Glarean Magazin

Literatur – Musik – Schach

Posted in Editorial / Inhalt, Glarean Magazin, Inhalt, Walter Eigenmann by Walter Eigenmann on 1. Januar 2012

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Editorial / Inhalt

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Literatur…..…………………..Musik…..…………………..Schach

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…sind drei auf den ersten Blick heterogene Kultur-Phänomene. Beim zweiten Hinsehen werden Gemeinsamkeiten offenbar, denen nachzuspüren eine der Intentionen dieses Internet-Kultur-Journals ist.
Und: Literatur, Musik, Schach – das steht auch für drei der grundlegenden menschlichen Komponenten, nämlich fürs Denken, fürs Fühlen, fürs Spielen.  -

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Walter Eigenmann / Mai 2012

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Glarean = Schweizer/Glarner Humanist und Universal-Gelehrter (1488-1563):
Musiker, Dichter, Mathematiker, Philologe, Historiker und Geograph

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Inhalte

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EssaysEssays & Aufsätze von Richard Albrecht, Mario Andreotti, Janko Ferk, Arnold Leifert, Joanna Lisiak, Karl-Heinz Schreiber, Rolf Stolz u.v.a. ProsaNeue Prosa von Karlheinz Barwasser, Peter Fahr, Herbert Friedmann, Jutta Miller-Waldner, Norbert Sternmut, Rainer Wedler  u.v.a.
LyrikNeue Lyrik von Werner K. Bliß, Tanja Dückers,  Brigitte Fuchs, Petra Ganglbauer, Martin Kirchhoff,  Ines Oppitz u.v.a. NietzscheZitate der Woche von Friedrich Nietzsche bis Jürgen Habermas und von Charles Darwin bis Roger Willemsen u.v.a.
RezensionenRezensionen neuer Bücher, Musikalien und CDs aus den Sparten Belletristik, Sachbücher, Klassik, Jazz, Pop, Schach u.v.a. WettbewerbeWettbewerbe und Preise Musik- und  Literatur-Ausschreibungen, Info-Service für alle Genres u.v.a.
SchachSchach in seinem ganzen Spektrum mit Aufgaben und Studien,  Computer-Schach, Chess960, Partien, Bücher, Tests u.v.a. StreichhoelzerDenksport in allen Facetten mit Musik-, Literatur- und Schach-Kreuzworträtseln, Sudoku, Streichholz-Rätsel, Tangram u.v.a.
InterviewInterviews und Events aus den drei Glarean-Sparten mit News, Turnieren, Festivals, Seminare, Historie u.ä. CartoonsHumor & Sensationen in den Rubriken Cartoons, Karikaturen, Aufgeschnappt, Videos u.ä.
DisketteGratis-Downloads von kostenlosen Musiknoten (Pop, Klassik, Jazz, Volkslieder), Schachpartien u.v.a. Herausgeber_EigenmannMedia-Daten Der Herausgeber – Media-Daten & Impressum – Kontakt – Archiv: SCRIPTUM – auf DVD

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Das klassische Glarean-Tangram (37)

Posted in Denksport, Glarean Magazin, Rätsel, Tangram by Walter Eigenmann on 3. Juni 2012

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Legen Sie mit den Tangram-Elementen die folgende Figur

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Lösung: —>(weiterlesen…)

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Das Tangram-Puzzle

Das Tangram (auch Siebenschlau oder Weisheitsbrett genannt) ist ein altehrwürdiges chinesisches Geometrie-Spiel: Aus nur sieben Steinen eines Quadrates, nämlich fünf Dreiecken, einem Quadrat und einem Parallelogramm lassen sich die vielfältigsten Figuren (Pflanzen, Tiere, Menschen u.v.a.) legen, wobei immer alle sieben Steine verwendet werden müssen. Sie sollen sich berühren, dürfen sich aber nicht überlappen.

Schon in der uralten Kultur Chinas bedeutete das Quadrat die reinste Form einer Fläche, in sich vollkommen, und beim Tangram wird dieses in sich ruhende Quadrat nun aufgelöst in eine endlose Bewegung, wird es durch unablässige Veränderung zum Ausgangspunkt ungeahnter Gebilde, durch das Zusammenspiel seiner festen Elemente zum Quell des Neuen.
Die ersten Tangram-Bücher wurden zur Zeit des Ch’ing-Kaisers Chia Ch’ing (1796-1820) gedruckt, die früheste uns überlieferte Tangram-Publikation dort stammt aus dem Jahre 1813, doch das Grundprinzip des Spiels dürfte im asiatischen Raum schon lange vor  Christi Geburt weit verbreitet gewesen sein. Eine frühe erste Veröffentlichung in Europa datiert aus dem Jahre 1805.

Inzwischen hat das Tangram einen wahren Siegeszug durch alle Kontinente angetreten, ist Gegenstand zahlreicher Bücher und Sammlungen geworden – und lädt unvermindert anregend und spannend ein zum Nachdenken, zum Knobeln, zum Sinnieren,  ja vielleicht gar zum Philosophieren über die ewige Veränderung des ewig Gleichen…

Im «Glarean Magazin» finden sich regelmäßig interessante und berühmte Tangram-Aufgaben.  Dabei wird das Lege-Puzzle erleichtert, wenn man sich aus Karton die sieben Grundelemente zurechtschneidet.
Sollten unter unseren Leserinnen und Lesern vielleicht sogar Tangram-«Erfinder» sein, so sind sie freundlich eingeladen, uns ihre neuen Figuren als Grafik-Datei zu senden!  (we)

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Ein Beispiel

Legen Sie mit den Tangram-Elementen die folgende Figur

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Ulrich Kittstein (Hg.): «An Aphrodite» – Gedichte von Frauen

Posted in Buch-Rezension, Glarean Magazin, Literatur, Literatur-Rezensionen, Rezensionen, Sigrid Grün by Walter Eigenmann on 31. Mai 2012

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Weibliche Lyrik von der Antike bis ins 20. Jahrhundert

Sigrid Grün

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1960 erschien im Verlag Lambert Schneider die Anthologie «Irdene Schale – Frauenlyrik seit der Antike», die damals von Mechthild Barthel-Kranzbühler herausgegeben wurde. «An Aphrodite» ist nun die Nachfolge-Anthologie. Die Auswahl der Gedichte wurde stark überarbeitet. Einerseits musste das Textkorpus reduziert werden, andererseits kamen Gedichte aus dem 20. Jahrhundert hinzu. Gegenwartslyrik wurde allerdings ausgespart, da hier noch kein abwägender Blick aus der Distanz möglich ist. Die nicaraguanische Erzählerin und Lyrikerin Gioconda Belli (* 1948) setzt mit ihren Gedichten also den Schlusspunkt.
Den Schwerpunkt bildet weibliche Lyrik aus dem europäischen und amerikanischen Kulturraum. Aber auch Gedichte von türkischen und arabischen Autorinnen finden sich in der facettenreichen Auswahl, die einen Bogen von der Antike bis ins 20. Jahrhundert schlägt. Dabei lässt sich auch sehr gut der Wandel der weiblichen Lebenswelt nachvollziehen. Hier ist eine erhebliche Ausweitung des Aktionsradius’ festzustellen: Etwa von der ausschließlich innerlichen Lyrik des Mittelalters hin zur oft auch stark politisch motivierten Dichtung im 20. Jahrhundert.

Antikes Vorbild weiblichen Schreibens: Aphrodite (mit Eros / Gemälde: H. C. Danger)

Den Auftakt macht die griechische Dichterin Sappho, die als erste bekannte Lyrikerin Europas gilt. In ihren Texten findet man häufig Anrufungen von weiblichen Vorgängerinnen oder Vorbildern, etwa der Göttin Aphrodite: «Auf buntem Thron, Unsterbliche, Aphrodite,/ Zeus’ Tochter, Listenspinnerin, ich flehe zu dir:/ Lähm’ mir mit Trübsinn nicht und Überdrüssen,/ Herrin den Mut».
In der Anrufung war es auch Frauen möglich, sich in eine (weibliche) Traditionslinie zu stellen und ihr Schreiben zu rechtfertigen. Bis ins 20. Jahrhundert setzt sich der Topos fort: Ingeborg Bachmann widmet ihr Gedicht «Wahrlich» zum Beispiel der russischen Dichterin Anna Achmatova. Hier wird ein intertextueller Bezug über eine Sprach- und Kulturgrenze hinweg geschaffen.
Jede Lyrikerin ist mit einer Handvoll Gedichten vertreten. Man findet zum Beispiel Texte von Sappho (um 600 v. Chr.), Sulpicia (um Christi Geburt), Al-Chansa (7. Jh.), Hildegard von Bingen (1098-1179), Theresia von Avila (1515 – 1582), Gaspara Stampa (1523 – 1554), Karoline von Günderode (1780 – 1806), Marianne Willemer (1784 – 1860), Marceline Desbordes-Valmore (1786 – 1859), Annette von Droste-Hülshoff (1797 – 1848), Emily Bronte (1818 – 1848), Emily Dickinson (1830 – 1886), Ricarda Huch (1864 – 1947), Else Lasker-Schüler (1869 – 1945), Anna Andrejewna Achmatowa (1889 – 1966), Gabriela Mistral (1889 – 1957), Nelly Sachs (1891 – 1970), Marina Zwetajewa (1892 – 1941), Maria Pawlikowska-Jasnorzewska (1894 – 1945), Marie Luise Kaschnitz (1901 – 1974), Hilde Domin (1909 – 2006), Margherita Guidacci (1921 – 1992), Blaga Dimitrowa (1922 – 2003), Nazik al-Mala’ika (1923 – 2007), Ingeborg Bachmann (1926 – 1973), Sylvia Plath (1932 – 1963), Gülten Akin (*1933), Sarah Kirsch (*1935), Gioconda Belli (*1948) u.v.m.

Eine der bedeutendsten Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts: Ingeborg Bachmann

Die Gedichte sind mal poetisch und innerlich, mal gesellschaftskritisch und oft verzweifelt. Zu manchen Texten findet man nur schwer einen Zugang. Die Gründe dafür sind vielfältig und können beispielsweise durch die zeitliche Distanz bedingt sein, die zwischen der Entstehung der Texte und der Gegenwart liegt. Die neueren Gedichte, die der hermetischen Lyrik zuzuordnen sind, entziehen sich dem unmittelbaren Verständnis, weil Autorinnen wie etwa Ingeborg Bachmann versuchten ein neues Sprachverständnis zu entwickeln. Die Bilder sind auf der semantischen Ebene zunächst schwer greifbar, nach dem erfolgreichen Prozess der Dechiffrierung aber dafür sehr eingängig.

«An Aphrodite» ist eine umfangreiche und vielseitige Lyrik-Anthologie, die literarisch eindrucksvoll vor Augen führt, wie viel sich in puncto «Befreiung der Frau» im Laufe des vergangenen Jahrhunderts getan hat.

Besonders reizvoll an diesem Band ist die Möglichkeit, als Leser die Variationen der Rolle der Frau innerhalb der patriarchalischen Gesellschaft sehr gut nachzuvollziehen. Die Auswahl ist also als ausgesprochen gelungen zu betrachten, spiegelt sie doch sehr gut wider, wie die weibliche Lebenswelt und ihr Wandel in den verschiedenen Epochen und Kulturräumen erlebt wurde. Natürlich mag man anführen, dass wichtige Autorinnen wie etwa Rose Ausländer fehlen – aber eine vollständige Zusammenfassung weiblichen Schreibens ist nicht einmal für den deutschen Sprachraum wirklich zu bewältigen.
Sehr gelungen ist auch die Einführung durch den Herausgeber Ulrich Kittstein. Auf wenigen Seiten werden hier die Besonderheiten des weiblichen Schreibens und seine Entwicklung zusammengefasst. Eine umfangreiche und vielseitige Anthologie also, die eindrucksvoll vor Augen führt, wie viel sich in puncto «Befreiung der Frau» im Laufe des vergangenen Jahrhunderts getan hat. Es ist faszinierend, diesem Weg auf einer literarischen Spur zu folgen. ■

Ulrich Kittstein (Hg.): An Aphrodite – Gedichte von Frauen von Sappho bis Sarah Kirsch, 231 Seiten, Verlag Lambert Schneider, ISBN 978-3650250742

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Humor in der Musik (23)

Posted in Humor, Humor in der Musik, Marilyn Mulvey, Musik, Victor Borge, Video by Walter Eigenmann on 25. Mai 2012

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Victor Borge & Marilyn Mulvey

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Piano and Koloratur-Sopran

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Weitere Musik-Humor-Beiträge im Glarean Magazin

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Das «Glarean»-Sudoku im Mai 2012

Posted in Denksport, Glarean Magazin, Rätsel, Spielwiese, Sudoku by Walter Eigenmann on 21. Mai 2012

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Der neue Sudoku-Spaß


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Copyright 2012 by Walter Eigenmann / Glarean Magazin

Das Rätsel ausdrucken (pdf)

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Walter Ehrismann: Bild-Meditation über «Grande Arlequinade»

Posted in Bild-Meditation, Glarean Magazin, Literatur, Neue Prosa, Walter Ehrismann by Walter Eigenmann on 16. Mai 2012

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Ein Maskenreigen

Betrachtung über das Gemälde «Grande Arlequinade»

Walter Ehrismann

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Vor uns ein wirrer Maskenreigen von Gesichtern – kleine Zirkuskunststücke werden uns dargeboten: Seiltänzer, Gaukler, Trapezkünstler beherrschen die Szene. Herrisch dirigiert ein farbig geschminkter Clown die Gruppe. Akrobaten, der grüngesichtige Zauberer, Feuerschlucker, Scharlatane und Harlekine unter ihrer schwarzen Augenmaske. Ein hoher Federdreispitz bedeckt den Kopf – schwarzblau, grün, rot und gold sind die vorherrschenden Farben, aus tiefstem, schwärzesten Grund ans Licht gebracht. Rhombenartig gewürfelt ihr Fleckenkleid. Sie  unterhalten die staunende Menge. Der Weiße führt sie an. Sein glitzerndes Seidenkostüm mit den zugespitzten Achselpolstern, die samtene Pumphose, der hohe Hut verleihen ihm diabolische Würde. Auf dem Saxophon bläst er schauerliche Töne. Sie wirken wie die Schreie archaischer Klageweiber.
Gemessenen Schritts umrundet er die Menge. Endlich steht er vor mir, beugt sich zu mir herab. Sein aufgerissener Mund und die Ohren sind grellrot geschminkt, das Gesicht ist erstarrt unter seiner bleichen Maske. Aus leeren Augenhöhlen fixiert er mich. Über allem liegt ein Hauch heiterer Schwermut. Alles, was ich in dem Bild erkenne, das sich vor mir ausbreitet, erzählt etwas über mich. Auch wenn ich nichts sehe: Ich bin es. ■

Walter Ehrismann: Grande Arlequinade, Oeltempera und Sand auf Leinwand, Galerie am Platz (Foto: A. Brandt)

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Weitere Bild-Meditationen im Glarean Magazin

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Das neue Glarean-Schach-Kreuzworträtsel

Posted in Denksport, Glarean Magazin, Kreuzworträtsel, Rätsel, Schach, Schach-Kreuzworträtsel by Walter Eigenmann on 12. Mai 2012

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Der Schach-Rätselspaß im Mai 2012

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Rätsel ausdrucken

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Karol Szymanowski: 3. Symphonie – 1. Violinkonzert (Christian Tetzlaff – Pierre Boulez)

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«Ich und Gott, wir sind allein diese Nacht!»

Wolfgang-Armin Rittmeier

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Das eher schmale kompositorische Werk des polnischen Komponisten Karol Szymanowski ist im Grunde vollkommen unbekannt geblieben. Wer kennt und hört seine Lieder, seine Chorwerke, seine Opern, seine Kammermusik, seine Symphonien? Das mögen einige Musikinteressierte sein, das breite Publikum indes hätte von seinen Werken wohl nie gehört, wäre da nicht ein Werk, das den gesamten Rest – ähnlich wie im Fall seines Zeitgenossen George Enescu – verblassen lässt. Sind es bei Enescu die «Rumänischen Rhapsodien» hinter denen das restliche Oeuvre förmlich verschwindet, so kennt man von Szymanowski im Grunde nur seine dritte Symphonie, die den mystisch anmutenden Beinamen «Lied der Nacht» trägt. Doch im Gegensatz zu Gustav Mahlers siebter Symphonie, die man aufgrund der beiden Nachtmusiken ebenso tituliert hat, ist der Titel hier nicht nur vom Komponisten gewollt, sondern auch sinnvoll, verweist er hier doch auf die in der Tat mystische Ausrichtung des Werkes.

Die Komposition ist das Destillat der neuen Erfahrungen, die Szymanowski in den ersten Jahren des zweiten Dezenniums des neuen Jahrhunderts gleichsam wie ein Schwamm aufsog. Die Übersiedlung von Polen nach Wien brachte ihn mit der Klangwelt Debussys in Kontakt, er vertiefte seine Beschäftigung mit der Musik Ravels und Skriabins; Reisen nach Italien, Sizilien und Nordafrika verstärkten sein Interesse an exotischen Klangfarben und Inhalten. Schon früh war er wohl über die deutsche orientalisierende Literatur den Texten des großen persischen Dichters Hafiz begegnet, die ihn zutiefst berührten und zu zwei Liederzyklen («Liebeslieder des Hafiz» op. 26 & 31) inspirierten: «Von meinem Hafiz bin ich unheimlich ergriffen. Allah selbst hat ihn mir gesandt. Ich meine, es sind ideale Texte.» Über diesen Weg begann eine intensive Auseinandersetzung mit der islamischen Kultur und Philosophie, insbesondere jedoch mit dem Sufismus. Jene Lehre vom Weg des Sufi, die den Gläubigen zur liebenden Vereinigung mit Gott, der als Geliebter verstanden wird, führen soll, hat Szymanowski nachhaltig beeindruckt. Ein sufistischer Text des persischen Dichters Mawlana Dschalal-ad-din-Rumi (1207-73) wird zum Ausgangspunkt der von 1914-16 komponierten dritten Symphonie. Der Text eröffnet die Nacht als Raum der Transzendenz, einen Raum, in welchem sich – wie es im Text heißt – «das Geheimnis klären» wird, in dem der Gläubige mit Gott allein sein und der von Eros und Erkenntnis erfüllt sein wird.

Szymanowski 1935 vor seinem Wohnhaus in Zakopane

Dieser Text nun inspiriert Szymanowski zu einer seiner kühnsten Kompositionen. Es ist ein symphonisches Werk, das sich von den traditionellen Formen verabschiedet, das aufs Diffizilste motivisch durchdrungen ist, und das eine derartige instrumentale Palette auffährt (im Durchschnitt zählt eine Partiturseite 40 Systeme), dass der Hörer des Werkes förmlich von den sich auftürmenden Klangballungen in das vom Komponisten erstrebte ekstatische Erleben hineingespült wird.
Was nun will Pierre Boulez mit dieser Musik? Ein Dirigent wie er, dessen Annäherung an die Werke der Spätromantik und frühen Moderne oft eine Dekonstruktion und Demystifizierung derselben mittels intellektueller, kühl analytischer Durchleuchtung war, lässt sich nun im hohen Alter noch einmal auf den Rausch Szymansowkis ein? Oder will er auch hier mit dem Seziermesser musizieren lassen? Die Antwort lautet: Nein! Boulez’ Einspielung des «Liedes der Nacht» zeugt davon, dass er auch anders kann. Ihm gelingt eine insgesamt hörenswerte Aufnahme, die nicht nur auf die Herausarbeitung der unterschiedlichen klanglichen Facetten und der Tektonik des Werkes zielt, sondern auch den spirituellen Charakter dieser Musik unterstreicht. Dabei klingt beispielsweise der Beginn bei Weitem nicht so licht wie in Rattles beeindruckender Aufnahme aus Birmingham, sondern ausgesprochen dunkel, ja schon fast lastend. Es ist die Finsternis der Nacht, die Nacht der Kranken, wie es im Text heißt, die Boulez als Ausgangspunkt wählt, um von hier aus das ekstatische Erleben zu entwickeln.

Spätestromantische Emotionalität: Zitat aus Szymanowskis «Mazurkas» für Klavier op. 62

Tenor Steve Davislim reicht – wie im Grunde jeder andere Tenor, der momentan auf Tonträger zu finden ist – nicht an die grandiose, höchst intensive Darstellung des Textes heran, die der große polnische Tenor Wieslaw Ochman sowohl in Jerzy Semkows als auch in Karol Stryjas Einspielungen bietet. Da fehlt einfach der entspannte und natürlich Umgang mit dem polnischen Idiom, der Ochman die Möglichkeit gibt, wesentlich eindringlicher zu gestalten. Dennoch ist er erkennbar engagiert bei der Sache. Ähnliches gilt für den Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde Wien, dessen Gesang von Tonmeister Wolfgang Fahrner nicht eben günstig eingefangen wurde. Mulmig klingt das, weit weg, nicht so recht differenziert, bisweilen erschreckend amorph. Boulez gelingen besonders die äußeren Abschnitte des Werkes gut: das Wogende, sich langsam Aufschwingende, die Entwicklung bis hin zur erkenntnisschwangeren Klimax kurz vor Schluss, deren unklaren, zwischen orgiastischer Freunde und Schmerz liegenden Charakter er von Chor und Orchester höchst eindrucksvoll herausschreien lässt. Lediglich der mittlere Teil, die exotische, erotisch-tänzerische Feier der Nacht, kommt etwas nüchtern daher.

Boulez’ Einspielungen der Dritten Symphonie und des Ersten Violinkonzertes von Karol Szymanowski sind nicht hinreißend, aber doch niveauvoll, insgesamt durchaus empfehlenswert.

Gekoppelt ist Szymanowskis keine halbe Stunde dauernde Symphonie mit seinem in zeitlicher Nähe entstandenen Violinkonzert, gespielt von Christian Tetzlaff. Das ebenfalls knappe einsätzige Werk schillert in ähnlich vielen Farben wie die zuvor komponierte Symphonie, wobei hier das dunkel-mystische Element in den Hintergrund rückt. Tetzlaffs erster Einsatz macht deutlich, dass er eher eine lichte und klare Interpretation des höchst virtuosen Soloparts im Sinn hat. Sein Spiel schwebt meist über dem üppigen Klangteppich, wobei die bisweilen schwül knisternde Erotik des sich entspinnenden Wechselgesanges von Orchester und Solist weder von ihm noch von Boulez wirklich ausgekostet wird. Will man diesen Kelch zur Neige geleert bekommen, muss man zu Zimmermann/Wit oder Zehetmair/Rattle greifen. Dennoch schwelgen Tetzlaff, Boulez und die Wiener Philharmoniker – wenn auch keusch – in dem evokativen Material des Werkes, wobei eine gewisse Restkühle bleibt: das klingt alles schön, bleibt aber auch so unnahbar wie ein glitzernder Diamant.
Grundsätzlich: Die Einspielungen der dritten Symphonie und des ersten Violinkonzertes von Karol Szymanowski unter Pierre Boulez können sich hören lassen und treffen den Charakter dieser Musik gut. Doch muss man auch Einschränkungen machen: Der Chor klingt dumpf, und Tenor Steve Davislim zeigt eine eher durchschnittliche Leistung. Christian Tetzlaffs Spiel im Violinkonzert hingegen ist auf höchstem Niveau. Insgesamt eine sehr ordentliche, wenn auch nicht hinreißende Aufnahme. ■

Karol Szymanowski: 3. Symphonie / 1. Violinkonzert, Wiener Philharmoniker, Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde Wien, Christian Tetzlaff, Pierre Boulez, Doppel-CD Deutsche Grammophon

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Hörproben

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Das neue Streichholzrätsel im «Glarean»

Posted in Denksport, Glarean Magazin, Rätsel, Spielwiese, Streichholz-Rätsel by Walter Eigenmann on 5. Mai 2012

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Legen Sie eines der Streichhölzer so um, dass die Rechnung stimmt

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Lösung: —>(weiterlesen…)

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Weitere Streichholz-Rätsel im Glarean Magazin

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Internationaler Silberberg-Lyrikpreis 2013

Posted in Eckhard Erxleben, Literatur, Literatur-Ausschreibungen, Literaturwettbewerbe, Lyrik by Walter Eigenmann on 3. Mai 2012

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Gedichte gesucht zur «Heimat»-Thematik

Einen internationalen Lyrik-Wettbewerb schreiben der altmärkische Schriftsteller Eckhard Erxleben in Zusammenarbeit mit der Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren (IgdA) aus. Eingesandt werden können Gedichte, wobei das Thema «Heimat» lautet: «Es geht darum, den altehrwürdigen Begriff Heimat wieder mit neuer junger poetischer Energie aufzuladen. In den eingesandten Gedichten soll literarisch Heimat gesucht werden in der von uns bewohnten Landschaft, in der Liebe zu Menschen, im Respekt vor der Natur und letztendlich in der eigenen Seele.» Einsende-Schluss ist am 31. Dezember 2012, die weiteren Einzelheiten finden sich hier. ■

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111 Chess Tacticals (22)

Posted in 111 Chess Tacticals, Denksport, Glarean Magazin, Schach, Schach-Rätsel by Walter Eigenmann on 30. April 2012

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Weiß am Zuge gewinnt

Die Serie «111 Chess Tacticals» wendet sich an die Rätselfreunde unter den Schachspielern. Die faszinierende Welt der Schach-Taktik, wie sie sich in diesen 111 Miniaturen spiegelt, beinhaltet herrliche, meist frappante Kombinationen aus der Praxis des jüngsten Amateur- und Profischachs. Der Schwierigkeitsgrad variiert von Aufgabe zu Aufgabe, doch im allgemeinen kann ein Puzzle innerhalb von fünf Minuten von durchschnittlichen Vereinsamateuren gelöst werden. – Die Lösung erhalten Sie jeweils nach einem Mausklick auf das Diagramm, und die Varianten können dann online nachgespielt werden. Ausserdem lässt sich das ganze Puzzle als PGN-Datei downloaden. -
Viel Vergnügen beim Knobeln unserer «111 Chess Tacticals»! ■

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Weitere «Tacticals».

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Interessante Buch- und CD-Neuheiten – kurz vorgestellt

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Pindakaas-Saxophon-Quartett: «Voyage»

Das Münsterer Saxophon-Quartett Pindakaas mit Marcin Langer (Sopransaxophon), Guido Grospietsch (Altsaxophon), Anja Heix (Tenorsaxophon) und Matthias Schröder (Baritonsaxophon) legt neu die – bereits 1996 in der Kirche Oberberg/D aufgenommene – CD «Voyage» auf. Mit total 21 Titeln aus dem anonymen Spätmittelalter über Schönberg-Liedern bis hin zur Jazz-Moderne eines Chick Corea durchschreiten dabei die vier Bläser einen ebenso fulminanten wie interessanten Stile-Parcours. Wer nicht nur kammermusikalisch niveauvolles Zusammenspiel, sondern auch Ausdrucksvielfalt und Variabilität des relativ neuen Instrumentes Saxophon eindrücklich dokumentiert haben möchte, wird sich diese Jahrhunderte-Reise der vier «Pindakaas»-Künstler in den Platten-Schrank stellen. ■

Pindakaas-Saxophon-Quartett: Voyage, Audio-CD, Spieldauer 56:37, CPO/ClassicClips – Hörbeispiele

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Klaus Martens: «Abwehrzauber», Gedichte

Klaus Martens (geb. 1944), emerierter Literatur-Professor und langjährig in der universitären Forschung als Übersetzer tätig, schreibt seit bereits Jahrzehnten und produktiv auch Lyrik. Nach seinen diesbezüglich beiden letzten Büchern «Das wunderbare Draußen» und «Alte Knochen» publiziert er nun seinen 160 Seiten starken Gedichte-Band «Abwehrzauber». Die Sammlung vereinigt ausschließlich jüngste Poesien des Autors aus den letzten drei Jahren. In der «Einführung und Danksagung» des Dichters zu seinen Gedichten heißt es: «Sie greifen auf, entwickeln und reflektieren einige Gedanken und Emotionen, Erfahrungen und Erlebnisse, privat und öffentlich, zuhause und im Ausland aus mehr als vier Jahrzehnten». – Klaus Martens ist auch als Autor im Glarean Magazin in Erscheinung getreten. ■

Klaus Martens: Abwehrzauber, Gedichte, 160 Seiten, Conte Verlag, ISBN 978-3-941657-71-7

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Christian Elin (Saxophon): «Back to yourself»

Mit Graham Fitkin, Minas Borbodakis, Marc Mellits, Stefan Nerf, Lepo Sumera, Peter Michael Hamel, Enott Schneider, Christian Elin und Manfred Stahnke vereint die neue CD «back to yourself» des Augsburger Konzert-Saxophonisten Christian Elin (vormals Christian Dellinger) eine Reihe interessanter Komponisten der aktuellsten Jazz-Moderne. Die stilistische Paletette der neuen Saxophon-CD Elins mit u.a. der Pianistin Anna D’Errico reicht von der Asiatischen Musik über den Jazz, die Film-Musik und die Minimal Music bis zurück ins Spätmittelalter. Herausgeber Elin: «Ein weiteres Charakteristikum dieser CD ist, dass mehrere Komponisten die Improvisation als wesentliches Moment in ihre Werke integrieren und damit Freiräume für die ausübenden Musiker schaffen.» ■

Christian Elin, Anna D’errico, Sebastian Hausl, Bastian Jütte, Wolfram Oettl: «back to yourself», Audio-CD, Spieldauer 74:02, Label Raccanto

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Mehr Rezensionen im Glarean Magazin

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Der brillante Schachzug (100)

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Matt in 18 Zügen

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Lösung: —> (weiterlesen…)

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.Mit dieser Matt-Aufgabe endet vorläufig die Serie der «Brillanten».

Die Publikation der exakt hundert Stellungen im Glarean Magazin
erstreckte sich über einen Zeitraum von fast vier Jahren.
Doch noch immer dürften ca. zwei Drittel dieser Chess-Puzzles -

sie stammen übrigens alle «aus Menschenhand», sei’s nun aus dem
Nah-, Fern- oder Studien-Schach – auch für die Schachprogrammierung
eine extreme Herausforderung darstellen, zumal wenn die Vorgabe lautet,
dass jede Aufgabe innert nützlicher Frist (= ca. 30 Sek. pro Zug) zu lösen sei.

Die folgende kleine Rangliste verdeutlicht dies – obwohl die benutzte Hardware
zugegebenermaßen bereits etwas angegraut ist…

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    ENGINE           Pts

01. Houdini 2.0c x64 2CPU           35/100
02. Critter 1.4 x64 2CPU            31/100
03. Stockfish 2.2.2 x64 2CPU        20/100
04. Deep Rybka 4.1 x64 2CPU         17/100
05. Naum 4.2 x32 2CPU               14/100
06. Spike 1.4 2CPU                  14/100
07. Komodo 3.0 x64                  13/100
08. Deep Shredder 12 x64 2CPU       08/100
09. Bright 0.5c 2CPU                07/100
10. Zappa Mexico II x32 2CPU        06/100
11. Hermann 2.6 x64 1CPU            03/100

(30sec/move  -  Intel 2.1 GHz  -  2CPU  -
64bit  -  Win7  -  Arena-GUI  -  256 Hash -
Nalimov-/Shredder-/Gaviota-Bases)

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Alle 100 Puzzles interaktiv nachspielen (Java)

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Downloads:

Alle 100 «Brillanten» im PGN-Format

Alle 100 «Brillanten» im EPD-Format

Alle 100 «Brillanten» im CBH-Format
(für Fritz/Chessbase – gezippt)

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Alle 100 «Brillanten» im Glarean Magazin

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Schach im Glarean – gratis abonnieren: 

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Internationaler Kompositionswettbewerb für Christmas Carols

Posted in Ausschreibung, Chorlieder, Kompositionswettbewerbe, Musik, Musik-Ausschreibungen by Walter Eigenmann on 22. April 2012

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Weihnachtslieder a capella gesucht

Die Londoner Music Makers schreiben für 2012 einen internationalen «Hazel Renshaw Carol Composition Prize» aus, zu dem weihnächtliche A-capella-Chorstücke eingereicht werden können. Die Kompositionen sollen unveröffentlicht sein und eine Dauer von fünf Minuten nicht überschreiten. Einsende-Schluss ist am 1. September 2012, die weiteren Details finden sich hier (engl). ■

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Das 50-Euro-«Glarean»-Preisrätsel

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Schach: «Wer bin ich?»

(Women Power IX)

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Das neue
50-Euro-«Glarean»-Preisrätsel richtet sich mal wieder an die Schach-Freunde
unter unseren Lesern. Und wiederum lautet die Preis-Frage: «Wer bin ich?»
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Trotz meines sehr jugendlichen Alters und trotz meines Geschlechts darf ich darauf hinweisen, dass ich bereits unter den 2’500 besten Aktiv-Schachspielern der Welt figuriere – womit ich also nicht nur bei den Frauen, sondern auch bei den Männern sehr erfolgreich Turnierschach spiele. Natürlich erlernte ich das Spiel früh; schon in meinem fünften Lebensjahr wurde es mir von meinem Vater beigebracht. In der Schule hatte ich dann einmal wöchentlich Schach-Unterricht; mein Lehrer bemerkte mein Talent und schlug vor, Schach ernsthaft zu studieren. Seither eile ich von Erfolg zu Erfolg, und zu meinem Palmarès zählen inzwischen gar Europameister-Titel. Mein Lieblingssportler? Natürlich Magnus Carlsen! Der ist nicht nur die Nummer eins der Welt, sondern auch ein Top-Model :-) Die nachstehende Stellung dokumentiert meine hohe taktische Begabung mit einem nicht einfach zu sehenden Gewinnzug. – Also: Wer bin ich? (we)

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Weiss am Zuge

1. g6! [Das Bauernopfer ist viel stärker als der Bauerngewinn: 1. fxe6 Se5 2. exf7+ Sxf7 und Schwarz spielt noch mit] 1… Da1+ [Auch das bessere 1... hxg6 hilft nicht: 2. fxg6 Lxc3 (2... Sf6 3. e5+-) 2. Lxc3 und Weiss steht auf Gewinn] 2. Sb1 Sc5 [2... Lxd2+ 3. Txd2 fxg6 3. fxg6 Sf8 4. gxh7+ +-] 3. Dxh7+ Kf8 3. Lc4 Sa4 4. Dh8+ Ke7 5. Lg5+ Kd7 6. fxe6+ fxe6 7. Dxg7+ Kc6 8. Lxe6 1-0

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Wer zuerst die Lösung des Rätsels präsentiert, erhält wie immer 50 Euro.
Einsende-Schluss ist am 22. April 2012 (12 Uhr). Für die Einsendung
ist die untenstehende «Kommentar»-Funktion zu benützen.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. -
Viel Spaß und Erfolg!

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Jaume Cabré: «Das Schweigen des Sammlers» (Roman)

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Von Dämonen besessen

Günter Nawe

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Die Vial, eine wertvolle Geige aus der Werkstatt des Cremoneser Geigenbauers Storioni aus dem 18. Jahrhundert, übt eine seltsame Faszination auf den jungen Adrià Ardèvol aus. Dieser polyglotte, außerordentlich begabte Sohn eines Antiquitätenhändlers aus Barcelona und diese Geige mit ihrem bezaubernden Klang, an der allerdings Blut klebt, stehen im Mittelpunkt des neuen Romans des katalanischen Autors Jaume Cabré.
Die Geige, die Adrià bald perfekt zu spielen versteht, ist auch der Grund für ein Tötungsdelikt, für einen geheimnisvollen Mord, dem Adriàs Vater Felix Ardèvol i Bosch zum Opfer fällt. Für dieses Verbrechen macht sich der Junge selbst verantwortlich. Hat er doch die wertvolle Stoirioni, die sein Vater einem Interessenten zeigen will, gegen seine eigene und weniger wertvolle Geige ausgetauscht. Diese «Schuld», die er später auf andere Weise – die Geige gehörte eigentlich einem jüdischen Besitzer – abtragen will, muss Adrià leben.
Das ist die Konstellation, aus der heraus der Autor seinen Roman konstruiert. Dabei entwickelt er Handlungsstränge, die sich ständig überschneiden oder parallel zueinander verlaufen. Das vielstimmige Personal dieses umfangreichen Buches, die Schauplätze, ein schier unübersehbare Fülle von Ereignissen in Vergangenheit und Gegenwart – das alles ist auf höchst kunstvolle Weise mit- und ineinander verschränkt, so dass eine Nacherzählung fast unmöglich wird.
Dennoch: Gelehrter soll nach Vaters Willen Adrià werden, nach Mutters Willen Geigenvirtuose. Die Konflikte, die sich daraus für den Jungen ergeben, sind evident – und machen die psychische Situation aus, in der der sensible Adrià, eine höchst eindrucksvolle Figur, sich befindet. Adrià – wie schon sein Vater – ist nicht nur von der Musik besessen, sondern auch von dessen Sammelleidenschaft erfasst. Er verstand, «…dass ich von dem gleichen Dämon besessen war wie mein Vater. Das Kribbeln im Bauch, das Jucken in den Fingern, der trockene Mund…». Adrià versucht, sich in diesem Zwiespalt von Gefühlen und Ambitionen, was einem Fluch gleichkommt, zwischen musikalischem Virtuosentum und Gelehrsamkeit einzurichten.

Aus den Recherchen Adriàs über den Mord an seinem Vater und auf der Suche nach dem Täter erschließt sich die Familiengeschichte und die Geschichte der Geige und ihrer Entstehung in Cremona im 17./18. Jahrhundert. Eine dunkle Vergangenheit tut sich auf. Sie ist verbunden mit der Inquisition im 14. und 15. Jahrhundert, in der der Großinquisitor und sein Sekretär, ein Meuchelmörder, ein Mönch und ein jüdischer Arzt entscheidende Rollen spielen; Paris wird zum Schauplatz und 1914 bis 1918 auch Rom. Eine Geschichte, die Jaume Cabré in Auschwitz–Birkenau 1944 enden lassen wird, mit den schrecklichen Verbrechen von Sturmbannführern und KZ-Ärzten an jüdischen Häftlingen. Cabré schlägt damit einen historischen Bogen vom Mittelalter bis in die Neuzeit – und stellt oft erschreckende Übereinstimmungen, vor allem in ihren negativen Erscheinungsformen, fest.

Dichter von Weltrang: Jaume Cabré (*1947)

Es ist eine Geschichte, es sind viele Geschichten in einer von Gier und Macht und Neid, von dunklen Mordfällen und finsteren Intrigen, vom Bösen schlechthin – aber auch über die Liebe. Eine Liebe, die Adrià und Sara erleben und erleiden. Der Roman ist eine Art Metapher über den Missbrauch von Macht und über die Macht der Kunst. Damit ist dieser wunderbare Roman auch ein Buch über die conditio humana, melancholisch dargestellt und sehr tragisch, der sich Adrià ausgesetzt sieht. Rettung erwächst ihm jedoch aus der Liebe und aus der Liebe zur Gelehrsamkeit und zur Musik.

Jaume Cabré wechselt oft unerwartet die Zeitebenen. Erzählzeit und erzählte Zeit gehen plötzlich ineinander über. Es ist ein faszinierendes Tableau der Gleichzeitigkeit von aktuellem Geschehen, von Erinnerung und historischen Fakten, das dieser geniale Autor geschaffen hat. Mitten im Satz wird aus dem Ich-Erzähler ein auktorialer Erzähler; ergibt sich eine Art «Wechselgesang» zwischen der ersten und dritten Person. Wir haben es mit einer sehr kühnen, jedoch sehr gelungene Romankonstruktion zu tun, die vom Leser ein hohes Maß an Aufmerksamkeit erfordert; ihn dafür aber auch wunderbar belohnt. Die kongeniale Übersetzung durch Kirsten Brandt und Petra Zickmann trägt dazu in hohem Maße bei.

Jaume Cabrés Roman "Das Schweigen des Sammlers" ist eine Studie von einzigartigem, ja weltliterarischem Rang über die Macht und deren Missbrauch - und über die Macht der Kunst.

Jaume Cabré ist ein äußerst kluger, ein souveräner Autor. Das hat er bereits in seinen früheren Büchern («Die Stimmen des Flusses», «Senyoria») bewiesen. Mit diesem Roman toppt er jedoch seine bisher erschienenen Romane. Das hat nicht nur etwas mit dem Plot, den vielen Plots, sehr ambitioniert und virtuos miteinander verknüpft, zu tun, sondern auch mit der Musikalität der Sprache des katalanischen Autors. Jaume Cabré hat einmal darüber gesagt: «…denn mehr noch als Schriftsteller bin ich Musiker, jedenfalls, was die Leidenschaft angeht… Es gibt eine syntaktische Kadenz, an der ich dauernd arbeite…». Genau so auch liest sich der Roman, hoch musikalisch, von großer sprachlicher Dichte, artistisch, ohne artifiziell zu sein.
Es sicher nicht zu weit ausgeholt, diesem großartigen Roman weltliterarischen Rang zuzusprechen. ■

Jaume Cabré: Das Schweigen des Sammlers, 839 Seiten, Insel-Suhrkamp Verlag, ISBN 978-3-458-17522-3

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