher Verwendung arbeitet. Dann fragt sie nicht mehr – wie sie als Wissenschaft ausschließlich immer müßte – nach der Wahrheit über den Menschen als Menschen, sondern sie fragt nach dem Menschen gerade nur so weit, als er für die Wirtschaft in Betracht kommt, wenn sie sich nicht gar darauf beschränkt, zu fragen, wie er, der Mensch, als Subjekt oder vor allem als Objekt der Wirtschaft verwendbar sei.
Derartiges Fragen aber wird dem Menschen, und der Aufgabe der Wissenschaft vom Menschen, in doppelter Weise nicht gerecht. Einmal kann die psychologische Wahrheit überhaupt nicht angegangen, geschweige denn gefördert werden, wenn nicht von vornherein und jederzeit der ganze Mensch im Blickfeld steht, nicht nur das, was an ihm ökonomisch in Betracht kommt. Vor allem aber tötet solche Einstellung den Willen zur Wahrheit selbst. Denn sie ist zufrieden, wenn sie gewisse menschliche Züge oder Verhaltensweisen festgestellt hat, welche ihr wirtschaftspraktisch relevant erscheinen. Das ist, grob gesagt, nicht anders, als wenn etwa Botanik sich damit begnügen wollte, festzustellen, welche Pflanzen oder Pflanzenteile eßbar oder sonstwie verwendbar seien, oder wie man sie zu diesem Zweck behandeln müsse. Daß es da Hintergründe, Rätsel, Geheimnisse, Probleme gibt, auf die es eigentlich ankommt und denen gegenüber jedes zufriedene Haltmachen ein Verrat an der wissenschaftlichen Ehrfurcht vor der Wahrheit ist, dies sieht solches Genügen an der Aufdeckung von Verwendbarkeiten nicht; ja es hindert, darnach überhaupt zu fragen. Wahrheit läßt nicht mit sich markten; wer nicht für sie ist, ist wider sie. ■Aus Paul Häberlin, Philosophie und Wirtschaft, Zürich 1948
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Internationaler Jugend-Schreibwettbewerb
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«Unsere Welt im Jahre 2050»
Der deutsche C.-M.-Brendle-Verlag lädt Jugendliche (von mind. 16 Jahren) aus dem ganzen deutschsprachigen Europa ein zu seinem Buch-Projekt «Unsere Welt im Jahre 2050»: «1968 gingen die Studenten auf die Straße. Martin Luther King wurde ermordet. Rudi Dutschke erlebt lebensgefährliche Schussverletzungen. Es gab den Prager Frühling und in USA Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg. In Paris wird die Sorbonne besetzt. 1968 ist auch das internationale Jahr der Menschenrechte. In Kapstadt gelingt die zweite erfolgreiche Herztransplantation und Jaqueline Kennedy heiratet den Reeder Onassis. Eine turbulente Zeit. – Das war vor 41 Jahren. Wie wird es in 41 Jahren sein – also im Jahr 2050?»
Die Text-Einsendung sollte max. acht A4-Seiten betragen (Schriftgröße 12 bis 14 Punkt). Die Teilnehmer, deren Text in das Buch aufgenommen wird, erhalten ein Freiexemplar und weitere Bücher mit Autorenrabatt. Einsende-Schluss ist am 31. Januar, die Details finden sich hier. ■
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Pindakaas-Quartett: CD «Ballads of Good Life»
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Saxophon-Glanzstücke von Kurt Weill bis Bastian Fiebig
Walter Eigenmann
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Vor knapp zwanzig Jahren begann das Münsterer Saxophon-Quartett Pindakaas (=niederländisch: «Erdnussbutter») seine Konzert- bzw. Bühnentätigkeit, heute zählt die Musiker-Gruppe Marcin Langer (Sopran- & Altsaxophon, Flöte), Guido Grospietsch (Alt- & Tenorsaxophon, Flöte), Anja Heix (Tenorsaxophon, Oboe, Flöte) und Matthias Schröder (Baritonsaxophon, Klarinette) zu den führenden Formationen dieser Besetzung in Deutschland. Entsprechend dem musikalischen Schwerpunkt ihrer neuesten CD-Produktion, nämlich Kurt Weill, nennt Pindakaas die frisch publizierte Platte «Ballads of Good Life», nach Weills «Ballade vom angenehmen Leben» (aus der berühmten «Dreigroschenoper»).
Die Musik des genialen Dessauer Ironikers und Verfremders Kurt Weill mit ausschließlich saxophonen Instrumenten zu verfolgen ist ein überraschendes, erst durchaus irritierendes, schließlich überzeugendes Hörerlebnis. Gewiss, den insgesamt zwölf Weill-Einspielungen (Teile aus «Dreigroschenoper», «Mahagonny» und «Lost in the Stars») fehlt grundsätzlich die Text-Komponente und damit eine wichtige Dimension Weillschen Komponierens. Doch die Raffinesse der Arrangements (von Marcin Langer), deren farbiger, das klangliche Spektrum der Saxophon-Familie weit auffächernder, dabei immer «nobler», schlanker Satz bringen das Weillsche Augenzwinkern, das Parodistische hinter aller vordergründigen Volkstümlichkeit hervorragend rüber. Wenn schon Weill ganz ohne Gesang, dann durchaus an erster Stelle mit Saxophon!
Dass Weill-Musik in dieser Besetzung so authentisch wirkt, ist weiters das Verdienst eines klanglich sehr homogen-abgestimmten und rhythmisch akkurat musizierenden Quartetts, das trotz der bei Weill immer durchklingenden melodischen und harmonischen «Melancholie» hörbaren Spaß bei und an seiner Arbeit hatte und diese Spielfreude nicht nur mit schwungvollem Zugriff, sondern, wo nötig, auch mit Ausdrucksfülle und mit sensibel durchgehörter Dynamik zu dokumentierten weiß.
Folklore mit Jazz- und «E-Musik»-Elementen mischt auch der argentinische Bandoneonist und Tango-Nuevo-Komponist Astor Piazzolla in seinen beiden von Pindakaas interpretierten Stücken «Café 1930» (aus «Histoire du Tango») und «Libertango» (komponiert 1973 und v.a. berühmt geworden durch den entspr. Song von Grace Jones). Piazzolla verglich sich einmal selber mit Gerschwin: Wie dieser habe er «Werke für den Konzertsaal komponiert, deren Musiksprache in der Popularmusik gründet». Reizvoll also, sein «Café 1930» – als ein melodiezentriertes, dennoch dezidiert nichtgetanztes Konzert-Tango-Stück – mal quartett-kammermusikalisch interpretiert zu hören. Pindakaas’ Gespür für Durchhörbarkeit des Melos auch in den Mittelstimmen fällt hier besonders positiv auf – eine aufregende Variante, die neben den Einspielungen anderer Duette und Ensembles durchaus bestehen kann.
Eine buchstäblich besondere Note erhält die neue Pindakaas-CD durch die Ersteinspielung von Bastian Fiebigs «Totentanz». Ein besonderes Verdienst der vier Musiker ist es, mit diesem Werk des Frankfurter Saxophonisten ein interessantes Stück neuerer originaler Saxophon-Quartettmusik in eine größere Öffentlichkeit zu tragen. Das durch einerseits eindringliche, ostinate Bass-Grundierung mit figurativen und polyphonen Oberstimmen charakterisierte, andererseits den morbiden Tanz mit fast-fröhlicher Fünfviertel-Bewegtheit unterstreichende Stück kontrastiert übrigens effektvoll zu dem quasi-volkstümlich gesetzten, homophon-schlichten «Persischen Markt» von Albert Ketelbey. (Dessen berühmtes «In a Persian market» existiert inzwischen in den unterschiedlichsten Aufnahmen).
Abgerundet wird diese CD «Ballads of Good Life» – die mit ihrer knapp siebzigminütigen Spieldauer großzügig dimensioniert ist, aber aufgrund der Co-Produktion durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe gleichwohl mit ca. 15 Euro preiswert daherkommt – durch vier kürzere jüdische «Traditionals» (u.a. «Play the Klezmer»). Pindakaas spielt auch hier wieder mit in langjähriger Zusammenarbeit gewachsener Präzision des Kammermusizierens, mit einem abgerundeten Ensemble-Klang und mit immer transparenter, schlanker Registerarbeit. Eine sehr niveauvolle siebte CD-Produktion dieses deutschen, mittlerweile international konzertierenden Saxophon-Quartetts. ■
Pindakaas (Saxophon Quartett), Ballads of Good Life – Werke von Weill, Piazzolla, Ketèlbey, Klezmer, Audio-CD, CC ClassicClips 2009, CLCL904
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Titel-Inhalt
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Kurt Weill
Kleine Dreigroschenmusik für Blasorchester
[01] Ouvertüre
[02] Die Moritat von Mackie Messer
[03] Anstatt-dass-Song
[04] Die Ballade vom angenehmen Leben
[05]PollysLied
[06] Tango-Ballade
[07] Kanonen-Song
[08] Dreigroschen-Finale
[09] Choral
Kurt Weill
[10] Alabama Song, aus „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“
[11] Youkali – Tango habañera, aus „Marie Galante“
Astor Piazzolla
[12] Café 1930, aus „Histoire du Tango“
[13] Libertango
Bastian Fiebig
[14] Totentanz
Albert Ketèlbey
[15] In a Persian market
Jewish Traditionals
[16] Schpil-Sche mir a Lidele
[17] Long live the Nigun
[18] Shver und Shviger
[19] Play the Klezmer
Kurt Weill
[20] Lost in the Stars
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Der brillante Schachzug (51)
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Weiß zieht und gewinnt
1rr5/5pkp/4b1p1/4N3/4RQP1/7P/1qnR1PB1/6K1 w – - 0 35
Lösung: —>(mehr…)
Download der Brillanten Nr. 1-50 (PGN & CBH)
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«Weihnachtsgeschichten für jeden Adventstag»
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24 Storys von Hans Christian Andersen bis Doris Dörrie
Weihnachten dürfe, wie der Diogenes Verlag sichtlich meint, für Kinder nicht nur das Fest der TV-Filme und der Playstations, der DVD-Games und der Internet-Animationen sein, und auch die Zeit vom 1. bis zum 24. Dezember könne zu mehr da sein als bloß fürs Warten auf die Bescherung. Also stellte er ein neues «Kinder-Adventsbuch» zusammen, das für jeden Adventstag eine Geschichte parat hat.
Das Autorenfeld des schmuck gestalteten Bandes ist dabei so vielfältig wie die Inhalte der 24 Storys. Man begegnet mal wieder «Frau Holle» (Gebrüder Grimm) und E.T.A. Hoffmanns «Mausekönig», Erich Kästners «Felix» holt den Senf, und auch Cechovs «Wanjka» ist mit von der weihnächtlichen Partie. Diesen Advents-Klassikern zugesellt werden dann kurzprosaische Nachdenklichkeiten oder auch froh-erwartungsvolle Heiterkeiten bis hin zu leicht Satirischem von Doris Dörrie, Cornelia Funke, Tim Krohn oder Bernhard Lassahn. Mit gleich zwei köstlichen Geschichten vertreten (und jeweils ganz aus Kinder-Blickwinkel erzählend) ist außerdem der berühmte «Asterix»- und «Lucky-Luke»-Texter René Goscinny.
Das neue «Kinder-Adventsbuch» fächert seine 24 Geschichten rund um Tannenbaum, Adventskalender, Winterschnee und Weihnachtsmann sehr kontrastreich auf, was mithin gut geeignet ist für eine tägliche – kürzere oder längere – «Vorlese-Stunde». Der «tiefere Sinn» einiger Storys dürfte sich wohl erst etwas älteren Kindern erschließen, die meisten Texte werden aber auch von jüngeren Schulkindern problemlos gelesen und genossen werden können. (we) ■
Diogenes Verlag (D.Kampa/Hrsg), Kinder-Adventsbuch, Weihnachtsgeschichten für jeden Adventstag (Div. Autoren), 176 Seiten, ISBN 978-3-257-01146-3
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1. Magnus-Opus-Kompositionswettbewerb
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Gesucht: Weltliche oder geistliche Chormusik
Die amerikanische «Orange County Catholic Chorale» schreibt erstmals ihren inskünftig alljährlichen, internationalen Magnus-Opus-Kompositionswettbewerb aus. Der Preis ist mit 1′500 Dollar dotiert. Einsgesandt werden können A-cappella- oder begleitete Chor-Werke mit vier bis acht Sätzen. Die Textgrundlage kann geistlich oder weltlich sein, bezüglich Werkdauer besteht keine Restriktion. Einsende-Schluss ist am 15. April 2010, die weiteren Details (engl.) finden sich hier. ■
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Der MDR schreibt Kurzprosa-Wettbewerb aus
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Gesucht: Short-Storys und Kurzgeschichten
Der Mitteldeutsche Rundfunk MDR schreibt einen Kurzgeschichten-Wettbewerb aus, der offen ist für deutschsprachige Autorinnen und Autoren, die bereits literarische Texte veröffentlicht haben. Er ist eine Einladung, sich mit einem bisher unveröffentlichten Prosa-Text (Kurzgeschichte, Short Story) zu beteiligen. Der Wettbewerb gilt ausschließlich für erzählende Texte (Kurzgeschichte, Short Story). Die Länge des Manuskripts ist auf 15-Vorlese-Minuten (ca. 6 Manuskriptseiten mit je 30 Zeilen à 60 Anschläge pro Seite oder rund 11.000 Zeichen mit Leerzeichen) begrenzt. Der Hauptpreis ist mit 5′000 Euro, der zweite mit 2′000 Euro und der dritte mit 1′500 Euro dotiert. Einsende-Schluss ist am 31. Januar 2010, die weiteren Details finden sich hier. ■
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Das Zitat der Woche
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Von den Hauptnährmitteln der Seele
Ludwig Klages
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Welches sind die Hauptnährmittel der Seele? Das Wunder, die Liebe und das Vorbild. Das Wunder findet die Seele z.B. in der Landschaft, in der Dichtung, in der Schönheit. Man gewähre ihr also die Landschaft, die Dichtung, die Schönheit und sehe, ob sie daran erblühe. Die Liebe im weitesten Wortsinn, wozu auch gehört Verehrung, Anbetung, Bewunderung, ja jede Art von herzlicher Anerkennung, wärmt wahrhaft wirksam nur aus dem Liebenden. Das ewige Bild dieser Seelenführerschaft ist das Bild der liebenden Mutter mit dem geliebten Kinde. Man gebe also der Seele alle Strahlen mütterlicher Liebe und sehe, wie sie daran erblühe. Das Vorbild sind Götter, Dichter und Helden. Man lasse die Seele des Anblicks der Heroen teilhaftig werden und sehe, wie sie daran erblüht.
Und wenn sie an keinem dieser drei erblüht, dann ist ihr keine Blühkraft gegeben, und kein Seelenführer kann solche hervorzaubern. Denn dies ist das Geheimnis der Seele, daß sie nur im Geben reicher wird. Nicht die Liebe, die eins empfängt, sondern die Liebe, die durch empfangene Liebe in ihm selbst entzündet wurde, die ist es, welche die Seele nährt. Und alle Wunder und Vorbilder der Welt bleiben bloß eine Theatervorstellung, wenn sie nicht in der Seele das geheime Wunder und den geheimen Helden zu wecken vermögen. ■
Aus Ludwig Klages, Briefe über Ethik (1918)
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Das «Glarean»-Streichholzrätsel
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Drei Streichhölzer sollen so umgelegt werden,
dass drei gleich große Quadrate entstehen
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Lösung: —> (mehr…)
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Halloween 2009
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Weiß am Zug
2qkbr2/8/r1n2b1p/P2pp2B/3PP3/8/2NRRQ2/3KN3 w – - 0 1
Copyright/Urdruck: Walter Eigenmann
31. Oktober 2009 / Glarean Magazin
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Lösung: —> (mehr…)
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Advents- und Weihnachtslieder für Panflöte
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Zweistimmige Liedersammlung:
«Christmas for Pan»
«Christmas for Pan» ist eine Sammlung der 22 schönsten Weihnachtslieder aus aller Welt
für eine oder zwei Panflöte/n. Der Schwierigkeitsgrad bewegt sich zwischen sehr leicht bis mittelschwer. Mit Strophen-Texten zum Mitsingen.
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Der Inhalt: Es kommt ein Schiff geladen, Kommet ihr Hirten, Go tell it on the mountain, Jetzt sei uns willkommen, Indianisches Weihnachtslied, O Tannenbaum, Andachtsjodler, Süsser die Glocken nie klingen, Leise rieselt der Schnee, An des Paradieses Tor, In dulci jubilo, Maria auf dem Berge, S’ist für uns eine Zeit angekommen, Es glüht der Weihnachtsmorgen, Jingle bells, O du fröhliche…, Susani, Susani, Maria durch ein Dornwald ging, Les anges dans nos compagnes, Stille Nacht, Es ist ein Ros’ entsprungen, Adeste fideles.
(Jedes Lied kann auch solistisch gespielt werden).
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Probeseite (verkleinert)
28 Seiten – Broschur A5 / Bei Ihrem Musikhändler
Unverbindliche Preisempfehlung: EUR 9.- / SFR 15.-
Im Internet u.a. zu finden bei:
Musikhaus Dassler – Musikshop Hage – Haus der Musik
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Herbst-Haiku (9)
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schläft am Tor ein Hund allein.
Weidenblätterfall.
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Masaoka Shiki (1867-1902)
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Internationaler Multimedia-Wettbewerb der ALFA
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Texte, Musik, Skulpturen und Filme zum Thema «Spuren»
Die portugiesische «Assoziation der Literatur- und Filmfreunde der Algarve» (ALFA) lädt zu einem internationalen Multi-Media-Wettbewerb ein. Das Thema lautet «Spuren», eingereicht werden können Beiträge verschiedenster Art: Kurzprosa, Lyrik, Fotos, Skulpturen, Musik oder andere multimediale Formen. Die Beiträge sollen noch unveröffentlicht sein. Einsende-Schluss ist am 31. Mai 2010, die weiteren Einzelheiten finden sich hier. ■
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Diogenes: «Weihnachten mit Ringelnatz»
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Augenzwinkerndes Sentiment und melancholischer Schabernack
Walter Eigenmann
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Spätestens zwei Monate vor Heilig Abend überschwemmen sie bekanntlich alljährlich en masse die Buchläden und Online-Shops, jene unzähligen «heiteren und besinnlichen Gedichte und Geschichten» unterm werbewirksamen Slogan «Weihnachten mit…». Aber nun auch «Weihnachten mit..» Joachim Ringelnatz? Diesem kreativ-spöttischen Rumtreiber und raffiniert-schöpferischen Nichtstuer? Diesem unnachahmlichen Veralberer von höchsten Kuttel Daddeldus Gnaden? Diesem grummelnden Seebär, philosophischen Pfannenflicker, höhnischen Gaukler, klarsichtigen Penner? Da wird man hellhörig, blättert neugierig rein – und «Weihnachten» bekommt nochmals eine Facette mehr: eben die Ringelnatzsche.
Erstaunlich überhaupt, dass sich ein ganzes Buch ausgerechnet zum Thema «Weihnachten» destillieren lässt aus dem (allerdings umfangreichen, mittlerweile 7-bändigen) Oeuvre eines Mannes, der solche Dinge schreibt wie: «Wenn man das zierlichste Näschen / Von seiner liebsten Braut / Durch ein Vergrößerungsgläschen / Näher beschaut / Dann zeigen sich haarige Berge / Dass einem graut.» Und überraschend auch, dass dieser virtuose Gassensuppen-Verehrer, dieses Genie der Infantilität in Wort und Bild, dieser durchaus auch mal mit Trivialem Langweilende, dieser gar nicht simple «Simplicissimus»-Schreiber hier keineswegs nur geistreich rumblödelt – gerade nicht zu Weihnachten. Bilderreiche und nachdenkliche Sentiment-Lyrik wie die folgenden Verse ist durchaus ebenfalls anzutreffen:
Weihnachten
Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle,
Mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit,
Und ein schlichtes Glück streut auf die Schwelle
Schöne Blumen der Vergangenheit.Hand schmiegt sich an Hand im engen Kreise,
Und das alte Lied von Gott und Christ
Bebt durch Seelen und verkündet leise,
Dass die kleinste Welt die größte ist.
Doch Hans Gustav Bötticher wäre nicht Ringelnatz, wenn er der kerzenseligen Rührung dieses «schlichten Glücks» nicht auch das Misstrauen seines ungeschminkten Realitätssinnes gegenüberstellte. Denn der zeitlebens unstete, weder geographisch noch biographisch noch literarisch noch malerisch wirklich Beheimatete, der Wanderer durch Räume und Zeiten reimt gleichzeitig so melancholisch wie wahr:
Einsiedlers Heiliger Abend
Ich hab’ in den Weihnachtstagen -
Ich weiß auch, warum -
Mir selbst einen Christbaum geschlagen,
Der ist ganz verkrüppelt und krumm.Ich bohrte ein Loch in die Diele
Und steckte ihn da hinein
Und stellte rings um ihn viele
Flaschen Burgunderwein.Und zierte, um Baumschmuck und Lichter
Zu sparen, ihn abends noch spät
Mit Löffeln, Gabeln und Trichter
Und anderem blanken Gerät.Ich kochte zur heiligen Stunde
Mir Erbsensuppe mit Speck
Und gab meinem fröhlichen Hunde
Gulasch und litt seinen Dreck.Und sang aus burgundernder Kehle
Das Pfannenflickerlied.
Und pries mit bewundernder Seele
Alles das, was ich mied.Es glimmte petroleumbetrunken
Später der Lampendocht.
Ich saß in Gedanken versunken.
Da hat’s an die Türe gepocht,Und pochte wieder und wieder.
Es konnte das Christkind sein.
Und klang’s nicht wie Weihnachtslieder?
Ich aber rief nicht: «Herein!»Ich zog mich aus und ging leise
Zu Bett, ohne Angst, ohne Spott,
Und dankte auf krumme Weise
Lallend dem lieben Gott.
Der sentimentale, der (auto)satirische also – und noch ein dritter Ringelnatz tritt einem über die Winter-, Weihnachts- und Silvester-Wege in diesem Buch: der poetische. Zum Beispiel in seiner unnachahmlichen «Stillen Winterstraße»:
Es heben sich vernebelt braun
Die Berge aus dem klaren Weiß,
Und aus dem Weiß ragt braun ein Zaun,
Steht eine Stange wie ein Steiß.Ein Rabe fliegt, so schwarz und scharf,
Wie ihn kein Maler malen darf,
Wenn er’s nicht etwa kann.
Ich stapfe einsam durch den Schnee.
Vielleicht steht links im Busch ein Reh
Und denkt: Dort geht ein Mann.
Herausgeber Daniel Kampa stellte zwischen Ringelnatz’ Weihnachts- und Silvester-Gedichten noch drei autobiographische Prosa-Texte – mit den bezeichnenden Titeln «Weihnachten in der Tropenhitze», «Hungerweihnacht in Hamburg», «Weihnachten in der Armee». Auch hier schimmert sie stets durch, die augenzwinkernde Traurigkeit, und auch der melancholische Schabernack, wie man ihn im ganzen Werk dieses völlig singulären Literaten als Grundzug ausmachen kann.
Hat Ringelnatz auch eine «Weihnachtsbotschaft»?
Vielleicht diese:
Liedchen
Die Zeit vergeht.
Das Gras verwelkt.
Die Milch entsteht.
Die Kuhmagd melkt.Die Milch verdirbt.
Die Wahrheit schweigt.
Die Kuhmagd stirbt.
Ein Geiger geigt.
Daniel Kampa (Hrsg.), Weihnachten mit Ringelnatz, Lyrik und Prosa, 96 Seiten, Diogenes Verlag, ISBN 978-3-257-02114-1 ■
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Der brillante Schachzug (50)
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Weiß zieht und gewinnt
2r1rbk1/1pqb1p1p/p2p1np1/P4p2/3NP1P1/2NP1R1Q/1P5P/R5BK w
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Lösung: —> (mehr…)
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Internationaler Kompositionswettbewerb der ISB
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Solo- und Kammerstücke für Kontrabass
Die International Society of Bassists ISB (Dallas/USA) schreibt zum Andenken an ihr langjähriges verdientes Mitglied David Walter einen Kompositionswettbewerb aus. Die Teilnahme steht offen für KomponistInnen jeden Alters und jeder Nationalität. Die Werke können in drei Sparten eingereicht werden, sollten unveröffentlicht sein und sechs bis fünfzehn Minuten dauern. Der Wettbewerb ist mit insgesamt 3′000 Dollar dotiert. Einsende-Schluss ist am 1. Juni 2010, die weiteren Einzelheiten (engl.) sind hier zu nachzulesen. ■
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Das Zitat der Woche
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Über die Aufgabe des Schriftstellers
Donna Leon
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Wieso muß man der Literatur die schizophrene Verpflichtung auferlegen, entweder zu ergötzen oder zu belehren, wenn man ihr ebensogut beides gleichzeitig abverlangen kann? Man bedenke nur einmal kurz, was alles nicht mehr unter Literatur fiele, wollte man dem Genius (aus einem konstruierten Dilemma heraus) diese Regel pedantisch aufzwingen: Gullivers Reisen, Dickens, Austen – es gäbe sie alle nicht. Becky Sharp würde ihr Wörterbuch von Johnson niemals hinter sich über die Schulmauer zurückwerfen, und niemals könnte jemand wie die unsägliche Mrs. Proudie aus Anthony Trollopes «Barchester Towers» ihren Machtkampf gegen den intriganten Hauskaplan führen. – Nein, die Schriftsteller wären so sehr damit beschäftigt, uns etwas zu lehren, dass sie weder die Zeit noch die Geduld hätten, den Leser bis zum Ende des Buches in Atem zu halten, was doch eigentlich des Schriftstellers Aufgabe ist. ■
Aus Donna Leon, Mit Miss Austen zum Tee, in: Lesen Sie auch nie? – Tintenfass Nr. 26, Diogenes 2002
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Kompositionswettbewerb für Horn-Werke
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Gesucht: Kammermusikalische Hornstücke
Die amerikanische «International Horn Society» schreibt für das kommende Jahr erneut ihren internationalen Kompositionswettbewerb für Horn-Werke aus. Eingesandt werden können ein Werk für Horn solo, für solistisches Horn mit Begleitung oder für Horn im Kammerensemble. Das Stück soll innerhalb der letzten zwei Jahre komponiert worden sein. Der Preis ist mit 2′500 Dollars dotiert. Einsende-Schluss ist am 1. Dezember 2009, die weiteren Einzelheiten (engl.) finden sich hier.
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Herbst-Haiku (8)
André-Gide-Preis für deutsch-französische Übersetzungen
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Übersetzung als interkulturelle Vermittlung
Der 1997 eingerichtete André-Gide-Preis zeichnet literarische Übersetzungen aus dem Deutschen und aus dem Französischen aus. Die ausrichtende DVA-Stiftung verfolgt damit das Ziel, «den Dialog zwischen beiden Ländern zu stärken. Ohne Kenntnis literarischer Schlüsselwerke kann es keine fruchtbaren geistigen Wechselwirkungen geben. Der Übersetzer spielt dabei als Mittler eine entscheidende Rolle.»
Indem die DVA-Stiftung gelungene Übersetzungen bedeutender literarischer Werke auszeichnet, will sie das Übersetzen als Instrument interkultureller Verständigung fördern und zugleich zu einer Belebung des literarischen deutsch-französischen Transfers beitragen. Die Ausschreibung richtet sich an jüngere Übersetzer (unter 50 Jahren) aus dem Deutschen und aus dem Französischen, die bereits Übersetzungen veröffentlicht haben. Einsende-Schluss ist am 5. Dezember 2009, die weiteren Details finden sich hier.
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Neue Version des Schachprogramms «Fritz»
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Schach-Paket «für die ganze Familie»
Walter Eigenmann
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Es war vor bald 20 Jahren, da geschah in der Hamburger Software-Firma Chessbase Einflussreiches für die Welt des Schachs. 1991 brachten der Physiker Matthias Wüllenweber, der Informatiker Mathias Feist, der Wissenschafts-Journalist Frederic Friedel und der Programmierer Frans Morsch eine Engine (inkl. User-Interface) auf den Markt, die sich anfänglich «Quest» nannte, und die heute weltweit zum Synonym überhaupt für das gesamte Computerschach avanciert ist: «Fritz».
In den Schachvereinen landauf, landab ist, wie jeder aktive Spieler bestätigen kann, der Spruch längst in den Volksmund erhoben worden: «Muss ich mir zuhause mit Fritz anschauen!» Denn professionelle Programmierung, breiteste Produkte-Palette und (last but not least) gerissene Marketingstrategien (bis hin zum Einbezug der großen nationalen Schachverbände und zum Sponsoring international-spektakulärer Man-vs-Machine-«Zweikämpfe») haben dies Chessbase-Flagschiff zum unumstrittenen Software-Marktleader in der gesamten Schachwelt gemacht, auch wenn «Fritz» als seinerzeit spielstärkste Engine inzwischen von anderen Programmen abgelöst wurde.
Seit einigen Wochen feiert nun «The World’s Leading Chess Software Company» (Washington Post) das Dutzend-Jubiläum ihrer wohl einträglichsten DVD: «Fritz Twelve» ist erschienen.

Die neue «Fritz»-Oberfläche mit Notationsfenster, Uhr, Bewertungsprofil, Engine-Output und Messungsanzeiger
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Wie trendig Chessbase auch nach fast 20 Jahren noch immer auf den Markt hin programmiert, wie smart die Leute um Chessbase-Chef Wüllenweber den Mainstream lesen, umsetzen und vermarkten, zeigt sich dem Anwender augenblicklich nach der «Fritz»-Installation. Nicht mehr das altvertraute, mittlerweile etwas verstaubte, teils eher unübersichtliche Outfit der Fritze 5 bis 11 blickt einem da entgegen, nun dominiert den Monitor der von Bill Gates’ Microsoft weltweit unlängst zum Quasi-Standard erhobene und inzwischen weitgehend etablierte «Office-07»-Look des sog. «Ribbon-Menu-Controllings»:
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Microsoft-«Office» lässt grüßen
Ein so bekannt Feature-reiches Schachprogramm wie «Fritz» tut gut daran, seine vielfältigen Menüs möglichst kompakt und sinnvoll strukturiert zu verpacken; insofern ist nur zu begrüßen, dass Chessbase auf diese neue Windows-«Vorgabe» aufgesprungen ist. Die GUI macht einen sichtlich aufgeräumteren, hierarchisch klaren Eindruck, es lässt sich unter dieser Multifunktionsleiste – nach der unvermeidlichen Einarbeitungszeit – jetzt eindeutig flotter hantieren. (Auch wenn man halt anfänglich ein paar Mal vergeblich – wie jahrelang gewohnt – auf F10 statt auf F11 drückt, bis die neue Partie der Datenbank erscheint…) Diese kräftig geliftete, nun sehr kompakt wirkende, farblich beeinflussbare Anordnung aller Fritz-Funktionen und -Steuerelemente wertet das aktuelle Interface zweifellos auf.
Die neuen «Messgeräte»
Das rundum aufgefrischte Outfit ist sicher die wichtigste Novität des zwölften «Fritz», besonders augenfällig sind aber auch zwei neue Features: Der sog. «Schärfemesser», dessen Grafik anzeigt, ob die gerade gespielte Partie in taktisch ruhigen oder eher kombinationsreichen Gewässern fährt, sowie das «Matt-o-Meter», das (ebenfalls via Armaturen-Zeiger) dokumentieren soll, ob die Stellung etwa gar nach Matt «riecht» (Bild links).
Kenntnisreiche bzw. erfahrene Anwender mögen solche GUI-Spielereien mit einigem Recht als verzichtbare Kinkerklitzchen abtun, doch Schach-(Software-)Newbies können derartige Accessoires durchaus hilfreich-informativ zur Seite stehen, wenn’s darum geht, abstrakte schachliche Zusammenhänge plastisch-real rüberzubringen.
Professionelle Grafik
Ebenfalls weniger für die Großmeister-Szene denn für die abertausend gewöhnlichen Schach-Sterblichen wurden die meisten übrigen, teils äußerst ästhetischen, wenngleich ein betont leistungsfähiges Hardware-Equipment voraussetzenden Grafik-Ingredienzen dieses Schach-Pakets entwickelt. Da wären (nach wie vor) zu nennen das «Magische Auge» (Bild rechts), ein dreidimensionaler «Laserstrahl», der optisch verblüffend die Rechenvorgänge des Programmes visualisiert; die realistisch gestalteten Schach-Räume wie z.B. die «Englische Bibliothek» (Bild unten); oder etwa das «Chess-Media-System» mit seiner schachlich integrierten Audio-&Video-Unterstützung.
Die Spielstärke des neuen Fritz
Es lassen sich unschwer Stellungen finden, die «Fritz 12» weitaus besser liegen als seinen Vorgängern, was den Eindruck erwecken könnte, die Engine hätte bezüglich Spielstärke kräftig zugelegt. Um nur drei Exempel zu statuieren, bei denen die neue Engine mehr oder weniger sofort durchblickt, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Programmen:
Stellung 1 (Lloyd-Ling, CorrGame 2000):
17. 0-0-0 ! Sxd5 18. Lc4 S7b6 19. Txd5 Sxd5 20. Td1 Dxe6 21. Lxd5 Dxd5 22. Txd5 +-
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Stellung 2 (Napolitano-Kjellander, CorrGame 1956)
20. h4!! gxh4 21. g4 Ld7 22. Th2 (Var) De7 23. g5 (mit Angriff)
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Stellung 3 (Studie: Pospisil 2000)
1. c6!! c1=D 2. c7 Dc6 3. Le5 Ke2 4. Kb8 Db5+ 5. Ka7 Dc6 6. Kb8 Db6+ 7. Kc8 De6+ 8. Kb8 Db3+ 9. Ka7 Da3+ 10. Sa4 Dxa4+ 11. Kb7 (remis)
Wenn hier «Fritz 12» also glänzt, so widersprechen diesem positiven Eindruck allerdings sämtlichen anderen Testergebnisse, wie sie die einschlägige Computerschach-Szene über die neueste Engine bislang gesammelt hat. Diesen Messungen zufolge dürfte «Twelve» bezüglich seiner Turnier-Performance in etwa gleich stark wie der Vorgänger sein; leider keine signifikante Verbesserung also. Damit entfällt für so manchen Computerschach-Freund ein ganz wesentliches Kaufargument.
Wer darüber jedoch nun in Wehklagen ausbricht, der klagt auf extrem hohem Niveau. Denn ob der allgemeinen Diskussion über vermeintliche oder tatsächliche «Spielstärke» vergisst man leicht, dass Fritz 12» und mit ihm zahlreiche andere Programme inzwischen 99,99 Prozent aller Schachfreunde weltweit chancenlos lassen, und für die allermeisten Turnierspieler bis hinauf zum Großmeister stellt sich heutzutage allenfalls die Frage, ob sie von «Fritz 12» in 35 Zügen oder von noch stärkeren Engines bereits in 30 Zügen besiegt werden…

Üppige Grafik, ästhetische Schach-Räume, aber auch Ressourcen-Fresser: Die «Englische Bibliothek» in «Fritz 12»
Dies dokumentiert übrigens eine weitere, bereits mit «Fritz 11» eingeleitete konzeptionelle Ausrichtung dieser Chessbase-Software, nämlich die offensichtlich endgültige Verabschiedung vom jahrelang als sakrosankt definierten Diktat der Performance-Progression. Einfacher gesagt: Fritz scheint nicht mehr in die Tiefe, sondern in die Breite gesteuert zu werden. «Breite» durchaus auch im Sinne von Breitensport; nicht mehr für die «Engine-Freaks» programmiert man in Hamburg, sondern «für die ganze Familie»; es soll offensichtlich für den Schachspieler jeder Couleur etwas dabei sein.
Ob Chessbase damit der Not gehorcht – sprich: das programmiertechnische Knowhow erschöpft ist – oder dem eigenen Triebe, darüber darf man spekulieren. Fest steht, dass das schachliche „Drumherum» des Software-Paketes «Fritz» nach wie vor seinesgleichen sucht, auch in der kommerziellen Szene. Die integrierten Fritz-Highlights sind geläufig:
- Umfangreiche Partien-Datenbank: Die aktuell mitgelieferte CBH-Sammlung umfasst nun 1,5(!) Millionen Partien, und zwar hochwertig komponiert mit zahllosen Themen-, Taktik-, Endspiel- und Eröffnungsschlüsseln. Hinzu kommt ein qualitatives «Opening Book» aus der Großmeister-Praxis mit diversen Statistik-Komponenten
- Diverse Trainings-Optionen: Auch in den neuen Fritz wurde wieder eine Fülle an Features reingepackt wie mehrstündige Videolektionen, automatische Spielstärke-Anpassung, Handicap- und Coach-Optionen, Eröffnungsstatistik, Zugerklärung, verschiedene Traningsmodule, automatische Partien-Analyse, diverse Sparring-Funktionen etc.
- Multimediale Komponenten: Sprache und Musik sind abermals aufgepeppt worden, ebenso die Sprüche-«Kommentare» des Kabarettisten Matthias Deutschmann, die integrierte Text-Partiekommentierung, sowie (wie erwähnt) eine Fülle sehr attraktiver «Raum»-Graphiken und (3D-)Brett-Outfits. Nebenbei interessant mag außerdem für entsprechende Liebhaber sein, dass «Fritz» die Schach-Derivate «Chess 960» und «Räuberschach» für das exotische Spiel zwischendurch offeriert.
- Schach-Server-Zugang: Sie ist das ganz besondere Aushängeschild von Fritz, diese Live-Plattform www.schach.de, deren einjähriges Gratis-Abo ein «Fritz»-Käufer automatisch erhält. Neu gibt’s nun noch einen Premium-Account obendrauf: Ohne weitere Verpflichtung oder Kosten lassen sich jetzt auf dem «weltgrößten Schachserver» (Chessbase) exklusvie Audio-Kommentare bei Spitzenturnieren, Live-Trainings-Events, Großmeister-Simultane und Schach-TV-Sendungen genießen.
Erfolgreiches Rundum-Paket
Fazit: «Fritz» hat sich, mit seiner ganzen Unmenge an graphischen Accessoires – ganz zu schweigen von der inzwischen fast unüberblickbaren Vielfalt an direkt kompatiblen weiteren DVD-/CD-Produkten aus allen denkbaren Schach-Sparten -, mit seinem Multimedia-Equipement, mit seinem ständig wachsenden Analyse-Werkzeugkasten und mit seinem umfangreichen Online-Service längst vom «Experten» wegentwickelt, hin zum vielfältigen Schach-Paket quasi «für die ganze Familie», bei dem für absolut jeden was dabei ist, sei er nun Newbie oder Meisterspieler. Schön auch, dass nun endlich einige bekannte kleine «Fritz»-Schönheitsfehler abgestellt wurden; z.B. lässt sich jetzt nach Neustart mit exakt jenen Fenstern weiterarbeiten, die vor dem Programm-Ende aktiv waren.
Kurzum, der Rezensent gesteht: Müsste er sich heute entscheiden, welches Schachprogramm er auf die berühmt-berüchtigte «einsame Insel» mitnähme, seine Wahl fiele ihm relativ leicht.
Mit dieser Entscheidung stünde er allerdings nicht alleine: Die kürzlich gestartete, großangelegte Umfrage des «Glarean Magazins» bezüglich GUI-Präferenz unter den Schachspielern spricht bereits jetzt, lange vor Abschluss des Polls, eine überdeutliche Sprache: Auf «Fritz» entfielen bis heute mehr als 400 Votings – doppelt so viele wie auf die zweitbeliebteste Oberfläche, nämlich jene von «Shredder».
Es scheint also einiges darauf hinzudeuten, dass «Fritz» auch zukünftig bleibt, was er von Anfang an war: Volkes Stimme in Sachen Computerschach. ■
Chessbase/Hamburg: Fritz Twelve, DVD-Schach-Software, ISBN 978-3-86681-133-1
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Partie
Fritz 12 – Stockfish 1.5 JA
15Min./Engine (DualCore/5moves-Book – 2009) [E10]
1.Sf3 c5 2.c4 Sf6 3.d4 e6 4.d5 b5 5.dxe6 fxe6 6.cxb5 d5 7.Lg5 Le7 8.e3 a6 9.Sc3 c4 10.bxa6 Db6 11.Tb1 Sc6 12.Le2 0-0 13.0-0 Dxa6 14.Sd4 Lb4 15.Lxf6 Txf6 16.e4 dxe4 17.Sdb5 Db6 18.Lxc4 Tg6 19.a3 Le7 20.Tc1 e3 21.Sd6 Ld7 22.fxe3 Se5 23.Sf5 Lg5 24.Sd5 Dd8 25.h4 Kh8 26.hxg5 exf5 27.Sf4 Tc6 28.Dd4 Sxc4 29.Txc4 Dxg5 30.Ta4 Td8 31.Ta7 Lc8 32.Txg7 Txd4 33.Txg5 Td2 34.e4 h6 35.Tg3 Txb2 36.Sg6+ Kh7 37.exf5 Tbb6 38.Se7 La6 39.Sxc6 Lxf1 40.Kxf1 Txc6 41.Kf2 Ta6 42.Ke1 Ta4 43.f6 Tf4 44.Tf3 Te4+ 45.Kd2 Kg8 46.f7+ Kf8 47.Kc3 h5 48.g3 Ta4 49.Kb3 Te4 50.a4 Te5 51.Kc3 Te4 52.a5 Te5 53.Kb4 Te4+ 54.Kc5 Te5+ 55.Kb6 1-0
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